600 PS

Foto: Pixabay

Gestern in der Tagespresse: Ermittler haben den Besitzer eines hochmotorisierten Fahrzeuges gefunden, der bei Geldautomatensprengungen als Fluchtfahrzeug verwendet wurde. Einen Autoverleiher, der einen Mercedes AMG mit gut 600 PS an die Automatenknacker vermietete.

Ich habe mich ja schon immer gefragt, wozu zivile Autos so hochgerüstet sein müssen. Ich komme mit den 69 PS meines Cityflitzers ganz gut klar. Aber ich lasse auch Geldautomaten in Ruhe. Jetzt weiß ich also einen Verwendungszweck.

Das wirft aber neue Fragen auf: Was sagt die Marketing-Abteilung von Mercedes wohl dazu? Sind die begeistert, dass sie so tolle Autos bauen, die sogar von der Unterwelt geschätzt werden? Oder raufen die sich eher die Haare, dass ihre Luxuslimousinen mit solch zweifelhaftem Ruhm bekleckert sind?
Gleiches gilt für Autovermietungsfirmen. Ich weiß es auch nicht, und ehrlich gesagt halte ich immer noch die Ausgangsfrage für viel wichtiger. Es muss doch wohl etwas mit der Verlängerung gewisser Körperteile zu tun haben. Sozusagen Viagra unter der Motorhaube.

Aber was weiß ich schon.

Neue Autos braucht das Land (nicht)

Volltreffer! Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr erweist sich einmal mehr als der absolute Leistungsträger für Volksverdummung. Wo holt man bloß diese ungemein begabten Fachkräfte („Nieten in Nadelstreifen“lautete mal ein Buchtitel; ein Schelm, wer dabei an diverse Verkehrsminister denkt) immer hervor? Wachsen die irgendwo auf Bäumen?

Wir haben (angeblich) kein Geld für Tempolimit-Verkehrsschilder, sollen unser Essen nicht mehr fotografieren, weil das zu viel Energie kostet (wobei: es gibt ja nun auch tatsächlich genug sinnvolle Gründe gegen den allgemeinen Trend „nur wo ich fotografiert habe, war ich dabei“, aber das mal nur am Rande), aber das Benzin/der Diesel soll immer noch höher subventioniert werden.
Die Bahn weint beständig über zu wenig Geld für anständige Infrastruktur (vollkommen zu Recht), sehr viele Menschen bekunden ihre Bereitschaft, auf ÖPNV umzusteigen, wenn er denn ordentlich vorhanden wäre. Aber gefördert werden soll weiter die Individualmobilität.

Kann mich bitte mal jemand kneifen, aus diesem Alptraum wecken, mir versichern, dass alles in Ordnung ist? Dass ich mir das alles nur eingebildet habe und wir tatsächlich jemanden in diesem Ministerium sitzen haben, der zum Wohle aller arbeitet?

