23. Dezember – fast angekommen (1…)

An den beiden letzten Tagen hast du einen fast schon intimen Einblick in unser Weihnachtsfest bekommen. Und du weißt jetzt, dass es für mich wichtigeres gibt als ein Weihnachtshaus aus einem Einrichtungs-Hochglanzmagazin. Trotzdem gibt es keinerlei Grund, auf Putzorgien zu verzichten, wenn du, ja genau du, dich damit wohlfühlst.

Auf Weihnachten vorbereiten kann durchaus unterschiedlich aussehen. Ob man nun die Weihnachtsmärkte der Region unsicher macht in den Wochen des Advent oder ob man jeden Tag den Backofen anschmeißt. Ob man singt oder nicht und wenn ja, lieber Bing Crosby oder Mariah Carey, Paul Gerhardt, Rolf Zuckowski oder Helene Fischer, oder ob man dem ganzen Kitsch und Kommerz durch Flucht auf die Kanaren ganz entgeht, das ist vollkommen zweitrangig.

Die Hauptsache ist, dass es passt. Und dass man sich zumindest in der Familie einigermaßen einig ist, das ist schon sinnvoll. Ansonsten kann man getrost darauf verzichten, sich von selbsternannten Kulturhütern des christlichen Weihnachtsfestes belehren zu lassen, wie man gefälligst Weihnachten zu feiern hat.

Ich persönlich kann nur jedem herzlich wünschen, dass Weihnachten eine friedvolle und schöne Zeit ist. Aber mir ist natürlich bewusst, dass aus den unterschiedlichsten Gründen auch dieses „Fest der Liebe und der Familie“ für Menschen traumatisch oder unerträglich sein kann.

Für mich ist es tröstlich, dass der eigentliche Grund von Weihnachten, die Hauptperson, das Geburtstagskind sozusagen, in mein Leben hineinkommt. Egal wie (un-)aufgeräumt meine Wohnung, mein Herz, mein Leben ist. Egal, ob ich der reichste Mensch der Welt oder ein armer Schlucker bin. Egal, ob ich der Meinung bin, seine Liebe verdient zu haben oder nicht. Egal, ob ich es in meiner aktuellen Situation spüre oder mich total verlassen fühle. Das ist die wirklich wichtige Botschaft des Kindes in der Krippe.

22. Dezember – Runterzählen (2…)

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, beim Essen. Gemütlich miteinander essen und dabei erzählen, das ist etwas, worauf ich mich schon sehr freue.

Und auf die Gottesdienste, auch wenn es für die Mitarbeitenden immer etwas von Fließbandarbeit hat. In anderen, friedlicheren Jahren nannte ich es schon mal scherzhaft „Großkampftag“, ein Ausdruck, der mir im Jahr 2022 eher Bauchschmerzen verursacht. Allein bei uns in der Kirche finden drei Gottesdienste am Heiligabend statt, und jeder einzelne davon hat etwas, das mir Gänsehaut den Rücken runterrieseln lässt.
Zunächst ein Familiengottesdienst mit Weihnachtsmusical. Bis 2019 war ich immer in die Vorbereitungen involviert, 2020 fiel aus und 2021 war es doch noch etwas abgespeckt alles. Dieses Jahr kann ich es einfach genießen:
Die summende Atmosphäre, die aufgeregten Kinder (Chor) und Konfis (Schauspiel) wuseln überall herum, die Eltern und Angehörigen suchen Plätze, von denen aus sie alles im Blick haben… Und das unnachahmliche Beben in meinem Inneren, wenn dann das finale Oh du fröhliche gesungen wird.

Dann noch einmal Hektik, übriggebliebene Liederzettel müssen eingesammelt werden, einmal die Kirche lüften, denn nur eine Stunde nach Ende des ersten wird der zweite, der Festgottesdienst gefeiert. Neue Liederzettel, ein bisschen Platzanweiser spielen für Auswärtige oder Gehandicapte („Wo können wir mit dem Rollstuhl hin, ohne zu stören, aber trotzdem etwas sehen?“), während ein paar Männer noch die Bühne abbauen. Eventuell Lektorendienst, je nachdem, wer gerade dran ist. Und wieder der Kloß im Hals, wieder bei Oh du fröhliche. Same procedure as last hour.

