Auf zu neuen Ufern….

…nein, soweit wird es nicht kommen. Aber einen Blick über den Tellerrand werden wir heute werfen. Unser Malche-Kurs macht heute eine Exkursion nach Hannover, und wir besuchen dort das budddhistische Zentrum, eine liberale jüdische Gemeinde und den Hindu-Tempel. Die muslimischen Gemeinden hatten (obwohl sie es wirklich versucht haben) heute leider keine Zeit für uns, da dort das Zuckerfest gefeiert wird zum Abschluss des Ramadans.

Ich bin total gespannt, was uns der Tag heute so bringt… Bericht folgt.

Essen für Fortgeschrittene oder: Wider den inneren Schweinehund

Meistens fühle ich mich gesund. Auch auf die normalen Nachfragen „Wie geht’s?“, wenn ich alte Bekannte treffe, antworte ich eigentlich immer mit „Gut, danke.“ Nicht aus Höflichkeit, sondern weil ich mich meist einfach ganz gut oder zumindest in Ordnung fühle. Ich schleppe auch nicht täglich meine Erkrankungen als Ballast mit mir herum. Aber vor gut zwei Monaten wurde es dann doch zu viel.

Blutdruck habe ich reichlich, und das schon seit 12 Jahren. Dann kam allergisches Asthma (Hausstaubmilben) dazu, kurz danach eine rheumatische Erkrankung. Für alles gibt es Medikamente. Das heißt dann, mehr oder weniger regelmäßige Besuche bei Hausarzt, Lungenfacharzt (da haben wir noch nicht mal einen in der Stadt), Kardiologin und Rheumatologe. Gewöhnt frau sich dran. Das Herumsitzen in irgendwelchen Wartezimmern schafft ja auch gewisse Ruheinseln im Alltag…

Im Zuge meines Bandscheibenvorfalls knallte mir die Hausärztin dann aber an den Kopf „Naja, eine chronische Niereninsuffizienz haben Sie ja auch, eigentlich sind Sie dafür ein bisschen jung…“ BITTE? Der Nierenfacharzt hatte mir doch letztes Jahr gesagt, altersgemäß (was heißt das eigentlich?) alles soweit in Ordnung. Ihre Meinung: „Nephrologen haben da manchmal einen speziellen Humor. Es ist zwar noch nicht dramatisch, aber Ihre Nieren arbeiten nicht mehr einwandfrei.“

Ich hab da keine Lust drauf. Auch wenn es noch nicht dramatisch ist. So viel weiß ich: wenn die Nieren nicht so wollen, wie sie sollen, sagen sie dem Blutdruck, er soll sich mal gefälligst mehr anstrengen. Das macht der prompt, und dann krieg ich noch mehr Blutdrucktabletten. Die dann wieder von den Nieren abgebaut werden sollen, die nicht so wollen….

Also: Ich fühle mich nicht krank, und das soll auch so lange wie möglich so bleiben! Andererseits: Ich kenne meinen inneren Schweinehund schon ziemlich lange und gut. Ich weiß, wie der tickt, und ich weiß auch, dass ich nur ein gewisses Maß an Selbstdisziplin mitbekommen habe. Im Grunde ernähre ich mich ja nicht total ungesund, aber es gibt da doch noch Luft nach oben und einige Stellschrauben, die noch nicht zu fest angezogen sind.

Deswegen habe ich meine Abschlussprüfung der Ausbildung um ein Jahr verschoben, denn: Ernährung umstellen, während ich recherchiere und schreibe, das kann nicht gut gehen. Und dann steigt der Frustpegel so an, dass ich noch mehr ungesundes Zeugs futtere. Ergo ist die Priorität dann jetzt einfach mal Gesundheit.

Zuerst bin ich die Sache intuitiv angegangen. (Noch) weniger Fleisch, weniger Fett, weniger Knabberzeug und Süßkram. Und weniger Salz. Aber jetzt kommt es: je mehr ich verzichte, desto öfter kommt das fast unwiderstehliche Verlangen nach Chips, Salinos, Gemüsebrühe, Schokolade! Salz und Fett. Und danach das schlechte Gewissen.

