Ein folgenschwerer Tag…

Ich hatte es angekündigt. Angedroht? Nein, eher versprochen. Und heute habe ich nach mehreren Tagen Recherche, einem Telefonat mit unserem Steuerberater und einem weiteren mit der IHK dann Nägel mit Köpfen gemacht.

Und um auch hier zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, mache ich gleich noch eine abc-Etüde aus meiner Ankündigung. Hier der Link zur Schreibeinladung:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/05/17/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-21-22-20-wortspende-von-kopf-und-gestalt/

Heute habe ich die Gewerbeanmeldung bei unserer Stadtverwaltung abgegeben. Ein kleiner Nebenerwerb, damit ich mein Hobby weiter betreiben und hoffentlich auch ein wenig finanzieren kann. Denn ich nähe schon seit einigen Jahren sehr gern. Seit dem doppelten Sehnenriss diesen Frühjahr sitze ich so gut wie jeden Tag an der neuen Maschine. Wer näht, kennt das Dilemma: Wo man auch ist, das nächste Stoffgeschäft wird aufgesucht. Als Mitbringsel muss wenigstens ein schönes Muster gekauft werden. Alte Bettwäsche und Herrenhemden werden gehamstert wie bei manch anderem das Klopapier.

Und wenn man dann alle seine Schätze verarbeitet, dann ist schnell das Haus mit Patchworkarbeiten aller Art dekoriert. Das geht so nicht, nicht auf die Dauer. Ich habe allerdings festgestellt, dass es Interesse gibt, so liebevoll in Handarbeit zusammengestückelte Teile zu erwerben, gern auch als individuelles Geschenk. Also probiere ich es – fallen kann ich dabei eigentlich nicht. Einen festen Zeitplan habe ich nicht dabei, ich sehe, wie es sich ergibt. Und wenn sich irgendwann herausstellt, dass es doch nicht klappt, ist es auch nicht schlimm. Dann bin ich mal wieder um eine Erfahrung reicher und habe immerhin viel Zeit verbracht mit Dingen, die mir nicht nur Spaß machen, sondern auch gut tun. Und schon das ist ein Wert an sich.

Der Unfall (der eigentlich ja gar keiner war) und Corona dienten mir offensichtlich als Katalysator für diesen kleinen Traum. Wie ich eben bei Alice gelesen habe, bin ich da wohl nicht die Einzige… Bin gespannt, was mit dem nächsten Träumchen passiert (wie vermutlich jede Buchhändlerin würde ich gern mal als Autorin groß rauskommen 😅)

(261 Wörter)

Du stellst meine Füße auf weiten Raum

(Vorbemerkung: Wahnsinn, ich habe seit zwei Wochen nichts mehr geschrieben. Und genauso lange auch nichts mehr von euch Blognachbarn gelesen. Sorry. Aber ich brauchte diese kreative Pause, weil sich in meinem kleinen Spatzenhirn ein Gedanke eingenistet hatte, der meine gesamte Aufmerksamkeit beanspruchte: Ich möchte mich selbständig machen. Darauf gehe ich aber in einem anderen Artikel ein.)

Also. Der Spruch „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ kam mir am Dienstag früh nach dem Aufstehen in den Sinn und hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Es ist eine kleine Momentaufnahme aus dem Psalm 31, der zweite Teil des Vers 9. Der Psalm wird König David zugeschrieben, und zwar dem alternden König, wie auch einzelne Verse nahelegen. Da spricht der Beter über die unterschiedlichsten Erfahrungen seines Lebens. Auch über Feinde, Götzenanbeter, Bedrängnis.

In Vers 9 heißt es komplett: „und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

Wirklich? Gerade in den letzten Wochen haben wir doch alles andere als „weiten Raum“. Kontaktbeschränkungen, Home Office und Home Schooling, Kitas geschlossen, kein Ausgehen, Gottesdienste nur digital, Kultur findet nur noch über Insta und Youtube statt… Aber wir haben trotz alledem Möglichkeiten gefunden. Wir waren gezwungen, unseren Alltag, liebgewonnene Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen: funktioniert das alles tatsächlich nur so, wie wir es gewohnt sind? (Allein der Umwelt zuliebe hat die Umstellung bisher jedenfalls nur so lala geklappt) Oder gelingt es vielleicht doch auch ganz anders?

