23. Dezember – Buch-Adventskalender

Schon das Cover ist genial. Kopf auf, Wissen rein… Wenn es doch nur so einfach wäre! Dabei ist bei genauerem Hinsehen der Kopf gar nicht geöffnet, das sieht nur beim flüchtigen Blick so aus. Im Vordergrund sind allerdings die vielen unterschiedlichen Sachen, die sich vor allem Kinder ab dem Grundschulalter aneignen wollen/sollen/müssen. Das kann schon mal unübersichtlich werden.

Gut also, dass es Bücher wie dieses gibt, denn der Verlag Dorling Kindersley ist bekannt für seine wunderbaren Illustrationen, die mit dem umgebenden Text zusammen eine sehr anschauliche Aufmachung für die Vermittlung von Wissen bieten. Das Buch ist super, wenn die Fragen der Kinder beginnen, den eigenen Horizont der Eltern zu erreichen oder wenn die Kunst des Zeichnens nicht ausreicht, um Zusammenhänge zu veranschaulichen. Es ist aber noch mehr als das, es eignet sich auch ganz hervorragend, im Familienkreis oder zumindest im trauten Sofa-Zweiergespräch gemeinsam die Welt des Wissens zu entdecken oder in neue Bereiche vorzustoßen. Prädikat: Sehr wertvoll.

Bibliographische Angaben: WISSEN – Das große Lexikon in spektakulären Bildern, Dorling Kindersley, ISBN 978-3-8310-3920-3, € 24,95

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22. Dezember – Buch-Adventskalender

Beim heutigen Buchtipp stimmt alles: Schon allein das Cover zieht die Leute magisch an. Es verspricht Ruhe und Entspannung, die Farben ebenso wie das Motiv. Es ist auch nicht ganz klar, ob es sich um einen Roman oder ein Sachbuch handelt, der Verlag bezeichnet es als „literarisches Sachbuch“.

Von der Thematik passt es genau in die Zeit, obwohl nicht die durch die Pandemie erzwungene Entschleunigung des Lebens Thema ist. Es können ganz unterschiedliche Gründe sein, die das Leben um uns herum anscheinend anhalten: natürlich der Tod, der große Separator, der oft ungefragt und unerwartet in unser Leben tritt. Es können Abbrüche in der Karriere sein, Unfälle, aber auch schöne Ereignisse, die uns unvermittelt in eine Situation katapultieren, in der wir uns fühlen wie außerhalb des Raum-Zeit-Kontinuums. In irgendeinem Marvel-Film gab es eine Sequenz, da bewegten sich die Charaktere auf einmal wie durch Wachs, alles war zähflüssig und irre langsam, so stelle ich mir das in diesem Augenblick vor.

Das Paradoxe ist: Wie oft wünschen wir uns, entschleunigt zu werden, und wie oft ist die Entschleunigung, wenn sie eintritt, ganz anders als unser Wunsch. Das gilt übrigens auch für die Pandemie, wenn ich daran zurückdenke, wie wir, auch hier in Bloggershausen, darüber philosophiert haben, wie schön doch (zumindest der Teil, der nicht mit Home Office und Home Schooling zu tun hatte) die langsame und ruhige Zeit des ersten Lockdowns war. Auch an mir selbst stelle ich fest, dass mir so ein kleiner Totalabriss des schon wieder sehr schnell gewordenen Lebens gerade mal wieder sehr passend erschiene. Nicht, weil ich den Lockdown an sich so toll finde, sondern weil der Wunsch nach Ruhe und Übersichtlichkeit überhand nimmt.

Aber zurück zum Buch: Wunderbar ist nicht nur, was Katherine May schreibt, sondern auch vor allem, wie sie es schreibt. In einem langsamen, poetischen Stil. Und die Botschaft, die lautet: „Wir können uns unsere Winter nicht aussuchen. Aber wie wir überwintern, schon. Ein wunderbares Buch über die heilsame Kraft des Innehaltens.“ (von der Verlagshomepage)
Ein ganz besonderes Stück Literatur, wie gemacht für dieses Weihnachten 2021.

