Keine Abkühlung

Trotz etwas leichtem Landregen gestern Abend war es eine zu heiße Nacht, schon die siebte in Folge. Langsam geht es mir an die Substanz. Ich bin eher der Typ, der auch im Winter bei Minusgraden mit offenem Fenster schläft. Temperaturen von 25 Grad im Schlafzimmer sind Quälerei für mich, was sich inzwischen deutlich bemerkbar macht. Wenig Schlaf in schlechter Qualität ist etwas, das ich mit Anfang Zwanzig noch wegstecken konnte. Inzwischen macht es mich mürbe; zusammen mit den rheumabedingten Schlafproblemen kippt mein Zustand langsam.

Heute früh streikte dann auch noch mein Kreislauf, für meine Verhältnisse war ich für eine halbe Stunde kurz vor scheintot, erst eine salzige Gemüsebrühe und ein paar Brezeln sorgten für eine Annäherung an den Normalzustand meines Blutdrucks. Gut, dass ich heute zuhause bin und nicht in der Buchhandlung.

Ich dachte mir, wenn ich schon zu nichts anderem in der Lage bin, setze ich mich an die Nähmaschine. Dort bekomme ich von der Nähplatzbeleuchtung schon Schweißausbrüche, ehe ich auch nur eine Naht gesetzt habe. Bin mir selbst im Weg. Dazu noch die Grübelei, ob alles, was ich augenblicklich so mache in den unterschiedlichen Bereichen, wirklich das ist, was ich mir wünsche. Mit zunehmendem Alter bin ich immer weniger bereit, die Zeit mit Dingen zu verbringen, die mir keinen Sinn ergeben oder die ich nicht mag. Andererseits kann ich nicht jammern, denn ich durfte viele Jahre in einem Beruf arbeiten, der zwar nicht zu den bestbezahlten gehört, aber mir Spaß macht und in dem ich mich wohl fühle. Ich habe eine Familie, die ich nicht eintauschen möchte (auch wenn nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen herrscht, aber das wäre auch langweilig und würde Stillstand bedeuten) Wir haben unser Auskommen, und wenn wir auch in einer 201 Jahre alten Dauerbaustelle wohnen, es ist immerhin unsere eigene Dauerbaustelle. Wir haben alles, was wirklich wichtig ist und mehr als viele andere.

Ich glaube, ich erwähnte es bereits, ich gehe mir selbst auf den Keks, ich mag es nicht, wenn ich so drauf bin wie heute, aber es tut gut, es mal rauszulassen. Abkühlung und zwei Nächte ordentlich schlafen wird sein übriges tun, aber darauf muss ich wohl noch warten.

Und bei all dem legen sich Lucy und Kalle draußen auf der Südseite auf die Terrasse, mittags bei 31 Grad im Schatten. Lucy als alte Dame legt sich zumindest noch in den Schatten unterm Tisch, aber Kalle bevorzugt die pralle Sonne. Er ist schon recht speziell, unser Knallkopp…

Lauter Fragezeichen…

Warum sehen wir uns so gern als Individuen, werten aber andere als eine undefinierbare Menge „DIE“ ab?

Warum nehmen wir für uns selbst häufig so selbstverständlich Dinge in Anspruch, die wir anderen nicht gönnen?

Warum ist es für viele von uns nicht möglich, andere Gedankengänge als gleichberechtigt im Raum stehen zu lassen?

Warum können immer mehr Menschen nicht mit Argumenten, sondern nur mit Verächtlich-machen hantieren?

Warum lernt die Spezies Mensch nicht endlich mal, absehbare Katastrophen zu vermeiden statt direkt hineinzusteuern?

Warum ist der einzige Weg, der uns die Zukunft ebnen soll, immer noch der des „höher, schneller, weiter“?

Warum versuchen wir Fragen von heute und morgen mit Lösungen von gestern und vorgestern zu beantworten?

Und warum bloß gibt es immer wieder, wenn ich gerade denke, ich hätte meinen Platz im Leben gefunden, Ereignisse, die mich wieder mal zweifeln und suchen lassen?

