Tag 19 – Die Geschichte der Bibel

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Hast du die Bibel schon gelesen? Wenn ja, ganz oder in Auszügen? Wenn nein, warum nicht? Du meinst, es ist Glaubenssache? Hm.

Wie sieht es denn mit Grimms Märchen aus? Ach ja, das ist was anderes. Das ist Weltliteratur… die kann man lesen, ohne daran zu glauben, dass der böse Wolf den Bauch voller Wackersteine bekommt.

Ähnliche Diskussionen habe ich schon geführt. Vielleicht bist du überrascht, zu erfahren, dass auch die Bibel zur Weltliteratur zählt. Auch sie kann und sollte man kennen, selbst wenn man nicht gläubig ist. Denn sie ist nicht vom Himmel gefallen, sondern sie ist eine ganze Bibliothek mit Familienchroniken, Erfahrungsberichten, Krimis, Weisheiten, Parabeln, Liedern, Briefen, einer in Teilen dystopischen Endzeiterzählung …, sogar ein Stück Erotik findet sich in ihr. Sie berichtet von Erfahrungen, die Menschen mit ihrem Gott gemacht haben, von Menschen, die nicht perfekt waren. Menschen und Ideen, die gescheitert sind, Menschen, die in Krisensituationen neu Wege suchen und begehen mussten. Und sie berichtet von einem Gott, der die Hoffnung nicht aufgibt.

Ja natürlich, die Bibel enthält auch jede Menge schwer verdauliche Kost, Begebenheiten, die wir nicht nachvollziehen können, die uns schier unmenschlich erscheinen. Diese Geschichten gilt es einzuordnen, damit man nicht daran verzweifelt. Darum ist das Buch, das ich euch heute ans Herz lege, ein wichtiges Buch. Denn wie gesagt, die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen, sie hat eine Entstehungsgeschichte. Sie wurde von Menschen aufgeschrieben, über einen langen Zeitraum und in Epochen, die uns komplett fremd sind. Ohne eine fundierte Einordnung kommen wir nicht klar mit Passagen der Bibel, in denen Gott anscheinend eiskalt Entscheidungen trifft, die zum Untergang von Menschen führen.

Die Diskussionen darüber, ob Homosexualität Gott ein Gräuel ist oder ob Frauen in der Gemeinde zu schweigen haben, die kennen wohl alle von uns, die es schon mit sehr „bibelfesten“ Christen zu tun hatten. (An dieser Stelle lege ich Wert darauf, dass ich zunächst einmal schätze, dass Menschen einen festen Glauben leben, ich kann aber mit manchen Glaubensdogmen, die daraus entstehen, nicht viel anfangen, weil sie mir nicht nachvollziehbar sind.) Ohne Kenntnis der Texte ist es äußerst schwer, hier in Diskussionen einzusteigen (schon mit Kenntnis ist es nicht ganz einfach, und viele lassen es deshalb gleich ganz). Für mich persönlich ist es wichtig, dass es nicht die EINE feste Interpretation gibt, und ich finde es fragwürdig, dass es Passagen in der Bibel gibt, die ich zeitlich einordnen darf und andere stehen scheinbar für alle Ewigkeit unverrückbar fest.

Die „Geschichte der Bibel“ empfinde ich als hilfreich, um gerade solch schwierige Themen aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und auch zu erfahren, warum sich bestimmte Interpretationsansätze im Lauf der Kirchengeschichte durchgesetzt haben und andere nicht. Ebenso geht das Buch darauf ein, wo sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten der drei Buchreligionen (Judentum, Christentum, Islam in der Reihenfolge ihrer Entstehung) finden.

Bibliografische Angaben: John Barton, Die Geschichte der Bibel, Klett-Cotta, ISBN  978-3-608-94919-3, € 38,- (Österreich € 39,10)

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

2 Kommentare zu „Tag 19 – Die Geschichte der Bibel“

  1. Glaube ist (für mich) nicht an Dogmen gebunden. Meine Entscheidung für eine große so genannte „Amtskirche“ war eher pragmatischer Natur. Das liegt schon viele Jahre zurück, fühlt sich aber immer noch richtig an.

    Liebe Grüße & einen guten zweiten Advent dir!

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    1. Mir geht es ähnlich. Ich arbeite in meiner Ortsgemeinde mit, da bin ich halt reingeboren (eher statistisch gesehen) und dringeblieben. Mancher festgeschriebene Glaubensgrundsatz regt mich zwar auf, aber ändern kann man schließlich nur dann etwas, wenn man mitmacht. Und vor allem mitredet. Mit allen Generationen. Und unsere Jugendlichen geben mir die Hoffnung, dass es klappt. Dir auch einen schönen Adventssonntag.

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