Nach dem Aufräumen der Kirche nach Hause, zu Kartoffelsalat und Beilage. Bescherung würfeln: wer den höchsten Wurf hat, darf zuerst auspacken. Über den Hund lachen, der sich mal wieder herrlich dusselig dabei anstellt, seinen Markknochen aus dem Packpapier zu befreien. Und aufpassen, dass man so satt und zufrieden nicht einschläft, denn:

Um 22 Uhr ist Spätgottesdienst. Da trifft sich meist eine kleinere Gruppe, oft diejenigen, die in den ersten Gottesdiensten irgendwie beteiligt waren. Jetzt komme ich endgültig zur Ruhe, kann alles noch einmal so richtig genießen, jetzt ist Weihnachten. Und ich bekomme die dritte Gänsehaut des Tages, und zwar beim … ja, genau: Oh du fröhliche😊

Fortsetzung folgt

21. Dezember – Der Countdown beginnt (3…)

Noch drei Tage bis Heiligabend. Und ich stelle die provokante Frage: Putzt du noch oder freust du dich schon?

Nein, ich bin kein Messie, und ich kann auch so richtig heftig putzen, wenn mich der Rausch packt. Trotzdem habe ich in den letzten Jahren die vorweihnachtliche Wohnungsputz-Orgie abgeschafft. 2020, im ersten Coronajahr, blieb man sowieso im engsten Kreis und im heimischen Wohnzimmer, außerdem freute ich mich über wieder funktionierende Beine, alles andere war mir fast egal. 2021 war Corona zwar schon fast Routine, aber nach der Schulter-OP zickte der rechte, der Putz-Arm, immer noch herum.
Und in diesem Jahr gibt es ganz andere Themen, die wichtig sind: Arzttermine mit Enkelkind, bei denen wir Großeltern die Fahrdienste übernehmen. Bücher (und leckere Pralinen) verkaufen, was mir viel mehr Spaß macht als den Feudel zu schwingen. Und nicht zuletzt auch noch Hände, die in den letzten Wochen die Nässe und Kälte nicht mochten. Draußen trage ich unterhalb von 10 Grad plus konsequent Handschuhe, warm gefüttert. Drinnen konzentriere ich mich darauf, keine Knoten in die Finger zu bekommen, wenn ich filigrane Dinge mache, zum Beispiel Geschenke verpacken, Nähnadel einfädeln oder auch Babyhandschuhe stricken. Rheuma ist eben nur so mittelmäßig sexy.

Die Prioritäten ändern sich. Panta rhei, alles fließt. Und das darf auch so sein. Ich werde dafür sorgen, dass alles einigermaßen ordentlich aussieht, den Baum aufstellen und schmücken (der im Übrigen noch nie so klein war wie dieses Jahr) und mit Kathi einen Menüplan aufstellen, der sowohl Vegetarier als auch Fleischesser berücksichtigt und vor allem einen leckeren Nachtisch beinhaltet.

Fortsetzung folgt…

20. Dezember – Hochkultur

Es ist an der Zeit für einen Klassiker deutscher Hochkultur und Dichtkunst.

Loriot gehört ebenso zu Weihnachten wie Der kleine Lord, Drei Nüsse für Aschenbrödel, Email für dich, Während du schliefst und die beiden Kevin-Filme.

Und so präsentiere ich euch an diesem Dienstag vor Weihnachten ein ganz exzellentes, etwas makabres Weihnachtsgedicht:

https://www.youtube.com/watch?v=0b7rziDjaNM

Leider konnte das Video nicht eingebettet werden, also müsst ihr bitte den Link nutzen.

19. Dezember – Alte und neue Traditionen

Welche Dinge gibt es, die zu Weihnachten einfach dazugehören? Und sind es immer dieselben oder ändert sich das von Zeit zu Zeit? Beides hat seine Berechtigung: Die Traditionen der Kindheit und die später entwickelten eigenen Gewohnheiten.
Als ich Kind war, gehörte zu Weihnachten bei uns in der Familie unbedingt Ragout Fin. Ich kann mich bis heute nicht entscheiden, wie ich es nun schöner fand: In Herzoginpasteten, weil die so gut schmeckten und beim Reinbeißen blätterig zersprangen oder in den Schalen von Jakobsmuscheln serviert, weil es so schön aussah. Und es musste auch immer einen Rinderbraten geben, weil die kalten Reste davon bis zum 30. Dezember im Kühlschrank gehütet wurden und dann in den Heringssalat für Silvester geschnippelt wurden.

