Pflicht bewusst

Symbolfoto: Pixabay

Kein Tippfehler. Ich schreibe heute nicht zuallererst über Pflichtbewusstsein, sondern darüber, sich seiner Pflicht(en) bewusst zu sein.
Klar, diese Diskussionen über Pflichtjahr, Gesellschaftsjahr, allgemeine Dienstpflicht oder wie auch immer es genannt wird, die poppten immer wieder auf. Und ebenso klar, manch einem hängt es zum Hals heraus. Deswegen wird es aber nicht unwichtiger, diese Dimension des menschlichen Zusammenlebens immer wieder zu thematisieren, finde ich.

Elf Jahre ist es her, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Ausgesetzt, nicht abgeschafft. Aber wenn ich darüber nachdenke, kannte ich schon weit vorher nur wenige junge Männer, die tatsächlich zur Bundeswehr gingen, nachdem sie ihren Musterungsbescheid bekommen hatten. Nicht mal Zivildienst mussten sie teilweise ableisten, ich weiß gar nicht so recht, warum das anscheinend mehr oder weniger stillschweigend „ausgeschlichen“ wurde (ebenso wie die Dauer des Dienstes, die immer kürzer wurde), denn damals beschäftigte ich mich nicht wirklich mit diesen Themen, es war nicht erheblich zu der Zeit.

Mein Anliegen ist es auch heute nicht, ein Plädoyer dafür oder dagegen zu halten. Denn es gibt Gründe für beides, durchaus auch stichhaltige Gründe. Ich wünsche mir vor allem, dass solche Diskussionen nicht immer nur vor einem zu erwartenden Sommerloch oder in konkreten schwierigen Situationen geführt werden, sondern dass es ein ständiges Bewusstsein dafür gibt, dass unser Leben in einer Demokratie nicht nur aus Ansprüchen, sondern auch aus Verpflichtungen besteht. Woraus entsteht denn zum Beispiel die Anspruchshaltung, dass jede Ungewissheit des Lebens am besten durch ein Programm des Staates aufgefangen werden muss? Und sei es gesamtgesellschaftlich gesehen noch so unsinnig?

Auf der anderen Seite gibt es sehr viele Menschen aller Altersstufen, die sich auch heute schon – ohne jede Verpflichtung von außen – in Sportvereinen, Kirchengemeinden, lokalpolitischen Gremien, an den Tafeln, im Tier- und Naturschutz oder im Kinderschutzbund, dem weißen Ring, im DRK, den freiwilligen Feuerwehren … engagieren. Oft sogar ganz ohne Übungsleiterpauschale, Einsatzgeld oder so, nur für ein „Dankeschön“ oder einen feuchten Händedruck, einen Grillabend im Sommer und ein Weihnachtspräsent. Und ohne die vieles einfach nicht möglich wäre.

Warum muss denn ein Dienst für die Allgemeinheit an eine bestimmte Lebensphase gebunden sein? Als Grund wird häufig genannt, dass dann noch keine Familie da ist, um die man sich kümmern muss. Ich kenne aber auch Eltern, die mental in ein Loch fallen, wenn die Kinder aus dem Haus sind, Neurentner, die nichts mehr mit sich anzufangen wissen, wenn sie bei der Arbeit nicht mehr gebraucht werden, und Menschen, die in der Mitte ihres Lebens merken, dass sie so wie bisher nicht mehr weitermachen wollen oder können. Arbeitslose, die nicht das x-te Bewerbungstraining mitmachen wollen, um weiterhin Unterstützung zu bekommen. Also Menschen in ganz unterschiedlichen Phasen ihres Lebens, die unter Umständen sogar dankbar wären für einen Spin, der ihrem Dasein eine neue Perspektive gibt.
Und eventuell ist es sogar möglich, für ein solches Angebot eine Bezeichnung zu finden, die nicht so verpönt und vom Begriff her verbrannt ist, sondern die impliziert, dass es wertvoll und sinnstiftend ist, was man tut.

Vor allem aber, ich glaube, ich schrieb es schon mal: Es ist wichtig, dass möglichst viele Menschen darüber im Gespräch miteinander (statt gegeneinander) bleiben.

