Can a song save your life?

Alle, deren Herz für Musik schlägt, werden diese Frage spontan mit einem von Herzen kommenden „Ja!“ beantworten. Musik hilft, die verschiedensten Stimmungen und Gefühle zu verarbeiten. Für jede Situation gibt es die passende Musik: Disco oder Dancefloor, Balladen, Heavy Metal, Blues, Reggae, Swing, Klassik…. mitunter sogar Volksmusik können uns durch unser Leben begleiten, oft verbindet man sogar nach Jahrzehnten noch Musiktitel mit konkreten Situationen.

Aber zurück zum Film. Er ist schon ein echtes Zuckerstückchen durch die gut aufgelegten Schauspieler. Keira Knightley, die hier nach dem „Fluch der Karibik“ wieder mal eine Rolle mit mehr Tiefe spielt; Mark Ruffalo, der den abgewrackten Musikproduzenten mindestens genauso gut spielt wie den Wissenschaftler Bruce Banner (der, wenn er sich ärgert, zum grünen Muskelmonster Hulk mutiert), Adam Levine, Sänger von Maroon 5, der vor allem mit seiner Stimme beeindruckt, aber auch die zahlreichen Nebenrollen. Vor allem Hailee Steinfeld, die später mit Pitch Perfect II bekannter wurde.

Die Story: Eine junge Frau steht in einer New Yorker Kellerkneipe und singt ihr selbstkomponiertes Lied – nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil ihr Kumpel sie dazu gedrängt hat. Das Publikum ist größtenteils desinteressiert, aber einer ist da – der hört offensichtlich mehr als die anderen Leute, er hört ihr Potenzial.

Diese Szene ist so wichtig, dass sie im Film insgesamt dreimal vorkommt, jeweils aus anderer Perspektive. Der Zuhörer ist Dan, ein abgewrackter, alkoholgetränkter Motown-Musikproduzent. Seine Plattenfirma hat ihn abserviert, weil er keine neuen Talente mehr bringt. Von Frau und Tochter getrennt haust er in einem kleinen Appartement. Gerade hat er versucht, sich total gefrustet vor einen U-Bahn-Zug zu werfen, bloß dummerweise fiel der Zug wegen einer Betriebsstörung aus. Daraufhin geht er in die Kneipe und hört Gretta, die genau von dem singt, was ihm gerade passiert ist.

Gretta kam mit ihrem Freund Dave, einem aufstrebenden Rockstar nach NY – und verlor ihn dort an seine Musik und eine andere Frau. Als sie gerade zurück nach England wollte, schleppte ihr Kumpel sie in die Kneipe und zwang sie, ihren neuen Song vorzustellen.

„So you find yourself at this subway
When your world in a bag by your side
And all at once it seemed like a good way
You realized its the end of your life
For what it’s worth

Here comes the train upon the track

And there goes the pain it cuts to black
Are you ready for the last act?
To take a step you can’t take back…“

Sie singt genau das, was Dan vorhatte, und sie singt noch mehr: „And don’t pray to God, cause He won’t talk back“. Bete nicht zu Gott, er wird dir nicht antworten. Kurioserweise ist Gretta aber gerade die Antwort auf ein Stoßgebet, das Dan früher am Vormittag herausgeschrien hatte: „Gib mit irgendwas, womit ich arbeiten kann!“

Aber er glaubt nicht daran, auch nicht, als ihm in der U-Bahn ein Mann sagt: „Ich dachte, es gäbe keine Hoffnung, ich dachte, es gäbe keine Antworten. Doch dann habe ich Gott gefunden. Er kommt vielleicht nicht immer auf die Minute genau, aber zur rechten Zeit. Sir? – Nur zu, reden Sie mit Gott!“ Er antwortet nur :“Und was, wenn er nicht antwortet?“

Hier kommen wir ins Spiel, mit unserem oft ebenso kleinen Glauben. Wir haben auch oft Probleme beim Beten, wir vergessen es, vielleicht auch deswegen, weil wir uns fragen, ob es überhaupt ankommt bei Gott.

