Mein erster Segeltörn

Zu den abc-Etüden geht es hier. In dieser Runde stammt die Wortspende von mir selbst und ich wusste bis gestern noch nicht, worüber ich schreiben werde. Ob mir mehrere Etüden einfallen, mal sehen. Für den Anfang teile ich eine Erinnerung mit euch:

Mein erster Segeltörn ist fast 30 Jahre her. Es war eine Art segelnde Erfa-Gruppe*, denn die Crew bestand aus einer Betriebsberaterin, einem Softwarehausmitarbeiter und ansonsten lauter BuchhändlerInnen. Insgesamt waren wir 14 Leute und ich war mit Abstand die Jüngste. Es ging von Kiel aus in die dänische Südsee, und das Schiff war nicht etwa so ein schickes, weißes Segelboot, wie man sie aus dem Yachtclub kennt, sondern ein waschechter Marstal-Schoner, der liebevoll restauriert und mitsamt Skipper, Smutje und einer kleinen Stammcrew verchartert wurde.
Eine gehobene Ausstattung hatte das Schiff, alles aus Holz, Messing und anderen natürlichen Materialien. Kein GFK, keine Nylonsegel oder Polyesterseile. Ich war schon beeindruckt, als ich das Schiff in Kiel am Kai liegen sah. Die Kabinen waren urig, aber nach meinem Empfinden ziemlich luxuriös, der Salon strahlte Gediegenheit aus, das Essen an Bord war sehr gut und sehr reichlich (später lernte ich: schmackhaftes Essen ist die beste Methode, eine Meuterei zu verhindern). Das konnten wir dann bei der Arbeit an Deck wieder abspecken. So ein schönes Schiff musste schließlich jederzeit besenrein aussehen!
Wir dampften also frohgemut los aus Kiel, Richtung Aerö, um das Städtchen Marstal zu besuchen, das den Schiffen ihren Namen verliehen hatte, denn dort wurden diese Traditionssegler vor über 100 Jahren als Frachtschiffe gebaut. Marstal ist eine schöne kleine Stadt mit viel Charme, sie strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, „hygge“ eben.
Nachdem wir von Marstal aus Richtung Fünen wieder losgefahren waren, gab es weiter gutes Essen, jeden Nachmittag einen 5-Uhr-Sherry, aber was wir fast schmerzlich vermissten, war das Wesentliche beim Segeln: es gab keinen Wind. Und so habe ich meinen ersten Segeltörn in Erinnerung als fast komplett unter Motor gefahrenen Törn, bei dem ich vor allem Spaß daran hatte, vorne im Klüvernetz über dem Meer zu liegen und die Seele baumeln zu lassen.

*Erläuterung: Eine Erfa-Gruppe ist eine Gruppe von selbständigen Buchhändlern, die ähnliche Betriebsgrößen und Sortimente haben und sich über Umsätze, Werbung und andere wichtige Dinge austauschen.

Frühsommer zum Schmecken

Die erste Partie ist fertig. Angesetzt an Himmelfahrt, aber er braucht eine Woche zum Durchziehen, damit der Geschmack sich so richtig entfaltet.

Über den Etiketten ahnen aufmerksame Betrachter das „Wölkchen“ in der Flasche. Ich freue mich, dass es auch dieses Jahr geklappt hat, den Blütenstaub einzufangen, nach dem ganzen Regen hatte ich die Befürchtung, er könnte ausgewaschen sein.

Zwischen 5 und 6 Liter sind es geworden, und da mein Holunder sehr ungleichmäßig blüht, überlege ich, eine zweite Partie zu kochen. Mal sehen. Erstmal genießen🙂.

Endlich mal wieder Sommerkonzert

Vor zwei Jahren fielen Planungen und Proben der Pandemie zum Opfer. Dabei heißt es an der Schule unserer Tochter für die Musik-AGs eigentlich: nach dem Weihnachtskonzert ist vor dem Sommerkonzert. Und umgekehrt. Aber Singen und das Spielen von Blasinstrumenten war plötzlich gefährlich.