Bibliographische Angaben: Katherine May, Überwintern. Wenn das Leben innehält, Insel Verlag, ISBN 978-3-458-17958-0, € 22,-

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21. Dezember -Buch-Adventskalender

Dreißig Jahre ist es her, dass Freddie Mercury starb, aber die Legende und die Band leben weiter. Die Songs, von „We are the Champions“ , „We will rock you“ bis „Bohemian Rhapsody“ können wir mitsingen. Die Stimme, die Schauer den Rücken herunterlaufen ließ, war aber auch wunderbar im Crossover mit einer der brillantesten Opernsängerinnen der Zeit, Montserrat Caballé, die Melodien klingen in jeder Interpretation super, besonders aber auch als symphonische Version.

Alle Songs in chronologischer Reihenfolge, tolles Fotomaterial und spannende Anekdoten rund um die Band der Bands sind in diesem umfangreichen Text- und Bildband versammelt. Ich glaube, mehr muss ich dazu gar nicht schreiben.

Bibliographische Angaben: Benoît Clerc/Melanie Köpp, Queen -Alle Songs, Delius Klasing, ISBN 978-3-667-12188-2, € 59,90

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20. Dezember – Buch-Adventskalender

Von „Stutenbissigkeit“ haben wir vermutlich alle schon gehört, und es ist ja auch was dran: Wenn Frauen sich gegenseitig fertigmachen, bleibt kein Stein auf dem anderen.

Aber glücklicherweise gibt es auch das Gegenteil: Frauen, die von anderen Frauen inspiriert werden, die Kraft aus dem Vorbild schöpfen, die lernen, ihren eigenen Weg zu gehen.

Das Buch, um das es heute geht, habe ich für die Besprechung erstmal quergelesen, aber an manchem Beitrag bin ich schon hängengeblieben, weil ich tief berührt wurde. Auf jeden Fall werde ich es über Weihnachten (das wieder recht ruhig wird) ganz genüsslich und mit Muße nochmal zur Hand nehmen. Ganz unterschiedliche Frauen schreiben über ihre weiblichen Vorbilder, Frauen mit diversem gesellschaftlichem und kulturellen Hintergrund, junge Frauen ebenso wie solche mit reichlich Lebenserfahrung. Gleich der erste Beitrag von Minh-Khai Phan-Thi hat mich beeindruckt, denn sie bringt mit ihrem familiären Hintergrund auch gleich das Leben in zwei diametral unterschiedlichen Kulturkreisen mit. Ich kann es schwer beschreiben, man muss es einfach selbst lesen.

Was mich beeindruckt und mir Mut gibt: viele Frauen haben weibliche Vorbilder innerhalb der eigenen Familie und oft ist es die Mutter oder Großmutter. Warum das für mich ein Grund für Mut ist? Vielleicht, weil man als Frau doch noch sehr oft damit konfrontiert wird oder sich dafür rechtfertigen muss, wie man es mit seinen Kindern auf die Reihe bekommt/bekommen hat. Weil es immer irgendwie und irgendwo Restzweifel gibt.

Ich überdenke mein Verhältnis zu meiner eigenen Mutter, von der ich vieles gelernt habe (vor allem viel lebenspraktisches), die auch hier im Dorf früher aneckte, weil sie mit Lippenstift in den Garten ging und mit Nagellack auf den Fingernägeln ihrer Freundin bei der Feldarbeit half. Auch eine Art von Emanzipation. Und in manchem sicher auch Vorbild. Aber mir sind eben auch die anderen Augenblicke in Erinnerung: dass ich als Mädchen nicht Fußball spielen durfte, weil das ein „unweiblicher“ Sport sei (Handball wäre ok gewesen, das hat sie in ihrer Jugend gespielt. Wo das weiblicher sein sollte, hat sich mir nie erschlossen, Handball hab‘ ich einfach als brutal empfunden…) Und später, als ich verheiratet und zweifache Mutter war, immer auch gearbeitet habe und mal mehr, mal weniger erfolgreich alles unter einen Hut bekam, da bekam ich mitunter zu hören, dass diese oder jene Frau das alles aber noch viel besser meistere, dass sie früh um fünf Uhr den Haushalt mache, damit sie danach putzen ging, um nachmittags für die Kinder da zu sein… Ziemlich ambivalente Sache. Logischerweise frage ich mich als Folge dieser Überlegung auch, wie meine Töchter mich wahrnehmen. Als die Frau, die versucht, ihre Werte und Überzeugungen im alltäglichen Leben unterzubringen oder als das verhuschte, situationsüberforderte, chronisch kranke Muttertier, das ich zweifelsohne auch von Zeit zu Zeit bin?

