Auf zu neuen Ufern?

Geschafft. Sowohl der Pulli als auch ich.

Mein Erstling ist fertig. Endlich. Ich bin’s auch. Und einerseits freue ich mich, dass ich auch in der Lage bin, Kleidung zu nähen, andererseits ist schon wieder mein innerer Kritiker an der Arbeit, der mir zuflüstert: „Da ist die Naht unsauber, dort kräuselt es sich, wo es nicht hingehört, mit einer Ziernaht an der und der Stelle sähe es besser aus…“ Trotzdem überwiegt die Freude. Es funktioniert auch ohne Overlock-Maschine, allerdings mit leichten Abstrichen. Mangels Abschneidefunktion sind die Nähte natürlich nicht ganz so schön, aber da kann ich sicher auch noch meine Technik verbessern und bestimmt gibt es noch Funktionen und Stiche an meiner Maschine, die ich mit etwas Geduld und Ruhe noch viel besser kennenlernen kann.

Ich habe ja jetzt auch ein paar Stoffreste, mit denen ich experimentieren kann. Und nicht zuletzt: Im Gegensatz zu den Sachen, die ich sonst nähe, möchte ich Kleidung nur für den Eigenbedarf nähen, da soll nichts in den Verkauf. Es ist einfach schön zu wissen, dass ich in der Lage bin, mir nach meinen eigenen Vorlieben Pullis und Shirts zu nähen und dass ich nicht auf das Angebot der Modeindustrie angewiesen bin.

Und was mache ich jetzt? Reinige die Nähmaschine sorgfältig von allen Flusen, setze wieder die normale Nadel ein und nähe einen kleinen Berg Spültücher (Projekt Upcycling)und Topflappen (mit Obst und Gemüse, maritimen Motiven etc., alles, was im Sommerhalbjahr gut ankommt) für den Shop.

Nachtrag zu gestern

Beim Zähneputzen ist mir heute früh schlagartig bewusst geworden:

Wir sind die Generation, die später im Seniorenheim mit Bruce Springsteen, Bon Jovi, Bryan Adams, den Toten Hosen und den Ärzten vollgedudelt wird. Für die Frauenquote kommen Madonna, Cyndi Lauper, Tina Turner, Kim Wilde und Bonnie Tyler dazu. A-HA und Roxette bilden die Skandinavien-Fraktion. Michael Jackson lehrt uns kicksend und moonwalkend das Gruseln.

Zu Karneval werden wir mit der Neuen Deutschen Welle bespaßt und Weihnachtsstimmung kommt in der Dauerschleife von „Last Christmas“ und „Do they know it’s Christmas time“ (nicht) auf.

Und irgendwann werden wir zum x-ten Mal „Highlander“ gucken und uns mit Queen fragen „Who wants to live forever“?

Die Heime werden brechend voll sein mit uns, denn wir sind die „Boomer“-Generation. Na dann auf zur Polonäse Blankenese…

Übrigens vielen Dank an euch, ihr seid klasse. An diesen 80er Jahren hängen bei so vielen von euch schöne Erinnerungen. Selbst per Whatsapp erreichten mich Kommentare. Demnächst überlege ich dann mal, über welche Filme und Bücher wir uns dereinst in der Seniorensprechstunde austauschen werden😁

Die 80er – Der Soundtrack meines Lebens

Wink des Schicksals, dieses Thema muss nun sein. Eine kleine Retrospektive, mein „Coming-of-Age“, wie es heute so schön heißt. Erst kam am Samstagabend im WDR eine Sendung über dieses Jahrzehnt, das in manchen Aspekten heute noch Fremdscham auslöst, aber im Großen und Ganzen eine großartige Zeit war, vor allem im Rückblick. Und heute las ich bei Wortman seine Hommage an Cyndi Laupers „Girls just wanna have fun“, ein Song, der auch heute noch in meiner Spotify-Playlist ziemlich weit oben steht. Mit ihrem Look lag sie mir übrigens viel mehr als die spitzbrüstige Madonna in ihren S/M-Kostümen.

