Begegnung

Ein Hängeregal voll Flaggen. Vermutlich in einem Magazin der Vereinten Nationen. Daneben der Spruch: „Our Dream is a world free of poverty“. Eine Vision? Oder nur eine Utopie? Auf jeden Fall trifft es in der aktuellen weltweiten Situation bei vielen Menschen einen Nerv. Viele haben die Hoffnung, dass die Weltgemeinschaft mit einem Paradigmenwechsel aus dieser Krisenzeit herauskommt. Weg vom Wirtschaftswachstum um jeden Preis, hin zu einem mitfühlenden Umgang und umfassender Gerechtigkeit. Wir werden sehen…

Die Textkarte kann ich nur bejahen. Ganz davon abgesehen, dass in der Bibel steht, Gott habe die Menschen zu seinem Ebenbild geschaffen oder Jesus im Neuen Testament sagte „was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. Wenn ich davon ausgehe, dass auf welchem Weg auch immer Gott der Verantwortliche für alles Leben auf der Erde ist, dann bin ich aufgefordert, alle Lebewesen zu achten.

Okay, das gelingt nicht immer. Für manche Zeitgenossen habe ich leider doch mehr Ver-Achtung als Achtung übrig. Auch schaffe ich es nicht immer, gut mit der Natur umzugehen. Ich scheitere, und das ist menschlich. Das hindert mich allerdings nicht, es immer wieder zu versuchen.

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

Zuckerbrot und Peitsche

Die Peitsche ist das lästige Schrägbänder nähen. Dabei bin ich im Augenblick froh, dass ich es kann, weil ich mir letztes Jahr mal so ein Set Schrägbandformer gekauft habe.

Und weil es so eine öde Sache ist, habe ich beschlossen, mir das Ganze zu versüßen. Mit Filmen, vorzugsweise mit mitreißender Musik und schon gut bekannt, damit ich beim Bügeln auf meine Finger achte und nicht auf den Bildschirm.

Das habe ich schon früher zu Zeiten des Videorecorders so gemacht. Julia und Yvonne haben möglicherweise einen Tom-Cruise-Schaden davongetragen, denn sonntags war Bügelzeit mit Top Gun. Handlung bekannt, Cruise nebensächlich (ich stand eher auf „Ice Man“ Val Kilmer, der hatte so niedliche Hasenzähne🤣). Und die Kinder waren meist auch dabei. Aber super Mucke!

Heute war mal wieder Footloose (das Original) dran und als der Film zu Ende war, hatte ich wieder ein Herrenhemd gemetzelt und gut sieben Meter Schrägband daraus hergestellt.

Beim Zuschneiden der nächsten Masken ist Grease dran….

Frauen und Männer, Bücher und Glaube

Witzig. Bis eben wusste ich nicht WIE VIEL diese beiden Karten miteinander zu tun haben…

Ich liebe Bücher. Als Buchhändlerin wäre es ausgesprochen dämlich, es nicht zu tun. Man wird ja auch nicht Koch, wenn man keinen Wert auf gutes Essen legt, oder?

Jedenfalls mag ich dieses Fenstermotiv sehr gern. Ich mag nur nicht die Vorstellung, jedes Mal die ganzen Bücher wegzuräumen, wenn das Fenster geputzt werden muss… Die Besitzer dieses Hauses zeigen schon ziemlich offensiv nach Außen, wofür ihre Herzen schlagen. Sogar auf eine Weise, dass auch die Buchtitel von außen lesbar sind. Cool.

Zeigen wir immer der Öffentlichkeit, was uns wichtig ist? Sei es die Beziehung zu Partner oder Partnerin, sei es die Liebe zu unseren Kindern oder Freunden. Oder auch das Vertrauen in Gott und Jesus?

Es gab eine Zeitlang immer wieder Bücher, die das Verhältnis von Frauen und Männern zum Thema hatten: „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ zum Beispiel. Oder „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“. Und viele andere. Schon an den Titeln ist es zu erkennen, es wird genussvoll mit Klischees gespielt. Dabei wissen wir alle ja eigentlich ganz genau, dass das Leben viel bunter ist als jedes Blau/Rosa-Klischee uns weismacht.