Jetzt gehe ich in die Offensive: ich vergleiche mal, welche Lebensmittel mir besonders gut oder schlecht tun in Bezug auf Nieren und Rheuma. Und nachdem ich das ganze mal tabellarisch aufbereitet habe (Foto), stellt sich heraus: außer im Bereich Getreideprodukte ist da gar nicht so viel Unterschied. Ich weiß zwar immer noch nicht, warum Weizenmehl Type 405 für die Nieren besser ist, aber Vollkorn für das Rheuma, aber da werde ich dann ganz einfach abwechseln, jedes kommt mal dran und wird mal weggelassen.

Es gilt, im Großen und Ganzen bestimmte Werte einzuhalten, besonders die Zusammenstellung von Eiweiß (tierisches Eiweiß ist von der Wertigkeit besser als pflanzliches, weil es uns ähnlicher ist, es sei denn, wir bestünden aus Brokkoli) und Fetten. Das fällt mir nicht schwer, aber auch Natrium, Kalium und Phosphor haben ihre Grenzen. Dafür habe ich mir eine Nährwerttabelle zugelegt.

Um dann mal festzustellen, wie eigentlich in Bezug auf diese Nahrungsbestandteile meine aktuelle Ernährungsweise ist, habe ich spaßeshalber einmal mein Frühstück abgewogen: 2 Scheiben Vollkorntoast, ein Teelöffel Butter, zwei Esslöffel Magerquark, 2 Teelöffel Marmelade, zwei Tassen Milchkaffee. Mann und Kind schwankten zwischen der Faszination des Grauens und dem Verlangen, mich auszulachen, fürchte ich.

Dazu kommen dann noch so Gedanken wie: 1 – 2 Fischmahlzeiten pro Woche, gut, aber ist das auch umweltverträglich? Wie stelle ich einen möglichst abwechslungsreichen Speiseplan zusammen mit vielen regionalen und saisonalen Schwerpunkten, aber ohne beispielsweise im Winter fast nur Kohlgerichte auf den Tisch zu bringen?

Ich werde mal versuchen, in loser Reihenfolge über meine (Miss)erfolge und Fortschritte zu berichten. Und vielleicht sogar ein paar neue Rezepte einstellen.

Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt…

Eigentlich hat dieser Text nicht unbedingt etwas mit dem Gesangbuchlied zu tun. Aber ich habe mir den Text eben einmal genau durchgelesen. Abgesehen davon, dass ich mit Ausdrücken wie „Kampf und Sieg“ immer noch eine Gänsehaut bekomme, beschreibt er ganz gut, was in meinem Kopf umhergeistert.

Außerdem habe ich, neugierig wie ich bin, nachgesehen, was Wikipedia zur Begriffsdefinition sagt. Das sieht dann so aus:

Gemeinde (Kirchengemeinde) ist die Organisationsform der Kirchenglieder auf lokaler Ebene. Sie nimmt Aufgaben der Kirche wie das Halten von Gottesdiensten, Seelsorge, kirchliche Unterweisung und diakonische Aufgaben wahr. Der Begriff umfasst mehrere Elemente: Institution, Gesamtheit, Raum und Gemeinschaft, Konkretion, Ort.

Gemeinschaft ist definiert als überschaubare soziale Gruppe, deren Mitglieder durch ein starkes Wir-Gefühl eng miteinander verbunden sind – oftmals über Generationen. Sie gilt als ursprünglichste Form des Zusammenlebens und als Grundelement der Gesellschaft. Merkmal ist eine gewisse Abgrenzung gegen Außenstehende, eine deutliche Trennungslinie zwischen „Uns“ und den „Anderen“.

Wichtig, aber nicht unbedingt hilfreich, diese Definitionen im Hinterkopf zu haben.

Was sind wir denn eigentlich? Sind wir „nur“ eine lokale Organisationsform? Oder sind wir „Herausgerufene“ (Ecclesia), die sich  klar von allen anderen abgrenzen? Ist es wie beim lokalen Sportverein, wo man Mitgliedsgebühren zahlt und dann trainieren geht? Und im Wettkampf mit den anderen Mannschaften nur dann antreten darf, wenn man das Training regelmäßig mitmacht?