Es grummelt…

…, zieht sich zu und die Luft ist dicker als Kartoffelsuppe. Ein Gewitter liegt in der Luft und beim Blick auf das Regenradar fahre ich die Markise ein, der Sonnenschirm kann ebenfalls zugemacht werden, die Vögel draußen werden auch merklich ruhiger. Spannung liegt in der Luft.

Ich sehne mich regelrecht danach, dass dicke Tropfen auf den Boden klatschen, der dann beginnt zu dampfen von der Tageshitze. Ich kann die Würze in der Luft schon in meiner Vorstellung riechen, ich möchte im Regen tanzen.

Heute war es schon früh so heiß, dass ich sogar in unser alten Kirche mit den dicken Mauern ruhig sitzend Schweißausbrüche bekam. Zuhause war es noch wärmer, die Durchschnittstemperatur im Haus liegt bei knapp 28 Grad, nur im Keller hört das Thermometer bei 20 Grad auf zu steigen. Ich wollte für die schulpflichtigen Familienmitglieder Masken nähen, aber meine Hände kleben am Stoff und an der Nähmaschine fest. An die noch zu fertigenden Kinder-Kochmützen für den Kindergarten habe ich mich erst gar nicht herangetraut, das ist Neuland mit viel Fummelei, der Stress, den ich mir dabei selbst machen verursachen würde, der würde mich auch zum Schmelzen bringen, fürchte ich.

Unbeeindruckt von der Schwüle sind die fleißigen Bienen an meiner ungeplanten Sonnenblume, sie ernten schon den ganzen Tag in kleinen Trupps von 3-7 Tieren:

Mir ist gar nicht aufgefallen, dass es so diesig ist…

Auszeit

Jeden Tag erscheint ein Blogpost, aber so fleißig wie es aussieht, bin ich gerade gar nicht. Während ich dieses schreibe, sitze ich an Bord einer Segelyacht in der Marina in Lemmer. Drei Tage Segeln mit Ehemann, zwei von drei Töchtern, einem von zwei Schwiegersöhnen, einem Freund und dessen Tochter liegen hinter mir.

In den Niederlanden ist man relativ entspannt, es gibt natürlich Abstandsregeln und Hygienevorschriften, es sind mitunter nicht alle Duschen und Toiletten geöffnet, aber in diesem kleinen Segelkosmos kann man schon mal Corona vergessen.

Abendspaziergang in Urk

Bis auf gestern Abend, da musste ich in einem Supermarkt in Urk noch was fürs Essen besorgen. Es gibt in NL keine Maskenpflicht in Läden und es brauchten offensichtlich auch viele andere noch Lebensmittel. Da setzte dann bei mir ein Fluchtreflex ein, das bin ich nicht mehr gewohnt.

Mein „Arbeitsplatz“ war heute die Navigation

Auf jeden Fall hat es viel Spaß gemacht, wir lassen den Tag in Ruhe ausklingen, genießen die Gemeinschaft und morgen nach einem ausgiebigen Frühstück müssen dann wieder alle unsere Sachen in den Autos verpackt werden und es geht zurück nach Hause, wo die Hunde und die Angehörigen sehnsüchtig auf uns warten.

Wir wollen offensichtlich ver…eimert werden

Beim Durchsehen der wöchentlichen Angebote des Supermarktes bin ich auf den oben abgebildeten „Werbeblock“ gestoßen. Keine Frage, ich finde es in Ordnung, wenn ein Landwirt ordentlich mit seinen Tieren umgeht, wenn sie Platz haben, gut ernährt werden, ohne Medikamente aufgezogen werden. Dafür bin ich auch durchaus bereit, den angemessenen Preis zu bezahlen.

Ich frage mich nur: Warum muss etwas, das eigentlich aus Achtung vor Mensch und Tier selbstverständlich sein sollte, als ein neues und innovatives Konzept beworben werden?

Warum muss heute extra für Hautpflegeprodukte „ohne Mikroplastik“ die Werbetrommel gerührt werden? Richtig, weil irgendwer mal auf die Idee gekommen ist, es könnte den Kunden ein Mehrwert geboten werden, wenn das Zeug drin ist in Shampoo, Duschgel und Konsorten. Und heute besteht der Mehrwert darin, sich den Luxus zu leisten und darauf zu verzichten.