Den Mangel verwalten – Gedanken zur ErzieherInnenausbildung

„Im Bundesland Nordrhein-Westfalen ist das Ministerium für Schule und Weiterbildung für die Richtlinien der Erzieherausbildung zuständig.
Zugangsvorraussetzungen
Die Zugangsvoraussetzungen sind abhängig von der vorangegangenen beruflichen und schulischen Ausbildung. Es wird mindestens die Fachoberschulreife vorausgesetzt, also der Realschulabschluss. Bei der Bewerbung mit diesem Schulabschluss muss vorher eine einschlägige Berufsausbildung erfolgt sein, z. B. als staatlich geprüfte Kinderpfleger, Sozialhelfer oder Heilerziehungshelferin. Keine berufliche Ausbildung wird benötigt, wenn bereits ein Abschluss der höheren Berufsfachschule des Sozialwesens oder der Fachschule des Sozialwesens erlangt wurde. Beim Besitz des Abiturs wird nur der Nachweis von Erfahrungen in diesem Tätigkeitsfeld verlangt, z. B. in Form eines Praktikums. Zusätzlich muss die persönliche Eignung mit einem Führungszeugnis nachgewiesen werden.
Die Ausbildung
Die Ausbildung zur Erzieherin erfolgt in Nordrhein-Westfalen an einer Fachschule für Sozialwesen im Fachgebiet Sozialpädagogik. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Davon sind zwei Jahre fachtheoretisch und werden mit einer theoretischen Prüfung beendet und einem Jahr Berufspraktikum, welches mit einem praktischen Prüfungsteil endet. Dabei muss der Auszubildende in zwei verschiedenen Tätigkeitsfeldern während der praktischen Phase gearbeitet haben.  Der praktische Teil kann um bis zu einem halben Jahr verkürzt werden, wenn der Betreffende vorher drei Jahre in sozialpädagogischen Einrichtungen oder in Einrichtungen der Behindertenhilfe gearbeitet hat und im theoretischen Teil mit befriedigenden Leistungen abgeschlossen hat.
Die Ausbildungsinhalte während des theoretischen Teils, teilen sich in zwei Kategorien auf, der fachübergreifende und der fachrichtungsbezogene Lernbereich. Der fachübergreifende Bereich besteht aus muttersprachlicher Kommunikation, eine gehobene Kommunikationsfähigkeit in einer Fremdsprache, Fach- und Methodenkompetenz in der Mathematik und den Naturwissenschaften und der Gesellschaftslehre. Der fachrichtungsbezogene Lernbereich besteht aus sozialpädagogische Theorie und Praxis, Kinder- und Jugendarbeit und der Religionspädagogik, entweder evangelisch oder katholisch. Nach einem erfolgreichen Berufsabschluss darf die Berufsbezeichnung „staatlich anerkannte/r Erzieher/in“ getragen werden.“

https://www.erzieherin-ausbildung.de/content/erzieherschulen-nrw

Soweit die Theorie. Das hört sich dann so schön an.
Zugangsvoraussetzung: Mittlere Reife. Ja, ABER: dann ist auch eine bereits abgeschlossene Ausbildung im kinderpflegerischen Bereich obligatorisch. Berufsausbildung: Meist schulisch, seit einiger Zeit gibt es auch die sogenannte „Praxisintegrierte Ausbildung“. Klassisch ist aber nach wie vor die schulische Ausbildung, zwei Jahre Fachschule, ein „Anerkennungsjahr“. Es gibt staatliche Berufskollegs, aber auch eine Menge Privatschulen, die den Ausbildungsgang anbieten. Privatschulen sind meist unter kirchlicher oder unter der Trägerschaft der paritätischen Wohlfahrtsverbände. Allen gemeinsam: Es gibt keinen Verdienst innerhalb der Ausbildungszeit. Bei Privatschulen wird sogar Schulgeld fällig oder auch Gebühren für Internatsunterbringung.
Ausbildungsinhalte: Sehr vielfältig. Natürlich wird ein recht gutes Bildungsniveau vorausgesetzt, geht es doch um frühkindliche Bildung, nicht um ein reines Bespaßen. Die Bereitschaft für weitere Fortbildung im Laufe des Berufslebens muss vorhanden sein (okay, das sollte grundsätzlich überall der Fall sein…): Kulturtechniken, musische, künstlerische und sportliche Ansprüche, Empathie und Durchsetzungsvermögen, körperliche und psychische Belastbarkeit sind gleichermaßen wichtig. Da sind wir schon fast bei der eierlegenden Wollmilchsau angekommen.

Warum breite ich das hier so episch aus? Nicht nur, weil meine Nichte und unsere älteste Tochter Erzieherinnen sind. Weil sie sich durch diese Ausbildung gefuttert haben, um dann bei der Arbeit nicht nur den Kindern Geborgenheit und Bildung zu vermitteln, sondern auch umfangreiche Bürokratie-Anforderungen zu erfüllen und sich teilweise mit … ich sag‘ mal sehr merkwürdigen Vorstellungen von manchen Eltern herumplagen müssen.