Zunächst hatten die Maßnahmen ja auch durchaus den klitzekleinen Nerv der Leute getroffen, der sich nach Entschleunigung sehnte. Teilweise wurde die neue Langsamkeit und Genügsamkeit sogar euphorisch gefeiert. Nicht nur ich, sondern viele andere Blogger auch verfielen in Schreibräusche, Kulturschaffende boten ihre Programme unentgeltlich im Netz an, in der Hoffnung, dass „nach Corona“ das Publikum sich an sie erinnert und dann auch Konzerte und Live-Shows besucht. Die leeren Straßen und der klare Himmel taten ihr übriges.

Nach einigen Wochen stellte sich heraus, dass eine gezwungene Dauer-Entschleunigung auch nicht das Wahre ist (und ich begreife eigentlich immer noch nicht, warum die Proteste genau dann losgingen, als die Maßnahmen gelockert wurden. Nach dem Motto: Schnell noch protestieren, ehe es überhaupt keinen Grund mehr gibt!) Manche fielen dann in umso tiefere mentale Löcher, auch ich hatte so eine Phase des Einigelns und Eigenbrötelns.

Zu einer Zeit, als weder Autoverkehr noch Flugscham, weder Verschwörungstheorien über eine „Neue Weltordnung“ oder Viren ein Thema waren, kannte auch der große und mächtige König David gute und schlechte Zeiten.

Es ist ja auch nicht so, dass er selbst immer ein Musterknabe gewesen wäre, denken wir nur mal an Bathseba. Aber in allem, was er gut oder falsch gemacht hatte in seinem Leben, er wusste sich immer geborgen bei Gott mit seiner Liebe und Güte zu den Menschen. David hat unzählige Höhen und Tiefen erlebt, das spiegelt sich auch im Psalm wider. Die Aussagen des Psalms verlaufen in Wellen, aber immer wieder kehrt er zu Gott zurück, immer wieder ruft er IHN an: du stellst meine Füße auf weiten Raum!

Im Rückblick auf eine lange Weltgeschichte würde ich sagen, diese Erkenntnis hat sich immer wieder durchgesetzt. In allen Beschränkungen und Bedrängnissen, welche die Menschheit durch Kriege, Seuchen, Naturkatastrophen und anderes durchgemacht hat. Menschen sind immer wieder gestärkt und mit neuem Mut aus diesen hervorgegangen, haben sich neue Wege gesucht, haben neue Ideen gehabt. Nicht immer zum Vorteil, aber das erkennt man nun mal häufig erst im Nachhinein. Leben kann man nur vorwärts.

Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Eine Zusage und ein Versprechen. Es ist Zeit, diesen Raum neu zu erkunden. Oder, um es mit Gandhi zu sagen: „Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt“. Ist zwar ein anderer Ansatz, aber dieselbe Grundhaltung.

PS: Das Beitragsbild ist 2009 auf Norderney entstanden. (Damals noch mit einer analogen Kamera und Film. Ich hatte mich lange Zeit der Digitalfotografie verweigert. Dieser „neue Weg“ war zu der Zeit nicht meiner🙃) Kathrin war mit knapp drei Jahren dort zur Kinderkur im Seehospiz und wir hatten an einem Wochenende die Flucht ins Naturschutzgebiet angetreten, weil es im Ort vor lauter Kegelclubs und Junggesellenabschieden nicht zu ertragen war mit kleinen Kindern. So sahen wir das Städtchen Norderney an dem Tag nur aus der Ferne und im Dunst, ohne die unappetitlichen Details vollkommen besoffener Menschen. Auch unsere Zukunft nehmen wir so ungefähr wahr, leichte Konturen, noch nicht ganz klar, ohne Details.

Stunde der Gartenvögel

10:30 Uhr am Sonntagmorgen. Soeben haben die Glocken geläutet. Der erste Gemeindegottesdienst in Corona-Zeiten mit viel Verwaltungsaufwand. Edgar ist dabei, als Presbyter ist er mit diversen Aufgaben betraut. Ich habe mich dagegen nach vielem Nachdenken entschieden, dass ich noch nicht soweit bin.

Stattdessen sitze ich draußen auf der Bank und lobe meinen Herrn, indem ich seine Schöpfung oder zumindest einen kleinen Teil davon beobachte: Ich nehme an der „Stunde der Gartenvögel“ teil. Das alte Fernglas von SchwieMu, das Handy mit der Vogel-Bestimmungs-App und die Liste der Vögel, die ich in den letzten Wochen schon als Gäste begrüßt habe, liegt griffbereit.

