Schwimmen oder Nichtschwimmen – das dürfte nicht die Frage sein

Sehr frei nach Shakespeare.

Unser Hallenbad soll im Winter aus Energiespargründen geschlossen bleiben. Das hat der Aufsichtsrat unserer Stadtwerke beschlossen, übrigens gegen das Votum des Geschäftsführers. Es hat natürlich Auswirkungen in weite Teile der Gesellschaft, nicht nur bei uns, dürfte diese oder eine ähnliche Diskussion doch in vielen Städten geführt werden.
Ich kann ein Stück weit sogar die Probleme verstehen, in denen die Verantwortlichen (die zumindest hier bei uns zum großen Teil aus ehrenamtlichen Lokalpolitikern bestehen) nichtschwimmerwassertief stecken:
Sie werden für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit nicht „fürstlich“ bezahlt, sollen mit den Geldern der Allgemeinheit sparsam und ordentlich umgehen, ziehen sich viel Unmut aus der Bürgerschaft zu (egal, wie sie entscheiden), haben wenig Freizeit und vieles andere.

Aber es zeigt sich zunehmend, dass in den letzten Jahren immer mehr Gemeinschaftsgut (wie öffentliche Bibliotheken, Theater, Sport- und Freizeiteinrichtungen, Schulen, allgemeine Infrastruktur) kaputtgespart oder deren gesellschaftlicher Nutzen kleingeredet wurde.
Geld regiert(e) die Welt, Allgemeinvermögen wurde privatisiert, Prestigeobjekte (die in Deutschland zumindest ja auch regelmäßig eher für Spott als Prestige sorgen) durchgeboxt, aber Verluste materieller oder immaterieller Art wurden sozialisiert.
Und nun haben wir den Salat.

Heute hat es mir gereicht, ich habe einen Leserkommentar an unsere Lokalzeitung geschrieben. Ich weiß gar nicht so recht, aus welcher Motivation heraus, denn meist gehen mir die zwei Handvoll (meist) Männer fürchterlich auf den Keks, die gern und ausufernd ihren Senf zu allem dazugeben.

Kinder und Jugendliche, Menschen, die aus beruflichen oder ehrenamtlichen Gründen eine fundierte Schwimmausbildung (samt kontinuierlichem Training) benötigen, und übrigens auch Senioren oder chronisch Erkrankte, denen aus gesundheitlichen Gründen mitunter nur noch das gelenkschonende Schwimmen für die Fitness als sportliche Betätigung bleibt.
Das sind in allererster Linie die Betroffenen. Also wieder einmal diejenigen, die keine große Lobby haben oder für das Funktionieren von Sicherheit und Freizeitangeboten unverzichtbar sind.

Natürlich muss aus vielen Gründen an allen Stellen überlegt werden, wo und wie das Energiesparen sinnvoll und machbar ist, aber es muss auch immer die Zukunft der Gesellschaft im Blick sein. Und das sehe ich bei manchen Maßnahmen im Augenblick nicht.

Im Jahr 2022 haben wir so viele sinnvolle Möglichkeiten für ein großformatiges Brainstormen, für ein Sammeln und Sichten auch der unkonventionellsten, aber möglicherweise doch zielführenden Ideen. Wo ist das „Out of the Box“-Denken, das so gern gefordert wird?
Stattdessen wird an zu vielen Stellen auf Status Quo gepocht (gern nach dem St. Floriansprinzip), mit Maßnahmen aus dem letzten Jahrhundert auf Herausforderungen reagiert, Aktionismus statt besonnenem Nachdenken eingesetzt. Schade.

Jetzt lehne ich mich zurück und warte. Aber worauf? In erster Linie vermutlich darauf, dass sich (in unserem Land und anderswo) wieder mehr Mut zu ungewöhnlichen Aufbrüchen und der sprichwörtliche deutsche Erfindergeist breitmacht. Dass nicht hinter jeder Tür das Gespenst des „Das haben wir schon immer so gemacht“ und die zähneklappernde „German Angst“ sowie die Bärenfalle des „das funktioniert so nicht“ lauert. Dass reaktionäre Patentrezepte sich als die Sackgassen entlarven, die sie sind und nicht zuletzt auch auf das Ende so mancher Regulierungsorgie.

Ich hoffe schwer, dass ich dabei nicht Moos ansetze🙄.

Was wäre, wenn…

… die feuchten Träume von Hardcore-Nationalisten in Erfüllung gingen? Wenn die Grenzen geschlossen würden, jeder Staat sich selbst der Nächste wäre, jedes Land nur mit den eigenen Ressourcen arbeiten könnte?