Auf jeden Fall, auch wenn dieses Buch das gefährliche Potenzial hat, Gedanken in Fluss zu bringen, so ist es auf jeden Fall vor allem eins: Eine Inspirationsquelle, denn es wird von so vielen faszinierenden Frauen erzählt, dass der Lesestoff, die Playlists oder die Liste der noch anzuschauenden Filme immer länger wird.

Liebe Männer, die das hier lesen: Es lohnt sich durchaus, euren Frauen/Lebensgefährtinnen/Freundinnen das Buch zu schenken, und es lohnt sich, auch mal selbst reinzulesen. Das erstere gilt natürlich nicht für mein Exemplar von Ehemann, denn ich habe es ja schon😄.

Bibliographische Angaben: Anne Ameri-Siemens, Die Frauen meines Lebens, Rowohlt Berlin, ISBN 978-3-7371-0127-1, € 20,-

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19. Dezember – Buch-Adventskalender

Die transsibirische Eisenbahn. Mehr muss ich doch eigentlich gar nicht sagen, oder? Ich erinnere mich an eine mehrteilige Reportage, früher, in den Zeiten, wo um Weihnachten herum noch ganze Familien vor dem Fernseher saßen und nicht nur die Weihnachtsserien im ZDF schauten, sondern auch die Dokus, die zwischen Weihnachten und Neujahr liefen. Da gab es eine über die Transsib, ich glaube sie war von Gerd Ruge, und ein Begleitbuch gab es auch.

Dieses Bilderbuch ist anders. Ein bisschen Wimmelbilderbuch, ein bisschen Reiseführer mit praktischen Tipps für eine Fahrt mit der legendären Eisenbahn. Und ganz viel Spaß und Situationskomik. Anschaulich wird unter anderem, dass man vor vielen Kontakten mit anderen Menschen nicht bange sein sollte, wenn man diese Reise unternimmt. Ebenso sollte nach Möglichkeit die Nase nicht allzu empfindlich sein😂, da es nicht ausbleibt, dass man auch olfaktorisch die Angewohnheiten der Mitreisenden mitbekommt. Wie gut, dass es zwischendurch auch Stopps gibt, bei denen man aussteigen, sich die Beine am Bahnhof vertreten und etwas neuen Proviant erwerben kann.

Anti-Langeweile-Tipps für Kinder, wissenswertes für Reisende mit Haustieren und andere Spezialhacks runden das sehr interessante Buch ab. Allerdings eignet sich das Format nicht wirklich für unterwegs, es sollte also eher zur Vorbereitung (oder einfach nur zum Genießen) genutzt werden.

Bibliographische Angaben: Alexandra Litwina/Anna Desnitskaya, Von Moskau nach Wladiwostok, Gerstenberg Verlag, ISBN 978-3-8369-6129-5; € 26;-

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18. Dezember – Buch-Adventskalender

Der Untertitel des Buches lautet „Die glänzenden und die dunklen Jahre der Physik (1895-1945)“ und es behandelt die Epoche der großen, bahnbrechenden Entdeckungen der Physik, die unser Leben bis heute beeinflussen und die damals geradezu revolutionär waren. In diesem halben Jahrhundert erreichte die Wissenschaft ungeahnte Erfolge, wie die Entdeckung der Radioaktivität.

Anhand dieses konkreten Beispiels kann man sehr deutlich die beiden Seiten der Medaille sehen: Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert galt das von dem Ehepaar Curie entdeckte Radium als Mittel für und gegen einfach alles: Es sollte (auch auf sexuellem Gebiet) leistungssteigernd wirken, die Alterung verzögern und vieles andere, es gab einen regelrechten Hype. Der sich allerdings nicht nur auf die beiden Entdecker, sondern auch auf die Konsumenten gesundheitlich äußerst übel auswirkte: Marie Curie starb an der Strahlenkrankheit, manch einer, der auf die Wunderkraft des Radiums vertraute, verreckte an Krebserkrankungen.

Auch sonst stellte sich im Laufe der Zeit heraus, dass Radioaktivität nicht nur die relativ saubere Energieerzeugung ermöglicht (jedenfalls, solange man die Endlagerung ausklammert), sondern eine Waffe mit gewaltigem Zerstörungsausmaß für Mensch und Umwelt darstellt.

