Liebe, lavendelblau

|Werbung, unbezahlt|

Als ich das Buch vor einer Stunde durchgelesen (man könnte auch „gehechelt“ sagen) hatte, musste ich erstmal eine kleine Runde bügeln, um wieder im profanen Hier und Jetzt anzukommen, so zauberhaft hat mich diese leichte und doch auch irgendwie gehaltvolle Sommergeschichte berührt.

Leicht, weil sie ganz flüssig zu lesen ist und die typischen Provence-Klischees und die Träume von Lavendel, Oliven, ockerfarbener Erde und warmer Sonne auf der Haut bedient. Kostprobe gefällig?

„Zuerst fällt mir ein Tisch mit verschieden eingelegten grünen und schwarzen Oliven auf. Von ihnen möchte ich mir nachher welche abfüllen lassen. Die Düfte, die mich umschweben, sind in ihrer Vielfalt geradezu berauschend. Ich rieche Thymian und Rosmarin, Knoblauch und Käse, und ein Stand mit Salamiwürsten verströmt einen Hauch von Trüffelaroma und Walnuss. Es gibt auch Kleidung und Kosmetik, Seifen in verschiedensten Farb- und Duftrichtungen, einen wunderschönen Blumenstand mit Hortensien. Außerdem Hüte und Tischdecken, die kunstvoll mit Ornamenten und Blütenmotiven bestickt sind. Und ich sehe jede Menge farbenfrohe Basttaschen, von denen ich eine in Knallpink mit Verzierungen in die Höhe hebe. Ich stelle sie zurück. Wie von selbst gleitet meine Hand über ein sommerliches Blumenkleid in provenzalischem Stil. In Hamburg würde kaum jemand so eines tragen, doch hier sehe ich viele Frauen, die sich mit beneidenswert natürlicher Eleganz darin bewegen. Vor einem Spiegel dreht sich gerade eine Französin. Die Händlerin berührt das Kleid und macht ihr irgendein Kompliment. Wie sie darin aufblüht, diese Frau, ich kann den Blick kaum von ihr abwenden und möchte ihr am liebsten zurufen: Kauf es!“ (aus Kapitel 11)

Gehaltvoll, weil die Geschichte auch die schwierigen Passagen einfühlsam erzählt. Eine Trennung ist nicht mal so einfach nebenbei, ebenso wenig, wie man aus einer Urlaubslaune heraus sein bisheriges Leben auf den Kopf stellt, zack – jetzt ist alles anders. Ausnahmen bestätigen die Regel, klar, aber im Allgemeinen setzt man sich mit diesen Dingen auseinander.

„Wenn es dein Wunsch ist – fang damit an, und zwar noch heute!“ Oje, dieser Spruch arbeitet in mir. Eine Binsenweisheit? Vielleicht, aber manchmal braucht man einen Anstupser von außen. Ich habe drei Wünsche (wie von der berühmten Fee…) , aber das Anfangen ist aus unterschiedlichen Gründen eine ganz andere Sache. Meinen Garten endlich so hinzubekommen wie ich es vor meinem inneren Auge habe, ist die letzten eineinhalb Jahre an den blöden Sehnenrissen gescheitert, also immerhin noch im Bereich des Möglichen, wenn ich wieder komplett einsatzfähig bin. Meine kleine Nähmanufaktur etwas mehr zu professionalisieren, ist schon kniffeliger. Dazu muss ich nicht nur Herrin meiner Arme sein, sondern ich brauche auch mehr Zeit dazu, denn immer zwischendurch wieder aufhören, weil das Telefon klingelt und irgendjemand meine Hilfe braucht, ist nervig. Und einen Roman zu schreiben, dafür würde ich mich am liebsten erstmal zwei Wochen irgendwo einigeln und komplett aus dem Verkehr ziehen. Eine Idee schlummert im Hinterkopf, aber die Ruhe fehlt, sie ordentlich auszuarbeiten. Also bleibt es für den Moment beim fragmentarischen Bloggen und dem Rezensieren von anderen Büchern…

Genug geschwafelt, zurück zum aktuellen Exemplar. Die Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen, ich habe nicht einmal ein ganzes Wochenende gebraucht, um sie durchzulesen. Hatte Kopfkino von provenzalischen Wochenmärkten inklusive Dufthalluzinationen, ich konnte mir das unglaublich türkisblaue Wasser des Lac de Sainte-Croix bildlich vorstellen, obwohl ich bisher nur aus Reiseführern von seiner Existenz wusste, ich verspürte die deutliche Sehnsucht, wieder einmal nach Südfrankreich zu fahren. Auch wenn es nur für einen Urlaub wäre.

Dazu kommt, dass der Roman eine einfühlsame und manchmal fast poetische Sprache hat, die Stimmungen leise und eindrücklich wiedergibt. Es hat mir einfach sehr viel Spaß gemacht, Sarahs Geschichte zu lesen. Daumen hoch!

Bibliographische Angaben:

Hannah Juli: Liebe, lavendelblau; Ullstein Taschenbuch, ISBN 978-3-548-06440-6, € 10,99

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

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