Sowohl den Lehrkräften als auch vielen SchülerInnen, die Spaß an ihrer Musik haben, ist es zu verdanken, dass gestern nun endlich wieder ein Konzert stattfinden konnte, denn sie überlegten sich Konzepte, wie sie weiter proben konnten, nachdem die Schulen wieder geöffnet waren. Wenn auch unter erschwerten Bedingungen, denn Abstände und Masken sind schon herausfordernd, wenn man sich gegenseitig hören will.

Das Konzert war dann auch ein bisschen abgespeckt, die einzelnen Gruppen etwas geschrumpft, der Unterstufenchor fehlte und es gab auch kein Lied, bei dem das Publikum mitsingt, aber der guten Laune tat das alles keinen Abbruch. Es summte vor Beginn wie in einem Bienenstock, alles wuselte aufgeregt durch das Schulforum, Eltern und andere Angehörige begrüßten sich gut gelaunt, es war einfach schön. Die Freude über die Möglichkeiten überwog bei weitem die Enttäuschung, dass alles etwas weniger war und dass es „nur“ ein Konzert gab statt wie bisher zwei Abende nacheinander.

Für mich persönlich war es toll zu sehen, dass diese jungen Leute gute Laune und viel Spaß hatten, dass es ihnen und ihren Lehrern Freude bereitete, anderen einen schönen Abend zu schenken. Und es ist ein gutes Bild dafür, dass wir vielleicht doch gelernt haben, einen Gang zurückzuschalten. Dass es nicht so elementar wichtig ist, immer nur ein Erlebnis beim nächsten Mal zu toppen, sondern sich auch über „eine Nummer kleiner“ so richtig wie Bolle zu freuen.

Labyrinth

Ich habe den Film geliebt, als er in Deutschland in die Kinos kam. Ich war 18 Jahre alt, also gerade mal das, was man „erwachsen“ nennen könnte. In dem Jahr ist unheimlich viel passiert: Ich wurde volljährig, mein Vater starb, (während ich in Wien mit meinem Deutsch-LK unterwegs war,) ich machte Führerschein, kam in den Abiturjahrgang… und verlor manchmal den Überblick über alles, was in meinem Leben gerade so passierte.

Der Film spiegelte das teilweise ganz gut wieder, es kamen die Figuren von Jim Henderson (Muppets) darin vor, Szenen, die von M.C. Escher inspiriert waren (zum Beispiel die irre Treppenszene, teilweise über Kopf), das „Moor des ewigen Gestanks“, ein sehr netter Terrier, ein junges Mädchen auf dem Weg zur Frau und natürlich (herrlich zwiespältig, anziehend und abstoßend zugleich, etwas schwülstig und sehr verführerisch): David Bowie! So ein bisschen fühlte es sich an wie eine Mischung aus „Sommernachtstraum“ und „Alice im Wunderland“. Und es läuft mir bis heute kalt den Rücken hinunter, wenn ich den Soundtrack höre.

Ich weiß eigentlich gar nicht so recht, warum mir das alles ausgerechnet heute wieder einfällt, vielleicht, weil ich augenblicklich, nur eben mit 36 Jahren mehr Lebenserfahrung, so ein unbestimmtes Gefühl habe, dass alles um mich herum unbestimmbar, unübersichtlich und sehr zwiespältig ist? Ein Teil der Welt ruckt in die eine Richtung, ein anderer Teil in die andere, dazwischen unglaublich viele Eventualitäten und Unsicherheiten. Krieg, Klimakatastrophe, soziale Ungerechtigkeiten, Missbrauch, Mord & Totschlag…
Und ich stehe etwas hilflos und nicht viel schlauer da als mein 18jähriges Ich damals. An ein „Happy End“ wie in Hollywoodfilmen kann ich irgendwie nicht so ganz glauben…

Liebe, schmetterlingsbunt

|Werbung, unbezahlt|

Dieses wunderschöne Cover hätte es definitiv verdient, liebevoll zwischen üppigen Frühlingsblumen, am besten noch mit Schmetterling dabei, dekoriert zu werden. Aber da ich das Buch ganz schnöde auf meinem alten iPad gelesen habe und der Rahmen damit nur so mittelprächtig gelungen wäre, bekommt ihr die Downloadversion.
Es ist noch kein Jahr her, dass ich den Vorgängertitel zu diesem Buch gelesen und genossen habe. Also war klar, dieses muss einfach auch gelesen werden.