Im Buch geht es natürlich um die großen Pioniere der Physik, Einstein, Bohr, Planck, Heisenberg, Schrödinger, die Curies… Sie prägten ihre Zeit, sie befruchteten sich gegenseitig in ihren Forschungen, sie waren Rivalen, sie feierten Erfolge und sie erlebten Scheitern. Und liefen sich persönlich oder zumindest bildlich gesehen immer mal wieder über den Weg. Und mitunter kamen ihre Erkenntnisse politischen Agitatoren für ihre Kriegstreiberei gerade recht, darin wohnt eine gewisse Tragik.

Ein spannendes Buch, nicht nur für physikbegeisterte Menschen.

Bibliographische Angaben: Tobias Hürter, Das Zeitalter der Unschärfe, Klett-Cotta, ISBN 978-3-608-98372-2, € 25,-

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17. Dezember – Buch-Adventskalender

Aus dem Vorwort:Was ist deutsche Geschichte? Gerade heute ist es für die Deutschen wichtiger denn je, sich mit ihrer Geschichte zu beschäftigen. Doch wo beginnt die >>deutsche<< Geschichte? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht einfach, existiert doch das Land mit den Grenzen, die wir heute kennen, erst seit 1990. Über Jahrhunderte bestand das heutige Deutschland aus einer VFielzahl von Territorien und Königreichen mit verschiedenen Kulturen und Dialekten; es wurde föderal regiert von Königen, Kaisern und Adelsgeschlechtern. Lange Zeit gab es nicht einen deutschen Staat, sondern viele.“

Diese Einleitung bringt es auf den Punkt, weshalb dieses Buch wichtig ist: „Die Deutschen“ als ein gemeinsames Volk der „edlen Wilden“ Germaniens, wie es manche Menschen heutzutage gern verklärend hätten, das gab es nie. Um die Zeitenwende herum gab es vielmehr Völkerwanderungen in die unterschiedlichsten Richtungen, es entstand ein Gemenge, das aber noch viele Jahrhunderte wieder schön säuberlich nach Preußen, Bayern, Sachsen, Hessen… unterschieden und in Gebiete gepackt wurde. Das macht die Geschichte unseres Landes aber nicht weniger spannend, im Gegenteil, es steigert die Spannung sogar noch: Wie es im Lauf der Jahrhunderte allen Widrigkeiten, allen Kriegen und Epidemien zum Trotz, gelang, aus diesem Haufen höchst diverser Menschen eine Nation zu formen, die sich im Großen und Ganzen zu einer gemeinsamen Wertebasis bekennt.

Wer schon Bücher aus dem Dorling Kindersley Verlag kennt, schätzt im Allgemeinen auch die Aufmachung: Reich bebildert, mit Infoboxen, die Textbereiche sind übersichtlich und gut lesbar. Es macht nicht nur schlau, sondern auch Spaß, sich diese Bücher anzusehen, zu lesen und daraus zu lernen. (Lernen ist eigentlich ein viel zu verkopfter Ausdruck, aber mir fällt gerade auch kein besserer ein.) Im Übrigen ein Buch für die ganze Familie und damit macht es sich prima als Gemeinschaftsgeschenk unter dem Baum!

Bibliographische Angaben: Deutsche Geschichte, Die große Bild-Enzyklopädie; Dorling Kindersley; ISBN 978-3-8310-3542-7; € 39,95

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16. Dezember – Buch-Adventskalender

Heute stelle ich euch ein Buch vor, das ich selbst in meinem Netgalley-Adventskalender hatte. Und ich habe es auch noch nicht durchgelesen, aber immerhin so weit, dass ich es gern ganz schnell empfehlen möchte, denn es ist eine anrührende Geschichte, und wer an Weihnachten gern solche liest, sollte es sich schleunigst besorgen.

Die Geschichte beginnt mit einem ernsten Thema: mit Depressionen. Das setze ich deswegen voran, weil ich darauf hinweisen möchte, dass sich jemand, der sich in einer ernsthaften seelischen Krise befindet, unbedingt Hilfe holen sollte, es gibt unterschiedliche Angebote von Telefonseelsorge bis Psychologen, auch niedrigschwellige sind dabei, die recht unkompliziert zu erreichen sind. Wartet nicht, bis es (zu) spät ist!

