Wechselmentalität

Ich kann mich an eine Zeit erinnern, da wurde man als Kunde oder Verbraucher belohnt, wenn man vertragstreu war. Gut, andererseits gab es nicht so viele unterschiedliche Telekommunikationsanbieter, Energieversorger, Krankenkassen, Geschäftsbanken und was man sonst noch so zur Daseinsfürsorge braucht. Trotzdem war es vom Prinzip her so, dass man sparte, wenn man „seinem“ Unternehmen über Jahre treu blieb.

Seit einigen Jahren ist aber der ständige Wechsel „sexy“. Im November schnell die Autoversicherung wechseln, weil ein Online-Anbieter noch günstigere Prämien bietet. Jedes Jahr den Stromversorger wechseln, weil man dann den Neukundenrabatt abgreifen kann.

Alle zwei Jahre ein neuer Handytarif, weil es sonst meist teurer wird. Natürlich finanziert man so ganz nebenbei das neueste Smartphone, das im Neuvertrag enthalten ist. Ganz egal, wie unsinnig diese Praxis vom Nachhaltigkeitsgedanken her ist. Es wird immer mehr Elektroschrott produziert und als Kollateralschaden sowohl Kinderarbeit als auch Umweltverschmutzung in fernen Ländern, meist in Afrika oder Asien, gefördert. Aber diese Auswirkungen sehen wir ja nicht.

Was wir merken: Noch mehr Speicherplatz, für Fotos, Musik oder Apps. Für e-Books und Fitnesstracker, alles, was wir unbedingt brauchen, um ein glückliches, erfolgreiches und durchgetaktetes Leben zu führen. (Ironie off!) Noch mehr, das uns eigentlich in unseren Möglichkeiten einschränkt und immer mehr einengt.

Ja, auch ich bin von dem im letzten Abschnitt geschriebenen betroffen, und es stellt sich auch mir die Frage, ob weniger nicht mehr sein kann und sollte. Es ist also durchaus Luft nach oben in meinen Überlegungen. Aber zumindest halten wir in unserer kleinen Familie schon seit Jahren unseren Versorgern die Treue, auch wenn es vielleicht irgendwo „bessere Angebote“ gibt (die häufig zu Ungunsten der Arbeitnehmer in den betreffenden Unternehmen bestehen, Stichwort: ruinöser Wettbewerb!). Und wir nutzen unsere Handys, bis sie den Geist aufgeben. Um uns dann darüber aufzuregen, dass bei den neuen Modellen alles so anders ist, nichts so funktioniert wie gewohnt…

Aber das ist ein anderes Kapitel😁.

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

7 Kommentare zu „Wechselmentalität“

  1. Nerven euch die potenziellen Vertragsanbieter auch so penetrant mit Telefonterror? Mir tun die Angestellten im Callcenter auch ein bisschen leid. Sie machen nur ihren Job. Aber ich lasse sie gar nicht reden, mein Mann hört sich manchmal die ersten Sätze kurz an, um dann mit „Nein danke, wir bezahlen lieber mehr“ das unschlagbar günstige Angebot abzulehnen.

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  2. Aber neben dem vermeintlichem Sparen von Geld oder Zugewinn von Leistung, kostet doch das ganze Gewechsele auch Zeit und Nerven. Da habe ich keine Lust drauf. Ich bin seit Ende der 90-er z.B. beim selben Mobilfunk-Betreiber und werde das nicht so schnell ändern.

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