Mal was anderes

Toll, einer arbeitet mehr?

Gerade geht mir beim Zeitunglesen mal wieder die Hutschnur hoch. Ist es nur gefühlt oder bekommt der Personalmangel an den Flughäfen wirklich mehr Aufmerksamkeit als die Streiks an den Unikliniken? Warum ist es so wichtig, dass Flughafenpersonal aus dem Ausland herangeholt wird? Wenn als Begründung dafür wenigstens die Entlastung des Stammpersonals herangezogen würde, könnte ich es ja noch verstehen. Denn die haben beileibe keinen einfachen Job (wie im Übrigen sehr viele im Dienstleistungssektor…). Es ist auch nicht so, dass ich den Menschen keinen stressfreien Start in einen unbeschwerten Urlaub gönne, ganz bestimmt nicht. Trotzdem empfinde ich es zumindest als großes Spannungsfeld.
Ehrlich gesagt, manchmal traue ich meinem Urteilsvermögen nicht mehr so ganz. Ich halte es auch durchaus für möglich, dass ich inzwischen irgendwas zwischen dünnhäutig und regelrecht getriggert bin, wenn es um die Diskrepanz geht zwischen dem, was wirklich notwendig ist und dem, was in erster Linie unserem Komfort dient.

Neben diesen überregionalen Themen ist es aber heute auch ein Artikel über die Weiterbeschäftigung der AlltagshelferInnen in den Kindergärten, der mich aufhorchen lässt. Immer noch besteht hier akuter Bedarf, zum Beispiel durch erhöhte Hygieneanforderungen. Aber auch in „ganz normalen“ Zeiten frage ich mich, warum um alles in der Welt die ErzieherInnen sich mit dem Ein- und Ausräumen der Spülmaschine, dem Waschen der Bettwäsche oder anderen hauswirtschaftlichen Arbeiten beschäftigen müssen. Nicht, weil sie „überqualifiziert“ dafür wären, sondern weil sie sowieso schon viel Dokumentation und anderes nebenher erledigen müssen, was von der reinen Arbeit mit den Kindern abgeht. Die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten sind natürlich sehr wichtig für den Tagesablauf in Kindertagesstätten, aber es gibt ja schließlich ausgebildete Hauswirtschaftskräfte und manches könnte auch von Menschen erledigt werden, die noch auf der Suche nach ihrem beruflichen Werdegang sind. Die in der Pandemie geschaffenen Finanzierungsmodelle der Bundesländer werden (mal wieder) auslaufen, aber der Bedarf bleibt. Auf der Strecke bleiben Kommunen, die sich eine eigene Finanzierung nicht leisten können und natürlich ErzieherInnen, Familien und Kinder.

Warum schreibe ich das überhaupt? Nicht, weil ich bei irgendjemandem Empörung auslösen möchte oder eine gesellschaftliche Gruppe gegen eine andere ausspielen will, sondern weil es verdeutlicht, dass die verschiedenen und berechtigten Ansprüche verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen sehr vielfältig sind und dass es meiner Meinung nach im Endeffekt immer darauf ankommt, dass sie gesehen und ausbalanciert werden. Dass es nicht immer dieselben Gruppen sind, die zurückstecken müssen und andere bekommen mehr Unterstützung, weil sie lauter, wirtschaftlich stärker oder angesehener sind. Weil unsere Zeit eine wahnsinnige Herausforderung ist, für Politikerinnen und Journalisten, die das alles kommunizieren müssen, aber auch für jeden einzelnen von uns Wahlvolk und Medienkonsumenten, weil wir nicht über jedes hingehaltene Stöckchen hinüberspringen sollten.
Und auch als eine Selbstvergewisserung, weil ich das auch mir selbst immer wieder ins Gedächtnis rufen muss.

