Saft auf rohem Wege

Danke für die Schreibeinladung von Christiane, die Wortspende in dieser Runde kommt von Stepnwolf. Augenscheinlich habe ich es gerade nicht so mit fiktiven Texten, daher habe ich einen kleinen persönlichen „Hilferuf“ als Etüde verpackt:

Schier übermächtig ist dieses Jahr mein Wunsch, selbst Lebensmittel aller Art haltbar zu machen, damit wir im Winter nicht auf Produkte der LebensmittelINDUSTRIE angewiesen sind. Vieles kenne ich noch aus meiner Kindheit, es ist weder Hexenwerk noch brauche ich so etwas kompliziertes wie ein Reagenzglas dafür. Das im Übrigen auch nicht annähernd genug Fassungsvermögen hat, um eine Familie satt zu bekommen.

 Solche Dinge wie „auf ein 1-Liter-Einweckglas voll Bohnen einen  Teelöffel Salz und dann mit kaltem Wasser aufgießen“ vergisst man nicht. Bei Obst ist es dann statt Salz Zucker und statt einem Teelöffel auch mal ein Esslöffel plus eine Prise Zitronensäure.

Selbst das Rezept für die eingelegten süß-sauren Gürkchen bekomme ich annähernd so hin wie meine Mutter, obwohl ich jedes Mal, wenn der Essigkanister alle ist, wieder von einem Supermarkt zum anderen fahren muss, um den 10%igen zu finden. Das war „früher“ einfacher, denn in meiner Kindheit gab es noch eine Essigfabrik in Minden, wo man den Essig auch gleich kaufen konnte (lange bevor das Wort „Werksverkauf“ in Mode kam).

Aber heute früh bin ich ins Stolpern gekommen. Ich hatte das genaue Rezept für „Saft auf rohem Wege“ (ohne Dampfentsafter und ohne Aufkochen) vergessen. Moment, dachte ich, da ist doch so ein handgeschriebener Zettel von Mama im Kochordner. Den habe ich auch gefunden und seitdem rätsele ich noch mehr als vorher. Warum brauchte sie für eine geringere Menge Obst mehr Zitronensäure und mehr Wasser? Okay, sie hatte es nie so ganz mit Maßangaben, weil sie das meiste einfach „frei nach Schnauze“ kochte, wie ich auch. Aber für das Gelingen und vor allem haltbar machen ist es ja nicht so ganz unerheblich, wie die Mengenverhältnisse aussehen.

Meine Hoffnung: liest hier zufällig jemand mit, der oder die dieses Rezept auch kennt? Bitte melde dich. Danke!

(293 Wörter und ein Bild😉)

Ferien!?

Morgen hat Kathrin ihren letzten Schultag vor den Ferien. Zeugnis an einem Donnerstag in der sechsten Stunde. Alles sehr merkwürdig.

Eigentlich sollte am Samstag die Kinderfreizeit starten, stattdessen machen wir am Ende der ersten Ferienwoche eine „Kurzexpedition“ durch eins unserer Dörfer mit den Kindern aus der Gemeinde. Für einen Nachmittag.

Und die Aussicht auf sechs Wochen Ferien fühlt sich auch gar nicht so an, als ob ein langer freier Sommer beginnt. Erstens, weil die vergangenen drei Monate sich gar nicht viel anders anfühlten, wir waren ja sowieso ständig zusammen im Haus. Und zweitens, weil sich auch so gar nicht richtig Urlaubsstimmung einstellen mag. Zu ungewiss ist immer noch die Situation, wir wissen noch nicht einmal, ob wir unsere Segeltour so durchführen können, wie wir es möchten. Zumindest nicht, was das gemeinsame „Wohnen“ auf einer Yacht angeht. Weil wir zwei Familien und drei Haushalte sind. Das könnte knapp werden. Alle paar Tage schaut Edgar bange, ob sich die Regeln in den Niederlanden geändert haben. Und wenn es jetzt Schule macht, dass Ostwestfalen in manchen Gegenden lieber ausgeladen werden, da mag ich lieber nicht dran denken.

Ich hoffe, dass zumindest unser Grundstück doch noch etwas von der ungewöhnlichen Situation profitiert und wir dort einige Dinge in Angriff nehmen können. Aufholen, was verletzungsbedingt im Frühjahr nicht geklappt hat. Mal sehen. Der Sommer kommt und er wird irgendwann auch wieder gehen, egal, was wir daraus machen.

Etwas ist hier gewaltig faul!

Zunächst, um langsam in Fahrt zu kommen, eine kurze Erläuterung des Beitragsbildes: Kaum noch erkennbar, handelt es sich um einen mutwillig zerstörten Ameisenstaat. Der war vorher einen knappen Meter hoch und gelegen an einem Waldweg, der die Zufahrt zu einem Campingplatz im Müritznationalpark bildet. Mehrere hundert Meter entfernt von der Hauptstraße, hier verirrt sich niemand einfach mal so hin. Kathrin und ich bewunderten diesen wimmelnden und dabei doch so organisiert wirkenden „Haufen“ immer wieder, wenn wir im Urlaub mit den Hunden daran vorbeikamen. Doch eines Morgens sah es dann so aus wie auf dem Foto: der Hügel abgetragen und auseinandergerakt, Bauteile eines PCs halb darin vergraben (die Platine kann man unten links im Bild erkennen), zerbrochene Schnapsflaschen steckten kopfüber in den Überresten. Wir waren total fassungslos. Wer macht so etwas? Und warum?