Sondern auch, weil alle Welt diesen Beruf als essentiell ansieht, weil die Einrichtungen in den letzten zwei Pandemiejahren mehr als auf dem Zahnfleisch gekrochen sind und Spagat machen mussten zwischen Hygienekonzepten, Personalmangel, Bildungsauftrag und zig anderen Hindernissen.
Weil ich alle Eltern verstehen kann, die auf die Barrikaden gehen, wenn sie für ausgefallene Betreuung und unter Selbstausbeutung organisierten Eigeneinsatz trotzdem Gebühren zahlen sollen, weil ich aber andererseits auch weiß, dass die Kosten auch bei geschlossenen Kitas weiterlaufen und das irgendwie bezahlt werden muss.

Nicht zuletzt, weil ich gestern in der Tageszeitung lesen musste, dass die NRW-Bildungsministerin den angehenden ErzieherInnen allen Ernstes vorgeschlagen hat, sie könnten ja Hartz IV beantragen, weil es in ganz NRW nur eine Bearbeitungsstelle für BAFÖG gibt und die Bearbeitung der Anträge zeitweise mehr als ein halbes Jahr dauert!
(Btw, gerade in Ballungsgebieten dauert auch die Bearbeitung eines solchen Antrages teilweise bis zu drei Monate, und bei negativem Bescheid kann man erst nach sechs Monaten Einspruch erheben, habe ich eben gelesen https://hartziv.info/antrag-und-formulare/hartz-iv-antrag.)

Erst die Soloselbständigen, jetzt die Erzieher. Ich bin fassungslos.

Übrigens, wer eine Ausbildung zur Hebamme oder zum Physiotherapeuten macht, kann sich schon mal gedanklich einreihen. Es würde mich nicht wundern, wenn diese (ebenfalls schulischen und damit selbstfinanzierten Ausbildungen) die Nächsten sind. Irgendein ominöser „Markt“ regelt das jedenfalls nicht. Danke für gar nichts.

(Ich mein‘ ja nur. Aber was weiß ich schon?)

Überlastet

Es ist Mittwoch, der 4. Mai 2022. Tag 124 von 365. Fast genau ein Drittel des Jahres ist abgelaufen, und Deutschland hat nach Berechnungen der Global Footprint Organisation seine Ressourcen für dieses laufende Jahr aufgebraucht.

Wer auch nur ein wenig auf seine Ausgabendisziplin achten muss, kennt das ungute Gefühl, wenn „am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig“ ist. Nach dieser Rechnung wäre das ungefähr am 10. des Monats.

Und, wie reagieren wir jetzt auf die Aussage, dass am Ende der Ressourcen (Wasser, Energie, Bodenschätze, Emissionen…) noch zwei Drittel des Jahres zu bestreiten sind?

Ich frage ja nur mal. Übrigens auch durchaus mich selbst.

Windkraft – Ein Symptom

(Symbolfoto: Pixabay)

„Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu. (Ödön von Horvath)

Heute in unserer Tageszeitung: Ein Windrad soll gebaut werden.

Der Standort ist exponiert: Relativ weit entfernt von Ortskernen, auf einer Anhöhe, über die ziemlich regelmäßig der Wind pfeift, rundum vor allem Felder. Die Genehmigung wurde 2018 beantragt.

(Übrigens fällt mir immer wieder auf: Wir planen und regulieren uns halb tot! Daher gehen regelmäßig Kosten durch die Decke, nicht nur bei den heißgeliebten Großprojekten, sondern auch und gerade bei Schulsanierungen und anderen wichtigen Aufgaben. Bis etwas entschieden ist, passen die Zahlen aus den Angeboten nicht mehr zur aktuellen Preisentwicklung und am Ende wundern sich die Entscheider und die Nutzer sind frustriert. Aber auch da könnte man lange Aufsätze drüber schreiben…)