Mein Fazit: Wir Verbraucher … siehe Überschrift.

Bon Anniversaire

Heute ist der 120. Geburtstag von Antoine de Saint-Exupéry. Wer kennt ihn nicht, den kleinen Prinzen. Und den berühmten Satz

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Heute möchte ich hinzufügen: Auch mit dem oder im Portemonnaie findet man das Wesentliche nicht.

Ebenso wichtig ist die Aussage

„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“

Die Ferienzeit beginnt. Ob in diesem Jahr wohl weniger Tiere an der Autobahn oder Landstraße ausgesetzt werden? Die Grillzeit ist in voller Blüte. Ob auch tatsächlich alle, die das vollmundig versprechen, auf billiges Fleisch verzichten? Werden Arbeitnehmer künftig fairer behandelt in den Branchen, in denen bisher prekäre Arbeitsverhältnisse herrschen? Werden die Interessen der Allgemeinheit höher bewertet als die Einzelinteressen von Investoren? Wird sich die Rechtsprechung in puncto Kindesmissbrauch und der Umgang mit Verantwortung bei manchen Institutionen und Behörden zum Wohl der jungen Opfer verändern?

Ich frag‘ ja nur…

Alles normal oder was?

Samstag früh, kurz noch ein paar frische Lebensmittel einkaufen. Im örtlichen Supermarkt tragen fast alle Mitarbeiter Mund-Kinn-Bedeckung. Manche verstecken möglicherweise auch einfach nur einen Adamsapfel, mutmaße ich. Das kann doch nicht sein, dass in diesem Laden fast nur Asthmatiker arbeiten? Und ehe ich hier einen Shitstorm bekomme: ich weiß, dass es mühsam ist, den ganzen Tag mit der Maske herumzulaufen. Vor allem, wenn es eine Textilmaske ist. In anderen Zusammenhängen trage ich auch mehrere Stunden am Stück die Maske, danach ist sie durch. Ist mir durchaus bewusst. Und ich habe übrigens auch Asthma. Trotzdem befällt mich zunehmend ein mulmiges Gefühl, auch weil immer mehr Menschen immer weniger Abstand halten.

Wie gesagt, bei allem Verständnis für die einzelnen Leute, müsste so etwas nicht durch kreative Pausenlösungen zu handhaben sein? An anderer Stelle wird im selben Geschäft nämlich durchaus auf die Einhaltung der Vorschriften geachtet: Es ist nicht erlaubt, Fleisch/Aufschnitt, Käse und selbst Brot in mitgebrachte Behälter/Brotbeutel verpacken zu lassen. Frisch abgewaschene Dosen sind ein Hygienerisiko. Mein Verbrauch an gelben Säcken hat sich seit Mitte März verdoppelt. Aber zumindest sind Plastikstrohhalme demnächst verboten…

Überhaupt: wie haben wir uns kollektiv vor drei Monaten über die Stille und die saubere Luft gefreut. Und heute freuen sich schon wieder dieselben Menschen über Flüge nach Malle. Wir sind schon so an das schnelle Leben gewöhnt, dass drei Monate relative Ruhe uns an den Rand des Kollaps bringen. Traurig eigentlich.

An der Kasse angekommen. Vor mir bezahlt eine Frau abgepacktes mariniertes Grillfleisch. Billigmarke der Kette. Dabei haben wir doch in der letzten Woche erst gelernt, dass auch diese Ware aus Rheda-Wiedenbrück kommt. Mich schauderts. Muss man denn beim Grillen immer gleich „Fleisch satt“ haben? Ist es nicht eventuell doch schöner, ein saftiges (weil gut marmoriertes, aus Weideaufzucht und beim regionalen Schlachter verarbeitetes) Steak zu genießen und dazu vielfältige Beilagen zu entdecken?

Aber was weiß ich denn schon? Vielleicht übertreibe ich es ja auch mit dem Gefühl, dass Rücksichtnahme auf Mensch und Tier kein notwendiges Übel ist, sondern eine Eigenschaft, die allen Beteiligten das Leben lebenswerter macht.