Ähnlich ist es auch mit der Textaussage auf der unteren Karte. Fällt Frauen das Glauben denn tatsächlich leichter? Oder gehen sie offener mit dem Thema um?

In der Jugendarbeit merke ich, dass es um die Zeit der Konfirmation herum anscheinend für Mädchen einfacher ist, ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen. Auch im Sonntagsgottesdienst sitzen häufig mehr Frauen als Männer. Andererseits kommt es mir so vor, als ob in den Leitungspositionen der Kirchen (nicht nur bei den Katholiken) immer noch mehr Männer als Frauen zu finden sind. Also, so ganz eindeutig kann man es einfach nicht sagen. Auch hier gilt wohl: Jeder Mensch hat seine eigenen Ausdrucksweise. Und die orientiert sich sicher eher an der persönlichen Prägung des Menschen als am Geschlecht.

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

Wohin geht der Weg?

Das Bild strahlt erstmal Ruhe aus. Keine Menschen, die mir die Sicht auf die Wegweiser verstellen. So weit, so gut. Aber es sind eben immer noch viele Möglichkeiten, viele Wege, die ich gehen kann. Will ich Herausforderung, also bergauf, mit einem aufregenden Höhenprofil? Oder brauche ich nach einer anstrengenden Zeit eine Abwärts-Etappe, die mich wieder zum Boden zurück bringt? Manchmal kann bergab sogar anstrengender sein als bergauf. Manchmal fühle ich, mein Weg sollte in der nächsten Zeit geradeaus gehen, ohne auf und ab, mit Ruhe und Überblick.

Und was frage ich Jesus, vielleicht sogar, während ich vor diesen Wegweisern stehe? Vielleicht frage ich ihn, ob es tatsächlich so ist, dass er meinen Weg bereits vorgezeichnet hat. Und was er tut, wenn ich mich zwischendurch entschließe, doch die andere Abzweigung zu nehmen. Lässt er mich dann trotzdem noch ans Ziel gelangen? Bugsiert er mich nach einiger Zeit sogar auf Umwegen wieder dorthin, wo er mich haben möchte?

Weil ich ja ein ziemlich wissbegieriger Mensch bin, fallen mir sicher noch mehr Fragen ein. Wie einem Kind, das seinen Eltern auf jede beantwortete Frage zwei neue Fragen stellt.

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

Liebe ist…

… kennst du sie noch, diese kleinen Cartoons von „Liebe ist…“? Eine Art Old School Version von „Ohne dich ist alles doof“. Liebe brauchen wir zum Leben wie die Pflanzen das Wasser und das Licht brauchen. Und doch verstehen wir es vermutlich ganz unterschiedlich, was alles zur Liebe gehört.

Bei der Bildkarte frage ich mich: Geht das, Liebe einfach so in Portionen „abreißen“? Als nächstes fällt mir ein, dass es auch Menschen gibt, die, um in diesem Bild zu bleiben, gleich alle Zettelchen abreißen, so dass nichts mehr übrig bleibt. Und der dritte Gedanke: es darf keine Einbahnstraße sein, wir sind darauf angewiesen, dass die Liebe erwidert wird, sonst macht es uns auf die Dauer krank. Dabei denke ich nicht nur an Paarbeziehungen, sondern auch an Nächstenliebe, an das Anteil nehmen, an Freundschaften.

Bedingungslose Liebe. Kann ich die im menschlichen Miteinander finden? Eine Liebe, die nicht an irgendwelche Bedingungen geknüpft ist? Ich hoffe und wünsche es, aber ich denke auch, wir Menschen sind nun mal nicht vollkommen, und zu leicht fließen doch immer wieder so kleine Tropfen von „Ich liebe dich, wenn du (nicht) …“ in unser Denken und Handeln ein.

Und dabei belasse ich es für heute. Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

Behind the Windows

Das Foto finde ich total faszinierend. Manchmal schauen wir aus dem Fenster unseres Inneren und blicken auf: genau, eine Mauer. Uns fehlt der Durchblick. Und dann lohnt es sich, zu überlegen: Woher kommt diese Mauer? Sind wir selbst es, die uns den Ausblick verbauen? Durch Barrieren in unserem Denken? Oder sind es Hindernisse, die von außen gebaut wurden? Leiden wir unter „Das denkt oder tut ‚man‘ nicht“? Was können wir tun, um diese Mauern einzureißen?