Aber was weiß ich schon…

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

22 Kommentare zu „Pflicht bewusst“

  1. Ich bin – ich erwähnte das ja neulich sinngemäß – ja ein Verfechter der Idee eines Gesellschaftsjahres, wenn man es so nennen möchte. Was die Diskussion darüber angeht, so würde ich mich freuen, wenn sie denn überhaupt erst mal geführt werden würde. Denn was mich in dem Zusammenhang so wundert, ist dieser ablehnende Beißreflex, der dem Bundespräsidenten bei seinem Vorschlag so entgegengebracht wurde:

    „Eine Dienstpflicht wird es mit uns nicht geben!“ – Bildungsministerin Stark-Watzinger, von der ich jetzt wenigstens weiß, wie sie heißt …

    Für die Juso-Vorsitzende ist der Vorschlag „abstrus und aus der Zeit gefallen“. Darüber hinaus „ein Schlag ins Gesicht aller jungen, engagierten Menschen“ – Ich übersetze das in: Mimimi …

    Frau Brandmann, Junge Liberale – so jung und schon FDP … – nannte den Vorschlag „übergriffig“. Ich übersetze das in: Mimimi²

    Mein Lieblingszitat kommt dazu von Justizminister Buschmann, ebenfalls FDP, der sagte: „„Wir leiden überall unter Fachkräftemangel. Da gehören junge Menschen in Ausbildung, Studium oder Beruf, nicht in Beschäftigungstherapie.“ Beschäftigungstherapie. Da hat es einer verstanden. Nicht. Irgendwie finde ich jeden zweiten Satz, den FDPler loswerden, übelkeiterregend.

    Für die Idee gibt es, wie du ja eingangs schreibst. ebenso Argumente wie dagegen. Ein Austausch darüber findet allerdings leider kaum statt …

    Und das ist schade, denn ja, es befinden sich bereits über 100.000 Menschen in irgendwelchen Freiwilligendiensten. Und ja, es sind gut 16 Millionen in diesem Land, und damit so etwa ein Fünftel, ehrenamtlich engagiert. Aber erstens geht es ja vielleicht auch um Leute, die nicht von sich aus auf die Idee irgendeiner Freiwilligkeit kämen und darüber hinaus davon ausgehen, dass der Staat sich doch bitte vollumfänglich um sie kümmern solle und zweitens sind über 50 Prozent der Ehrenamtlichen über 50 Jahre alt. Die machen das ebenfalls alle aus eigenem Antrieb und werden das auch in Zukunft machen. Die jüngere Generation gelte es aber eigentlich, hier mit ins Boot zu holen.

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    1. Danke für deine ausführliche Antwort. Ich habe beim Lesen öfter mal genickt.

      Was die FDP angeht, ich war ja (obwohl nie Wählerin dieser Truppe) einstmals der Meinung, es brauche diese Partei. Lang, lang ist’s her. Inzwischen bin ich auch schon fast soweit zu sagen: „Kann das weg?“

      Für die jungen Leute, die sowieso schon engagiert sind, wäre der Unterschied vor allem, dass sie für die Zeitdauer ihres Dienstes wenigstens auch ein wenig monetäre Anerkennung bekommen. Allen anderen schadet so ein kleiner Schubs in die Richtung eher nicht, Herr Buschmann wäre übrigens der erste, den ich in eine solche Maßnahme schicken würde!

      Ganz davon abgesehen ist es wirklich zunächst die Debatte, die dringend geführt werden muss, ohne die Anhänger der jeweils anderen Seite zu bashen, sondern um alle Argumente auf den Tisch zu bringen.

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  2. Von einer „Dienst-Pflicht“ halte ich tatsächlich auch gar nichts. Denn, was habe ich als tatsächlich auf die Hilfe anderer Angewiesene davon, wenn da jemand kommt, der das, was er tut, als nichts anderes, als als „Pflicht“ ansieht? Also etwas, was ihm lästig ist, und was er aus sich heraus nicht tun würde? Jemand, der also in meinem unmittelbaren Umfeld schlechte Laune und damit schlechte Energie verbreitet, weil er zu etwas gezwungen wurde?!