PS: Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich. Die Gedanken rasen wie ein ICE durch meinen Kopf, während ich sinnbildlich mit dem 9-Euro-Ticket versuche, mitzuschreiben…🙈

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

6 Kommentare zu „Mal was anderes“

  1. Zur Zeit rast ziemlich viel, habe ich den Eindruck. Und ‚News‘ haben nun mal die Eigenschaft nur das hinaus zu trompeten, was gerade Aufmerksamkeit verspricht.
    Was auf den Flughäfen abgeht, ist gerade eine ziemliche Katastrophe – allerdings mir Ansage. Und der Markt schlägt jetzt eben in die andere Richtung zurück … so alles scheint er dann doch nicht regeln zu können.
    So eine Arbeitsteilung hätte ich mir schon vor vielen Jahren in den Kindergärten gewünscht. Hauswirtschaftlich ausgebildete Leute, die möglichrweise einen guten Draht zu Kindern haben … es wäre mit etwas Flexibilität einiges möglich.
    Da muss man echt aufpassen, dass nicht nur ein ICE durch die Gedanken rast 🙈
    Liebe Grüße
    Sabine 🙏🏽 ☯️

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    1. Und nach dem ICE die Dampfwalze? Kommt mir jedenfalls manchmal so vor. Die Beschäftigten an den Flughäfen haben auf jeden Fall meinen Respekt, ebenso wie alle, die in den letzten Jahren alles gegeben haben.
      Ich bin einfach so genervt davon, dass es reichlich Gelegenheit gegeben hätte, Weichen anders zu stellen, aber ausgerechnet der kleinste Koaltitionspartner am stärksten auf dicke Hose macht und diesen neoliberalen Quark durchsetzt.
      So, jetzt höre ich aber auf zu meckern, sonst ist deine Urlaubserholung gleich wieder hin.
      Einen schönen Tag noch und liebe Grüße
      Anja

      Gefällt 1 Person

      1. Mit dem kleinsten Koalitionspartner hat sich die jetzige Regierung einen ganz üblen Klotz ans Bein gebunden, einen Bremser allerersten Ranges, wenn es um die Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit und für den Klimaschutz notwendiger Ziele wie z. B. eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen geht. Neulich hat unser Finanzminister, der schwafelnde Kleiderständer, vollmundig erklärt, dass nun wohl mindestens fünf harte Jahre auf uns zukommen werden. Als Antwort darauf war in einem Sozialen Netzwerk zu lesen: „Nun, dann ändert sich für Rentner, Geringverdiener und Hartz-IV-ler nichts, also für all jene Bevölkerungsgruppen, welche die FDP ohnehin noch nie einen feuchten Kehrricht interessiert hat.“

        Gefällt 1 Person

  2. Auch in den Sozialämtern – zumindest hier in München – scheint ein gravierender Personalmangel zu herrschen. Eine alte gute Freundin von mir versucht seit drei Wochen, in dem für sie zuständigen Sozialbürgerhaus einen Termin zwecks eines Antrags auf Grundsicherung zu erheischen, bislang vergebens. Keine einzige ihrer E-Mails wurde bislang beantwortet, und jedesmal, wenn sie versucht, den ihr genannten Sachbearbeiter telefonisch zu erreichen, läuft lediglich eine Bandansage, dass es aufgrund des sehr hohen Arbeitspensums zu Verzögerung in der Bearbeitung von Anträgen kommen kann. Meine Freundin hat auf der Website des Sozialbürgerhauses gelesen, dass Flüchtlinge aus der Ukraine jederzeit ohne Termin vorbei kommen und Grundsicherung beantragen können, und dafür lediglich ihren Personalausweis vorlegen müssen. Sie ist ein sehr toleranter und aufgeschlossener Mensch, doch neulich sagte sie zu mir: „Weisst du, trotz allem Verständnis für die Lage der Leute aus der Ukraine ärgert es mich allmählich schon ein bisschen, dass man diesen ganz weit und völlig unbürokratisch Tür und Tor öffnet. Und man als ‚Eingeborene‘, die über vierzig Jahre lang schwer geschuftet hat und stets ihren Pflichten nachgekommen ist, in einer finanziellen Notlage und trotz Anspruch auf Sozialleistungen anscheinend völlig ignoriert wird.“

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