Was soll ich sagen, es war mal wieder das passende Buch zur richtigen Zeit. Nach den letzten Tagen, die für mich nur wenig Leichtigkeit, sondern vor allem viele schwere Gedanken gebracht hatten und an denen ich meinen SuB, der mal wieder reichlich mit Sachliteratur gefüttert neben dem Lesesessel steht, aus Gründen der Seelenhygiene mit Nichtachtung strafe, begann ich am Dienstag neugierig zu lesen.
Natürlich folgte ich meinem Wissensdurst und guckte mir zwischendurch immer mal wieder bei Google Earth an, in welcher Gegend die Geschichte angesiedelt ist. Da kann ich einfach nicht aus meiner Haut.
Und je weiter ich in die Handlung eintauchte, desto mehr nahm sie mich mit in den englischen Norden in die wildromantische Landschaft des Lake Districts.
Je weiter ich las, desto mehr kamen Ella, Jacob und die anderen Protagonisten mir vor wie liebe Verwandte. Dass ich mich nebenher auch ein bisschen in die Gegend verliebte, geschenkt.
Heute früh stand ich wie immer um halb sechs auf und genoss die Ruhe des Brückentages, kochte mir Kaffee und nahm mir die letzten 100 Seiten des Buches vor. Ich will nicht spoilern, deswegen verrate ich auch nur so viel, dass nach drei Vierteln noch ein überraschendes Detail ans Licht kam. Aber das müsst ihr schon unbedingt selbst lesen…

Ich habe schon immer unheimlich gern Geschichten gelesen, die beim Lesen auch körperliche Reaktionen hervorrufen. Ich liebe es, wenn ich lauthals lachen kann, mir wohlig gruselige Schauer über den Rücken laufen und auch, wenn ich mit einer Packung Taschentücher lesen muss und zwischendurch tränenblind nach Luft schnappe. Alles das bietet „Liebe, schmetterlingsbunt“. Und in diesem Fall hat es mir sogar richtig gut getan, mit der Tragik der Geschichte auch alles andere aus mir herauszuheulen, was mir die letzte Woche schwer im Magen gelegen hat.

Kurzum: Klare Empfehlung! Gerade auch für die Urlaubsplanung. (Platz in der Reisetasche einkalkulieren!!!)

Bibliographische Angaben: Hannah Juli; Liebe, schmetterlingsbunt, Ullstein Taschenbuch, ISBN 978-3-548-06441-3, € 10,99

Himmelfahrt auf dem Berg

Für alle, die aus den „echten Bergen“ kommen, mag der Ausdruck vielleicht hochstaplerisch klingen, aber unser Jakobsberg stellt tatsächlich die Grenze zwischen Mittelgebirge und norddeutscher Tiefebene dar. Oben auf dem Jakobsberg steht der Fernsehturm, unten im Berg sind die Stollen der Nazis, die sie von Zwangsarbeitern graben ließen. Auf dem Wanderparkplatz am Fernsehturm findet seit Jahrzehnten immer an Christi Himmelfahrt morgens um 8 Uhr ein Open-Air-Gottesdienst unserer Kirchengemeinde statt. Mit Posaunenchor. Manchmal auch mit Regen, meist aber schafft Petrus es, dass es trocken ist. Heute war es auch trocken, obwohl es um 7 Uhr noch regnete.

Am Fuß des Fernsehturms gibt es einen Kiosk, der vom Bismarckbund betrieben wird, die Ehrenamtlichen, die sich darum kümmern, hatten extra auch schon frühzeitig geöffnet. Sehr nett, wir haben dann auch mit einigen Leuten nach dem Gottesdienst dort einen Kaffee getrunken. Und ich bin nach langer Zeit mal wieder auf die Aussichtsplattform des Fernsehturms gestiegen.