Jesus sagt: Dranbleiben, auf jeden Fall dranbleiben! In Matthäus 7,7-8 sagt er ganz klar: „Bittet, so wird euch gegeben. Denn wer bittet, bekommt.“ Aber er sagt auch: „Für alles, worum ihr im Gebet bittet, wenn ihr glaubt, werdet ihr es bekommen.“

Nun haben wir vermutlich alle schon mehr oder weniger häufig die Erfahrung gemacht, dass unsere Gebete nicht in Erfüllung gehen. So plakativ wie im Film wird es in der Realität nicht unbedingt aussehen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Gretta und Dan sich eine solche Wendung für ihr Schicksal erbeten hatten.

Vielleicht dauert es länger als wir aushalten mögen. Vielleicht sind wir gerade in der „Dunkelkammer“ unseres Glaubens und Lebens. Oder wir haben einfach nicht den Durchblick, wünschen uns etwas ganz anderes, als Gott für uns bereit hält. Und in solchen Situationen dürfen wir auch unser Klagen oder sogar Anklagen vor Gott bringen. In den Psalmen, bei Hiob, sogar bei Jesus selbst, als er am Kreuz hängt, überall in der Bibel gibt es Beispiele, wie Menschen ihre Trauer, ihren Zorn, ihre Enttäuschung vor Gott bringen. Es gibt nicht nur eine Form des Gebetes, die aus „Ich danke dir… und ich bitte dich…“ besteht.

Gebet darf und soll unser Leben widerspiegeln. Ob Klage, ob Loblied, ob mit Gesang oder mit Tanz, in guten wie in schlechten Zeiten, wie es gerade richtig ist. Mit eigenen Worten, mit vorformulierten Worten (die helfen oft, wenn wir sprachlos sind), ganz ohne Worte.

Im Film bekommen Gretta und Dan übrigens die Kurve. Irgendwann später hören sie sich gemeinsam eine Playlist an, und da ertönt ein alter Sinatra-Titel mit der Zeile „all I can do is pray“.

Dranbleiben! Das ist die Hauptsache. Und den Film ansehen, denn da gibt es noch total gute Musik-Sessions an ganz ungewöhnlichen Orten in NY, vor allem die Aufnahme eines tollen Songs auf einem Hochhausdach!

Grünkohl für Alle!

Ich weiß gerade nicht, ob ich schon mal erwähnt habe, dass ich gerne in großen Töpfen rühre. Wenn nicht, dann ist das hiermit erledigt. Mein größter privater Kochtopf (also wenn ich nicht auf einer Kinderfreizeit koche) fasst 17 Liter. Wir hatten mal einen noch größeren, da passten mindestens 1,5 Zentner Zwetschgen hinein, der nannte sich dann aber „Waschkessel“ und musste dem Heizungsneubau weichen (aus Mangel an Zwetschgen, sonst wäre die Heizung woanders hingekommen).

Und nun ist es ja auch endlich mal winterlich kalt geworden, also Zeit für das jährliche Grünkohlkochen. Ich koche den auch selbst, denn der im Glas…. no comment!

Allerdings habe ich tiefgefrorenen und schon gehackten gekauft, da ich zurzeit beim Hantieren mit scharfen Messern zur Selbstverstümmelung neige, das liegt (unter anderem) auch am kalten Wetter. Hat alles Vor- und Nachteile.

Grünkohl muss erst blanchiert und dann laaange geschmort werden, jedenfalls nach unserem langjährigen Familienrezept. Daher muss sich der ganze Aufwand schon lohnen. Was lag also näher, als die (fast) ganze Familie einzuladen, zumindest alle, für die es sich (wegen Entfernung) lohnt, sich für eine ordentliche Portion Essen auf den Weg zu machen.