Germanys next Top Kirchengemeinde? – Sorry, heute habe ich kein Kreuz für euch?

Ja, ich weiß, das ist jetzt sehr überspitzt ausgedrückt. Ganz bewusst und provokant. Denn gerade in der Empfindung von Menschen, die (noch) nicht so sehr Insider sind, kommt es schon ziemlich nahe an das, was so manche erleben, die sich auf das Abenteuer „Gemeinde“ einlassen.

Vielleicht sollte ich mal nachschauen, was Jesus selbst zu dem Thema sagt. Er fordert uns nicht dazu auf, aus unseren eigenen Kräften heraus etwas tolles auf die Beine zu stellen. Er sagt nicht: „Leute, baut Gemeindehäuser und ladet die ein, die sowieso schon an mich glauben, das reicht.“ Er ist auch nicht der Meinung, dass wir „besser“ sind als der Rest der Menschheit.

In der Bergpredigt schärft er seinen Zuhörern ein: „Selig sind, die geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich“ Geistlich arm, was bitte ist das denn? Nur wer einen begrenzten IQ hat? Okay, das heißt es natürlich nicht. Es geht um die Erkenntnis, dass wir Menschen nun mal zeitlich und auch verstandesgemäß begrenzt sind. Dass wir an viel zu vielen Stellen einfach nicht den Durchblick haben, dass wir es mit Gott nicht aufnehmen können und es auch überhaupt nicht müssen! ER baut sein Haus. Wir sind nur die Bauhelfer.

Jesus stellt sich auch keinen exklusiven Country-Club vor. Im Gleichnis vom großen Gastmahl stellt er fest, dass diejenigen, die ursprünglich eingeladen waren, tausend Ausreden haben, nicht zu kommen. Und dass deswegen diejenigen hereingeholt werden sollen, die „draußen“ unterwegs sind, die nicht „dazugehören“.

Und er erteilt ganz am Ende seiner irdischen Zeit den Auftrag, hinaus in die Welt zu gehen und die Völker in die Jüngerschaft zu holen. In unserem kleinen Gemeindekosmos bedeutet das: Ladet diejenigen ein, die noch nicht kommen.

Wir sollen aktiv werden und nicht abwarten, bis die Menschen von sich aus kommen und sagen „Jetzt bin ich so weit. Ich glaube bereits, was ihr glaubt, jetzt will ich auch dazugehören.“

Und dann sagt er noch: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Wir laden ein, wir lehren auch, wir taufen. Aber das, worauf es wirklich ankommt, bewirkt ER. Nicht wir.

Ich wünsche mir Gemeinden, in denen wir die Menschen einladen, egal, ob sie sich schon mit Jesus auf den Weg gemacht haben, egal, wie weit sie schon auf dem Weg sind, egal, wen sie lieben. Wir laden ein, zu uns zu gehören. Der Rest wird dann kommen (Geduld…!)  Nicht „von allein“, sondern durch unsere offene Haltung und vor allem durch das Wirken unseres Herrn Jesus Christus. Auch wenn wir es nicht immer merken, ER ist bei uns. Auch dann (welche Überraschung), wenn wir ihn nicht in jeder Unterhaltung mindestens erwähnen. Wir müssen seinen Namen nicht jederzeit im Überfluss nennen, um uns dessen gewiss zu sein.

Am letzten Wochenende habe ich eine solche Gemeinschaft erleben dürfen. Einige Familien/Paare aus unserer Gemeinde haben sich zusammengeschlossen, um ein Wochenende gemeinsam zu verbringen, mit Spielen, Unterhaltungen, Singen, Kochen und Essen, mit Spaß und auch mit Andachten, Bibelarbeit und Gottesdienst. Diejenigen, die bisher keinen Zugang zum Glauben gefunden haben, waren frei darin, sich aus allem auszuklinken, was sie zu dem Zeitpunkt nicht für sich annehmen konnten. Und trotzdem waren sie vollwertige Mitglieder der Gruppe. Jeder brachte sich ein mit individuellen Talenten, Interessen und tat, was gerade „dran“ war.