Diese beiden Fragen stelle ich mir immer öfter. Und beileibe nicht nur, wenn ich die Auswirkungen blinder Zerstörungswut auf die Umwelt (oder fremden Eigentums, aus welchem „Grund“ auch immer) sehe. Die Umwelt, die eigentlich stark ist, aber von uns Menschen immer stärker in Bedrängnis gebracht wird. Die Umwelt, die ganz schnell nichts mehr wert ist. Die Umwelt, die auch den Regierenden in Bund und Bundesländern leider zu häufig nur als Lippenbekenntnis wichtig erscheint. (Vielleicht auch, weil ja immer irgendwo in dieser Republik Wahlkampf ist?)

Selbst bei der Corona-App macht der Wahnsinn nicht halt: Denn es gibt beileibe nicht nur Menschen, die „zu arm“ oder „zu bequem“ sind, sich ein aktuelles Smartphone zu kaufen, wie es uns unsere Digitalministerin letzte Woche weismachen wollte. Es gibt auch tatsächlich Menschen, die ihre Geräte nutzen, solange sie funktionieren, statt sich jedes Jahr vollkommen unnötig mit der neuesten Technologie einzudecken. Wer so bewusst konsumiert, hat ebenso wie die erstgenannten Gruppen einfach mal die „A-karte“ gezogen und kann sich am Tracing nicht beteiligen, selbst wenn der persönliche Wunsch danach vorhanden ist.

Ach Corona. Du Krone, welche die „Krone der Schöpfung“ angreift. Passt eigentlich. Die Krone, durch eine andere Krone gestürzt? Und dann Rheda-Wiedenbrück. Noch nie in meinem Leben war mir die Tatsache so sehr bewusst, dass der Landkreis Gütersloh gar nicht so weit von uns entfernt ist. Als während meiner Grundschulzeit mein bester Freund mit seiner Familie nach Gütersloh zog, kam es mir wie eine halbe Weltreise vor, wenn wir die Familie besuchten. Lange Zeit dachten wir bei Gütersloh bestenfalls an die Weltmarke für Waschmaschinen oder wenn wir einen Clown gefrühstückt hatten, wurde die stationäre psychiatrische Einrichtung dort mit der Stadt in Verbindung gebracht.

Inzwischen verbindet ganz Deutschland den „Schweinebaron“ und einen leider inzwischen möglicherweise ausufernden Corona-Ausbruch unter seiner Belegschaft mit Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück. Wenn du schon einmal auf der A2 an Rheda vorbeigefahren bist, hast du möglicherweise den riesigen Werbepylonen mit den lächelnden Tieren (Bulle, Kuh und Schwein) darauf bemerkt. Ganz davon abgesehen, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie man „Lächeln“ und „Schlachtbank“ gemeinsam denken kann, spätestens seit Mitte der letzten Woche kann sich niemand mehr herausreden, er wüsste nicht, wie Fleischindustrie funktioniert. Industrie, nicht Schlachterhandwerk! (Noch dazu wissen wir auch jetzt, dass die Menge der „Fleischarbeiter“ nicht Teilmenge der Menge „Bevölkerung“ ist, sondern mathematisch und menschlich gesehen daneben steht. Mengenlehre hatte ich schon in der Grundschule, aber nicht dieser ganz fiesen Art!)

Möglicherweise müssen wir dem Virus sogar dankbar sein, dass es hoffentlich jetzt zu einer Abschaffung dieser Arbeitsweise kommt. Obwohl, nun schlagen sich die Befürworter und Gegner unterschiedlicher Ernährungskonzepte zumindest virtuell gegenseitig die Köpfe ein. Statt zu respektieren, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, sich vielseitig und abwechslungsreich zu ernähren (wobei viele Menschen auch aus gesundheitlichen Gründen das Eine brauchen und das Andere besser weglassen), und sich gemeinsam gegen Ausbeutung von Menschen, Tieren und Umwelt zu wenden, drischt man verbal aufeinander ein. So ein hanebüchener Unsinn. Vernunft und Maßhalten sind nicht sexy. Aber auf jeden Fall wird über den Wert von Lebensmitteln, auch jenseits von Euro und Cent, debattiert.

Und dann kommt ein großer Lebensmitteldiscounter 9 Tage vor der Mehrwertsteuersenkung und kündigt an: „Wir senken die Mehrwertsteuer jetzt schon und senken die Preise um 10%“. Sofort ist der Geifer wieder da, von den Fernsehsendern werden Menschen interviewt, die mit strahlenden Augen erklären: „Boah, das ist so toll, es wird jetzt alles viel billiger, da kann man viel mehr kaufen!“ (Ich hoffe nur, dass sie dann nicht auch mehr wegschmeißen!) Und ich sitze vor dem Fernseher und denke: „Kopf-Wand. Kopf-Wand. Kopf-Wand…“ Ich möchte irgendwo reinbeißen.

Erstens: man kann die Mehrwertsteuer nicht jetzt schon senken. Man kann das nur erzählen und hoffen, dass die Leute nach dem Einkauf nicht so genau auf ihren Bon gucken. Denn natürlich stehen da bis einschließlich 30. Juni noch 7 und 19% drauf. Das ist genau so ein Nepp wie „Wir schenken Ihnen die Mehrwertsteuer“ bei den Elektronikriesen. Aber naja. Zweitens: Die Steuer wird nicht um 10, sondern je nach Steuersatz um 2 oder 3% gesenkt. Und drittens: Hatten wir nicht erst vor ein paar Tagen zerknirscht darüber nachgedacht, ob bei uns die LEBENSmittel den Wert bekommen, der ihnen zusteht? Und jetzt sind wir wieder bei „Hauptsache viel, billig und macht satt“? Am Ende muss sich doch jeder Landwirt, der ganz zaghaft hoffte, dass man seiner Arbeit, egal ob konventionell oder bio, endlich mal Respekt zollt, jeder Arbeiter in den nahrungsverarbeitenden Gewerben, der auf faire Löhne hoffte, jeder kleine Ladenbesitzer, der bei dem Wahnsinn nicht mitmacht, schlichtweg vereimert fühlen.