Am Ende kam eine lustige Familienrunde zusammen, ich konnte sogar noch für 3 Mahlzeiten einfrieren und ich habe eine Step-by-Step-Anleitung für unsere Töchter zusammengestellt, falls die später mal das Verlangen haben, nach Omas Rezept Grünkohl zu kochen.  Man weiß ja nie. Als Teenager konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass ich mal gerne Grünkohl kochen würde. Aber da hatte ich noch meine Mama, die ihn kochte, da war noch mehr Schmalz dran und er wurde nach dem Blanchieren noch zusätzlich gewolft, sodass er die Konsistenz von Kuhfladen hatte. Das wurde alles in späteren Jahren etwas modifiziert. Keine Mama mehr, außerdem weniger Schmalz und stattdessen ein bisschen mehr zu beißen 😉

Und heute ist es eine Art Meditation im Alltag, wenn ich mir einen ganzen Vormittag nur für zwei Bräter voll Grünkohl Zeit nehmen kann 🙂

 

Wie bei Hitchcock…

Ich hatte heute früh den Fotoapparat zur Hand, weil ich die Mondfinsternis fotografiert hatte. Aber diese Szene fand ich dann noch krasser! Mehr als 50 Krähen hatten unseren Hof gekapert, hinten im Garten waren nochmal genauso viele, und in der Nachbarschaft saßen auch überall welche herum. Gut, bei uns finden sie noch viele Nüsse, die ich eigentlich für unsere Eichhörnchen liegengelassen hatte, aber in solchen Mengen sind sie sonst nur im Feld zu finden…

krähen in der birke
Noch mehr Krähen…

Schmorbraten oder: Nichts geht über Tradition (in der Gemeinde)

Es gab einmal eine frisch verheiratete Frau, die für ihren Mann einen speziellen Braten zubereiten wollte. Bevor sie den Braten in den Ofen schob, schnitt sie an jeder Seite ungefähr einen Zentimeter von dem Fleischstück ab, so wie sie es immer bei ihrer Mutter gesehen hatte. Als ihr Mann sie fragte, warum um Himmels willen sie denn den besten Teil des Bratens abschnitt, wusste sie darauf keine bessere Antwort als „Weil meine Mutter es auch immer so macht“. Am nächsten Tag ging die junge Frau deshalb zu ihrer Mutter und fragte sie, wieso sie eigentlich immer die Enden des Bratens abschnitt. Doch genau wie ihre Tochter wusste auch die Mutter darauf keine Antwort. Sie zuckte mit den Schultern und sagte: „Weil meine Mutter es auch immer so macht.“ Jetzt waren die beiden Frauen neugierig geworden und gingen deshalb zur Großmutter der jungen Frau und fragten: „Warum schneiden wir eigentlich immer die Enden des Bratens ab?“ Völlig schockiert rief die Großmutter: „Ihr macht das schon all die Jahre? Ich habe die Enden vom Braten nur deshalb immer abgeschnitten, weil er sonst nicht in meinen kleinen Topf passte!“

Diese Anekdote stammt aus dem Buch „Mein Jahr als biblische Frau“ von Rachel Held Evans, erschienen bei Gerth Medien, ISBN 978-3-86591-753-9

Ganz davon abgesehen, dass das gesamte Buch sehr lesenswert ist, verdeutlicht die Geschichte, wie sich manchmal „Traditionen“ bilden können, ohne zu reflektieren, warum ein bestimmtes Handeln zu bestimmten Zeiten erfolgte. Ohne Reflektion wird aus Tradition aber nur zu schnell Traditionalismus.

Gegenspieler der Tradition ist der Zeitgeist. Laut Duden ganz neutral definiert als „für eine bestimmte geschichtliche Zeit charakteristische allgemeine Gesinnung, geistige Haltung“. Aber gern angesehen als die Kraft, die alles Überkommene und Erprobte kaputtzumachen droht, wenn man sie nur lässt.

Ist es denn schon der Untergang des Abendlandes, wenn man hier und da die Zeit, die Form oder einzelne Elemente ändert, beispielsweise im Gottesdienst, um es jungen und älteren Menschen leichter zu machen, neu zur Gemeinde zu kommen?

