Klappbrücke – P10 W#4: Überraschung

Hier geht es zum Fotoprojekt von Wortman, wobei ich diese Woche etwas länger brauchte, um eine fotografische Überraschung herauszusuchen…
Trotzdem oder gerade deswegen: Danke für die Herausforderung!

In Deutschland undenkbar, in den Niederlanden ziemlich normal: Diese Überraschung, dass man auf der Autobahn (sic!) plötzlich anhalten muss, weil die Fahrbahn gesperrt und hochgeklappt ist, damit (Segel-)Schiffe durch die Kanäle fahren können, die unter der Autobahn queren.

Imagine…

Tag 2 des Unvorstellbaren. Ja, ich weiß, dass unsere Illusion von Frieden schon immer eine solche war. Aber wie fragil diese Illusion ist, das hat mich irgendwie umgehauen. Denn obwohl ich selbst in einer relativ friedlichen Epoche aufgewachsen bin, so fallen mir doch heute wieder längst in Vergessenheit geratene vergangene Gespräche ein, die ich als Kind/Jugendliche mit meinem Vater führte, der als sehr junger Mann in die Wehrmacht eingezogen wurde und als Fernmelder an dem unseligen Russlandfeldzug teilnehmen musste. Verweigern konnte er übrigens nicht, das hätte höchstwahrscheinlich standrechtliche Erschießung bedeutet.

Niemals ließ er bei seinen Erzählungen Zweifel daran, dass Krieg das größte Verbrechen der Menschheit ist. Von Gegenden wie dem Donbass und der Krim erzählte er auch, dass es wunderbare Landschaften hätten sein können (und dass es unglaublich viele Mücken gab), wenn sie nicht so vom Krieg gezeichnet wären und vor allem, dass die Menschen dort ihm so sehr leid getan hätten für das, was sie erleiden mussten. Er hat in dem Zusammenhang auch nie von „Feinden“ gesprochen. Sein wichtigstes Anliegen war nach dem Krieg die Überzeugung, dass so etwas nie wieder passieren darf. Denn, so sagte er einmal: „Am Ende sind alle Verlierer, auch die, die anscheinend gewonnen haben.“

„Im Krieg töten sich Menschen, die sich nicht kennen, auf Befehl von Menschen, die sich kennen, aber nicht töten.“ Menschen, die Gemeinsamkeiten haben wie Familien, Freunde, Hobbys; Menschen, die in einer besseren Welt als Nachbarn hätten leben können, samstags gemeinsam ihre Kinder auf dem Sportplatz anfeuern und danach im Garten einer Datsche grillen. Menschen, die sich gegenseitig unterstützen könnten und sich von ihrem Leben erzählen, die zusammen lachen, Musik machen, von Kunst, Kultur und Gastfreundlichkeit profitieren und sich wertschätzen sollten.

Zu leise

Diese Zierkirsche ist jedes Jahr der erste Baum, der im Garten blüht. Zuverlässig im Februar, nur nicht 2021, wegen des Wintereinbruchs. Und normalerweise summt es immer sehr laut, wenn ich unter den ganzen Blüten stehe, weil die Wildbienen sich so über die leckere Mahlzeit freuen.

Dieses Jahr ist anders. Gespenstisch still. Nichts zu hören und auch nichts zu sehen. Gruselig.

Decke über den Kopf und die Welt aussperren

Wir Menschen sind ganz allgemein gesprochen sehr widersprüchliche Wesen:
Geht es um materielle Güter, sind wir forschend und innovativ in die Zukunft orientiert, und kommt dann ein neues „Ding“ auf den Markt, wollen (fast) alle es möglichst schnell haben.
Geht es aber um „gefühlte Werte“ wie Tradition, Heimat oder ähnliches, dann sind wir ebenso schnell dabei, Vergangenes als den wünschenswerten Zustand zu glorifizieren.

Und leider passt diese Beobachtung zu ziemlich vielen Bereichen unseres Lebens.

