A B C …

Ich habe eine Weile gebraucht, bis es zwischen dem Alphabet und mir gefunkt hat. Aber der Gedanke hat mich die ganze Zeit nicht losgelassen.

Heute habe ich dann einfach mal meinen Erinnerungen an die Kindheit nachgehangen und drauflosgeschrieben. Und siehe da, es wuchs. Danke. liebe Christiane, für diese Anregung.

Also los:

Meine Kindheit hatte viele Facetten, ist aber stark geprägt von einzelnen Personen, einer ländlichen Einfachheit und ziemlich viel Natur.

Ich erinnere mich an den Apfelbaum, in dem ich gern geklettert bin, an Blutflecken, bevorzugt auf weißen Söckchen, wenn ich mal wieder mit dem Schutzblech meines Fahrrades kollidierte und an das Chaos, das jahrelang in meinem Zimmer herrschte. Dickköpfig war ich auch häufig (siehe auch „N“). Eine Sache, die ich sehr schön fand, war das Eiersuchen im Hühnerstall des Bauernhofes gegenüber. Übrigens ist eine meiner frühesten Erinnerungen das heimliche Fleischwurstessen mit meinem Opa auf der Bank vor der Kirche (natürlich wusste Mama davon, aber das wusste ich nicht. Ich war zwei Jahre alt).

Grün mit riesigem Blumenmuster war die Tapete in meinem ersten eigenen Zimmer. Typisch 70er halt. Den Hintern bekam ich nur einmal versohlt, da war ich ohne Bescheid zu sagen mit einem Schulfreund nach Hause gegangen, weil er neue „L“ bekommen hatte und ich die unbedingt sehen musste… In die Innenstadt von Minden bin ich am liebsten mit dem Bus gefahren, um mir ein Bille-und-Zottel-Buch zu kaufen. Meist hatte ich es dann schon halb durch, wenn ich wieder zuhause ankam. Etwas später kamen dann die ersten Jugenddiscos in Dorfgemeinschaftshäusern. Manchmal waren die so langweilig, dass wir heimlich nach Bückeburg in die Disco marschierten. Ach, und dann war da noch der Kirschbaum in unserem Garten mit dem megadicken Stamm, den wir zu zweit nicht umarmen konnten. Lego war klasse, obwohl meine Fähigkeiten nicht zur Architektin reichten. Meine Steine waren bereits Erbstücke von meinem Bruder (es gab damals echt noch nicht die Trennung in Jungs-Lego und Mädels-Lego!)

Zurück auf den Bauernhof. Milchpulver in Eimern mit Wasser verrühren (die Arme bis oben hin im Eimer) und dann die Kälber füttern war auch immer toll. Nicht so toll dagegen war die Tatsache, dass meine heißgeliebte Tante manchmal ziemlich nachtragend war, vor allem wenn bei mir das „D“ durchkam 😅. Ich denke daran, dass es Oberleitungen bei der Bahn auch noch nicht überall gab. Deswegen fand ich die Schienenbusse in den ländlichen Gegenden immer faszinierend. Eine Sache der ganzen Familie war das Pflaumenmuskochen im Herbst. Im Waschkessel, für den es einen Kupfereinsatz gab, das Wochenende brauchten wir komplett dafür. Etwas eher im Jahr machte meine Mutter eine geniale Quark-Sahne-Torte mit Himbeeren. Wenn ich die doch auch hinbekäme… Übrigens prägte ein Urlaub in Reit im Winkl meine Vorliebe für Frühstückspensionen. Ein Traum von mir ist es, eine eigene zu besitzen.

Meine Gedanken springen ziemlich hin und her. Jetzt fällt mir ein, dass ich mit einer Freundin im Wald an der Lerbeeke gerne Staudämme gebaut habe. Was hatten wir für Freiheiten! Überhaupt, die langen Tage im Sommer auf dem Bauernhof, mit Rüben hacken, Heu machen und Getreideernte. Denn Urlaub war selten, manchmal auch mit oder bei Tante und Onkel. Nix mit Caprifischern außer im Radio. Wichtig ist mir nach wie vor mein Vater, der viel zu früh gestorben ist. Papa nahm mich immer ernst. Und er sorgte dafür, dass ich mich für politische und gesellschaftliche Themen interessiere. Keine Bange, ich war kein Nerd, im Gegenteil, ich spielte mit einer (anderen) Freundin unheimlich gern Winnetou und Old Shatterhand.

Jetzt kommen die „Schwierigen“ Buchstaben. Wenn ich bockig war, und das konnte ich ziemlich gut, nannte Mama mich „Xanthippe„. Dagegen kam das Ypsilon in meiner Kindheit kaum vor. Doch, da gab es ein Comicheft, das hieß „Yps“ mit so einem komischen Känguruh (kein kommunistisches, soweit ich weiß). Und schließlich hatte ich viele Jahre Angst vor dem Zahnarzt, weil ich mal vertretungsweise zu einem uralten Exemplar seiner Art musste, den meine Mutter als „Kommissarzt“ betitelte. Heute weiß ich auch warum.