Ich weiß selbst, dass es nicht immer ganz einfach ist, sich diesem ganzen Schnäppchenmist zu entziehen. Ich versuche es, habe nicht immer Erfolg dabei, könnte mich danach sonstwo hin beißen. Und versuche es erneut. Es ist, wenn man nicht in der Stadt lebt, auch nicht immer ganz einfach. Ein bisschen paradox ist es schon, denn man sollte meinen, auf dem Land, wo die Erzeuger sitzen, da bekommt man auch alles. Aber zum Beispiel bei der Hausschlachtung gibt es so viele Regeln, Vorgaben und Vorschriften, die einzuhalten sind, dass kann schlichtweg kaum ein Landwirt leisten. Und durch die Spezialisierung auf bestimmte Kernkompetenzen, ohne die auch kaum ein Landwirt existieren kann, gibt es auch wenige Hofläden, die ein Vollsortiment an Lebensmitteln anbieten können. Und nicht zuletzt ist es ebenfalls kontraproduktiv, wenn ich für meine unterschiedlichen Bionahrungsmittel mehr als 50km durch die Gegend juckeln muss. Ich habe aber erfreulicherweise festgestellt, dass es hier inzwischen Netzwerke gibt (unter anderem eine Facebookgruppe) und manche Landwirte auch gegenseitig ihre Erzeugnisse in ihren Hofläden verkaufen. Das finde ich total klasse.

Danke, dass du bis hierhin mitgelesen hast. Jetzt geht es mir schon etwas besser, der Druck ist aus dem Wasserkessel erstmal raus.

Zum Nachdenken am Schluss noch ein Gedanke von Albert Camus: „Wer etwas will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.“ Ich wünsche dir einen guten Weg!

Wie ich zum Nähen kam

Als ich ein Kind war, stand im Winter auch immer die Nähmaschine meiner Mutter, damals noch ein Modell, dass man aus einem Schränkchen zauberte, welches dafür aufgeklappt wurde, mit einer großen Trittplatte unten drunter (die mit Beinkraft betrieben wurde), offen im Schlafzimmer meiner Eltern. Meine Mama nähte aber mit viel Freude Kleidung, wie es in sehr vielen Haushalten üblich war. Burda-Hefte wurden gesammelt, und zu Kindergartenzeiten wurde es immer dann interessant für mich, wenn es auf Karneval zuging. Denn sie nähte aus glänzendem Futtertaft in bunten Farben für meine Freundin und mich die schönsten Kostüme.

Mit einsetzender Pubertät waren Nähmaschinen notwendig, um die neu gekauften Jeans auch wirklich hauteng abzunähen, denn die gab es zu der Zeit noch nicht mit Stretch-Anteil und „super skinny“. Danach war die Nähmaschine erstmal lange Zeit uninteressant.

Nachdem meine Mutter vor elf Jahren gestorben war, „erbte“ ich auch die Nähmaschine, inzwischen ein moderneres Modell, das man auf den Küchentisch oder so stellen konnte, mit einem kleinen elektrischen Fußpedal. Und so manchen Stoffrest. Aus Neugier und weil ich in meiner Unkenntnis dachte, es sei wenig Aufwand, weil nur gerade Nähte, keine Raffungen und Rockfalten, weder Abnäher noch Knopflöcher notwendig waren, besorgte ich mir eine Patchworkzeitung. Ich glaube, eine amerikanische Buchlektüre spielte auch eine Rolle, es müssten die Krimis von Earlene Fowler gewesen sein. Ich wusste es nicht besser, und als ich gelernt hatte, dass es kaum etwas mit mehr Aufwand gibt, als kleine Stoffschnipsel aneinanderzunähen, so dass es hinterher schön kreativ, ordentlich und brauchbar aussieht, da war es bereits zu spät. Mich hatte das Quiltvirus gepackt. Nicht zu jeder Zeit gleich intensiv, aber doch immer wieder. Inzwischen hatte mein Mann mir auch eine elektronische Nähmaschine geschenkt.

Und so ging es los. Messen, schneiden, nähen, und immer wieder: bügeln! Jede kleine Naht wird sorgfältig ausgebügelt. Und zwischendurch nachgemessen, ob die Nahtzugaben stimmen, ob die entstehenden Blocks die beabsichtigte Größe haben, und ja, dann und wann gehört es auch dazu, grummelnd eine Naht wieder aufzutrennen und neu zu nähen…

Und ist dann endlich das Top (die spätere Oberseite) zusammengestellt, mehrere Male die Blöcke neu angeordnet, weil es anders doch schöner aussieht, schließlich auch noch glücklich zusammengenäht, beginnt das Bügeln von Neuem. Denn auch das Gesamtstück muss wieder gut glatt und die Nähte schön flach gebügelt werden. Schließlich ist es soweit: Unterseite, Vlies und Top werden ausgelegt, ausgerichtet, glattgezogen, nochmal ausgerichtet, hier und da noch ein bisschen gezuppelt, geheftet. Wobei man höllisch aufpassen muss, dass es beim Heften nicht wieder verrutscht.

