Mein erster Segeltörn

Zu den abc-Etüden geht es hier. In dieser Runde stammt die Wortspende von mir selbst und ich wusste bis gestern noch nicht, worüber ich schreiben werde. Ob mir mehrere Etüden einfallen, mal sehen. Für den Anfang teile ich eine Erinnerung mit euch:

Mein erster Segeltörn ist fast 30 Jahre her. Es war eine Art segelnde Erfa-Gruppe*, denn die Crew bestand aus einer Betriebsberaterin, einem Softwarehausmitarbeiter und ansonsten lauter BuchhändlerInnen. Insgesamt waren wir 14 Leute und ich war mit Abstand die Jüngste. Es ging von Kiel aus in die dänische Südsee, und das Schiff war nicht etwa so ein schickes, weißes Segelboot, wie man sie aus dem Yachtclub kennt, sondern ein waschechter Marstal-Schoner, der liebevoll restauriert und mitsamt Skipper, Smutje und einer kleinen Stammcrew verchartert wurde.
Eine gehobene Ausstattung hatte das Schiff, alles aus Holz, Messing und anderen natürlichen Materialien. Kein GFK, keine Nylonsegel oder Polyesterseile. Ich war schon beeindruckt, als ich das Schiff in Kiel am Kai liegen sah. Die Kabinen waren urig, aber nach meinem Empfinden ziemlich luxuriös, der Salon strahlte Gediegenheit aus, das Essen an Bord war sehr gut und sehr reichlich (später lernte ich: schmackhaftes Essen ist die beste Methode, eine Meuterei zu verhindern). Das konnten wir dann bei der Arbeit an Deck wieder abspecken. So ein schönes Schiff musste schließlich jederzeit besenrein aussehen!
Wir dampften also frohgemut los aus Kiel, Richtung Aerö, um das Städtchen Marstal zu besuchen, das den Schiffen ihren Namen verliehen hatte, denn dort wurden diese Traditionssegler vor über 100 Jahren als Frachtschiffe gebaut. Marstal ist eine schöne kleine Stadt mit viel Charme, sie strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, „hygge“ eben.
Nachdem wir von Marstal aus Richtung Fünen wieder losgefahren waren, gab es weiter gutes Essen, jeden Nachmittag einen 5-Uhr-Sherry, aber was wir fast schmerzlich vermissten, war das Wesentliche beim Segeln: es gab keinen Wind. Und so habe ich meinen ersten Segeltörn in Erinnerung als fast komplett unter Motor gefahrenen Törn, bei dem ich vor allem Spaß daran hatte, vorne im Klüvernetz über dem Meer zu liegen und die Seele baumeln zu lassen.

*Erläuterung: Eine Erfa-Gruppe ist eine Gruppe von selbständigen Buchhändlern, die ähnliche Betriebsgrößen und Sortimente haben und sich über Umsätze, Werbung und andere wichtige Dinge austauschen.

Naturwissenschaftliche Beobachtungen

Neue Runde, neuer Versuch. Danke für die Schreibeinladung und die Fotos von Christiane, danke auch an  puzzle ❀ für die Wörter. Das Irisieren hat mich etwas irritiert, muss ich zugeben, das kannte ich bisher nur als Adjektiv, nicht als Verb. Wunderbar, man lernt doch nie aus.

