Gemeinsam

„Zusammen ist man weniger allein“ ist ein Buchtitel. Lucy und Kalle gehen sich zwar auch gern mal aus dem Weg, und ihre Kissen im Flur liegen an unterschiedlichen Plätzen, aber es gibt auch Situationen, wo sie sich sehr einig sind.

Zum Beispiel, wenn sie in der Küche vor der Heizung liegen und darauf warten, dass sie nach unserem Mittagessen ein Stückchen trockenes Brot bekommen. (Auf dem Foto links oben und rechts unten.) Oder wenn sie darauf warten, dass Kathrin von der Schule nach hause kommt (links unten), wobei Lucy zwischendurch gern mal ihre Aufmerksamkeit Richtung Nachbarschaft richtet, um zu hören, was die Hündin nebenan zu erzählen hat.

Geht es aber um Banane aus dem Kong (rechts oben) oder die Mittagsruhe an einem lauschigen Plätzchen (rechts mittig), dann genießen sie das lieber jeder für sich.

Hunde sind halt auch nur Menschen.

Oder vielleicht sollte ich eher sagen: Menschen sind halt auch nur Hunde…😜

Challenge Woche 2

Immer noch von Erfolg gekrönt, und immer noch schleiche ich durchs Haus…

Allerdings wird das Herumgeschleiche inzwischen zielgerichteter. Der Blick ist langsam geschult und manchmal fallen mir sogar gleich mehrere Gegenstände ins Auge. Heute ist mir eine zusätzliche Herausforderung begegnet:

Mein bevorzugter Onlineshop für Patchworkstoffe und Quiltzubehör macht Schnäppchentage, quasi Winterschlussverkauf. Herrlich, um nicht zu sagen, es wäre ja Blödsinn, diese Schnäppchen nicht mitzunehmen, oder?

Ehe ich mich versah, hatte ich meinen virtuellen Einkaufswagen gefüllt, weil bekanntlich kann man ja nie genug Stoff haben, und wenn es nur kleine Fitzelchen sind 😉

Dann, kurz bevor es ans Bezahlen ging, schnappte ich nach Luft und dachte: Bist du eigentlich vollkommen bescheuert??? Du rufst eine Aktion ins Leben, bei der du dich jeden Tag von etwas trennen willst und kaufst im nächsten Atemzug meterweise Baumwollstoffe, obwohl die 14(!) Kisten mit den Stoffen alle gut gefüllt sind? Für die zwei Meter hellen Unistoff, die du für dein nächstes Projekt tatsächlich brauchst, kannst du auch nach Minden fahren! Schwupps, Einkaufswagen gelöscht, Shop verlassen. Und Tschüss! Ich hab mich selbst virtuell auf die Schulter geklopft und ganz feste gelobt!

Im einzelnen aussortiert habe ich:

8. Januar: ein alter Adventskalender, den ich einst bei einem Kaffeeröster gekauft habe (Julia hat sich auch sofort an ihn erinnert)

9. Januar: die letzten drei „SORT“-Tassen, alte Werbemittel meines ehemaligen Arbeitgebers

10. Januar: zwei Weihnachtsglocken aus Porzellan und Glas (von Mama)

11. Januar: zwei Dekoteller/Wandteller aus Porzellan, einer war ein Hochzeitsgeschenk

12. Januar: 1 uralte Porzellandose von Winterling mit Deckel (und Uroma-Muster), das Teil hat sogar eine Nummerierung unten drunter, also limitierte Auflage

13. Januar: Sorry, Yvonne, der kombinierte Kalender/Stundenplan von der Werbekuh Paula (mit den Flecken), den du Kathrin mal aus Bielefeld von dem Konzern mitgebracht hattest, der von einem Apotheker gegründet wurde, musste heute dran glauben…

14. Januar: Kathrins letzter Kindersitz, der aus irgendeinem Grund die letzten 3 Jahre auf dem Eisschrank verbrachte.

Übrigens: Die Teile, die ich wahlweise verschenke/spende oder noch über eBay Kleinanzeigen versuche loszuwerden, die wasche ich alle erstmal ab. Ohne Staubschicht sehen sie gleich viel besser aus 😉

PS: Es handelt sich keinesfalls um Werbung, wenn ich hier die eine oder andere Firma beim Namen nenne. Welcher Konzern würde denn in der Werbung ausdrücklich sagen, dass seine Produkte für die Tonne sind?