Zur Textkarte fällt mir im Augenblick gar nicht so viel ein, denn ich bin sehr dankbar, dass mir in dieser ganz konkreten Situation zwar mancher Kontakt fehlt, aber nicht das Vertrauen in Gott. Weil es ganz pragmatisch gesehen überhaupt nichts ändern würde, wenn ich mir die Haare raufen und mir sagen würde: „Also ehrlich Gott, was hast du dir nur dabei gedacht? Meinst du es am Ende doch nicht so gut mit uns?“ Ich kann gar nicht anders, als zu vertrauen, dass alles am Ende doch einen Sinn hat, den ich vermutlich nicht sehe und /oder verstehe. Denn sonst käme die Verzweiflung. Und ihr möchte ich einfach keinen Raum geben. Auch wenn es nicht immer ganz einfach ist…

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

„Too blessed to be stressed“?

Gute Frage. Fühle ich mich gerade gesegnet oder stehe ich eher unter Strom? Wie äußert sich beides? Wenn ich mich gesegnet fühle, kann ich zur Ruhe kommen, der Segen kann sich aber auch durch kreatives Chaos in meinem Kopf äußern. Der Unterschied für mich liegt darin, ob mir Ruhe oder Unruhe gut tut oder ob mich der Zustand, den ich habe, unter Druck setzt. Auf jeden Fall kann ich alles, was ich zu erledigen habe, in einem gesegneten „Modus“ mit Zuversicht angehen, statt mich daran aufzureiben.

Und wie ist das mit Gottes Liebe? Meist ist es die dritte Möglichkeit, die mich durch den Alltag trägt. Aber natürlich kenne ich auch die Zeiten, wo ich es einfach nicht spüren kann oder nicht für möglich halte. Glaube (oder anders gesagt: Hoffnung) und Zweifel sind in meinen Augen Geschwister. Mal ist der eine lauter, mal der andere. Und beide haben ihre Berechtigung, denn auch der Zweifel kann hilfreich sein. Um nicht alles für selbstverständlich zu nehmen, um einen Perspektivwechsel zu ermöglichen, um nicht übermütig zu werden.

Und jetzt du…

Bild- und Textkarten: ©Neukirchener Verlag (Bibliographische Angaben siehe Beitrag „Talk-Boxing“)

Talk-Boxing

Seit Dienstag Vormittag hatte ich zu nichts Lust. Was war passiert? Ich hatte meinen turnusmäßigen Termin beim Rheumatologen und dabei erfahren, dass die Sehnenrisse mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Erkrankung verursacht wurden (wobei, beide Seiten auf einmal ist schon ziemlich einzigartig, aber bitte, ich kann ja nicht immer Durchschnitt sein…) Außerdem eröffnete er mir, dass es auch zukünftig zu Problemen mit den im Körper reichlich vorhandenen Sehnen kommen könne und dass möglicherweise der rechte Oberschenkel nicht wieder seine volle Kraft erreichen könne. Vor allem dann nicht, wenn ich zu früh wieder durchstarte. Ich hätte es ja ahnen können, aber es hat mich trotzdem aus den Socken gehauen. Und führte zu akuter Lustlosigkeit.

Aber lange schmollen mag ich ja auch nicht mit meinem widerspenstigen Körper, immerhin müssen er und ich es ja hoffentlich noch lange miteinander aushalten. Außerdem hatte Sandra mir am Samstag zu denken gegeben, als sie meinte, ich könne ja auf Instagram Buchempfehlungen geben. Prinzipiell gute Idee, aber bei meiner Lektüre die letzten Wochen („Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, „Die Angstprediger“, „Warnung aus dem weißen Haus“) wirkt das eher abschreckend.

Doch dann fielen mir die Talk-Boxen ein, die ich eigentlich für Kathrins Konfirmation gekauft hatte, weil ich mit ihrer Hilfe ein paar Tischgespräche anstoßen wollte. Ich habe jetzt für zwanzig Tage jeweils eine Bildkarte und eine Frage/Denkanregung herausgesucht und veröffentliche jeden Tag so ein Paar.