Überspitzt ausgedrückt würden wir uns in absehbarer Zeit wieder von Kohlgerichten, Äpfeln, Schweinefleisch und Eiern ernähren, müssten aber dann konsequenterweise die Hähnchenhälse und Schweinepfoten wieder selbst verarbeiten, statt sie nach Westafrika zu exportieren. Apfelmus im Winter statt Erdbeeren aus Spanien und Spargel aus Chilé. Frankenwein statt kalifornischer Roter. Karpfen blau statt vietnamesicher Pangasius, Muckefuck statt Arabicabohnen. Glücklicherweise sind Kartoffeln, Tomaten und Mais ja schon seit ein paar Jahrhunderten eingebürgert, immerhin. Und heizen könnten wir mit den ungezählten Pupsen von Sauerkraut und Speckbohnen (sorry, der musste sein🙈).

Auf Billigklamotten aus Bangladesh müssten wir ebenso verzichten wie auf südamerikanisches Alpakagarn, dafür gäbe es möglicherweise wieder leinenartiges Gespinst aus Brennnesseln. Da wir aber ein rohstoffarmes Land sind, hieße das auch: kein Kobalt, kein Lithium, keine Smartphones aus Südkorea. Unseren Plastikmüll (auch endlich, da wir kaum eigenes Erdöl haben) könnten wir nicht mehr ins Ausland verschachern und auch nicht die vielen Autos, die nicht mehr durch den TÜV kommen.

Solche Gedanken kommen mir beim Weiterlesen meines aktuellen Sachbuches. Und schon zum zweiten Mal bin ich ganz geflasht davon, wie mich die Autorin zum Reflektieren bringt: Schrieb ich gestern früh über die Renaissance, las ich nachmittags darüber, wie sie die Renaissance selbst als Beispiel bringt. Notierte ich mir heute in aller Frühe so ungefähr das, was ich oben schrieb, staunte ich einen Absatz später darüber, dass sie eine Studie aufführt, in der unter anderem ein ähnliches Szenario durchgedacht wird.

Jedenfalls stelle ich fest, dass ich dieses Buch am Liebsten als Pflichtlektüre für Regierung und Opposition, für so manchen „alternativlosen“ Wirtschaftsboss und viele andere Entscheider vorsehen würde. Nach bestem Leistungskursverständnis: Das lesen wir jetzt alle und dann überlegen wir gemeinsam weiter. Inklusive Erörterung, Interpretation und Sachtextanalyse. Stelle ich mir fast schon spaßig vor😉. Ob ich das dem Verlag mal vorschlage?

Trotzdem Bürger – kurzer Gedanke am Morgen

Die Entscheidung für das Bürgergeld ist gefallen. Als allererstes gefällt mir daran, dass die Betroffenen künftig keine „Hartzer“ mehr sind, sondern „Bürger“ bleiben. Es mag eine klitzekleine Facette im Großen und Ganzen sein, aber ich finde die Wertschätzung, die darin liegt, enorm wichtig.

Und an alle Akteure der Politik gerichtet, die Angst haben, die „soziale Hängematte“ sei demnächst einfach zu verlockend, sei gemahnt:

Politikerinnen und Politiker legen bei Amtsantritt einen Eid ab, in dem sie, je nach Bundesland etwas unterschiedlich formuliert, „ihre ganze Kraft dem Wohle … widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das mir übertragene Amt nach bestem Wissen und Können unparteiisch verwalten, Verfassung und Gesetz wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. “
Und gerade konservative Personen legen großen Wert auf den Zusatz: „So wahr mir Gott helfe.“ Die allermeisten halten sich auch daran und tun das in ihren Kräften stehende zur Erfüllung. (Ich schreibe an dieser Stelle nicht über Meinungspluralität, Parteiprogramme und unterschiedliche Lebenserfahrungen, die zu unterschiedlichen Konzepten und Herangehensweisen führen, sondern das ehrliche Interesse daran, die Menschen ordentlich zu vertreten.)

Aber auch dort gibt es sie, die sogenannten „Schwarzen Schafe“, die sich selbst unrechtmäßig bereichern und sie schämen sich nicht einmal, den Namen ihres Schöpfers mit reinzuziehen. Vollkommen zu Recht möchte nicht jeder im Politikbetrieb mit diesen über einen Kamm geschoren werden. Dann sollte man es anderen auch nicht so unterstellen.

„Kehrtwende“ zur Rettung des Planeten nötig

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/club-of-rome-studie-103.html

Vor 50 Jahren gab es den ersten bahnbrechenden Bericht des Club of Rome. Allen, die heute wieder abwiegeln und beschwichtigen, kann man nur eindrücklich empfehlen, sich darauf zu besinnen, dass vieles eingetroffen oder sogar übertroffen ist, was im ersten Bericht geschrieben stand.

