Teekesselchen?

Neue Runde, neuer Text. Danke wie immer an Christiane, die dieses Mal nicht nur für die Organisation, sondern mit Ludwig Zeiler gemeinsam auch für die Wörter sorgt. Sie lauten dieses Mal: Sonnenhut, haltlos, massieren

And here we go:

Nachdenklich stand Luise im Garten vor dem Staudenbeet. Ganz nebenbei griff sie mit der linken Hand zur rechten Schulter, um den verspannten Nacken zu massieren. Georg trat zu ihr und fragte neugierig: “ Was geht dir durch den Kopf? Ich sehe doch, dass es in dir arbeitet.“ „Einen ganz bestimmten Sonnenhut könnte ich noch gebrauchen, den habe ich neulich in der Gärtnerei gesehen und die Farbe fehlt mir noch in meiner Sammlung. In der Mitte ist er rotbraun, außen herum orange bis lachsfarben mit cremefarbenen Spitzen. Ich glaube, ‚Flamingo‘ heißt er.“

„Aha“, meinte Georg nur. Nach einer Minute Schweigen dann: „Du, ich habe beim Einkaufen etwas vergessen, das fehlt mir dann nachher, ich muss nochmal los.“ Und weg war er. Luise hörte noch den Wagen vom Hof fahren, dann herrschte Ruhe. Sie schnitt hier ein wenig, zupfte dort, überlegte, wie Lücken im Beet zu füllen seien und suchte deswegen im Schuppen nach Saatgut für rasch wachsende einjährige Sommerblumen, als Georg schnaufend zurückkam. Er hielt eine große Hutschachtel in den Händen und strahlte übers ganze Gesicht.

„Schau mal, der sieht zwar nicht ganz so aus wie du ihn beschrieben hast, aber das war der einzige, der irgendwie ähnlich aussah. Heißt allerdings ‚Sombrero‘ und nicht ‚Flamingo‘. Er steht dir aber bestimmt sehr gut und er hält auch mit der breiten Krempe super die Sonne vom Gesicht fern!“ Etwas hilfesuchend schaute Luise ihn an, öffnete dann die Hutschachtel und begann nach einem Blick haltlos zu lachen. „Georg!“ prustete sie, „Ich meinte doch nicht einen Sonnenhut zum Aufsetzen! Ich meinte eine ganz bestimmte Sorte Echinacea…“

261 Wörter

Tädäää! Ich habe es tatsächlich mal geschafft und mir etwas fiktionales ausgedacht. Naja, obwohl diese Echinacea „Flamingo“ mich tatsächlich reizt. Aber im Moment ist wettertechnisch überhaupt noch nicht an Pflanzen zu denken, die eigentlich in der Prärie zuhause sind. Kommt Zeit, kommt Sonnenhut😉.

Sonntagmorgenfrühstücksetüde

Danke für die Schreibeinladung von Christiane und die Wörter von Puzzleblume. Nachdem ich eine Runde ausgesetzt hatte (tut mir leid, mit „Klassenkeile“ fiel mir nichts ein, das ich schreiben mochte), fällt mir hier prompt ein Sonntagmorgenquickie ein. Der Brötchenduft aus meinem Backofen hat mich inspiriert und anders als in der Geschichte habe ich sie auch soeben ohne Pfoten verbrennen aus dem Ofen genommen😄

Scheppernd lasse ich das heiße Backblech auf die Herdoberfläche fallen. Mist, schon wieder neben dem Topflappen hergefasst…! Ich blicke zu den Hunden. Lucy putzt sich unbeeindruckt, wie eigentlich immer. Kalle dagegen versucht, ob des unerhörten Lärms seine Stirn in Dackelfalten zu legen, was einem Aussie naturgemäß eher mäßig gelingen kann. Egal. Alles ist vergessen, wenn auf dem frischen, knusprigen Brötchen die fruchtige Marmelade zum Reinbeißen einlädt.

