Es blüht überall…

… ich mag ja alle Jahreszeiten, aber wenn ich jetzt so durch unseren Garten gehe oder einfach nur still dasitze und den Tieren zuschaue, dann finde ich den Juni ganz besonders schön.

Die Vögel bringen ihrem Nachwuchs gerade alles nötige bei, um bald unabhängig zu sein, manche brüten bereits das zweite Mal. Es ist einfach schön, die Amselfamilien in der Wiese zu beobachten oder auch die Spechte, die unermüdlich ihren Jungvogel betüddeln, obwohl der in seinem noch etwas plusterigen Jugendgefieder fast größer ist als seine Eltern mit dem glatten Federkleid. Die Meisen befreien meine Rosen von zu vielen Blattläusen, überall tschilpt es.

Und unsere Eichhörnchen bringen immer wieder Lucy und Kalle auf die Palme, wenn sie vor ihren Augen Nüsse aus dem Kistchen holen und damit dann unerreichbar in der Tanne sitzen 🙂

Und ich weiß schon ganz genau, dass ich auch in den kommenden Monaten immer wieder etwas finde, das ganz genau für den aktuellen Monat wunderschön ist…

Auf zu neuen Ufern: Folge 2

Auf unserer Exkursion zu den Weltreligionen haben wir auch Station gemacht in der liberalen jüdischen Synagoge in Hannover.

Die liberale jüdische Gemeinde gibt es dort schon lange. Wenn du mal „Neue Synagoge Hannover“ googelst, findest du einen wunderschönen Bau, der auch eine Kirche sein könnte. Ähnlichkeiten mit der berühmten Rosette von Notre Dame sind kein Zufall. Diese Synagoge wurde in der Reichspogromnacht 1938 zerstört.

Seit 2007 gibt es wieder eine liberale Synagoge, und zwar in einer ehemaligen evangelischen Kirche, die nach ihrer Entwidmung eigentlich abgerissen werden und durch ein Autohaus an der Stelle ersetzt werden sollte. So wie es jetzt ist, ist es doch wesentlich besser, oder?

Leider konnte ich nicht wirklich alles im Gedächtnis behalten, was uns dort an interessantem erzählt und gezeigt wurde. Aber so ein paar Highlights sind hängen geblieben. Zunächst einmal, dass die liberalen Juden so etwas wie die Protestanten ihrer Religion sind. Ein wichtiges Anliegen ist es ihnen, den Gottesdienst mit der gesamten Familie feiern zu können, denn in orthodoxen Synagogen müssen die Frauen räumlich getrennt (entweder auf einer Empore oder mit einem „Zaun“ im Gottesdienstraum) von den Männern bleiben.

Aus unseren Gottesdiensten kennen wir es, dass wir Ruhe gewohnt sind, ein Grund, weshalb sich Familien mit kleinen Kindern nicht oft hertrauen (neben den familienunfreundlichen Zeiten). Konfirmanden werden mit bösen Blicken bedacht, wenn es ihnen schwerfällt, mit angemessener Ruhe dem Gottesdienst und insbesondere der Predigt zu folgen.

Im jüdischen Gottesdienst, zumindest in dieser Gemeinde, herrscht allezeit eine Grundlautstärke. Denn es ist ganz normal, dass man sich mit seinem Stuhlnachbarn unterhält, wenn man ihn eventuell länger nicht gesehen hat. Es ist auch nicht schlimm, wenn man ein wenig zu spät kommt. Und den Gemeindegliedern wird eine gewisse Freiheit bei der Ausgestaltung des täglichen Lebens zugebilligt. Beispielsweise ist es gestattet, die Schabbatgesetze und Speisegesetze etwas mehr an der Lebensrealität zu orientieren als nur streng an Traditionen.

Anders als bei uns Christen ist der Rabbiner nicht der Funktion des Pfarrers gleichzusetzen, er ist vor allem Lehrer, macht also sozusagen den kirchlichen Unterricht. Aber einen Gottesdienst muss grundsätzlich jeder Gläubige durchführen können. Auch Rabbinerinnen gibt es im progressiven Judentum.