 

 

Was von Weihnachten übrig bleibt

Dieser Text ist das Redeskript meines Impulses beim ersten „FAQ“-Gottesdienst des neuen Jahres.

Die meisten Bäume sind raus. Ausnahmen bestätigen die Regel. Bei vielen Familien ist der 6. Januar der Tag, an dem das passiert. Bei einigen schon eher, bei anderen darf der Baum ein paar Tage länger im Wohnzimmer vor sich hin nadeln….
Die Kugeln, Lichterketten, Schwibbögen und Krippen sind gut verpackt auf dem Dachboden oder im Keller verstaut und warten auf den nächsten Advent.
Unerwünschte oder unpassende Geschenke sind umgetauscht, der Weihnachtsgottesdienst verblasst in der Erinnerung.
Das neue Jahr hat begonnen und was noch an die zurückliegende feierliche Zeit erinnert, sind ein paar Pfund Hüftgold vom guten Essen und zu vielen Plätzchen.
Business as usual!
——
Wirklich?
Bleiben wir hier stehen und denken uns, das war’s, nächstes Jahr kommt es wie „Alle Jahre wieder“?
Holen wir die Ereignisse von Weihnachten, die Geburt Jesu irgendwie in unseren Alltag? Oder ist es eher wie der Sonntagsglaube, der eine Stunde lang im Gottesdienst stattfindet und danach für den Rest der Woche keine Relevanz hat?
Und überhaupt: Bleiben wir in unserem persönlichen Glauben stehen bei Jesus, dem hilflosen Baby in der Krippe in Bethlehem? Oder folgen wir auch dem erwachsenen Mann, dem Wanderprediger, der in seinen Lehren so grundsätzlich andere Maßstäbe anlegt als wir gewohnt sind?
Gehen wir in den nächsten Wochen und Monaten mit durchs Kirchenjahr, das in dichter Reihenfolge den Werdegang Jesu nachvollzieht? Gehen wir auch in einigen Wochen mit in die Fastenzeit, bereiten wir uns auf die Kreuzigung Jesu vor und feiern an Ostern seine Auferstehung? Oder seine Himmelfahrt und schließlich die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten, dem „Geburtstag der Kirche“?
Oft ist es doch im Trubel des Alltäglichen eher so, dass wir die Feiertage einfach als Unterbrechung und Atempause im Trott ansehen. Daran ist ja auch grundsätzlich nichts Falsches, wir brauchen solche Pausen. Schön und hilfreich ist es aber, wenn wir an diesen Tagen nicht nur unseren Körper ausruhen und auftanken, sondern auch unserem Grundbedürfnis nach Spiritualität und geistlicher Heimat Raum geben. Selbst dann, wenn ich noch gar nicht so ganz sicher bin, was es denn auf sich hat mit dieser Jesus-Sache, wenn ich Gott zwiespältig sehe oder seine Liebe nicht für mich annehmen mag. Einfach mal wissenschaftlich rangehen, also zunächst eine These aufstellen:
„Nehmen wir mal an, es gäbe Gott wirklich…“ und dem dann nachspüren. Schadet garantiert nicht 😉