66 Wörter

Frühling

Zu den abc.Etüden von Christiane kommst du hier. Danke für die Schreibeinladung. Es juckt mich in den Fingern, die Wörter von Sabine der Jahreszeit entsprechend umzusetzen:

„Mama, ich gehe ins Feld. Ein bisschen Spazierengehen kann nicht schaden. Es ist so tolles Wetter heute. Kaum zu glauben, dass letzte Woche noch Schnee lag.“ Ich freue mich, dass sie raus will. Nicht immer nur im Zimmer sitzen, vor dem Tablet, in Videokonferenzen. Oder Aufgaben bearbeiten. Freizeit und frische Luft muss auch sein. Die erwachende Natur neu entdecken. Und es ist ja auch tatsächlich so: Innerhalb einer Woche sind die Temperaturen um 30 Grad gestiegen.

Doch dann sehe ich, was sie für Klamotten anhat und das Muttertier kommt mit Macht durch: „Kind, nimm wenigstens deine Strickjacke mit. Die Sonne ist trügerisch. Wo sie noch nicht so hinkommt, ist die Luft noch ganz schön kalt. Du bekommst es noch an den Nieren!“ „Ach Mama. Du immer…!“

125 Wörter. (Auto-)biografisch. Das ist tatsächlich der Punkt, an dem ich mich original anhöre wie meine eigene Mutter. Und das schon drei Töchter lang😅. Sie leben alle noch. Ich ja auch.

Affen sind auch nur Menschen

Zur Schreibeinladung von Christiane geht es hier . Die Wortspende (Affe, neu, blockieren) stammt dieses Mal von Wortman. Viel Spaß beim Lesen und beim Mitmachen!

„Wo ist er denn schon wieder? Ich habe das gesamte Gehege abgesucht mit sämtlichen Verstecken! Ein richtiger Lausebengel ist das!“ schimpfte Lisa, die Tierpflegerin im Affenhaus. Merle, ihre Kollegin, rief vom anderen Ende des Geheges: „Schau mal hier, das Nebentörchen. Da hat er den Riegel irgendwie betätigt. Ganz schön schlau und anscheinend mit gehöriger Geschicklichkeit ausgestattet, der junge Mann.“ Fachmännisch betrachteten die beiden Frauen das Riegelschloss und den Stift, den der neueste Bewohner, ein junger Rhesusaffe, aus der Konstruktion gezogen hatte.

„Es hilft nichts, erstmal müssen wir ihn finden. Und dann das Schloss doppelt sichern und am besten blockieren, damit er nicht immer wieder ausbüxt.“ Kaum hatten sich die Pflegerinnen auf den Weg gemacht, schlich der kleine Affe hinter ihnen her und flitzte noch ganz schnell aus der Tür zur Quarantänestation, ehe sie zufiel. Alle neuen Tiere im Zoo mussten hier erst ein paar Wochen beobachtet werden, damit sie nicht eventuell Seuchen unter die wertvollen Nachzuchtbestände brachten. Aber er wollte einfach nicht mehr allein sein. Er wollte so gern in das große Rhesusgehege, in dem die anderen gemeinsam spielen, streiten und sich gegenseitig pflegen konnten.

Und so fanden Lisa und Merle ihn, wie er geduldig vor der Tür zum großen Gehege saß und die Artgenossen sehnsüchtig beobachtete. Lisa lachte: „Warum sollte es ihm anders gehen als uns Menschen?“ – „Eben“, meinte Merle verschmitzt. „Affen sind auch nur Menschen!“

227 Wörter. Eigentlich wollte ich mal etwas ganz erfundenes und unverfängliches schreiben. Irgendwie hat sich die aktuelle Situation dann doch ganz ungefragt hineingemogelt🙈.