„Was sagt denn eigentlich der Wetterbericht? Soll es in den nächsten Stunden Regen geben?“ Das fragte mich unser Pubertier nach dem Mittagessen.
„Wieso interessiert dich das? Du sitzt doch sowieso den ganzen Nachmittag in deiner Butze. Und außerdem scheint die Sonne aus allen Knopflöchern. Woher soll denn da Regen kommen?“
„Ach Mama, du schon wieder. Ich hab nun mal viele Hausaufgaben und es ist Klausurenphase. Ich brauche einfach jetzt einen ordentlichen Regen, am besten mit Sonne im Hintergrund. Wir sollen für den Physikunterricht Beispiele sammeln von Dingen, die irisieren. Ich habe schon die Austernschalen aus dem letzten Urlaub fotografiert, aber so ganz dolle sieht man das dort nicht. Deswegen dachte ich mir, so ein richtig schöner Regenbogen wäre ein gutes Beispiel. Oder ein Benzinfleck in einer Pfütze.“
„Was? Kommt gar nicht in Frage, einen Benzinfleck auf die Einfahrt zu machen und damit die Umwelt zu gefährden, bloß um ein Foto zu bekommen, auf dem es schillert! So weit kommt das noch!“
„Hey, das hatte ich auch gar nicht vor. Ich wollte zur Tankstelle gehen, dort gibt es immer Leute, die zu früh die Zapfpistole aus der Tanköffnung ziehen. Ich bin doch keine Umweltsau. Das überlasse ich gerne anderen.“
Ich überlegte, denn Regen war weit und breit nicht in Sicht. Immerhin war ich beruhigt, dass kein Umweltfrevel auf unserem Grundstück stattfinden sollte. Für die gute Physiknote fielen mir jetzt nur noch zwei Alternativen ein:
„Geh mal hinten in den Garten. Im Kräuterbeet bei der Pfefferminze sitzen immer so viele Rosenkäfer, die schillern auch wunderschön in der Sonne. Und dann wäre noch die Möglichkeit, dass du deine kleine Schwester fragst, ob sie auf der Terrasse Seifenblasen pusten kann. Die könntest du dann auch noch fotografieren.“
Natürlich musste er noch ein wenig herumnörgeln, aber dann zog er mit Schwester und Kamera los.

Die Suche, Variante 2

Den Vorspann spare ich mir, den hatten wir eben schon. Da ich mich nicht zwischen der freundlichen und der hinterhältigen entscheiden konnte, bekommt ihr jetzt beide zu lesen… Die ersten sieben Zeilen sind übrigens gleich, erst danach driftet die Story ab.

Höchst interessant. Herbert lehnte sich zurück und betrachtete die Szene, die sich ihm bot. Irma stand auf der Leiter, ziemlich weit oben sogar für ihre Verhältnisse, war sie doch extrem höhenscheu. Aber was suchte sie dort oben, auf dem höchsten Schrank, der sich in ihrer Wohnung befand?
Dazu murmelte sie ständig vor sich hin, er hörte immer mal wieder Wortfetzen in der Richtung „Ich weiß, es war hier irgendwo. Es kann nicht weg sein. Es darf nicht weg sein.“
Sie sah fast so konzentriert und weggetreten aus wie er sich das vorstellte, wenn jemand mondsüchtig war. Und sie war so vertieft, dass sie überhaupt nicht merkte, dass ihr Hals immer länger wurde. Wie eine Giraffe. Er verhielt sich ganz leise, um sie nicht vor der Zeit zu erschrecken. Denn in Windeseile war ein Plan in ihm gereift. Schon lange wünschte er sich eine Atempause, eine Auszeit von seiner anstrengenden Angetrauten. So ein schöner langer Krankenhausaufenthalt mit anschließender Reha-Maßnahme. Das klang gut. Ganz loswerden wollte er sie auch nicht. Wer sollte denn die nächsten Jahre sein Lieblingsessen kochen?  Aber so ein paar Wochen, um in Ruhe seinen Hobbies nachzugehen, ohne ständig zum Rasenmähen verdonnert zu werden, klang doch sehr verlockend…
Jetzt den richtigen Augenblick abpassen, wenn sie kurz davor war, das Gleichgewicht zu verlieren, blitzschnell mit einer laut gestellten überrumpelnden Frage zuschlagen, und dann natürlich als treusorgender Ehemann den Krankenwagen rufen. Ja, das war es!
Er trat näher heran, holte tief Luft und fragte mit lauter Stimme: „Irma, was machst du denn da?“