Diese Gemeinschaft auf Zeit erinnerte mich an das paulinische Bild: Gemeinde als einen Leib, jeder ist ein Körperteil, hat seine spezifischen Funktionen, und Christus ist das Haupt. Nicht jeder Körperteil hat eine direkte Verbindung zum Haupt, und doch gehören sie zusammen.

Wir müssen auch nicht immer einer Meinung sein. „Eins sein“ in Christus lässt Vielfalt zu. Wir sind aber dazu aufgefordert, uns gegenseitig in Respekt und Wertschätzung, kurz: in Liebe zu begegnen und zu „ertragen“! Unmöglich? Eher nicht. Schwierig umzusetzen? Unbedingt. Scheitern inklusive. In jedem Fall die ultimative Herausforderung, so wie der gesamte Glaubensweg eine Herausforderung ist.

Um noch einmal auf das Schiff zurückzukommen… Natürlich gibt es Offiziere, aber auch Maschinisten, Matrosen, Ausguck, Funker, Stewards, Smutjes und auch Fahrgäste. Alle gehören dazu, auch die, die noch an Land vor der Gangway stehen und überlegen, ob sie seefest sind. Der Käpt’n ist Jesus, er bringt uns ans Ziel.

 

 

Untermieter live

Im April waren die Amseln eifrig damit beschäftigt, den vorhandenen „Altbau“, das Nest vom letzten Jahr, zu renovieren. Es wurde etwas aufgestockt und liebevoll mit Moos und Kalle-Haaren (die auf der Terrasse ständig herumwehen) ausgepolstert.

Dann war es eine Weile recht still, aber seit gestern sind zwei kleine Schnäbel zu sehen, die sich hochrecken, wenn Mama oder Papa Amsel mit Wurm im Schnabel angeflogen kommt. Und zwischendurch sitzt auch immer noch einer der Altvögel auf dem Nest und brütet, eine baldige Vergrößerung der Familie steht anscheinend noch ins Haus.

Das Foto ist leider etwas verschwommen, da ich nicht so sehr nah an das Nest heranwollte und deshalb mit starkem Zoom geknipst habe. Aber ich finde, es strahlt trotzdem Souveränität und Ruhe aus.

Da das Nest unter der Dachtraufe an unserer Terrasse hängt, haben wir jetzt also eine permanente Live-Schaltung auf das Familienleben unserer Amseln. Die lassen sich weder durch uns noch durch Lucy & Kalle stören. Hoffentlich bekommen sie ihre Jungen gut groß!

What a Wonderful world

Habe ich heute vormittag gefunden, als ich mein Handy entrümpelt habe.

Schaut euch das mal an, und dann überlegt, was wir gerade im Begriff sind, zu zerstören, unwiederbringlich!!!

Das Video stammt aus einer BBC-Dokumentation von Sir Richard Attenborough. Es wäre… hm, ein Jammer ist wesentlich zu schwach als Ausdruck, aber mir fällt gerade nichts anderes druckreifes ein, wenn solche Filme zukünftig nur noch als Dokumentation dessen gezeigt würden, was nicht mehr ist. Wer sind wir Menschen eigentlich, dass wir uns zum Herrn und Meister darüber aufspielen, welche Lebensformen und Lebensräume es gibt?

Mit den eigenen Händen etwas schaffen

Mein Projekt „Ich möchte wieder einen Gemüsegarten haben“ spukt schon seit einigen Jahren in meinem Kopf herum. Ehrlich gesagt, ist das auch ganz gut so, denn in diesen Jahren habe ich ihn im Kopf auch schon mehrfach umgestaltet. Aber jetzt, in diesem Frühjahr, hab ich ihn in Angriff genommen. Nachdem ich meine Physiotherapie hinter mir habe und es sich meist wieder so anfühlt, als ob die Bandscheibe da sitzt, wo sie hingehört, konnte mich nichts mehr halten. Gartenarbeit ist doch das beste Training für Rücken- und Bauchmuskulatur…