Alles schien möglich, wir wollten die Welt erobern, analog versteht sich, am liebsten in einem bunten VW-Bulli, ganz ohne Internet und Smartphone, von GPS und Navigationssystemen ganz zu schweigen. Es war das Jahrzehnt, in dem John Lennon starb, in dem die Grünen gegründet wurden, gegen Atomstrom demonstriert wurde ( und dann ja auch schließlich im Jahr 1986, haargenau am 20. Geburtstag meines damaligen Freundes, die Atomkatastrophe von Tschernobyl den Demonstranten recht gab). Das Jahrzehnt, in dem Mac Gyver (der Echte) und der Knight Rider Helden waren, aber auch Marty McFly und Doc Emmet Brown mit dem Kult-DeLorean in die Zukunft reisten.

Es war das Jahrzehnt, in dem ich vom lieben, angepassten Mädchen zu einer frechen Göre mutierte, wenn ich meinem Deutsch- und Politiklehrer in der 9. Klasse Glauben schenke. Tja. Auch ich wollte „Fun“ haben.

Kleidungstechnisch, und nun komme ich auf den Punkt, gab es den Aerobic-Look von Jane Fonda, blaumann-blaue Satinblusen mit Schulterpolstern, Vanilia-Hosen mit Pattentaschen seitlich am Oberschenkel (Der modische Vorläufer von Cargohosen à la Engelbert Strauss, nur im Popper-Style? Wer weiß.) Jeans mit weißen Biesen an der Außennaht oder gleich ganz bunt gefärbt. Knalleng und rot mussten sie sein! Blau-grünes Schottenkaro war im Winter angesagt. Gott, wie liefen wir bloß rum!

Mein Lieblingsteil war lange Zeit der alte Bademantel meiner Oma, A-Linie mit Kimono-Ärmeln, außen Velours und innen Frottee, Dunkelgrün mit psychedelischen Pinselstrichen in rot, pink, gelb und blau. Dazu trug ich eine schwarze Baskenmütze und eine Fledermaus baumelte am Ohr. Natürlich aus Metall.

Ein einziges Kleidungsstück aus dieser Zeit hat überdauert. Ich habe ein verwaistes Kätzchen darin großgezogen und trage sie bis heute noch, bei jeglichen Renovierungsarbeiten, die sich auch kontinuierlich darauf verewigen:

Meine geliebte Jeans-Latzhose. 40 Jahre hat sie jetzt auf dem Buckel. Das nenne ich noch Wertarbeit! (Und zum Glück hat sie an den Seiten Knöpfe, die man auch offen lassen kann. Wirkt noch lässiger und kaschiert die Tatsache, dass ich mehr Vorrat für schlechte Zeiten mit mir herumtrage.)

Und hier kommt der spezielle Soundtrack zur Jeans:

Gezeitenmord

|Werbung, unbezahlt|

Ich bin leider etwas nachlässig geworden mit meinen Buchbesprechungen, es war zu viel und vor allem zu viel unterschiedliches los in letzter Zeit. Aber nun.
Spaßigerweise habe ich an der deutschen Ostseeküste dieses Buch gelesen, das an der dänischen Nordseeküste spielt, im Grenzgebiet zu Deutschland:

Eigentlich habe ich es ja nicht so mit skandinavischen Krimis, häufig sind sie mir zu düster, zu sehr von der langen dunklen Winterzeit im hohen Norden geprägt. Trotzdem bin ich schon bei der Beschreibung des Titels auf Netgalley neugierig geworden und habe es nicht bereut.

Zum Einen, weil der Plot sich gut entwickelt. Zum Anderen, weil mir das Kriminalistenduo sympathisch war. Das Grauen war da (immerhin ging es um Mord an Kindern mit eventuell pädophilem Hintergrund), aber es hielt sich in Grenzen, es handelt sich eben um den klassischen Ermittlerkrimi und nicht um einen atemberaubenden Thriller. Ganz nebenbei fließen einige dänische Erfahrungen aus der deutschen Besatzungszeit während des dritten Reiches als Hintergrundinformationen ein, ohne sich aber renitent in den Vordergrund zu schieben. Das lockert die Erzählatmosphäre in sofern auf, als es den Fokus manchmal von der reinen Krimihandlung auf die Umgebung und deren Geschichte lenkt, eine andere Dimension in die Geschichte bringt. Mancher mag das überflüssig finden, mir persönlich gefällt es.