Eine Viertelstunde später fragte der herbeigerufene Sanitäter: „Wie ist das denn eigentlich passiert?“ Irma antwortete: „Ich habe mich erschreckt, als mein Mann mich auf der Leiter ansprach und bin abgerutscht. Mein Mann wollte mich auffangen, aber dabei hat er sich anscheinend den Rücken arg verknackst. Mein Held!“

Die Suche, Variante 1

Hier geht es zur Schreibeinladung von Christiane, die Wortspende stammt in dieser Runde von Myriade. Mal sehen, was mir dazu einfällt, die Fotos sind schon mal inspirierend, die Wörter durchaus eine Herausforderung, aber so soll es ja auch sein.

Höchst interessant. Herbert lehnte sich zurück und betrachtete die Szene, die sich ihm bot. Irma stand auf der Leiter, ziemlich weit oben sogar für ihre Verhältnisse, war sie doch extrem höhenscheu. Aber was suchte sie dort oben, auf dem höchsten Schrank, der sich in ihrer Wohnung befand?
Dazu murmelte sie ständig vor sich hin, er hörte immer mal wieder Wortfetzen in der Richtung „Ich weiß, es war hier irgendwo. Es kann nicht weg sein. Es darf nicht weg sein.“ Was genau „es“ war, traute er sich aber nicht zu fragen. Zu groß war seine Sorge, dass Irma sich erschreckte und von der Leiter fiel. Denn wenn er es sich recht überlegte, wirkte sie bei ihrer Suche fast schon in Trance. „Mondsüchtig“, so kam es ihm in den Sinn. Und solche Leute sollte man ja auch nicht stören, damit sie sich nicht wehtaten, wenn sie aus ihrer Versunkenheit geholt wurden.
Also wartete er, bis sie alles durchforstet hatte, wo sie herankam. Erst als sie mit frustrierter Miene wieder von der Leiter gestiegen war, räusperte er sich, um auf sich aufmerksam zu machen, dann sprudelte seine Frage auch schon aus ihm heraus: „Irma, was suchst du denn auf dem Schrank? Ich habe ja fast Angst um dich, wenn du so verbohrt da oben herumkramst.“
Irma tauschte zunächst einen irritierten Blick mit ihm, dann antwortete sie: „Ich habe dir doch von der Tombola auf dem Dorffest demnächst erzählt, oder? Das Motto des ganzen Festes ist >Out of Africa< und ich hatte mir überlegt, dass wir das große gerahmte Foto von der Safari, das mit der Giraffe darauf, spenden könnten. Hier liegt es doch nur auf dem Schrank herum. Oder auch nicht. Hilfst du mir suchen?“
„Na klar, Irma, wir rücken jetzt mal die Leiter ein Stück weiter, und dann klettere ich da hoch.“

Als alternatives Szenario folgt gleich die Variante 2, da ich mich nicht entscheiden konnte😁.

Zweifel einer Schreiberin

So. Doch geschafft. Selbst ausgetrickst habe ich mich.
Danke an Christiane für die Einladung zu dieser Runde der abc.etüden und ebenfalls danke an Katha für die Wortspende. Und Glückwünsche für die Auszeichnung, sie ist hochverdient, finde ich.