Aber in einer Zeit, in der sich das globale Gleichgewicht mal wieder so sehr verschiebt wie augenblicklich, in der sich Autokratien/Diktaturen zusammenschließen, in den verschiedenen Regionen reaktionäre Parteien erstarken, schwindet die Hoffnung auf Einsicht.

Und sogar im immer noch recht stabilen Deutschland echauffieren sich gutverdienende Funktionäre darüber, dass rund 50 € mehr im Monat für die Ärmsten der Gesellschaft aus einer „Überlebenshilfe“ eine komfortable Hängematte machen würden … In welchem Paralleluniversum leben die eigentlich?

Bemerkenswert: In einem Online-Kommentar zu einem entsprechenden Zeitungsartikel merkte selbst ein bekennender Freidemokrat heute früh an, dass mit Sicherheit wesentlich mehr Menschen aus Scham oder Unwissenheit auf ihnen zustehende Sozialleistungen verzichten dürften als umgekehrt ungerechtfertigt dem Staat auf der Tasche liegen.

Zukunft gestalten?

Gerade erst habe ich beschlossen, nicht mehr zu meckern und zu klagen, da gerät der Entschluss schon ins Wanken🙈. Nachdem ich gestern Abend von einer Veranstaltung nach Hause kam und das TV anschaltete, um auf die Nachrichten zu warten, lief dort gerade „Frontal“ . Und zwar ging es in dem Beitrag um das Thema „Wärmepumpen“. Ich weiß nicht, wer von euch sich schon damit beschäftigt hat. Da unser Haus sehr alt ist, sich nicht auf dem höchsten Niveau der Wärmedämmung befindet (was nach neueren Informationen auch nicht unbedingt notwendig ist, aber lange Zeit als K.O.-Kriterium galt) und wir erst vor fünf Jahren eine neue Heizung eingebaut haben, haben wir uns nur so nebenbei informiert, aber nicht wirklich in das Thema eingearbeitet.

Jedenfalls bestand für uns noch nicht die Notwendigkeit, Firmen konkret auf Wärmepumpeneinbau anzusprechen. Und auch, wenn ich Schulbücher für Berufsschulen verkaufe, heißt es ja nicht, dass ich weiß, was drin steht. Deswegen war ich erstaunt, (obwohl es mich aus Erfahrungen der letzten Jahre eigentlich nicht überraschen sollte,) als in dem Beitrag thematisiert wurde, dass in der Ausbildung von Heizungsinstallateuren weder in den Büchern noch in den Curriculen der Berufsschulen Wärmepumpen große Beachtung finden. Ich schließe daraus, dass sich Handwerker entweder aus Interesse an neuen Möglichkeiten, aus Tüftelei oder weil sie in der Richtung „nervende“ Kunden haben, in die Thematik einarbeiten, aber nicht, weil der Stoff-Vermittlung zukunftsträchtiger Technik Vorrang eingeräumt wird von den Stellen, die hierfür zuständig sind. Noch viel mehr als in anderen gesellschaftlichen Bereichen befällt mich aber bei der Ansicht des Beitrages das Gefühl, dass hier „alte weiße Männer“ (Sorry. Ich weiß natürlich, dass ihr alle nicht dazu gehört😉) an den entscheidenden Stellen sitzen und nicht mitbekommen, wie es an der Basis aussieht. Rückwärts gewandt statt vorausschauend. Oder kommt mir das nur so vor?
(Ich hatte beim Ansehen ein bisschen dejà vu-Gefühle, weil ich während meiner Buchhändlerausbildung 1987 bis 1990 in der Berufsschule auch Unterricht in „Datenorganisation und -verarbeitung“ hatte. Ein halbes Jahr haben wir uns im Unterricht mit Lochkarten, Umrechnung von Hexadezimalzahlen in Binärzahlen und umgekehrt, Konrad Zuse und ähnlichen Dingen beschäftigt. Wohlgemerkt zu der Zeit, als Softwarehäuser für Buchhandlungen wie Pilze aus dem Boden schossen, das „Goldene Zeitalter“ für EDV-Unterstützung angebrochen war und viele Buchhandlungen die dicken Kataloge und Microfiches durch sauteure IBM-PCs ersetzten.)