In der gesamten Adventszeit gehörte außerdem die Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge dazu, die liebevoll im Wohnzimmer zusammengebaut und jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit eine Kerzenlänge lang wunderbare Muster an die Zimmerdecke zauberte. Dazu lief die alte Weihnachtsschallplatte, ich kann mich noch genau an das Cover erinnern: Ein aus goldenem Glanzpapier gefalteter Engel mit langen blonden Kunstlocken auf nachtblauem Hintergrund. Und in jedem Jahr gab es mindestens ein Engelchen, dem ein Arm, Bein oder Instrument angeklebt werden musste, ehe es das Karussell der Pyramide schmücken konnte.

Und natürlich gehörte das Backen von Spritzgebäck dazu, mit dem alten Fleischwolf von Anno Tuck, den ich ab dem Schulalter schön gleichmäßig drehen durfte, um die Plätzchen zu formen. Diese Tradition habe ich auch selbst als Mama fortgeführt und der Fleischwolf kommt bis heute zum Einsatz.

Als wir jung verheiratet waren, besorgte ich ein paar Jahre lang opulente Blumensträuße, für Mutter, Schwiegermutter und mich selbst. Dann setzte sich die Erkenntnis durch, dass Schnittblumen im Winter nicht wirklich nachhaltig sind. Seither sehe ich aber zu, dass ich eine Amaryllis als Topfpflanze habe und ich mache jedes Jahr Unmengen an Fotos der Blüten. Und anschließend versuche ich ein Jahr lang, die Knolle so über den Sommer zu bringen, dass sie auch im nächsten Jahr wieder zu Weihnachten blüht. Bisher mit eher geringem Erfolg. Aber sie haben immer sehr hübsche Blätter😂. Ein ganzes Jahr ist halt immer so lang, da vergesse ich mitunter, was ich wann mit dem Ding anfangen soll. Ich bin schon gespannt, ob es wieder klappt, dass die Blüte genau an Heiligabend komplett offen ist.

18. Dezember – Ein fettes Dankeschön

Heute ist der vierte Advent, aber anstelle eines besinnlichen, feierlichen Beitrages mute ich euch heute ein schwieriges Thema zu. Leid tut mir das aber nur ein ganz kleines bisschen, weil ich darauf hoffe, dass heute das Zeitfenster zum Lesen vielleicht ein wenig größer ist. Und weil ich von der Relevanz überzeugt bin.

Die Schlagzeilen über vollkommen überlastete Kinderkliniken, Kinderarztpraxen und Rettungsdienste kennen wir alle zur Genüge in dieser Zeit. Zu Recht brauchen diese Institutionen und die dort arbeitenden Menschen unsere Aufmerksamkeit. Ich hoffe nur, die aktuelle Alarmstimmung lässt uns nicht abstumpfen, wie es mit so vielen wichtigen Themen derzeit passiert. Denn es gibt gute Gründe auch jenseits des abgenudelt klingenden Satzes „Kinder sind unsere Zukunft“, weshalb auch nach dem Abklingen der akuten Infektwelle diese Thematik nicht in der Schublade verschwinden darf.

Unsere Familie, genauer gesagt eine unserer Töchter, war in diesem Jahr auf alle oben genannten Bereiche angewiesen. Und bei allen ist sie auf sehr engagierte, hilfsbereite und zugewandte Menschen gestoßen, die ihr eine schwierige Situation erklärt, ihr hindurchgeholfen haben und unendlich viel Geduld mitgebracht haben.
Ich möchte nicht allzu sehr in die Details gehen, aber abseits der schlagzeilenträchtigen „großen Erkrankungen“ wie Krebs oder Herz-Kreislauf, auch abseits von körperlichen oder geistigen „Behinderungen“, war schon vorgeburtlich klar, dass unser Enkel eine OP kurz nach der Geburt brauchen würde. Entsprechend wurde die Geburt genau geplant, ebenso wie die OP danach. Wegen der Spezialisierung der Kinderklinik sollte das alles in einer anderen Stadt rund 70 km entfernt stattfinden. Dank des Rettungsdienstes, dessen Besatzung sich nach der Erläuterung der genauen Umstände auch bereiterklärte, den kurzfristig notwendig gewordenen (Liegend-)Transport zu übernehmen, obwohl die nächstliegende Geburtsklinik keine 10 km entfernt war, konnte alles ungefähr wie geplant stattfinden, wenn auch etwas eher.