Wer einen Krimi eines unverbrauchten Autors sucht, der sich gut lesen lässt, ohne den Schlaf zu rauben, der wird hier sicher gut bedient sein.

Bibliographische Angaben: Dennis Jürgensen, Gezeitenmord, Verlag Kiepenheuer & Witsch, ISBN 978-3-462-00241-6, € 16,-

Guten Tag, ich heiße Anja und ich habe…

… Bluthochdruck (und wegen familiärer Vorbelastung damit einhergehend ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall)

… Asthma (zwar „nur“ allergisches, aber auch das raubt mir manchmal die Puste)

… Psoriasis Arthritis („Bitte WAS? Hast du nun Schuppenflechte oder Rheuma???“)

Reicht, oder? Mir auch. Vorweg, mit allem komme ich die meiste Zeit gut klar. Wenn ich zum Arzt gehe (außerhalb von akuten Anlässen) und gefragt werde, wie es mir geht, sage ich meist aus vollem Herzen „Gut geht’s!“
Komme ich zu einer neuen Ärztin und bekomme die obligatorische Frage nach den Vorerkrankungen gestellt, muss ich mir ganz bewusst in Erinnerung rufen, dass ich drei chronische „Erkrankungen“ im Gepäck habe. Denn meistens schränken sie mich ja überhaupt nicht ein.
Das ist so ungefähr, wie ich mir auch in vielen Situationen bewusst machen muss, dass ich 54 Jahre alt bin und schon lange nicht mehr 25. Ich denke im Alltag so wenig an diese Dinge, die zu mir gehören wie meine straßenköterblonden Haare, ein paar Kilo Marschgepäck auf den Hüften und Schuhgröße 39. – Außer, wenn an einer Stelle gerade etwas hakt.

Denn dann beginnt es: Ich bekomme schlecht Luft. Und irgendjemand fragt „Wie kommt das? Du bist doch eigentlich recht fit (an dieser Stelle schwingt manchmal ein sehr charmantes ‚für dein Alter‘ mit)?“
Oder ich hinke, kann die Arme nicht über 90 Grad heben, mir fallen Gläser aus den Händen. Es folgt entweder dieselbe Frage wie bei der Luft oder „Du siehst aber doch so gesund aus.“ Auch Herzklabastern sieht man einer Person nicht unbedingt an.

In solchen Situationen fühle ich mich wie in einer Verteidigungshaltung. Ich muss mich (ob eingebildet oder tatsächlich) dafür rechtfertigen, dass ich offensichtlich gerade nicht so leistungsfähig bin wie ich optisch wirke. Das finde ich dann sehr unangenehm. Und zwar sowohl für mich als auch für meinen Gesprächspartner.
Deswegen habe ich mich vor einigen Jahren entschieden, offen über meine gesundheitlichen Einschränkungen zu reden. Und damit komme ich zum eigentlichen Thema dieses Beitrages. Ich bringe mal ein paar Beispiele:

Meine Mutter hatte Osteoporose, ihre Wirbel sackten immer mehr in sich zusammen, sie erlitt einen Beckenbruch, konnte immer schlechter laufen. Sie bekam einen Rollator verschrieben, den sie aber nicht benutzte („die Leute“ hätten ja denken können, bei ihr stimme etwas nicht. Bingo!) Stattdessen lief sie jahrelang mit (nur einer) Unterarmgehstütze und wurde dabei immer schiefer, nur eben nicht nach vorne, sondern seitwärts. Und in der Stadt hielt sie vor jedem Schaufenster an und „bewunderte“ die Auslagen.  

Mein Mann hat MS. Seit einigen Jahren ist sie diagnostiziert, nicht schubweise, sondern fortschreitend. Sein Problem ist die Kommunikation des Hirns mit dem rechten Knie, da ist die Telefonleitung unterbrochen. Recht moderat also bisher, aber es reicht, um konzentriert gehen zu müssen, damit er nicht über den eigenen Fuß stolpert, weil er das Bein nicht komplett anhebt (und das dann nicht merkt). Als diese Problematik ihn nervte, machte er sich schlau über verschiedene Rollatoren, mit denen man Einkäufe transportieren und auch mal ins Gelände gehen konnte. Nicht nur das, er kaufte sich auch einen, ganz ohne Beteiligung der Krankenkasse. Damit er auch weiterhin mit uns in der Natur unterwegs sein kann. Und er freut sich, dass er mit dem Rollator sogar mal schneller ist als ich.