So. Nun wisst ihr’s. Darum bin ich so, wie ich bin. Meine Kindheit im Schnelldurchlauf bringt es ans Tageslicht. Vielen Dank an alle Beteiligten damals.

Saft auf rohem Wege

Danke für die Schreibeinladung von Christiane, die Wortspende in dieser Runde kommt von Stepnwolf. Augenscheinlich habe ich es gerade nicht so mit fiktiven Texten, daher habe ich einen kleinen persönlichen „Hilferuf“ als Etüde verpackt:

Schier übermächtig ist dieses Jahr mein Wunsch, selbst Lebensmittel aller Art haltbar zu machen, damit wir im Winter nicht auf Produkte der LebensmittelINDUSTRIE angewiesen sind. Vieles kenne ich noch aus meiner Kindheit, es ist weder Hexenwerk noch brauche ich so etwas kompliziertes wie ein Reagenzglas dafür. Das im Übrigen auch nicht annähernd genug Fassungsvermögen hat, um eine Familie satt zu bekommen.

 Solche Dinge wie „auf ein 1-Liter-Einweckglas voll Bohnen einen  Teelöffel Salz und dann mit kaltem Wasser aufgießen“ vergisst man nicht. Bei Obst ist es dann statt Salz Zucker und statt einem Teelöffel auch mal ein Esslöffel plus eine Prise Zitronensäure.

Selbst das Rezept für die eingelegten süß-sauren Gürkchen bekomme ich annähernd so hin wie meine Mutter, obwohl ich jedes Mal, wenn der Essigkanister alle ist, wieder von einem Supermarkt zum anderen fahren muss, um den 10%igen zu finden. Das war „früher“ einfacher, denn in meiner Kindheit gab es noch eine Essigfabrik in Minden, wo man den Essig auch gleich kaufen konnte (lange bevor das Wort „Werksverkauf“ in Mode kam).

Aber heute früh bin ich ins Stolpern gekommen. Ich hatte das genaue Rezept für „Saft auf rohem Wege“ (ohne Dampfentsafter und ohne Aufkochen) vergessen. Moment, dachte ich, da ist doch so ein handgeschriebener Zettel von Mama im Kochordner. Den habe ich auch gefunden und seitdem rätsele ich noch mehr als vorher. Warum brauchte sie für eine geringere Menge Obst mehr Zitronensäure und mehr Wasser? Okay, sie hatte es nie so ganz mit Maßangaben, weil sie das meiste einfach „frei nach Schnauze“ kochte, wie ich auch. Aber für das Gelingen und vor allem haltbar machen ist es ja nicht so ganz unerheblich, wie die Mengenverhältnisse aussehen.

Meine Hoffnung: liest hier zufällig jemand mit, der oder die dieses Rezept auch kennt? Bitte melde dich. Danke!

(293 Wörter und ein Bild😉)

Gerümpel

Zur Schreibeinladung von Christiane geht es hier:

Die Wortspende kommt von Books2Cats und lautet: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Endloses Tröpfeln. Sicher, es ist notwendig, und irgendwie freut sie sich auch darüber. Dann wächst das Gemüse im Garten und die Zisterne füllt sich auch mal wieder. Aber die Untätigkeit macht ihr zu schaffen. Für eine halbe Stunde ist es ja auch entspannend, dem Regen zuzuschauen, zu sehen, wie das staubige Grau sich langsam von den Blättern der Bäume abwäscht. Aber so ein ganzes Wochenende hält sie das nicht durch.

„Du sag mal, wenn es in den nächsten Tagen sowieso regnet, könnten wir doch mal den Geräteschuppen aufräumen.“ – „Och nee, muss das sein? Ich habe mich so gefreut, endlich diesen dicken Schinken zu Ende zu lesen…“ seufzt er aus dem Lesesessel. Er mag es nicht, mit solchen Hauruck-Aktionen überrascht zu werden. Aber wann wäre jemals der richtige Zeitpunkt? Etwas genervt dreht sie sich um. „Ich kann es ja auch allein in Angriff nehmen, aber zumindest bei diesem unförmigen kupferfarbenen Gestell musst du mir wirklich zur Hand gehen. Du warst so stolz damals, als du es in dem Kunsthandwerkerkurs zusammengelötet hast, weißt du noch? Wir haben sogar alle unsere Freunde eingeladen, weil du es geschafft hast, ohne dich zu verletzen. Wir mussten das ganz einfach feiern! Aber wenn es jetzt seit Jahren nur noch im Schuppen steht und Platz wegnimmt, dann kann es genauso gut weg!“

Er versinkt immer tiefer im Sessel. Ja, das war sein einziger Ausflug in die praktische Ausübung einer handwerklichen Tätigkeit. Und es hat sogar Spaß gemacht. Aber er ist nun mal ein Mann des gedruckten Wortes. Ob sie ihn für einen Versager hält? Weil er virtuos mit Worten jonglieren kann, aber ansonsten zwei linke Hände hat?