Und dann kann man endlich ans Quilten gehen. Das Quiltsandwich wird aufgerollt, Stück für Stück beim Nähen wieder abgerollt und dafür an der fertigen Seite wieder aufgerollt (oder man hat einen großen Maschinenquiltrahmen), man hat seine liebe Mühe mit den „Würsten“ rechts und links der Nadelplatte. Danach ist man aber immer noch nicht fertig, denn: richtig, es wird gebügelt😂. Schlussendlich bekommt das Ganze noch ein „Binding“ sprich eine Randeinfassung, und nach dem finalen Bügeln hat man dann ein außergewöhnliches Geschenk, das seinem neuen Besitzer hoffentlich viel Spaß macht.

Wenn ich auch im „wirklichen Leben“ nicht unbedingt vor Geduld strotze, hierbei kann ich zur Ruhe kommen, die Welt um mich herum und die Zeit vergessen, ich bin „im Flow“. Auch im Garten kann ich so vor mich hin puzzeln, ich stelle nur leider fest, dass mir mein Rheuma zu manchen Zeiten den Spaß an der Gartenarbeit vermiest: Weder zu kalt (dann kann ich mich nicht gut bewegen)noch zu warm (davon kriege ich dicke Finger und kann nicht richtig greifen) darf es sein; ist der Boden zu nass oder zu trocken, fehlt mir die Kraft, ihn zu bewegen. Da braucht man doch einen Ausgleich, sonst wird man ja total kirre.

Im Leben, beim Kochen und beim Nähen geht es mir außerdem oft so, dass ich da etwas habe, ein Material, aber ich weiß nicht, was dabei herauskommt, wenn ich mich damit beschäftige. Ob es gelingt oder ein Fehlversuch wird, ob ich einen Fortschritt erziele oder zurücktrete und feststelle, dass es anders gekommen ist als ich es mir gedacht hatte. Und wer weiß, wohin mich dieser Weg noch bringt, wo die Etappen liegen, wo ich ankommen werde.

Ja, und inzwischen arbeite ich auch mit der vierten Nähmaschine, mit großem Quilttisch und einigem an Zubehör, welches noch mehr Spaß beim Nähen macht.

Gerümpel

Zur Schreibeinladung von Christiane geht es hier:

Die Wortspende kommt von Books2Cats und lautet: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Endloses Tröpfeln. Sicher, es ist notwendig, und irgendwie freut sie sich auch darüber. Dann wächst das Gemüse im Garten und die Zisterne füllt sich auch mal wieder. Aber die Untätigkeit macht ihr zu schaffen. Für eine halbe Stunde ist es ja auch entspannend, dem Regen zuzuschauen, zu sehen, wie das staubige Grau sich langsam von den Blättern der Bäume abwäscht. Aber so ein ganzes Wochenende hält sie das nicht durch.

„Du sag mal, wenn es in den nächsten Tagen sowieso regnet, könnten wir doch mal den Geräteschuppen aufräumen.“ – „Och nee, muss das sein? Ich habe mich so gefreut, endlich diesen dicken Schinken zu Ende zu lesen…“ seufzt er aus dem Lesesessel. Er mag es nicht, mit solchen Hauruck-Aktionen überrascht zu werden. Aber wann wäre jemals der richtige Zeitpunkt? Etwas genervt dreht sie sich um. „Ich kann es ja auch allein in Angriff nehmen, aber zumindest bei diesem unförmigen kupferfarbenen Gestell musst du mir wirklich zur Hand gehen. Du warst so stolz damals, als du es in dem Kunsthandwerkerkurs zusammengelötet hast, weißt du noch? Wir haben sogar alle unsere Freunde eingeladen, weil du es geschafft hast, ohne dich zu verletzen. Wir mussten das ganz einfach feiern! Aber wenn es jetzt seit Jahren nur noch im Schuppen steht und Platz wegnimmt, dann kann es genauso gut weg!“

Er versinkt immer tiefer im Sessel. Ja, das war sein einziger Ausflug in die praktische Ausübung einer handwerklichen Tätigkeit. Und es hat sogar Spaß gemacht. Aber er ist nun mal ein Mann des gedruckten Wortes. Ob sie ihn für einen Versager hält? Weil er virtuos mit Worten jonglieren kann, aber ansonsten zwei linke Hände hat?

Sie schaut liebevoll, nachsichtig lächelnd. Sie kennt und liebt ihn so. Dann fragt sie eben den Nachbarn. Als Gurkengestell taugt das merkwürdige Teil bestimmt noch, wenn es erstmal draußen ist…

(exakt 300 Wörter)

Gottesdienst in Corona-Zeiten

Ja, es ist anders und auch gewöhnungsbedürftig. Und ja, es ist merkwürdig, mit Maske in die Kirche zu gehen, sich dort namentlich registrieren zu lassen und sich dann auf vorher definierte, gleichmäßig verteilte Plätze zu setzen. Und statt zu singen, sich Vorträge von Orgel, Klavier oder Gitarre anzuhören.

Aber andererseits: verteilt haben die Besucher schon immer gesessen, nur eben auf ihren „Stammplätzen“, am liebsten möglichst weit weg vom Pfarrer. Durch die gleichmäßige Verteilung und die „Abstandsdeko“ in unserer Kirche sieht es von hinten aus gesehen sogar voller aus als sonst.

Naja, und was den Gemeindegesang angeht, wenn 40 Menschen in einer Kirche sitzen, die über 1000 Leute fasst, und dann noch die Orgel gespielt wird, man wird dann gerade bei Liedern, die nicht so geläufig sind, meist vom Instrument übertönt.

Deswegen mag ich an unserem Corona-Gottesdienst-Konzept, dass sich Musiker aus den Bereichen Organisten, Chorleuten, Lobpreis abwechseln und dass dadurch eine größere Vielfalt an Musikstilen vorkommt. Auch ungewöhnliche musikalische Allianzen entstehen. Und dadurch bekommt der Gottesdienst auch eine Dimension von Kulturvermittlung: ohne mich auf einen Text konzentrieren zu müssen, kann ich die Musik genießen, verinnerlichen, einfach wirken lassen.