Nächster Beitrag. „Straße gegen Schiene“: Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Am besten, ihr schaut euch das selbst an. Inklusive der netten Anekdote, dass der Verkehrsminister seine Rede nicht pünktlich halten konnte, weil er im Stau stand😅. Und ich Dummchen dachte, da gäbe es jetzt eine U-Bahnlinie, um solche Dinge zu vermeiden. Ist die etwa immer noch nicht fertig? Oder findet der Verkehrsminister nicht durch den Tarifdschungel?
Um die Kirche im Dorf zu lassen und die Schnappatmung auf ein gesundes Maß zurückzuführen, muss natürlich folgendes bedacht werden: Die Planungen für Infrastruktur laufen über einen langen Zeitraum. Es sind viele unterschiedliche Stellen zuständig, es wird viel (Steuer-)Geld investiert, es sind Firmen beteiligt, die natürlich ihre Arbeit bezahlt haben wollen und auch Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern tragen. Es ist auch sicher nicht fair, wenn eine Bundesregierung knapp ein Jahr im Amt ist, sich außer mit dem, was sie sich vorgenommen hat, auch noch mit solchen Dingen wie einem Angriffskrieg in der erweiterten Nachbarschaft beschäftigen muss und dann auch noch den schwarzen Peter zugeschoben bekommt für Vorgänge, die teilweise vor Jahrzehnten bereits von Vorgängerregierungen angestoßen wurden.

Aber: Es ist allerhöchste Zeit, dass wir als Gesellschaft uns überlegen, ob und wie in dieser immer schnelllebigeren Zeit, deren Krisen in schwindelerregender Abfolge auf uns einprasseln (und das wird nicht besser, sondern sich in den nächsten Jahren ziemlich sicher verschärfen), dieser schwerfällige Tanker namens „Deutschland“ (und selbiges gilt für andere Länder, für Europa und die anderen Kontinente, für das „globale Dorf“ natürlich ebenso) eine gewisse Resilienz erreicht. Und vor allem, wie es möglich ist, berechtigte Ansprüche von unterschiedlichen Interessengruppen, Gemeinwohl und Vorschriften/Gesetzen ohne lange Vorlaufzeiten unter einen Hut zu bekommen und gemeinsam in die Zukunft zu sehen, statt der Vergangenheit hinterherzutrauern. Und da ist natürlich der Gesetzgeber gefordert, aber doch auch jeder einzelne von uns Bürgern.
Ideal wäre eine Art neuer Gesellschaftsvertrag mit einer sehr breiten Basis. Nüchtern betrachtet, waren die Möglichkeiten dafür nie besser als jetzt: es gibt umfangreiche wissenschaftliche und statistische Auswertungen über die Errungenschaften der letzten 50 Jahre und auch ihre negativen Auswirkungen. Modellieren von verschiedenen Zukunftsszenarien ist keine Hexerei. Plattformen zu schaffen, auf denen Leute ihre Zeit nicht damit verplempern, ihre Mitmenschen zu beschimpfen, sondern sich konstruktiv einbringen für ein Massenbrainstorming, wäre ein machbares Träumchen. Die Vision einer überparteilichen Zusammenarbeit für eine bestmögliche Zukunft, bei der erstmal alles auf den Tisch kommt und ganz objektiv überlegt wird, was sinnvoll ist, scheint dagegen eher utopisch, aber eine tolle Vorstellung bleibt es.

Die wichtigste Erkenntnis aller dieser Überlegungen ist für mich zweifelsfrei: Es ist nicht simpel und eindimensional, es ist und bleibt kompliziert. Es kann keine einfachen Antworten auf diese komplizierten Fragen geben, und wenn jemand kommt und meint, er oder sie hätte die „ultimative Lösung“, dann ist auf jeden Fall Misstrauen angebracht. Ohne (anstrengendes) Ringen um den bestmöglichen Weg geht es nicht. Das gilt übrigens in sehr vielen Bereichen.