Sie sind alle irgendwo. Ich höre sie in einem großartigen Durcheinander-Konzert (heute ist der Sonntag „Kantate“), das Tschilpen der Spatzen, die Sequenz der Kohlmeise (Blaumeisen haben wir dieses Jahr nicht, aber das ist ein anderes Thema), das charakteristische Zilp-Zalp des gleichnamigen Sängers, … aber keiner lässt sich blicken.

Ah, Moment! Diese lange Abfolge von Tönen kann nur einer sein: Die Mönchsgrasmücke. Da ist sie: Sie nascht am Samen der letztjährigen Brennesseln, deren Skelette noch am Gartenzaun stehen. Aber die meisten lassen sich nur hören. Gilt das auch?

Wir haben dieses Jahr sogar einen Gelbspötter, sozusagen der Comedian unter den Gartenbewohnern. Er imitiert in einer ziemlich langen Gesangseinlage verschiedene andere Vögel. „Unserer“ hat unter anderem einen Kuckuck und sogar einen Hahn im Repertoire.

Den Geräuschen nach zu urteilen müssten wir sogar schon wieder einen jungen Buntspecht haben, der seine Mama durch die Gegend kommandiert. Über diese Vogelteenies, die ihre Mütter absolut im Griff haben, habe ich mich voriges Jahr schon amüsiert.

Ich spiele jetzt mal auf dem Handy die Stimmen derer ab, die auf meiner Liste stehen. Mal sehen, wer antwortet. Ja, der Buchfink ist da, er muss gut getarnt im Haselstrauch sitzen. Die Mönchsgrasmücke antwortet auch, aber die habe ich ja auch schon gesehen. Ob sie wieder im Rhododendron brütet wie letztes Jahr? Jedenfalls ist sie einer der lautstärksten Gartenbewohner, sie spielt da in einer Liga mit den Zaunkönigen, von denen sich gleich mehrere bei uns wohlfühlen.

Ich habe ein Kohlmeisenpärchen angelockt. Sie sitzen vier Meter Luftlinie von mir entfernt in der Zierkirsche und beäugen mich. Nebenbei picken sie Insekten von den Ästen. Kohlmeisen sind die Beschützer meiner Rosen, denn sie mögen ganz besonders gern Blattläuse.

Jetzt flappt ziemlich laut die Taube durchs Bild, die „Transall“ unter den Vögeln. Die Spatzen kommen zum frühen Lunch ans Vogelhäuschen.

Amseln, Singdrossel, Rotkehlchen, Elster und andere entziehen sich dem Zensus. Die Stare kommen sowieso erst, wenn die Kirschen sich färben.

Die Stunde ist um, jetzt muss ich überlegen, ob ich die akustischen Beobachtungen mitzähle.

Das Beitragsfoto zeigt eine kleine Auswahl der beliebtesten Quartiere unserer Vögel. Rosen, Wacholder, Zierquitte und Brombeeren haben genügend Piks-Potenzial, um die Katzen fernzuhalten. Und Vogelhaus mitsamt Haselgebüsch sowie die Kletterhortensie sind nah genug am Haus, dass sich die Samtpfoten dort nicht blicken lassen, weil Kalle und Lucy sie bewachen. Die Hunde werden von den Vögeln nicht als Gefahr, sondern als Lieferanten von superkuscheligem Nistmaterial angesehen. Sie saufen höchstens mal die Vogeltränke leer.

Rasen mähen

Heute habe ich das erste Mal in diesem Jahr selbst Rasen gemäht.

Irgendwann muss man ja wieder anfangen. Nach der ersten Wiese mit ungefähr 400 qm (die mähe ich immer selbst im Frühling, und zwar mit dem „kleinen“ Mäher, weil dort Margeriten wachsen, die dürfen natürlich nicht abgeschnitten werden) war ich ja noch ganz guter Dinge, trotz der vielen Kurven um die leider etwas spärlichen jungen Wildblumen herum.

Weil ich es langsam angehen wollte, hab ich die zweite, etwa gleichgroße, erst am Nachmittag unter den Mäher genommen. Als ich damit dann auch fertig war, humpelte ich schon.

