Vorfreude, neue Stoffe und ein Rückschlag

Um es gleich vorweg zu sagen: Unsere Erdbeeren sind natürlich noch nicht reif. Aber sie stehen dieses Jahr, dem regenreichen Frühling sei dank, wunderbar in Blüte. Und da ich beintechnisch letztes Jahr nur rudimentär im Garten etwas tun konnte, ist aus den Reihen fast so etwas wie eine Erdbeerwiese geworden. Auch an der Terrasse im Blumenbeet wachsen sie und unter der Magnolie finden sich unzählige Walderdbeeren. Ich freue mich schon wie Bolle auf die roten, saftigen Früchtchen.

Aber ich habe von der Familie Rhabarber bekommen, der wurde mit Hilfe von TK-Erdbeeren zu Erdbeer-Rhabarber-Marmelade verarbeitet, echt lecker. Und ich habe Stoffe eingekauft. Mit Erdbeeren, mit Pünktchen, mit anderen Früchten, in frischen, frühsommerlichen Farben. Klar habe ich mir beim Waschen der Stoffe schon Gedanken gemacht, was alles daraus werden kann.

Tja, bis Donnerstag währte die ungetrübte Freude. Bis ich erfuhr, dass ich demnächst erstmal für einige Wochen meinen rechten Arm nicht gebrauchen kann. Denn die Supraspinatussehne ist komplett ab und muss wieder angenäht werden. Kein Nähen, Garten nur mit links, und erst recht kein Segeln… Wieder zumindest ein halbes Jahr, das mir bei meinen Plänen fehlt. Aber hilft ja nichts, die Aussicht, stattdessen in einigen Jahren ein nagelneues Schultergelenk zu brauchen, ist auch nicht wirklich sexy.

Also werde ich mich dann vermehrt auf Buchrezensionen stürzen, ich habe mir schon einen ordentlichen Packen zusammengestellt. Eine Mischung aus Romanen, die von allem ablenken, was mich nervt (und zumindest Urlaub im Kopf möglich machen) und herausfordernden Sachbüchern, die sich mit verschiedenen Facetten der Gesellschaft und unserer Umwelt beschäftigen.

Bis zum 9. Juni hoffe ich allerdings, noch das eine oder andere Stück Stoff unter die Nähmaschine zu bekommen und so ein wenig auf Vorrat fertigzustellen.

Ich bin Online!

„Wie bitte? Klar bist du Online!“ – Ja, aber seit heute bin ich zweimal Online. Ich habe es heute endlich wahr gemacht. Nur darüber nachdenken bringt es ja nicht, und wenn es nicht klappt, dann habe ich es wenigstens versucht.

Ich habe auf Etsy einen Shop eröffnet!

https://www.etsy.com/de/shop/AnjasNorthernStar

Warum ich so lange gezögert und es immer wieder nochmal durchdacht habe? Ich habe fast die Befürchtung, es könnte mir schwerfallen, mich von meinen „Babies“ zu trennen. Mund-Nasen-Masken, Mini-Utensilos, Osterkörbchen, ja sogar die Mug Rugs, sind kein Problem. Aber die Tischdecken und erst recht die größeren Quilts „herauszurücken“, das ist eine andere Hausnummer. Deswegen taste ich mich auch erst locker heran. Kissenhüllen und Mitteldecken, da ist der Aufwand überschaubar, die mütterliche Bindung geringer. Und ehrlich gesagt auch die Preisfindung einfacher.

Jetz füttere ich den Shop nach und nach ein bisschen und sehe mal zu, was passiert. In der Zwischenzeit habe ich einen Auftrag, Polster für ein selbstgebautes Lounge-Gartensofa aus Paletten zu nähen. Na dann los.

Ist ja doch schon einiges zusammengekommen

Heute Nachmittag habe ich den Sonnenschein genutzt und bin mit meinen gesammelten Werken auf die Wiese gegangen. Einigermaßen erstaunt habe ich zur Kenntnis genommen, dass ich schon einige Projekte fertig habe. Es fehlen hier sogar Stücke, die schon verkauft oder verschenkt sind.

Bei den Kissenhüllen

sowie bei den Kleinteilen wie Utensilos oder Mug Rugs

ist auch die Preisfindung nicht weiter schwierig.

Bei Tischsets, Tischläufern oder erst recht bei den Mitteldecken gerate ich aber schon mal ins Schwimmen, da frage ich mich immer, ob die Preise, die eigentlich sowohl Material- als auch Arbeitskosten abbilden, überhaupt realistisch sind.