    Dass Menschen sich aber selber im Klaren darüber werden, was eigentlich wirklich wertvoll ist, für sie und andere. Dass sie anderen gerne helfen, weil sie die Freude der anderen Person als eigene Freude zu spüren vermögen. Weil sie es lieben, etwas zu tun, was der Allgemeinheit dient. Weil es sich für sie einfach so viel besser anfühlt, als die Zeit beim Daddeln zu verbringen.
    Davon halte ich sehr viel! 💕💖🦋💐

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    1. Danke für deine Sichtweise, die ich auf der einen Seite total nachvollziehen kann. Aber auf der anderen Seite kenne ich von vielen Männern auch die Erkenntnis, dass ihre Wehr-/Ersatzdienstzeit sich im Nachhinein als die wertvollste Zeit ihres Erwachsenwerdens erwiesen hat. Dass sie das, was ihre Aufgabe war, zunächst doof fanden, aber im Lauf der Zeit zu schätzen lernten, einen differenzierten Blick eingeübt haben und ihren Horizont erweitert haben, zum Beispiel um das Verständnis für Alte/Behinderte.
      Dass inzwischen gerade solche, die diese Einblicke in andere soziale Milieus oder problematische Lebensrealitäten von Haus aus nicht bekommen, dieses aber für ihre persönliche Entwicklung ganz dringend bräuchten, sieht man sehr gut an den smarten FDP-Yuppies.

      Sicher wird es immer Leute geben, die man nicht sozialisieren kann, aber bei sehr vielen sehe ich (auch in der Jugendarbeit), dass sie Mentoren brauchen, um über ihren Tellerrand zu schauen. Warum nicht auch ältere oder gehandicapte Menschen mit Lebens- und Leidenserfahrung?
      Passen muss es, das ist wichtig. Man könnte die zu betreuenden Menschen ja zum Beispiel auch vorweg befragen und einteilen, in solche, die es sich zutrauen, einen anderen Menschen zu mentorieren und andere, die aus (egal welchen) persönlichen Gründen lieber professionell betreut werden möchten.

      Aber eigentlich ist es auch zweitrangig, ob wir beiden hier auf einen gemeinsamen Nenner kommen oder nicht, wichtig ist in erster Linie im Gespräch zu bleiben, denn wenn viele Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen miteinander beratschlagen, dann sollte auf jeden Fall die eine oder andere umsetzbare Idee dabei herauskommen. Sozusagen ein riesiges Brainstorming.

      Deinen zweiten Absatz kann ich übrigens voll unterschreiben, obwohl: Muße zum Daddeln muss auch sein. Alles zu seiner Zeit.

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      1. Ich glaube, so unterschiedlich ist unsere Einstellung gar nicht … . Klar, manchmal braucht es einfach (nur) einen kleinen Schubs, und Menschen erlangen eine andere offenere Sichtweise, als sie vorher hatten. Und das ist dann doch super!

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    1. Das sind natürlich Unwägbarkeiten. Andererseits ist das Spektrum dessen, was man tun kann, sehr breit gefächert.
      Persönlich sehe ich es so: Ich bin sehr gern ehrenamtlich tätig, aber manchmal leide ich auch an meiner Gemeinde (es menschelt eben sehr…).
      Dann verordne ich mir eine Auszeit und kommuniziere es auch. Manchmal kann ich dann nach ein paar Wochen schon wieder einsteigen, es hat aber auch schon mal über ein halbes Jahr gedauert, dass ich mich wieder in der Lage fühlte. Ebenso verfahre ich bei akuten Rheumaschüben. Dann muss ich mich einfach auf mich selbst fokussieren, damit ich wieder da raus komme.

      Meistens fühle ich mich aber irgendwie amputiert, wenn ich nichts mache, was mich aus meinem Trott reißt und mir andere Perspektiven öffnet.

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  3. So eine Art soziales Jahr finde ich eigentlich ganz gut. Dann aber bitte für alle Geschlechter:Innen und etwas flexibler als „früher“. Der Dienst an der Waffe kam für mich damals nicht in Frage, Zivildienst hätte damals für mich bedeutet aus dem Job auszuscheiden, was ich nicht wollte. Also blieb mir damals nur, mich auf 7 Jahre Katastrophenschutz zu verpflichten, was mir 200 Stunden Dienst pro Jahr an Wochenenden und Abenden verschaffte und offiziell durfte ich nur 30 Tage im Jahr abwesend sein, was allein schon mit meinen Dienstreisen nicht zusammenpasste.
    Vielleicht kann man ja neue Modelle finden, die in die heutige Zeit passen und solch einen „Dienst“ attraktiver machen.