Die Jugendlichen besuchen mit 12/13 Jahren also ebenso wie unsere evangelischen Konfirmanden den Unterricht. Sie lernen Hebräisch lesen und schreiben, den respektvollen Umgang mit den Thora-Rollen und einiges mehr. Wenn sie genug gelernt haben und eine Prüfung durchlaufen haben, feiern die Jungen ihre Bar Mizwa, die Mädchen Bat Mizwa (Bar=Sohn, Bat=Tochter), und zwar nicht in der Gruppe wie bei unserer Konfirmation, sondern jede/r einzeln. Dazu müssen sie einen kompletten Gottesdienst leiten, und zwar nicht nur die Gebetszeiten, sondern auch die Thora-Lesung. Ihre Aufgabe ist es auch, die Rolle aus dem Schrank zu holen. Eine Thora-Rolle wiegt je nach Ausstattung um die 15 kg und darf auf keinen Fall auf den Boden fallen, denn dann ist sie im Gottesdienst nicht mehr brauchbar. (Die Folge wäre, dass im schlimmsten Fall die Gemeinde eine neue Thora braucht, und da die bis heute auf Ziegenpergament handgeschrieben werden, was ca. 3 Jahre braucht, kostet die ungefähr 20-30 Tausend Euro! Das kann sich kaum eine Gemeinde leisten.) Auf den jungen Leuten lastet also eine große Verantwortung. Aber nach dem „erfolgreichen“ Gottesdienst gibt es dann auch eine große Familienfeier mit Geschenken und so.

Was wir als ziemlich bedrückend empfanden, war, dass man die Synagoge nicht einfach so betreten kann, man muss sich vorher anmelden, wenn man nicht zur Gemeinde gehört. An der Tür ist eine Kameraüberwachung und im Gebäude verteilt gibt es überall die „Überfall-Alarmknöpfe“, wie blaue Feuermelder. Leider ist das notwendig, in einem Land, das per Grundgesetz die freie Religionsausübung garantiert. Und zwar nicht erst seit 2015 vermehrt muslimische Flüchtlinge ins Land kamen, wie uns der Mitarbeiter der Synagoge versicherte.

Es war einiges bei unserer Führung dabei, was neugierig macht auf unsere Geschwisterreligion, einiges, was zum Nachdenken anregt und auch einiges, was ein Gefühl des Fremdschämens in mir ausgelöst hat (Fremdschämen über die Menschen, die ohne genauere Kenntnisse, einfach aus diffusen Empfindungen heraus, den jüdischen Mitbürgern das Leben schwermachen.)

Als Erkenntnis wünsche ich mir, dass wir alle wieder mehr miteinander als übereinander reden, dass wir den persönlichen und wertschätzenden Kontakt suchen, anstelle in den (un-)sozialen Medien unreflektiert Meinung in die Runde zu stellen und auch zu übernehmen.

 

 

Auf zu neuen Ufern: Folge 1

Wie versprochen, ein kleiner Einblick in die Exkursion vom letzten Mittwoch.

Was ihr auf dem Beitragsbild seht, ist das Rad des Lebens. Es spielt im Buddhismus eine große Rolle. Aber ehrlich gesagt, im buddhistischen Zentrum gab es für uns so viel Neues und Informationen, dass ich mir nicht alles merken konnte, daher kann ich dieses Rad jetzt auch nicht näher beschreiben. Aber dafür gibt es gute Quellen im Netz.

Im Inneren des Rades finden sich die drei Grundübel: Die Gier (symbolisiert durch den Hahn), der Hass (Schlange) und die Verblendung (Schwein). Auch als Christ kann man das nachvollziehen, denn abgesehen von den tierischen Symbolen (mir tut ja irgendwie das Schwein leid…) sind wir uns denke ich ziemlich einig, dass diese Eigenschaften für sehr viel Ärger in der Welt sorgen. Braucht man nur mal bei Facebook online gehen…

Dann gibt es sechs Daseinsformen: Götter, eifersüchtige Götter (Titanen), Menschen, Tiere, Hungergeister und Höllenwesen. Und nun ratet mal, welche Daseinsform die erstrebenswerteste ist? Es ist (tätä!!!): der Mensch. Krone der Schöpfung? Nein. Das eher nicht, das ist die christliche Sichtweise. Die menschliche Lebensweise ist zwar geprägt von Altern, Krankheit, Leiden, aber die Lebensform, die es am ehesten ermöglicht, die Lehren Buddhas zu hören, aufzunehmen und zu verinnerlichen, also gemäß der Lehre zu leben und so eventuell sogar den Ausstieg aus dem unendlichen Kreislauf zu finden (ins Nirwana einzugehen).

Die Götter sind dagegen ziemlich egozentrisch. Sie sind zwar auch nicht unsterblich, nicht frei von Leiden und Tod, aber sie haben eine ziemlich glückliche Daseinsform und sehen daher erstmal gar nicht ein, dass sie irgendwas ändern sollten bzw. etwas lernen sollten.

Die eifersüchtigen Götter sind sowas wie Götter zweiter Klasse oder Halbgötter. Sie hadern ständig damit, dass sie nicht zu den Göttern gehören und haben durch diese Eifersucht keine Zeit, belehrt zu werden.