WtF? Frage für eine Freundin…

Diese Notizen tippte ich heute früh ins Smartphone, während ich auf dem Fahrradergometer strampelte. Was war passiert, dass ich beim Training solche Gedanken wälzte? Nun, als der Wecker heute um halb Sechs losdudelte, war die erste Meldung, die mein erwachendes Ohr erreichte, der Einmarsch russischer Streitkräfte in die Ukraine. Und das nach einer Nacht, in der Kalle mich um drei Uhr geweckt hatte, weil er es nicht in Ordnung fand, dass die Citipost zugestellt wurde (vielleicht hielt er den Zusteller auch für einen Einbrecher, er konnte ja nicht durch die Flurtür gucken) und ich danach lange nicht wieder in den Schlaf fand.

Nachdem ich mich bei Kaffee und Haferflocken vom ersten Schreck des Tages einigermaßen erholt hatte, mein Training absolvierte und dabei ein weiteres Kapitel Harald Lesch („Denkt mit!“) las, ging mir der Gedanke durch den Kopf, dass in puncto Klimakrise immer noch die Hoffnung geschürt wird, irgendjemand würde gerade im richtigen Moment noch eine technologische Mega-Erfindung machen, die dann ein echter Game-Changer würde.

Während „Zar“ Putin es begrüßenswert findet, die Ukraine wieder dem großrussischen Reich einzuverleiben. Da sollten sich die Kasachen, Usbeken und andere vielleicht schon mal warm anziehen? Der Blick in den historischen Weltatlas bestätigte mir, was eigentlich sowieso sonnenklar ist: Die allermeisten Gebiete auf der Welt gehörten mal hierhin, mal dorthin, wurden erobert, aufgegeben, neu erobert… Wenn jetzt einer meint, er müsse das Rad zurückdrehen, wo soll das ein Ende nehmen?

Das Drama ist ähnlich wie im nahen Osten: Auch wenn es außer Frage steht, dass von vielen Seiten noch mehr Fehler gemacht, viele Versprechen geleistet und gebrochen wurden, Gewissheiten kaputtgingen; es ist eine Situation, in der es keine richtige und keine falsche Seite gibt. Und es nützt einfach niemandem, wenn Schuldfragen hin und her geschoben werden.

Bemerkenswert, aber leider zu wenig beachtet fand ich die Rede von Martin Kimani, Botschafter Kenias bei den vereinten Nationen (obwohl und auch gerade weil es in Teilen Afrikas noch teilweise Utopie statt Realität ist, was er anmahnt):

„[…]Kenia und fast jedes afrikanische Land wurde durch das Ende eines Empire geboren. Unsere Grenzen zogen wir nicht selbst. Sie wurden in den fernen Kolonialmetropolen London, Paris und Lissabon gezogen, ohne Rücksicht auf die alten Nationen, die sie spalteten.
Heute leben über die Grenze jedes einzelnen afrikanischen Landes hinweg unsere Landsleute, mit denen wir tiefe historische, kulturelle und sprachliche Verbindungen teilen.
Hätten wir bei der Unabhängigkeit entschieden, Staaten auf der Grundlage ethnischer, rassischer oder religiöser Homogenität zu gründen, würden wir viele Jahrzehnte später immer noch blutige Kriege führen. Stattdessen einigten wir uns, die Grenzen so zu belassen, wie wir sie erbten – aber kontinentweite politische, ökonomische und rechtliche Integration zu verfolgen. Statt Nationen zu bilden, die rückwärts in die Geschichte blicken mit einer gefährlichen Nostalgie, entschieden wir uns für den Blick nach vorn in eine Größe, die keine unserer vielen Nationen und Völker je gekannt hat.
Wir entschieden uns, den Regeln der OAU und der Charta der Vereinten Nationen zu folgen, nicht weil wir mit unseren Grenzen zufrieden waren, sondern weil wir etwas Größeres wollten, das im Frieden entsteht.
Wir glauben, dass alle Staaten, die aus zusammengebrochenen und zurückgewichenen Empires entstehen, viele Völker in sich tragen, die sich nach Integration mit Völkern in Nachbarstaaten sehnen. Das ist normal und verständlich. Denn wer will nicht mit seinen Brüdern vereint werden und mit ihnen gemeinsame Ziele verwirklichen?
Doch Kenia lehnt es ab, eine solche Sehnsucht mit Gewalt zu verfolgen. Wir müssen unsere Heilung von der Asche toter Empires in einer Weise abschließen, die uns nicht in neue Formen von Herrschaft und Unterdrückung zurückwirft. Wir lehnten Irredentismus und Expansionismus ab, auf jeder Basis, auch rassisch, ethnisch, religiös oder kulturell. Wir lehnen es auch heute ab.
[…]“ (Quelle: taz)