Es ist jetzt 12 Jahre her, dass wir als Familie uns wieder neu auf das „Abenteuer Kirche“ eingelassen haben. Wir sind in den ganz normalen (9:30 Uhr-) Sonntagsgottesdienst gegangen, haben uns zum Kirchenkaffee einladen lassen, sind ins Gespräch gekommen.

Aber ganz ehrlich, wenn ich nicht so neugierig gewesen wäre, was hinter dem „Kirchensprech“ eigentlich steckt (Danke, Tante Google), dann wären wir auch vermutlich irgendwann wieder weggeblieben. Schon die Texte und Melodien der Lieder, die so gar nicht in unserem Alltag vorkamen. Und dann die altertümliche Sprache in den Psalmen und Bibeltexten… Die ganz sicher wohlgemeinten Fragen, wann wir denn unsere „Stille Zeit“ hielten. Bitte? Stille Zeit? Mit Baby?

Und erst die Uhrzeit!!! Wenn der Sonntagmorgen als Familienzeit so kostbar ist, denn es ist der einzige Tag in der Woche, wo man als mehr oder weniger junge Familie wirklich mal in Ruhe gemeinsam frühstücken kann, ohne dass irgendwer sich hektisch für den Tag fertigmachen muss, dann ist schnell die Überlegung da, was denn nun wichtiger ist.

Irgendwann habe ich begriffen, dass es andere Leute gibt, denen es genauso wichtig ist, dass Sonntag am Mittag pünktlich der Braten (ob abgeschnitten oder nicht…) auf dem Tisch steht, da ist es dann gut, wenn man zeitig vom Gottesdienst zurück ist. Ist das eine Modell besser als das andere? Sollte es nicht eher so sein, dass wir uns in der Gemeinde gegenseitig mit unseren Vorlieben, unseren Zeitplänen, unserem Status Quo auf dem persönlichen Glaubensweg gegenseitig wertschätzen und respektieren? Sollte es nicht so sein, dass jeder sein Plätzchen findet, dass in einer Gemeinde mit mehreren Predigtstätten diese sowohl mit gemeinschaftlichen als auch mit Zielgruppengottesdiensten gefüllt werden? Dass in Gemeinden, wo das nicht möglich ist, auch mal gesagt wird: „50 Jahre lang hatten wir jetzt den Gottesdienst um 9:30 Uhr, jetzt tauschen wir mal und ich passe mich denen an, die bisher deswegen Probleme hatten?“ Oder halten wir lieber daran fest, zu sagen: „Das war schon immer so, und so machen wir das auch zukünftig.“ Das ist dann Traditionalismus!

Genauso, wie es die negative Auswirkung des Zeitgeistes ist, wenn ohne Reflektion alles über den Haufen geworfen wird. Der beste Weg liegt wie immer: mehr oder weniger in der Mitte.

„Tradition ist eine Laterne, der Dumme hält sich an ihr fest, dem Klugen leuchtet sie den Weg.“ (George Bernard Shaw)

PS: In den 12 Jahren hat sich schon einiges geändert. Mehr neue Lieder, Basis-Bibel für Lesungen und auch einiges andere. Habt einfach Mut und lasst euch ein. Und seid neugierig!

 

Was passieren kann, wenn man eine Facharbeit schreibt…

Ja, klar. Wenn schon eine Ethik-Arbeit, dann Wirtschaftsethik. Ich bin Kauffrau, das Thema interessiert mich, aber es ist auch „fern“ genug, damit ich sachlich darüber schreiben kann. Denkste!!!

Also der Reihe nach. Wirtschaftsethik, ein Drittel davon (mindestens) theologische Betrachtung, Bezug zu heute, was lernen wir daraus? Soweit der nachvollziehbare Aufbau. Du würdest vermutlich staunen, was alles in der Bibel zu wirtschaftlichen Themen steht. Aber das ist es nicht, was mich gerade so sehr beschäftigt.

Eher, was wir alle (ich inklusive, ich bin ja nicht besser als der Rest von uns) heute so veranstalten, weil es uns kurzfristig Vorteile bringt.

