Wie ich zum Nähen kam

Als ich ein Kind war, stand im Winter auch immer die Nähmaschine meiner Mutter, damals noch ein Modell, dass man aus einem Schränkchen zauberte, welches dafür aufgeklappt wurde, mit einer großen Trittplatte unten drunter (die mit Beinkraft betrieben wurde), offen im Schlafzimmer meiner Eltern. Meine Mama nähte aber mit viel Freude Kleidung, wie es in sehr vielen Haushalten üblich war. Burda-Hefte wurden gesammelt, und zu Kindergartenzeiten wurde es immer dann interessant für mich, wenn es auf Karneval zuging. Denn sie nähte aus glänzendem Futtertaft in bunten Farben für meine Freundin und mich die schönsten Kostüme.

Mit einsetzender Pubertät waren Nähmaschinen notwendig, um die neu gekauften Jeans auch wirklich hauteng abzunähen, denn die gab es zu der Zeit noch nicht mit Stretch-Anteil und „super skinny“. Danach war die Nähmaschine erstmal lange Zeit uninteressant.

Nachdem meine Mutter vor elf Jahren gestorben war, „erbte“ ich auch die Nähmaschine, inzwischen ein moderneres Modell, das man auf den Küchentisch oder so stellen konnte, mit einem kleinen elektrischen Fußpedal. Und so manchen Stoffrest. Aus Neugier und weil ich in meiner Unkenntnis dachte, es sei wenig Aufwand, weil nur gerade Nähte, keine Raffungen und Rockfalten, weder Abnäher noch Knopflöcher notwendig waren, besorgte ich mir eine Patchworkzeitung. Ich glaube, eine amerikanische Buchlektüre spielte auch eine Rolle, es müssten die Krimis von Earlene Fowler gewesen sein. Ich wusste es nicht besser, und als ich gelernt hatte, dass es kaum etwas mit mehr Aufwand gibt, als kleine Stoffschnipsel aneinanderzunähen, so dass es hinterher schön kreativ, ordentlich und brauchbar aussieht, da war es bereits zu spät. Mich hatte das Quiltvirus gepackt. Nicht zu jeder Zeit gleich intensiv, aber doch immer wieder. Inzwischen hatte mein Mann mir auch eine elektronische Nähmaschine geschenkt.

Und so ging es los. Messen, schneiden, nähen, und immer wieder: bügeln! Jede kleine Naht wird sorgfältig ausgebügelt. Und zwischendurch nachgemessen, ob die Nahtzugaben stimmen, ob die entstehenden Blocks die beabsichtigte Größe haben, und ja, dann und wann gehört es auch dazu, grummelnd eine Naht wieder aufzutrennen und neu zu nähen…

Und ist dann endlich das Top (die spätere Oberseite) zusammengestellt, mehrere Male die Blöcke neu angeordnet, weil es anders doch schöner aussieht, schließlich auch noch glücklich zusammengenäht, beginnt das Bügeln von Neuem. Denn auch das Gesamtstück muss wieder gut glatt und die Nähte schön flach gebügelt werden. Schließlich ist es soweit: Unterseite, Vlies und Top werden ausgelegt, ausgerichtet, glattgezogen, nochmal ausgerichtet, hier und da noch ein bisschen gezuppelt, geheftet. Wobei man höllisch aufpassen muss, dass es beim Heften nicht wieder verrutscht.

Und dann kann man endlich ans Quilten gehen. Das Quiltsandwich wird aufgerollt, Stück für Stück beim Nähen wieder abgerollt und dafür an der fertigen Seite wieder aufgerollt (oder man hat einen großen Maschinenquiltrahmen), man hat seine liebe Mühe mit den „Würsten“ rechts und links der Nadelplatte. Danach ist man aber immer noch nicht fertig, denn: richtig, es wird gebügelt😂. Schlussendlich bekommt das Ganze noch ein „Binding“ sprich eine Randeinfassung, und nach dem finalen Bügeln hat man dann ein außergewöhnliches Geschenk, das seinem neuen Besitzer hoffentlich viel Spaß macht.