Vitaminstoß im Januar

Zur Schreibeinladung von Christiane geht es hier. Dort findest du auch die Vorgaben für die Textgestaltung, falls du die Etüden noch nicht kennst. Alles wichtige kannst du dort nachlesen, also lege ich sofort los:

Der Januar gehört nicht zu den vitaminreichen Monaten. Es sei denn, man isst abwechselnd Rotkohl, Grünkohl und Sauerkraut. Alle diese Kohlgerichte schmecken gut, aber irgendwie muss doch auch noch etwas anderes den Vitaminspiegel und die Laune hochhalten.

Also beschließe ich, Orangengelee zu kochen. Am nervigsten dabei sind immer die Vorbereitungen, doch heute kann mich das nicht erschüttern. Ich hole alles aus dem Keller, was ich brauche, also saubere Marmeladengläser und den großen 17-Liter-Kochtopf. Der ist so schön hoch, dass es garantiert keine Geleespritzer an den Wänden gibt und gleichzeitig sehr breit, so dass die Flüssigkeit gut einkochen kann.

In der Küche schließe ich das Smartphone an den Bluetooth-Lautsprecher an und suche mir eine fröhliche Playlist aus. Dann baue ich die Zitruspresse auf die Küchenmaschine, hole Orangen aus dem kühlen Vorbau* und lege los. Erstmal eine oder zwei Bioorangen heiß abwaschen und mit einem Zestenreißer von der äußeren Schale befreien, die brauche ich später noch.

Dann so viele Apfelsinen auspressen, dass 750 ml Saft entsteht. Manchmal presse ich auch noch eine Limette dazu, wenn ich gerade eine habe.

Der Saft wird mit einem Paket 2.1-Gelierzucker aufgekocht und 4-5 Minuten bei ständigem Rühren sprudelnd weitergekocht. Kurz vor Ende der Kochzeit gebe ich die Zesten dazu und für eine intensivere orange Farbe ein Schnapsgläschen Campari oder Granatapfelsirup, je nach Geschmack und Vorliebe. Wenn die Gelierprobe nach meiner Vorstellung ausfällt, fülle ich das Gelee zügig in die vorbereiteten (das heißt heiß ausgespülten) Gläser und verschließe sie fest. Auskühlen lassen und am liebsten auf frischen Brötchen genießen. Aber auch in Quark oder Joghurt gerührt mit etwas (selbstgemachtem) Knuspermüsli lecker. Das tröstet dann auch darüber hinweg, dass nach dem Kochen der Vitamingehalt vermutlich doch eher übersichtlich ist😉.

Nachkochen erwünscht. Guten Appetit und bleibt gesund!

(288 Wörter)

*Vorbau: so heißt bei uns in der Familie schon seit Generationen etwas, das auch als (Hauseingangs-)Erker oder Windfang bekannt ist. Denn er ist eben vor das Haus vorgebaut. Da er zwar geschlossen, aber nicht isoliert ist, kann ich ihn im Winter immer sehr gut als begehbaren Kühlraum benutzen, das ist echt praktisch.

Unberechenbar -3.1.2021

|Werbung, unbezahlt|

abc.etüden 2021 01+02 | 365tageasatzaday

Zu Beginn des neuen Jahres verbinde ich wieder das Angenehme mit dem Nützlichen. Bei Christiane gibt es wieder neue ABC-Etüden und nach längerer Pause bin ich mal wieder dabei. Ich versuche die Herausforderung zu meistern, die Wortspende von Ludwig Zeidler ( Zetermodio, weichmütig, backen) mit meinem Lesetagebuch in Einklang zu bringen. Ich musste glücklicherweise nur ein ganz kleines bisschen um die Ecke denken. Wie es mir gelungen ist, mögen andere beurteilen😉:

Der Technikwahn hat sich in unser Leben eingeschlichen. Immer schneller kommt immer leistungsstärkere Technologie auf den Markt. Die Technik um der Technik willen führt einerseits zur Entfremdung, andererseits zur Verselbständigung des Technikglaubens. Selbst hochkomplexe Börsenvorgänge werden inzwischen von Software erledigt, viel schneller, als die bestens ausgebildeten Analysten nachvollziehen können. Wenn dann in einer Software ein Fehler steckt, suchen die Menschen aber trotzdem ganz weichmütig bei sich selbst das Fehlverhalten (Irgendwie stimmt es ja auch, der Fehler sitzt immer vor dem Bildschirm, die Frage ist nur, vor welchem? Weiser Ausspruch meines softwareentwickelnden Ehemannes)

 Zu denken gibt mir der Satz „Die Vielfalt der Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung schenkt, bedeutet in anderen Bereichen unseres Lebens auch einen Verlust an Vielfalt – und eine Vereinheitlichung des Lebens.“ (S. 40/41) Ein ganz profanes Beispiel ist die Verengung der Meinungsvielfalt, die mir in „sozialen“ Medien angeboten wird, ich komme aus meiner Filterblase kaum noch raus, weil mir nichts anderes vorgeschlagen wird. Dagegen finde ich es ja noch erheiternd, dass mir der Algorithmus des großen amerikanischen Krämerladens einen blauen Gartenschlauch ans Herz legen will, weil ich mich mal für Bücher über Patchworknähen interessiert habe…

Weiter geht es mit dem Streckengeschäft. Was das ist? Große und kleine Geschäfte haben immer weniger Lagerplatz, weil der teuer ist und eingelagerte Ware einen hohen Finanzeinsatz bedeutet. Immer mehr wird „just in Time“ geliefert, was im Endeffekt nichts anderes heißt, als dass unsere Kochtöpfe, Kameras oder Autoersatzteile in Sattelzügen gelagert sind und unsere Autobahnen, Rastplätze, Bundesstraßen etc. verstopfen. Die Auswirkungen dessen spürten wir letzten Frühjahr, als das Klopapier auf einmal überall war, nur nicht in den Regalen der Geschäfte. Folge: Alle schrien Zetermordio und wenn dann mal tatsächlich was zu bekommen war, wurde gehamstert. Ähnlich sah es bei Mehl und Hefe aus. Wir können mindestens noch das komplette Jahr 2021 Brot backen!

300 Wörter

Wenn ihr neugierig geworden seid:

Harald Lesch/Thomas Schwartz, Unberechenbar – das Leben ist mehr als eine Gleichung, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-39385-3, € 18,- (Österreich € 18,60) [Und nicht vergessen: bitte beim lokalen Buchhändler eures Vertrauens bestellen😉]

A B C …

Ich habe eine Weile gebraucht, bis es zwischen dem Alphabet und mir gefunkt hat. Aber der Gedanke hat mich die ganze Zeit nicht losgelassen.

Heute habe ich dann einfach mal meinen Erinnerungen an die Kindheit nachgehangen und drauflosgeschrieben. Und siehe da, es wuchs. Danke. liebe Christiane, für diese Anregung.

Also los:

Meine Kindheit hatte viele Facetten, ist aber stark geprägt von einzelnen Personen, einer ländlichen Einfachheit und ziemlich viel Natur.

Ich erinnere mich an den Apfelbaum, in dem ich gern geklettert bin, an Blutflecken, bevorzugt auf weißen Söckchen, wenn ich mal wieder mit dem Schutzblech meines Fahrrades kollidierte und an das Chaos, das jahrelang in meinem Zimmer herrschte. Dickköpfig war ich auch häufig (siehe auch „N“). Eine Sache, die ich sehr schön fand, war das Eiersuchen im Hühnerstall des Bauernhofes gegenüber. Übrigens ist eine meiner frühesten Erinnerungen das heimliche Fleischwurstessen mit meinem Opa auf der Bank vor der Kirche (natürlich wusste Mama davon, aber das wusste ich nicht. Ich war zwei Jahre alt).