Sechs Wochen wurden unser Enkel und unsere Tochter rund um die Uhr betreut, mit viel Geduld bei den immer wieder auftretenden Fragen, mit Ruhe und Empathie. Niemand ließ sie spüren, dass Zeit ein knapp bemessenes Gut war, dass viel Hektik im Klinikalltag herrschte. Die Übernahme der ärztlichen Betreuung durch eine Kinderarztpraxis hier vor Ort klappte reibungslos, obwohl auch hier die Praxen am Anschlag sind.

Und als am letzten Montag durch einen Erkältungsinfekt eine unklare Situation eintrat, die mit akuter Luftnot einherging, war innerhalb einiger Stunden klar, dass eine stationäre Therapie aufgrund Frühgeburt und medizinischer Vorgeschichte angesagt war. Natürlich war das mit ein paar langen Abendstunden in der Kinder-Notaufnahme verbunden, und natürlich war es mir als Oma nicht möglich, als moralische Unterstützung mit in ebendiese Notaufnahme zu gehen (Immerhin gibt es bei uns eine Kinderonkologie mit kleinen Patienten, die extrem immungeschwächt sind. Da reichen schon die Erreger, die von anderen Patienten ausgehen, da muss nicht auch noch Hinz und Kunz was hinterlassen.) Und übrigens: alles das als ganz normale Kassenpatienten.

Wenn man Kinder hat, kommt man irgendwann mit diesen Institutionen in Berührung. Diverse Blinddarmentzündungen, Pfeiffersches Drüsenfieber, mehrere Invaginationen, Asthma-Anfälle, Pseudo-Krupp, stark blutende Kopfwunden, mögliche Gehirnerschütterungen, das waren bei unseren Töchtern im Lauf der Zeit die Gründe. Und es ist mir persönlich auch kein Fall bekannt, bei dem stark verunsicherte Eltern abgewiesen wurden. Ich kenne eher die Sichtweise: Wenn es euch unheimlich ist, fahrt hin. Lasst lieber einmal zu viel draufschauen als einmal zu wenig.

Ich kann nicht viel mehr tun, als an dieser Stelle ein ganz fettes DANKE an alle in die Welt zu schmettern, die in diesen Bereichen arbeiten, sich einbringen, leider auch total überlastet, deshalb manchmal sehr gefrustet sind und sich dann auch noch Anklagen anhören müssen, wenn sie mal nicht so reagiert haben, wie es von ihnen erwartet wurde. Und ich kann euch ermuntern, Menschen, die ihr in eurem Umfeld habt und die solche Arbeit tun, zu schätzen. Mehr noch: wenn ihr Leute kennt, die in Verwaltung, Politik und Gesundheitswirtschaft Einfluss haben, geht ihnen auf den Keks mit der Forderung nach besseren Bedingungen: finanziell, personell, ideell, mit jedem brauchbaren Support.

Für eine gute, humane und empathische Gesundheitsversorgung, für Eltern, die sich nicht aus Enttäuschung abwenden, für eine starke und wertschätzende Gesellschaft. Und damit sich die Beteiligten in der medizinischen Versorgung mit gutem Gewissen in erster Linie um das Wohl ihrer Patienten kümmern können, ohne Dividenden von Aktionären im Hinterkopf haben zu müssen.

Ganz zum Schluss hänge ich hier nochmal einen Link an, für eine Einordnung rund um das Thema Infektanfälligkeit bei Kindern und Immunsystem:
https://www.schwesterfraudoktor.de/2022/12/11/wir-haben-alle-kein-immunsystem-mehr/

16. Dezember – Hot Cuisine

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Mein gar nicht mehr so geheimer Geheimtipp: Das Ü-Ei unter den aktuellen Kochbüchern.
Du liebst Kochen? Und hast gern Spaß? Crossmedial ist deine Welt?
Dann gibt es nur eins, was in Frage kommt – und Meuth / Duttenhofer können endgültig einpacken.

