Time to say Goodbye

Mittwoch, der 31. August 2022

Es heißt Abschiednehmen. Vom meteorologischen Sommer, das tut mir dieses Jahr überhaupt nicht weh. Er war lang, er war heiß, er war trocken. Unfassbar, dass in Pakistan die Menschen schon wochenlang viel zu viel von dem bekommen, was wir uns hier verzweifelt wünschen. Dort sterben Menschen in den Fluten, hier werden die Lebensbedingungen in der Hitze zur Bedrohung für manche Bevölkerungsgruppen.
Ich selbst freue mich auf den „Altweibersommer“, der morgens und abends willkommene Abkühlung bringt, der sanfte Farben, sanftes Licht und auch sanftere Wärme mit sich bringt. Und hoffentlich auch sanften Regen.

Als ich gestern mit dem Fahrrad nach der Arbeit nach Hause fuhr, stellte ich fest, dass selbst in unmittelbarer Nähe zur Weser sich die ersten Landwirte bereits vom Mais verabschiedet hatten: Der stand so halbtrocken auf den Feldern, dass er schon gemäht wurde, also mindestens zwei Wochen vor dem normalen Beginn der Maisernte (der genaue Zeitpunkt hängt vom Verwendungszweck ab).

Es heißt aber auch Abschiednehmen vom Tankrabatt, das allerdings ficht mich kaum an, ich habe in den letzten drei Monaten nur zweimal getankt (und davon nur einmal voll, nämlich Vorgestern wegen notwendiger längerer Fahrt), und das, obwohl in den Tank meines Cityflitzers wahrlich nicht sehr viel reinpasst. Allerdings ist das ein Abschied auf Raten, denn die Spritpreise steigen ja schon, seit die Ferien vorbei sind.
Traurig bin ich dagegen über den Abschied des 9-€-Tickets, nicht so sehr, weil ich genau dieses Billigangebot auf Dauer installiert haben möchte (dazu habe ich bereits diesen Beitrag geschrieben). Nein, ich hatte mir fest vorgenommen, zu den Menschen zu gehören, die den einen oder anderen Ausflug mit dem Ticket unternehmen. Genutzt habe ich es, keine Frage, aber letztlich doch „nur“, um in den heißen Wochen damit zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen, ohne in der Mittagshitze auf dem Fahrrad zu kollabieren. Also vollkommen in des Finanzministers Sinn, ich weiß auch nicht, wie mir das passieren konnte.

Und schließlich heißt es Abschiednehmen von Michail Gorbatschow. Reagan und Kohl sind ihm schon lange vorangegangen, er hat ein gesegnetes Alter erreicht. Und in gewissen Kreisen dürfte man erleichtert sein, dass dieser Mensch nun „weg vom Fenster“ ist. Die Wertschätzung, die ihm in Westeuropa und gerade in Deutschland entgegengebracht wurde, wurde ihm in seiner Heimat oft verwehrt, galt er doch bei vielen als Verräter. Nun sind die drei Männer, die mit der deutschen Wiedervereinigung in die Geschichte eingegangen sind, zu einer himmlischen Skatrunde vereint. Oder wer weiß, vielleicht spielen sie auch „Risiko“ oder singen gemeinsam „Ol‘ man river“, „Kein schöner Land“ und „Kasatschok“. Wenn diese drei sehr unterschiedlichen Staatenlenker 1989 nicht alle an einem Strang gezogen hätten, sähe die Welt heute vermutlich anders aus. Aber nicht unbedingt besser.

Autor: Annuschka

Ostwestfälisch beharrlich, meistens gut gelaunt, Buchhändlerin, Ehefrau, Mutter von drei tollen Töchtern, Hundemama, Jugendarbeiterin (in zeitlicher Reihenfolge des Auftretens). Mit vielen Interessen gesegnet oder geschlagen, je nach Sichtweise ;-)

8 Kommentare zu „Time to say Goodbye“

  1. Um das 9 Euro Ticket bin ich auch traurig. Ich hoffe echt, dass es noch einen Nachfolger geben wird. Ideen gibt es ja. (Nicht unbedingt Bessere, aber mit einem 49 Euro Ticket könnte ich persönlich auch noch leben – übergangsweise.) Ich vermute ja, dass sie es absichtlich erst mal ein paar Monate auf Eis legen um den netten psychologischen Effekt mitzunehmen: Dann wirkt ein 49€-Ticket nicht wie eine Verschlechterung des 9€, sondern wie ein „Geschenk“, weil die Preise sonst noch höher sind. Habs auch meist für den Arbeitsweg genutzt, sehe darin aber kein Problem. Ich wäre sonst mit dem Auto gefahren, weil hier die Radwege ziemlich dürftig sind. Und dass du nicht in der Hitze kollabieren wolltest ist doch völlig verständlich. Dann doch lieber Öffi als Auto, oder?

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  2. Sogar ich als Auslandsdeutsche habe im August die 9-Euro-Ticket-Erfahrung machen dürfen, für die Öffis in München und Dresden. Ich war richtig enttäuscht, dass es nie einer sehen wollte. Kein Kontrolleur, nirgends. Dafür habe ich es stolz am Eingang zur Olympiahalle präsentiert, und der Typ am Einlass versuchte auch, es zu scannen. Funktionierte aber nicht. Ich musste doch die Veranstaltungstickets rauskramen. 🙈
    Ja, ein seltsamer August war das, aber auch mit positiven Erinnerungen: So habe ich die Tage bei den European Championships und die gute Stimmung da in München sehr genossen. Wenn es doch überall so fair und freundschaftlich wie beim Sport zugehen würde.
    Hab einen guten Start in den September! LG Anke

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    1. Die European Championships haben überall große Freude und Ansehen hervorgerufen, das habe ich auch gehört. Wenn Olympia mal auch so wäre…
      War schon ein komischer Monat. Ich habe vor allem die Hitze im Gedächtnis, das war mir viel zu viel. Seit heute sind hier in der Gegend Motorsensen und Laubbläser zu hören🙄
      Dir ebenfalls einen schönen Frühherbst.

      Gefällt 1 Person

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