Ein Auszug aus meinen Überlegungen:

Noch ehe ich mit dieser Facharbeit richtig angefangen hatte, las ich im „Börsenblatt des deutschen Buchhandels“, dass bei Amazon im großen Stil Warenretouren vernichtet werden. Und zwar nicht nur Gebrauchtartikel der Marketplace-Händler, sondern auch fabrikneue und einwandfreie Turnschuhe, Textilien, Bücher… bis hin zu Waschmaschinen! Ganz davon abgesehen, dass hier wertvolle Ressourcen verschwendet werden und die Wertschöpfungskette der Waren gnadenlos unterbrochen wird. Hier wird auch mit dem, was Arbeiter in unzähligen Fabriken mit ihrer Tätigkeit geschaffen haben, mit ihrer Produktionsleistung, absolut verächtlich umgegangen. Im besten Fall sind Menschen für ihre Arbeit angemessen entlohnt worden, im schlimmsten reicht der Verdienst nur für ein Dahinvegetieren. Allen gemeinsam dürfte aber sein, dass sie zur Produktion von Waren beigetragen haben, die anderen Menschen nützen oder Freude bereiten sollen. Diesen vielen namenlosen Arbeitern wird signalisiert: „Egal, was ihr gebaut und geleistet habt, letztlich ist es nur Schrott!“

Neue Dienstleistungen der digitalen „Share Economy“ feiern den Gedanken des „Teilens“ auf eine ganz neue Weise. Wenn jemand eine Wohnung zur Verfügung hat, die er nicht selbst bewohnt, kann er sie über „Airbnb“ mit anderen teilen, die für den Urlaub oder die Geschäftsreise ein Dach über dem Kopf brauchen. Wer von A nach B fahren möchte und kein eigenes Auto hat, sucht sich eine Gelegenheit über den Fahrvermittlungsdienst „Uber“. Es wird uns weisgemacht, dass diese Art der Dienstleistung ja so wahnsinnig sozial ist, dass es ja so erstrebenswert und edel ist, Ressourcen auf diese Weise zu teilen. Und dabei auch noch zu sparen, denn es ist viel günstiger als Hotel oder Taxi! Dabei gerät nur ganz leicht in Vergessenheit, dass in Hotels, Pensionen, Hostels oder Taxi-Unternehmen Menschen arbeiten, die auch gern ein auskömmliches Leben führen wollen. Für diese Menschen bricht leicht die Existenzgrundlage weg. Und in den Wohnungen, mit denen (oftmals „schwarz“ und am Finanzamt vorbei) Einkünfte aus der Kurzzeitvermietung als Ferienwohnung erzielt werden, können keine jungen Familien wohnen, die dringend bezahlbaren Wohnraum in den Städten brauchen! Hier stimmen ganz einfach die Rahmenbedingungen nicht. Das hat dazu geführt, dass grundsätzlich gute Ideen wie Mitfahrgelegenheiten und Gastgeberschaft auf Zeit monetär bewertet und bilanzierbar wurden. Die ethischen Auswirkungen jeder einzelnen Entscheidung, die wir treffen, werden bei solchen Modellen ausgeblendet. Den messbaren Vorteil, den uns die Teilnahme an solchen „Dienstleistungen“ bietet, bewerten wir höher als die Auswirkungen, die unsere Entscheidungen auf andere haben.

Sorry, kürzer habe ich es nicht hingekriegt. Und ich bekomme jetzt schon wieder „nen Hals“. Wie viele gute Ideen, gerade in Bezug auf „Social Media“ sind da verbraten worden! Ebay ist mal als reiner Online-Flohmarkt an den Start gegangen, inzwischen findet man dort mehr Händler als Privatleute. Und diese Händler brauchen nicht in ein ordentliches Ladenlokal, engagierte Mitarbeiter und vieles andere investieren, können Waren daher zu Dumpingpreisen anbieten. Facebook. Wie war das doch noch? Die Idee („Es war einmal…“) dahinter: alte Schulfreunde wiederfinden. Und inzwischen finde ich mehr Werbung als Menschen! WhatsApp. Auch mal mit edelsten Motiven gestartet. Schlachtet, seit es zu Facebook gehört, gnadenlos die Kontaktdaten der Nutzer aus. So landen sogar Kontaktdaten von Leuten, die damit überhaupt nix am Hut haben, schließlich bei Facebook.