Manchmal wünsche ich mir einen Reset-Knopf, die Tastenkombination Strg-Alt-Entf oder zumindest eine Karte mit der Aufschrift >Gehen Sie zurück auf „Los“. Begeben Sie sich ohne Umweg dorthin!<

Luft und Wasser satt

Alle zwei Nächte Orkanböen, so muss es wirklich nicht weitergehen. Zum Glück flaut der stürmische Wind so langsam ab, statt dessen heißt es an der Weser: „Wasser marsch!“

Heute früh hatte ich in Minden einen längeren Gesprächstermin, der mich mental ziemlich beschäftigte, deswegen fuhr ich danach an die Weser, auf den großen Platz, der als Parkplatz, Kirmes- und Konzertfläche (im September kommen sowohl die Toten Hosen als auch die Ärzte dorthin), als Wohnmobilstellfläche und aktuell Corona-Testzentrum genutzt wird. Aber seht selbst:

Innerhalb der letzten Tage ist die Weser heftig angestiegen, überflutet sind hier der Weserstrand inklusive zwei Beachvolleyballfeldern, teilweise die Disc-Golf-Anlage und eine Zufahrt zum Parkplatz unter der Brücke.

Von links nach rechts: Auf der gegenüberliegenden Flussseite ist bereits der Fußweg und ein Stück des Weserradweges am Glacis überschwemmt. Während dort immer noch die Motorsägen brummen, um vom Sturm umgestürzte Bäume auf den Glaciswegen zu beseitigen, sind die städtischen Mitarbeiter auch parallel damit beschäftigt, Wege zu sperren, weil sie unter Wasser sind. Die Bäume, die auf dem zweiten Bild anscheinend in der Flussmitte stehen, sind normalerweise am Ufer des Weserstrandes zu finden. Und natürlich landet man am Fuß der Treppe eigentlich nicht direkt im Fluss!

Und hier noch ein Blick von der Weserbrücke, im Hintergrund die Fischerstadt mit der alten Stadtmauer (auch die wurde in der Vergangenheit bereits überspült), im rechten Bereich des Bildes sieht man die vor einigen Wochen aufgebaute „Pegelschlange“ (sieht ein bisschen aus wie das Marsupilami), die auf dem Gelände der „Stadtblänke“ steht. Diese wurde als Überschwemmungsgebiet mit Tümpeln vor drei (?) Jahren angelegt. Wenn das Wasser noch weiter steigt, gibt es sogar eine Art Insel in Minden.

Ich merke schon, ich habe total Lust, in den nächsten Wochen hier das eine oder andere Foto einzustellen, das meine Heimat ein bisschen ins Licht rückt, denn wie sie hier im Radio immer sagen, ich wohne im „Schönsten Kreis der Welt“😉

Zum Abschluss noch ein Foto aus unserem Garten, wo sich zumindest an der Zierkirsche schon ein wenig Frühling ausbreitet, wenn auch sturmzerzaust:

Lesen und genießen

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Nachdem ich in der letzten Zeit wieder sehr ernste Themen auf der Sachbuchschiene bearbeitet hatte, brauchte ich dringend Abwechslung. Aber dieses Mal nicht am Meer, dafür war mir das Wochenende zu windig. Zu viel Sturmflut. Wie schön, dass wir in der Buchhandlung so ansprechend gestaltete „Cozy Crimes“ haben, da musste ich mir am Freitag doch gleich mal einen zum Testen mitnehmen. Meine Wahl fiel auf das abgebildete Buch, das mich sowohl optisch, thematisch als auch kulinarisch ansprach. Wie ein lesbares Ü-Ei😄.