Die eine war immer bemüht, ihre Zipperlein ausschließlich mit sich selbst auszumachen, der andere hat seine Einschränkung akzeptiert und geht ganz selbstverständlich damit um.

Das dritte Beispiel liegt bei Menschen, die ihre Krankheiten vor sich hertragen, mal wie ein Schutzschild, damit niemand es wagt, Ansprüche an sie zu stellen (und das kann ja auch manchmal reiner Selbstschutz aus schlechter Erfahrung sein) und auch mal, um Mitleid einzusammeln. Ja, auch diese Menschen gibt es, oft sind sie auch in anderer Hinsicht regelrechte Energiesauger, unabhängig davon, wie sehr man sie ansonsten schätzt; sie schaffen es immer wieder, alles aus ihren Mitmenschen herauszuholen, ohne etwas zurückzugeben.

Das Bedürfnis, scheinbare Makel und Hemmnisse zu verbergen, kann ich nachvollziehen. Zu einem großen Teil sind wir so erzogen worden, dass solche Dinge niemanden etwas angehen. Dass es eine ganz ureigene Verantwortung ist, mit Einschränkungen so umzugehen, dass niemand etwas merkt. (Das gilt übrigens ja nicht nur für gesundheitliche Probleme…)
Wenn ein Punkt erreicht ist, an dem wir ganz offensichtlich „behindert“ sind, egal ob körperlich, geistig oder seelisch, beginnt dann häufig zunächst die Phase der Scham. Ich selbst habe das vor zwei Jahren so empfunden, als ich auf einmal nicht mehr laufen konnte. Dabei war ich doch nicht aus eigenem Verschulden kurzfristig im Rollstuhl besser aufgehoben. Und selbst wenn, sollte ich nicht eigentlich eher dankbar sein, dass es solche Hilfsmittel gibt, die mir Teilhabe ermöglichen?

Aber in der Situation zeigte sich für mich, dass mir eine Mixtur aus Erziehung und mangelnden Erfahrungswerten im Weg stand. Mangelnde Erfahrungswerte deswegen, weil unsere Gesellschaft noch längst nicht barrierefrei ist, weder im Lebenslauf über Kindergarten und Schule, Uni und Beruf noch im alltäglichen Leben, wo „Behinderung“ immer noch zu häufig bedeutet, dass Menschen mit Einschränkungen behindert werden. Durch bauliche Hürden, durch Geräuschkulissen, reizüberflutende Umgebung, durch empathiearme oder schlicht gedankenlose Mitmenschen. Durch das Recht des Stärkeren. Durch bürokratische Vorgaben, die sich an Paragraphen statt an menschlichen Bedürfnissen orientieren; durch Gutachter, die keine Ahnung haben von den Auswirkungen, die Krankheitsbilder auf die Betroffenen haben. Durch das insistierende Anbieten von alkoholischen Getränken („ach komm, einer ist keiner…“), wenn jemand entweder aus gesundheitlichen Gründen oder wegen einer Suchterkrankung darauf verzichten möchte/muss oder auch einfach mal keinen Alkohol trinken will. Und, und, und …

Ganz persönlich finde ich es wichtig, dass wir voneinander wissen. Auf einer sachlichen Ebene, um unser Gegenüber nicht mit Anfragen und Aufgaben in Verlegenheit bringen, die sie oder er nicht erfüllen kann.
Auf einer persönlichen Ebene, weil wir uns gegenseitig unterstützen können, weil wir lernen, dass unsere Persönlichkeit vielschichtig ist, dass niemand makellos ist. Weil es ermöglicht, uns gegenseitig zu coachen, wenn es um die Bewältigung von Problemen geht.