Es ist das Gesamtpaket, das einfach toll rüberkommt. Die Rezepte sind alltagstauglich und auch erschwinglich, es geht nicht um Küche à la Bocuse, die irgendwo an der Decke klebt. Zwischendurch gibt es kleine Interviews, Anekdoten, lustige Zwischen“mahlzeiten“. Und alle paar Seiten findet man einen QR-Code. Scannt man den ein, öffnet sich auf dem Smartphone das Video zum Rezept. Kleine Warnung: geöffnete Ölflaschen oder volle Weingläser sollte man vorher abstellen. Akute Verschüttungsgefahr durch Lachflashs droht.

Wem das Kochbuch allein noch nicht „vollständig“ genug zum Verschenken erscheint: Ein hübscher traditioneller Einkaufskorb, gefüllt mit den passenden Zutaten und dem Buch, eine Flasche französischen Landwein und fertig ist ein rundum stimmiges und eher ungewöhnliches (Weihnachts-)geschenk.

Bibliographische Angaben: Elena Uhlig/Fritz Karl, Hot Cuisine, ZS-Verlag, ISBN 978-3-96584-251-9, € 22,99

Und hier noch ein Video für die Neugierde😅. Ich kann nicht anders, das Lachen von Frau Uhlig ist einfach so ansteckend.

(*Beitragsbild: ZS-Verlag)

15. Dezember – Vorfreude

Heute Abend ist es soweit. Das jährliche Weihnachtskonzert der Schule. Immer wieder ein Höhepunkt des Jahres, nicht nur, weil unsere Tochter dort singt und Saxophon spielt. Es ist einfach toll zu erleben, mit wieviel Spaß alle Teilnehmer, sowohl Schüler als auch Musiklehrer, ein abwechslungsreiches Programm zusammenstellen und dann mit den unterschiedlichen Chören, dem Orchester und der Brass Band einen fröhlichen Abend gestalten.

Dieses Jahr soll jeder Besucher ein LED-Teelicht mitbringen, ich bin schon ganz gespannt, wofür das gut ist. Wird bestimmt ein Gänsehaut-Moment.

14. Dezember – Was gibt’s da zu feiern?

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War Maria Kapitalismuskritikerin und was hatte sie mit Ehegattensplitting zu tun? Wie wird die Ankunft Jesu auf dem Navi angezeigt? Und ist Weihnachten in einem konsequent politisch korrekten Zusammenhang eigentlich überhaupt noch vertretbar?

Diesen und anderen Fragen geht Andreas Malessa auf den Grund. Ich bin bei der Suche nach ungewöhnlichen Weihnachtsgeschichten auf das Buch gestoßen. Auf der Rückseite des Buches steht Humor mit Tiefgang und das trifft es sehr gut. Was ist es denn eigentlich, das Weihnachten zum beliebtesten Familienfest, aber auch zur wahlweise scheidungsträchtigsten oder einsamsten Zeit im Jahr macht?

Unsere (zu) hohen Erwartungen etwas runterschrauben, mit einem Augenzwinkern an die ursprüngliche Bedeutung von Weihnachten erinnern, unsere ruhelosen Gedanken zum Innehalten bringen, das schaffen diese kleinen Geschichten, die sich auch immer mal zwischendurch genießen lassen. Bei Plätzchen und heißer Schokolade oder Punsch, gemütlich im Schaukelstuhl oder wo auch immer.

Bibliographische Angaben: Andreas Malessa, Was gibt’s da zu feiern? Brunnen Verlag, ISBN 978-3-7655-4340-1, € 12,-

13. Dezember -Weihnachtswünsche

Ist es noch Zeit, sich etwas zu wünschen? Wenn ich zu Beginn dieser Woche Zeitung lese, Nachrichten höre, politische Sendungen im TV sehe, dann frage ich mich manchmal, warum wir in Vielem so verzagt sind. Und auch, warum anscheinend immer mehr Menschen versuchen, von aufgeworfenen Problemen abzulenken, indem sie mit dem Zeigefinger auf andere zeigen: andere Menschen, andere Themen, andere Katastrophen.
Leiden wir unter einer allgemeinen Art von Aufmerksamkeitsstörung? Haben wir alle Hoffnung, unser Mitgefühl, die empathische Anteilnahme aufgebraucht? Sind wir alle nur Egoisten?