Wir wünschen uns Frieden, so sehr, dass wir uns heillos darüber zerstreiten, wie Frieden möglich werden kann. Durch Abschreckung? Durch Drohgebärden? Durch Sanktionen und Embargos? Boden-Luft-Raketen? Atomtests? Oder denjenigen mit der anderen Meinung im sozialen Netzwerk mit möglichst viel Pöbelei und Gewaltandrohung mundtot zu machen?
Das, was wir mit der größten Selbstverständlichkeit für uns selbst in Anspruch nehmen, gönnen wir oft nicht dem Nächsten. Wer ist dieser Nächste denn überhaupt? Egal, jedenfalls nicht der unsympathische nörgelnde Nachbar, der schmuddelige Obdachlose in der Fußgängerzone, der schwule Mitschüler oder der arabische Flüchtling muslimischen Glaubens. Und auch nicht die herumzickende Trulla aus der Parallelklasse, die sich immer zu sehr schminkt, die Prostituierte aus Osteuropa, die Näherin in Bangladesch, die ihre Familie durchzubringen versucht oder die Frau, die eine Partei wählt, welche mir Übelkeit verursacht.
– – –
Wer von euch kennt den Namen Mahatma Gandhi? Er war ein indischer Rechtsanwalt und Menschenrechtler, der vor ungefähr 100 Jahren wirkte. Er hatte in seiner Jugend auch viel Mist gebaut (kann man bei Wikipedia nachlesen) wie ein ganz „normaler“ Jugendlicher, aber aus diesen Fehlern gute Lehren gezogen. Sein friedlicher Kampf galt zeit seines Lebens der Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit.
Ein zentraler und wichtiger Leitsatz war für ihn:
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst.“
Das heißt, wenn ich will, dass sich etwas ändert, dann muss ich es anpacken. Wenn ich nicht anfange, dann tut es vielleicht niemand. Oder es dauert so lange und bis der Leidensdruck so hoch ist, dass es sehr schwierig ist, überhaupt etwas zu tun. Wir richten uns so bequem in einer unhaltbaren Situation ein, dass Veränderung kaum noch machbar ist.
Das sehen wir heute zum Beispiel bei den Forderungen der Fridays-for-Future-Bewegung. Viele Erwachsene und „Etablierte“ sagen: Wenn die anderen das auch alle machen (die anderen Autofahrer, die anderen Vielflieger, die anderen Online-Junkies…. Setz einfach ein, was dir dazu einfällt), dann mache ich (vielleicht) auch mit. Das schlimmste daran: das ist nicht neu! Schon in den atomkraftkritischen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es den Spruch: „Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß“. Wir alle warten seit mindestens 35 Jahren darauf, dass mal irgendwer den ersten wirklich großen Schritt macht!
– – –
Zu Beginn des Markus-Evangeliums (Kap. 1,15) verkündet Jesus:
„Jetzt ist die Zeit gekommen, in der Gottes neue Welt beginnt. Kehrt um zu Gott, und glaubt an die rettende Botschaft!“
Und dann geht er am Ufer des Sees Genezareth entlang und entdeckt einige Fischer. Spontan spricht er sie an und fordert sie auf, ihm zu folgen, um Menschen für Gott zu gewinnen. Zuerst Simon und Andreas, dann Johannes und Jakobus. Sofort verließen sie ihre Arbeitsplätze und Familien und ließen sich darauf ein. Einfach so. Sie sagten nicht „Jesus, das ist ja ganz schön schräg, was du da vorhast. Weißt du was, frag doch erstmal die 50 anderen Fischer hier am See, und wenn die mitmachen, dann überlege ich mir das noch mal.“
Nein! Sie vertrauen ihm. Sie sind bereit, sich auf etwas radikal Neues einzulassen. Auf etwas total Unbekanntes. Sie überwinden das menschliche Misstrauen und die alltägliche Trägheit und sagen „JA!“
Wenn ich jetzt noch einmal die Kurve zu den heutigen Umweltthemen drehe, da ist doch das meiste gar nicht radikal neu und unbekannt! Das war fast alles schon mal da! Vieles ist erprobt und funktioniert nach wie vor, es kommt uns bloß so „old fashioned“ und „retro“ vor. Überhaupt nicht innovativ oder zukunftsweisend.
– – –
Ähnlich sieht es mit den Folgen von Weihnachten aus. Ganz konkret in unserem persönlichen kleinen Leben. Wir brauchen Vertrauen, Mut uns einzulassen. Auf einen Weg der Liebe, der Achtung, dem Respekt allem Leben gegenüber. Auch ohne dass andere vorangehen.
Nicht „Hate Speech“, nicht „Fake News“, nicht Mobbing oder stures Beharren auf Wohlstandsansprüchen ist der Weg.
Ich wünsche uns, dass wir immer wieder den Mut haben, nicht bei der anrührenden Krippenszene von Weihnachten stehenzubleiben, die doch so romantisch warm ums Herz macht.
Ich wünsche uns allen, dass wir vielmehr den Mut haben, auch den Forderungen des Rabbis zu folgen, der sagte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, der herausforderte, als er sagte, man möge auch die andere Wange hinhalten. Der Wasser in Wein verwandelte, damit die Party weiterlief und der gern mit denen aß und trank, die am Rand oder außerhalb der Gesellschaft standen.
Der bereit war, den ultimativen Weg zu gehen, der ihn selbst das Leben kostete, um unsere Leben zu retten.