Nachdem die Dachdecker das Loch in unserem Dach direkt am Freitagmorgen beseitigt hatten und ich also recht ruhig auf das angekündigte stürmische Wetter wartete, freute ich mich total auf das Lesevergnügen, das mich auch nicht enttäuschte. Nur, dass jetzt Sonntagnachmittag ist und das Buch ist schon durch, das ist suboptimal. Naja, es ist ja nicht so, dass ich keine ungelesenen Reserven hätte. Aber nun mal schön der Reihe nach:

In meiner Jugend las ich sehr gern Agatha Christie und Edgar Wallace und schaute mir natürlich auch die Filme an, und so ein bisschen fühlte ich mich vor allem an Miss Marple erinnert: Eine Hobby-Detektivin, die es einfach nicht lassen kann und sich dabei natürlich auch manchmal in die Bredouille manövriert. Allerdings nicht in historischen Zeiten und auch nicht so schrullig und rundlich wie die alte Dame, die von Margret Rutherford so herrlich verkörpert wurde, sondern im (fast) Hier und Jetzt. Ich war nämlich etwas verblüfft, dass in dem Buch mit Festnetztelefonen telefoniert wurde, was mich (👁‍🗨“Moment mal! Da stimmt doch etwas nicht…!“) stutzig machte und einen Blick ins Impressum werfen ließ: Aha, das Original der amerikanischen Ausgabe stammt aus dem Jahr 2000. Aber das tut überhaupt nichts zur Sache, im Gegenteil, ich genoss die Abwesenheit von Mark Zuckerberg und seinen Weltverbindungsnetzwerken, ein kleiner süßer, hochkalorischer Zuckerberg kommt eher in den Plätzchenrezepten vor.
Überhaupt: Wenn ich die Rezepte alle nachbacke, „freuen“ sich höchstens mein Cholesterinspiegel und die Bauchspeicheldrüse und ich muss mich bei den Ernährungsdocs bewerben. Denn einer der Hauptschauplätze ist die Plätzchenbäckerei von Hannah Swensen in der amerikanischen Provinz, und die Bäckerin selbst hat offensichtlich neben ihrer Berufung, ihre Stadt mit Cookies zu versorgen, als zweites Standbein für sich entdeckt, ihrem Schwager bei der Polizeiarbeit unter die Arme zu greifen.

Also, das Buch hat mir viel Spaß gemacht, es war die perfekte Lektüre für dieses Sturmwochenende, ich freue mich auf den Folgeband und auf andere Krimis aus der Reihe „Morde in bester Tradition“ aus dem Lübbe-Verlag.

Bibliographische Angaben: Joanne Fluke, Das Geheimnis der Schokoladenkekse, Lübbe Taschenbuch, ISBN 978-3-404-18437-8, € 10,-

Leichter Dachschaden

Eine erste Bestandsaufnahme am Donnerstagmorgen bestätigt mein Gefühl aus der Nacht:

Es hatte sich angehört, als ob das gesamte Dach sich angehoben und wieder gesenkt hätte. Vermutlich war es auch so ungefähr. Die Giebelwand, die auf dem Foto zu sehen ist, lässt übrigens nicht vermuten, dass es sich bei unserem Haus um einen mehr als 200 Jahre alten Bauernkotten handelt. Im Jahr 1990 reichte eine einzelne Windhose aus dem Westen, um den gesamten Giebel zum Einsturz zu bringen. Danach ließen wir die Westwand doppelt hochmauern: innen auf der bestehenden und davor noch eine Klinkerwand vom Boden aus hoch, damit das nicht noch einmal passieren kann.

Einige Dörfer weiter ist nach dem aktuellen Sturm ein ehemaliges Stallgebäude aus genau demselben Grund einsturzgefährdet, bei der weiter stürmischen Lage kann dort nicht mal gesichert werden, um den nächsten Orkan, der für Morgen angesagt ist, zu überstehen.

Naja, Versicherung und Dachdecker wissen Bescheid, aber wann das Loch repariert werden kann, ist noch die Frage. Hier hat es viele Dächer erwischt. Zum Glück ist es ein recht sonniger Tag und solange nicht mehr passiert, ist es auch nicht weiter schlimm. Alles ist gut, solange keine Personen zu Schaden kommen.

Passt auf euch auf!

London Whisper – Als Zofe ist man selten online

|Werbung, unbezahlt|

Eine nette Buchhändlerkollegin aus dem hohen Norden (Gruß an Katrin aus Rendsburg) hat mir dieses Leseexemplar ans Herz gelegt, und da es auf NetGalley zu bekommen war, schlug ich zu. Auf den ersten Seiten musste ich ständig an die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier denken, aber das legte sich. Denn im Endeffekt ist dieses Buch ganz anders. Vor allem springt die Protagonistin nicht ständig zwischen den Zeiten hin und her, sondern sie bleibt das ganze Buch lang im Jahr 1816.