Die Rheumaliga bringt es ganz gut auf den Punkt in ihrem Konzept des Selbstmanagements: Ich selbst bin im besten Fall Expertin in allem, was meinen Körper und meine Verfasstheit angeht. Das kann nicht meine Ärzteschaft leisten, weil die im Studium ganz bestimmte Symptome und Schemata lernen, die in der Praxis aber nicht unbedingt zutreffen müssen.
„Das Rheuma“ hat mit Sicherheit noch nie in einem Lehrbuch für innere Medizin gelesen, wie es sich verhalten muss, es pfeift darauf und macht, was es will.
Das können auch noch so wohlmeinende Mitmenschen nicht leisten, die immer noch vorgefertigte Bilder von alten Ömchen mit verformten Gelenken als das typische Erscheinungsmuster von Rheuma vor dem inneren Auge haben.
Die Expertise für mich selbst habe ich. Dabei ist es vollkommen wurscht, welchen Namen mein Handicap hat.

Aber weshalb schreibe ich hier in epischer Länge und Breite darüber? Ganz einfach, hier in unserer kleinen Community weiß ich, dass relativ viele von uns recht offen über diverse Baustellen schreiben.

Was mich nun wirklich interessiert, das ist die Frage: wie geht ihr im „Real Life“ mit bewegungseinschränkenden Erkrankungen, mit psychischen Belastungen, Suchterfahrungen, Fatigue, Autismus-Spektrum-Störungen, Krebs, Depression, kreisrundem Haarausfall und allem anderen um, das zu euch gehört wie ein bestens eingetragenes Paar Schuhe (oder auch mit dem, was noch eingelaufen werden muss, um im Bild zu bleiben)? Vor allem dann, wenn euch Unverständnis oder allzu viele „gute Ratschläge“ entgegengebracht werden? Wenn ihr vor Hürden steht, die eigentlich keine sein müssten? Wenn ihr für euch zustehende Rechte kämpfen müsst und euch vorkommt wie Don Quichote?

Denn ich finde es total wichtig, sich in solchen Belangen immer noch weiter zu vernetzen, Aufmerksamkeit (im positiven Sinn) zu erzielen, kurz und knapp „normal“ zu werden in seiner persönlichen Andersartigkeit. Weil unsere Gesellschaft nicht aus uniformierten Lebensläufen besteht. Weil jede/r von uns einzeln wichtig ist und trotzdem ein Herdenwesen bleibt.

Danke euch fürs Lesen und bestenfalls für eine rege Diskussion.

32-16-8

Der Code zum Tresor in meinem Kopf, randvoll gefüllt mit unnützem Wissen aus den 1980er Jahren. Der Tresor, der pickepacke voll steckt mit Songtexten und Erinnerungen an Klassen- oder Jahrgangsstufenfeten, Freitagabend-Diskos auf Schützenfesten oder beim Portaner Stadtfest, an Geburtstags- oder Silvesterpartys. Also lauter Dinge, die Jugendliche von heute zumindest in den letzten beiden Jahren nur vom Hören kennen. Das Gefühl von Euphorie am jeweiligen Abend (und ehrlich gesagt auch mitunter der Katzenjammer am nächsten Tag) gehört natürlich auch dazu.

Ich schätze mal, bei der Zahlenkombination der Titelzeile gibt es einige hier auf der Plattform, die sofort dieselben Assoziationen an Rosies Telefonnummer haben und bei denen zuverlässig das „dü-dü-dü-dü-dü-dü-dü-dü“ des Synthezizers im Hinterkopf anspringt. Bei mir klingt es seit Tagen im Kopf herum und deswegen muss ich jetzt einfach darüber schreiben, auch wenn die Lage vielleicht noch so unpassend für solche Erinnerungen scheint. Damals gab es noch den eisernen Vorhang, den kalten Krieg und die Welt war, zumindest auf den ersten Blick und für uns Jugendlichen aus dem Westen, fein säuberlich in schwarz und weiß oder auch gut und böse aufgeteilt. Aber es war auch die Zeit, in der Nena mit ihren 99 Luftballons inmitten der Neuen Deutschen Welle eine ganz andere Art von Protestsong etablierte.