Also gilt hier wie in vielen Lebensbereichen: nicht nur beklagen, was alles nicht so klappt oder Nachteile bringt, sondern einfach mal darauf einlassen und ganz neue Schätze entdecken😊.

Leben ist, was passiert…

… während du andere Pläne machst!

Wochenlang hatte ich Zeit, mir das Für und Wider des eigenen kleinen Geschäftsmodells zu überlegen, was ich auch von allen Seiten tat und zu dem Schluss kam, dass ich die Zeit dafür übrig habe. Doch kaum war die Entscheidung gefallen und das Kleingewerbe angemeldet, kam unsere fürsorgliche Regierung mit einem Konjunkturpaket um die Ecke, das in Teilen sehr dazu geeignet ist, überrascht zu sein.

Keine Autoprämie, dafür Mehrwertsteuersenkungen für alle! Klingt doch super. Hm. Wenn ich in einer Woche sagen wir mal für 100 € Lebensmittel kaufe, spare ich damit 2 €. Im Monat ungefähr 8-10 €, im halben Jahr sind es dann je nachdem, wenn ich für Weihnachten etwas mehr einkalkuliere, 60-80 €. Und ich kaufe, so denke ich mal, nicht nur das Billigste ein. Allerdings auch keinen Schampus und Kaviar und so. Kaufe ich mir im Media Markt einen neuen Fernseher für heute 1.200 €, dann spare ich, wenn ich das in die erste Juliwoche lege, immerhin schon 30 €. Aber ich kaufe ja nicht ständig neue Unterhaltungselektronik oder Haushaltsgeräte. Also auch noch im Rahmen. Kaufe ich mir aber einen neuen, spritfressenden SUV, der beim Autohändler meines Vertrauens so herumsteht und auf Käufer wartet, dann spare ich im Juli bei einem angenommenen Nettopreis von 70.000 € über 2.000 €. So viel Elektronik und Lebensmittel kann ich in diesem halben Jahr überhaupt nicht bewältigen, um diese Ersparnis hinzubekommen. Also, ich habe ja quasi nur darauf gewartet, mir einen nigelnagelneuen Pickup oder Multivan zuzulegen…🤔. Bitte nicht falsch verstehen, ich gönne jedem Einzelnen den günstigeren Wocheneinkauf, und auch wenn der Fernseher kaputt ist und man dann ein bisschen Schnäppchen finden kann, ist das toll.

Aber sollen wir jetzt alle die Märkte stürmen und Massen an Elektroschrott produzieren? Kühlschränke austauschen, die noch 5 Jahre Lebensdauer haben könnten? Neue Smartphones braucht das Land, egal wo die Rohstoffe herkommen? Und die armen Autokonzerne werden doch noch die Spritschleudern in den Showrooms los? Und wer denkt an Einzelhändler, die nicht mit elektronischen Preisanzeigen, regalweiser Auszeichnung oder Warenwirtschaftssystemen arbeiten? Die 1000ende Artikel in den Läden zum Stichtag neu auszeichnen müssen? Weil in Deutschland eine Verordnung regelt, dass jedes Teil, das zum Verkauf angeboten wird, korrekt ausgezeichnet werden muss? Da freut sich auch unser bevorzugtes Modehaus in Minden, wenn die ganzen Schlüpfer, Socken und BHs alle neue Etiketten brauchen, geschweige denn die hochklassige Mode aus aller Welt. Denn zumindest vor Corona waren diese ganzen Teile einzeln mit Preisen versehen.

Ach, jetzt hab ich mich doch noch aufgeregt. Das wollte ich ja eigentlich gar nicht. Und es ist ja tatsächlich auch einiges an Gutem bei dem ganzen Paket entstanden. Wenn ich mir auch mehr Unterstützung für den Bildungs- und Kulturbereich gewünscht hätte. Aber gut. Oder so. Eigentlich wollte ich ja darüber schreiben, dass ich weiß, was ich an Material habe, was ich daraus nähen möchte, dass ich vermutlich den WP-Account erweitern werde um eine Shop-Möglichkeit. Und ich muss nähen, damit ich etwas anzubieten habe. Und jetzt kommt diese Mehrwertsteuer und beschert uns einen Juni pickepackevoll mit Arbeit. Zuerst Edgar, der muss programmieren. Und ich muss das Programmierte dann auf Herz und Nieren prüfen, ob alles richtig läuft. Immerhin gut, dass es nicht im Juli für den August geplant wurde, sonst wäre unser Segeltörn wohl mal wieder ins Ijsselmeer gefallen.

Naja. Ist jetzt so. Für euch schon mal zum Gucken habe ich immerhin die Kissen oben. Das mit dem Fahrradmotiv war eine Auftragsarbeit für eine Freundin, die in ihrem Wohnwagen ein ungenutztes Kissen-Inlett gefunden hatte. Weitere Näharbeiten, die ich angefertigt habe, findet ihr im Blog unter der Rubrik „Northern Star by Annuschka“, ganz oben im Menü.

Martin Luther King

Der Anhänger des gewaltlosen Widerstandes ist mit dem, der sich in sein Schicksal ergibt, einer Meinung, dass man nicht tätlich gegen seinen Gegner vorgehen soll. Andererseits ist er aber auch mit dem, der für Gewalt ist, einig, dass man dem Bösen Widerstand leisten muss. Er vermeidet die Widerstandslosigkeit des Ersteren und den gewaltsamen Widerstand des Letzteren. Wer gewaltlosen Widerstand leistet, braucht sich weder als Einzelperson noch als Gruppe irgendeinem Unrecht zu beugen; er braucht aber auch nicht zur Gewalt zu greifen, um sich Recht zu verschaffen.