Ein kleines Stück oberhalb der Terrasse hab ich dann noch geschafft. Danach war ich fix und fertig, mein rechter Oberschenkel brannte und fühlte sich an, als gehöre er nicht so richtig zum Rest des Körpers und mein Gemütszustand war mindestens drei Etagen unter der Erde.

Die große Wiese hinter dem Haus hat Edgar mit dem Aufsitzer gemäht und anschließend meinen Seelenfrieden wieder herzustellen versucht. Ja ich weiß, nach den Verletzungen in beiden Beinen kann ich froh sein, wie ich mich jetzt schon wieder bewegen kann. Trotzdem fällt es mir eben sehr schwer, wenn ich nur beim Wachsen aller Pflanzen zugucken kann, statt hier und da ordnend einzugreifen.

Immerhin, der erste Schritt ist getan und jetzt hoffe ich sehr, dass es langsam bergauf geht. („Lieber Gott, gib mir Geduld, aber flott!“🙈)

Arbeitsplätze …

Es ist mal wieder Zeit für eine kleine Presseschau. Unsere lokale Tageszeitung legt heute einen kleinen Schwerpunkt auf die Auswirkungen der Pandemie auf verschiedene Wirtschaftsbereiche.

Ein Aspekt, den ich heute zum ersten Mal lese: Die Weltläden. Denen fehlen nicht nur hier in Deutschland die Ehrenamtlichen, die hinter dem Verkaufstresen stehen (weil diese oft schon durch ihre Lebenserfahrung zu Risikogruppen zählen). Ihre Produzenten sind meist kleine Familienbetriebe oder Kooperativen, die in den sogenannten 3. Welt-Ländern ihre Waren herstellen. Diese sind durch Corona sehr häufig gleich mehrfach gefährdet: Durch mangelhafte Gesundheitsversorgung, fehlende Sozialsysteme und Produktionsausfälle. Gar nicht erst zu reden von den üblichen Wirtschaftswegen der Weltwirtschaft, welche diese kleinen, nachhaltig arbeitenden Betriebe sowieso schon seit Jahrzehnten von der allgemeinen Wertschöpfung ausschließt.

Die Befürchtung liegt nicht ganz fern, dass das Modell der Weltläden zu den Verlierern der Krise zählen dürfte.

Auf der Wirtschaftsseite der Zeitung stehen direkt nebeneinander zwei Artikel mit den folgenden Schlagzeilen, die mich aufhorchen lassen:

„Tourismus beklagt Milliarden-Verluste. Gefahr für Hunderttausende Arbeitsplätze“

und

„>Autoländer< fordern Kaufprämie. Ministerpräsidenten wollen schwache Nachfrage ankurbeln“

Ich muss jetzt einfach mal ganz provokant nachfragen: Sind Autoindustrie-Arbeitsplätze mehr wert als Gastronomie-Arbeitsplätze? (Auf jeden Fall meistens besser bezahlt)

Auch die >Autoländer< Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen haben aber auch große Tourismus-Hochburgen. Gibt es innerhalb dieser Länder mehr oder weniger förderungswürdige Berufs- und Wirtschaftsfelder?

Was machen gar Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein, die überproportional auf den Tourismus als Einnahmequelle angewiesen sind? Wenn es tatsächlich irgendwie geartete „Kaufprämien“ für Autos gibt, sollte es dann nicht auch Urlaubsgutscheine für Touristen geben, wenn sie ihren Urlaub an Nord- und Ostsee, im Harz, dem Elbsandsteingebirge, Teutoburger Wald, Eifel, Sauerland, Schwarzwald, Oberbayern … verbringen?

Ich würde es gern verstehen. Und es kann nicht nur daran liegen, dass Deutschland halt ein „Autoland“ ist. Die Deutschen sind auch als äußerst reiselustig bekannt.

Dieses kleine Schlaglicht betrifft auch nur einen kleinen Teil des Gesamten. Es ist vermutlich überhaupt nicht möglich, die Folgen der Pandemie komplett sozial und wirtschaftlich gerecht abzufedern, aber in vielen Bereichen schreit die Ungerechtigkeit jetzt schon zum Himmel. Und auch die Klimaziele dürfen nicht hinten runterfallen. Meiner Meinung nach sollte dem Lobbyismus einzelner Großspieler ganz schnell ein Riegel vorgeschoben werden, denn die „kleinen“ Marktteilnehmer haben leider nicht so einen guten Stand. Die Regierung, die in den Augen vieler (auch in meinen) bisher in dieser Lage einen guten Job macht (vor allem aus dem Ausland gelten wir mal wieder als Vorbild und Musterknabe), verspielt sonst ruckzuck wieder das Vertrauen. Man merkt es ja jetzt schon, dass es an den Rändern ausfranst.