Jetzt ist die Zeit, in der Gottes neue Welt beginnt. Heute, morgen, jeden Tag!

Challenge Woche 1 – bisher klappt es!

  1. Januar: eine Obstschale. Vor 27 1/2 Jahren zur Hochzeit bekommen. Über die Schale habe ich schon geschrieben.
  2.  Januar: Die Adventskranzgläser von Bofrost. Die gab es vor zig Jahren mal mit irgendeiner Eissorte gefüllt. Was denkt man sich dann so als Mama mit altersbedingt eher grobmotorischen Kindern? Prima, da packe ich Teelichter rein, und dann kann auch nix abfackeln. Ich glaube im Rückblick, mehr als eine Saison kamen sie nicht zum praktischen Einsatz. Seitdem wandern sie vor Weihnachten raus aus der Kiste mit dem Weihnachtsgeschirr und nach Weihnachten wieder hinein, ohne zwischendurch etwas anderes zu tun als Staub zu fangen. Resümeé: Die Firmen wissen schon, wie sie uns mit Marketinggags einfangen…
  3.  Januar: Mamas Fondue vom Anfang der 70er Jahre des vergangenen Jahrtausendshunderts. Geschmackvoll, ohne Frage, wenn man auf diesen unverfälschten Retrochic steht. Ich denn doch nicht so sehr. Aber es hängen doch glatt ein paar schöne Kindheitserinnerungen daran. Zum Beispiel, dass es früher immer nur Fettfondue gab. Und die Wohnung eine Woche danach „duftete“. Das restliche Fett hat meine Mutter die nächsten Wochen noch für den Sonntagsbraten genutzt, für was anderes taugte es nicht mehr… (Und alles schmeckte irgendwie nach Fondue 😉 )
  4.  Januar: Drei DIY-Bücher meiner Schwiegermutter, ebenfalls vom Anfang der 70er. Einige Bücher aus der Reihe konnte ich sogar bei Momox loswerden, aber diese drei eben nicht. Obwohl in einem der Bücher gezeigt wird, wie man (auch ohne Joghurtbereiter) Joghurt, Quark und anderen Käse selber herstellen kann. Total im Trend wieder. Aber den Fotos (schwarzweiß, pixelig und mit riesigen Kragenecken an der Bluse der Hausfrau) sieht man ihr Alter halt an.
  5.  Januar: Ich habe zwei breite Stehsammler voll Patchworkzeitschriften dermaßen dezimiert, dass insgesamt 16 Anleitungen übrig blieben, die ich demnächst gezielt projektieren werde. Und weil das so eine schwere Arbeit war und außerdem Sonntag, dachte ich, ich tu‘ mir was gutes und lade „Thor“ ein, mir mit Marvel-Superheldenkräften dabei zu helfen. Ob es an ihm lag oder an der Erkenntnis, dass 8 oder 9 Jahre alte Patchworkanleitungen zum großen Teil einfach überaltert sind, es ging mir ganz leicht von der Hand.
  6.  Januar: 6 Flaschen Rotkäppchen-Sekt. Auch ein Erbstück von SchwieMu. Die ist aber vor 3 Jahren hingeschieden und ich weiß auch nicht, wie lange sie die Pullen schon vorher gehortet hatte. Bisher waren alle Versuche, sie an potentielle Hochzeitspaare oder andere nette Mitmenschen loszuwerden, vergeblich. Da ich aber auch nicht weiß, wie lange sich so ein Fusel hält, werde ich sie wohl wegkippen.
  7.  Januar: eine vor zig Jahren mal angefangene Flasche Southern Comfort. Da kommen auch Erinnerungen: Als unsere großen Töchter noch kleine Töchter waren, habe ich traditionell am späten Abend des 23. Dezember die Weihnachtsgeschenke verpackt und mir dabei jedes Jahr ein Gläschen Southern gegönnt. Bis ich den Pflaumen-Zimt-Likör für mich entdeckte. Und dann kam auch noch meine Rheuma-Karriere, seither gar kein Alk mehr. Wenn der Southern seit ungefähr 15 Jahren nicht mehr angefasst wurde, wird er das auch in Zukunft nicht mehr, außerdem: Haltbarkeit und so (obwohl, Alkohol konserviert…)