Dort ist Zoe, die eigentlich eine deutsche Austauschschülerin auf einem Londoner Internat ist, plötzlich die Zofe einer sehr schüchternen jungen Lady aus allerbestem Haus. Da sie im „Real Life“ begeisterte Jane-Austen-Leserin ist, hat sie relativ wenig Schwierigkeiten, sich in der Gesellschaft vor 200 Jahren zurechtzufinden. Und sie wäre nicht sie selbst, wenn sie nicht sofort begänne, in der Gesellschaft der Londoner Debütantinnen zu netzwerken.

Was sie bisher über ihren Instagram-Account machte, setzt sie mit Raffinesse und der Hilfe ihrer aufgeblühten Herrin auch in der Vergangenheit fort: Lebenshilfe und Ratgeber in allen Schönheits- und Liebesfragen über ein System von Kettenbriefen, die bald ziemlich angesagt sind: Die „WhisperWhisper-Briefe“.

Natürlich gibt es ein paar finstere Gesellen, die auf der Suche nach dem magischen Spiegel sind, der für die Versetzung in der Zeit sorgte und ebenso natürlich gibt es noch weitere Zeitreisende…

Je mehr ich in die Geschichte hineintauchte, desto flüssiger ließ sich das Buch lesen, und statt über Parallelen zu anderen Büchern nachzudenken, genoss ich die ständig neuen Wendungen der Handlung. So sehr, dass ich mich schon auf die Fortsetzung freue, denn ich möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Bibliographische Angaben: Aniela Ley, London Whisper – Als Zofe ist man selten online, DTV, ISBN 978-3-423-76369-1, € 15,- Erscheinungstermin heute, 16. Februar 2022

Nebenher habe ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht, warum Zeitreisen so häufig literarisch thematisiert werden. Ganz neu ist das Phänomen ja nicht, Diana Gabaldon hatte sich bereits mit ihrer Highland-Saga in den 1990er Jahren einen Namen gemacht. Auch viel früher schon hatten historische Autoren wie Mark Twain oder Washington Irving, später H.G. Wells (und nach ihm so ziemlich alle, die in SciFi und Fantasy Rang und Namen haben), aber auch Literaten wie Herbert Rosendorfer und Action-Autoren wie Michael Crichton oder Stephen King das Spiel mit den Zeiten für sich entdeckt, in der Jugendliteratur der neueren Zeit neben Kerstin Gier auch Eoin Colfer.

Übrigens spielt in Wellen das Thema auch in Hollywood eine große Rolle, nicht nur bei der Trilogie „Zurück in die Zukunft“, sondern auch die Klassiker „Planet der Affen“ und dessen Fortsetzung, „Time Bandits“, „Peggy Sue hat geheiratet“ oder einige Filme aus dem Marvel-Universum. Neben einer ganzen Menge anderen.

Ein bisschen dürfte dabei die Sehnsucht nach der Übersichtlichkeit der „guten alten Zeit“ eine Rolle spielen. Und wenn die Bücher (auch die Filme) wirklich gut gemacht sind, dann weisen sie auch immer darauf hin, dass in dieser angeblich viel besseren Epoche nicht wirklich alles Friede, Freude, Eierkuchen war, sondern dass ein Rückschritt in der Zeit eben auch bedeutet, dass das Leben im Allgemeinen eher schwerer als einfacher war.

Außerdem ist es eine schon seit langem bestehende Neugierde des Menschen, sich in andere Lebensumstände zu versetzen: Das Spiel mit dem „Was wäre, wenn…?“
– wenn wir im wilden Westen wären
– wenn wir auf einem anderen Planeten landen würden
– wenn wir in einer Parallelwelt landen (auch das ist ein Motiv, dass vor allem in der Fantasy immer wieder vorkommt, sei es bei C.S. Lewis mit Narnia oder bei Stephen R. Donaldson mit „Der Spiegel ihrer Träume“ oder „Die Chroniken von Thomas Covenant dem Zweifler“)
– wenn wir etwas könnten, was (noch) nicht möglich ist, wie bei Jules Verne, wobei wir heute sogar schneller um die Welt reisen können als in 80 Tagen, wir kennen die Tiefsee ebenso wie die Mondoberfläche – wann wir wohl zum Erdkern reisen können? Na ja, das ist wohl eher eine hypothetische Frage.