Grün mit riesigem Blumenmuster war die Tapete in meinem ersten eigenen Zimmer. Typisch 70er halt. Den Hintern bekam ich nur einmal versohlt, da war ich ohne Bescheid zu sagen mit einem Schulfreund nach Hause gegangen, weil er neue „L“ bekommen hatte und ich die unbedingt sehen musste… In die Innenstadt von Minden bin ich am liebsten mit dem Bus gefahren, um mir ein Bille-und-Zottel-Buch zu kaufen. Meist hatte ich es dann schon halb durch, wenn ich wieder zuhause ankam. Etwas später kamen dann die ersten Jugenddiscos in Dorfgemeinschaftshäusern. Manchmal waren die so langweilig, dass wir heimlich nach Bückeburg in die Disco marschierten. Ach, und dann war da noch der Kirschbaum in unserem Garten mit dem megadicken Stamm, den wir zu zweit nicht umarmen konnten. Lego war klasse, obwohl meine Fähigkeiten nicht zur Architektin reichten. Meine Steine waren bereits Erbstücke von meinem Bruder (es gab damals echt noch nicht die Trennung in Jungs-Lego und Mädels-Lego!)

Zurück auf den Bauernhof. Milchpulver in Eimern mit Wasser verrühren (die Arme bis oben hin im Eimer) und dann die Kälber füttern war auch immer toll. Nicht so toll dagegen war die Tatsache, dass meine heißgeliebte Tante manchmal ziemlich nachtragend war, vor allem wenn bei mir das „D“ durchkam 😅. Ich denke daran, dass es Oberleitungen bei der Bahn auch noch nicht überall gab. Deswegen fand ich die Schienenbusse in den ländlichen Gegenden immer faszinierend. Eine Sache der ganzen Familie war das Pflaumenmuskochen im Herbst. Im Waschkessel, für den es einen Kupfereinsatz gab, das Wochenende brauchten wir komplett dafür. Etwas eher im Jahr machte meine Mutter eine geniale Quark-Sahne-Torte mit Himbeeren. Wenn ich die doch auch hinbekäme… Übrigens prägte ein Urlaub in Reit im Winkl meine Vorliebe für Frühstückspensionen. Ein Traum von mir ist es, eine eigene zu besitzen.

Meine Gedanken springen ziemlich hin und her. Jetzt fällt mir ein, dass ich mit einer Freundin im Wald an der Lerbeeke gerne Staudämme gebaut habe. Was hatten wir für Freiheiten! Überhaupt, die langen Tage im Sommer auf dem Bauernhof, mit Rüben hacken, Heu machen und Getreideernte. Denn Urlaub war selten, manchmal auch mit oder bei Tante und Onkel. Nix mit Caprifischern außer im Radio. Wichtig ist mir nach wie vor mein Vater, der viel zu früh gestorben ist. Papa nahm mich immer ernst. Und er sorgte dafür, dass ich mich für politische und gesellschaftliche Themen interessiere. Keine Bange, ich war kein Nerd, im Gegenteil, ich spielte mit einer (anderen) Freundin unheimlich gern Winnetou und Old Shatterhand.

Jetzt kommen die „Schwierigen“ Buchstaben. Wenn ich bockig war, und das konnte ich ziemlich gut, nannte Mama mich „Xanthippe„. Dagegen kam das Ypsilon in meiner Kindheit kaum vor. Doch, da gab es ein Comicheft, das hieß „Yps“ mit so einem komischen Känguruh (kein kommunistisches, soweit ich weiß). Und schließlich hatte ich viele Jahre Angst vor dem Zahnarzt, weil ich mal vertretungsweise zu einem uralten Exemplar seiner Art musste, den meine Mutter als „Kommissarzt“ betitelte. Heute weiß ich auch warum.

So. Nun wisst ihr’s. Darum bin ich so, wie ich bin. Meine Kindheit im Schnelldurchlauf bringt es ans Tageslicht. Vielen Dank an alle Beteiligten damals.