Das kann und will ich mir nicht vorstellen. Zu allen Zeiten, die von der Geschichtsschreibung dokumentiert wurden, gab es Krisen, Katastrophen, Umstürze. Und die Menschen, die davon betroffen waren, haben sich stets berappelt, neu aufgestellt, Lehren gezogen. Die Ärmel aufgekrempelt und neu angefangen. Rein aus der Erfahrung gibt es keinen Grund, warum das nicht auch jetzt klappen sollte.

Es kann natürlich auch gut sein, dass in den Geschichtsbüchern einfach nichts darüber steht, wie laut und wie lange die Menschen über ihr Unglück geklagt haben und sich in ihrem Unheil suhlten, ehe sie die Kurve kriegten. Es ist ganz bestimmt so, dass im Fall von überregionalen Ereignissen trotzdem jeder einzelne nur sein direktes Umfeld wahrnahm, weil die Weiterleitung von Nachrichten noch nicht in Echtzeit funktionierte. Nicht zuletzt nahmen sich die Leute in vorindustriellen Zeiten ganz anders selbst wahr. Nicht als Individuen, die etwas unbedingt aus eigener Kraft schaffen wollen, sondern als Teil einer Gemeinschaft, die mit vereinten Kräften schafft, was ein einzelner nicht auf die Reihe bekommt.

Ein bisschen ist es ein Treppenwitz, dass ausgerechnet die sozialen Medien, die angedacht waren, Menschen über Kontinente hinweg zusammenzuführen, dieses nur zum Teil erreicht haben. Zu einem großen Teil haben sie auch das genaue Gegenteil bewirkt: alle versuchen, sich als Persönlichkeit und ihre Meinung als wahnsinnig einzigartig darzustellen. Und darüber haben wir zum Teil verlernt, uns auf andere Meinungen, andere Erfahrungen, andere Sichtweisen einzulassen. Dabei sind wir auch in diesem Bestreben immer auf Resonanz von anderen angewiesen.

Stell dir vor, du hast etwas wichtiges zu sagen und keiner hört zu.

Deswegen habe ich einen besonders innigen, aber auch sehr schwer erfüllbaren Wunsch: Echtheit, in Einheit mit Wertschätzung. Ich weiß, beides gibt es, aber ich wünsche mir mehr Sichtbarkeit dieser Werte im öffentlichen Raum.
Das betrifft (nicht nur) Parteipolitiker, die nach vielen Jahren Regierungsverantwortung heute jegliche Mitschuld an gesellschaftlichen Entwicklungen oder Versäumnissen leugnen und auf ihre Nachfolger abwälzen. Oder Oppositionelle, von denen man weiß, dass sie es niemals so viel besser machen würden, wie sie gern versprechen. Oder Wirtschaftslenker, die ihre Taschen gut gefüllt und sich dann von der Gesellschaft verabschiedet haben, wenn sie nicht mehr zum Melken taugte. Oder Medien, die es mit der Wahrhaftigkeit der Berichterstattung nicht so genau nehmen. Das betrifft jeden Menschen.

Dafür braucht es die Bereitschaft, den imaginären Filter wegzulassen, der nicht nur unsere Instagram-Fotos strafft, schönt und retuschiert, sondern unser ganzes Leben.

12. Dezember – Bergfest

Montag, der zwölfte Dezember. Kaum zu glauben, dass die Hälfte des Adventskalenders bereits geöffnet ist. Für mich bedeutet das im konkreten Fall, eine kleine kreative Pause einzulegen. Den gesamten Sonntag habe ich in der Küche verbracht und Plätzchen gebacken. Da gab es keine Zeit, um die nächsten Tage im Adventskalender zu planen. Ich hoffe, die Inspiration findet heute wieder den Weg zu mir, um die nächsten Tage abwechslungsreich zu gestalten.

Habt eine gute Woche.