Einen ganzen Roman zu schreiben traue ich mir echt nicht zu. Dabei ist das doch der Traum eines jeden Buchhändlerwesens, gefühlt zumindest. So viel Erzählstoff, dass es für rund 500 Seiten reicht? Niemals schaffe ich es, so lange bei einem Thema zu bleiben. Dafür habe ich viel zu viele ganz unterschiedliche Ideen. Manchmal sind mir ja schon die dreihundert Wörter für die abc.etüden zu viel.
Bei den ganzen Sachen, die rundum passieren, muss ich mich des Öfteren mehr als nur sanft daran erinnern und aufraffen, dass ich dabeibleiben will; dass ich es möglichst schaffen möchte, keine zu verpassen. Dann braucht es schon einen gedachten Tritt in den Allerwertesten. Und manchmal fällt mir auch zu den Wörtern einfach nichts ein. Schwarzes Loch im Hirn. Tilt!
Ich denke dann an die Zeit meiner Gemeindepädagogik-Ausbildung zurück, als wir eine kleine Challenge hatten: Reihum musste jeder von uns eine Andacht halten. Zu einem zugelosten Bibelspruch. Als ob das allein nicht schon herausfordernd genug wäre, dachten sich die anderen im Kurs jeweils drei Wörter aus, die dann in der Andacht untergebracht werden mussten. So kam es dann vor, dass eine Andacht zum Thema „Fischzug des Petrus“ gehalten wurde, bei der Sauerkraut, ein Pinguin und Flipflops eine Rolle spielten. Da sollte es doch kein Problem darstellen, zu drei zufällig ausgesuchten Wörtern eine vollkommen frei ausdenkbare Geschichte zu erfinden, oder?

Aber dann gibt es auch wieder diese Wortkombis, die etwas in mir vibrieren lassen, fast schon wie ein elektrischer Impuls. Wörter, bei denen der Text nur so aus mir herausfließt. Möglicherweise könnte es klappen, wenn ich mir für die Kapitel auch solche Stichwörter per Zufallsgenerator aussuche und die dann einbauen muss? Diese Spur werde ich auf jeden Fall weiterverfolgen. Jetzt gerade bin ich jedenfalls sehr froh, dass diese Überlegungen genau für dreihundert Wörter Inspiration boten. Mission accomplished!

Merci beaucoup. Wenn ich dann mit dem „großen deutschen Gesellschaftsroman“ auf Lesereise gehe, bekommt ihr Etüdenfans alle Freikarten und Autogramme. Wird nur nie passieren, aber träumen darf man ja mal😂

Pollenflug -abc-etüde Woche 12/13 2022

Hier geht es zur Schreibeinladung von Christiane, die Wortspende kam dieses Mal von Marens Blog Ich lache mich gesund.

Ich habe ein bisschen länger gebraucht, weil mich aktuell viele verschiedene Sachen in Atem halten, die teilweise auch noch sehr gegensätzlich sind. Volle Konzentration ist also angesagt, was mir momentan aber ziemlich schwerfällt.
Also dann:

„Hatschi!“ Und gleich nochmal: „Hatschi!“ Boah, es hört überhaupt nicht auf, in der Nase zu kitzeln. Da ist man den ersten wirklich angenehmen Tag draußen bei der Gartenarbeit, der Wind ist nicht mehr heftig und schneidend, sondern weht angenehm über die Wiesen, und dann das…
Die Birken blühen. Und lassen den Pollen über das Grundstück wirbeln. Der blumige Geruch ist das eine, den mag ich sogar.  
Aber warum dieser Pollenflug? Was stellen Birken denn her? Außer Blütenstaub? Da wachsen keine Früchte, die man dann essen kann. Diese letzten Fragen habe ich mir wohl laut gestellt, denn aus dem Nachbargarten kam prompt die Antwort: „Du kannst das Birkenwasser, den Saft aus dem Stamm, abzapfen und trinken. Hilft gegen zu hohen Cholesterinspiegel und entgiftet auch bei Rheuma, Gicht oder Arthrose. Probier es doch einfach mal aus.“ Die Nachbarin grinst mich über die Hecke an.
Aha, denke ich verblüfft. Wieder etwas dazugelernt. Das muss ich später mal genauer nachlesen, denn bisher wusste ich nur von Birkenzucker und Haarwasser. Wäre ja noch toller, wenn es auch gegen Birkenpollenallergie helfen würde. Aber das ist wohl doch ein bisschen viel verlangt, oder?

