Essen für Fortgeschrittene oder: Wider den inneren Schweinehund

Meistens fühle ich mich gesund. Auch auf die normalen Nachfragen „Wie geht’s?“, wenn ich alte Bekannte treffe, antworte ich eigentlich immer mit „Gut, danke.“ Nicht aus Höflichkeit, sondern weil ich mich meist einfach ganz gut oder zumindest in Ordnung fühle. Ich schleppe auch nicht täglich meine Erkrankungen als Ballast mit mir herum. Aber vor gut zwei Monaten wurde es dann doch zu viel.

Blutdruck habe ich reichlich, und das schon seit 12 Jahren. Dann kam allergisches Asthma (Hausstaubmilben) dazu, kurz danach eine rheumatische Erkrankung. Für alles gibt es Medikamente. Das heißt dann, mehr oder weniger regelmäßige Besuche bei Hausarzt, Lungenfacharzt (da haben wir noch nicht mal einen in der Stadt), Kardiologin und Rheumatologe. Gewöhnt frau sich dran. Das Herumsitzen in irgendwelchen Wartezimmern schafft ja auch gewisse Ruheinseln im Alltag…

Im Zuge meines Bandscheibenvorfalls knallte mir die Hausärztin dann aber an den Kopf „Naja, eine chronische Niereninsuffizienz haben Sie ja auch, eigentlich sind Sie dafür ein bisschen jung…“ BITTE? Der Nierenfacharzt hatte mir doch letztes Jahr gesagt, altersgemäß (was heißt das eigentlich?) alles soweit in Ordnung. Ihre Meinung: „Nephrologen haben da manchmal einen speziellen Humor. Es ist zwar noch nicht dramatisch, aber Ihre Nieren arbeiten nicht mehr einwandfrei.“

Ich hab da keine Lust drauf. Auch wenn es noch nicht dramatisch ist. So viel weiß ich: wenn die Nieren nicht so wollen, wie sie sollen, sagen sie dem Blutdruck, er soll sich mal gefälligst mehr anstrengen. Das macht der prompt, und dann krieg ich noch mehr Blutdrucktabletten. Die dann wieder von den Nieren abgebaut werden sollen, die nicht so wollen….

Also: Ich fühle mich nicht krank, und das soll auch so lange wie möglich so bleiben! Andererseits: Ich kenne meinen inneren Schweinehund schon ziemlich lange und gut. Ich weiß, wie der tickt, und ich weiß auch, dass ich nur ein gewisses Maß an Selbstdisziplin mitbekommen habe. Im Grunde ernähre ich mich ja nicht total ungesund, aber es gibt da doch noch Luft nach oben und einige Stellschrauben, die noch nicht zu fest angezogen sind.

Deswegen habe ich meine Abschlussprüfung der Ausbildung um ein Jahr verschoben, denn: Ernährung umstellen, während ich recherchiere und schreibe, das kann nicht gut gehen. Und dann steigt der Frustpegel so an, dass ich noch mehr ungesundes Zeugs futtere. Ergo ist die Priorität dann jetzt einfach mal Gesundheit.

Zuerst bin ich die Sache intuitiv angegangen. (Noch) weniger Fleisch, weniger Fett, weniger Knabberzeug und Süßkram. Und weniger Salz. Aber jetzt kommt es: je mehr ich verzichte, desto öfter kommt das fast unwiderstehliche Verlangen nach Chips, Salinos, Gemüsebrühe, Schokolade! Salz und Fett. Und danach das schlechte Gewissen.

Jetzt gehe ich in die Offensive: ich vergleiche mal, welche Lebensmittel mir besonders gut oder schlecht tun in Bezug auf Nieren und Rheuma. Und nachdem ich das ganze mal tabellarisch aufbereitet habe (Foto), stellt sich heraus: außer im Bereich Getreideprodukte ist da gar nicht so viel Unterschied. Ich weiß zwar immer noch nicht, warum Weizenmehl Type 405 für die Nieren besser ist, aber Vollkorn für das Rheuma, aber da werde ich dann ganz einfach abwechseln, jedes kommt mal dran und wird mal weggelassen.

Es gilt, im Großen und Ganzen bestimmte Werte einzuhalten, besonders die Zusammenstellung von Eiweiß (tierisches Eiweiß ist von der Wertigkeit besser als pflanzliches, weil es uns ähnlicher ist, es sei denn, wir bestünden aus Brokkoli) und Fetten. Das fällt mir nicht schwer, aber auch Natrium, Kalium und Phosphor haben ihre Grenzen. Dafür habe ich mir eine Nährwerttabelle zugelegt.

Um dann mal festzustellen, wie eigentlich in Bezug auf diese Nahrungsbestandteile meine aktuelle Ernährungsweise ist, habe ich spaßeshalber einmal mein Frühstück abgewogen: 2 Scheiben Vollkorntoast, ein Teelöffel Butter, zwei Esslöffel Magerquark, 2 Teelöffel Marmelade, zwei Tassen Milchkaffee. Mann und Kind schwankten zwischen der Faszination des Grauens und dem Verlangen, mich auszulachen, fürchte ich.

Dazu kommen dann noch so Gedanken wie: 1 – 2 Fischmahlzeiten pro Woche, gut, aber ist das auch umweltverträglich? Wie stelle ich einen möglichst abwechslungsreichen Speiseplan zusammen mit vielen regionalen und saisonalen Schwerpunkten, aber ohne beispielsweise im Winter fast nur Kohlgerichte auf den Tisch zu bringen?

Ich werde mal versuchen, in loser Reihenfolge über meine (Miss)erfolge und Fortschritte zu berichten. Und vielleicht sogar ein paar neue Rezepte einstellen.

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Ehefrau von Edgar, Mutter von drei tollen Töchtern. Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

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