Das schreibt Martin Luther King in seinem Buch „Freiheit“. Weil das Thema Widerstand mit oder ohne Gewalt aktuell wie lange nicht ist, möchte ich heute auf das Buch von Klaus Dieter Härtel über den Pastor und Bürgerrechtler Martin Luther King hinweisen, das ich schon vor ein paar Monaten gelesen, aber bisher nicht vorgestellt habe. Vermutlich war die Zeit im Herbst 2019 einfach noch nicht gekommen.

Das Buch ist in seiner ersten Auflage bereits im Jahr 1968 erschienen, in dem King erschossen wurde. 2019 erschien die 5. Auflage, ein Kassenknüller war das Buch also nie. Aber es ist ein wichtiges Buch, denn es erzählt Missstände, die in den Jahren 1955 bis 1968 in der Agenda des alltäglichen Lebens Schwarzer in den USA den Alltag bestimmten. Und den Weg, mit dem King und andere, nicht nur schwarze, Bürgerrechtler dagegen angingen. Es erzählt von Erfolgen, Stolpersteinen, blindem Hass auf beiden Seiten, aber vor allem von dem Ringen um den richtigen Weg. Vom Anspruch, Ungerechtigkeiten nicht mit anderen Ungerechtigkeiten zu beantworten. Von der ungeheuren Anstrengung, auf Gewalt nicht mit Gegengewalt zu reagieren. Von der Überzeugung, dass ein gemeinsames friedliches Leben nicht nur wünschenswert, sondern auch möglich ist.

Heute, im Jahr 2020, haben die USA sogar einen farbigen Präsidenten hinter sich, was in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts überhaupt nicht denkbar war. Es hat sich also tatsächlich etwas geändert. Tatsache ist aber auch, dass leider mit allen kleineren und größeren Freiheiten für Nicht-Weiße die Anzahl derer wächst, die sich offen dazu bekennen, diese Entwicklung nicht zu wollen, sogar mit allen Mitteln dagegen anzugehen.

Wir müssen dafür nicht einmal über den großen Teich schauen, in Deutschland sieht es nicht viel anders aus. Auch hier wird Alltags-Rassismus wieder gesellschaftsfähig. Ich unterstelle dabei, dass es nicht einmal immer böswillig ist, sondern oft einfach gedankenlos. Weil wir andere Menschen einfach gern in Schubladen sortieren: Ostfriesen, Bayern, Sachsen, Schwaben oder Ostwestfalen. Alle mit entsprechenden Attributen (oder Vorurteilen) der Herkunft verknüpft. Dann rothaarige Iren, Engländer mit unmöglichen kulinarischen Vorlieben, feurige Italiener und Spanier, freizügige Schweden, erzkatholische Polen… Wirklich fies wird es aber, wenn wir bestimmten Volksgruppen verächtliche Züge „andichten“. Zum Beispiel Gloria von Thurn und Taxis: Eine bekannte Äußerung von ihr stammt aus der Talkshow Friedman vom 9. Mai 2001: „Afrika hat Probleme nicht wegen fehlender Verhütung. Da sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gloria_von_Thurn_und_Taxis#:~:text=Eine%20bekannte%20%C3%84u%C3%9Ferung%20von%20ihr,Der%20Schwarze%20schnackselt%20gerne.) Auch ihr unterstelle ich erstmal, dass sie diesen Satz einfach mal rausgehauen hat, ohne groß darüber nachzudenken. Vielleicht, weil er das Potenzial zu großer Reichweite hat oder weil man in einer Talkshow einfach nicht immer die intelligentesten Äußerungen von sich gibt.

Auch, wenn die erste Assoziation, die man zu libanesischen Mitbürgern hat „Clankriminalität“ lautet, ist das eine Art von Social Profiling, die alles andere als in Ordnung ist. Mal überlegen: Wenn das Bild „des Deutschen an sich“ in der Welt wäre: Alle deutschen Männer sind Kinderschänder, denn da gibt es Lügde und Bergisch Gladbach und andere bekannt gewordene Verbrechen… Klar, oder? Ist ja schon schlimm genug, dass wir alle Sauerkraut und Hax’n essen, während wir Dirndl oder Krachlederne am Leib tragen und Bier aus Maßkrügen dazu trinken😂.

Aber zurück zum Buch: Die Idee des gewaltlosen Widerstandes ist nach wie vor die beste, die es gegen Ungerechtigkeit gibt. Denn man kann Unrecht nicht mit anderem Unrecht bekämpfen. Daher mein Fazit: Dieses Büchlein zu lesen lohnt sich unbedingt. Denn leider ist trotz vieler Fortschritte, die es auch gegeben hat, immer noch zu viel Ungerechtigkeit gegen Schwarze (und generell gegen alle, die irgendwie „Minderheit“ sind) in der Welt.