Amazon immerhin hat es andersherum gemacht: Die kommerzielle Verkaufsplattform für Privatleute (Marketplace) geöffnet. Diktiert aber die Konditionen, zu denen man dort handeln darf.

Ich bin gefordert, egal wie ich mich im digitalen Raum bewege (und dazu auch in der realen Welt, denn man kann getrost davon ausgehen, dass jedes Schnäppchenangebot hier bei uns, die einschlägigen Geschäfte sind ja bekannt, an einer anderen Stelle Ausbeutung eines Mitmenschen bedeutet!)

Und ja, ich selbst falle auch oft genug darauf rein.

Von Liebe oder zumindest Respekt für den Mitmenschen geleitetes Handeln. Mit dem Bewusstsein, dass dieser Mitmensch in der heutigen Zeit durchaus der minderjährige Minenarbeiter in Südostasien sein kann, der für uns die Rohstoffe der Hochtechnologie aus der Erde holt. Oder der Amazonas-Ureinwohner, der seinen Lebensraum verliert, wenn die Wälder für Monokulturen von Mais und Soja gerodet werden. Nicht nur die theoretische Erkenntnis, dass unsere Art des Konsums die Rohstoffe schneller verbraucht als sie nachwachsen können, sondern die Konsequenz im Handeln, dass nur weniger Konsum dieses verhindern kann.

Ist das eine Herausforderung? Ich meine, ja. Ich werde mal versuchen, in diesem Jahr 2019 darauf zu achten, meine Entscheidungen (die ganz sicher deswegen nicht immer fehlerfrei ausfallen) bewusst zu treffen. Ob und wie es mir gelingt? Mal sehen.

Ich werde berichten….

PS: Das Beitragsbild stammt von:

https://www.wissen.de/die-bedeutung-der-wirtschaftsethik-fuer-den-erfolg-von-unternehmen

Und da ist ein Fehler drin. Es heißt natürlich nicht Skateholder, sondern Stakeholder…

Liebes 2018, was ich dir gern noch sagen möchte…

…ehe du bald Geschichte bist. War nett, dich kennengelernt zu haben. Aber ehrlich gesagt, bin ich auch ein bisschen erleichtert, dass du vorbei bist.

Du hast mir einiges an neuen ungeahnten Erfahrungen gezeigt. Neben schönen Erlebnissen hast du mir auch Dinge gezeigt, auf die ich gern verzichtet hätte.

Arbeitslosigkeit zum Beispiel. Nach 30 Jahren Berufsleben auf einmal ohne eine sinnvolle und auch bezahlte Tätigkeit dazustehen, das fordert. Ist ja nicht so, dass ich tatsächlich nichts zu tun gehabt hätte, aber für seine Arbeit bezahlt zu werden, das hebt die Selbstachtung eben enorm.

Und dann die Erkenntnis, dass selbst der erlernte und immer noch geliebte Beruf als Buchhändlerin nicht die Erfüllung bringt, sondern grenzenlose Frustration, wenn man ihn nicht so ausüben darf, wie man ihn versteht. Dazu eine Bezahlung, die zwar höher ist als das Arbeitslosengeld, aber niedriger als das Gehalt einer Putzfrau im Seniorenheim, selbst wenn sie angelernt ist.

Versteh mich nicht falsch, ich achte jede Putzfrau hoch, die diese Arbeit macht, denn sie ist in mehrerer Hinsicht wichtig,  aber Wertschätzung von erfahrenen Fachleuten und ihren Qualifikationen sieht anders aus.

Rums. Aus, dann lieber gar nicht. Weder bezahlte Arbeit, noch Meldung beim Arbeitsamt. Ich konzentriere mich jetzt aufs Ehrenamt. Beim besten aller Ehemänner im Büro und bei der Gemeinde, wo auch immer ich gebraucht werde. Und die zweite Ausbildung wieder ernst nehmen, die in meinem Kuddelmuddel auch gelitten hat.