Es wurde von der Stadtverwaltung und der Lokalpolitik das „gemeindliche Einvernehmen“ verweigert. Weil da „mindestens ein Gebäude im zweifachen Abstand der Anlage“(!) „optisch bedrängt“ wird, erfordert es das Gebot der Rücksichtnahme, dort kein Windrad zu bauen. Ja, vielleicht ist das wirklich für die dort Wohnenden stundenweise blöd. Aber was ist mit dem Rest der Stadtgesellschaft? Gibt es für die kein Gebot der Rücksichtnahme, Rücksicht auf den Anspruch, regional und regenerativ erzeugten, günstigen Strom geliefert zu bekommen? Und, wen wundert es: für den Fall, dass der Landkreis als Genehmigungsbehörde sich nicht beirren lässt, steht auch schon eine Bürgerinitiative parat. Und wetzt verbal die Säbel.
Inzwischen ist 2022, der erste ins Auge gefasste Windradhersteller ist inzwischen pleite gegangen (wundert mich nicht…), ein anderes Windrad müsste her. Also das ganze Spiel nochmal von vorne. Als ob du jetzt anfängst, diesen Beitrag nochmal von Anfang an zu lesen.

Das eigentliche Trauerspiel dabei ist für mich, dass wir Deutschen (ich kann nicht wirklich beurteilen, wie das in anderen Ländern ist) zwar immer ganz genau wissen, was wir NICHT wollen, jedenfalls nicht vor unserer eigenen Haustür, aber wie wir einerseits nachhaltiger werden wollen, wenn wir andererseits unseren persönlichen Komfort um jeden Preis wahren wollen, das denken wir nie konsequent zu Ende.

Wir schützen jede Fledermaus und jeden Rotmilan (versagen aber schon beim Feldhamster, der fliegt vermutlich einfach zu wenig publikumswirksam durch die Gegend😉). Wir wollen ohne Geschwindigkeitsbegrenzung möglichst schnell von A nach B fahren (oder im Stau stehen), aber fordern Lärmschutz vor der eigenen Wohnung. Wir wollen billig und im Überfluss verfügbar Strom, Benzin, Mehl, Sonnenblumenöl und Klopapier; wir schwören auf Superfoods aus Südamerika, wo die dann in Monokultur angebaut werden, um uns zu versorgen (statt die dort lebende Bevölkerung); wir kaufen sauteure Grillgeräte mit allem Schnickschnack und legen dann das Billigsteak aus dem Discounter darauf; wir trinken Edel-Mineralwasser aus dem Himalaya oder aus der Arktis, obwohl wir das weltweit am besten überwachte Trinkwasser aus dem Küchenwasserhahn bekommen; wir machen uns ins Hemd, wenn es an irgendeiner Ecke mal nicht so voran geht; wir haben Angst um unseren Wohlstand, wenn in Urlaubszielentfernung ein Krieg vom Zaun gebrochen wird (natürlich haben wir Angst, aber warum nicht bei Kriegen in Somalia, Nigeria, Afghanistan oder Syrien?)

Und jetzt machen sich nicht wenige darüber lustig, dass ausgerechnet Frau Baerbock und Herr Habeck unglaublich schwierige Aufgaben zu erfüllen haben, bei denen es ihnen so richtig wehtun dürfte, dass sie anscheinend ihre Ideale verraten müssen. Und weißt du was? Ich bin sehr froh darüber, dass genau diese beiden auf ihren Positionen sitzen. Denn gerade, weil es ihnen sehr schwerfallen muss, ihre Entscheidungen zu treffen, werden sie sicher sehr gründlich sein, genau abwägen und niemals leichtfertig etwas aufs Spiel setzen. Solche Haudrauf-Figuren wie die „etablierte“ FDP-Herrenriege möchte ich aktuell nicht auf diesen Posten sehen.

So! Ja, ich weiß, es sind nicht alle so in Deutschland. Ich weiß natürlich, dass es eine ganze Menge Leute und Verbände gibt, die anders sind, die differenzieren, nachdenken, abwägen. Auch und gerade hier bei denen, die bei mir mitlesen. Bitte zieht euch den Schuh nicht an, wenn er euch nicht passt.

Ich bin nur gerade fürchterlich angenervt von dem Anspruchsdenken, das viele einfach immer noch haben und von der Bequemlichkeit des Einzelnen, die zu häufig wichtiger ist als die gesamtgesellschaftliche Entwicklung. Obwohl wir ganz genau sehen können, in welche Richtung wir steuern, nämlich auf den Abgrund zu. Danke fürs durchhalten an alle, die bis hierher gelesen haben.