Bibliographische Angaben: Klaus Dieter Härtel, Martin Luther King, Brunnen Verlag Gießen, ISBN 978-3-7655-4346-3, €9,99

Es ist Donnerstag…

… und es regnet. Unspektakulär, meinst du? Beides empfinde ich augenblicklich als wohltuend. (Bis auf die Tatsache, dass auf meiner Tastatur das „N“ klemmt, entspannt mich nämlich beides gerade enorm)

Fange ich mal mit dem Regen an. Der DWD hatte für gestern Abend über OWL Gewitter angekündigt. Aus Sorge um meine schönen Rosen im Garten hab ich deshalb alle mal fotografiert, so ist die Collage oben entstanden. Aber so oft ich auch das Regenradar befragte, es regnete im Südwesten, es regnete nordöstlich von uns, aber einige unbeugsame Gegenden: Ostfriesland, Münsterland und Ostwestfalen, bekamen nix ab. Ich mag nicht glauben, dass es an dem Menschenschlag dort liegt. Das eigentliche Problem für mich: meine Wassertanks sind fast leer, und ich habe begonnen, überall dort, wo Kalle buddelt, etwas zu pflanzen (wenn er das sowieso schon tut, kann es ja auch gleich zu etwas nütze sein, oder?) Ich muss also viel gießen. Es soll ja auch anwachsen. Heute früh verriet mir Google, dass ab 8:00 Uhr in Porta Westfalica Regen erwartet wird. Er kam dann wohl mit der deutschen Bahn, also zeitlich etwas großzügig ausgelegt pünktlich😁. Aber die Hauptsache: zurzeit zumindest ist es ein richtig schöner Landregen, nicht zu schwach, aber auch nicht zu stark. Meinetwegen darf das jetzt gern zwei Tage dauern.

Und es ist Donnerstag. Toll. Gibt es jede Woche, na und? Zur Erklärung: Donnerstag ist seit letzter Woche der einzige „normale“ Tag der Woche. Weil Kathrin donnerstags Präsenzunterricht in der Schule hat. Es ist ja nicht so, dass wir uns den Rest der Woche auf der Pelle hocken oder so, jeder von uns dreien sitzt meist im eigenen Zimmer und macht seinen Kram, aber irgendwie treffen wir uns zwischendurch immer mal wieder in der Küche oder auf der Terrasse und machen einen Schwatz, spielen mit den Hunden, also es ist irgendwie auch immer etwas Ferienatmosphäre dabei. Zumindest mein Tagesablauf ist davon immer wieder aus dem Trott gerissen. Das ist gar nicht unbedingt schlecht, ich habe nur öfter mal das Gefühl, ich schaffe dadurch nicht so viel. Andererseits hat es aber auch eine Qualität, denn die vier Jahre bis zu Kathrins Abi werden so schnell vorbei sein, und dann verlässt auch das letzte unserer Küken das Nest. Darüber denke ich lieber nicht so nach.

Und sonst so? Über Pfingsten habe ich bei meinen Stoffen eine spezielle Art von „Inventur“ gemacht. Also nicht so klassisch mit zählen und notieren, wovon wieviel da ist, sondern ich habe mir eine Kiste nach der anderen vorgenommen, ausgeleert, alle kleinen oder größeren Stücke gebügelt und bewertet, ob sie noch groß genug sind (so ab 4×4 cm), um damit zu nähen. Lange dünne Streifen wurden aussortiert, damit kann ich auch noch was anfangen, und durcheinander geratene Farben kamen wieder in die richtigen Kisten. Dabei kamen Erinnerungen an zurückliegende Nähprojekte, an Orte, wo ich die Stoffe erworben habe oder auch Aha-Momente: Ach, da habe ich also doch noch einen schlicht gelben Stoff für eine Rückseite? Hätte ich nicht gedacht… Die nächste Herausforderung, die im Hinterkopf lauert: Ich brauche eine vernünftige Preiskalkulation und die entsprechende Liste. Und zwar so, dass nicht alle potentiellen Käufer hinten rüberfallen, Stoffpreise und Arbeit aber trotz allem einen angemessenen Platz finden. Eine Idee habe ich schon, muss die aber jetzt in ein Excel-Kalkulationsschema gießen. Uff. Aber auch sowas gehört dazu. Die Nähmaschine muss noch ein paar Tage warten, aber zumindest habe ich das Quilttop für meinen ersten Auftrag schon soweit fertig. Es muss noch gequiltet werden und dann die Rückseite für das Kissen genäht werden.

Wieder Themenwechsel. Das geht hier zu wie in meinem Kopf, sorry. Seit einigen Tagen habe ich schon ein paar Zeitungsseiten auf dem Schreibtisch liegen, weil mir Themen aufgefallen sind, die in der letzten Woche in der Lokalpresse hochkamen und die ich ziemlich erwähnenswert fand. Um hier wieder Ordnung zu bekommen, verbrate ich die jetzt noch kurz und knackig:

Als erstes: Beim Kompostwerk unseres Entsorgers beklagt man, dass immer mehr Restmüll und Wertstoffe in den Biotonnen landen. Ich frage mich: Warum? Es liegt doch auf der Hand, dass am Ende alle Haushalte dafür zahlen müssen, wenn wegen des erhöhten Sortierbedarfs die Gebühren steigen und zudem die Qualität des gewonnenen Komposts deutlich sinkt. Klar kann es passieren, dass man mal den falschen Tonnendeckel hebt, aber wenn ich am Abend vor der Leerung der Biotonnen mit den Hunden durchs Dorf gehe, dann sehe ich aus manchen Biotonnen sogar oben die Restmülltüten mit nicht kompostierbaren Abfällen herausragen. Da die Tonnen nicht mehr von Müllwerkern an die LKWs gefahren werden, sondern mit automatischen Seitenladern gearbeitet wird, fällt das den Fahrern sicher nicht immer auf. Denn diese Tonnen müssten eigentlich stehen bleiben mit dem Vermerk an die Besitzer, sie mögen bitte erst mal selbst ihren Müll ordentlich sortieren…

Minden hat Busfahrermangel. Und es wird damit gerechnet, dass dieser sich verschärft. Aber gerade der ÖPNV sollte doch eine Hauptsäule der sich wandelnden Mobilität werden. Hm. Wenn sich die Lufthansa verkleinert, könnten doch Piloten …, aber die sind eindeutig überqualifiziert (obwohl, ein bisschen erinnert es schon manchmal an Tiefflüge, wenn die Busfahrer in die Kurven brettern, weil sie noch die Ampelphase erwischen wollen) und hätten dann wesentlich geringere Gehälter. A propos Lufthansa, ich hoffe schwer, dass die Bundesregierung als Anteilshalter der Lufthansa sich zwar nicht in die Flugpläne, dafür aber in die Steuergestaltung einmischt. Denn ein Konzern, der letztendlich von jedem einzelnen Steuerzahler gestützt wird, der sollte auch verdammt nochmal alle seine Steuern hier zahlen und sich fair verhalten. Punkt!