Wenn ich auch im „wirklichen Leben“ nicht unbedingt vor Geduld strotze, hierbei kann ich zur Ruhe kommen, die Welt um mich herum und die Zeit vergessen, ich bin „im Flow“. Auch im Garten kann ich so vor mich hin puzzeln, ich stelle nur leider fest, dass mir mein Rheuma zu manchen Zeiten den Spaß an der Gartenarbeit vermiest: Weder zu kalt (dann kann ich mich nicht gut bewegen)noch zu warm (davon kriege ich dicke Finger und kann nicht richtig greifen) darf es sein; ist der Boden zu nass oder zu trocken, fehlt mir die Kraft, ihn zu bewegen. Da braucht man doch einen Ausgleich, sonst wird man ja total kirre.

Im Leben, beim Kochen und beim Nähen geht es mir außerdem oft so, dass ich da etwas habe, ein Material, aber ich weiß nicht, was dabei herauskommt, wenn ich mich damit beschäftige. Ob es gelingt oder ein Fehlversuch wird, ob ich einen Fortschritt erziele oder zurücktrete und feststelle, dass es anders gekommen ist als ich es mir gedacht hatte. Und wer weiß, wohin mich dieser Weg noch bringt, wo die Etappen liegen, wo ich ankommen werde.

Ja, und inzwischen arbeite ich auch mit der vierten Nähmaschine, mit großem Quilttisch und einigem an Zubehör, welches noch mehr Spaß beim Nähen macht.

Leben ist, was passiert…

… während du andere Pläne machst!

Wochenlang hatte ich Zeit, mir das Für und Wider des eigenen kleinen Geschäftsmodells zu überlegen, was ich auch von allen Seiten tat und zu dem Schluss kam, dass ich die Zeit dafür übrig habe. Doch kaum war die Entscheidung gefallen und das Kleingewerbe angemeldet, kam unsere fürsorgliche Regierung mit einem Konjunkturpaket um die Ecke, das in Teilen sehr dazu geeignet ist, überrascht zu sein.

Keine Autoprämie, dafür Mehrwertsteuersenkungen für alle! Klingt doch super. Hm. Wenn ich in einer Woche sagen wir mal für 100 € Lebensmittel kaufe, spare ich damit 2 €. Im Monat ungefähr 8-10 €, im halben Jahr sind es dann je nachdem, wenn ich für Weihnachten etwas mehr einkalkuliere, 60-80 €. Und ich kaufe, so denke ich mal, nicht nur das Billigste ein. Allerdings auch keinen Schampus und Kaviar und so. Kaufe ich mir im Media Markt einen neuen Fernseher für heute 1.200 €, dann spare ich, wenn ich das in die erste Juliwoche lege, immerhin schon 30 €. Aber ich kaufe ja nicht ständig neue Unterhaltungselektronik oder Haushaltsgeräte. Also auch noch im Rahmen. Kaufe ich mir aber einen neuen, spritfressenden SUV, der beim Autohändler meines Vertrauens so herumsteht und auf Käufer wartet, dann spare ich im Juli bei einem angenommenen Nettopreis von 70.000 € über 2.000 €. So viel Elektronik und Lebensmittel kann ich in diesem halben Jahr überhaupt nicht bewältigen, um diese Ersparnis hinzubekommen. Also, ich habe ja quasi nur darauf gewartet, mir einen nigelnagelneuen Pickup oder Multivan zuzulegen…🤔. Bitte nicht falsch verstehen, ich gönne jedem Einzelnen den günstigeren Wocheneinkauf, und auch wenn der Fernseher kaputt ist und man dann ein bisschen Schnäppchen finden kann, ist das toll.