Unser Protest klang nicht mehr nach Woodstock, Joan Baez oder Bob Dylan. Unser Protest fantasierte vom Abfackeln der Schule, verbreitete Halbwissen über Prostituierte in München oder thematisierte psychiatrische Kliniken. Er brachte uns den Pop-Dadaismus (sowohl aus Großenkneten als auch per Ausflug nach GB mit der Police-Variante „De doodoodoo, de Dadada“) ebenso wie den Sternenhimmel nahe, und überhaupt, der Weltraum: unendliche Weiten wurden entdeckt, mit Major Tom, der leider nicht mehr zurückkam, vielleicht blieb er bei Fred vom Jupiter? Dafür brachte Codo der Dritte uns die Liebe im Sauseschritt, und auf der Erde waren wir verschossen in irgendwelche Sommersprossen, die wir mit einem Knutschfleck übertünchten. Wir gerieten im Tretboot in Seenot und erklommen hohe Berge. Nebenbei steigerten wir das Bruttosozialprodukt, aßen Spaghetti Carbonara und himmelten das Model an.

Irgendwann stellte sich heraus, dass alles nur geträumt war. Wir rieben uns den Sand der Fata Morgana aus den Augen, stiegen vom Leuchtturm herunter und in den Sonderzug nach Pankow. Und hörten irgendwann dann auch wieder ganz normale Musik. Unser damaliger Schulleiter atmete genauso auf wie diejenigen, deren Job es war, vor dem Fetenkeller der Schule „Schmiere zu stehen“ und nachzusehen, ob gestrenges Lehrpersonal um die Ecke kam, weil in der Schule verbotenes, subversives Liedgut abgespielt wurde.

Ende des Kapitels… und ihr so?

Hunderunde

Kalle trauert noch. Es wird zwar weniger, aber er wartet noch häufig am Gartentor, ob Lucy wiederkommt. Ich habe extra ihr Bett nicht weggeräumt, da liegt er auch regelmäßig. Es riecht halt noch nach ihr.

Heute früh habe ich zum ersten Mal wieder mit ihm die lange Runde durchs Feld gemacht, die wir jahrelang zu dritt gelaufen sind, bis Lucy nicht mehr so lange Wege machen konnte.

Blick zurück: Während wir in den Sonnenaufgang gelaufen sind, ging hinter uns der Mond unter.

Weil er ausgiebig frei laufen durfte und einige sehr nette Hundebegegnungen hatte, machte uns beiden der Spaziergang großen Spaß und ich hatte nicht viel Gelegenheit zur Wehmut.

Zuletzt spielte er mit einem jungen Labrador, der ihm ausdauermäßig ebenbürtig war. Da er vorher sämtliche Bäche einem gründlichen Wassertest unterzogen hatte, panierte er sich so richtig schön beim Wälzen im Getreidefeld…

Was soll ich sagen, wer sich dreckig macht, muss auch die Dusche danach akzeptieren. Wobei das nur ein paar Eimer warmes Wasser waren, dann durchrubbeln, der Rest fällt von allein ab, wenn er trocken ist. Wir sind beide keine Freunde von allzu gründlichem Baden oder Hundeshampoo. Und da er bisher bestens damit klarkommt, keine Allergien oder so bekommen hat, ändern wir daran auch nichts.

Zweifel einer Schreiberin

So. Doch geschafft. Selbst ausgetrickst habe ich mich.
Danke an Christiane für die Einladung zu dieser Runde der abc.etüden und ebenfalls danke an Katha für die Wortspende. Und Glückwünsche für die Auszeichnung, sie ist hochverdient, finde ich.