Saft auf rohem Wege

Danke für die Schreibeinladung von Christiane, die Wortspende in dieser Runde kommt von Stepnwolf. Augenscheinlich habe ich es gerade nicht so mit fiktiven Texten, daher habe ich einen kleinen persönlichen „Hilferuf“ als Etüde verpackt:

Schier übermächtig ist dieses Jahr mein Wunsch, selbst Lebensmittel aller Art haltbar zu machen, damit wir im Winter nicht auf Produkte der LebensmittelINDUSTRIE angewiesen sind. Vieles kenne ich noch aus meiner Kindheit, es ist weder Hexenwerk noch brauche ich so etwas kompliziertes wie ein Reagenzglas dafür. Das im Übrigen auch nicht annähernd genug Fassungsvermögen hat, um eine Familie satt zu bekommen.

 Solche Dinge wie „auf ein 1-Liter-Einweckglas voll Bohnen einen  Teelöffel Salz und dann mit kaltem Wasser aufgießen“ vergisst man nicht. Bei Obst ist es dann statt Salz Zucker und statt einem Teelöffel auch mal ein Esslöffel plus eine Prise Zitronensäure.

Selbst das Rezept für die eingelegten süß-sauren Gürkchen bekomme ich annähernd so hin wie meine Mutter, obwohl ich jedes Mal, wenn der Essigkanister alle ist, wieder von einem Supermarkt zum anderen fahren muss, um den 10%igen zu finden. Das war „früher“ einfacher, denn in meiner Kindheit gab es noch eine Essigfabrik in Minden, wo man den Essig auch gleich kaufen konnte (lange bevor das Wort „Werksverkauf“ in Mode kam).

Aber heute früh bin ich ins Stolpern gekommen. Ich hatte das genaue Rezept für „Saft auf rohem Wege“ (ohne Dampfentsafter und ohne Aufkochen) vergessen. Moment, dachte ich, da ist doch so ein handgeschriebener Zettel von Mama im Kochordner. Den habe ich auch gefunden und seitdem rätsele ich noch mehr als vorher. Warum brauchte sie für eine geringere Menge Obst mehr Zitronensäure und mehr Wasser? Okay, sie hatte es nie so ganz mit Maßangaben, weil sie das meiste einfach „frei nach Schnauze“ kochte, wie ich auch. Aber für das Gelingen und vor allem haltbar machen ist es ja nicht so ganz unerheblich, wie die Mengenverhältnisse aussehen.

Meine Hoffnung: liest hier zufällig jemand mit, der oder die dieses Rezept auch kennt? Bitte melde dich. Danke!

(293 Wörter und ein Bild😉)

Gerümpel

Zur Schreibeinladung von Christiane geht es hier:

Die Wortspende kommt von Books2Cats und lautet: Geräteschuppen, kupferfarben, feiern.

Endloses Tröpfeln. Sicher, es ist notwendig, und irgendwie freut sie sich auch darüber. Dann wächst das Gemüse im Garten und die Zisterne füllt sich auch mal wieder. Aber die Untätigkeit macht ihr zu schaffen. Für eine halbe Stunde ist es ja auch entspannend, dem Regen zuzuschauen, zu sehen, wie das staubige Grau sich langsam von den Blättern der Bäume abwäscht. Aber so ein ganzes Wochenende hält sie das nicht durch.