So, nun zurück zur Geschichte. Seit vor zwei Jahren am Heiligabend ihr Lebensgefährte bei einem Unfall ums Leben kam, vegetiert Emma mehr vor sich hin als dass sie lebt. Aber in diesem Jahr ändert sich das ausgerechnet zu Beginn der Adventszeit. Als sie feststellt, dass auch andere Menschen Hilfe benötigen, beschließt sie, jeden Tag bis Weihnachten eine gute Tat zu vollbringen und jemandem zu helfen. Unverhofft wird das auch für sie selbst zur Therapie, wieder Freude am Leben zu finden.

Mich erinnert es ein bisschen an „Während du schliefst“, obwohl es eine ganz andere Thematik ist. Und natürlich ist es keine Lebenshilfe, sondern einfach eine schön erzählte Geschichte, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Bibliographische Angaben: Jenny Fagerlund, 24 gute Taten, Dumont Buchverlag, ISBN 978-3-8321-6589-5, € 10,-

15. Dezember – Buch-Adventskalender

Rock’n Roll meets Intellekt. Sehr sexy!

Zwei auf den ersten Blick recht unterschiedliche Männer, die auch noch verschiedenen Generationen angehören. Also nicht unbedingt von Geburt an die Voraussetzungen für „ziemlich beste Freunde“. Trotz allem hat sich zwischen dem „Boss“ und dem damals noch Präsidenten der USA eine enge Freundschaft gebildet, die seither besteht.

Allerdings verbindet die beiden Männer die kindliche Erfahrung, in gewisser Weise abseits, am Rande der Gesellschaft zu stehen. Springsteen als Arbeiterkind mit alkoholkrankem, cholerischen Vater irischer Abstammung und einer italienischstämmigen Mutter. Obama als Kind eines schwarzen Kenianers und einer weißen US-amerikanischen Mutter mit diversen europäischen Wurzeln, der zu einer Zeit geboren wurde, als in den meisten Bundesstaaten die Ehe zwischen Weißen und Schwarzen verboten war.

Nun, beide machten ihren Weg, wie es unterschiedlicher kaum sein könnte, und sie lernten sich dann irgendwann auch persönlich kennen und schätzen. Das Buch ist aus ihrem gleichnamigen Podcast entstanden. (Ich habe versucht, ihn mir anzuhören. Ob es an meiner mangelnden Ruhe lag oder an der Tatsache, dass Springsteen fürchterlich nuschelt und Obama für meinen Geschmack beim Reden zu viele heiße Kartoffeln im Mund umherbewegt, ich habe es erstmal wieder aufgegeben, denn es war zwar thematisch interessant, aber anstrengend zu folgen.) Ergänzt ist es durch tolle Fotos (vor allem sehr private) und spannendes Archivmaterial (wie zum Beispiel achtlos dahingekritzelte Liedtexte von Bruce). Der Podcast ist übrigens, wie so viele andere Podcasts und auch Videoformate, ein „Corona-Projekt“, begonnen haben sie im Sommer 2020.

Im Buch bekommt man sehr persönliche Eindrücke über die Sichtweise der beiden Männer auf „ihr“ Land, das sie mit allen seinen Fehlern und Macken trotzdem lieben, auf ihre Art, den „American Dream“ zu leben und ihre Art, Werte zu ehren. Außerdem ist es auch ziemlich humorvoll geschrieben.

Eine tolle Geschenkidee für Weihnachten, wenn es mal kein SOS-Geschenk sein soll😅.

Bibliographische Angaben: Barack Obama/Bruce Springsteen, Renegades, Verlag Penguin, ISBN 978-3-328-60243-9, € 42,-

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14. Dezember – Buch-Adventskalender

Weihnachten auf Sylt naht, ohne viele Touristen, aber mit einem großen Problem: Der langjährige Weihnachtsmann, der beim Dorfweihnachtsmarkt die Kinder beschenkt, vor allem die besonders bedürftigen, ist verschwunden. Die Spendengelder, die er im Sommer bei den Geschäftsleuten eingeworben hat, sind auch nicht auffindbar. Für den Weihnachtsmann findet sich Ersatz, aber wo soll das Geld für die Geschenke herkommen?