Aber sollen wir jetzt alle die Märkte stürmen und Massen an Elektroschrott produzieren? Kühlschränke austauschen, die noch 5 Jahre Lebensdauer haben könnten? Neue Smartphones braucht das Land, egal wo die Rohstoffe herkommen? Und die armen Autokonzerne werden doch noch die Spritschleudern in den Showrooms los? Und wer denkt an Einzelhändler, die nicht mit elektronischen Preisanzeigen, regalweiser Auszeichnung oder Warenwirtschaftssystemen arbeiten? Die 1000ende Artikel in den Läden zum Stichtag neu auszeichnen müssen? Weil in Deutschland eine Verordnung regelt, dass jedes Teil, das zum Verkauf angeboten wird, korrekt ausgezeichnet werden muss? Da freut sich auch unser bevorzugtes Modehaus in Minden, wenn die ganzen Schlüpfer, Socken und BHs alle neue Etiketten brauchen, geschweige denn die hochklassige Mode aus aller Welt. Denn zumindest vor Corona waren diese ganzen Teile einzeln mit Preisen versehen.

Ach, jetzt hab ich mich doch noch aufgeregt. Das wollte ich ja eigentlich gar nicht. Und es ist ja tatsächlich auch einiges an Gutem bei dem ganzen Paket entstanden. Wenn ich mir auch mehr Unterstützung für den Bildungs- und Kulturbereich gewünscht hätte. Aber gut. Oder so. Eigentlich wollte ich ja darüber schreiben, dass ich weiß, was ich an Material habe, was ich daraus nähen möchte, dass ich vermutlich den WP-Account erweitern werde um eine Shop-Möglichkeit. Und ich muss nähen, damit ich etwas anzubieten habe. Und jetzt kommt diese Mehrwertsteuer und beschert uns einen Juni pickepackevoll mit Arbeit. Zuerst Edgar, der muss programmieren. Und ich muss das Programmierte dann auf Herz und Nieren prüfen, ob alles richtig läuft. Immerhin gut, dass es nicht im Juli für den August geplant wurde, sonst wäre unser Segeltörn wohl mal wieder ins Ijsselmeer gefallen.

Naja. Ist jetzt so. Für euch schon mal zum Gucken habe ich immerhin die Kissen oben. Das mit dem Fahrradmotiv war eine Auftragsarbeit für eine Freundin, die in ihrem Wohnwagen ein ungenutztes Kissen-Inlett gefunden hatte. Weitere Näharbeiten, die ich angefertigt habe, findet ihr im Blog unter der Rubrik „Northern Star by Annuschka“, ganz oben im Menü.

Es ist Donnerstag…

… und es regnet. Unspektakulär, meinst du? Beides empfinde ich augenblicklich als wohltuend. (Bis auf die Tatsache, dass auf meiner Tastatur das „N“ klemmt, entspannt mich nämlich beides gerade enorm)

Fange ich mal mit dem Regen an. Der DWD hatte für gestern Abend über OWL Gewitter angekündigt. Aus Sorge um meine schönen Rosen im Garten hab ich deshalb alle mal fotografiert, so ist die Collage oben entstanden. Aber so oft ich auch das Regenradar befragte, es regnete im Südwesten, es regnete nordöstlich von uns, aber einige unbeugsame Gegenden: Ostfriesland, Münsterland und Ostwestfalen, bekamen nix ab. Ich mag nicht glauben, dass es an dem Menschenschlag dort liegt. Das eigentliche Problem für mich: meine Wassertanks sind fast leer, und ich habe begonnen, überall dort, wo Kalle buddelt, etwas zu pflanzen (wenn er das sowieso schon tut, kann es ja auch gleich zu etwas nütze sein, oder?) Ich muss also viel gießen. Es soll ja auch anwachsen. Heute früh verriet mir Google, dass ab 8:00 Uhr in Porta Westfalica Regen erwartet wird. Er kam dann wohl mit der deutschen Bahn, also zeitlich etwas großzügig ausgelegt pünktlich😁. Aber die Hauptsache: zurzeit zumindest ist es ein richtig schöner Landregen, nicht zu schwach, aber auch nicht zu stark. Meinetwegen darf das jetzt gern zwei Tage dauern.