Von unseren Außenarbeiten vor ein paar Jahren liegt ein Riesenberg Pflasterklinker auf einer Palette im Garten, die verarbeite ich peu à peu zu Beetumrandungen. Der schon im letzten Herbst vorbereitete Boden (mit Motorhacke durchgepflügt und dann Bienenfreund gesät) ist jetzt gut zu beackern. Für den großen „Rest“, der noch Wiese ist, habe ich aber beschlossen, in Handarbeit vorzugehen. Daher werde ich alles, was noch kein Acker ist, das Jahr über mit reichlich Grasschnitt mulchen und im Spätherbst umgraben. Das dauert zwar lange, aber erstens bin ich mit dem kleinen Stück die nächsten Tage noch gut beschäftigt, habe ja auch noch weitere knapp 2500 qm Grundstück, die zwischendurch mal Aufmerksamkeit brauchen. Und zweitens ist das ruhige und langsamere Arbeiten für mich augenblicklich regelrecht meditativ. Es kommt dann sogar vor, dass ich mit den Regenwürmern spreche (die geben nämlich keine Widerworte 😉 ). Ich lasse die Erde durch die Finger rieseln, um Steine und Krautreste, die ich nicht im Gemüse wiederfinden möchte, zu finden.

Meine Familie wundert sich garantiert, was für merkwürdige Dinge ich teilweise mache. Ich türme Grassoden neben dem Komposthaufen. Ich sammele Reisighaufen und schichte sie scheinbar willkürlich irgendwo auf. Beim Rasenmähen lasse ich Inseln stehen. Dort sprießen nämlich jetzt Margeriten. Die müssen erstmal blühen und dann auch in Ruhe wieder einziehen können, damit sie nächstes Jahr wiederkommen. Und überhaupt wird das erste Mal gemäht, wenn der Sauerampfer geblüht hat und das Wiesenschaumkraut auch.

Steine schleppe ich von überall her an. Aus dem Wald, aus dem Vorgarten unserer ältesten Tochter, aus jedem Urlaub kommt mindestens ein Stein in den Garten, selbst die kaputten Dachziegel vom Sturmschaden finden Verwendung. Und auch daraus schichte ich hier und da kleine oder größere Hügel auf. Gern in der Sonne, und dann hoffe ich, dass sich irgendwann Zauneidechsen bei uns wohlfühlen.

Und ihr glaubt nicht, was ich beim Buddeln in unserem Garten so finde. Auf dem Dorf war es bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts üblich, dass man sich Gruben im Garten machte, wo nicht nur der Mist des Schweins und der Hühner landete, sondern auch kaputte Dinge und Hausmüll. Und so freut sich mein kleines (verhindertes Archäologen-) Herz über Funde wie Flaschenhälse, Teile von Tonkrügen, einen alten Spaten, Ofenschlacke…

Heute haben wir eine alte Gartenbank unter die Tanne neben meinem neuen Gemüsegärtchen geschleppt. Diese Bank hatte mein Opa zu seinem Ruhestand geschenkt bekommen, was laaange her ist. Es gehörten auch noch zwei Sessel und ein Tisch dazu, die nicht mehr existieren, aber die Bank ist halt noch da und wird genutzt und gepflegt. Und ich kann zukünftig bei der Arbeit im Garten ein Päuschen auf der Bank machen und mich an den kleinen Fortschritten freuen, die ich erziele.

Nur eines wird garantiert nicht passieren: Ein aufgeräumter und wildkräuterfreier Garten. Die vielen kleinen und größeren Tiere sollen sich auch weiterhin bei uns herzlich willkommen fühlen. Von Schwebfliege und Solitärbiene über Fledermäuse bis hin zu Igel und Eichhörnchen. Selbst der Maulwurf findet seinen Platz.

Warum???

Frühling in Deutschland. Vieles liegt im Argen, vieles, das wir auf andere schieben können. Vieles, das uns in seinen Auswirkungen nicht sonderlich berührt. Das Wetter zum Beispiel. Ist nur dann einen unschönen Gedanken wert, wenn es zwei Tage regnet. Ostern mit bestem Frühsommerflair. Wunderschön, es bringt die Menschen auf die Straßen, um Familienausflüge in überfüllte Parks, Freilichtmuseen und sonstwo zu machen.