Zuhause angekommen, sitze ich im Büro und versuche, Kunden zu erreichen. Seit Donnerstag wissen alle, dass sie die Programmänderung für die Mehrwertsteueränderung bekommen sollen. Aber auch hier ist es bei einigen alles andere als einfach, überhaupt eine Rückmeldung zu bekommen. Die ganze vergangene Woche habe ich damit verbracht, immer ähnliche Telefonate zu führen: „Ach, ob das was bringt? Ich weiß es nicht, aber muss ja wohl sein. So ein Aufwand…“

Ich wünsche ein schönes Wochenende. Mit möglichst wenig Unwetter. Ich fürchte, die Fähigkeit vieler, mit noch zusätzlichen Katastrophenmeldungen klarzukommen, sinkt rapide.

Etwas ist hier gewaltig faul!

Zunächst, um langsam in Fahrt zu kommen, eine kurze Erläuterung des Beitragsbildes: Kaum noch erkennbar, handelt es sich um einen mutwillig zerstörten Ameisenstaat. Der war vorher einen knappen Meter hoch und gelegen an einem Waldweg, der die Zufahrt zu einem Campingplatz im Müritznationalpark bildet. Mehrere hundert Meter entfernt von der Hauptstraße, hier verirrt sich niemand einfach mal so hin. Kathrin und ich bewunderten diesen wimmelnden und dabei doch so organisiert wirkenden „Haufen“ immer wieder, wenn wir im Urlaub mit den Hunden daran vorbeikamen. Doch eines Morgens sah es dann so aus wie auf dem Foto: der Hügel abgetragen und auseinandergerakt, Bauteile eines PCs halb darin vergraben (die Platine kann man unten links im Bild erkennen), zerbrochene Schnapsflaschen steckten kopfüber in den Überresten. Wir waren total fassungslos. Wer macht so etwas? Und warum?

Diese beiden Fragen stelle ich mir immer öfter. Und beileibe nicht nur, wenn ich die Auswirkungen blinder Zerstörungswut auf die Umwelt (oder fremden Eigentums, aus welchem „Grund“ auch immer) sehe. Die Umwelt, die eigentlich stark ist, aber von uns Menschen immer stärker in Bedrängnis gebracht wird. Die Umwelt, die ganz schnell nichts mehr wert ist. Die Umwelt, die auch den Regierenden in Bund und Bundesländern leider zu häufig nur als Lippenbekenntnis wichtig erscheint. (Vielleicht auch, weil ja immer irgendwo in dieser Republik Wahlkampf ist?)

Selbst bei der Corona-App macht der Wahnsinn nicht halt: Denn es gibt beileibe nicht nur Menschen, die „zu arm“ oder „zu bequem“ sind, sich ein aktuelles Smartphone zu kaufen, wie es uns unsere Digitalministerin letzte Woche weismachen wollte. Es gibt auch tatsächlich Menschen, die ihre Geräte nutzen, solange sie funktionieren, statt sich jedes Jahr vollkommen unnötig mit der neuesten Technologie einzudecken. Wer so bewusst konsumiert, hat ebenso wie die erstgenannten Gruppen einfach mal die „A-karte“ gezogen und kann sich am Tracing nicht beteiligen, selbst wenn der persönliche Wunsch danach vorhanden ist.

Ach Corona. Du Krone, welche die „Krone der Schöpfung“ angreift. Passt eigentlich. Die Krone, durch eine andere Krone gestürzt? Und dann Rheda-Wiedenbrück. Noch nie in meinem Leben war mir die Tatsache so sehr bewusst, dass der Landkreis Gütersloh gar nicht so weit von uns entfernt ist. Als während meiner Grundschulzeit mein bester Freund mit seiner Familie nach Gütersloh zog, kam es mir wie eine halbe Weltreise vor, wenn wir die Familie besuchten. Lange Zeit dachten wir bei Gütersloh bestenfalls an die Weltmarke für Waschmaschinen oder wenn wir einen Clown gefrühstückt hatten, wurde die stationäre psychiatrische Einrichtung dort mit der Stadt in Verbindung gebracht.