Und es ist Donnerstag. Toll. Gibt es jede Woche, na und? Zur Erklärung: Donnerstag ist seit letzter Woche der einzige „normale“ Tag der Woche. Weil Kathrin donnerstags Präsenzunterricht in der Schule hat. Es ist ja nicht so, dass wir uns den Rest der Woche auf der Pelle hocken oder so, jeder von uns dreien sitzt meist im eigenen Zimmer und macht seinen Kram, aber irgendwie treffen wir uns zwischendurch immer mal wieder in der Küche oder auf der Terrasse und machen einen Schwatz, spielen mit den Hunden, also es ist irgendwie auch immer etwas Ferienatmosphäre dabei. Zumindest mein Tagesablauf ist davon immer wieder aus dem Trott gerissen. Das ist gar nicht unbedingt schlecht, ich habe nur öfter mal das Gefühl, ich schaffe dadurch nicht so viel. Andererseits hat es aber auch eine Qualität, denn die vier Jahre bis zu Kathrins Abi werden so schnell vorbei sein, und dann verlässt auch das letzte unserer Küken das Nest. Darüber denke ich lieber nicht so nach.

Und sonst so? Über Pfingsten habe ich bei meinen Stoffen eine spezielle Art von „Inventur“ gemacht. Also nicht so klassisch mit zählen und notieren, wovon wieviel da ist, sondern ich habe mir eine Kiste nach der anderen vorgenommen, ausgeleert, alle kleinen oder größeren Stücke gebügelt und bewertet, ob sie noch groß genug sind (so ab 4×4 cm), um damit zu nähen. Lange dünne Streifen wurden aussortiert, damit kann ich auch noch was anfangen, und durcheinander geratene Farben kamen wieder in die richtigen Kisten. Dabei kamen Erinnerungen an zurückliegende Nähprojekte, an Orte, wo ich die Stoffe erworben habe oder auch Aha-Momente: Ach, da habe ich also doch noch einen schlicht gelben Stoff für eine Rückseite? Hätte ich nicht gedacht… Die nächste Herausforderung, die im Hinterkopf lauert: Ich brauche eine vernünftige Preiskalkulation und die entsprechende Liste. Und zwar so, dass nicht alle potentiellen Käufer hinten rüberfallen, Stoffpreise und Arbeit aber trotz allem einen angemessenen Platz finden. Eine Idee habe ich schon, muss die aber jetzt in ein Excel-Kalkulationsschema gießen. Uff. Aber auch sowas gehört dazu. Die Nähmaschine muss noch ein paar Tage warten, aber zumindest habe ich das Quilttop für meinen ersten Auftrag schon soweit fertig. Es muss noch gequiltet werden und dann die Rückseite für das Kissen genäht werden.

Wieder Themenwechsel. Das geht hier zu wie in meinem Kopf, sorry. Seit einigen Tagen habe ich schon ein paar Zeitungsseiten auf dem Schreibtisch liegen, weil mir Themen aufgefallen sind, die in der letzten Woche in der Lokalpresse hochkamen und die ich ziemlich erwähnenswert fand. Um hier wieder Ordnung zu bekommen, verbrate ich die jetzt noch kurz und knackig:

Als erstes: Beim Kompostwerk unseres Entsorgers beklagt man, dass immer mehr Restmüll und Wertstoffe in den Biotonnen landen. Ich frage mich: Warum? Es liegt doch auf der Hand, dass am Ende alle Haushalte dafür zahlen müssen, wenn wegen des erhöhten Sortierbedarfs die Gebühren steigen und zudem die Qualität des gewonnenen Komposts deutlich sinkt. Klar kann es passieren, dass man mal den falschen Tonnendeckel hebt, aber wenn ich am Abend vor der Leerung der Biotonnen mit den Hunden durchs Dorf gehe, dann sehe ich aus manchen Biotonnen sogar oben die Restmülltüten mit nicht kompostierbaren Abfällen herausragen. Da die Tonnen nicht mehr von Müllwerkern an die LKWs gefahren werden, sondern mit automatischen Seitenladern gearbeitet wird, fällt das den Fahrern sicher nicht immer auf. Denn diese Tonnen müssten eigentlich stehen bleiben mit dem Vermerk an die Besitzer, sie mögen bitte erst mal selbst ihren Müll ordentlich sortieren…

