Klassenfahrt

Diese Schreibeinladung bringt Erinnerungen

Juhu! Es ist September und es geht weiter mit den abc.etüden bei Christiane. Nachdem ich mich im Frühsommer etwas zurückgehalten habe – manch einer ahnt es, es gibt auch noch ein analoges Leben da draußen, freue ich mich so richtig darauf. Und gleich die erste Schreibeinladung ruft bei mir unweigerlich eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten wach. Hier ist sie:

Es war im Frühsommer 1980. Anfang Juni schätzungsweise, da machte die damalige Klasse 6d des Portagymnasiums eine Klassenfahrt, nach Carolinensiel in die dortige Jugendherberge.

Jugendherbergen, das waren zu der Zeit noch so ominöse Quartiere, mit alten Metallstockbetten, Küchendienst und merkwürdigen, süß-klebrigen Kaltgetränken. Von der kulinarischen Versorgung mal ganz abgesehen. Gut, dass das heute ganz anders ist, da haben manche sogar ein „Resort“ im Namen.

Jedenfalls war eine ganz wichtige Sache, die wir im Gepäck haben mussten, ein Paar funktionsfähige Gummistiefel. Wir fuhren mit einer Parallelklasse zusammen, und deren Klassenlehrer hatte eine Wattwanderung für uns geplant, damit wir auch etwas über diese wunderbare norddeutsche Kulturlandschaft lernen. Er war nämlich Biolehrer mit Leib und Seele. Unserer war Mathe- und Physiklehrer; zum Glück mussten wir wenigstens nicht die Kraft berechnen, die notwendig ist, um 100 Krabben fürs Brötchen zu pulen.

Aber zurück zu den Gummistiefeln: Eines schönen Morgens stapften wir also los, ca. 60 SchülerInnen, 2 Lehrer und 2 mitreisende Mütter. Plus ein Wattführer. Was wir nicht wussten (zum Glück), war die Tatsache, dass vor Carolinensiel und Harlesiel im Watt viele recht tiefe Priele lagen, ich weiß nicht, wie sich das seitdem entwickelt hat. Und dort war eher Matschwatt, weniger Sandwatt. Niemals werde ich vergessen (mit Hilfe von „Beweisfotos“), wie wir einige Stunden später erschöpft zur Jugendherberge zurückkehrten, voller Schlick, den wir mühselig nicht nur außen von den Gummistiefeln putzen mussten. Einige Stiefel waren vollgelaufen, einige fehlten auch gleich ganz, die waren irgendwo da draußen steckengeblieben. Und unsere Jeans mussten wir fast alle waschen (es gab nicht wenige, die beinahe bis zu den Hüften eingesunken waren), in Ermangelung von Waschpulver mit dem Apfelshampoo einer Mitschülerin, ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie wir alle den Rest der Reise rochen…

(285 Wörter)

Aus gegebenem Anlass hier ein Off-Topic, kam in der Diskussion auf:

Das weckt noch mehr Erinnerungen, genau wie Langnese:


Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

19 Kommentare zu „Klassenfahrt“

  1. Huhu,

    ach, Carolinensiel. Da waren wir auch in der 6. Das war toll. Dann in der 8. auf Norderney. Ich geh nicht so genre ins Watt. Mag das Einsinken nicht, aber habe ich auch schon gemacht. Man muss es mal erlebt haben. Hab übrigens gemerkt, dass du gar nicht so weit von mir weg wohnst. Ich nehme dann das Lippe von dem Ostwestfahlen. 🙂

    LG Corly

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  2. Ich lach mich gerade schlapp. Das sind vermutlich so Standarderlebnisse auf Klassenfahrten an die Küste 😉 Schade, hatte ich nie. Woran ich mich allerdings bestens erinnere, ist Apfelshampoo, und wenn das die einzige verfügbare Seife war, frage ich mich: Womit hat sich die Mitschülerin den Rest der Zeit (die Haare) gewaschen? 😉
    Großartig. Vielen herzlichen Dank! 😀
    Mittagskaffeegrüße! 😉

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    1. Das war dieselbe Zeit, wo es auch Apfel- oder Orangeneis gab, in so quitschbunten Plastik-Äpfeln oder -Apfelsinen, geht mir so durch den Kopf.
      Und die Frage nach dem Haarewaschen🤔🤷‍♀️…
      Keine Ahnung, Haarwäsche wird vermutlich sowieso überbewertet 🤣. Ich grüße dich mit Tee zurück.

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      1. Bei uns gab es auch nur Langnese. Aber die Familie einer Mitschülerin hatte eine Einkaufskarte für den Großmarkt. Und die brachten das Zeug (was fürchterlich künstlich schmeckte🤢) immer mit. Hach, das liefert Inspiration für einen neuen Beitrag. Und die Preise sehen sehr nach Ö aus, ich hatte mich da auch schon gewundert.

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  3. Da reihe ich mich mal ein…ich habe auch gegrinst, vor allem bei der Beschreibung der „Juhe“, so nannten wir die Jugendherbergen. Ich bin aus dem wilden Süden, also mit Küste war bei uns nichts. Bei uns heißt das auch „Schullandheim“ statt „Landschulheim“, und wir fuhren in der 8. Klasse Richtung schwäbische Alb und in der 11. nach Südtirol zum Skilaufen. Letzteres war das genialste ever, darauf fieberte man hin. Im Watt war ich noch nie, Schlick ist nicht so mein Ding…Apfelshampoo weiß ich auch noch, damals war die Duftrichtung „Grüner Apfel“ das Heißeste überhaupt. Danke für die Geschichte und den dadurch ausgelösten Erinnerungsschub!!!

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  4. Ist schon lustig, dass es offensichtlich so eine Art kollektives Gedächtnis für Klassenfahrten gibt. Und ich muss gestehen, dass mich in den letzten Monaten solche Erinnerungen manchmal regelrecht anfallen. Ob das ein sicheres Indiz für das nahende Alter ist? Ist ja letztlich auch egal, aber die Überlegung bietet schon wieder Stoff für einen Beitrag…

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