Das gilt vor allem auch für diese frühsommerliche Decke, die ich heute fertiggestellt habe. Allein das Quilten hat fast drei Stunden gedauert…

Die großen Decken, mit denen man sich selbst oder sogar ein Bett zudecken kann, habe ich bisher nur verschenkt. Eine solche Decke benötigt je nach Größe Stoffe für 100 € plus/minus, dazu Füllmaterial und mindestens 20 bis 30 Stunden Zeit.

Ich muss wohl einfach mal ins „kalte Wasser springen“ und dann schauen, wie es angenommen wird. Ist ja nicht so, dass ich mit solchen Problemen alleine dastehe, andere haben es bereits geschafft und ihre Nische und Zielgruppe gefunden.

Eine hat jedenfalls „Platz genommen“ und fühlte sich wohl:

Ob sie gemerkt hat, dass die Blaubeeren nicht echt sind?

Ostern kommt näher…

…und ich habe mal ein paar Kleinigkeiten ausprobiert. Die Mug Rugs haben schon vor Weihnachten mit entsprechenden Motiven guten Absatz gefunden. Am besten gefallen mir die ganz kleinen Körbchen, da passen auch ein paar edle, frühlingsfrische Pralinen hinein (die man in der Buchhandlung, in der ich arbeite, in ein paar Tagen wieder kaufen kann🥰).

Wenn nur das händische Annähen der Knöpfe nicht so kniffelig wäre, meine rechte Hand hat da leider manchmal so ganz eigene Vorstellungen, was sie mit der Nähnadel anfangen will: wahlweise fallenlassen oder in meinen linken Daumen stechen… Naja, ein bisschen Verlust hat man immer.

Alte Stoffe gesucht

Heute habe ich wieder einige Stunden an der Nähmaschine verbracht. Die Ergebnisse zeige ich euch unter der Rubrik „Northern Star by Annuschka“.

Aber ich habe eine Bitte: ich nähe nicht nur gern mit neuen Stoffen, ich mag es auch, alte und traditionelle Stoffe zu verarbeiten. Wenn ihr noch solche Stoffe habt in der Richtung wie der Blumenstoff bei den Topflappen, Omas Paradebettwäsche oder Stoffe mir Rosen, alles aus reiner Baumwolle, und ihr habt keine Verwendung dafür, dann meldet euch.

Ich verspreche: Wer mir solche Stoffe zuschickt, bekommt auch etwas daraus genähtes zurück. Topflappen, Brotkörbchen, Tischset oder Kissenhülle, je nach Wunsch oder auch als Überraschung.

Unberechenbar – auch ich…

Heute musste wollte ich etwas anderes tun als lesen. Nachdem ich die dicke Samstagsausgabe der Tageszeitung ausgiebig gewürdigt habe, ist heute mal die Nähmaschine dran.

Irgendwann in den letzten Tagen habe ich eine größere Menge 6,5-cm-Streifen aus allen möglichen Stoffen geschnitten, heute sehe ich mal zu, was daraus wird.

Aus den maritimen Stoffen habe ich begonnen, eine Kissenhülle für ein Sofakissen zu nähen, die ist im Rohbau (also die Vorderseite außen) auch schon fertig inzwischen. Da werde ich jetzt noch ein Volumenvlies auf die Rückseite bügeln, einen dünnen Innenstoff anheften und dann die Vorderseite quilten. Dann kommt die Entscheidung: Soll die Rückseite beige oder hellblau werden? Naja, ich habe noch ein paar Stunden Zeit, mir das zu überlegen. Gleich treffe ich mich erstmal mit der Pfarrerin in der Kirche zum Umgestalten der Gebetsstationen, da es auch weiterhin „nur“ offene Kirche ohne Gottesdienst geben wird.

Frühestens heute Abend, aber vielleicht auch erst morgen, brauche ich dann den Impuls für die Farbe der Kissenrückseite. Übrigens, falls du dich fragst, warum ich Kissenhüllen so aufwendig nähe: Wenn die Vorderseite aus mehreren aneinandergenähten mehr oder weniger kleinen Schnipseln besteht, sind da ziemlich viele Nähte. Ohne Hinterfütterung sind die sehr spürbar, wenn man den Kopf aufs Kissen legt. Außerdem sieht das Kissen mit einem Volumenvlies und den Quiltlinien plastisch aus, das wirkt gemütlicher. Wenn ich einfach nur schlichte Bauernleinenstoffe in einem Stück benutze, ist das Quilten dagegen nicht notwendig, da entsteht durch den recht groben Stoff (und eventuell Holzknöpfe) ein ganz eigener, rustikaler Charme.