„Du sag mal, wenn es in den nächsten Tagen sowieso regnet, könnten wir doch mal den Geräteschuppen aufräumen.“ – „Och nee, muss das sein? Ich habe mich so gefreut, endlich diesen dicken Schinken zu Ende zu lesen…“ seufzt er aus dem Lesesessel. Er mag es nicht, mit solchen Hauruck-Aktionen überrascht zu werden. Aber wann wäre jemals der richtige Zeitpunkt? Etwas genervt dreht sie sich um. „Ich kann es ja auch allein in Angriff nehmen, aber zumindest bei diesem unförmigen kupferfarbenen Gestell musst du mir wirklich zur Hand gehen. Du warst so stolz damals, als du es in dem Kunsthandwerkerkurs zusammengelötet hast, weißt du noch? Wir haben sogar alle unsere Freunde eingeladen, weil du es geschafft hast, ohne dich zu verletzen. Wir mussten das ganz einfach feiern! Aber wenn es jetzt seit Jahren nur noch im Schuppen steht und Platz wegnimmt, dann kann es genauso gut weg!“

Er versinkt immer tiefer im Sessel. Ja, das war sein einziger Ausflug in die praktische Ausübung einer handwerklichen Tätigkeit. Und es hat sogar Spaß gemacht. Aber er ist nun mal ein Mann des gedruckten Wortes. Ob sie ihn für einen Versager hält? Weil er virtuos mit Worten jonglieren kann, aber ansonsten zwei linke Hände hat?

Sie schaut liebevoll, nachsichtig lächelnd. Sie kennt und liebt ihn so. Dann fragt sie eben den Nachbarn. Als Gurkengestell taugt das merkwürdige Teil bestimmt noch, wenn es erstmal draußen ist…

(exakt 300 Wörter)

Challenge 2.0

Diesen Beitrag schreibe ich im Rahmen der abc-etüden. Hier der Link zur Schreibeinladung:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/04/19/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-17-18-20-wortspende-von-myriade/

Seit fast acht Wochen habe ich nichts mehr über die Challenge geschrieben. Sie ist aber keinesfalls unter den Teppich gekehrt, nein, keineswegs. Was das angeht, werde ich gläsern bleiben und berichten. Allerdings wurde sie, zumindest bei mir persönlich, von zwei anderen Herausforderungen überlagert:

Erstens: Beine schonen. Zuhause bleiben, damit die Sehnen wieder anwachsen können, Beine hochlegen, wenig Bewegung. Als wäre das nicht genug, kam dann

zweitens Corona dazu. Noch mehr zuhause bleiben, weil Risikogruppe. Nichts mit unbeschwert durch die Gegend flattern! Mit zunehmender Mobilität innerhalb der eigenen vier Wände erwachte auch die ursprüngliche Challenge wieder. In Form von Vernichtung: Vernichtung von bevorrateten Lebensmitteln, die seit Jahr und Tag in Vergessenheit geraten waren. Und zwar Vernichtung durch Aufessen.

Und jetzt durch das Transformieren von Stoffen aller Art: Alte Herrenhemden, Bettwäsche, Tischdecken und Patchworkstoffe werden zu Masken verarbeitet. Dazu die Reste von „Schlüpfergummi“ aus dem alten Nähkorb meiner Mutter. Was als Nachbarschaftshilfe für die Hausarztpraxis begann, hat sich (übrigens entgegen meiner ursprünglichen Absicht) verselbständigt. Es macht nämlich auch durchaus Spaß, Statementmasken für Hobbygärtner, Globetrotter, feine Damen oder Freizeitkapitäne zu nähen. Leider sind die Stoffe für Leseratten (mit Büchern drauf oder zumindest mit Schrift) momentan sehr schwierig zu bekommen (Oder es sind schwere Dekostoffe, durch die man nicht atmen kann). Aber das ist dann ja auch kein Verwenden von sowieso schon Vorhandenem mehr.

Größere Aktionen werden aber noch ein bisschen warten müssen. Weil ich zwar wieder gehen kann, aber die Kraft erst noch trainieren muss. Und weil die Annahmestellen für Sperr- und sonstigen Müll nach drei Wochen Schließung erstmal viel Zulauf haben. Offensichtlich ist Entrümpeln momentan Volkssport. Da warte ich lieber noch ab.

abc.etüden 2020 17+18 | 365tageasatzaday