32-16-8

Der Code zum Tresor in meinem Kopf, randvoll gefüllt mit unnützem Wissen aus den 1980er Jahren. Der Tresor, der pickepacke voll steckt mit Songtexten und Erinnerungen an Klassen- oder Jahrgangsstufenfeten, Freitagabend-Diskos auf Schützenfesten oder beim Portaner Stadtfest, an Geburtstags- oder Silvesterpartys. Also lauter Dinge, die Jugendliche von heute zumindest in den letzten beiden Jahren nur vom Hören kennen. Das Gefühl von Euphorie am jeweiligen Abend (und ehrlich gesagt auch mitunter der Katzenjammer am nächsten Tag) gehört natürlich auch dazu.

Ich schätze mal, bei der Zahlenkombination der Titelzeile gibt es einige hier auf der Plattform, die sofort dieselben Assoziationen an Rosies Telefonnummer haben und bei denen zuverlässig das „dü-dü-dü-dü-dü-dü-dü-dü“ des Synthezizers im Hinterkopf anspringt. Bei mir klingt es seit Tagen im Kopf herum und deswegen muss ich jetzt einfach darüber schreiben, auch wenn die Lage vielleicht noch so unpassend für solche Erinnerungen scheint. Damals gab es noch den eisernen Vorhang, den kalten Krieg und die Welt war, zumindest auf den ersten Blick und für uns Jugendlichen aus dem Westen, fein säuberlich in schwarz und weiß oder auch gut und böse aufgeteilt. Aber es war auch die Zeit, in der Nena mit ihren 99 Luftballons inmitten der Neuen Deutschen Welle eine ganz andere Art von Protestsong etablierte.

Unser Protest klang nicht mehr nach Woodstock, Joan Baez oder Bob Dylan. Unser Protest fantasierte vom Abfackeln der Schule, verbreitete Halbwissen über Prostituierte in München oder thematisierte psychiatrische Kliniken. Er brachte uns den Pop-Dadaismus (sowohl aus Großenkneten als auch per Ausflug nach GB mit der Police-Variante „De doodoodoo, de Dadada“) ebenso wie den Sternenhimmel nahe, und überhaupt, der Weltraum: unendliche Weiten wurden entdeckt, mit Major Tom, der leider nicht mehr zurückkam, vielleicht blieb er bei Fred vom Jupiter? Dafür brachte Codo der Dritte uns die Liebe im Sauseschritt, und auf der Erde waren wir verschossen in irgendwelche Sommersprossen, die wir mit einem Knutschfleck übertünchten. Wir gerieten im Tretboot in Seenot und erklommen hohe Berge. Nebenbei steigerten wir das Bruttosozialprodukt, aßen Spaghetti Carbonara und himmelten das Model an.

Irgendwann stellte sich heraus, dass alles nur geträumt war. Wir rieben uns den Sand der Fata Morgana aus den Augen, stiegen vom Leuchtturm herunter und in den Sonderzug nach Pankow. Und hörten irgendwann dann auch wieder ganz normale Musik. Unser damaliger Schulleiter atmete genauso auf wie diejenigen, deren Job es war, vor dem Fetenkeller der Schule „Schmiere zu stehen“ und nachzusehen, ob gestrenges Lehrpersonal um die Ecke kam, weil in der Schule verbotenes, subversives Liedgut abgespielt wurde.

Ende des Kapitels… und ihr so?

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

10 Kommentare zu „32-16-8“

    1. Ich glaube, Jazz kann man (als Normalmensch ohne musikalische Fachbildung) nicht verstehen, sondern nur fühlen. Ich kann bis heute nur zuhören und dann zack -entscheiden, mag ich oder mag ich nicht.
      Ist eben so. Danke für das Feedback und die eigenen Erfahrungen auf jeden Fall.

      Gefällt 2 Personen

  1. Davon war einiges auch bei euch verboten, und sogar subversiv? Herrlich! Hätte man das im Osten gewusst, wären diese Titel dann vielleicht groß rausgekommen. 😉
    Meine konkreten Erinnerungen an westliches Liedgut setzen erst Ende der 80er-ein. So mit „Berlin Berlin, dein Herz kennt keine Mauern“ (so was von verboten) oder EAV (auch so was von dekadent).
    LG Anke

    Gefällt 1 Person

    1. Nö, offiziell war das nicht verboten. Aber alles, was entweder mit brennender Schule oder dem horizontalen Gewerbe oder so zusammenhing, war in der Schule auf dem persönlichen Index unseres Direktors🤣.
      Ach ja, EAV „Küss die Hand, gnä’ge Frau…“ herrlich doof.
      Wir waren jung und hatten keine Hemmungen.
      Grüße in den Süden.

      Gefällt 2 Personen

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