Inzwischen verbindet ganz Deutschland den „Schweinebaron“ und einen leider inzwischen möglicherweise ausufernden Corona-Ausbruch unter seiner Belegschaft mit Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück. Wenn du schon einmal auf der A2 an Rheda vorbeigefahren bist, hast du möglicherweise den riesigen Werbepylonen mit den lächelnden Tieren (Bulle, Kuh und Schwein) darauf bemerkt. Ganz davon abgesehen, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie man „Lächeln“ und „Schlachtbank“ gemeinsam denken kann, spätestens seit Mitte der letzten Woche kann sich niemand mehr herausreden, er wüsste nicht, wie Fleischindustrie funktioniert. Industrie, nicht Schlachterhandwerk! (Noch dazu wissen wir auch jetzt, dass die Menge der „Fleischarbeiter“ nicht Teilmenge der Menge „Bevölkerung“ ist, sondern mathematisch und menschlich gesehen daneben steht. Mengenlehre hatte ich schon in der Grundschule, aber nicht dieser ganz fiesen Art!)

Möglicherweise müssen wir dem Virus sogar dankbar sein, dass es hoffentlich jetzt zu einer Abschaffung dieser Arbeitsweise kommt. Obwohl, nun schlagen sich die Befürworter und Gegner unterschiedlicher Ernährungskonzepte zumindest virtuell gegenseitig die Köpfe ein. Statt zu respektieren, dass es unterschiedliche Möglichkeiten gibt, sich vielseitig und abwechslungsreich zu ernähren (wobei viele Menschen auch aus gesundheitlichen Gründen das Eine brauchen und das Andere besser weglassen), und sich gemeinsam gegen Ausbeutung von Menschen, Tieren und Umwelt zu wenden, drischt man verbal aufeinander ein. So ein hanebüchener Unsinn. Vernunft und Maßhalten sind nicht sexy. Aber auf jeden Fall wird über den Wert von Lebensmitteln, auch jenseits von Euro und Cent, debattiert.

Und dann kommt ein großer Lebensmitteldiscounter 9 Tage vor der Mehrwertsteuersenkung und kündigt an: „Wir senken die Mehrwertsteuer jetzt schon und senken die Preise um 10%“. Sofort ist der Geifer wieder da, von den Fernsehsendern werden Menschen interviewt, die mit strahlenden Augen erklären: „Boah, das ist so toll, es wird jetzt alles viel billiger, da kann man viel mehr kaufen!“ (Ich hoffe nur, dass sie dann nicht auch mehr wegschmeißen!) Und ich sitze vor dem Fernseher und denke: „Kopf-Wand. Kopf-Wand. Kopf-Wand…“ Ich möchte irgendwo reinbeißen.

Erstens: man kann die Mehrwertsteuer nicht jetzt schon senken. Man kann das nur erzählen und hoffen, dass die Leute nach dem Einkauf nicht so genau auf ihren Bon gucken. Denn natürlich stehen da bis einschließlich 30. Juni noch 7 und 19% drauf. Das ist genau so ein Nepp wie „Wir schenken Ihnen die Mehrwertsteuer“ bei den Elektronikriesen. Aber naja. Zweitens: Die Steuer wird nicht um 10, sondern je nach Steuersatz um 2 oder 3% gesenkt. Und drittens: Hatten wir nicht erst vor ein paar Tagen zerknirscht darüber nachgedacht, ob bei uns die LEBENSmittel den Wert bekommen, der ihnen zusteht? Und jetzt sind wir wieder bei „Hauptsache viel, billig und macht satt“? Am Ende muss sich doch jeder Landwirt, der ganz zaghaft hoffte, dass man seiner Arbeit, egal ob konventionell oder bio, endlich mal Respekt zollt, jeder Arbeiter in den nahrungsverarbeitenden Gewerben, der auf faire Löhne hoffte, jeder kleine Ladenbesitzer, der bei dem Wahnsinn nicht mitmacht, schlichtweg vereimert fühlen.