Meine Mitstreiterinnen waren in derselben Zeit teilweise deutlich produktiver beim Aussortieren, Chapeau. Bei mir wird da auch noch einiges folgen, wo ich jetzt schon weiß, das wird mehr als ein Teil pro Tag. Aber für den Anfang wollte ich schon erstmal bei dem Prinzip bleiben, um mir bei jedem Teil in Erinnerung zu rufen, wie dieses bestimmte Teil zu uns gefunden hat, ob es eine Geschichte hat oder einfach nur ein Fehlkauf war. Oder ob es eher zufällig den Weg in unser Haus gefunden hat. Wenn ich das beim größeren Entrümpeln machen wollte, würde ich ja nie fertig.

Deswegen werden die alten Weinvorräte meiner Eltern, die ebenfalls in den 70er Jahren auf einem rheinhessischen Weingut eingekauft wurden und in Teilen immer noch im Keller liegen, dann demnächst in einer konzertierten Aktion, aber ohne große Publicity, ins Außenspülbecken gekippt, damit wir in der Küche nicht vom Geruch besoffen werden. Ebenso die ganzen Sektflaschen mit Werbeetiketten von Auto- und Caravanhändlern, die man bis vor einigen Jahren immer beim Kauf eines Vehikels dazubekam. Da Edgar in den Zeiten vor TeamViewer und Co. viel unterwegs war und deswegen alle zwei Jahre einen neuen Firmenwagen bekam, hat sich einiges angesammelt.

Was mir bisher aufgefallen ist: Wenn ich nicht ganz gezielt sage: „Heute nehme ich mir den Vorratskeller vor“ oder ähnlich, schleiche ich jeden Tag irgendwie durchs Haus und denke „Hm, was könntest du denn heute mal…“. Für mich ein Zeichen dafür, dass viel zu viele Dinge überhaupt nicht in meinem Bewusstsein existieren. Sie halten sich in Schränken, Regalen, Räumen irgendwo versteckt und üben keine Funktion aus, sie sind so sehr austauschbar, dass ich sie vergessen habe. Traurig eigentlich.

Die zweite Woche hat heute schon begonnen. Mal sehen, wie es weitergeht. Ich melde mich…

 

 

Bin im Garten

Ich weiß nicht mehr, woher ich diesen Büchertipp habe, vermutlich war es eine Gartenzeitschrift. Oder eine Rezension auf einem anderen Blog.

Im Herbst habe ich mir das Buch dann gekauft und es ist erstmal auf den SUB gewandert. Zu Beginn der Adventszeit ist es dann auf dem Nachttisch gelandet und hat mich jeden Abend in den Schlaf geleitet. Abend für Abend las ich mich durch die Experimente einer Frau, die mit Mitte 50 die Gartenleidenschaft gepackt hat.

Manchmal nicht ganz neidlos, denn sie hat das geschafft, was ich seit einigen Jahren versuche: jeden Tag im Garten verbracht. Inklusive Muskelkater, Fehlschlägen und unglaublichen Glücksgefühlen.

Oft musste ich schmunzeln, wenn ich mich selbst wiedererkannte, vor allem in den Szenen, wenn sie online oder in Katalogen nach neuen Pflanzen, Saatgut, aber auch Geräten suchte. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass ich alle ihre Vorschläge und Quellen ausprobiert habe…😜

Unter anderem hat die Lektüre dazu geführt, dass ich wieder ganz optimistisch plane für 2020. Und mir ein Gartentagebuch angelegt habe, um meine eigenen Experimente oder Wetterbeobachtungen zu notieren.

Sinnigerweise hab ich seit vorgestern mal wieder starke Schmerzen in der rechten Schulter und kriege den Arm nicht höher als zur Bäckertheke (konnte heute früh kaum mein Wechselgeld in Empfang nehmen🥺).