Die Tiere haben kein Bewusstsein wie die Menschen und auch nicht die Fähigkeit zur Selbstreflektion (wenn ihr mich fragt, fehlt die allerdings auch vielen Menschen…). Es ist deshalb sehr schwierig, sich aus dem Tierdasein zu befreien.

Die Hungergeister heißen so, weil ihr vorheriges Dasein (gern als Mensch) von Gier, Neid und Unersättlichkeit geprägt war. Noch Fragen?

Und die Höllenwesen finden sich in heftigen Qualen wieder, sie sind voller Hass, durch unheilvolles Karma hierhergelangt.

Karma habt ihr ja sicher schon gehört. Karma wird einem Wesen mitgegeben, aber es wird auch verbraucht. Durch seine Taten kann man Karma auch wieder aufbauen, und je nachdem, was man tut oder lässt, kann es gutes oder schlechtes Karma sein.

Buddhismus ist eine ziemlich anstrengende Weltanschauung, denn um gutes Karma aufzubauen, soll der Buddhist sich bemühen, in seinem Leben weder Mensch, Tier noch Umwelt zu schaden, möglichst nur gutes zu tun und gelassen zu werden. Alle negativen Emotionen soll man überwinden. Daher ist es eigentlich ziemlich widersinnig, dass in Deutschland in vielen Wellness-Oasen Buddhas herumstehen. Klar, ist dieses Ziel erstmal erreicht, hat jemand den Bewusstseinszustand erreicht, ohne Bedürfnisse, ohne Begierden, ohne Hass und Leid ein vollkommen glückliches und losgelöstes Leben zu führen, dann ist es sicherlich entspannend. Aber der Weg…. Uff!

Es kommt nur auf die Fähigkeit des einzelnen Menschen an, alles muss Mensch selbst tun, und wenn ich als Mensch schwach bin, dann stehen meine Chancen einfach ziemlich schlecht. Das ist etwas, was ich als Christ nur mit Schwierigkeiten denken kann, denn ich lebe aus der Vergebung, die mir zuteil wird, wenn ich mein Leben Christus anvertraue. Die Wahrscheinlichkeit, als Mensch an hohen Ansprüchen zu scheitern, grenzt an 100%, während die Wahrscheinlichkeit, alles, aber auch alles richtig zu machen, eher gegen NULL tendiert. Ohne einen Erlöser möchte ich persönlich nicht leben müssen…

Interessant war es aber auf jeden Fall, sich einmal Gedanken darüber zu machen. Wir haben vieles gesehen, das uns sehr exotisch erschien, vor allem aber wurden wir sehr nett aufgenommen.

Die Vorstellungen von Judentum und Hinduismus folgen. Übrigens habe ich an allen drei Orten nicht fotografiert. Wenn ich in eine Kirche komme und es ist dort gerade kein Gottesdienst, es halten sich möglicherweise außer mir keine Leute dort auf, dann weiß ich einigermaßen, was ich fotografieren kann und was nicht. In den Räumen der „fremden“ Religionsgemeinschaften habe ich diese Sicherheit nicht und dann verzichte ich lieber.

 

Auf zu neuen Ufern….

…nein, soweit wird es nicht kommen. Aber einen Blick über den Tellerrand werden wir heute werfen. Unser Malche-Kurs macht heute eine Exkursion nach Hannover, und wir besuchen dort das budddhistische Zentrum, eine liberale jüdische Gemeinde und den Hindu-Tempel. Die muslimischen Gemeinden hatten (obwohl sie es wirklich versucht haben) heute leider keine Zeit für uns, da dort das Zuckerfest gefeiert wird zum Abschluss des Ramadans.

Ich bin total gespannt, was uns der Tag heute so bringt… Bericht folgt.

Essen für Fortgeschrittene oder: Wider den inneren Schweinehund

Meistens fühle ich mich gesund. Auch auf die normalen Nachfragen „Wie geht’s?“, wenn ich alte Bekannte treffe, antworte ich eigentlich immer mit „Gut, danke.“ Nicht aus Höflichkeit, sondern weil ich mich meist einfach ganz gut oder zumindest in Ordnung fühle. Ich schleppe auch nicht täglich meine Erkrankungen als Ballast mit mir herum. Aber vor gut zwei Monaten wurde es dann doch zu viel.

