Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

Dieser oft bemühte Satz ist eine Zeile aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse. Zum Neubeginn, sogar auf Geburtsanzeigen habe ich den Satz schon häufig gelesen. Was gern unterschlagen wird, ist der Zusammenhang des Gedichtes. Dort geht es nämlich nicht nur um Anfänge, sondern auch um das Loslassen, das Beenden, den Wandel. Vom Anfang bis zum „Good bye“, alles gehört zu einem Lebenszyklus.

In der Bibel heißt es etwas anders: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“ und auch dort folgen ganz gegensätzliche Begriffe, die das Werden und Vergehen repräsentieren.

Aber für heute bleibe ich beim Anfang. Ab heute bin ich offiziell und angemeldet eine Gewerbetreibende. Nicht komplett unbekannt für mich, denn ich war bereits fünf Jahre selbständig. Aber heute ist es anders, denn ich habe keinen wirtschaftlichen Druck, sondern ich möchte ganz einfach das tun, was ich gern tue, nämlich nähen, fotografieren, gestalten, vielleicht auch kochen. Damit ich das aber immer weiter tun kann, muss ich irgendwo hin mit meinen „Erzeugnissen“. Und was liegt näher, als sie nicht nur selbst zu verschenken, sondern auch anderen zu verkaufen, die selbst ganz andere Talente haben als ich, aber zufällig das mögen, was ich im Überfluss angefertigt habe. So in etwa war mein Gedankengang.

Außerdem ist mir in den letzten Jahren der Nachhaltigkeitsgedanke immer wichtiger geworden, und so nähe ich nicht nur mit neuen wunderschönen Patchworkstoffen, die eigens für dieses Hobby hergestellt werden, sondern auch mit alten, gebrauchten Stoffen, die schon eine Geschichte hinter sich haben. Das Kissen, welches mein Logo darstellt, besteht demzufolge aus zwei ehemaligen Lieblingshemden meines Mannes, die Rückseite ist Teil eines gefärbten Bettlakens, das vor einigen Jahren für ein Karnevalskostüm eingefärbt wurde und zuvor vermutlich lange Jahre meinen Großeltern kühle Sommernächte gesichert hat.

Ich gebe mir jetzt erstmal ein Jahr Zeit. Entweder es klappt, oder ich bin mal wieder um eine Erfahrung reicher und die Gebühren für eine Gewerbeanmeldung ärmer. Ich werde nicht ständig so viel Aufmerksamkeit in diese Idee stecken können, wie sie es verdient hätte, denn ich habe ja alle anderen Sachen, die ich so mache, deswegen nicht aufgegeben. Aber es nicht zu versuchen, hätte nicht nur ich als vertane Chance angesehen, sondern auch Julia und Daniela, die mich sanft in die richtige Richtung geschubst haben und Edgar, der gesagt hat: Wenn du glaubst, es ist das Richtige, dann tu es. Danke euch allen, die mich ermutigt habt und es auch weiter tut.

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

2 Kommentare zu „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“

    1. Dankeschön. Du kennst mich ja, ich bin nicht halb so cool, wie es nach außen aussieht, sondern hab ganz gut Ameisen im Bauch. Aber jetzt kommts: beim Nähen an den Wochenenden läuft nebenher „thies&jenes“ auf Spotify😄.
      Kommt besonders gut, wenn man euch persönlich kennt😉
      Viel Erfolg bei der Wiederöffnung des Jugendcafes.

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