Manchmal kommt alles zusammen

Fünf Monate ist meine Schulter-OP nun her. Ging die Heilung zunächst ziemlich schnell vorwärts, beobachte ich seit einigen Wochen eine Stagnation. Und bin total genervt davon. Obwohl ich es ja vorher wusste, dass es kein Spaziergang, sondern eher ein Marathon wird. Ich ertappe mich morgens immer wieder, dass ich meine Arme hinter dem Kopf verschränkt habe, wenn ich wach werde, eine Haltung, die der rechten Schulter überhaupt nicht gut tut. Die ich aber häufig einnehme, wenn ich unruhig und schlecht schlafe.

An guten Schlaf ist aber in der letzten Zeit nicht wirklich zu denken. Drei Töchter haben wir und ich lerne zunehmend den Wahrheitsgehalt des Spruches „Kleine Kinder, kleine Sorgen – große Kinder, große Sorgen“ kennen. Bitte nicht falsch verstehen: Es ist gut und absolut richtig, dass Kinder, egal, wie alt sie sind, mit allen Sorgen und Nöten zu ihren Eltern kommen können. Das steht vollkommen außer Frage. Aber muss denn alles auf einmal passieren? Alle drei stehen ohne eigenes Verschulden vor Bergen von Problemen, wo wir als Eltern zuhören, nur teilweise nach Lösungsansätzen suchen können, unterstützen. Und ganz konkret einen Teil-Umbau im Haus in Angriff nehmen.

Zusätzlich zu eigenen Baustellen. Da ich seit einem halben Jahr kein Basismedikament bekomme und die Umstellung auf das neue frühestens im Dezember erfolgen wird (entgegen der Aussage des Rheumadocs war es nicht möglich, mir einen Zwischendurch-Termin zur Umstellung zu geben…😥), baut sich ein Schub auf, den ich so noch nicht hatte. Mit Müdigkeit, Sehnen- und Gelenkschmerzen, Augenproblemen… Der Mann und ich, wir werden halt nicht jünger.

Die Nachrichten blende ich immer häufiger aus. Corona-Infektionen, Glasgow, der Umgang mit Flüchtlingen, Rechtspopulismus, Klima… und bei alledem keine wirklich handlungsfähige Regierung. Bei der geschäftsführenden habe ich das Gefühl, die Leute sind innerlich schon in der Opposition angekommen und tun alles, um der zukünftigen, die noch nicht mit allen Verhandlungen durch ist und noch nicht im Amt steht, Knüppel zwischen die Beine zu werfen, wahlweise durch ein Weiter-So oder durch Verhinderung von Handeln, je nachdem wie es gerade passt. Bei Teilen der Ampel-Verhandler frage ich mich dagegen, ob sie die Zeichen der Zeit tatsächlich nicht erkannt haben oder fröhlich vor sich hinschieben.

Stopp! Jetzt mache ich genau das, worüber ich mich auch oft aufrege: Warum muss man alles schlechtreden, ehe es überhaupt begonnen hat? Kann man nicht erstmal auf Anfang gehen und dann auch Chancen nutzen, während des Weges nachzujustieren?

Wisst ihr was, Teile von mir sehnen sich nach einer Wiedereinführung des Lockdowns. Nicht, weil ich davon überzeugt bin, dass es ein Allheilmittel sein könnte. Sondern weil mehr Übersichtlichkeit herrschte und ich mich ohne Rechtfertigungsdruck in ein kleines, gemütliches Schneckenhäuschen zurückziehen konnte. Andere Teile sagen: Alles, bloß das nicht. Ich wünsche mir doch auch eine entspannte Adventszeit und ein gutes Weihnachtsgeschäft in der Buchhandlung. Das ist jahrzehntelang die schönste Zeit im Buchhändlerjahr für mich.

Dazu kommt noch, dass ich so gern alles belastende im Gebet vor meinen Gott bringen würde. Aber das Gefühl habe, da ist gerade Sendepause, Funkloch oder was auch immer. Ich kann momentan einfach nicht beten und mehr als ein hilfloses Gestammel bringe ich nicht zustande.

Ich weiß selbst gerade nicht. Danke fürs Auskotzen dürfen und dafür, dass ihr den Mist auch noch lest. Es gibt sich auch wieder. Bestimmt.

Immerhin darf man in NRW ohne Maske schunkeln. Alaaf und Helau…

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

4 Kommentare zu „Manchmal kommt alles zusammen“

  1. Das Auskotzen kann manchmal hilfreich sein und du tust gut daran.
    Ich kann dir nur weiterhin viel Kraft und Mut und auch Geduld wünschen und dass du bald aus diesem Loch wieder hinauskrabbeln kannst.

    Einen lieben Gruß und eine Umarmung,
    Anna-Lena

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    1. Liebe Anna-Lena, danke für deine aufmunternden Worte und auch die virtuelle Umarmung. Im Allgemeinen hilft es, einfach mal alles zu sagen bzw. aufzuschreiben, um mich aus der Patsche zu ziehen. Dauert manchmal ein paar Tage, aber ich bin ja auch meist über einen längeren Zeitraum im Morast gelandet.
      Liebe Grüße zurück zu dir, Anja

      Gefällt 1 Person

  2. Mir wird auch ganz warm ums Herz, wenn ich sehe, wie da draußen alles „ganz normal“ weiter geht. Persönlich ziehe ich mich zurück, bei meinem grundsätzlich gestörten Verhältnis zu meinen Mitmenschen fällt mir das eher leicht 😉 Schade isses dennoch.

    Eure Kinder – das tut mir leid. Hoffentlich findet sich alles, gut, dass ihr da seid und auch die Möglichkeit habt, zu helfen.

    Liebe Grüße, Reiner

    Gefällt 1 Person

    1. Zu viel Ungeduld in der verwöhnten Welt. Teilweise ziehe ich mich ja auch zurück, andere Teile von mir freuen sich über Kontakte. Aber selbst die Teilnahme am Gottesdienst verursacht mir inzwischen wieder ein Missbehagen, weil wir zur Winterkirche in ein kleineres Gebäude umgezogen sind, das sich besser heizen lässt als die große alte Sandsteinkirche.
      Alles andere wird sich irgendwann zurechtschuckeln, es braucht nur einen langen Atem.
      Liebe Grüße, Anja

      Gefällt mir

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