Shitstorm

Ich klappte heute Morgen meinen Laptop auf, loggte mich bei Facebook ein, wählte eine beliebige Hundegruppe aus und postete folgende Frage:
„Ich habe ein Problem mit meinem elf Monate alten Rottweiler. Seit kurzem bellt er alles an, wenn wir im Dunkeln unterwegs sind. Was kann ich dagegen tun?“
Binnen kürzester Zeit entwickelt sich ein Facebook-Krimi, der seinesgleichen sucht…
* 23 Hundehalter fragen, ob ich schon einen Trainer kontaktiert habe.
* 27 HH wissen, dass das Problem immer am anderen Ende der Leine hängt.
* 4 HH fragen, ob der Rottweiler HD hat.
* 9 HH werfen mir vor, dass ich mich wohl im Vorfeld nicht richtig mit der Rasse und ihren Eigenschaften auseinander gesetzt habe, der Rotti schließlich kein Anfängerhund und wahrscheinlich einfach nicht richtig ausgelastet ist.
* 15 HH posten einen Link zu Milan/Rütter/Balser/Bloch/beliebiger Hundetrainer.
* 34 HH betiteln Milan/Rütter/Balser/Bloch/beliebiger Hundetrainer daraufhin als Tierquäler/Komiker/steinzeitlich/Rudelführer/Wattewerfer und es entsteht ein Link-Battle zu Videos und Artikeln.
* 13 HH zweifeln an der Bindung zwischen mir und meinem Hund und geben Tipps, wie ich diese verbessern kann
* 8 HH raten mir dazu „mich mal richtig durchzusetzen und dem Hund zu zeigen, wer der Chef ist“, am besten durch Alphawurf und Anknurren.
* 2 HH setzen ein Lesezeichen, weil sie dasselbe Problem haben.
* 1 HH droht den „Alphawerfern“ mit dem Vet-Amt und empfiehlt mir die intermediäre Brücke auszuprobieren.
* 3 HH fragen nach dem Futter, denn sie haben gehört, dass gebarfte Hunde schneller aggressiv werden.
* 26 HH steigen auf das Futterthema ein und erklären die Vorteile der jeweiligen Kategorie (Trocken, Nass, Roh, Vegetarisch/Vegan)
* 2 HH sagen, dass ihr Hund mit ALDI-Futter 15 Jahre alt geworden ist und nie krank war.
* 1 HH fragt mich, warum ich keinen Hund aus dem Tierschutz habe, mit denen hätte er nie solche Probleme gehabt, da die nur dankbar sind und ein Herz aus Gold haben.
* Dies nehmen 20 weitere HH zum Anlass, über Sinn und Unsinn von (Auslands)Tierschutz und Rassehundzuchten zu diskutieren. Es fallen Worte wie „Tierschutzmafia“ und „Rasse-Nazis“, bis die Hälfte der Diskutanten von den Admins entfernt wird.
* Endlich fragt 1 HH, warum ich meinen Hund nicht einfach kastrieren lasse…
* 5 HH drohen darauf hin mir mit der Kastration.
Der Kaffee ist leer, der Laptop klappt zu. Ich nehme meinen Kater auf den Schoß und kraule ihn hinter den Ohren bis er schnurrend einschläft. Vielleicht frage ich morgen zum Nachmittagskaffee in einer Muttergruppe, wer seine Kinder denn so alles impfen lässt. Manche sehen die Welt echt gerne brennen.

Quelle unbekannt, Netzfund

Als ich heute auf der Suche nach Programmhandbüchern war und bei der Gelegenheit mal ordentlich einige Verzeichnisse auf dem PC durchforstet und auch ein wenig entrümpelt habe, fand ich unter anderem diesen Text, den ich im Jahr 2019 irgendwo aufgegabelt hatte. Und nun lehne ich mich zurück…😉

Eine Lanze für den Einzelhandel

Foto von Pixabay

Heute möchte ich ein paar Gedanken über den (Fach-) Einzelhandel loswerden. Anlass dafür waren die Twitterperlen, die sich gestern unter anderem durch einen Thread über die Unfähigkeit oder den Unwillen des Einzelhandels hervortaten. Obwohl ich dieses Format eigentlich mag und gern lese, habe ich mich ehrlich gesagt etwas geärgert.

Klar, außer in dem einen Laden, in dem ich arbeite, bin auch ich ansonsten Kundin. Und selbstverständlich komme ich auch in Situationen, wo ich denke: „Menschenskind, wenn dich das alles so anwidert, was du hier gefragt wirst, dann hast du eindeutig den Beruf verfehlt!“ Ich kenne Geschäfte, in die ich nicht (mehr) gehe, weil ich dort mehrfach angemault wurde, unzureichende Informationen bekam oder auch schlichtweg ignoriert wurde. Und es gibt einige Dinge, die ich online bestelle, weil ich genau das, was ich suche, vor Ort aus welchem Grund auch immer nicht bekommen kann.

Das muss aber nicht zwingend so sein, weil alle Einzelhändler keinen Bock haben, mir das zu besorgen. Das kann auch tatsächlich mal daran liegen, dass ich gern „karierte Maiglöckchen“ erwerben möchte, die von den Großhändlern, mit denen der fragliche Laden arbeitet, nicht im Programm geführt werden. Kein Geschäft arbeitet mit allen Herstellern oder Grossisten zusammen, die es am Markt gibt. Das wäre schlicht nicht auskömmlich, also finanziell darstellbar. (Ein stationärer Händler muss schließlich seine Miete, Nebenkosten, die Löhne der Mitarbeiter und on top sein eigenes Einkommen sowie die Altersvorsorge erwirtschaften.)

Oder ich möchte gern in Oberbayern etwas kaufen, das normalerweise in den Urlaubsorten an der Küste zuhauf in den Regalen liegt, aber eben in Bayern sonst ein Ladenhüter wäre. Servietten mit „Moin“ und einem Seehund darauf zum Beispiel. An der Küste werde ich dagegen den Filzhut mit Gamsbart vergeblich suchen…
Es kann passieren, dass eine bestimmte Ware nicht lieferbar ist. Weil die Teile für die Herstellung aus Fernost kommen, aber die „Ever Given“ quer im Suezkanal liegt. Weil ein Buch ganz plötzlich auf Platz 1 der Bestsellerliste steht, nachdem die Autorin spontan bei einer Talkshow am Freitagabend das besagte Buch hochgehalten hat und am Samstag alle Leute die Buchhandlungen stürmen.