Und habt trotz allem einen möglichst schönen Tag.

Die anderen Probleme sind ja auch nicht weg,…

Symbolbild: Pixabay

… nur weil Krieg in der Ukraine herrscht.

Ich höre oder lese in den letzten Tagen immer häufiger, wenn jemand sich um Klimakrise, Rassismus oder andere drängende Probleme unserer Zeit kümmert: „Aber in der Ukraine ist Krieg, wie kannst du dich da um […] scheren.“

Ich kann bis zu einem gewissen Punkt den Impuls verstehen, der dazu führt. Aber andererseits sage ich mir: Wenn immer dann, wenn irgendwo auf der Welt etwas schreckliches passiert, alle anderen Baustellen pausieren würden, so dass man schön eins nach dem anderen abarbeiten kann, wäre die Bemerkung vielleicht gerechtfertigt. Aber so ist es nun mal nicht. Und es ist auch niemandem damit gedient, wenn alle in Sack und Asche gehen, immer mit dem Gedanken an den Krieg im Kopf. Nicht jede/r von uns hat die Möglichkeit, dagegen etwas sinnvolles zu tun. Deswegen begrüße ich es, wenn viele Menschen einfach weiterhin ihr Talent, Wissen oder Interesse dort einbringen, wo sie für sich und andere die Möglichkeit sehen, etwas zu bewirken. Für die vielfältigen Krisen, von denen es einfach reichlich gibt.

Wir irren uns empor

So oder so ähnlich lautete ein Satz in dem Buch „Denkt mit!“ von Harald Lesch und Klaus Kamphausen, in dem es um Naturwissenschaft geht. Nach fast zwei Wochen Krieg „Spezialoperation“ in der Ukraine habe ich auf ganz vielen Gebieten das Gefühl, der Satz ist universell einsetzbar.

Beispiele gefällig? Okay, here we are (Fast ohne Wertung übrigens, einfach nur Beobachtungen):
Als ab 2015 syrische, afghanische und irakische Flüchtende nach Deutschland kamen, war auf der einen Seite die Hilfsbereitschaft groß, aber auf der anderen Seite wurden die Menschen in Heime/Auffanglager gesteckt und durften bis zur Klärung ihres Status nicht arbeiten, nicht zur Schule gehen, ihre Abschlüsse waren nichts wert, sie bekamen auch nicht unbedingt sofort Sprach- und Integrationskurse. Wenn jetzt Menschen aus der Ukraine kommen, dann bekommen sie das alles UND DAS IST GUT SO! Denn die Verantwortlichen haben gelernt. Natürlich ist es im Nachhinein noch schade, dass es vor 7 Jahren nicht so war, denn die allgemeine Akzeptanz der Neubürger wäre sicher später größer gewesen, wenn es nicht geheißen hätte „Die sind ins Sozialwesen eingewandert“. Oder in der heutigen, noch perfideren Sprechweise „Jetzt kommen wenigstens echte Flüchtlinge“, was mich echt auf die Palme bringt, denn ich mag es nicht, Menschen, die ihr Zuhause verlassen müssen, in solche Schubladen zu sortieren.
Allerdings erinnere ich mich an einige Äußerungen, die ich 2015 zu hören bekam, von Mitmenschen, die in den 1990er Jahren aus ehemaligen Sowjetrepubliken übergesiedelt sind und der Meinung waren, den Nahost-Flüchtlingen werde jetzt alles „in den Hintern geschoben“, sie hätten damals keine Kühlschränke und Waschmaschinen bekommen…
Auch hier muss man sagen: Ja, das war sicher nicht richtig durchdacht alles, aber immerhin hat man daraus gelernt. Denn eigentlich, wenn man es so richtig konsequent weiterdenkt, verläuft die gesamte Entwicklung des menschlichen Zusammenlebens so: etwas wird erfunden oder eingeführt, kommt einigen wenigen zugute, es bewährt sich, wird Standard, und der ganze Weg beginnt mit etwas Neuem wieder von vorne. Auf diese Weise sind wir dort gelandet, wo wir heute stehen. Und ehrlich gesagt, ob das alles immer nur positiv zu bewerten ist, das kann bei ziemlich vielen Standards, die wir heute haben, getrost hinterfragt werden.