Ich hatte schon bessere Sichtverhältnisse dort oben, aber vor allem bin ich erschrocken. Ich war einige Jahre nicht mehr aufgestiegen, weil ich Höhenangst habe. Heute war ich ein bisschen geschockt, weil in den Jahren so viel Landschaft versiegelt wurde.

Bild 1: Blick nach Norden, prominent in der Mitte das Logistikzentrum, das erst letztes Jahr direkt bei uns am Ortsrand gebaut wurde.
Bild 2: Der graublaue Bereich im Hintergrund ist Minden. Ich werde wohl demnächst nochmal mit der Kamera und dem Teleobjektiv hochsteigen, das Handy gibt nicht viel her.
Bild 3: Blick nach Westen, auf das Wiehengebirge mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Links die Weser, die hier an der Porta Westfalica ihren Durchbruch durch die beiden Gebirgsketten hat.
Bild 4: Nochmal der Blick nach Westen. Links vom Wiehengebirge ist Bad Oeynhausen im Hintergrund, rechts geht es nach Lübbecke. (Bei Handballfans und Biertrinkern bekannt)
Bild 5: Richtung Südwest. Im Tal ist Hausberge zu sehen, der Hauptort von Porta Westfalica
Bild 6 und 7: Süden. Immer noch etwas Hausberge, erschreckend viel kaputter Wald und der weite Blick ins Lipperland.
Bild 8: Nochmal nördliche Blickrichtung. Im Hintergrund die vielen Baggerseen von Petershagen.

Es fehlt (und ich dachte, ich hätte auch nach Osten fotografiert) der Blick nach Nordost und Ost. Aber das wirklich spannende, nämlich der Ausblick bis zum Steinhuder Meer und zu den Kalihalden in Wunstorf, lag heute sowieso im Dunst. Viel weiter als Bückeburg ging der Blick nicht.

Farbenfroh: der Sitzbereich des Kiosks. Dort kann man auch Kuchen oder Bratwurst essen.

Auf dem Parkplatz, wo der Gottesdienst stattfand, parkte ein Wohnmobil aus Leipzig. Das Ehepaar, das dazugehörte, war angenehm überrascht vom unverhofften Kulturprogramm, mit dem sie natürlich nicht gerechnet hatten. Sie meinten, wenn wir das jedes Jahr dort machen, könnten sie ja 2023 wiederkommen.

In den meisten Jahren wandere ich übrigens frühmorgens durch den Wald dorthin, dieses Jahr bin ich nur zu Fuß wieder nach Hause gegangen. Ich traue meinen Füßen nicht so ganz. Aber mein Waldspaziergang hat mir richtig gutgetan, vor allem meinen Blick wieder auf die schönen Details der Natur gerichtet, nach dem gestrigen Tag konnte ich das gut gebrauchen und habe es genossen.

Ich brauche dringend wieder mehr Natur und weniger Nachrichten. Heute geht es den Rest des Tages ruhig zu. Ich werde lesen, ein bisschen am Gemeindebrief weiterarbeiten und vermutlich noch Holunderblütensirup ansetzen. Ich hoffe, die Blüten sind nicht allzu ausgewaschen nach den letzten Tagen mit Regen und Wind. Einen gesegneten Feiertag wünsche ich allerseits.

Es wird nicht besser

Morgens aufwachen und als erstes die Nachrichten im Radio hören (dicht gefolgt von „Wir sind die Freeses“) ist in diesen Tagen eindeutig nicht mehr die beste Idee. Wenn die Info, die als erstes das erwachende Gehirn trifft, eine Meldung über einen erneuten Amoklauf an einer Grundschule in Texas ist, kann der Tag schon nicht mehr gut starten.
Die Gedankenspirale setzt sich per Autopilot in Gang: Wie kann es nur möglich sein, dass in einem eigentlich recht zivilisierten Land, das von vielen immer noch als „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ angesehen wird, immer wieder Gewaltexzesse das Geschehen dominieren? Wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert eine Mehrheit einer Partei ziemlich fanatisch angeblich „Leben schützen“ will, indem man Abtreibungen verbietet (ich bin auch keine unbedingte Befürworterin, denke aber, dass Frauen sich mehrheitlich nicht einfach mal so just for fun dazu entscheiden), aber dieselben Menschen (denn die sind es zum großen Teil) den Untergang ihres Lebensstiles darin sehen, wenn es kein Grundrecht mehr auf das Horten von absolut tödlichen Waffen mehr geben sollte.

