Auf zu neuen Ufern: Folge 3

Manche Dinge brauchen Zeit. Nun ist es aber schon fast einen Monat her, dass unsere Exkursion zu den Weltreligionen stattgefunden hat. Wenn ich jetzt nichts schreibe, dann wird das nichts mehr.

Das Schriftzeichen, welches den Hinduismus symbolisiert ist das „Om“, ein Mantra in der heiligen Sprache Sanskrit. Da es sowohl bei der Yoga-Meditation als auch in manchen amerikanischen Komödien (dort allerdings meist in skurrilen Zusammenhängen) vorkommt, hat vermutlich schon mal jeder Berührung mit dem Om gehabt…

Für uns, die gerade die Ausbildung zum Gemeindepädagogen beendet hatten, war nach meinem Empfinden kollektiv der Hinduismus die fremdeste Religion, die wir besucht haben. Immerhin gibt es so etwas wie eine „Dreieinigkeit“ (Brahma, Vishnu, Shiva), zumindest das kennen wir als Christen. Das war’s aber auch schon. Ich breite die Dimensionen dieser Dreieinigkeit jetzt nicht einzeln aus, aber es geht um den ewigen Kreislauf von Schöpfung, Bewahrung und Zerstörung… Bei Interesse kann man dazu einiges im Netz finden.

Als Fan von Indiana-Jones-Filmen hatte ich irgendwie die Göttin Kali im Hinterkopf, die Zerstörung und Unheil bringt (dazu spukte mir noch so diffus Menschenopfer und Witwenverbrennung durch den Kopf. Spielfilme bilden eben nur so mittelmäßig 😛 …)

Ein Gott, den von Abbildungen her auch viele kennen dürften, ist Ganesha, der Glücksgott mit dem Elefantenkopf. Für ihn gab es im Hindutempel von Hannover auch einen Schrein. Allerdings nicht der Hauptschrein, der ist einer Göttin, deren Namen ich leider nicht behalten habe, geweiht. Insgesamt gab es vier Schreine für Gottheiten und einen kleineren für die 9 Planeten. Der Priester muss an „normalen“ Tagen (das sind die, die keine hinduistischen Feiertage sind) mittags und abends eine Zeremonie durchführen, in der die Götter gefüttert werden. Gefüttert werden sie mit Obst, Blüten und Blättern. Dabei werden Gebete gesprochen und Glöckchen geläutet. An manchen Tagen müssen die Götter auch gewaschen werden, weshalb die Schreine innen wie Badezimmer gekachelt sind. In einer feststehenden Reihenfolge werden die Götterschreine alle mit (für mein Empfinden) derselben Prozedur besucht. Am Ende besteht für die Gläubigen die Möglichkeit, sich eine Art Segen spenden zu lassen, durch einen Punkt aus roter Erde zwischen die Augen oder Streifen aus grauer Erde auf die Stirn.

Unterstützt wurde die Fremdartigkeit noch durch den intensiven Duft verschiedener Räucherstäbchen, in Verbindung mit über 30 Grad Temperatur an diesem Tag und dem schon absolvierten Pensum war das mehr, als manch eine/r von uns ertragen konnte.

Eins ist aber auch hervorzuheben: Die Gastfreundlichkeit der Frau, die uns empfing und mit Informationen versorgte. Am Ende gab es für uns alle Saft und Wasser zu trinken, weil sie sich nicht sicher war, ob wir Deutschen bei der Wärme mit dem sonst jederzeit üblichen heißen Tee klarkämen. Und es gab einen mit Koriander und Zimt gewürzten süßen Milchreisbrei sowie Mungobohnenbratlinge (ähnlich wie Falafel). Beides war total lecker.

Vor allem war dieser Besuch für uns ein kurzes Tauchbad in einer total fremden, exotischen und für uns auch nicht nachvollziehbaren Welt.

Abschließend, auch wegen aktueller sagen wir mal… lebhafter Diskussionen (positiv ausgedrückt) um die „Wertigkeit“ von Angehörigen bestimmter Weltanschauungen, Nationalitäten, Orientierungen, denke ich: ja, es ist absolut notwendig, dass möglichst viele Menschen sich auf den Weg machen, das Fremde, das Ungewohnte, vielleicht sogar das Abstoßende kennenzulernen. Denn wo wir über den Tellerrand blicken, da bleibt das Fremde nicht (ganz so doll) fremd. Da erkennen wir, dass es nicht nur unseren Blickwinkel, unsere Filterblase gibt.