Aber das passt schon, denn dieser 4. Januar zeigt, dass er stürmen kann. Den Flieder, der seit ich denken kann in der Nähe des Hauses steht, seit zwei Jahren aber den Heldentod stirbt, mach ich dann ein anderes Mal weg.

Während es draußen weht und dem Geräusch nach auch etwas hagelt, sitze ich mit einem breiten Schal um die Schultern gemütlich in meinem Ohrensessel. Und habe soeben das Buch zu Ende geschmökert.

Das gesamte Buch war schon lesenswert, aber in ihrer Rückschau auf das Gartenjahr im Dezember wird Meike Winnemuth regelrecht philosophisch. Ich kann ihren Gedankengängen da gut folgen, bin glatt versucht zu sagen: wer chronisch unzufrieden ist oder andere Zivilisationsübel mit sich rumschleppt, der sollte Gartenarbeit auf Rezept verordnet bekommen.

Ich liebe den Satz „Ich habe monatelang auf einen Kohlrabi gewartet, den man in jedem Supermarkt für 99 Cent kaufen kann,…“

Denn dieser simple Satz drückt fast alles aus, worum es viel zu selten geht: sich des Wertes unserer Lebensmittel bewusst zu sein. In dieser und anderen Pflanzen einen essentiellen Bestandteil des Lebens zu sehen und nicht nur etwas, das im Discounter im Angebot eingekauft wird und im schlimmsten Fall nach drei Wochen im Gemüsefach in die Tonne wandert.

Das Buch ist absolut lesenswert (freudsche Fehlleistung: ich hätte beinahe „lebenswert“ geschrieben😊).

Nicht nur für bekennende Landeier wie mich, sondern auch für horizontale oder vertikale Stadtgärtner, für Gartenfestivalliebhaber, für einfach alle, die schon mal Erde unter den Fingernägeln hatten. Und auch für die, die das sehr unappetitlich finden😉.

Bibliographische Angaben:

Meike Winnemuth, Bin im Garten

Penguin Verlag

978-3-328-60045-9

22€

Hinweis: Das Buch habe ich mir selbst gekauft. Aus Neugier. (Ich glaube, es war Ranga Yogeshwar, der jede Quarks-Folge mit den Worten „Bleiben Sie neugierig“ beendete)

Challenge 2020

Am 29. Dezember des vergangenen Jahres (wie sich das anhört…) saß ich am Schreibtisch und versuchte ihn aufzuräumen. Weil ich das immer um die Jahreswende mache. Wie ziemlich oft in letzter Zeit machte sich mein Hirn selbständig und suchte nach einer Herausforderung neben diesem stupiden Zeug wie „alte Quittungen wegschmeißen“ und so weiter. Und so entstand diese Idee, die ich dann in einer WhatsApp an einige Frauen aus meinem Freundeskreis schickte:

Hallo Mädels. Weil ich heute so ganz zwischen zwei Jahren feststecke, ist mir eben eine verrückte Idee gekommen. Das nächste Jahr hat 366 Tage. 366 Gelegenheiten, sich von Sachen zu trennen. Und zwar täglich genau von einem Teil. Geht schnell, fällt nicht so auf und schafft Platz in den Schränken und im Kopf. Seid kreativ und karitativ beim Loswerden und postet gern eure Erfolge (und auch die Misserfolge). Muss ja nicht zwingend täglich sein 🙂 . Wer von euch keine Lust hat, entfernt sich einfach aus der Gruppe. Los geht’s am 1. Januar!

Ich war total verblüfft, dass sich zumindest fünf von ihnen direkt gemeldet haben, weil sie die Idee interessant fanden. Gemeinsam ist uns die Wahrnehmung, dass es aber vermutlich bei der täglichen Umsetzung Probleme geben könnte, aber hey, es heißt ja nicht umsonst „Challenge“. Außerdem hängt bei keiner von uns das Leben und das Glück davon ab, es durchzuziehen.

Gestern fragte Daniela mich, wie ich denn darauf gekommen bin.