Ganz anderes Thema: Nach dem Ende des kalten Krieges war nicht nur für viele Regierenden, sondern für sehr breite Bevölkerungsschichten doch nicht mehr denkbar, dass es auf europäischem Boden (und warum zum Henker denken wir Europäer eigentlich, wir wären der Nabel der Welt, gibt es doch an allen Ecken und Kanten der Welt immer wieder kriegerische Konflikte) so etwas wie Krieg geben könnte.
Man sonnte sich in dem Bestreben, Wandel durch Handel herbeizuführen und in der Hoffnung, das Weltkapital möge für prosperierendes Wachstum aller Orten sorgen. Jeder ist seines Glückes Schmied!
Die Umwelt? Ach ja, da war doch was, aber da kümmern wir uns später! Erstmal Wohlstand für (fast…) alle! Oder doch nicht?
Wir haben doch noch massig Zeit! Es reicht, wenn das unsere Kinder und Enkel irgendwann ausbaden, wir lassen es noch mal richtig krachen!

Und jetzt haben wir den Salat. Konnte doch keiner ahnen. Oder?

Des Wahnsinns fette Beute

Es gab eine Zeit, da konnte ich einiges gut nachvollziehen, was in der Neuen Zürcher Zeitung zu lesen war. Seit einiger Zeit blicke ich da wesentlich differenzierter drauf, mitunter kommen mir die Berichte und Kommentare etwas reaktionär vor.

Aber heute gibt es folgenden Kommentar:

https://www.nzz.ch/meinung/springer-chef-mathias-doepfner-blaest-zum-angriff-ld.1673017?fbclid=IwAR3PRT0Ve8MJR9qDUiJBWlrxhlF2kzztSQ0tDKx3rykPTo1vZIZfmrs-CkA

und mir blieb im ersten Augenblick die Luft weg, im zweiten konnte ich nicht anders, als dem Schreiber des Kommentars zustimmen. Mir liegen ziemlich unanständige Ausdrücke auf der Zunge, die ich nicht verwenden will, aber ich kann nicht anders als mich zu fragen, wie lange wir eigentlich noch hinnehmen wollen, dass solche Menschen als „seriöse“ Journalisten bezeichnet werden!

Projekt 10, Woche 3: „Merkwürdig“

Ein faszinierendes Wort hat Wortman uns hier vor die virtuellen Füße gelegt, wieder eines, das man in ganz unterschiedliche Richtungen auslegen kann: entweder kennzeichnet es etwas bemerkenswertes, eben merk-würdiges (eher positiv) oder aber etwas, worüber man ins Stolpern gerät, was uns sonderbar (also eher negativ) erscheint.

Für beide Facetten habe ich zunächst ein Foto hervorgesucht in den Tiefen der digitalen Ablage:

Absolut bemerkenswert, wie sich diese alte Kopfweide ans Leben klammert, sich weigert, aufzugeben. Das Leben sucht sich seinen Weg. Jedes Mal, wenn ich das Foto ansehe, hoffe ich, dass ich im Alter mal genauso wie dieser Baum versuche, das Beste aus meinen Möglichkeiten herauszuholen.

Das zweite Beispiel ist eines, worüber ich den Kopf schüttele, und zwar zunächst mal nicht über den Aufkleber, sondern über das ursprüngliche Schild. Irgendwie total deutsch, in keinem anderen Land ist mir dieses Schild, das zumindest auf dem Gebiet der ehemaligen BRD (in MeckPomm ist es mir bisher an keinem Teich oder See aufgefallen) vermutlich an so ziemlich jedem Angelteich in zigfacher Ausführung steht. Rundum. Dabei sind es gleich zwei Dinge, die mir übel aufstoßen: Die Ausschließlichkeit, mit der pachtende Angelvereine die Nutzung frei in der Landschaft zugänglicher Gewässer für sich beanspruchen (ja, ich weiß, sie bezahlen auch dafür), ist dabei nur die eine Seite der Medaille.