Ich weiß selbst andererseits auch noch sehr gut, dass ich mich schon 1993 (also vor dem Onlinehandel) geärgert habe, wenn meine kleine Tochter im November Stiefel brauchte und mir im Schuhgeschäft gesagt wurde: „Da hätten Sie aber eher kommen müssen, jetzt sind die schon alle ausverkauft.“ Ich kann doch für ein Kleinkind, dessen Füße mitunter wachsen wie mit Kunstdünger gebadet, nicht schon im September Stiefel kaufen, die im Winter dann am Ende nicht passen! Trotzdem muss ich den Schuhhändlern zugestehen, dass sie den Einkauf für den kommenden Winter bereits im vergangenen Frühjahr tätigen mussten (vielleicht sogar noch früher). Denn die Schuhe müssen ja auch produziert werden. In welchen Mengen, welchen Farben, welchen Größen, damit sie dann auch tatsächlich verkauft werden?

Hier kommt dann spätestens auch die Verbraucherin oder der Endkäufer ins Spiel: Ware, die letzten Winter übrigblieb, will kaum noch jemand haben. Es gibt andere Farben, neue Disneyfilme, deren Protagonisten auf die Schuhe gedruckt werden (ob das wirklich sein muss, ist noch eine ganz andere Frage, meine Töchter fanden das allesamt total ätzend). Und je öfter ich die Erfahrung gemacht habe, dass kurz vor Eintritt einer bestimmten Situation die benötigte Ware nicht verfügbar ist, desto eher schätze ich als Mutter oder Vater tollkühn die Entwicklung der Körpergröße meiner Sprösslinge…
(Außer bei Schulbüchern. Da weiß ich recht zuverlässig, dass jedes Jahr dieselben Familien sich darüber beschweren, wenn drei Tage vor Schuljahresbeginn die gefragtesten Bücher nicht lieferbar sind. So lange, bis auch das jüngste Kind die Schule hinter sich hat…)

Also: es ist nicht so einfach, und es ist nicht schwarz-weiß. Es gibt unendlich viele Kombinationen von „es geht einfach gerade nicht“ und „ich will nicht“, die da zusammenkommen können. Das kann auch mal eine durchwachte Nacht mit zahnendem Baby, eine geprellte Schulter oder eine schlechte Nachricht im privaten Umfeld sein. Also Dinge, bei denen sich jeder und jede Betroffene etwas Verständnis wünscht.
Manchmal ist es tatsächlich eine grundsätzliche Inkompatibilität von Verkäufer und Käufer, auch das gibt es. Aber einfach zu behaupten, dass im deutschen Einzelhandel nur blöde Tussen arbeiten, die in Angst um ihre Raubtierfingernägel verharren, rechthaberische Ignoranten, die noch nie etwas von Kundenorientierung gehört haben oder ähnliches, das geht gar nicht.
Nicht mal so selten sind es zunehmend auch Kunden, die sich nicht wie Könige, sondern wie Despoten oder schlecht erzogene Rotzlöffel verhalten. Oder die sich nicht zu schade sind, jemandem seinen Beruf erklären zu wollen, der ihn schon seit Jahren erfolgreich und mit viel Herzblut ausübt.
Im Endeffekt möchte doch niemand von uns, dass vollkommen fachfremde Menschen uns erzählen, wie wir unseren Job auszuüben haben, egal ob wir im Einwohnermeldeamt, in der Sparkassenfiliale, beim Sanitärinstallateur, einem Medienunternehmen oder bei der Müllabfuhr arbeiten. Oder? Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es meist heraus.

Zum Schluss noch eine Bemerkung zu einem amerikanischen Gemischtwarenkrämer, der angeblich alles immer sofort und in Superqualität liefern kann: Der ist erstens nicht darauf angewiesen, mit genau einer Branche auskömmlich zu arbeiten, hat außerdem wenig gut eingearbeitetes Fachpersonal, sondern verlässt sich statt auf persönliche Beratung lieber auf Kundenrezensionen (die dann auch noch häufig gefaked sind) und genießt eine Marktmacht, die es ihm erlaubt, auf Großhandelslager allerorten zurückzugreifen, deren Betreiber ihm das Erstverkaufsrecht einräumen (müssen oder katzbuckeln, darüber kann man geteilter Meinung sein), so dass der Fachhandel schon allein deswegen mitunter in die Röhre guckt.
Wie gesagt, auch ich habe mich schon das eine oder andere Mal durchgerungen und dort etwas bestellt, was ich sonst nirgends bekam. Aber man muss wissen, worauf man sich einlässt und darf nicht denken, dass dort die pure Menschenfreundlichkeit herrscht.
Onlineshops findet man spätestens seit Corona übrigens auch bei kleinen lokalen Händlern. Und statt sich darüber lustig zu machen, dass diese, die oft aus der Not geboren, etwas unbeholfen daherkommen, kann man ja auch einfach mal sagen: „Schön, dass ihr diesen Service bietet. Wenn ihr den jetzt noch um … erweitern könntet, wäre es super.“