Sitzt du bequem? Hast du Essen und Trinken in der Reichweite und eine gute Blase? Wenn ich jetzt in epischer Breite erzähle, wie es dazu kam, könnte es dauern… 😉

Mir ist in den letzten zwei Jahren immer mal wieder aufgefallen, dass sich meine Prioritäten zunehmend ändern. Als junge Frau dachte ich oft, dieses müsste ich noch haben und jenes würde das Leben angenehmer und bequemer machen. Es gab diverse „Must haves“ (ich sag nur „Tupperparty“!!!) und außerdem haben Edgar und ich zu einer Zeit geheiratet, als man noch „Hochzeitstische“ im örtlichen Kaufhaus zusammenstellte (naja, der Vorteil war immerhin, dass man dann nicht unbedingt zig Garnituren potthässlicher Bettwäsche bekam wie mein Bruder und meine Schwägerin einige Jahre zuvor).

Jedenfalls, ich sitze heutzutage hier mit einem Berg von selbst angeschafften und geschenkten Dingen, die mir irgendwann unabdingbar schienen, die ich aber inzwischen teilweise als Ballast, als Belastung empfinde. Ich bin keineswegs undankbar für diese Geschenke und auch nicht dafür, dass wir die Mittel hatten, uns vieles anzuschaffen. Ich habe nur festgestellt, dass viele dieser Dinge ihre Zeit hatten, die aber abgelaufen ist.

Zu diesen Dingen kommen noch die vielen Nippessachen, Geschirr, Kristallvasen, Karaffen etc. von unseren Müttern (und teilweise sogar von Großeltern), die den Keller und den Dachboden verstopfen. Ja, es fühlt sich tatsächlich wie Verstopfung an, es ist unbequem und schmerzhaft… Vieles ist aufbewahrt worden, weil eine Familientradition daran hängt.

Aber warum habe ich zum Beispiel immer noch die Urkunde zur 50jährigen Gewerkschaftszugehörigkeit meines Opas? Klar, weil ich immer noch stolz auf das bin, was mein Opa dargestellt und geleistet hat, obwohl er starb, als ich zwei Jahre alt war. Aber meine älteste Kindheitserinnerung hängt halt auch mit diesem Opa zusammen.

Die Dinge, welche die Wohnzimmerschränke unserer Mütter bevölkerten, konnten wir zum Teil nach deren Versterben nicht entsorgen. Zum einen hingen Erinnerungen daran, zum Teil wollten wir unseren Töchtern später die Gelegenheit einräumen, sich aus diesen Erbstücken etwas herauszusuchen. Und ein Gefühl der Pietätlosigkeit, wenn man sich zu früh von Sachen trennt, spielte auch eine Rolle.

O je, und ich muss auch von dem reden, was vermutlich jede stolze Mutter kennt: Die Kunstwerke sämtlicher Kinder, anfangs noch auf der Rückseite liebevoll mit Jahreszahl und Geschenkgelegenheit beschriftet, irgendwann angesichts der Massenproduktion kapituliert… Also Kinder, wenn ihr dieses hier lest, müsst ihr ganz stark sein: Ehe die eine oder andere von euch uns eventuell mit Enkelkindern beglückt, muss ich mal aussortieren. Einiges werde ich dann auch ganz bestimmt liebevoll aufbewahren, aber die 59 Bilder der blauen Kringelserie oder so müssen dann einfach mal den Weg alles Irdischen gehen. Qualität (z.B. Erinnerungswert) vor Quantität!

Natürlich will ich hier nicht nur andere durch den Kakao ziehen. Wenn ich an die Kisten mit Fotos denke aus der analogen Zeit, kommt mir das Gruseln. Aber auch da habe ich viele Leichen im Keller. Die immer wieder ähnlichen Fotos von kleinen Mädchen, die irgendwas veranstalten, was man als junge Eltern „sooo süß“ findet, das bei schonungslos ehrlicher Betrachtung für die inzwischen herangewachsenen Damen aber nur noch peinlich ist, die müssen auch dringend mal entrümpelt werden. Digital sieht es nicht besser aus, im Gegenteil. Eine Terabyte-Festplatte verleitet zu noch mehr Horterei.