Also: meditatives Kaffeekochen, den ersten Kaffee zu genießen versuchen, aber begleitet von einem fatalistischen Gefühl. Irgendwann Frühstück und danach an den PC, Tageszeitung virtuell aufschlagen. Und gleich auf der zweiten Seite würde ich sie am liebsten wieder wegklicken. War ich gestern noch erschrocken darüber, dass nach den Tornados in der letzten Woche bereits wieder Betrüger und Gaffer unterwegs sind, so ist es heute kommunale Baupolitik und, weil es sich konkret um Schulbau handelt, die Dauerschleife Bildungsmisere, die mir den Morgen vermiest.

Was in puncto Schulsanierungen in unserem Landkreis (und da stehen wir ja nicht allein da) in den letzten Jahren verpennt wurde, wird nun immer dramatischer. Denn gerade die Grundschulen modern teilweise vor sich hin, es wurde versäumt, in energetische Sanierung, Bausubstanzerhaltung und vor allem in inklusionsgerechte, barrierefreie Gestaltung zu investieren. Dann kam erst die Pandemie und nun der Krieg. Es wird immer schwieriger, Baumaterial, Fachkräfte und Interimsunterbringung zu bekommen. Es wird alles immens teurer und teurer. Es beginnt ein Kampf um Ressourcen.

Allein der Grund und Boden bietet hier viel Konfliktpotenzial: Da gibt es Ackerflächen. Wertvollen und fruchtbaren Boden. Nahezu perfekt zur Produktion hochwertiger Lebensmittel. Aber es gibt auch die Begehrlichkeiten der Baustoffindustrie: Wer den Weserradweg entlangfährt, der kann in unserer Gegend auch gleich die ostwestfälische Seenplatte bewundern. Wie, noch nie gehört? Keine Bange, das ist keine Bildungslücke. Aber rechts und links der Weser liegen eben nicht nur gute Äcker und Wiesen, sondern auch mächtige Sand- und Kiesvorkommen. Noch Fragen?

Und natürlich müssen auch Baugebiete ausgewiesen werden, bei uns in Porta soll zum Beispiel eine Grundschule neu gebaut werden, weil sie den Anforderungen nicht mehr genügt. Und außerdem war da ja das Staatsziel für mehr sozialen Wohnungsbau. Die Flächenversiegelung nimmt also stetig zu. Währenddessen gammeln in manchen Orten leerstehende Häuser als Spekulationsobjekte (häufig von ortsfremden Investoren) vor sich hin.
Und nicht zuletzt: die Müllabfuhr in Minden klagt darüber, dass sie in Anliegerstraßen oft nicht tätig werden kann, weil alles dicht an dicht vollgeparkt ist, das sitzt als „Sahnehäubchen“ obendrauf. Ratet, wer sich dann darüber beschwert, wenn die Tonnen nicht geleert werden…

Auf den ersten Blick sind das alles Einzelthemen, die aber bei genauerem Hinsehen miteinander verwoben sind. Die in meinen Augen verdeutlichen, dass wir dringend eine große gesellschaftliche Debatte brauchen. Darüber, was wichtig ist, damit unser Zusammenleben funktionieren kann in diesen Zeiten, die heftig wie lange nicht mehr viele vermeintliche Gewissheiten zum Einsturz bringen. Zeiten, die große und noch größere Herausforderungen für fast jeden von uns bereithalten. Und vor allem müssen diese Debatten wieder zu einer zweckdienlichen Sachlichkeit zurückfinden in einer Zeit, in der Empörung und Krakeelen mehr Gehör finden als der nüchterne Blick und die wertschätzende Anteilnahme. Dabei ist es mir wichtig, dass niemand immer nur recht oder immer nur unrecht hat. Es ist wichtig, dass wir wieder mehr zuhören und dem „Gegner“ (übles Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein) auch mal seinen Punkt zugestehen, wenn er sachlich begründet sinnvoll ist.