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    1. Ja, auf jeden Fall für alle (die dazu gesundheitlich in der Lage sind) und flexibel auf jeden Fall. Vor ungefähr 15 Jahren, also vor der Einführung des Bundesfreiwilligendienstes, hatte ich eine Zeit, wo ich kurz vor dem Burnout stand, da hätte ich mir die Möglichkeit gewünscht, mit einem solchen Angebot für mich persönlich die Weichen neu zu stellen, etwas sinnvolles zu tun und mich „neu zu erfinden“. Möglicherweise geht es ja auch anderen Menschen dann und wann so?
      Aber es ist irgendwie auch wieder so typisch deutsch, alles ganz genau zu regeln und in ein Schema F zu pressen…
      Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Danke für deine Rückmeldung.

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      1. Absolut richtig. Heute wird dieser Dienst an den Lebensbeginn gestellt, aber wie du schreibst, könnte ich mir das auch in der Lebensmitte vorstellen. Damals als Jugendlicher hat mich das eher behindert, heute als Erwachsener könnte ich mir das sogar besser vorstellen und es gibt ja auch genug zu tun an allen Ecken. Wenn die Arbeitgeber noch gefordert würden, dass mit zu unterstützen und das auch keinen Abzug bei den Rentenpunkten gibt könnten da sehr interessante Flexibilitäten und neue Entwicklungen entstehen. Ein Social Sabbatical sozusagen ..

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  4. Mein Bruder leitet einen Wanderverein. So wie er das macht, ist es mind. ein Halbtagsjob.
    Er bietet so vielen älteren Menschen eine Möglichkeit zusammenzukommen. Manche, die nicht mehr wandern können, kommen sogar nur zum Abschluss einer Wanderung.
    Ich finde, mein Bruder macht einen guten Job.
    Mein Nachbar, etwa 55, engagierte sich kürzlich für Sport und Spiel mit Flüchtlingen auf einem nahegelegenen Sportplatz.
    Meine Frau bietet Keramikkurse an, mit denen sie kaum etwas verdient, die aber Menschen zusammenbringen.
    Engagement für die Kirche sehe ich dagegen sehr kritisch.

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    1. Das sind alles tolle Beispiele, die du nennst. Alle, die sich irgendwo einbringen, haben meinen vollsten Respekt.
      Ich kann auch deine Haltung zum Kirchenehrenamt respektieren, denn das darf jede/r so sehen. Entschuldige bitte, wenn ich trotzdem ein bisschen neugierig bin, wie deine Sichtweise zustande kommt, weil ich gern etwas über verschiedene Ansichten erfahre. (Selbst mache ich in meiner Gemeinde Jugendarbeit, leite unsere Gemeindebriefredaktion und bin im Leitungsteam eines alternativen Gottesdienstes. Und habe über die Jahre auch immer mal wieder Durststrecken, wo ich eine Auszeit brauche, weil es doch mitunter nach dem Motto „und reichst du den kleinen Finger, nimmt man gleich die ganze Hand“ (Zitat aus „Ehrenamt“ von Duo Camillo). Das zehrt manchmal.) Hast du persönlich schwierige Erfahrungen oder stehst du der Kirche als Institution generell kritisch gegenüber?
      Du musst darauf nicht antworten, wenn ich dir damit zu nah auf den Pelz rücke. Ich meine nur immer, erst wenn ein Missstand bekannt ist, kann etwas daran getan werden, so insgesamt gesehen. Und ich bin ja auch nicht so blauäugig, nicht zu wissen, dass vieles nicht so läuft, wie es das Evangelium gern hätte😉

      In jedem Fall danke für dein Statement.
      Liebe Grüße
      Anja

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      1. Wir hatten einen missbräuchlichen Pfarrer, gewalttätig und Ministranten als Opfer. Zudem sprach er immer von der Hölle, was auf die Seele eines kleinen Jungen keinen geringen Eindruck machte.
        Das ist das eine, was schon genug ist.

        Zum anderen sehe ich zu wenig bis null Änderungsbereitschaft der Kirche. Da haben sich schon Generationen abgerieben.
        Ich kenne auch jemand, der sich engagiert hat, aber letztlich ausgenutzt wurde.
        .

