Untermieter live

Im April waren die Amseln eifrig damit beschäftigt, den vorhandenen „Altbau“, das Nest vom letzten Jahr, zu renovieren. Es wurde etwas aufgestockt und liebevoll mit Moos und Kalle-Haaren (die auf der Terrasse ständig herumwehen) ausgepolstert.

Dann war es eine Weile recht still, aber seit gestern sind zwei kleine Schnäbel zu sehen, die sich hochrecken, wenn Mama oder Papa Amsel mit Wurm im Schnabel angeflogen kommt. Und zwischendurch sitzt auch immer noch einer der Altvögel auf dem Nest und brütet, eine baldige Vergrößerung der Familie steht anscheinend noch ins Haus.

Das Foto ist leider etwas verschwommen, da ich nicht so sehr nah an das Nest heranwollte und deshalb mit starkem Zoom geknipst habe. Aber ich finde, es strahlt trotzdem Souveränität und Ruhe aus.

Da das Nest an unter der Dachtraufe an unserer Terrasse hängt, haben wir jetzt also eine permanente Live-Schaltung auf das Familienleben unserer Amseln. Die lassen sich weder durch uns noch durch Lucy & Kalle stören. Hoffentlich bekommen sie ihre Jungen gut groß!

What a Wonderful world

Habe ich heute vormittag gefunden, als ich mein Handy entrümpelt habe.

Schaut euch das mal an, und dann überlegt, was wir gerade im Begriff sind, zu zerstören, unwiederbringlich!!!

Das Video stammt aus einer BBC-Dokumentation von Sir Richard Attenborough. Es wäre… hm, ein Jammer ist wesentlich zu schwach als Ausdruck, aber mir fällt gerade nichts anderes druckreifes ein, wenn solche Filme zukünftig nur noch als Dokumentation dessen gezeigt würden, was nicht mehr ist. Wer sind wir Menschen eigentlich, dass wir uns zum Herrn und Meister darüber aufspielen, welche Lebensformen und Lebensräume es gibt?

Mit den eigenen Händen etwas schaffen

Mein Projekt „Ich möchte wieder einen Gemüsegarten haben“ spukt schon seit einigen Jahren in meinem Kopf herum. Ehrlich gesagt, ist das auch ganz gut so, denn in diesen Jahren habe ich ihn im Kopf auch schon mehrfach umgestaltet. Aber jetzt, in diesem Frühjahr, hab ich ihn in Angriff genommen. Nachdem ich meine Physiotherapie hinter mir habe und es sich meist wieder so anfühlt, als ob die Bandscheibe da sitzt, wo sie hingehört, konnte mich nichts mehr halten. Gartenarbeit ist doch das beste Training für Rücken- und Bauchmuskulatur…

Von unseren Außenarbeiten vor ein paar Jahren liegt ein Riesenberg Pflasterklinker auf einer Palette im Garten, die verarbeite ich peu à peu zu Beetumrandungen. Der schon im letzten Herbst vorbereitete Boden (mit Motorhacke durchgepflügt und dann Bienenfreund gesät) ist jetzt gut zu beackern. Für den großen „Rest“, der noch Wiese ist, habe ich aber beschlossen, in Handarbeit vorzugehen. Daher werde ich alles, was noch kein Acker ist, das Jahr über mit reichlich Grasschnitt mulchen und im Spätherbst umgraben. Das dauert zwar lange, aber erstens bin ich mit dem kleinen Stück die nächsten Tage noch gut beschäftigt, habe ja auch noch weitere knapp 2500 qm Grundstück, die zwischendurch mal Aufmerksamkeit brauchen. Und zweitens ist das ruhige und langsamere Arbeiten für mich augenblicklich regelrecht meditativ. Es kommt dann sogar vor, dass ich mit den Regenwürmern spreche (die geben nämlich keine Widerworte 😉 ). Ich lasse die Erde durch die Finger rieseln, um Steine und Krautreste, die ich nicht im Gemüse wiederfinden möchte, zu finden.

Meine Familie wundert sich garantiert, was für merkwürdige Dinge ich teilweise mache. Ich türme Grassoden neben dem Komposthaufen. Ich sammele Reisighaufen und schichte sie scheinbar willkürlich irgendwo auf. Beim Rasenmähen lasse ich Inseln stehen. Dort sprießen nämlich jetzt Margeriten. Die müssen erstmal blühen und dann auch in Ruhe wieder einziehen können, damit sie nächstes Jahr wiederkommen. Und überhaupt wird das erste Mal gemäht, wenn der Sauerampfer geblüht hat und das Wiesenschaumkraut auch.

Steine schleppe ich von überall her an. Aus dem Wald, aus dem Vorgarten unserer ältesten Tochter, aus jedem Urlaub kommt mindestens ein Stein in den Garten, selbst die kaputten Dachziegel vom Sturmschaden finden Verwendung. Und auch daraus schichte ich hier und da kleine oder größere Hügel auf. Gern in der Sonne, und dann hoffe ich, dass sich irgendwann Zauneidechsen bei uns wohlfühlen.

Und ihr glaubt nicht, was ich beim Buddeln in unserem Garten so finde. Auf dem Dorf war es bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts üblich, dass man sich Gruben im Garten machte, wo nicht nur der Mist des Schweins und der Hühner landete, sondern auch kaputte Dinge und Hausmüll. Und so freut sich mein kleines (verhindertes Archäologen-) Herz über Funde wie Flaschenhälse, Teile von Tonkrügen, einen alten Spaten, Ofenschlacke…

Heute haben wir eine alte Gartenbank unter die Tanne neben meinem neuen Gemüsegärtchen geschleppt. Diese Bank hatte mein Opa zu seinem Ruhestand geschenkt bekommen, was laaange her ist. Es gehörten auch noch zwei Sessel und ein Tisch dazu, die nicht mehr existieren, aber die Bank ist halt noch da und wird genutzt und gepflegt. Und ich kann zukünftig bei der Arbeit im Garten ein Päuschen auf der Bank machen und mich an den kleinen Fortschritten freuen, die ich erziele.

Nur eines wird garantiert nicht passieren: Ein aufgeräumter und wildkräuterfreier Garten. Die vielen kleinen und größeren Tiere sollen sich auch weiterhin bei uns herzlich willkommen fühlen. Von Schwebfliege und Solitärbiene über Fledermäuse bis hin zu Igel und Eichhörnchen. Selbst der Maulwurf findet seinen Platz.