Sie schaut liebevoll, nachsichtig lächelnd. Sie kennt und liebt ihn so. Dann fragt sie eben den Nachbarn. Als Gurkengestell taugt das merkwürdige Teil bestimmt noch, wenn es erstmal draußen ist…

(exakt 300 Wörter)

Challenge 2.0

Diesen Beitrag schreibe ich im Rahmen der abc-etüden. Hier der Link zur Schreibeinladung:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/04/19/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-17-18-20-wortspende-von-myriade/

Seit fast acht Wochen habe ich nichts mehr über die Challenge geschrieben. Sie ist aber keinesfalls unter den Teppich gekehrt, nein, keineswegs. Was das angeht, werde ich gläsern bleiben und berichten. Allerdings wurde sie, zumindest bei mir persönlich, von zwei anderen Herausforderungen überlagert:

Erstens: Beine schonen. Zuhause bleiben, damit die Sehnen wieder anwachsen können, Beine hochlegen, wenig Bewegung. Als wäre das nicht genug, kam dann

zweitens Corona dazu. Noch mehr zuhause bleiben, weil Risikogruppe. Nichts mit unbeschwert durch die Gegend flattern! Mit zunehmender Mobilität innerhalb der eigenen vier Wände erwachte auch die ursprüngliche Challenge wieder. In Form von Vernichtung: Vernichtung von bevorrateten Lebensmitteln, die seit Jahr und Tag in Vergessenheit geraten waren. Und zwar Vernichtung durch Aufessen.

Und jetzt durch das Transformieren von Stoffen aller Art: Alte Herrenhemden, Bettwäsche, Tischdecken und Patchworkstoffe werden zu Masken verarbeitet. Dazu die Reste von „Schlüpfergummi“ aus dem alten Nähkorb meiner Mutter. Was als Nachbarschaftshilfe für die Hausarztpraxis begann, hat sich (übrigens entgegen meiner ursprünglichen Absicht) verselbständigt. Es macht nämlich auch durchaus Spaß, Statementmasken für Hobbygärtner, Globetrotter, feine Damen oder Freizeitkapitäne zu nähen. Leider sind die Stoffe für Leseratten (mit Büchern drauf oder zumindest mit Schrift) momentan sehr schwierig zu bekommen (Oder es sind schwere Dekostoffe, durch die man nicht atmen kann). Aber das ist dann ja auch kein Verwenden von sowieso schon Vorhandenem mehr.

Größere Aktionen werden aber noch ein bisschen warten müssen. Weil ich zwar wieder gehen kann, aber die Kraft erst noch trainieren muss. Und weil die Annahmestellen für Sperr- und sonstigen Müll nach drei Wochen Schließung erstmal viel Zulauf haben. Offensichtlich ist Entrümpeln momentan Volkssport. Da warte ich lieber noch ab.

abc.etüden 2020 17+18 | 365tageasatzaday

abc.etüden Woche 12.13.20

Danke an Christiane für die Einladung zu https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/03/15/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-12-13-20-wortspende-von-elke-h-speidel/

Als blutige Anfängerin hoffe ich erstmal, alles soweit richtig zu machen und wenn nicht, weiß ich, dass Christiane mich ganz nett korrigieren wird.

Also los:

Gespräch am Frühstückstisch

„Schau mal, die Forsythien blühen.“ sagt sie, als sie gedankenverloren den Tee umrührt. Er sieht von der Zeitung auf, nur mäßig interessiert. „Ja, und?“ “ Das heißt, ich müsste jetzt die Rosen zurückschneiden…“ Den Satz lässt sie bedeutungsschwer ausklingen. – „Ja, und?“ fragt er nach, immer noch in Gedanken bei den Börsennachrichten. „Es ist noch so früh im Jahr. Fast drei Wochen früher als sonst.“ „Ist doch schön.“ gibt er etwas genervt zurück. Sie guckt etwas pikiert. „Dir ist es offensichtlich egal, ob die frischen Rosentriebe dann später erfrieren, wenn es nochmal Frost gibt, oder? Du hast ja auch nicht die Arbeit damit!“ Damit stand sie auf und fing energisch an, den Tisch abzuräumen. „Mach dich nicht lächerlich!“ knurrte er, nahm seine Zeitung und die Kaffeetasse und verließ die Küche. Rosen! Forsythien! Was sie nur immer hatte mit diesem ganzen Grünzeug.

141 Wörter

Dieses Gespräch ist übrigens rein fiktiv. Ginge es bei uns so zu am Frühstückstisch, wären wir vermutlich schon beide voller Magengeschwüre oder in entgegengesetzte Richtungen geflohen 😉 Das einzige, was stimmt: bei uns steht eine Forsythie in Sichtweite des Küchenfensters. Damit ich weiß, wann es Zeit ist, die Rosen zu schneiden…