186 Wörter

Übrigens habe ich mir die Pollenallergie „ausgeliehen“, mich ärgern nur die Hausstaubmilben. Sonst würdet ihr euch vermutlich zu Recht fragen, warum bei Annuschka im Garten Birken stehen😅.

Nachtisch

Dieses Mal hat es etwas länger gedauert, bis mich die Muse küsste (mit Waldmeistergeschmack…). Die Schreibeinladung von Christiane ist schon fast eine Woche alt. Naja, besser spät als nie…

„Wir hatten lange keinen Wackelpudding mehr als Nachtisch. Kann ich welchen kochen?“ Mit dieser Frage stürmte Lisas Sohn ins Büro. Lisa schaute vollkommen verwirrt vom Bildschirm hoch. Die Internetverbindung war mal wieder so schlecht, dass sie bei der Zoom-Konferenz immer wieder nur ein Knistern in der Leitung hatte. Und hatte sie nicht sogar ein Schild an die Tür gehängt, dass sie die nächste Stunde nicht gestört werden dürfe?

Nun hatte er wohl selbst bemerkt, dass er im unpassenden Augenblick erschienen war. „Ups!?“ rutschte ihm heraus, ein schiefes Grinsen begleitete den Ton. Schnell schaltete Lisa Ton und Kamera ab, ehe sie sich zu ihm drehte. Wenn sie Glück hatte, bemerkte das noch nicht einmal jemand. Der Chef hielt gerade wieder einen seiner Monologe, bei denen er sich selbst so gut gefiel und die gesamte Belegschaft hatte in den Schlummermodus geswitcht…

Unverdrossen, ja sogar ein bisschen dankbar für die Unterbrechung, meinte sie nur: „Wenn im Vorratsschrank noch Pulver ist, gerne. Aber denk bitte dran: Nur erhitzen, nicht kochen. Und immer schön rühren. Und am liebsten mit Waldmeistergeschmack, ok?“

176 Wörter, für mehr hat die kleine Szene nicht gereicht🤷‍♀️

Eine besondere Naht

Neues Jahr, neue Etüden. Auch wenn ich vor Weihnachten mit meinem Adventskalender ausgelastet war, den Überblick verloren habe und den Adventüden deswegen nicht gefolgt bin, freue ich mich und bin gern wieder dabei. Zur Schreibeinladung von Christiane geht es hier, die Wortspende stammt von Ludwig Zeidler. Vielen Dank an die Beiden, vor allem Christiane für die viele administrative Arbeit.

„Unverzeihlich! Einfach unverzeihlich!!!“ Dieser Ausruf hallte in meinen Ohren wider. Es beschäftigte mich nun schon seit Stunden, seit meine beste Freundin mich besucht und ganz unvermittelt diesen temperamentvollen und tränenreichen Gefühlsausbruch hatte. Eigentlich wollte sie mir nur einen Stapel alter Jeans vorbeibringen, die hatte sie gesammelt, damit ich eine Hundedecke daraus nähe. Im Rhythmus meiner Gedanken und ihres Ausrufes hatte ich Quadrate aus den Hosen geschnitten. Nun saß ich an der Nähmaschine, fädelte das Garn ein und ließ das Gespräch, wenn man es denn so nennen konnte, Revue passieren.

Sicher, die feine englische Art war es nicht, dass ihr Freund sich heimlich mit seiner Ex-Frau getroffen hatte. Er hatte aber nun mal zwei Kinder mit ihr, bei dem Jungen stand eine Klassenfahrt an und die beiden hatten einiges zu besprechen. Es wäre auch sicher alles in Ordnung gewesen, wenn er vorher wenigstens Bescheid gegeben hätte. Dass meine Freundin ihn dann in ihrem gemeinsamen Lieblingscafé sah, wie er mit seiner Ex „die Köpfe vertraut zusammensteckte“, wie sie es formulierte, war mehr als dumm gelaufen. Und nun war sie nicht nur stinkig, sondern noch mehr, sie sah einen nicht wieder gutzumachenden Vertrauensbruch darin.