Minden hat Busfahrermangel. Und es wird damit gerechnet, dass dieser sich verschärft. Aber gerade der ÖPNV sollte doch eine Hauptsäule der sich wandelnden Mobilität werden. Hm. Wenn sich die Lufthansa verkleinert, könnten doch Piloten …, aber die sind eindeutig überqualifiziert (obwohl, ein bisschen erinnert es schon manchmal an Tiefflüge, wenn die Busfahrer in die Kurven brettern, weil sie noch die Ampelphase erwischen wollen) und hätten dann wesentlich geringere Gehälter. A propos Lufthansa, ich hoffe schwer, dass die Bundesregierung als Anteilshalter der Lufthansa sich zwar nicht in die Flugpläne, dafür aber in die Steuergestaltung einmischt. Denn ein Konzern, der letztendlich von jedem einzelnen Steuerzahler gestützt wird, der sollte auch verdammt nochmal alle seine Steuern hier zahlen und sich fair verhalten. Punkt!

Die Rubrik „Mittagstisch“ ist eine Sammlung von Restaurants und Bistros in der Stadt, die mittags Essen (zum Mitnehmen) für alle anbieten, die nicht selbst kochen mögen oder bei der Arbeit etwas nahrhaftes in der Mittagspause essen wollen. Ich schaue da gern durch, auch zur eigenen Inspiration. Aber mit einer Vegetarierin im Haus und zwei Menschen, die nicht mehr bereit sind, Schlachthauskonzerne zu unterstützen, hat es nur noch wenig Wert. Fast jeder Anbieter (außer dem Fischbäcker) hat Fleisch an jedem Tag im Angebot. Und alles andere ist „Sättigungsbeilage“. Da steht noch viel Umdenken bevor.

Insgesamt stelle ich fest, dass mich in den Lockdownzeiten das Zeitunglesen mehr entspannt hat. Klar gab es die täglichen Corona-Meldungen, aber die Redaktion hat in der Zeit unheimlich viel Ermutigendes geschrieben, positive Dinge, die Menschen in unserer Region auf die Beine gestellt haben. Jetzt, wo immer mehr gelockert wird, kommt der alltägliche Wahnsinn aus Vor-Corona-Zeiten wieder: Meckerei an der Regierung, an Deutschland, an jedem Pups, der quer sitzt. Begehrlichkeiten von großen Lobbygruppen, Wirtschaftsverbänden, neoliberalen Akteuren. Alles weiter, höher, schneller! Weg ist die Demut, die Erkenntnis, dass es nicht immer so weitergehen kann.

Ich höre jetzt auf. Sonst ist meine positive Grundstimmung vom Anfang des Artikels völlig im Eimer. In diesem Sinne: Ich hoffe, du kannst auch das Geräusch von sanft fallendem Regen genießen und musst nicht fürchten, dass ein Sturzbach durch deinen Keller fließt. Einen schönen, ganz normalen Donnerstag!

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

Dieser oft bemühte Satz ist eine Zeile aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse. Zum Neubeginn, sogar auf Geburtsanzeigen habe ich den Satz schon häufig gelesen. Was gern unterschlagen wird, ist der Zusammenhang des Gedichtes. Dort geht es nämlich nicht nur um Anfänge, sondern auch um das Loslassen, das Beenden, den Wandel. Vom Anfang bis zum „Good bye“, alles gehört zu einem Lebenszyklus.

In der Bibel heißt es etwas anders: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“ und auch dort folgen ganz gegensätzliche Begriffe, die das Werden und Vergehen repräsentieren.