Blutdruck habe ich reichlich, und das schon seit 12 Jahren. Dann kam allergisches Asthma (Hausstaubmilben) dazu, kurz danach eine rheumatische Erkrankung. Für alles gibt es Medikamente. Das heißt dann, mehr oder weniger regelmäßige Besuche bei Hausarzt, Lungenfacharzt (da haben wir noch nicht mal einen in der Stadt), Kardiologin und Rheumatologe. Gewöhnt frau sich dran. Das Herumsitzen in irgendwelchen Wartezimmern schafft ja auch gewisse Ruheinseln im Alltag…

Im Zuge meines Bandscheibenvorfalls knallte mir die Hausärztin dann aber an den Kopf „Naja, eine chronische Niereninsuffizienz haben Sie ja auch, eigentlich sind Sie dafür ein bisschen jung…“ BITTE? Der Nierenfacharzt hatte mir doch letztes Jahr gesagt, altersgemäß (was heißt das eigentlich?) alles soweit in Ordnung. Ihre Meinung: „Nephrologen haben da manchmal einen speziellen Humor. Es ist zwar noch nicht dramatisch, aber Ihre Nieren arbeiten nicht mehr einwandfrei.“

Ich hab da keine Lust drauf. Auch wenn es noch nicht dramatisch ist. So viel weiß ich: wenn die Nieren nicht so wollen, wie sie sollen, sagen sie dem Blutdruck, er soll sich mal gefälligst mehr anstrengen. Das macht der prompt, und dann krieg ich noch mehr Blutdrucktabletten. Die dann wieder von den Nieren abgebaut werden sollen, die nicht so wollen….

Also: Ich fühle mich nicht krank, und das soll auch so lange wie möglich so bleiben! Andererseits: Ich kenne meinen inneren Schweinehund schon ziemlich lange und gut. Ich weiß, wie der tickt, und ich weiß auch, dass ich nur ein gewisses Maß an Selbstdisziplin mitbekommen habe. Im Grunde ernähre ich mich ja nicht total ungesund, aber es gibt da doch noch Luft nach oben und einige Stellschrauben, die noch nicht zu fest angezogen sind.

Deswegen habe ich meine Abschlussprüfung der Ausbildung um ein Jahr verschoben, denn: Ernährung umstellen, während ich recherchiere und schreibe, das kann nicht gut gehen. Und dann steigt der Frustpegel so an, dass ich noch mehr ungesundes Zeugs futtere. Ergo ist die Priorität dann jetzt einfach mal Gesundheit.

Zuerst bin ich die Sache intuitiv angegangen. (Noch) weniger Fleisch, weniger Fett, weniger Knabberzeug und Süßkram. Und weniger Salz. Aber jetzt kommt es: je mehr ich verzichte, desto öfter kommt das fast unwiderstehliche Verlangen nach Chips, Salinos, Gemüsebrühe, Schokolade! Salz und Fett. Und danach das schlechte Gewissen.

Jetzt gehe ich in die Offensive: ich vergleiche mal, welche Lebensmittel mir besonders gut oder schlecht tun in Bezug auf Nieren und Rheuma. Und nachdem ich das ganze mal tabellarisch aufbereitet habe (Foto), stellt sich heraus: außer im Bereich Getreideprodukte ist da gar nicht so viel Unterschied. Ich weiß zwar immer noch nicht, warum Weizenmehl Type 405 für die Nieren besser ist, aber Vollkorn für das Rheuma, aber da werde ich dann ganz einfach abwechseln, jedes kommt mal dran und wird mal weggelassen.

Es gilt, im Großen und Ganzen bestimmte Werte einzuhalten, besonders die Zusammenstellung von Eiweiß (tierisches Eiweiß ist von der Wertigkeit besser als pflanzliches, weil es uns ähnlicher ist, es sei denn, wir bestünden aus Brokkoli) und Fetten. Das fällt mir nicht schwer, aber auch Natrium, Kalium und Phosphor haben ihre Grenzen. Dafür habe ich mir eine Nährwerttabelle zugelegt.

Um dann mal festzustellen, wie eigentlich in Bezug auf diese Nahrungsbestandteile meine aktuelle Ernährungsweise ist, habe ich spaßeshalber einmal mein Frühstück abgewogen: 2 Scheiben Vollkorntoast, ein Teelöffel Butter, zwei Esslöffel Magerquark, 2 Teelöffel Marmelade, zwei Tassen Milchkaffee. Mann und Kind schwankten zwischen der Faszination des Grauens und dem Verlangen, mich auszulachen, fürchte ich.

Dazu kommen dann noch so Gedanken wie: 1 – 2 Fischmahlzeiten pro Woche, gut, aber ist das auch umweltverträglich? Wie stelle ich einen möglichst abwechslungsreichen Speiseplan zusammen mit vielen regionalen und saisonalen Schwerpunkten, aber ohne beispielsweise im Winter fast nur Kohlgerichte auf den Tisch zu bringen?

Ich werde mal versuchen, in loser Reihenfolge über meine (Miss)erfolge und Fortschritte zu berichten. Und vielleicht sogar ein paar neue Rezepte einstellen.