Einen ganzen Roman zu schreiben traue ich mir echt nicht zu. Dabei ist das doch der Traum eines jeden Buchhändlerwesens, gefühlt zumindest. So viel Erzählstoff, dass es für rund 500 Seiten reicht? Niemals schaffe ich es, so lange bei einem Thema zu bleiben. Dafür habe ich viel zu viele ganz unterschiedliche Ideen. Manchmal sind mir ja schon die dreihundert Wörter für die abc.etüden zu viel.
Bei den ganzen Sachen, die rundum passieren, muss ich mich des Öfteren mehr als nur sanft daran erinnern und aufraffen, dass ich dabeibleiben will; dass ich es möglichst schaffen möchte, keine zu verpassen. Dann braucht es schon einen gedachten Tritt in den Allerwertesten. Und manchmal fällt mir auch zu den Wörtern einfach nichts ein. Schwarzes Loch im Hirn. Tilt!
Ich denke dann an die Zeit meiner Gemeindepädagogik-Ausbildung zurück, als wir eine kleine Challenge hatten: Reihum musste jeder von uns eine Andacht halten. Zu einem zugelosten Bibelspruch. Als ob das allein nicht schon herausfordernd genug wäre, dachten sich die anderen im Kurs jeweils drei Wörter aus, die dann in der Andacht untergebracht werden mussten. So kam es dann vor, dass eine Andacht zum Thema „Fischzug des Petrus“ gehalten wurde, bei der Sauerkraut, ein Pinguin und Flipflops eine Rolle spielten. Da sollte es doch kein Problem darstellen, zu drei zufällig ausgesuchten Wörtern eine vollkommen frei ausdenkbare Geschichte zu erfinden, oder?

Aber dann gibt es auch wieder diese Wortkombis, die etwas in mir vibrieren lassen, fast schon wie ein elektrischer Impuls. Wörter, bei denen der Text nur so aus mir herausfließt. Möglicherweise könnte es klappen, wenn ich mir für die Kapitel auch solche Stichwörter per Zufallsgenerator aussuche und die dann einbauen muss? Diese Spur werde ich auf jeden Fall weiterverfolgen. Jetzt gerade bin ich jedenfalls sehr froh, dass diese Überlegungen genau für dreihundert Wörter Inspiration boten. Mission accomplished!

Merci beaucoup. Wenn ich dann mit dem „großen deutschen Gesellschaftsroman“ auf Lesereise gehe, bekommt ihr Etüdenfans alle Freikarten und Autogramme. Wird nur nie passieren, aber träumen darf man ja mal😂

Verantwortung

Symbolbild: Pixabay

Aus aktuellem Anlass frage ich mich, was wir eigentlich meinen, wenn wir fordern, jemand müsse „Verantwortung übernehmen“. Im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe 2021 mussten jetzt (nach langem und unwürdigen Winden) zwei Ministerinnen zurücktreten.

So flott, wie das nach Agenturmeldungen klingt, mag ich das Thema nicht abhaken. Vorab: Ja, ich denke auch, dass beide Rücktritte sein mussten. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass auch Ministerinnen ein Recht auf Familienleben, Urlaub oder Erholung haben. Ich gestehe auch beiden zu, dass sie, wie übrigens ein großer Teil der Bevölkerung, schwierige private Situationen zu bewältigen hatten. Und dass es in beiden Fällen noch dazu so gelagert war, dass diese Frauen trotz ihrer Ämter auch noch einen großen Teil des „Mental Load“ tragen mussten, den Familienleben mit sich bringt. Es geht mir auch nicht darum, dass es eine bittere Erkenntnis ist: Frauen werden an dieser Stelle immer noch anders behandelt als Männer. Denn, Hand aufs Herz: es liegt nicht am Geschlecht, ob jemand aus familiären Gründen von beruflichen Karriereschritten absieht, da gibt es genügend Beispiele. Aber es ist immer noch für Männer einfacher, sich neu in ihren Businessplan einzuklinken, wenn die private Situation es wieder zulässt. Frauen haben dann deutlich öfter „den Anschluss verloren“.

Katastrophal war bei beiden Frauen die Kommunikationsstrategie, die spätestens bei Christian Wulff nicht mehr funktioniert hat: Verdecken, leugnen, lügen, sich winden, scheibchenweise mit dem herausrücken, was sich nicht mehr unter dem Teppich halten lässt. Das ist es, was ich beiden (und ihren PR-Beratern natürlich) ankreide. Dazu das desaströse Bild, dass beide quasi das vermeintliche Ass aus dem Ärmel gezogen haben, gegen das tausende von Frauen sich zur Wehr setzen („Wenn es Spitz auf Knopf kommt, geht Familie vor Amt“), so dass Merz und Konsorten sich die Hände reiben können (mit derselben Begründung übrigens…).