Und das wäre schade, nicht (nur) wegen der Regierung, sondern wegen der Solidarität vieler Menschen, die dann auch wieder flöten geht.

Aber was weiß ich denn schon, bin ja auch nur so ein einzelner kleiner Gutmensch …

Kurzimpuls in 300 Wörtern

abc.etüden 2020 19+20 | 365tageasatzaday

Vielleicht ist mein Petrus-Gen heute früh mit mir durchgegangen … Nachdem ich die Wortspende von Olpo gelesen hatte, war meine erste Reaktion: Das wird eine Andacht. Ist aber gar nicht so einfach, die Herausforderung, unter 10 Minuten zu bleiben, ist da deutlich einfacher😇.

Die Einladung zur Etüde findest du hier:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/05/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-19-20-20-wortspende-von-olpo-olponator/

Und mein Ergebnis schaut so aus (nicht eine meiner besten, dafür eindeutig die kürzeste):

Jesus und seine Jünger hatten gerade 5000 Menschen mit Brot und Fisch versorgt, dann schickte er sie los, mit dem Boot auf die andere Seite des Sees zu fahren. Er selbst brauchte Zeit zum Alleinsein. Es wurde Nacht und plötzlich brach auf dem See ein Sturm los. Weil aber ein plumpes Fischerboot nicht so wendig ist wie ein Katamaran, hatten die Jünger ihre liebe Mühe beim Steuern.

In den frühen Morgenstunden kam Jesus auf dem Wasser zu ihnen. Die Jünger wurden von Entsetzen gepackt, sie glaubten, ein Gespenst zu sehen. Bis er ihnen zurief: „Habt keine Angst, ich bin es!“ Daraufhin Petrus, der oft etwas großspurig daherkam: „Herr, wenn du es wirklich bist, lass mich auf dem Wasser zu dir kommen.“ „Komm her!“ antwortete Jesus.

Petrus stieg aus dem Boot und ging Jesus entgegen. Aber dann stellte er auf einmal fest, was genau er da gerade tat und begann zu versinken. Jesus streckte die Hand nach ihm aus und fragte: „Hast du so wenig Glauben, Petrus? Vertrau mir doch!“

Dann stiegen beide ins Boot und der Sturm legte sich. Die Jünger fielen alle vor Jesus nieder und bekannten: „Wir können es nicht länger totschweigen. Du bist wirklich der Sohn Gottes!“

Ich mag Petrus. Durch seine Art ist er immer wieder gut, uns heute zu spiegeln. Aber Jesus hält trotzdem zu ihm, schlussendlich gibt er ihm sogar die Aufgabe, die Gemeinde zu leiten.

Und wir? Immer wieder nehmen wir uns mehr vor, als wir halten können, und zwar fast immer mit den besten Absichten. Und dann scheitern wir, meist an unseren Ansprüchen. Auch zu uns hält Jesus, obwohl wir alle einen mehr oder weniger großen Petrus-Anteil in uns haben. Nicht um uns zu beschämen, sondern weil er die Liebe Gottes und seine Gnade in Person ist. Amen.

(299 Wörter)

Passt wie Ar… auf Eimer

Entschuldigung für die provokante Überschrift. Oder auch nicht. Aktuell lese ich dieses Buch von Maja Göpel, sie ist eine der GründerInnen von Scientists for Future. Macht es sie am Anfang noch sympathisch, dass sie aus Ostwestfalen stammt und ziemlich unkonventionell aufgewachsen ist, so ist es danach einerseits ihre unstillbare Neugier auf die Zusammenhänge komplexer Sachverhalte, die sie seit Jugendzeiten hat und andererseits ihre Fähigkeit, diese Zusammenhänge auch einem Laien durch Praxisbeispiele aus der „realen“ Welt super zu erklären.