Ich wusste aber von ihm bereits ganz felsenfest, dass meine Freundin die Liebe seines Lebens war. Er hatte es schlicht und einfach ungeschickt angestellt, um ihr nicht wehzutun; mehr steckte nicht dahinter. Und nun saß ich hier, mit den Stoffstücken aus ihren und seinen Jeans, um eine Decke für den jungen Labrador zu nähen, den er ihr zum letzten Geburtstag geschenkt hatte und den sie beide liebten wie ihr eigenes Kind.

Ich sah einen letzten Hoffnungsschimmer, als ich den Nähfuß senkte und mit dem Faden ein Segensgebet für die beiden als Halt in die Naht einarbeitete. Obwohl unverfügbar, hatten die eingenähten Segenswünsche schon des Öfteren in aussichtslosen Fällen geholfen.

300 Wörter

Kürbiskochbuch

Nächste Runde, nächstes Glück! Christiane hat wieder eingeladen, die drei Wörter stammen vom Wortverdr3her. Jahreszeitenkonform geht es um Kürbisse. Mal sehen, was mir dazu einfällt…

„Was krakelst du denn da so emsig in deine Kladde?“ fragte Fridolin neugierig. „Schreibst du oder zeichnest du den Kürbis ab?“ Abwesend sah ich hoch: „Beides. Wir haben so viele Kürbisse auf dem Kompost dieses Jahr, ich weiß nicht mehr, was ich alles damit anfangen soll. Große, kleine, welche für Deko und andere zum Essen, Spaghetti und Hokkaido, Bischofsmützen und Butternut… Da habe ich mir gedacht, ich schau mal, wie viele Rezepte mir einfallen und wie ich diese Sammlung an Rezepten illustrieren kann. Wer weiß, vielleicht finde ich einen Verleger dafür?“

Fridolin beugte sich von hinten über meine Schulter, um besser sehen zu können. „Hey, nicht in mein Ohr atmen, da bin ich extrem kitzlig!“ kicherte ich. Zu spät. Meine Lage schamlos ausnutzend, schnappte er sich die Kladde, um nachzusehen, was ich schon alles gesammelt und skizziert hatte:

Kürbissuppe mit Ingwer und Orange, kandierter Kürbis, gebackene Kürbisspalten mit Olivenöl, Kürbislasagne, Apfel-Kürbis-Marmelade, Kürbiskuchen, Tischdeko mit Zierkürbissen, Kürbisrisotto, gefüllter Kürbis, Kürbis-Tomaten-Chutney, geröstete Kürbiskerne, Kürbiswindlichter, geschnitzte Fratzen…

„Boah, ich bin beeindruckt. Hast du das alles schon selbst ausprobiert?“ „Nicht alles, aber einiges. Anderes habe ich auf die Nachbarinnen aufgeteilt, verbunden mit einer Kürbisspende und der Bitte, die Rezepte auszuprobieren. Ich kann nur sagen: Für dieses Jahr mag ich langsam kein gelb-orange mehr sehen und die Kinder haben mir auch schon angedroht, in den Hungerstreik zu treten, wenn ich noch einmal etwas mit Kürbis auf den Tisch bringe. Deswegen zeichne ich jetzt die schönsten Exemplare noch schnell ab, ehe ich den ganzen Rest an die Tafel spende. Da gibt es sicher Menschen, die sich noch so richtig darüber freuen können.“ „Ja, das ist eine prima Idee. Und bis zur nächsten Kürbis-Saison hast du dein Kürbisbuch fertig und stürmst damit die Kochbuch-Bestsellerliste!“ „Naja, mal sehen, ob es nächstes Jahr wieder mehr Papier zum Drucken gibt…“

Punktlandung. 300 Wörter, nicht gänzlich zusammenhanglos😅

Biedermeier – Annuschkapedia

Eine neue Etüdenrunde. Herausfordernd empfinde ich die Wortspende von Puzzleblume. Zur Einladung bei Christiane geht es übrigens hier.