Aber für heute bleibe ich beim Anfang. Ab heute bin ich offiziell und angemeldet eine Gewerbetreibende. Nicht komplett unbekannt für mich, denn ich war bereits fünf Jahre selbständig. Aber heute ist es anders, denn ich habe keinen wirtschaftlichen Druck, sondern ich möchte ganz einfach das tun, was ich gern tue, nämlich nähen, fotografieren, gestalten, vielleicht auch kochen. Damit ich das aber immer weiter tun kann, muss ich irgendwo hin mit meinen „Erzeugnissen“. Und was liegt näher, als sie nicht nur selbst zu verschenken, sondern auch anderen zu verkaufen, die selbst ganz andere Talente haben als ich, aber zufällig das mögen, was ich im Überfluss angefertigt habe. So in etwa war mein Gedankengang.

Außerdem ist mir in den letzten Jahren der Nachhaltigkeitsgedanke immer wichtiger geworden, und so nähe ich nicht nur mit neuen wunderschönen Patchworkstoffen, die eigens für dieses Hobby hergestellt werden, sondern auch mit alten, gebrauchten Stoffen, die schon eine Geschichte hinter sich haben. Das Kissen, welches mein Logo darstellt, besteht demzufolge aus zwei ehemaligen Lieblingshemden meines Mannes, die Rückseite ist Teil eines gefärbten Bettlakens, das vor einigen Jahren für ein Karnevalskostüm eingefärbt wurde und zuvor vermutlich lange Jahre meinen Großeltern kühle Sommernächte gesichert hat.

Ich gebe mir jetzt erstmal ein Jahr Zeit. Entweder es klappt, oder ich bin mal wieder um eine Erfahrung reicher und die Gebühren für eine Gewerbeanmeldung ärmer. Ich werde nicht ständig so viel Aufmerksamkeit in diese Idee stecken können, wie sie es verdient hätte, denn ich habe ja alle anderen Sachen, die ich so mache, deswegen nicht aufgegeben. Aber es nicht zu versuchen, hätte nicht nur ich als vertane Chance angesehen, sondern auch Julia und Daniela, die mich sanft in die richtige Richtung geschubst haben und Edgar, der gesagt hat: Wenn du glaubst, es ist das Richtige, dann tu es. Danke euch allen, die mich ermutigt habt und es auch weiter tut.

Ein folgenschwerer Tag…

Ich hatte es angekündigt. Angedroht? Nein, eher versprochen. Und heute habe ich nach mehreren Tagen Recherche, einem Telefonat mit unserem Steuerberater und einem weiteren mit der IHK dann Nägel mit Köpfen gemacht.

Und um auch hier zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, mache ich gleich noch eine abc-Etüde aus meiner Ankündigung. Hier der Link zur Schreibeinladung:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/05/17/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-21-22-20-wortspende-von-kopf-und-gestalt/

Heute habe ich die Gewerbeanmeldung bei unserer Stadtverwaltung abgegeben. Ein kleiner Nebenerwerb, damit ich mein Hobby weiter betreiben und hoffentlich auch ein wenig finanzieren kann. Denn ich nähe schon seit einigen Jahren sehr gern. Seit dem doppelten Sehnenriss diesen Frühjahr sitze ich so gut wie jeden Tag an der neuen Maschine. Wer näht, kennt das Dilemma: Wo man auch ist, das nächste Stoffgeschäft wird aufgesucht. Als Mitbringsel muss wenigstens ein schönes Muster gekauft werden. Alte Bettwäsche und Herrenhemden werden gehamstert wie bei manch anderem das Klopapier.

Und wenn man dann alle seine Schätze verarbeitet, dann ist schnell das Haus mit Patchworkarbeiten aller Art dekoriert. Das geht so nicht, nicht auf die Dauer. Ich habe allerdings festgestellt, dass es Interesse gibt, so liebevoll in Handarbeit zusammengestückelte Teile zu erwerben, gern auch als individuelles Geschenk. Also probiere ich es – fallen kann ich dabei eigentlich nicht. Einen festen Zeitplan habe ich nicht dabei, ich sehe, wie es sich ergibt. Und wenn sich irgendwann herausstellt, dass es doch nicht klappt, ist es auch nicht schlimm. Dann bin ich mal wieder um eine Erfahrung reicher und habe immerhin viel Zeit verbracht mit Dingen, die mir nicht nur Spaß machen, sondern auch gut tun. Und schon das ist ein Wert an sich.