Sie hat das Buch vor Corona geschrieben und herausgebracht, zu einer ganz anderen Zeit, lange her … im Winter 2019/20. Ja, es kommt einem augenblicklich tatsächlich sehr entfernt vor. Aber sie könnte es, zumindest die Kapitel, die ich bisher gelesen habe, genausogut in die aktuelle Situation hineingeschrieben haben. Die Gedanken, die sich mir dazu aufdrängten, folgen:

In den ersten Wochen der Einschränkungen ploppten altruistische Werte wie Fürsorge, Nächstenliebe, Dankbarkeit auf. In den sozialen Netzwerken wurden die Alltagshelden gefeiert, Menschen versicherten sich gegenseitig, wie groß ihre Hoffnung sei, dass diese Krise die Gesellschaft verändern möge, natürlich zu menschlichen statt wirtschaftlichen Werten. Eine große Sehnsucht war erkennbar, nach einem verlangsamten Leben mit Zeit für Dinge, die man sonst im Hamsterrad nicht schafft – aber spätestens nach vier Wochen wurden die Rufe nach dem „alten Leben“ lauter. Vor allem angefeuert von der Wirtschaft. Und damit auch die Forderung, die Folgen der Krise mit den alten (uralten) Methoden des ökonomisch messbaren Wachstums zu bekämpfen. Was das bedeuten könnte? Nun, hier ist ein Beispiel:

Ein Tankerunglück, das einen Küstenabschnitt mit Öl verpestet, lässt das BIP (Anm.: Bruttoinlandsprodukt) ansteigen, weil es dazu führt, dass Firmen kommen und das Öl vom Strand kratzen und also Dienstleistungen erbracht werden. Die Schäden, die durch die Ölpest im Ökosystem angerichtet werden, schlagen sich im BIP nicht nieder, weil Natur – wie wir gesehen haben -, solange sie einfach nur da ist, in keiner ökonomischen Bilanz auftaucht. Ein Vater oder eine Mutter, die nach der Geburt ihres Kindes eine Zeit lang zu Hause bleiben und nicht ins Büro gehen, senken dagegen das BIP. Denn das Wohlgefühl des Kindes und der Eltern, die ihr gemeinsames Leben zusammen beginnen, zählt hier nicht. (S. 79)

Zurück ins Jetzt: Schaut man sich mal an, wem wie Unterstützung angeboten wird, sieht man, wo die Prioritäten liegen: Große Konzerne und Industrie. Staatshilfen (aber der Staat soll bitte trotz reingepumpten Geldes nix zu sagen haben …) und Kurzarbeitergeld (unbestritten für die betroffenen Arbeitnehmer wichtig zur Sicherung des elementaren Lebensunterhaltes). Aber die Beträge, mit denen Klein- und Kleinstbetriebe abgespeist werden, der Pizzabäcker von nebenan oder die kleine Frühstückspension, der Campingplatz oder Friseursalon mit wenigen Angestellten, die spotten jeglicher Realität! Soloselbständige, die aus dem eigenen Haus arbeiten oder Künstler und Kulturschaffende werden gar gleich zum Jobcenter auf Hartz IV geschickt!

Überhaupt: Gastronomie, Kinos, Theater, Schauspieler und Schausteller und viele mehr, alle, die das Leben außerhalb der Arbeitszeit angenehmer machen, für diese vielen Menschen (die uns anderen die letzten sechs Wochen mit viel Kreativität und Bereitschaft zu unkonventionellen und unbezahlten Wegen die Zeit im Shutdown vertrieben haben) gibt es auch bis heute kaum eine Perspektive.

Der Bereich Bildung, von der Kita bis mindestens zum Abitur (wie es gerade an Hochschulen aussieht, kann ich nicht beurteilen) stolpert von einer KMK zur nächsten. Und die teilweise hilflos anmutenden Beschlüsse (150€ Zuschuss für ein Tablet. Müssen wir wohl die nächste Aldi-Kampfaktion abwarten…) werden dann immer weiter abwärts delegiert, bis sie bei den Schulträgern ankommen. Die haben dann den schwarzen Peter. Sind jahrzehntelang kaputtgespart worden und sollen von null auf hundert zu hygienischen Vorzeigebetrieben mutieren. Sollen beurteilen, wie ein sicherer Unterricht für Schüler und Lehrer aussehen kann, die irgendwelchen Risikogruppen angehören.