Dass es aber ganz offensichtlich auch tatsächlich notwendig ist, so zu handeln, weil die Vereine, die für die Pflege der Teiche und ihrer Umgebung viel Zeit und auch Geld einsetzen, ansonsten vermutlich nach jedem Wochenende die Überreste von wildem Campen und Grillen und was weiß ich noch für einen Schrott beseitigen müssten (und es teilweise ja auch trotz der Verbote müssen), das ist etwas, was ich einfach nicht verstehe. Diejenigen, die sich so umweltschädigend verhalten, können ihr „Equipment“ ja auch in die freie Natur hinein transportieren . Aber die Überreste nicht zurück?

Ich hoffe nur, dass das zumindest diejenigen beherzigen, die auf dem Schild den Aufkleber mit dem Zitat aus dem Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2 angebracht haben. Denn Müll in der Gegend dient eindeutig nicht der Allgemeinheit!

Sprache ändert sich (nicht?)

Mal wieder eine kleine Presseschau. Unsere lokale Tageszeitung hatte im Dezember aufgerufen, an einer Umfrage zum Thema gendergerechte Sprache teilzunehmen. Seit ein paar Tagen ist das Ergebnis da, und (wie zu erwarten?) sprachen sich die meisten Teilnehmer an der Umfrage gegen die Verwendung aus, ein gar nicht mal so kleiner Anteil ging sogar so weit, die Kündigung des Zeitungsabos anzudrohen, falls  unser Provinzblättchen (das meine ich jetzt keineswegs despektierlich, wir sind nun mal Provinz) zukünftig solche unsäglichen Dinge wie Bindestriche, Schrägstrich oder gar Sternchen einsetzt. Wie war das mit den Kanonen und den Spatzen?

Selbst hatte ich auch an der Umfrage teilgenommen. Mit einer, wie ich persönlich finde, differenzierenden Sichtweise: Ich gehe nicht davon aus, dass sich – Simsalabim – die Gesellschaft sofort ändert, die in Bereichen immer noch nicht vollzogene Gleichberechtigung durchgesetzt ist oder so. Ich gendere in meinen Texten auch nicht durchgehend, sondern benutze häufig die Schreibweise, die ich jahrzehntelang gelernt habe, überlege dabei aber meist, welches Signal ich durch meinen Sprachgebrauch setze. Ob es ein Text ist, bei dem ich mir schnelle Lesbarkeit wünsche, ob ich auf eine Facette hinweisen möchte, die mir mit anderem Sprachstil zu kurz kommt oder ob der Text inklusiv verständlich sein soll. Inklusiv bedeutet hier: Ist der Text auch für Menschen verständlich, die aus irgendeinem Grund Probleme mit komplexem Sprachgebrauch haben? Das kann wegen Fremdsprache, eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten oder ähnlichem Grund sein. Näher möchte ich an dieser Stelle gar nicht auf die Genderdebatte eingehen, wir haben uns hier bei WP auf verschiedenen Blogs ja schon öfter darüber ausgetauscht.

Ich bin über einen Leserbrief zu diesem Thema eigentlich vor allem deswegen gestolpert, weil einige Seiten weiter ein großer Artikel über das neue „Spazieren gehen“ zu lesen ist.

Zu Beginn der Pandemie, beim ersten Lockdown, gingen so viele Leute spazieren wie vorher nie, haftete dem Spaziergang doch ziemlich viel Muff an: wer erinnert sich nicht, dass man in der Kindheit am Sonntag nach dem Mittagessen zum familiären Spaziergang aufbrach, natürlich in den besten Klamotten, die nur  sonntags ausgelüftet werden durften, und wehe, man machte sich schmutzig oder zerriss gar etwas…
Plötzlich war „Spazieren gehen“ etwas, was man guten Gewissens tun durfte, um dem Home Office für eine halbe Stunde zu entfliehen; der Wald oder Stadtpark wurde wiederentdeckt, nicht wenige hatten in dieser Zeit einen Lieblingsbaum zum Umarmen ohne Ansteckungsgefahr.