11. Dezember – Terra

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Der Knesebeck Verlag macht immer wieder ziemlich geniale Bücher. Dieses hier gehört auf jeden Fall dazu. Die Majestät, Schönheit, Vielfalt und Verletzlichkeit unseres Planeten, seiner Landschaften und ihrer Lebensformen wird in eindrücklichen Fotos dargestellt. Durch Grafiken und Texte ergänzt bietet sich hier die Möglichkeit, unbekannte Gegenden kennenzulernen, ohne sie dabei zu verletzen.

Es ist ein trotz aller aktuellen Katastrophen optimistischer Blick, den der Fotograf hier rund um den Globus wirft. Denn er schildert auch die positiven Entwicklungen, die es immer wieder gab, wenn Lebensgrundlagen zusammengebrochen sind. Auch ein Ausblick, wie es in all den aktuellen Herausforderungen mit der Erde weitergehen könnte, findet sich in diesem wunderschönen und wertigen Bild- und Textband.

Auf jeden Fall bekomme ich abwechselnd Gänsehaut und Augenpipi, wenn ich die Bilder betrachte. Das hier ist definitiv ein superschönes Weihnachtsgeschenk, für liebe Menschen – oder auch um sich selbst zu beschenken.

Bibliographische Angaben: Michael Martin, Terra, Knesebeck Verlag, ISBN 978-3-95728-337-5, € 75,-

10. Dezember – Vanillekipferl

Kein Advent ohne Vanillekipferl. Unsere Begeisterung dafür geht so weit, dass in jedem Jahr dieselbe, eigens dafür reservierte Gebäckdose zum Einsatz kommt. Da weiß jeder im Haus immer auf einen Blick, in welcher der verschiedenen Dosen die Kipferl zu finden sind.

Im Lauf der Jahre hat sich eine Art Routine eingestellt, Teig vorbereiten, kühlen, rollen + formen, backen, bestäuben. Kathrin und ich machen das meist in konzertierter Aktion und wechseln uns bei der Arbeit ab, die uns beiden so viel Spaß macht. Und ich genieße diese Zeiten, denn sie werden seltener, dem adoleszenten Alter und auch ihrem großen Bedürfnis nach „Ich mach mein Ding allein“ geschuldet.

Wir backen die Kipferl nach diesem Rezept, nur eine Sache haben wir verändert: Wir wälzen nicht die heißen Kipferl in der Zuckermischung, sondern bestäuben sie mithilfe eines Teesiebes. Erstens mögen wir beide nicht die heißen Plätzchen an den Fingern und den klebrigen Zuckerüberzug, der sich bildet. Und zweitens ist die Quote der zerbrochenen Plätzchen beim Bestäuben viel geringer. Übriggebliebene Zuckermischung lässt sich auch viel schöner für die zweite Partie aufbewahren, wenn weder Krümel noch verklebter Zucker dabei sind.

9. Dezember -Our hearts on ice

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Heute stelle ich ein Buch vor, welches ich ohne den Netgalley-Adventskalender vermutlich nicht einmal in Erwägung gezogen hätte. Wie war das noch mit dem geschenkten Gaul? Aber der Reihe nach.

Zunächst einmal handelt es sich um ein Genre, das wir in einem anderen Jahrhundert, nämlich zur Zeit meiner Ausbildung, als „Beißer“ bezeichnet haben (heute heißt es „Sports Romance“, damit auch die jungen Leserinnen angesprochen sind). Was bedeutet, das Buch hat „Stellen“. Ja, ihr lacht, aber so klang das in deutschen Buchhandlungen der 1980er Jahre.
Damals fragten die Damen (zumindest in meinem gutbürgerlichen Ausbildungsbetrieb) noch recht verschämt nach solchen Büchern, man las (wenn man eher „viktorianisch“ erzogen war) Georgette Heyer. War man progressiver, erwarb man Anäis Nin oder Henry Miller, damit es zumindest oberflächlich nach Weltliteratur aussah. Auch wenn es oft dermaßen zur Sache ging, dass den jungen Azubinen die Röte ins Gesicht schoss. Über 30 Jahre später ist, ähnlich wie bei jeder Primetime-Fernsehproduktion, vieles freier geworden. Meiner Meinung nach nicht immer nur zum Positiven – nicht weil ich prüde wäre, sondern weil ich der Meinung bin, dass gerade junge Leute vieles lieber selbst im eigenen Tempo entdecken sollten, statt sich auf kolportierte mehr oder weniger softpornografische Bilder als Blaupause zu verlassen.