Ein gequiltetes 40×40-Kissen braucht deswegen aber auf jeden Fall gern mal das 4-5fache an Zeit bis zur Fertigstellung. Das heißt gut zwei (manchmal auch drei, je nach Quiltmuster) Stunden, wenn ich ohne Ablenkung und Unterbrechung nur damit beschäftigt bin (was selten klappt). So, Feierabend, ich geh gleich mal los…

Ein Herzensprojekt ist abgeschlossen

Julia hatte sich schon vor längerer Zeit von uns einen Quilt zur Hochzeit gewünscht. Eine Tagesdecke sollte es sein. Wie gewünscht, so in Angriff genommen.

Bei den traditionellen amerikanischen Hochzeitsquilts werden meist ziemlich komplexe Blöcke gefertigt, die in der einen oder anderen Weise entweder etwas mit dem Brautpaar oder mit der Institution „Ehe“ zu tun haben. Oft sitzt der gesamte weibliche Teil der Verwandtschaft dabei gemeinsam an der Arbeit, jede gestaltet einen oder mehrere Blöcke, und wer die Zeit hat, quiltet natürlich dann mit Hand, nicht mit der Maschine. Wie häufig das heute in der Praxis noch so gemacht wird, weiß ich nicht, aber der Film „Ein amerikanischer Quilt“ erzählt in sehr schönen Bildern, wie so etwas (natürlich für den Film mit gehöriger Portion Drama) aussehen kann. Ich konnte aus verschiedenen Gründen nicht so detailreich vorgehen, versuchte aber zumindest, Stoffe aufzutreiben, die in irgendeiner Weise die Persönlichkeiten, Erlebnisse oder Hobbies der beiden Brautleute widerspiegeln. Das war teilweise einfach, denn beide lieben die Natur und das Reisen, sie lesen beide gern und Julia ist in verschiedenen Kunsthandwerken kreativ. Kreativ ist auch Jonas, aber in anderer Weise, denn er programmiert gern. Dafür konnte ich beim besten Willen und auch mit dreimal um die Ecke denken keinen passenden Stoff auftreiben. Schwierig war es auch mit der von beiden bevorzugten Art des Reisens: Sie machen Roadtrips im PKW oder im ausgebauten Boxer von Jonas‘ Brüdern. Ich hätte liebend gern so einen schönen Stoff mit dem T1-Bulli genommen, aber der war leider nur als Jersey (T-Shirt-Stoff) zu bekommen. Überhaupt war es teilweise schwierig, Stoffe zu bekommen, weil für das Maskennähen so viel bestellt wurde, dass sich teilweise die Lieferzeiten dehnten wie ein alter Kaugummi…

Nun mussten Oldtimer als Symbol für den automobilen Bereich herhalten, ferner findet man Brot und Brötchen (Julia backt gern Brot, außerdem wünschen wir den beiden natürlich stets das tägliche Brot), Polaroidfotos, den Bücherstoff von Paloma Picasso, Rehe, Igel und Füchse, Schmetterlinge, einen Blätterwald, roten Stoff mit Polkadots, Anker (für Halt und Hoffnung), ein Seglermotiv für den Segeltörn im vergangenen Juli, Sterne, aber auch relativ schlichte gelbe Blöcke (für Gold=Wohlstand, denn sie sollen ja auch immer ihr Auskommen haben), es gibt Gänseblümchen, Tulpen und Rosen (ihr solltet mal sehen, wie sie in diesem Corona-Frühjahr ihren Balkon in ein Blumen- und Gemüseparadies verwandelt haben) sowie Bastelkram. Katzen nicht zu vergessen! Die beiden Stubentiger, deren Dosenöffner und Kampfpartner Julia und Jonas sind, werden sich vermutlich auch des Öfteren auf der Decke niederlassen…

Und nun ist der Tag vorbei, an dem der Quilt seine Bestimmung bekommen hat, ich denke, sie haben sich gefreut und wir haben noch einen Sohn dazubekommen.

PS: Wenn dich interessiert, wie so ein Quilt entsteht, dann schau doch auch mal in den Menüpunkt „Northern Star by Annuschka“.

Wie ich zum Nähen kam

Als ich ein Kind war, stand im Winter auch immer die Nähmaschine meiner Mutter, damals noch ein Modell, dass man aus einem Schränkchen zauberte, welches dafür aufgeklappt wurde, mit einer großen Trittplatte unten drunter (die mit Beinkraft betrieben wurde), offen im Schlafzimmer meiner Eltern. Meine Mama nähte aber mit viel Freude Kleidung, wie es in sehr vielen Haushalten üblich war. Burda-Hefte wurden gesammelt, und zu Kindergartenzeiten wurde es immer dann interessant für mich, wenn es auf Karneval zuging. Denn sie nähte aus glänzendem Futtertaft in bunten Farben für meine Freundin und mich die schönsten Kostüme.