Nun sind fast zwei Jahre vergangen und der Spaziergang wird missbraucht von Menschen, die in großen Herden unterwegs sind und für ihre Wege auch einiges an Equipment mitschleppen. Okay, wenn ich mit den Hunden unterwegs bin, habe ich auch bestimmte Materialien dabei: Eine Auswahl Leckerlis in abgestuften Aufmerksamkeitslevels (von „Hast du fein gemacht“ bis „Achtung, Superleckerchen, nur für besonders kniffelige Situationen“), eine Rolle Kotbeutel (Endlich wird das Mitführen jetzt zur Hundehalterpflicht, wurde auch Zeit. Und auch bei diesem sensiblen Thema bringt es die ersten Hundemenschen auf die Palme: „Wofür zahle ich eigentlich Hundesteuer?!“ Spoiler: Nicht dafür, dass die anderen Fußgänger in die Tretminen deiner Töle latschen!) und je nach Route auch noch eine Schleppleine für Kalle.
Plakate, Fackeln und ähnliches gehört definitiv nicht dazu. Ich kenne auch keine Hundebesitzer, die solches auf ihre Hunderunden mitnehmen.

Um diesem Phänomen auf die Spur zu kommen, habe ich mal die fast-allwissende Tante aus dem Silicon Valley gefragt:

  1. Duden: Spazieren gehen
    Bedeutung: einen Spaziergang machen

Bringt mich nicht wirklich weiter. Promenieren tun die Rotten von „Spaziergängern“ eher nicht. Lustwandeln? Auch da bin ich unsicher. Also weiter.

2. Wissenschaftlich/gesundheitlich betrachtet:

Ausschüttung von Glückshormonen. Hm. Weiß nicht… Stresslinderung? Viele sehen ziemlich gestresst aus und auch der Blutdruck scheint mir, wenn ich mir  Fernsehberichte ansehe, bei vielen Leuten sehr in Wallung zu sein.
Aber vielleicht verringern sich ja Depressionen und Angstzustände. Und das meine ich sehr ernsthaft, denn ich vermute, für diese beiden Probleme bieten die organisierten, unangemeldeten Spaziergänge ein Ventil, beidem entgegenzutreten und das Gefühl zu haben, man habe „etwas getan“. Das kann ich sogar nachvollziehen.

3. Sportlich

Ja. Dazu sag‘ ich nur mal: Ich hoffe, es regt die Gehirntätigkeit auch tatsächlich an.

Mit einer drei- manchmal sogar vierstelligen Anzahl anderer Menschen, die ich zum großen Teil nicht kenne, möchte ich jedenfalls nicht spazieren gehen. Mich überfordert bereits ein gemeinsamer Spaziergang mit einer Geburtstagskaffeegesellschaft, bei der ich alle Teilnehmer persönlich kenne.
Jedenfalls freue ich mich, dass ich Hunde habe. Ich kann guten Gewissens „Hunderunden“ drehen und das neuerdings verbrannte Wort „Spaziergang“ unter den Tisch fallen lassen. Ich wage übrigens mal die Überlegung, dass es eine nicht ganz winzige Schnittmenge gibt zwischen „Gendern verhunzt die deutsche Sprache“ und „eine unangemeldete Demo darf ich einfach mal Spaziergang nennen“. Ein Schelm, wer übles dabei denkt.

Ich sach‘ ja nur…

PS: Damit keine Missverständnisse aufkommen: In einer Demokratie ist es richtig und wichtig, dass man für oder gegen etwas demonstrieren darf. Aber dabei muss man sich an die Verordnungen und Gesetze halten. Also Demo anmelden und Versammlungsleiter berufen, der darauf achtet, dass alle Teilnehmer die geltenden Regeln einhalten. Ja, das macht Arbeit und beinhaltet Verantwortung. Es kann auch bedeuten, dass eine Demo abgelehnt wird. Übrigens selbst dann, wenn man „nur“ für den Erhalt von Wäldern demonstrieren will. Keiner hat gesagt, dass es alles zum Nulltarif gibt. Das Leben ist kein Ponyhof.

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