Aber ich schweife ab. Das Buch hätte ich vor allem deswegen nicht ausgesucht, weil mich das Thema Eishockey bisher nicht wirklich interessierte, aber die Klammer für die Liebesgeschichte darstellt. Adrian, der Star einer Eishockey-Mannschaft und Ryan, Beauty-Influencerin und ernsthafte Fotografin, wachen nach einer durchzechten Nacht in Las Vegas verheiratet auf. Dummerweise haben sie ihre auf Unmengen von Alkoholkonsum zurückzuführende Hochzeit auch in den sozialen Medien verbreitet. Um den Schaden möglichst gering zu halten, beschließen sie, für ein Jahr die Illusion ihrer Ehe aufrecht zu halten. Für Ryan springt auch noch ein schönes Seniorenheim für ihre Oma dabei raus. (Die Oma war für mich persönlich mit ihrer schnodderigen Art übrigens ein Highlight der Geschichte.)

Natürlich gibt es verschiedene Komplikationen, aus der gefakten Liebe entwickelt sich eine Lovestory mit Missverständnissen, es kommen reichlich Klischees von anschmiegsamen und herzerrettenden Frauen sowie starken und wehrhaften Männern vor. Und es gibt natürlich ein Happy End.

Mein Fazit: die Geschichte lässt sich gut lesen, wenn man mal gerade etwas Ablenkung von der schnöden Wirklichkeit braucht, es gibt situationskomische Elemente, die richtig Spaß machen, ich weiß jetzt etwas mehr über Eishockey, und was die Erotik angeht, ist sie im us-amerikanischen Zusammenhang vermutlich um einiges aufsehenerregender als im europäischen. Allerdings wüsste ich jetzt gerade nicht mehr als eine Handvoll Kundinnen, denen ich das Buch im konkreten Verkaufsgespräch empfehlen könnte. (Was vermutlich daran liegt, dass weder ich noch die Mehrheit unserer Kundinnen unbedingt zur „Zielgruppe“ zählen.) Vielleicht findet sich auf diesem Wege hier eine Liebhaberin.

Bibliographische Angaben: Teagan Hunter, Our hearts on ice, Forever by Ullstein, ISBN 978-3-95818-709-2 (eBook), € 6,99

8. Dezember – Naturbeobachtung

Das Foto stammt vom 7. Dezember 2022. Ich schreibe das extra dazu, weil es nicht selbstverständlich ist, dass im Dezember grüne Blätter am Haselnussstrauch hängen. Vor allem, da der benachbarte jüngere Strauch seine Blätter komplett abgeworfen hat. Merkwürdig.

Nachdem die ersten braunen Blätter bereits im September von allen möglichen Bäumen und Sträuchern rieselten, weil es zu der Zeit zu warm und vor allem zu trocken war und nach einem sehr frühen Herbst aussah, wundert es mich in den letzten Tagen immer mehr, wie viele Bäume ich noch belaubt sehe. Zwar trocken, aber sie hängen noch. Neben Haselnüssen sind es hier bei uns vor allem Eichen, aber auch Rotbuchen und die Linde an der Kirche, die trotz Frostnächten mit einigen Minusgraden und sogar dem ersten zögerlichen Schneetreiben immer noch recht vollhängen. Früher galt die Faustregel, dass nach einem strengen Frost noch einmal Laubrechen angesagt war und danach war es erledigt.

Wenn jetzt ein kräftiger Schneefall mit nassem Schnee und danach Frost käme, wäre das für die Bäume nicht sehr gut, denn es würde zu deutlich mehr Schneebruch durch das Gewicht führen. Auf dem Laub könnte nämlich mehr Schnee liegenbleiben als auf kahlen Ästen. Da sich die Meteorologen noch nicht von der realen Möglichkeit weißer Weihnachten verabschiedet haben, ist also zum Jahresende ein weiterer Stressfaktor für die Natur nicht ausgeschlossen.

Ich weiß gerade nicht, was ich mir wünschen soll. Auch das ist Advent 2022.

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