Unter Einsatz einer Flasche Haselnusslikör schmieden Ernst Mannsen und Hella, schauspielernde Freundin der Familie, einen tollkühnen Plan, in dem die örtliche Bankfiliale, eine Filmrequisitenwaffe und ein Weihnachtsmannkostüm wichtige Rollen spielen…

Dieses Buch habe ich nicht gelesen, sondern mir als Hörbuch beim Backen, Kochen, Putzen und Nähen angehört. Es ist nicht so spannend, dass man danach nicht schlafen kann (aber spannend genug, dass man dranbleiben will), bietet viele Gelegenheiten zum Schmunzeln und ist generell eine einfach schön erzählte Geschichte mit Herz, Humor und Lokalkolorit, das auch die Probleme der Gentrifizierung auf der Insel sowie die Spleens der Superreichen nicht auslässt. Und lasst es euch gesagt sein: Finger weg vom Haselnusslikör😂!!! Jedenfalls, wenn ihr nicht auf dumme Gedanken kommen wollt…

Bibliographische Angaben: Dora Heldt, Geld oder Lebkuchen, dtv, ISBN 978-3-423-28308-3, € 15,-

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13. Dezember – Buch-Adventskalender

So, etwas mehr als Halbzeit, heute ist es an der Zeit für einen Klassiker, ach, was sage ich: für DEN Klassiker!

Nein, nicht „Krieg und Frieden“ und auch nicht „Ulysses“, diese beiden bewahre ich mir für irgendwann im Ruhestand auf. Ich meine das Werk, das sehr viele von uns als zerfledderte und zerlesene froschgrüne dreibändige Ausgabe im Pappschuber im Regal stehen haben, das Werk, das Generationen als „nicht verfilmbar“ ansahen und das als gewaltiges Film-Epos just 20jähriges Jubiläum feierte. Wer es kennt, kennt auch den Spruch „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden…“ Das Buch hat ebenso anziehende, aber natürlich nicht so finstere Kraft.

Es gibt einmal mehr eine wunderschöne Sonderausgabe vom „Herr der Ringe“, wieder einmal einbändig, mit aufwändigen Details, Zeichnungen von Tolkien selbst, die er während des Schreibens angefertigt hat, mit Karten, Anhängen, Register, kurzum alles, was man braucht, um sich in Mittelerde zurechtzufinden. Ein Buch, das die Sammlung an Tolkien-Ausgaben vervollständigen kann oder den letzten Anstoß gibt, es doch jetzt endlich auch mal zu lesen! Oder für einen ganz besonders lieben Menschen, der ein Faible für die Abenteuer von Frodo und seinen Freunden hat (hier kann ich ganz stolz erwähnen, dass mich an Weihnachten 2008 mein Mann vor Glück zum Weinen gebracht hat, als er mir die damals erschienene limitierte und numerierte Ausgabe in weißem Ledereinband mit dunkelblauem büttenpapierbezogenem Schuber geschenkt hat. Diese Ausgabe enthielt dazu ein Paar Baumwollhandschuhe, damit man den Einband beim Lesen nicht beschmutzte. Bloß zum Umblättern waren die weniger gut geeignet😅.)

Es könnte ein langer, ruhiger Lesewinter werden, die Investition ist auf jeden Fall gut angelegt.

Bibliographische Angaben: J.R.R. Tolkien, Der Herr der Ringe, Klett-Cotta (Hobbit Presse), ISBN 978-3-608-98080-6, € 88,-

Natürlich in der Übersetzung von Margaret Carroux!

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12. Dezember – Buch-Adventskalender

Nachdem Ken Follett sich in den letzten fast 20 Jahren vor allem mit Epochen aus der englischen und europäischen Geschichte befasst hat, kehrt er mit seinem neuesten Werk zurück zum Politthriller. Die Zeit ist reif, wenn man sich die weltpolitische Lage anschaut: Oligarchen, Despoten, Menschen mit Umsturzfantasien und die Angst vor einem neuen „kalten Krieg“ wabern neben Corona und Klimakrise mehr oder weniger latent durch die aktuelle Zeit. Die Demokratien scheinen geschwächt und Populisten bekommen wieder einmal Zulauf.

Mit dem Buch „Never“ knüpft Follett an seine Erfolge „Die Nadel“, „Mitternachtsfalken“, „Die Leopardin“ oder „Das zweite Gedächtnis“ an.