Mit einsetzender Pubertät waren Nähmaschinen notwendig, um die neu gekauften Jeans auch wirklich hauteng abzunähen, denn die gab es zu der Zeit noch nicht mit Stretch-Anteil und „super skinny“. Danach war die Nähmaschine erstmal lange Zeit uninteressant.

Nachdem meine Mutter vor elf Jahren gestorben war, „erbte“ ich auch die Nähmaschine, inzwischen ein moderneres Modell, das man auf den Küchentisch oder so stellen konnte, mit einem kleinen elektrischen Fußpedal. Und so manchen Stoffrest. Aus Neugier und weil ich in meiner Unkenntnis dachte, es sei wenig Aufwand, weil nur gerade Nähte, keine Raffungen und Rockfalten, weder Abnäher noch Knopflöcher notwendig waren, besorgte ich mir eine Patchworkzeitung. Ich glaube, eine amerikanische Buchlektüre spielte auch eine Rolle, es müssten die Krimis von Earlene Fowler gewesen sein. Ich wusste es nicht besser, und als ich gelernt hatte, dass es kaum etwas mit mehr Aufwand gibt, als kleine Stoffschnipsel aneinanderzunähen, so dass es hinterher schön kreativ, ordentlich und brauchbar aussieht, da war es bereits zu spät. Mich hatte das Quiltvirus gepackt. Nicht zu jeder Zeit gleich intensiv, aber doch immer wieder. Inzwischen hatte mein Mann mir auch eine elektronische Nähmaschine geschenkt.

Und so ging es los. Messen, schneiden, nähen, und immer wieder: bügeln! Jede kleine Naht wird sorgfältig ausgebügelt. Und zwischendurch nachgemessen, ob die Nahtzugaben stimmen, ob die entstehenden Blocks die beabsichtigte Größe haben, und ja, dann und wann gehört es auch dazu, grummelnd eine Naht wieder aufzutrennen und neu zu nähen…

Und ist dann endlich das Top (die spätere Oberseite) zusammengestellt, mehrere Male die Blöcke neu angeordnet, weil es anders doch schöner aussieht, schließlich auch noch glücklich zusammengenäht, beginnt das Bügeln von Neuem. Denn auch das Gesamtstück muss wieder gut glatt und die Nähte schön flach gebügelt werden. Schließlich ist es soweit: Unterseite, Vlies und Top werden ausgelegt, ausgerichtet, glattgezogen, nochmal ausgerichtet, hier und da noch ein bisschen gezuppelt, geheftet. Wobei man höllisch aufpassen muss, dass es beim Heften nicht wieder verrutscht.

Und dann kann man endlich ans Quilten gehen. Das Quiltsandwich wird aufgerollt, Stück für Stück beim Nähen wieder abgerollt und dafür an der fertigen Seite wieder aufgerollt (oder man hat einen großen Maschinenquiltrahmen), man hat seine liebe Mühe mit den „Würsten“ rechts und links der Nadelplatte. Danach ist man aber immer noch nicht fertig, denn: richtig, es wird gebügelt😂. Schlussendlich bekommt das Ganze noch ein „Binding“ sprich eine Randeinfassung, und nach dem finalen Bügeln hat man dann ein außergewöhnliches Geschenk, das seinem neuen Besitzer hoffentlich viel Spaß macht.

Wenn ich auch im „wirklichen Leben“ nicht unbedingt vor Geduld strotze, hierbei kann ich zur Ruhe kommen, die Welt um mich herum und die Zeit vergessen, ich bin „im Flow“. Auch im Garten kann ich so vor mich hin puzzeln, ich stelle nur leider fest, dass mir mein Rheuma zu manchen Zeiten den Spaß an der Gartenarbeit vermiest: Weder zu kalt (dann kann ich mich nicht gut bewegen)noch zu warm (davon kriege ich dicke Finger und kann nicht richtig greifen) darf es sein; ist der Boden zu nass oder zu trocken, fehlt mir die Kraft, ihn zu bewegen. Da braucht man doch einen Ausgleich, sonst wird man ja total kirre.

Im Leben, beim Kochen und beim Nähen geht es mir außerdem oft so, dass ich da etwas habe, ein Material, aber ich weiß nicht, was dabei herauskommt, wenn ich mich damit beschäftige. Ob es gelingt oder ein Fehlversuch wird, ob ich einen Fortschritt erziele oder zurücktrete und feststelle, dass es anders gekommen ist als ich es mir gedacht hatte. Und wer weiß, wohin mich dieser Weg noch bringt, wo die Etappen liegen, wo ich ankommen werde.

Ja, und inzwischen arbeite ich auch mit der vierten Nähmaschine, mit großem Quilttisch und einigem an Zubehör, welches noch mehr Spaß beim Nähen macht.