Die Rubrik „Mittagstisch“ ist eine Sammlung von Restaurants und Bistros in der Stadt, die mittags Essen (zum Mitnehmen) für alle anbieten, die nicht selbst kochen mögen oder bei der Arbeit etwas nahrhaftes in der Mittagspause essen wollen. Ich schaue da gern durch, auch zur eigenen Inspiration. Aber mit einer Vegetarierin im Haus und zwei Menschen, die nicht mehr bereit sind, Schlachthauskonzerne zu unterstützen, hat es nur noch wenig Wert. Fast jeder Anbieter (außer dem Fischbäcker) hat Fleisch an jedem Tag im Angebot. Und alles andere ist „Sättigungsbeilage“. Da steht noch viel Umdenken bevor.

Insgesamt stelle ich fest, dass mich in den Lockdownzeiten das Zeitunglesen mehr entspannt hat. Klar gab es die täglichen Corona-Meldungen, aber die Redaktion hat in der Zeit unheimlich viel Ermutigendes geschrieben, positive Dinge, die Menschen in unserer Region auf die Beine gestellt haben. Jetzt, wo immer mehr gelockert wird, kommt der alltägliche Wahnsinn aus Vor-Corona-Zeiten wieder: Meckerei an der Regierung, an Deutschland, an jedem Pups, der quer sitzt. Begehrlichkeiten von großen Lobbygruppen, Wirtschaftsverbänden, neoliberalen Akteuren. Alles weiter, höher, schneller! Weg ist die Demut, die Erkenntnis, dass es nicht immer so weitergehen kann.

Ich höre jetzt auf. Sonst ist meine positive Grundstimmung vom Anfang des Artikels völlig im Eimer. In diesem Sinne: Ich hoffe, du kannst auch das Geräusch von sanft fallendem Regen genießen und musst nicht fürchten, dass ein Sturzbach durch deinen Keller fließt. Einen schönen, ganz normalen Donnerstag!

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

Dieser oft bemühte Satz ist eine Zeile aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse. Zum Neubeginn, sogar auf Geburtsanzeigen habe ich den Satz schon häufig gelesen. Was gern unterschlagen wird, ist der Zusammenhang des Gedichtes. Dort geht es nämlich nicht nur um Anfänge, sondern auch um das Loslassen, das Beenden, den Wandel. Vom Anfang bis zum „Good bye“, alles gehört zu einem Lebenszyklus.

In der Bibel heißt es etwas anders: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“ und auch dort folgen ganz gegensätzliche Begriffe, die das Werden und Vergehen repräsentieren.

Aber für heute bleibe ich beim Anfang. Ab heute bin ich offiziell und angemeldet eine Gewerbetreibende. Nicht komplett unbekannt für mich, denn ich war bereits fünf Jahre selbständig. Aber heute ist es anders, denn ich habe keinen wirtschaftlichen Druck, sondern ich möchte ganz einfach das tun, was ich gern tue, nämlich nähen, fotografieren, gestalten, vielleicht auch kochen. Damit ich das aber immer weiter tun kann, muss ich irgendwo hin mit meinen „Erzeugnissen“. Und was liegt näher, als sie nicht nur selbst zu verschenken, sondern auch anderen zu verkaufen, die selbst ganz andere Talente haben als ich, aber zufällig das mögen, was ich im Überfluss angefertigt habe. So in etwa war mein Gedankengang.

Außerdem ist mir in den letzten Jahren der Nachhaltigkeitsgedanke immer wichtiger geworden, und so nähe ich nicht nur mit neuen wunderschönen Patchworkstoffen, die eigens für dieses Hobby hergestellt werden, sondern auch mit alten, gebrauchten Stoffen, die schon eine Geschichte hinter sich haben. Das Kissen, welches mein Logo darstellt, besteht demzufolge aus zwei ehemaligen Lieblingshemden meines Mannes, die Rückseite ist Teil eines gefärbten Bettlakens, das vor einigen Jahren für ein Karnevalskostüm eingefärbt wurde und zuvor vermutlich lange Jahre meinen Großeltern kühle Sommernächte gesichert hat.

Ich gebe mir jetzt erstmal ein Jahr Zeit. Entweder es klappt, oder ich bin mal wieder um eine Erfahrung reicher und die Gebühren für eine Gewerbeanmeldung ärmer. Ich werde nicht ständig so viel Aufmerksamkeit in diese Idee stecken können, wie sie es verdient hätte, denn ich habe ja alle anderen Sachen, die ich so mache, deswegen nicht aufgegeben. Aber es nicht zu versuchen, hätte nicht nur ich als vertane Chance angesehen, sondern auch Julia und Daniela, die mich sanft in die richtige Richtung geschubst haben und Edgar, der gesagt hat: Wenn du glaubst, es ist das Richtige, dann tu es. Danke euch allen, die mich ermutigt habt und es auch weiter tut.