Aber was weiß ich schon.

PS:
Ein versöhnliches Ende dieses Beitrages möchte ich noch beisteuern: Die Sonne scheint, der Regen gestern hatte eine gute Qualität (Landregen statt festpladdern), morgen ist Feiertag und meine Arbeit „in der heißen Phase“ am Gemeindebrief geht gut voran. Ich kann immer schneller mit dem „Publisher“ umgehen und es macht Spaß, die Gemeindeinfos und Entwicklungen für viele Menschen aufzubereiten. Habt einen guten Tag.

Glück gehabt

Die Schule der Tochter hat gestern ihr Sommerfest abgesagt, weil das NRW-Innenministerium gegen Mittag dringend vor dem Wetter gewarnt hatte. Im Rheinland wurden teilweise schon vor 12 Uhr mittags die Schulen geschlossen. Man wollte nach den Erfahrungen aus dem letzten Sommer offensichtlich kein Risiko eingehen. Das finde ich durchaus nachvollziehbar, wobei die kniffelige Wetterlage ja auch dieses Mal schon einige Tage vorher angekündigt war.

Ich muss gestehen, dass auch ich ein kleines bisschen angespannt öfter am Nachmittag auf die App des Wetterdienstes mit dem Regenradar geschaut habe. Denn unser Dach musste im Februar schon leiden, auch der großflächige „Dachschaden“ an unserer denkmalgeschützten Kirche ist erst seit einigen Tagen wieder komplett behoben (denn da mussten erst erlaubte Materialien gefunden werden). Und außerdem erinnere ich mich immer noch an die Windhose im Jahr 1990, die unseren Westgiebel zum Einsturz brachte.

Kurzum: Bei uns hielt sich alles in Grenzen, aber knapp 100 Kilometer südwestlich von uns, in Höxter, Lippstadt und Paderborn hatten sie nicht so viel Glück, dort zogen (inzwischen vom DWD bestätigt) Tornados durch die Städte.
Was mich beschäftigt: Klar kann ich mich auch an heftige Wetterlagen in meiner Kindheit erinnern. Aber nicht in dieser Häufigkeit und Intensität.
Ich weiß nicht, ob mir die Weiterführung dieses Gedankens gefällt.

Was Krieg mit Menschen macht

Es gibt Tage, die legen dir ein Thema auf den Tisch, egal, was du vorher geplant hattest. Heute ist so ein Tag. Es begann mit der neuesten Podcastfolge von Lanz & Precht, die über „Das Böse im Menschen“ handelt. Ich höre mir diesen Podcast gern an, nicht weil ich den Argumenten der Beiden (die übrigens öfter mal ziemlich kontrovers unterwegs sind) immer folge, sondern weil ich die Gedanken hilfreich finde, die sie in mir auslösen, wenn ich versuche, mir über eine Sache klar zu werden.

Dann las ich Fraggles neue Rezension und kam nicht umhin, beides miteinander zu verknüpfen. Ich schaudere, wenn ich mir genauer überlege, dass vermutlich in jedem von uns Menschen die tiefsten Abgründe lauern, die nur darauf warten, bei (un-)günstigen Voraussetzungen ans Licht zu kommen. Literatur darüber gibt es reichlich, Gedankenexperimente auch (Beispielsweise „Die Welle“ von Morton Rhue).

So begann ich, zu recherchieren und fand unter anderem diese Dokumentation des ZDF, die ich im Januar schon im Fernsehen sah, aber mir vorhin noch einmal genauer anhörte:

https://www.zdf.de/dokumentation/dokumentation-sonstige/ganz-normale-maenner-der-vergessene-holocaust-104.html

Und ich habe mir, ganz nach Buchhändlermanier, spontan drei Bücher bestellt, die sich mit dem Phänomen beschäftigen: „Ganz normale Männer“ von Christopher Browning, „Hitlers willige Vollstrecker“ von Daniel Goldhagen sowie „Sag immer deine Wahrheit“ von Benjamin Ferencz.