Landwirte machen sich schon Sorgen, wie sie ihre Feldfrüchte durchkriegen, aber hey, „die“ sind ja selbst mit Schuld, beuten die Ländereien aus ohne Rücksicht auf Verluste. Aber Hauptsache, unsere Grilltaschen, Steaks etc. sind schön billig.

Dicke Luft in den Städten, aber mit der S-Bahn in den Zoo, das geht ja gar nicht, dieses Gedränge. Stehen wir lieber mit dem SUV eine Stunde im Stop-and-Go.

In den Alpen kommen Skifahrer durch Lawinen ums Leben, weil der Nervenkitzel so hoch war, dass sie bewusst in abgesperrte Gebiete mit hoher Lawinengefahr eingefahren sind. Tragisch, aber irgendwie selbst schuld.

Wir selbst sind erstmal Teil des Problems. Aber wollen wir auch Teil der Lösung sein? Da geht es schließlich an unsere Komfortzone…

Ganz anderes Beispiel:

Irgendwo auf der Welt werden Christen und wohlhabende Menschen aus westlichen Demokratien von Selbstmordattentätern ermordet. Eben weil sie Christen und wohlhabende Menschen sind. Auch da ist schnell ein Schuldspruch gefällt. „DER Islam“. Ich möchte in keiner Weise den gewaltbereiten Islamismus beschönigen, aber nach dem Mord an einer irischen Journalistin hieß es ja auch nicht: „DER Protestantismus“ oder „DER Katholizismus“, ich bin mir gerade nicht sicher, welcher Konfession die Täter waren. Auch im Namen Christi oder durch Christen gab und gibt es schlimme Verbrechen. Massenmorde wurden begangen, weil Menschen der Meinung waren, andere Menschen gehörten irgendwo nicht hin. In erster Linie sind die Täter immer Menschen, egal, ob sie von einer politischen oder theologischen Ideologie verblendet, aus Habsucht, Grausamkeit oder sonst einem Motiv handeln.

In allen diesen Fällen können wir Schuldige benennen, damit kommen wir irgendwie klar.

Aber was ist, wenn wir von tragischen Unglücken getroffen werden? Wenn Dinge passieren, bei denen wir keine Schuldigen anklagen können? Ich mag mir nicht ausmalen, wie jemand ohne den Glauben an eine höhere Macht, wie auch immer sie genannt wird, damit klarkommt. Aber auch gläubige Menschen haben es nicht immer automatisch leichter. Immer noch gibt es, selbst in einigen christlichen Kreisen, den Tun-Ergehen-Zusammenhang. Ein Unglück ist in diesem Zusammenhang immer eine Strafe Gottes. Eine Horror-Vorstellung.

Aber wie sieht es aus, wenn ich an Jesus als meinen Erlöser und an Gott als einen liebenden Vater glaube? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich selbst in einem solchen Fall reagieren würde. Wäre mir diese Gewissheit Trost und Hilfe? Könnte ich wie Hiob durch alles Leid hindurch an meinem Urvertrauen zu Gott festhalten? Oder würde mein Glaubensfundament bröckeln und bröseln? Hätte ich Menschen an meiner Seite, die sich nicht abwenden (Aus Hilflosigkeit, wie mit mir umzugehen ist, oder weil meine Trauerzeit anscheinend zu lange dauert oder was auch immer?)

Ich weiß es nicht. Ich hoffe, sollte mir eine solche Situation widerfahren, dass es Menschen gibt, die mich durch Trauer und Hader und Zweifel begleiten, die für mich glauben, wenn ich es selbst gerade nicht kann. Die an mich denken, auch wenn ich es nicht spüren kann, und die unaufdringlich aber beharrlich warten, bis ich wieder auftauche.

Und ich hoffe, dass auch ich in aller Hilflosigkeit eine solche Person sein kann, wenn andere mich brauchen.