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      2. Danke für dein Vertrauen. Das hatte ich ja fast befürchtet und kann es sehr gut verstehen.
        Es wurde viel kaputt gemacht durch solche Menschen und die Strukturen, die das alles gedeckt und begünstigt haben.
        Natürlich gab es missbräuchliche Verhalten auch in anderen Institutionen, aber es ist und bleibt besonders perfide, wenn es in eigentlich als vertrauensvolle Schutzräume gedachten Gemeinden stattfindet. Es ist einfach zum🤮

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      3. Dieser Mensch hat ein Waterloo hinterlassen. Durch Kontakt zu einem Laien weiß ich noch etwas mehr.
        Im Nachbarort gab es auch so einen Fall. Die meisten Einwohner wollen wohl daran nicht mehr erinnert werden. Erst dieses Jahr gab es Trouble deswegen. Der Laie machte mich darauf aufmerksam.

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      4. Ich musste lange über deinen Satz „Die meisten Einwohner wollen wohl daran nicht mehr erinnert werden“ nachdenken, deswegen kommt auch erst jetzt meine Antwort.
        Denn im Grunde genommen ist das für mich ein Ausdruck von Scham oder das (zumindest sich selbst gegenüber) Eingestehen, dass sehr viele Menschen unsicher sind, wann sie einschreiten sollen, wenn sie etwas mitbekommen, was sich falsch anfühlt.
        Unsere älteste Tochter ist Erzieherin und auch an ihrer Arbeitsstelle hat sich im letzten Herbst gezeigt, wie schmal der Grat zwischen zivilem Einschreiten und Verleumdung ist, es ging dabei um das rechtswidrige Fixieren von Kindern. Sie selbst ist nicht betroffen, kann sich aber auch nicht wirklich vorstellen, dass die beschuldigten Kolleginnen sich etwas zuschulden kommen ließen und das hat sie unheimlich verunsichert.
        Ohne jemanden in Schutz nehmen zu wollen, ich befürchte, viele Leute haben auch bei den Missbrauchsfällen mehr oder weniger Bammel gehabt, einzuschreiten, denn die Angst, wegen Rufschädigung von Priestern oder Diakonen selbst Ärger zu bekommen, war mit Sicherheit auch groß. Und das schlimme daran ist, die Täter wissen das und nutzen es für sich aus.
        Ehrlicherweise weiß ich aber auch keinen einfachen Weg, solche Dilemmata aufzulösen, da bleibt wohl fast nur das Gewissen als Institution.
        Bei uns in der evangelischen Kirche müssen aber zumindest seit Aufdeckung der großen Missbrauchsfälle alle Haupt- und Ehrenamtlichen in der Jugendarbeit regelmäßig ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen, in der Hoffnung, das wirke abschreckend.

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      5. “ die Täter wissen das“
        Das ist wie eine Brandschutzmauer.
        Der Pfarrer unseres Orts hat auch meine Mutter schwer gedemütigt, als sie ihm einen Brief geschrieben hatte, in dem sie sich beschwerte, daß der Pfarrer mein Ohr angerissen hatte.
        Sie musste sich vor ihm niederknien und um Verzeihung bitten.
        Mein Vater erfuhr davon, wollte sich rächen, aber meine Mutter sagte ihm „Wenn Du das machst, sind wir geschiedene Leute!“.

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      6. Für mich gibt es auch Parallelen zu der Gewaltproblematik in den USA: „A grief like no other“ von Eric Schlosser zeigte auf, daß man sich dort immer um die Täter bemühte, ihren sozialen Hintergrund durchleuchtete und teilweise Schuldunfähigkeit herauskristallisierte. Aber um die Opfer kümmerte sich damals (heute?!) kaum einer. Die Opfer waren hier die Angehörigen/Freunde eines Gewaltopfers, denen brühwarm überbracht wurde, daß ihre nahe Bezugsperson umgebracht wurde. Das führte zu posttraumatischen Symptomen.

        Auch heute lese ich (Münster), daß man Gründe sucht, wieso in der Kirche vertiuscht wurde. Wieso Leute, die von merkwürdigen Verhalten eines Klerikers wussten, nichts taten, um weiteren Missbrauch zu verhindern. Immer geht es letzlich um die Täter, Missbräuchler und Vertuscher, kaum um die Opfer und deren Angehörigen. Angehörige deswegen, weil die Belastung ja auch auf das Umfeld des Opfers abstrahlt.

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