Der schrägste Gedanke, der mir dazu kommt, ist: dann gilt das ja auch für mich. Dann bin ich auch gefordert, mal gedanklich in so einen „besorgten Bürger“ zu schlüpfen. Denn das ist für mich persönlich das Fremde, Ungewohnte, vor allem das Abstoßende. Solange ich merke, da sind Ängste im Spiel, die jemandem vorgaukeln, nur mit Seinesgleichen könne man eine gelingende Gesellschaft bilden, mag das ja noch funktionieren, aber sobald verbale, psychische und körperliche Gewalt im Raum stehen, da muss ich eingestehen: das geht mir denn doch zu weit!

Bemerkenswerte Quintessenz aus einem Streifzug durch die Weltreligionen, ein unerwartetes Finale!

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Schnippelboy

Ein Tagebuch unserer Alltagsküche-Leicht zum Nachkochen

Birthes bunter Blog-Garten

Grüner Garten-Frische Küche-Bunte Alltagswelt

Stachelbeermond

Wie das Leben - schön und stachelig

Wortman

Willkommen in den WortWelteN

CoffeeNewstom

Toms Welt des Kaffees

Freidenkerins Weblog

Bilder, Gedanken, und Geschichten.

MRS SQUIRREL I WOHNEN - KREATIVES - LIFESTYLE

WOHNEN I GARTEN I DIY I LIFESTYLE

mutter-und-sohn.blog

Kluge Gedanken. Aus dem echten Leben

wortverdreher

Texte und Gedichte zu den Themen Tanzen und Leben

Kulturbowle

KulturGenuss, Bücherlust und Lebensfreude

reisswolfblog

"Bücher bieten keine wirkliche Rettung, aber sie können den Geist davon abhalten, sich wund zu kratzen." - David Mitchell

Spinnradl

... den Faden aufnehmen und weben und schreiben ...

wortwabe

Lies mich! Read me!

Naturgeflüster

Impulse für ein natürliches Leben mit einer seltenen Erkrankung

Taufrisch war gestern

Birgit Jaklitsch: Journalistin, Bloggerin, Autorin

romanticker-carolinecaspar-autorenblog.com

Vorstellung meiner Bücher - Blog: Romanti(c)ker

Linsenfutter

Tier-, Naturbeobachtungen und mehr. Als Hobbyfotograf berichte ich. Stets suche ich Futter für die Linse meines Fotoapparates.

Künstlerhof Lavesum

Einblicke, Geschichten und mehr

Natis Gartentraum

Alles rund um den Garten, Ausflüge und mehr

Meine literarische Visitenkarte

Aus der Feder geflossen und vor die Linse gesprungen

-Naturliebe-

Im Fluss Des Lebens - Altes und Neues wissen

Steinegarten

Pflanzen, Steine und mehr

Die gnädige Frau wundert sich

Szenen eines unordentlichen Lebens

Querbeet

Bücher, Rezensionen, Rezepte, Katzen und mehr

Mein innerer Garten

Leben in emotionaler Instabilität

Wildgans's Weblog

Lese- und Lebensdinge

wupperpostille

...in Verbindung bleiben...

Sustainability

plastic free

Puzzleblume ❀

mit Wurzeln und Flügeln

Reginas Geschichten und Gedichte

Neu: viele Geschichten auch als HÖRGESCHICHTEN

watt & meer

Der Blog watt & meer erzählt von den kleinen und großen Wellen, von Alltag und Urlaub und dem Glück auf 4 Pfoten.

Webgeflüster mit Seele

Der etwas andere Blickwinkel

Hinter den Türen der Stadt

Geschichten mitten aus dem Leben; über Momente die uns prägen, Freude, Schmerz, Hoffnung und Schicksal dem wir täglich begegnen. Ein kleiner Blick ins Innere, ein Blick hinter die Tür.

Tutto paletti

Perfekt auf die entspannte Art

Kaya - Border Corgi

Hundeblog - Alltag mit Hund, DIY, Erziehung, Tricks, Produkttests

anwolf.blog

Unterwegs auch mit Hund

7geisslein

Ein Blog über das Leben einer Familie mit allem was zu uns gehört: fünf Kinder, der beste Ehemann von allen, der alltägliche Wahnsinn und das große Glück in den kleinen Dingen gemäß unserem Trauspruch "Ubi Caritas et amor ibi deus est"

ein Anfang und kein Ende

meine gelesenen Bücher und Rezensionen

Wortverloren

Rezensionen und mehr

%d Bloggern gefällt das: