Stunde der Gartenvögel

10:30 Uhr am Sonntagmorgen. Soeben haben die Glocken geläutet. Der erste Gemeindegottesdienst in Corona-Zeiten mit viel Verwaltungsaufwand. Edgar ist dabei, als Presbyter ist er mit diversen Aufgaben betraut. Ich habe mich dagegen nach vielem Nachdenken entschieden, dass ich noch nicht soweit bin.

Stattdessen sitze ich draußen auf der Bank und lobe meinen Herrn, indem ich seine Schöpfung oder zumindest einen kleinen Teil davon beobachte: Ich nehme an der „Stunde der Gartenvögel“ teil. Das alte Fernglas von SchwieMu, das Handy mit der Vogel-Bestimmungs-App und die Liste der Vögel, die ich in den letzten Wochen schon als Gäste begrüßt habe, liegt griffbereit.

Sie sind alle irgendwo. Ich höre sie in einem großartigen Durcheinander-Konzert (heute ist der Sonntag „Kantate“), das Tschilpen der Spatzen, die Sequenz der Kohlmeise (Blaumeisen haben wir dieses Jahr nicht, aber das ist ein anderes Thema), das charakteristische Zilp-Zalp des gleichnamigen Sängers, … aber keiner lässt sich blicken.

Ah, Moment! Diese lange Abfolge von Tönen kann nur einer sein: Die Mönchsgrasmücke. Da ist sie: Sie nascht am Samen der letztjährigen Brennesseln, deren Skelette noch am Gartenzaun stehen. Aber die meisten lassen sich nur hören. Gilt das auch?

Wir haben dieses Jahr sogar einen Gelbspötter, sozusagen der Comedian unter den Gartenbewohnern. Er imitiert in einer ziemlich langen Gesangseinlage verschiedene andere Vögel. „Unserer“ hat unter anderem einen Kuckuck und sogar einen Hahn im Repertoire.

Den Geräuschen nach zu urteilen müssten wir sogar schon wieder einen jungen Buntspecht haben, der seine Mama durch die Gegend kommandiert. Über diese Vogelteenies, die ihre Mütter absolut im Griff haben, habe ich mich voriges Jahr schon amüsiert.

Ich spiele jetzt mal auf dem Handy die Stimmen derer ab, die auf meiner Liste stehen. Mal sehen, wer antwortet. Ja, der Buchfink ist da, er muss gut getarnt im Haselstrauch sitzen. Die Mönchsgrasmücke antwortet auch, aber die habe ich ja auch schon gesehen. Ob sie wieder im Rhododendron brütet wie letztes Jahr? Jedenfalls ist sie einer der lautstärksten Gartenbewohner, sie spielt da in einer Liga mit den Zaunkönigen, von denen sich gleich mehrere bei uns wohlfühlen.

Ich habe ein Kohlmeisenpärchen angelockt. Sie sitzen vier Meter Luftlinie von mir entfernt in der Zierkirsche und beäugen mich. Nebenbei picken sie Insekten von den Ästen. Kohlmeisen sind die Beschützer meiner Rosen, denn sie mögen ganz besonders gern Blattläuse.

Jetzt flappt ziemlich laut die Taube durchs Bild, die „Transall“ unter den Vögeln. Die Spatzen kommen zum frühen Lunch ans Vogelhäuschen.

Amseln, Singdrossel, Rotkehlchen, Elster und andere entziehen sich dem Zensus. Die Stare kommen sowieso erst, wenn die Kirschen sich färben.

Die Stunde ist um, jetzt muss ich überlegen, ob ich die akustischen Beobachtungen mitzähle.

Das Beitragsfoto zeigt eine kleine Auswahl der beliebtesten Quartiere unserer Vögel. Rosen, Wacholder, Zierquitte und Brombeeren haben genügend Piks-Potenzial, um die Katzen fernzuhalten. Und Vogelhaus mitsamt Haselgebüsch sowie die Kletterhortensie sind nah genug am Haus, dass sich die Samtpfoten dort nicht blicken lassen, weil Kalle und Lucy sie bewachen. Die Hunde werden von den Vögeln nicht als Gefahr, sondern als Lieferanten von superkuscheligem Nistmaterial angesehen. Sie saufen höchstens mal die Vogeltränke leer.

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

6 Kommentare zu „Stunde der Gartenvögel“

  1. War heute die Zählung vom NaBu? Oh! Aber bei mir ist das eh verfälscht das Ergebnis, weil ich diesmal ab Frühjahr täglich füttere. Seitdem sind viel mehr Vögel da und zu meiner Freude die 2 Blaumeisenfamilien, die in meinen Kästen gebrütet haben und schon flügge sind – ich kann sie unmöglich zählen, sie kommen ständig, ein ewiges Hin und her und die Rotkehlchen hat auch bei mir versteckt gebrütet und die hüpfen auch zu mehreren da rum. Und natürlich hat die Kohlmeisenfamilie, die mein Nachbar ausgebrütet hat (na ja nicht er, aber sein Nistkasten😮) es auch auf mein Aufzuchtsfutter abgesehen, ebenso wie die Amseln und die Spatzen. Nicht zu vergessen mein Zaunkönig, dem ich einen extra Kasten gekauft habe, den er aber nicht bezogen hat, vielleicht hat er kein Weibchen gefunden, ich seh ihn immer nur allein…. ach ich könnte 100 Stunden von meinen Vögeln quatschen, aber das ist Dein Blog 😁

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    1. Ja, es war Zählwochenende. Ob du fütterst oder nicht, wird abgefragt. Ich füttere auch zu, aber in unserem Garten ist sowieso immer für die Tiere der Tisch gedeckt, weil ich immer die alten Samenstände stehen lasse. Ich hab übrigens keinen einzigen Nistkasten, dafür alte Spechthöhlen, Totholzhaufen, eine wilde Brombeerhecke und abgeschnittene Hecken. Es macht so richtig Spaß, wer sich da alles wohlfühlt…

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