Ach übrigens: Ihr habt vermutlich schon vom Papiermangel im Buchhandel gehört. Der hat unter einigem anderem als Grund, dass es Papierfabriken gibt, die während der Pandemie auf Verpackungsmaterial (Kartonnagen) umgerüstet haben für den boomenden Onlinehandel. Kein Witz.

NIMBY und andere Kurzsichtigkeiten

Den Ausdruck, der sich dahinter verbirgt, kannte ich, die Abkürzung bisher nicht: Not in my Back Yard – Nicht in meinem Hinterhof (oder auch Zuständigkeitsbereich, vor meiner Haustür oder ähnliches).

Wir möchten bequem von A nach B reisen, wir erwarten ausreichend Strom, Wärme, Wasser, Benzin, Schweinenackensteaks und was das Leben sonst noch angenehm macht, natürlich zu „vernünftigen“ (eigentlich eher unvernünftigen, aber billigen) Preisen und unbegrenzt verfügbar. Aber was dafür an unschönen Begleiterscheinungen notwendig ist, doch bitteschön nicht in unserer Sichtweite. Dass diese Unannehmlichkeiten wie Kraftwerke, Verkehrstrassen, Mastställe, Raffinerien damit automatisch den Menschen in den Nachbarorten oder gar in unserer liebsten Ferienregion vor die Türen gewünscht werden, daran denken wir dabei lieber nicht. Dass es den Menschen, die wir statt unser selbst an die vorderste Umweltzerstörungsfront wünschen, ebenso geht wie uns, bloß anders herum, das unterschlagen wir gleich komplett. Hannemann, geh du voran…

Nächste Baustelle: Technologie heißt das Zauberwort, nicht „Expecto Patronum“ oder „Wingardium leviosa“. Denn wenn wir das NIMBYtum ausgereizt haben und nichts mehr weiterschieben können, dann setzen wir auf den Einsatz von Technologie. Ist ja auch sehr reizvoll, denn wenn man mit Technologie alles Übel beseitigen kann, dann muss man nicht sparen, kann die Welt verschmutzen, bis der Arzt kommt, und Simsalabim ist alles weg.
Auch bei dieser Denkweise sind wir kurzsichtig wie Maulwürfe. Was hat die Menschheit schon alles an Technologie eingeführt: Dampfmaschine, Druckwalze, Otto- und Dieselmotor, AKWs, chemische Volldünger, das Internet … und ein paar Jahrzehnte später haben sich bisher noch bei allen derartigen Innovationen die Risiken und Nebenwirkungen gezeigt, teilweise mit katastrophalen Auswirkungen. Was zum Henker sollte die Hoffnung stützen, dass es zukünftig anders aussehen könnte?

Und das alles nur, damit wir möglichst selten uns selbst reflektieren und ebenso angestrengt wie ernsthaft überlegen müssen, wie wir unseren Konsum von Ressourcen und unsere persönliche Komfortzone reduzieren können.

Natürlich ist dieser Trieb unterschiedlich stark ausgeprägt, es gibt ganz unterschiedliche Sichtweisen und Schmerzpunkte, ab wann Verzicht wehtut, wie ausgeprägt die Empathie zu Mitwelt und Mitmenschen ist, es gibt unendlich viele Abstufungen von Egoismus einerseits und Altruismus andererseits. Aber jeder und jede Einzelne von uns lebt in diesem Spannungsfeld, mal mehr, mal weniger.
Manchmal wünsche ich uns dorthin, wo die Dinosaurier schon sind. Ob dort wohl auch Pfeffer wächst?

Mein innerer Monk und ich

Wenn Leute aus meiner Familie Sachen in die Spülmaschine räumen, räume ich sie ziemlich häufig wieder um. Damit die Becher (nach Farben geordnet) nebeneinander stehen, die großen Gläser ganz links und die kleinen in der Mitte.

Beim Wäsche aufhängen sortiere ich grundsätzlich ähnliche Teile zueinander und ich achte akribisch darauf, dass die Wäscheklammern zueinander passen. Wenn ich für ein Teil zwei Klammern brauche und es ist nur eine in der Farbe da, benutze ich sie nicht. Jedenfalls beim Wäscheständer, denn da passen die naturfarbenen Buchenholz-Schiebe-Klammern nicht drauf.