Logisch, auch meine Gedanken dazu werde ich hier aufschreiben. Und ich lade dich ein, dir beides anzusehen und dann zu Bild und/oder Text einen Kommentar entweder hier im Blog oder auf Instagram abzugeben. Dabei gibt es grundsätzlich keine Denkverbote. Löschen werde ich aber Kommentare, die bestimmte Menschengruppen diffamieren, die rassistisch oder volksverhetzend sind oder die allgemein verletzend gegenüber anderen Personen sind. Da behalte ich mir als Inhaberin des Blogs vor, das digitale Hausrecht auszuüben.

Erwünscht ist es dagegen, auch mal über den eigenen Tellerrand zu blicken und sich Gedanken zu machen, ob die Sichtweise anderer ebenso ihre Berechtigung haben wie die eigene. Ich gestatte dir sogar ausdrücklich, deine Meinung nicht absolut zu setzen 😉

Im nächsten Post geht es los.

Bibliographische Angaben:

Foto-Talk-Box 2, Neukirchener Verlag , ISBN 978-3-7615-6633-6, 18 €

Talk-Box Vol. 6, Neukirchener Verlag , ISBN 978-3-7615-5950-5, 16 €

Mal was anderes

Schon recht frühzeitig hatte ich mir überlegt, das Nähzimmer unsicher zu machen, sobald ich wieder längere Zeit sitzen, aber noch keine größeren Gartenarbeiten machen kann.

Dass ich aber statt eines schönen Bettüberwurfes oder einer Tischdecke mit Gesichtsmasken in Serie gehen würde, das hätte ich vor einigen Tagen nicht erwartet.

Aber beim Hausarzt ist das zurzeit begehrte Ware, also erweitere ich nähtechnisch meinen Horizont. Dank netter Spenden an Herrenhemden, Betttüchern, Gummilitze und Hutgummi kein Problem.

Heute Abend muss ich allerdings erstmal die Nähmaschine entfusseln und morgen früh dann wieder einige Meter Schrägband zuschneiden.

Und dann kann es weitergehen. Die Nähanleitung ist übrigens von Sabine:

https://sewsimple.de/anleitung-mundschutz-naehen-mit-schnittmuster/

Edit: Bei den selbst genähten Gesichtsmasken handelt es sich nicht um Medizinprodukte! Sie bieten natürlich keinerlei Schutz gegenüber Viren oder Bakterien. Sie sind dafür da, dass man beim Husten oder Niesen eine Art „Bremse“ für die Ausbreitung seiner eigenen Tröpfchen vor dem Gesicht hat, also nicht den Nebenmenschen einer Dusche unterzieht. Sie ersetzen aber keinesfalls die Regeln Abstand, Husten- und Niesetikette, Händewaschen!Außerdem verhindern sie, dass man sich übermäßig oft an Mund oder Nase fasst.

Und was, wenn die Zweifel kommen?

„Es war tief in der Nacht, kurz vor Morgengrauen. Wir waren nach einem langen, ereignisreichen Tag auf dem See unterwegs, in einem unserer Boote. Auf einmal kam ein stürmischer Wind auf. Merkwürdig, denn um diese Zeit schlief eigentlich auch die Natur. Sofort waren wir alle wach und auf dem Posten.

Doch was war das? Eine Bewegung auf dem Wasser, etwas kam auf uns zu! Wie ein wehender Mantel, eine gespenstische Erscheinung! Wir waren alle miteinander entsetzt, so etwas hatten wir noch nie gesehen. Die Furcht war ansteckend, ich glaube, wir schrieen ziemlich durcheinander. Doch da sprach die Erscheinung zu uns: ‚Habt keine Angst. Ich bin es. Es ist alles gut!‘

Mir fiel ein Stein vom Herzen. Und doch konnte ich es nicht so ganz glauben, deswegen rief ich ‚Herr, bist du es? Wenn du es wirklich bist, lass mich auf dem Wasser zu dir kommen!‘ ‚Dann komm!‘ antwortete er. Ohne nachzudenken setzte ich erst den einen, dann den anderen Fuß über die Bordwand. Ich hatte ihn fest im Blick, ich ging auf ihn zu. Aber dann bemerkte ich die hohen Wellen rings umher. Was tat ich hier? Das war doch unmöglich …