Zeitgemäß ist fast die ganze Welt Schauplatz der Geschichte: auch der Terror ist globalisiert, ebenso wie die Machtverteilung weiblicher geworden ist. Mehr erzähle ich jetzt nicht, ihr sollt das ja schließlich selbst lesen😉.

Follett lesen ist für mich persönlich ein Riesengenuss, weil er sehr penibel recherchiert (bzw. von seinem Stab recherchieren lässt, er muss das inzwischen nicht mehr alles selber tun), das Setting seiner Romane also immer zur jeweiligen Zeit absolut stimmig ist, und weil er einen sehr eingängigen Stil pflegt.

Bibliographische Angaben: Ken Follett, Never, Lübbe Verlag, ISBN 978-3-7857-2777-5, € 32,-

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11. Dezember – Buch-Adventskalender

Die Reihe der Entdecker ist lang, länger, als wir uns vorstellen können. Sonst wäre die Erde nie in ihrer Gesamtheit kartographiert und in den meisten Regionen auch besiedelt worden. Wikinger segelten nach Neufundland, Marco Polo nach China, Kolumbus entdeckte (wenn auch aus Versehen) den Seeweg nach Amerika, James Cook kam in Australien an und Alexander von Humboldt war von der südamerikanischen Natur so fasziniert, dass er ganze Bücher mit Berichten und Zeichnungen füllte.

Heutzutage gibt es keinen Ort mehr auf unserem Heimatplaneten, den nicht schon einmal jemand betreten hätte. Aber unser Entdeckergeist ist trotzdem ungebrochen, jedenfalls bei einigen:

„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Diese Worte kennen wir vermutlich alle, zumindest wenn wir schon nicht mehr ganz jung sind. Ganz so weit sind wir noch nicht, weder zeitlich noch von der Entfernung her. Aber was 1966, beim Beginn der Serie noch Science Fiction war, kommt immer näher. Die ISS ist seit Jahren der bewohnte Außenposten der Menschheit außerhalb der Erde. Und dort hat auch einer der beiden Buchautoren von „Horizonte“ fast ein ganzes Jahr verbracht: Alexander Gerst, „unser Mann im All“. Im Buch geht es nicht nur um die Raumfahrt, es geht um die gesamte Geschichte der Entdeckungen, aber da sie die Zukunft darstellt, hat sie natürlich einen wichtigen Platz. Außerdem lassen sich auf den Fotos, die Gerst aus dem All aufgenommen hat, auch ganz genau die Umweltsünden der letzten Jahrzehnte gnadenlos erkennen. Manchmal braucht es eben den Blick von außen…

Ein Wahnsinnsweihnachtsgeschenk, nicht nur für wissenschaftsinteressierte Männer, die sonst schon fast alles haben.

Bibliographische Angaben: Alexander Gerst/Lars Abromeit, Horizonte, Verlag Dorling Kindersley, ISBN 978-3-8310-4107-7, € 40,-

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10. Dezember – Buch-Adventskalender

Was verrät es über mich, wenn ich gestehe, dass mich zuallererst das Cover neugierig gemacht hat? Verspielt, natürlich, romantisch… Aber gleich an zweiter Stelle war es der Begriff „Appalachian Trail“, der mich aufhorchen ließ. Wie der Camino françes gehört nämlich der AT, wie er auch genannt wird, zu meinen Sehnsuchtswanderwegen (auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ich dort tatsächlich mal hinkomme, verschwindend gering ist). Bisher kannte ich nur Bill Brysons „Picknick mit Bären“ und ich dachte mir, dieses Buch „Fox Crossing – Mein wildes Herz“ könnte eine nette Abwechslung sein, um zwischen zwei Sachbüchern mal eine kleine Auszeit zu genießen.

Ich war angenehm überrascht. Neben der Haupthandlung, die sich logischerweise um romantische Verwicklungen dreht, erfährt die Leserin eine Menge über den AT, über das Wandern insgesamt, die amerikanische Natur und es liest sich einfach gut und flüssig weg. Ein bisschen erinnerte es mich an „Galopp ins Glück“ von Rita Mae Brown, auch wenn die Füchsin in diesem Buch nicht in die Vergangenheit führt.

