„Klima ist wie Bier – warm ist scheiße!“ *

|Werbung, unbezahlt|

Früher war alles besser – so pauschal kann man das nicht sagen.
Aber es kommt doch gerade so manches zurück, was unsere Großeltern schon wussten und praktizierten.

„Was werden zukünftige Geolog:innen an Überresten aus unserer Epoche in Museen ausstellen? Nespresso-Kaffee-Kapseln? Autokarosserien anstelle von Saurierskeletten? Jede Menge Knochen von immer derselben Sorte Nutztieren wird die Forscherinnen und Forscher rätseln lassen, welchem Fleischkult wir unsere Zukunft geopfert haben. […]“ (S. 59)

„Der Mensch hat keine >natürlichen Feinde< mehr – außer sich selber.“ (S. 61)

Unter der Überschrift „Kann man als Arzt unpolitisch sein?“ kommt Hirschhausen auf die freitäglichen Schulstreiks des Jahres 2019 zu sprechen (während ich das schreibe, kommt es mir vor wie in einem anderen Leben), und auf Christian Lindners Ansicht, die Schülerimmen und Schüler mögen doch bitte nach Schulschluss streiken. (In dieser Logik weitergedacht hätten Bahnkunden dieser Tage keine Probleme, denn die Lokführer würden alle erst nach ihrem jeweiligen Dienstschluss streiken. Merkste selbst, Herr Lindner, oder?)

Das nächste Eigentor schoss sich die Politik mit der Forderung, die Jugendlichen sollten die Bewertung dieser Problematik den „Fachleuten“ überlassen. Besagte Fachleute fackelten nicht lange (das war vermutlich ihr Stichwort), innerhalb einiger Tage kamen rund 26.000 „Scientists for Future“ zusammen.

Als Buchhändlerin hege ich übrigens öfter den Verdacht, dass gerade konservative und liberale Politiker nicht oft als Stammkunden in Buchhandlungen kommen. Allein der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome, erschienen bereits 1972 (!) verkaufte sich in meinem ersten Ausbildungsjahr (Herbst 1987) immer noch regelmäßig. Mit allen Publikationen, die seither zu dem Themenkomplex erschienen sind, könnte man eine Buchhandlung füllen.

Eckart hatte in anderer Rolle (Arzt, Wissenschaftsjournalist, Komiker) offensichtlich ähnliche Erkenntnisse, denn für ihn war das Ganze ein Initialzünder, er bekam eine neue Rolle als Klimaaktivist dazu. Ich kann seine Zerrissenheit gut nachfühlen, denn in einem viel kleineren Maßstab geht es mir gerade ähnlich. Meine Reichweite ist begrenzt, meine Netzwerke sind kleiner, aber ich kann nicht mehr anders, ich will und muss sie nutzen.

Rund um meinen Geburtsjahrgang gibt es doch so viele, die Anfang der 1980er Jahre in der Anti-Atom-Bewegung waren, die wie E. v. H. in Wackersdorf demonstriert haben, sich irgendwo an Gleise ketteten oder betend auf den Kirchentagen für eine bessere, nachhaltigere Welt eintraten. Wir hatten Tschernobyl! (Diese Katastrophe passierte genau am 20. Geburtstag meines damaligen Freundes, werde ich nie vergessen…) Jahrelang fragten wir uns, ob die Milch verseucht sei, wir aßen weder Wild noch Wildpilze. Wann zum Henker sind wir so arriviert geworden?

Ihr seht, die Lektüre des Buches bringt in mir viele Saiten zum Klingen, ich hoffe, bei euch auch. Wichtig ist noch dieser Denkanstoß, den ich für heute als Schlussbemerkung und Ansporn setze. Es ist Zeit, einige der kernigen Thesen der „Weiter so -Wachstum über alles“- Verfechter vom Kopf auf die Füße zu stellen:
„Wir brauchen einen stärkeren Fokus auf den Zugewinn an Lebensqualität statt Diskussionen über angebliche Verluste und Verbote.“ (S. 69)

Hier findet ihr die bibliographischen Angaben.

* S. 70, einer der Sprüche von FFF

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

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