Prompt begann ich zu sinken, der brodelnde See würde mich gleich verschlucken. Da griff eine Hand nach meiner und hielt mich fest. Er fragte mich: ‚Warum hast du so wenig Vertrauen zu mir?‘ Diese Frage beschäftigte und beschämte mich noch lange danach. Gemeinsam bestiegen wir das Boot und gleichzeitig legte sich der Sturm. Wir alle knieten nieder und waren voller Ehrfurcht vor Ihm. So vieles hatten wir schon mit ihm erlebt und doch waren wir immer aufs Neue überwältigt. Er konnte nur der ersehnte Messias sein!“

(Nach Matthäus 14, 22-33)

Na, ich schätze, du kennst den Erzähler dieser Begebenheit. Es ist natürlich Petrus. Petrus, der immer treu zu Jesus stehen wollte. Petrus, der gern ein bisschen großspurig daherkam und seinen eigenen Anforderungen nicht so recht genügen konnte. Petrus, der Jesus schließlich verleugnete, als es für ihn selbst brenzlig wurde. Aber eben auch Petrus, dem Jesus so viel zugetraut hatte. Petrus, mit dem Jesus immer liebevoll und geduldig umgegangen war. Petrus, dem Jesus ganz direkt die Gemeinde anvertraut hatte, ehe er zum Himmel auffuhr.

Petrus ist eigentlich ein Mensch, den wir gut verstehen können. Denn in wohl jedem von uns steckt mehr oder weniger von seinem Charakter drin. Wir sind möglicherweise einmal wie Petrus von Jesus angesprochen worden: „Folge mir nach.“ Und wir sind gefolgt. Vielleicht zunächst aus Neugierde, dann mit wachsender Faszination für diesen so anderen Weg, den wir mit Jesus gehen dürfen. Auch wenn wir nicht immer verstanden haben, was Jesus eigentlich von uns und für uns will, wir haben gebrannt für Jesus, wollten ihm immer nahe sein.

Und doch, es gibt auch immer mal wieder Zeiten, da wissen wir nicht, ob es vielleicht doch ein Irrweg ist, ob es sich lohnt, gegen den Strom zu schwimmen. Da kommen Fragen und Zweifel. Und dann?

In den Tagen und Wochen jetzt, mit der Ungewissheit, was mit der Menschheit passiert, wie die Welt nach Corona (oder mit Corona auf Dauer) aussehen wird, da sind wir möglicherweise besonders anfällig, uns zu überlegen, wohin uns der Weg mit Jesus führt.

Zweifel kommen gern dann, wenn wir den Blick von Jesus lösen, wenn wir die Stürme des Lebens um uns herum verstärkt wahrnehmen, wenn wir vor allem bemerken, was alles gerade schief läuft. Dann fehlt uns das Vertrauen. Alle Sicherheiten, die wir uns aufgebaut haben, stehen auf dem Prüfstand und manches hält der Prüfung nicht stand.

In meiner westfälischen Heimat haben die Gemeinden, die in der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen zusammengeschlossen sind, ein allgemeines Glockenläuten jeden Abend um 19:30 Uhr beschlossen. Und ein Gebet verfasst, das zu dieser Zeit alle mitsprechen können. Dabei auch eine Kerze anzünden und ins Fenster stellen, als Zeichen der Hoffnung und Verbundenheit. Und auch als eine Art der Selbstvergewisserung, auf wen wir letztlich unser Vertrauen setzen. Das Vertrauen, das über den Zweifel die Oberhand behält oder erhält.

Mir fehlt für diesen Impuls gerade der zündende Schlusssatz. Ich schätze mal, das liegt daran, dass den Schluss oder die Schlussfolgerung, jede*r einzelne von uns für sich finden muss. Das geht nicht auf dem Verordnungsweg. Es kann auch das Gegenteil von Schluss sein, nämlich ein persönlicher Anfang, der Beginn eines Weges. Eines Weges mit Berg- und Taletappen, mit Stolpersteinen und Bänken zum Ausruhen am Wegesrand. Mit Sturzregen, Sturm, lauen Frühlingslüftchen, heißen und trockenen Tagen und manchmal auch grandiosen Ausblicken.

Habt einen schönen Sonntag und bleibt gesund. Und vor allem zuhause!

PS: Wenn du den Text des Gebetes haben möchtest, schreib mich über das Kontaktformular an.