Egal aus welcher Motivation heraus, ich finde es als begeisterte Leserin und Filmliebhaberin einfach total genial und spannend, was wir uns so alles ausdenken und wie wir andere damit in den Bann ziehen können.

Projekt 10, Woche 3: „Merkwürdig“

Ein faszinierendes Wort hat Wortman uns hier vor die virtuellen Füße gelegt, wieder eines, das man in ganz unterschiedliche Richtungen auslegen kann: entweder kennzeichnet es etwas bemerkenswertes, eben merk-würdiges (eher positiv) oder aber etwas, worüber man ins Stolpern gerät, was uns sonderbar (also eher negativ) erscheint.

Für beide Facetten habe ich zunächst ein Foto hervorgesucht in den Tiefen der digitalen Ablage:

Absolut bemerkenswert, wie sich diese alte Kopfweide ans Leben klammert, sich weigert, aufzugeben. Das Leben sucht sich seinen Weg. Jedes Mal, wenn ich das Foto ansehe, hoffe ich, dass ich im Alter mal genauso wie dieser Baum versuche, das Beste aus meinen Möglichkeiten herauszuholen.

Das zweite Beispiel ist eines, worüber ich den Kopf schüttele, und zwar zunächst mal nicht über den Aufkleber, sondern über das ursprüngliche Schild. Irgendwie total deutsch, in keinem anderen Land ist mir dieses Schild, das zumindest auf dem Gebiet der ehemaligen BRD (in MeckPomm ist es mir bisher an keinem Teich oder See aufgefallen) vermutlich an so ziemlich jedem Angelteich in zigfacher Ausführung steht. Rundum. Dabei sind es gleich zwei Dinge, die mir übel aufstoßen: Die Ausschließlichkeit, mit der pachtende Angelvereine die Nutzung frei in der Landschaft zugänglicher Gewässer für sich beanspruchen (ja, ich weiß, sie bezahlen auch dafür), ist dabei nur die eine Seite der Medaille.

Dass es aber ganz offensichtlich auch tatsächlich notwendig ist, so zu handeln, weil die Vereine, die für die Pflege der Teiche und ihrer Umgebung viel Zeit und auch Geld einsetzen, ansonsten vermutlich nach jedem Wochenende die Überreste von wildem Campen und Grillen und was weiß ich noch für einen Schrott beseitigen müssten (und es teilweise ja auch trotz der Verbote müssen), das ist etwas, was ich einfach nicht verstehe. Diejenigen, die sich so umweltschädigend verhalten, können ihr „Equipment“ ja auch in die freie Natur hinein transportieren . Aber die Überreste nicht zurück?

Ich hoffe nur, dass das zumindest diejenigen beherzigen, die auf dem Schild den Aufkleber mit dem Zitat aus dem Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2 angebracht haben. Denn Müll in der Gegend dient eindeutig nicht der Allgemeinheit!

Die Woche fängt gut an…

… keine Ironie. Eher erfreutes Staunen.

Sonnenaufgang über dem Harrl (Bückeburg)

Ich musste mich heute früh anzapfen lassen, denn meine Blutwerte müssen zurzeit regelmäßig alle vier Wochen überprüft werden, wegen der neuen Medikation.

Als erstes freute ich mich, weil es um viertel nach Sieben nicht mehr stockfinster draußen war, als zweites über den wunderschönen, rotglühenden Sonnenaufgang, in den ich hineinfuhr. So sehr, dass ich kurzerhand anhalten und ein bisschen knipsen musste.

Und dann nahm die Freude kein Ende, weil nicht die befürchtete Menschenschlange vor der Arztpraxis stand, die montags häufig dort anzutreffen ist und in Pandemiezeiten schon dazu führte, dass ich 90 Minuten oder länger draußen im Nieselregen warten musste. Es waren nur fünf Menschen vor mir dran, was die ganze Chose erfreulich beschleunigte.

Liebe Kalenderwoche 7, ich lade dich herzlich ein, so weiterzumachen. Es täte mir sehr gut.

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