Meditation über die Farbe Grau

Schon merkwürdig, worüber man so ins Grübeln kommt, wenn der Körper k.o., aber der Geist ruhelos ist.

Zum dritten Mal in drei Jahren hat mich die Grippe erwischt, ehe ich mich impfen lassen konnte. Vermutlich nicht wirklich verwunderlich, da Rheumamedikamente das Immunsystem dämpfen. Aber jedes Mal staune ich und ärgere mich vor allem, wie sehr mir diese Krankheitstage zusetzen. Das kenne ich von früher nicht, da konnte ich selbst mit Fieber arbeiten gehen (ja, selbst Schuld, ich weiß)

Dann kommen die seltenen Augenblicke der Erkenntnis, dass Alter und Anfälligkeit auch vor mir nicht haltmachen. C’est la vie!

Jedenfalls sitze ich in meinem Lesesessel, warm eingepackt mit Decke und Poncho, der rebellische Magen mit einer Wärmflasche gepampert. – Freier Blick auf all die Spinnweben und Staubansammlungen, die ich eigentlich heute beseitigen wollte, weil am Montag Geschäftsbesuch kommt. Zumindest theoretisch bin ich schon voll am Putzen 😉

Und da wabert mir dieser Gedanke an „Grau“ durch mein fiebriges Hirn…

Wer ein gewisses Alter erreicht hat, kennt mit Sicherheit den Film „Ödipussi“ von und mit Loriot. Wenige können die kleinlichen, aber durchaus liebenswerten Absonderlichkeiten des deutschen Durchschnittsspießers so wunderbar (und ganz, ohne dabei verletzend zu sein!) aufs Korn nehmen wie er es konnte. Im Film spielt er einen 56jährigen Möbelverkäufer, der noch bei seiner Mutter unter der Knute lebt. Aber seinen Beruf nimmt er sehr ernst, die Wünsche der Kunden sind ihm Befehl:

 

Grau empfinden wir als durchschnittlich. Nichts besonderes. Nichts spektakuläres! Wenn es draußen wolkenverhangen und diesig ist, ist es „grau in grau“. Geht es jemandem offensichtlich schlecht, ist er „ganz grau im Gesicht“. Grau ist eintönig…

Halt. Stopp! das geht auch anders: „50 Shades of Grey“. Ganz ungebeten fliegt mir dieser Gedanke zu. Ich habe es bis heute nicht gelesen und werde es vermutlich auch nicht (es sei denn, ich habe alles lesenswerte vorher geschafft. Unwahrscheinlich.)

Aber… ist vielleicht doch etwas aufregendes an Grau? Etwas frivoles womöglich?

Ich bin eher der Meinung, dass Grauschattierungen zurzeit so beliebt für Inneneinrichtungen und Wohnaccessoires sind, hängt eher mit dem „Hygge“-Trend aus Skandinavien zusammen. Denn unsere gesamte Umwelt ist bunt, oft viel zu bunt, zu aggressiv in der Farbgebung. Das Auge kann bei Grau (gern in Kombination mit erdigen Brauntönen, das „erdet“) in Ruhe schweifen, ohne ständig von grellgelben, knallroten oder blitzblauen Details abgelenkt zu werden. Wenn diese beruhigende Wirkung sich auch auf dem Männlichkeitswahn autofahrender Rowdys zeigt, könnte ich der Autoindustrie sogar die neuerdings staubgrauen Mittel-und Oberklassewagen verzeihen… (Der Vollständigkeit halber müssen hier auch Autofahrerinnen genannt werden, die sich oder anderen beweisen müssen, dass sie in nichts, aber auch gar nichts hinter den Männern zurückstehen. Obwohl die deutlich weniger sind.)

Selbst auf die Ohren hat Grau eine dämpfende Wirkung, wenn nicht gerade ACDC oder so aus dem Soundsystem grölt (btw, ich mag ACDC).

Dazu kommt: Schwarz und Weiß, die beiden Grundfarben von Grau, polarisieren.

Weiter auseinanderliegen kann nichts. Wir teilen gern Dinge in Schwarz und Weiß, obwohl wir wissen, dass die Wirklichkeit eher in den unterschiedlichsten Grautönen daherkommt.

Im Moment freue ich mich auf die grauen Tage, denn das sind, zumindest am Wochenende, Lesetage. Oder Plätzchen-back-Tage. Und wenn dann der graue November zu Ende geht, dann folgen die Lichter-Abende. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden 🙂

Ich glaube, ich schaue mich mal nach schönen grauen Tapeten um… 😉

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

3 Kommentare zu „Meditation über die Farbe Grau“

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