In der Pflege, deren „Systemrelevanz“ plötzlich auch dem Letzten klar wurde, sollen die Menschen einen BONUS bekommen. Bis zu 1.500€, gestaffelt nach Ausbildungsniveau! Dann können sie sich auch mal so ein klitzekleines bisschen wie ein Konzernmanager oder Investmentbanker fühlen …

A propos „Systemrelevanz“. Da wird ja schon wieder sortiert, nach dem Nutzen von Menschen. Wer ist gerade wichtig, um die Gesellschaft am Laufen zu halten? Natürlich sind es ganz offensichtlich diejenigen, die weiterhin an der „Arbeitsfront“ (gruseliges Wort übrigens) stehen. Aber sind es nicht genauso auch alle anderen? Die, die gerne arbeiten würden, es aber gerade nicht dürfen. Die, die zuhause Erziehung (inklusive altersgemäße Bildungsangebote für den Nachwuchs) und Home Office unter einen Hut bringen müssen? Die Kinder, die Freunde nicht sehen können, sich nicht verabreden dürfen, den Spielplatz nur aus der Ferne sehen? Die Alten und Kranken, die ohnehin schon ein eingeschränktes Sozialleben führen und sich nun bis an die äußerste Grenze weiter bescheiden müssen? Ach nee, die sind „Risikogruppe“. Die müssen da durch. Ich denke, du verstehst, was ich meine.

Den Gesundheitsexperten, die am Virus und seiner Ausbreitung forschen, wird inzwischen vorgeworfen, dass nicht jede Annahme oder Arbeitsthese sich als haltbar herausstellt. Dass sie zurzeit nicht unter Laborbedingungen, sondern in Echtzeit ein höchst lebendiges Geschehen mit erwarteten, aber auch überraschenden Wendungen als Studienobjekt haben, wird da gern beiseite geschoben. Es gibt bei Corona keinen Elfenbeinturm!

Auf der anderen Seite schlägt aber bereits nach so kurzer Zeit wieder die Stunde der Populisten jeglicher politischen Couleur. Alternative Fakten machen die Runde und Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur.

Während sich „im Kleinen“ immer noch unglaublich viele Menschen einen Paradigmenwechsel mit mehr Wertschätzung und Empathie wünschen, schaffen es die weltweiten politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen leider doch wohl nicht, den beladenen Tanker in voller Fahrt zu wenden. Und die Kaimauer kommt unaufhaltsam näher …!

Nachsatz: Viele Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen haben in den letzten Wochen sehr starke Leistungen vollbracht und hatten auch den Mut, unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen zu treffen. Hut ab! Ich bin sehr froh, dass ich nicht in deren Haut stecke. Dieser Beitrag soll das auf keinen Fall klein reden. An manchen Stellen habe ich auch bewusst provokant geschrieben. Es geht nicht um Patentlösungen, eine solche habe ich auch nicht. Aber:

Ich wünsche mir, dass möglichst viele sich einfach Gedanken machen, was alles möglich wird, wenn wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel stehen. Wobei es auch dabei keine einfachen Lösungen gibt, aber Abwägungen. Denn weiterhin steht nicht nur unsere Wirtschaft auf dem Spiel, sondern auch unsere Welt, in der wir leben. Und wenn die Lebensgrundlagen ökologisch nicht mehr gegeben sind, nützt im Endeffekt auch keine noch so ausgeklügelte Ökonomie. Meine Befürchtung ist, wir verpassen alle miteinander die Chance, die in der Krise steckt. Die Menschheit ist aus vielen kleinen und großen Krisen stets gestärkt hervorgegangen, durch mutige Innovationen und unkonventionelle Wege. Der Mut fehlt gerade in bisher erfolgreichen Wirtschaftszweigen aber total und auch Innovation steht bei den Geldgebern eher nicht so im Kurs. In weiten Teilen wird leider aktuell versucht, mit den Mitteln aus der Zeit der industriellen Revolution Probleme zu lösen. Ich lasse mich aber sehr gern vom Gegenteil überzeugen. Wenn du Beispiele kennst, schreib mir gern in die Kommentare.

Bis dahin lese ich das Buch zu Ende und nähe noch ein paar Masken😉

Bibliographische Angaben: Maja Göpel, Unsere Welt neu denken

Ullstein Verlag, ISBN 978-3-550-20079-3, 17,99€

Das Buch habe ich selbst aus Neugier gekauft. Es besteht keine geschäftliche Beziehung zum Verlag oder der Autorin!