Oje, dachte ich zunächst. Einen Biedermeier-Sekretär hat vielleicht ja noch so mancher von uns im Wohnzimmer oder zumindest auf dem Dachboden stehen, aber wie ich den mit niederträchtigem flöten in Verbindung setzen sollte, das entzog sich meiner Kenntnis. Bis mir heute der Zettel wieder ins Auge fiel, den ich auf meinem Schreibtisch vor den Monitor gelegt hatte, um immer wieder an diese drei Worte erinnert zu werden. Was weiß ich eigentlich so wirklich über diese Epoche, außer dass ich das Bild vom armen Poeten (Spitzweg) natürlich gut kenne, denn aus irgendeinem Grund bekommen Buchhändler das immer mal wieder vor die Nase gesetzt. (Ja gut, wir verdienen uns im Allgemeinen nicht so dumm und dusselig wie Herr Bezos, aber wenn man nicht zum Mond fliegen will, was soll’s, es regnet doch bei den meisten von uns nicht durch.)

Also sichtete ich erstmal den Wikipedia-Eintrag, der mir als Quelle für meinen nicht ganz ernst gemeinten Lexikon-Eintrag dient:

„Die Zeit des Biedermeier ist eine Epoche, die es nur in Deutschland, Österreich und Skandinavien gibt. Sie wird heute, ich weiß nicht recht, ist es eher niederträchtig oder nur folgerichtig, abschätzig als eine spießbürgerliche und kleinliche Zeit angesehen.

Ein Ursprung der Bezeichnung der Epoche dürfte in diesem Gedicht von Ludwig Pfau liegen:

Schau, dort spaziert Herr Biedermeier
und seine Frau, den Sohn am Arm;
sein Tritt ist sachte wie auf Eier,

sein Wahlspruch: Weder kalt noch warm.

Die letzte Zeile inspiriert mich kurz zu der Frage: Gibt es in Teilen unserer Gesellschaft vielleicht eine Biedermeier-Renaissance-Bewegung? Ein Schelm, wer böses dabei denkt…

Zum politischen Hintergrund: Die Völkerschlacht bei Leipzig und die Schlacht von Waterloo waren zu dem sprichwörtlich letzteren von Kaiser Napoleon geworden. Die konservativen Kräfte Europas, namentlich Franz I. von Österreich, der russische Zar Alexander I. sowie der Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. wünschten sich eine Restauration. Klar, dass diese drei sich Zustände wie vor der französischen Revolution wünschten. Den Ausspruch ihres Zeitgenossen Sören Kierkegaard „Verstehen kann man das Leben rückwärts; leben muss man es aber vorwärts.“ kannten sie offensichtlich nicht, es ist nämlich sehr wahrscheinlich, dass der dänische Philosoph diesen Ausspruch noch nicht im zarten Kindesalter getätigt hatte.

Wie dem auch sei: Hoch lebte die Gemütlichkeit des heimischen Herdes, auch die Hausmusik. Wie viele Kinder mussten wohl ein Instrument erlernen, um abendlich zu flöten und damit die gestrengen Eltern zu erfreuen? Kinder und Mütter haben sich ganz bestimmt entspannt zurückgelehnt, wenn der Patriarch des Hauses zum Stammtisch ging, der ebenfalls in dieser Zeitspanne seinen Anfang nahm.  Und auch das ist eine Parallele zu bestimmten Milieus heute: Die Frau war die Herrin am Herd, der Mann hatte außerhalb des Hauses das Sagen.

Positiv: Kindererziehung wurde wichtig, es gab die ersten Spielzeugfabriken, Kindermode, Kinderliteratur und der Pädagoge Fröbel gründete den ersten Kindergarten.“

300 Wörter. Puh!

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