Ich weiß selbst, dass es nicht immer ganz einfach ist, sich diesem ganzen Schnäppchenmist zu entziehen. Ich versuche es, habe nicht immer Erfolg dabei, könnte mich danach sonstwo hin beißen. Und versuche es erneut. Es ist, wenn man nicht in der Stadt lebt, auch nicht immer ganz einfach. Ein bisschen paradox ist es schon, denn man sollte meinen, auf dem Land, wo die Erzeuger sitzen, da bekommt man auch alles. Aber zum Beispiel bei der Hausschlachtung gibt es so viele Regeln, Vorgaben und Vorschriften, die einzuhalten sind, dass kann schlichtweg kaum ein Landwirt leisten. Und durch die Spezialisierung auf bestimmte Kernkompetenzen, ohne die auch kaum ein Landwirt existieren kann, gibt es auch wenige Hofläden, die ein Vollsortiment an Lebensmitteln anbieten können. Und nicht zuletzt ist es ebenfalls kontraproduktiv, wenn ich für meine unterschiedlichen Bionahrungsmittel mehr als 50km durch die Gegend juckeln muss. Ich habe aber erfreulicherweise festgestellt, dass es hier inzwischen Netzwerke gibt (unter anderem eine Facebookgruppe) und manche Landwirte auch gegenseitig ihre Erzeugnisse in ihren Hofläden verkaufen. Das finde ich total klasse.

Danke, dass du bis hierhin mitgelesen hast. Jetzt geht es mir schon etwas besser, der Druck ist aus dem Wasserkessel erstmal raus.

Zum Nachdenken am Schluss noch ein Gedanke von Albert Camus: „Wer etwas will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.“ Ich wünsche dir einen guten Weg!

Ode an das Klopapier?

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, das letzte Altpapier verbraucht und die letzte Zellstofffabrik geschlossen ist, werdet ihr feststellen, dass man Klopapier nicht essen kann“

Ich verstehe es nicht! Unser kleiner Nahversorger vor Ort hat einen begrenzten Einzugsbereich. Aber seit sage und schreibe zwei Wochen (!) ist jedes Mal, wenn wir einkaufen sind (ok, wir fahren nicht täglich, muss ja auch nicht sein) das Klopapier alle. Ratzfatz. Küchenrollen und Papiertaschentücher (davon gibt es wenigstens noch die kratzigen als „Restposten“) ebenfalls. Aber so langsam müsste unser Dorf von einer Mauer aus Klopapierrollen umgeben sein.

Noch haben wir ein paar Rollen, was daran liegt, dass ich direkt nach meinem Unfall am 26. Februar selbiges auf den Einkaufszettel geschrieben hatte. Ich hatte schlichtweg vergessen, dass ich kurz vor dem Unfall eine Packung gekauft hatte. Aber auch schon Ende Februar war die Auswahl stark eingeschränkt, so dass wir jetzt ziemlich luxuriös für Sauberkeit sorgen können. Nach dem Wochenende dürfte ich aber langsam nervös werden.

Ein paar Ideen hatte ich heute morgen schon:

Was im Herbst vor den Supermärkten die „Kartoffel-Cargos“ oder die wöchentlichen Elbe-Obst-LKWs sind, könnte man jetzt alternativ als „Klopapier-Cargo“ machen: zu festgelegten Zeiten Verkauf direkt vom LKW.

Oder analog zu den Lebensmittelmarken im WW2 Berechtigungsscheine, je nach Anzahl der Haushaltsmitglieder.

Oder Tageszeitungen (natürlich nur die ausgelesenen) in Stücke reißen. Das dürfte allerdings in der Kanalisation für „Verstopfung“ sorgen.

Ich habe auch schon nachgesehen, wie viele alte Handtücher oder Unterhemden (die bei uns ihr Leben als Tapezierlappen aushauchen dürfen, weil man mit Feinripp so schön und sensitiv die Tapete an die Wand reiben kann) ich in handlichen Stücken umsäumen könnte. Windeleimer reaktivieren und dann ab in die 90-Grad-Wäsche.

Nein, ich verstehe es wirklich nicht. Durch den Egoismus einiger hat das eigentlich recht sachliche Wörtchen „Klopapier“ ganz plötzlich das Potenzial, zum Unwort des Jahres zu mutieren.

Fallen euch zur Entspannung der Lage Gedichte, Songs oder Geschichten rund um das Lieblingszellstoffprodukt der Deutschen (und nicht nur derer) ein?