Wirklich heftig gestaunt habe ich im Nachhinein, als ich las, dass die Autorin mir schon häufig literarisch über den Weg gelaufen ist, allerdings beim Loewe Verlag mit den Reihen „Fear Street“ und „Gänsehaut“ oder als Schöpferin des kleptomanischen Katers McGyver bei Knaur. Man lernt doch nie aus.

Fazit: ein kurzweiliges Lesevergnügen, nach vielem Auf und Ab auf dem „100 mile wilderness“, der letzten Etappe des AT gibt es natürlich auch ein Happy End, alles andere wäre da auch doof gewesen.

Bibliographische Angaben: Melinda Metz, Fox Crossing – Mein wildes Herz, Knaur Taschenbuch, ISBN 978-3-426-52732-0, € 9,99

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9. Dezember – Buch-Adventskalender

„Unsere Kinder sollen es einmal besser haben!“ Dieser Satz kommt vermutlich den Allermeisten bekannt vor. Vor allem, wenn man nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre hinein aufwuchs. In erster Linie wollte man damit natürlich ausdrücken, dass man seinen Kindern nicht eine so entbehrungsreiche und auch lebensgefährliche Kindheit und Jugend wünschte.

Mit wachsendem Wohlstand in den Wirtschaftswunderjahren schlich sich aber ein, dass vor allem materiell vorgesorgt werden sollte: Mehr Entlastung durch Technik in Haushalt und Beruf, mehr Bequemlichkeit durch den Zweitwagen der Familie, mehr von allem möglichen, was eine Generation zuvor noch niemand kannte und brauchte. À propos brauchen – die Werbebranche weckte Bedarf und Begehrlichkeiten, und irgendwie entstand dann auch die Meinung, in den Zeiten des vermeintlich „finsteren“ Mittelalters, da sei es ohne alle Errungenschaften der neuen Zeit sehr spartanisch und barbarisch zugegangen.

Mit diesem Vorurteil räumt die Historikerin Annette Kehnel gründlich auf. Sehr vieles von dem, was heutzutage als totale Neuheit schlagwortartig auf den Schild gehoben wird wie Majestix bei den Galliern, gab es damals auch schon:

Sharing, Recycling, Mikrokredite, Spenden und Stiften oder Minimalismus. Ohne die moderne kapitalistische Wegwerfkultur war das Leben ganz selbstverständlich nachhaltig. Kreislaufwirtschaft brauchte man nicht zu studieren, man praktizierte sie einfach.

Wie gut wir darin geworden sind, alte Techniken und Gewohnheiten als neu und innovativ zu verkaufen, merkt man an einem ganz simplen Beispiel aus der Landwirtschaft: Die (tätätätäää….) Züchtung des Zweinutzungshuhns! Bis vor ungefähr 60 Jahren war eigentlich jedes Huhn, das irgendwo herumkratzte, ein Zweinutzungshuhn. Es legte Eier (na gut, nicht ganz so viele wie ein Batteriehuhn, aber es sah das Tageslicht und hatte abwechslungsreiche Kost) und wurde zum Suppenhuhn oder Sonntagshähnchen, je nachdem (auch das nicht mit ganz so viel Brust wie beim Masthähnchen, aber dafür kippte es beim Herumstolzieren auch nicht vorne über). Dann begann die Selektierung und die Zucht auf optimale Ergebnisse in der jeweiligen Sparte. Heute, wo viele Verbraucher wieder zunehmend Wert legen auf die Qualität ihrer Lebensmittel, wird begonnen, das Rad zurückzudrehen, aber als Neuheit angepriesen. Weil das der moderne, kapitalistische Weg ist.

Ein anderer Weg ist, sich an den Stationen der Menschheit ein Beispiel nehmen und aus der Geschichte ganz bewusst eine ganz andere Entwicklung zu nehmen, eine Entwicklung die sich respektvoll mit den Erkenntnissen vorangegangener Generationen beschäftigt und so mehr ist als alter Wein in neuen Schläuchen. Es lohnt sich, davon zu erfahren, dass Innovation keine Errungenschaft der Postmoderne ist und es macht Spaß, zu lesen, wie pfiffig die Menschen im „finsteren“ Mittelalter waren.

Bibliographische Angaben: Annette Kehnel, Wir konnten auch anders, Blessing Verlag, ISBN 978-3-89667-679-5, € 24,-

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