Der Unfall (der eigentlich ja gar keiner war) und Corona dienten mir offensichtlich als Katalysator für diesen kleinen Traum. Wie ich eben bei Alice gelesen habe, bin ich da wohl nicht die Einzige… Bin gespannt, was mit dem nächsten Träumchen passiert (wie vermutlich jede Buchhändlerin würde ich gern mal als Autorin groß rauskommen 😅)

(261 Wörter)

Zuckerbrot und Peitsche

Die Peitsche ist das lästige Schrägbänder nähen. Dabei bin ich im Augenblick froh, dass ich es kann, weil ich mir letztes Jahr mal so ein Set Schrägbandformer gekauft habe.

Und weil es so eine öde Sache ist, habe ich beschlossen, mir das Ganze zu versüßen. Mit Filmen, vorzugsweise mit mitreißender Musik und schon gut bekannt, damit ich beim Bügeln auf meine Finger achte und nicht auf den Bildschirm.

Das habe ich schon früher zu Zeiten des Videorecorders so gemacht. Julia und Yvonne haben möglicherweise einen Tom-Cruise-Schaden davongetragen, denn sonntags war Bügelzeit mit Top Gun. Handlung bekannt, Cruise nebensächlich (ich stand eher auf „Ice Man“ Val Kilmer, der hatte so niedliche Hasenzähne🤣). Und die Kinder waren meist auch dabei. Aber super Mucke!

Heute war mal wieder Footloose (das Original) dran und als der Film zu Ende war, hatte ich wieder ein Herrenhemd gemetzelt und gut sieben Meter Schrägband daraus hergestellt.

Beim Zuschneiden der nächsten Masken ist Grease dran….

Mal was anderes

Schon recht frühzeitig hatte ich mir überlegt, das Nähzimmer unsicher zu machen, sobald ich wieder längere Zeit sitzen, aber noch keine größeren Gartenarbeiten machen kann.

Dass ich aber statt eines schönen Bettüberwurfes oder einer Tischdecke mit Gesichtsmasken in Serie gehen würde, das hätte ich vor einigen Tagen nicht erwartet.

Aber beim Hausarzt ist das zurzeit begehrte Ware, also erweitere ich nähtechnisch meinen Horizont. Dank netter Spenden an Herrenhemden, Betttüchern, Gummilitze und Hutgummi kein Problem.

Heute Abend muss ich allerdings erstmal die Nähmaschine entfusseln und morgen früh dann wieder einige Meter Schrägband zuschneiden.

Und dann kann es weitergehen. Die Nähanleitung ist übrigens von Sabine:

https://sewsimple.de/anleitung-mundschutz-naehen-mit-schnittmuster/

Edit: Bei den selbst genähten Gesichtsmasken handelt es sich nicht um Medizinprodukte! Sie bieten natürlich keinerlei Schutz gegenüber Viren oder Bakterien. Sie sind dafür da, dass man beim Husten oder Niesen eine Art „Bremse“ für die Ausbreitung seiner eigenen Tröpfchen vor dem Gesicht hat, also nicht den Nebenmenschen einer Dusche unterzieht. Sie ersetzen aber keinesfalls die Regeln Abstand, Husten- und Niesetikette, Händewaschen!Außerdem verhindern sie, dass man sich übermäßig oft an Mund oder Nase fasst.

Die Nähsaison kann jetzt auch kommen….

…und ich freue mich schon auf die stürmischen Herbsttage, an denen ich an der Nähmaschine sitzen und dabei aus dem Fenster gucken kann.

Jetzt, wo Kathrin ihre eigene Etage im Haus bezogen hat, wird aus dem ehemaligen Kinderzimmer ein kombiniertes Näh- und Gästezimmer.

Dann müssen wir „nur“ noch zusehen, wo wir eine Heimwerkerwerkstatt unterbringen….