Wie sieht das denn nun konkret aus? Sandra schrieb heute von der Philosophie Marie Kondos: Frage dich bei jedem Teil, ob es dich glücklich macht. Auch wenn ich persönlich so weit nicht unbedingt gehe, es hat was. Wenn du einmal hochscrollst zum Beitragsbild, siehst du links die Obstschale. Die haben wir zur Hochzeit bekommen, es sind auch sehr viele Generation von Äpfeln darin schrumpelig geworden (nein im Ernst, ich habe sie viele Jahre gut genutzt), aber jetzt passt sie leider nicht mehr in mein Leben. Zu bunt. Das mindert nicht die Wertschätzung für die Schale, denn ich suche jetzt einen lieben neuen Besitzer dafür, der auch weiterhin gut zu ihr ist.

Rechts oben der Krug, da denkst du bestimmt: Okay, der ist ein klarer Fall für die Tonne. Weit gefehlt. Wenn es im Winter mal so richtig kalt ist und man möglicherweise eine Schneeballschlacht hinter sich hat, dann muss es aus dieser und keiner anderen Kanne Kakao geben. Richtigen Kakao, keinen Instant. Das ist eine Institution und hängt mit dem wohligen Gefühl aus meiner Kindheit zusammen. Das ist Lebensqualität. Auch wenn solche Winter wahrscheinlich zunehmend seltener werden.

Darunter ist eine Tasse mit Garfield drauf. Die hat Kerstin mir geschenkt, als ich so 12-14 Jahre alt wurde, es ist so lange her, dass ich es nicht mehr genau weiß. Aber bis heute trinke ich immer noch gern aus der Tasse, weil sie mich an unsere Freundschaft erinnert. Das ist mir sehr wichtig, es ist ein Meilenstein meines Lebens.

In loser Reihenfolge werde ich mal versuchen, von meinen Fortschritten und Rückschlägen (ich weiß, es wird sie geben!) zu berichten. Oder wird uns die Challenge zu ganz ungeplanten, ungeahnten Ufern führen? Wer weiß…

Aufbruch im Nebel

Alle Fotos, die oben als Collage zu sehen sind, stammen von heute früh, ca. viertel nach Acht. Von der Terrasse aus in verschiedene Richtungen aufgenommen. Eigentlich total passend zum neuen Jahr, denn das liegt ja auch noch im Nebel und wir wissen nicht, was uns erwartet.

Ich habe den Tag gestartet mit einem Kaffee und der Bibel. Mal wieder unternehme ich den Versuch, jeden Tag mit einer Mini-Andacht und einem Bibeltext zu starten. Bin mal gespannt, wie lange ich durchhalte, denn an vielen Tagen ist ein solcher Start durch Alltäglichkeiten zum Scheitern verurteilt.

Heute habe ich mich allerdings total gefreut, als ich mich zum Start mit dem Psalm 121 beschäftigen durfte. Seit Beginn meiner Malche-Ausbildung im Spätsommer 2016 begleitet mich dieser Psalm. Immer wieder stolpere ich darüber, dass er mir vor die Füße gelegt wird oder vor die Nase gehalten. Und so ist er zu „meinem“ Psalm geworden:

Ja, ich kenne die Bedenken: Aber so ist es doch nicht. Du hast doch kein stolperfreies Leben, du kennst nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen, Krankheit und Trauer, Bosheiten und Unglück. Und wo ist dann dein Gott?

Aber darum geht es doch überhaupt nicht. Ein sorgenfreies Leben, immer auf der Sonnenseite, nie stolpern, nie fallen. Wie langweilig wäre das denn? Und wie sehr würde das Gute dadurch abgewertet, wenn es nie schwierig würde… Ich könnte das Schöne, was mir geschieht, nicht wertschätzen, wenn ich nicht auch die andere Seite kennen würde. Und wer weiß, was mir außer den kleineren Nickeligkeiten, die mir manchmal den Tag versauen, zustoßen würde, hätte ich nicht die Hoffnung und den Glauben an meiner Seite. Wenn ich nur daran denke, wie oft man im Tagesverlauf unachtsam wird, beim Autofahren, bei der Arbeit, und wie oft gerade so eben nichts passiert…

Heute hat sich der Nebel gelichtet. Es ist ein schöner, sonniger Tag. Ich bin gespannt und neugierig auf dieses neue Jahr.