Da ich in einer Gegend wohne, in der es KZ-Außenlager gab, wo Zwangsarbeiter geknechtet wurden, habe ich mir schon öfter überlegt, wie ich mich wohl damals verhalten hätte. Hätte ich den Mut gehabt, etwas zu tun? Hätte ich vielleicht eher versucht, irgendwie unter dem Radar der Nazis zu bleiben, damit ich meine Familie nicht gefährde und weiter durchbringe? Die unbequeme Antwort: Ich weiß es nicht. Denn ich kann mir die Situation nicht im Entferntesten vorstellen. Ich hoffe nur, ich hätte mich nicht fehlleiten lassen.

Nun ist wieder Krieg in Europa. Vieles daran macht mir Angst, auch wenn wir hier in Deutschland nicht betroffen sind. Aber am erschreckendsten ist für mich, dass die Soldaten, die zu „Kriegern“ wurden, ja nicht als Mörder oder Bestien oder so zur Welt kamen, sondern ganz normale zivile Personen waren, die ihren Lebensunterhalt verdienten, ihre Familien versorgten, als liebevolle Ehemänner und Väter lebten. Und dass es offenbar nicht wenige von ihnen schaffen, dieses zivile Leben getrennt zu halten von den Gräueltaten, die sie im Krieg anrichten. Wie gesagt, ich kann und muss es nicht nachvollziehen und bin sehr dankbar, dass meine Position das auch nicht verlangt.

Mal sehen, ob mir die Lektüre weiterhilft. Ich werde berichten.

Naturwissenschaftliche Beobachtungen

Neue Runde, neuer Versuch. Danke für die Schreibeinladung und die Fotos von Christiane, danke auch an  puzzle ❀ für die Wörter. Das Irisieren hat mich etwas irritiert, muss ich zugeben, das kannte ich bisher nur als Adjektiv, nicht als Verb. Wunderbar, man lernt doch nie aus.

„Was sagt denn eigentlich der Wetterbericht? Soll es in den nächsten Stunden Regen geben?“ Das fragte mich unser Pubertier nach dem Mittagessen.
„Wieso interessiert dich das? Du sitzt doch sowieso den ganzen Nachmittag in deiner Butze. Und außerdem scheint die Sonne aus allen Knopflöchern. Woher soll denn da Regen kommen?“
„Ach Mama, du schon wieder. Ich hab nun mal viele Hausaufgaben und es ist Klausurenphase. Ich brauche einfach jetzt einen ordentlichen Regen, am besten mit Sonne im Hintergrund. Wir sollen für den Physikunterricht Beispiele sammeln von Dingen, die irisieren. Ich habe schon die Austernschalen aus dem letzten Urlaub fotografiert, aber so ganz dolle sieht man das dort nicht. Deswegen dachte ich mir, so ein richtig schöner Regenbogen wäre ein gutes Beispiel. Oder ein Benzinfleck in einer Pfütze.“
„Was? Kommt gar nicht in Frage, einen Benzinfleck auf die Einfahrt zu machen und damit die Umwelt zu gefährden, bloß um ein Foto zu bekommen, auf dem es schillert! So weit kommt das noch!“
„Hey, das hatte ich auch gar nicht vor. Ich wollte zur Tankstelle gehen, dort gibt es immer Leute, die zu früh die Zapfpistole aus der Tanköffnung ziehen. Ich bin doch keine Umweltsau. Das überlasse ich gerne anderen.“
Ich überlegte, denn Regen war weit und breit nicht in Sicht. Immerhin war ich beruhigt, dass kein Umweltfrevel auf unserem Grundstück stattfinden sollte. Für die gute Physiknote fielen mir jetzt nur noch zwei Alternativen ein:
„Geh mal hinten in den Garten. Im Kräuterbeet bei der Pfefferminze sitzen immer so viele Rosenkäfer, die schillern auch wunderschön in der Sonne. Und dann wäre noch die Möglichkeit, dass du deine kleine Schwester fragst, ob sie auf der Terrasse Seifenblasen pusten kann. Die könntest du dann auch noch fotografieren.“
Natürlich musste er noch ein wenig herumnörgeln, aber dann zog er mit Schwester und Kamera los.

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