Ein kranker Hund kommt selten allein

Als ob es noch nicht reicht, dass wir uns Sorgen um Lucy machen. Seit gestern Mittag macht auch Kalle uns Kummer. Es begann damit, dass er lahmte. Aber je nachdem, wann man sich sein Gangbild anschaute, war es mal die rechte Hinterhand, mal die rechte Vorderpfote, die er nicht belastete. Dazu wurde er total ruhig. Der Klavierstimmer am Mittag wurde noch wie gewohnt begrüßt, mit viel Imponiergehabe und Krach, aber als nachmittags eine Freundin klingelte, stand er mühselig auf, machte einmal „Wuff“ und legte sich wieder hin. Abends fraß er zwar, aber auch das im Schneckentempo. Und dann legte er sich hin. Nur, um sich vom Wohnzimmer in den Flur auf sein Kissen umzubetten, war er später noch einmal zu bewegen, sich auf den Weg zu machen.

Heute früh hüpfte kein Hund um mich herum, der nach meinem Aufstehen sofort seine Kaustange forderte. Er schleppte sich mit mir in die Küche, legte sich unter den Tisch (was natürlich nach einiger Zeit zum Konflikt mit Lucy führte, da sie den Platz auch für sich haben wollte). Er legte matt den Kopf ab und schaute mich nur traurig an. Trinken wollte er auch nicht, also befeuchtete ich mehrfach meinen Zeigefinger und rieb ihm die inneren Lefzen etwas feucht.

Ich hatte ihn gestern Abend schon untersucht (und er ließ es untypisch geduldig über sich ergehen): Keine eingetretenen Fremdkörper, keine heißen Beine, keine Wunden irgendwo am Körper, nichts. Aber es tut weh, zu sehen, wie viel Arbeit ihm das Aufstehen macht.

Also gingen mir beim ersten Kaffee Schreckensvisionen von Schlaganfall, Vergiftung und allen möglichen Katastrophen durch den Kopf, und als die Tierarztpraxis um 9 Uhr öffnete, standen wir schon vor der Tür. Zumindest dort ging er wie ein Musterschüler hinein, ich vermute, er wollte sich vor dem Jack Russell, der dort auch wartete, nicht blamieren.

Wie es aussieht, hat er sich vermutlich beim Springen einen Nerv eingeklemmt oder einen Muskel gezerrt, denn er hat einen deutlichen Flankenschmerz gezeigt bei der Tastuntersuchung. Erst gab es eine Schmerzspritze und dann die Leckerchen, die es nur beim Tierarzt gibt. Dazu Schmerztabletten für die nächsten Tage. Mal sehen, wie es weitergeht. Er trinkt immer noch nicht freiwillig, es sei denn, ich rühre ihm „Hunde-Lassi“ an: Naturjoghurt mit Wasser verdünnt schlabbert er auf. Danach darf es dann sogar noch ein Schlückchen Wasser pur sein.

Er legt sich immer dort hin, wo sich jemand aufhält und liegt dann stundenlang da herum und schaut regelrecht trübsinnig in die Gegend. Es geht ihm eindeutig nicht gut. Und ich fühle mich wie eine Mutter mit krankem Kleinkind: Solange die Kinder quicklebendig durch Haus und Garten springen, wünscht man sich etwas mehr Ruhe, aber wenn sie krank im Bett liegen und keinen Mucks von sich geben, dann möchte man doch lieber wieder den anderen Zustand.

Während ich das hier schreibe, hat er sich zu mir ins Büro geschleppt. Doch ich muss gleich wieder in die Küche, wo Hähnchenherzen mit Möhren für die beiden Hundepatienten vor sich hin köcheln. Und wenn er sogar darauf keinen Appetit hat, schadet ihm das auch nicht wirklich: Kalle und ich haben beide an Gewicht zugelegt seit meinem Unfall🙄. Hauptsache, er kommt wieder auf die Beine.

Eigentlich soll er nächste Woche seine Ausbildung als Bootshund beginnen…

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

2 Kommentare zu „Ein kranker Hund kommt selten allein“

  1. Ohje, das wird einige Geduld brauchen und hoffentlich dann aber ausgestanden sein. Wenn er sein „Hunde-Lassi“ nimmt, ist es ja schon mal gut.
    Bongo liegt auch am liebsten irgendwo dahinter, wo er das Gefühl von Zurückgezogenheit hat. Vielleicht kann an ja irgendwas improvisieren, damit die beiden Hunde sich nicht nerven?

    Gefällt 1 Person

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