Und feststellen, dass auch das gelernt sein will: das einfach nur da sein. Aber es klappt immer besser. Und weißt du was, 2018? Das nehme ich auf jeden Fall von dir mit: Die Erkenntnis, dass auch ich nicht ganz unanfällig war für eine Mini-Midlife-Crisis, aber dass ich alles überstehen und daran wachsen  kann. Mit einer verlässlichen Familie, guten Freundinnen, einer Gemeinde, die mich gebrauchen kann und mit dem festen Vertrauen, dass ich nicht tiefer falle als in Gottes Hand, wo auch immer die gerade ist.

Und ja, du hast vollkommen recht, ich kann jetzt noch nicht wissen, was dein Nachfolger 2019 so alles parat hat, um mich in Atem zu halten. Trotzdem bin ich neugierig und freue mich!

Tschüss, 2018, mach et jot!

Mein aktuelles Lieblingsbuch <3

Hab ich irgendwann schon mal erwähnt, dass ich unheimlich gern die Bücher von Michael Herbst lese? Jedenfalls, ich mag den Stil total.

Dieses Buch hatte ich mir eigentlich zur Vorbereitung auf meine Abschlussarbeit an der Malche zugelegt. Und ich kann es tatsächlich auch gebrauchen. Aber heute früh bei meiner privaten Lesestunde hatte ich dann so einen Aha-Effekt. Weil er genau das beschrieb, was ich empfinde, wenn ich an (nicht nur unsere) Gemeinde denke:

„Gemeinde ist mehr als ein spirituelles Schunkeln zu gefühlvoller Schlagermusik, bei der wir uns alle so eins fühlen. Gemeinde ist mehr als Würstchengrillen mit Freunden, mehr als Vereinsmeierei mit Gleichgesinnten, mehr als eine Serviceagentur für religiöse Dienstleistungen. Gemeinde ist der Ort, wo der Geist Gottes Menschen sammelt, denen das Wort von Jesus ins Herz gefahren ist, die eine Wahl getroffen haben und sich taufen ließen, die daraufhin den Reichtum von Gemeinschaft entdeckt haben, die darum ihren Besitz teilen, und deren Dasein so anziehend ist, dass immer mehr Menschen dazukommen. Darin steckt das Geheimnis: Hier, in der Nähe von Jesus, wird der Schaden geheilt, die Spaltung überwunden, der Graben überbrückt, der mein einsames Ego von all den anderen einsamen Egos trennte. Aber damit das geschieht, muss ich durch die Schule der Differenz. Ich muss da durch, dass der andere anders ist, dass der andere anstrengend ist und dass es mühsam ist mit ihm. Ich erwische mich manchmal bei dem Gedanken: ‚Ach, es wäre jetzt nicht so doof, wenn dieser andere einfach ginge.‘ Und der Herr nahm täglich hinweg, die für mich zu anstrengend geworden waren. Nein. Stattdessen fügt er noch mehr anstrengende Wesen hinzu, wie er ja auch irgendwann mich anstrengendes Wesen hinzugefügt hat.“

Ja genau das ist es. Warum schleppen wir gerade in unseren Kirchengemeinden so viele alte Kränkungen mit uns herum? Warum können wir nicht verzeihen, was vor zwanzig Jahren mal schiefgelaufen ist? Warum haben wir so viele Probleme damit, andere so zu nehmen wie sie sind?

Wer es jetzt gerade nicht so mit Kirche hat, darf sich aber auch nicht die Hände reiben. Denn in Stadträten, Parteien, Gewerkschaften….. sieht es auch nicht besser aus.

Es scheint uns leichter zu fallen, dem Mitmenschen seine vermeintlichen Übertretungen und Fehler vorzuhalten, als uns gegenseitig zu akzeptieren.

Lohnt sich unbedingt, dieses Buch genauer zu lesen!