Als Gesamtgesellschaft müssen wir uns daher immer wieder fragen, was wir eigentlich unter „Verantwortung“ verstehen und warum wir Frauen und Männer immer noch mit unterschiedlichen Maßstäben beurteilen. Letzteres dürfte auch heute noch viel mit unserer Sozialisation zu tun haben, es dauert eben mehr als eine Generation, solche gesellschaftlichen Traditionen aus den Köpfen und Herzen zu bekommen.

Was die politische oder auch wirtschaftliche Verantwortung angeht, so frage ich mich schon seit vielen Jahren, warum das meist bedeutet, dass jemand geschasst wird und jemand anderes den Schlamassel des Vorgängers ausbaden muss. Erstens kollidiert das mit meiner Überzeugung, dass man für einen angerichteten Schaden verantwortlich und damit zur Wiedergutmachung oder zumindest zur Schadensbegrenzung verpflichtet ist. Zum anderen ist das doch eine Art Persilschein, wenn ich weiß: „Egal, ob ich Mist baue, ausbügeln muss ich das nicht mehr. Ich bekomme trotzdem eine Pension und kann sicher sein, dass irgendwann keiner mehr dran denkt.“ Mir sträubt sich das Nackenfell, wenn ich an „Managerversicherungen“ und andere nette Annehmlichkeiten denke, die ich als Normalbürger nicht in Anspruch nehmen kann. Es ist auch kein gutes Vorbild für künftige Generationen.

Wo sich aber jeder einzelne von uns immer wieder Gedanken machen und auch an die eigene Nase fassen muss (ich auch):
Welche Erwartungshaltungen haben wir an unsere Repräsentanten? Sind die vielleicht mitunter drastisch zu hoch, könnte das ein Grund sein, warum es zum Beispiel immer weniger Menschen gibt, die sich lokalpolitisch engagieren? Weil wir dort keine Bürger, sondern Übermenschen sehen wollen?
Wie gehen wir mit Wahrhaftigkeit um? Sehen wir sie als Stärke oder doch eher als Schwachpunkt, weil jemand nicht gewieft genug ist, sich am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen?
Wie steht es um unsere Fehlertoleranz? Gestehen wir anderen zu, was wir uns für uns selbst auch wünschen? Einen offenen, ehrlichen und respektvollen Umgang mit Fehlleistungen?
Und vor allem: Sind wir bereit, alles das auch jemandem zuzugestehen, der nicht unseren eigenen Standpunkt vertritt?

In den letzten Jahren zweifele ich zunehmend an Konzepten wie „Political Correctness“ oder auch „Identitätspolitik“, weil wir vor lauter Eifer auf der anderen Seite vom Pferd runterzufallen drohen. Ich verstehe die Intentionen, aber ich empfinde ein großes Unbehagen damit, weil wir dazu neigen, dem Konzept mehr zu vertrauen als den Menschen dahinter. Weil wir vor lauter Bemühen, inklusiv zu werden, schon wieder exkludieren.
Oder, wie meine Mutter früher immer sagte: „Was wir mit den Händen aufbauen, reißen wir mit dem Hintern wieder ein.“

Was wir nach meinem Empfinden deutlich mehr brauchen, für uns selbst und vor allem für andere: Demut und Respekt. Und Vergebung.

Entzückender Dieb

Diese kleine Szene, die ich eben „bewundern“ durfte, hat definitiv meinen Tag erhellt. Als ich in der Küche alle Sachen für den Abwasch bereitstellte und draußen eine Bewegung aus dem Augenwinkel wahrnahm, schaute ich genauer hin und schnappte mir fix das Handy, denn die Kamera lag natürlich mal wieder im Büro.

Aber wer rechnet auch beim Abwasch mit einem hungrigen Eichhörnchen, das die Meisenknödel offensichtlich viel interessanter findet als die bereitgestellten Nüsse. Die Fotos sind zwar durch das starke Heranzoomen und den Blick durch das Fensterglas etwas unscharf, angesichts der Möglichkeit, die akrobatische Einlage für die Ewigkeit festzuhalten, war mir das aber ziemlich egal.

Auch wenn Eichhörnchen es mit den Eigentumsverhältnissen nicht immer so genau nehmen, ich mag die kleinen Räuber.

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