Bücher sind nach Genre, innerhalb des Genres nach Autoren und innerhalb der Autoren nach Bandnummern (bei Serien) geordnet. Wenn im vollen Regal irgendwas dazukommt, wird wie wild hin- und hergeschoben, damit die Reihenfolge wieder passt.

Die DVDs sind nach Fantasy allgemein, Marvel (in der richtigen Reihenfolge zum Anschauen), Komödien, Thriller, Musicals, Dokumentation sortiert.

Im Gewürzregal haben alle Gewürze ihren festen Platz. Würde ich spontan erblinden, wüsste ich immer noch, wo ich Chilipulver, Pfeffer, Curry, Basilikum oder die restlichen ca. 25 Sorten finde (vorausgesetzt, es bringt niemand durcheinander). Ähnlich sieht es bei den sechs Essigsorten aus.

Ich habe bei Spotify diverse Playlists: Worship, Country, Filmmusik, 80er Jahre, Hardrock, Klassik, eine Sportplaylist für Hula Hoop… streng getrennt voneinander.

Meine Stoffe werden je nach Farbe in extra Boxen aufbewahrt, die verschiedenen Vliese haben ebenfalls eigene Boxen, alle Scheren und Rollschneider liegen in einer Schachtel, alle Schrägbänder ebenso.

Ich habe im Büro diverse ausgeklügelte Ablagesysteme, streng nach Lebens- und Arbeitsbereichen getrennt. Und trotzdem sitze ich schon seit heute Mittag hier und suche einen ganz bestimmten Vorgang. Weil sich allen Sortierkriterien zum Trotz ein Riesenwust an Unterlagen in den letzten Wochen auf dem Schreibtisch aufgetürmt hat. Weil ich deswegen den Überblick verloren habe. Und obwohl ich genau weiß, dass ich den gesuchten Ordner vor höchstens drei Wochen noch in der Hand hatte. Manchmal muss es einen Kobold in unserem Haus geben, der Dinge auf höchst geheimnisvolle Weise verschwinden lässt und sie nach ein paar Tagen wieder genau dort hinbeamt, wo ich sie drölfzigmal gesucht habe (Denn ich war mir ja felsenfest sicher, wo das Zeug sein muss!)…
Und augenblicklich denke ich, ich habe die Kontrolle über mein Leben verloren.

PS: Dieses ist der 600. veröffentlichte Beitrag. Drei weitere habe ich allerdings aus Gründen zurückgezogen und erstmal als Entwürfe abgespeichert. Zu den Inhalten stehe ich nach wie vor, habe aber ein paar Scherereien damit gehabt aus einem Bereich des politischen Spektrums, mit dem ich einfach nichts zu tun haben möchte.

Eher Picknick als à la Carte

Ich habe mich bei einem Verlag als Blog-Partnerin beworben. Eher aus Neugier. Nach reiflicher Prüfung meines Blogs wurde meine Bewerbung abgelehnt.
Als Buchbloggerin bin ich nicht geeignet, weil ich nicht nur Buchbesprechungen schreibe, sondern an vielen Themen interessiert bin.
Ich könnte Besserung geloben, mich entweder mehr auf Bücher stürzen, die Buchsparte in einen eigenen Blog verlagern (wie ich es für die Sterntaler ja schon getan habe), mehr Belletristik und weniger Sachbücher vorstellen und mich in frühestens einem halben Jahr wieder bewerben.
Ich habe beschlossen, das einstweilen nicht zu tun und so zu bleiben, wie ich bin.

Es ist mir sehr klar, dass mein Blog nie eine Wahnsinnsreichweite bekommen wird, solange ich nicht monothematisch werde, sondern von einem zum nächsten Thema hüpfe und über alles mögliche schreibe, was mir durch den Kopf (oder auf den Keks) geht, aber das wäre dann nicht mehr ich. Ich wäre aufgeteilt in meine Leserinnenidentität, meine Nähidentität, meine Gartenidentität, meine politische und meine spirituelle Identität…
Ich hätte blogtechnisch multiple Identitäten. Aber das bin nicht ich. Ich bin halt unfassbar neugierig auf alles mögliche, bin eher Generalist als Spezialist, rühre gern in vielen Pötten und meistens genieße ich genau das.

Ich bin eben eher ein Picknick mit vielen leckeren Kleinigkeiten zum Probieren als ein à-la-Carte Menü, für das ich mich entscheiden muss.
Bon appetit.

Mal was anderes

Toll, einer arbeitet mehr?

Gerade geht mir beim Zeitunglesen mal wieder die Hutschnur hoch. Ist es nur gefühlt oder bekommt der Personalmangel an den Flughäfen wirklich mehr Aufmerksamkeit als die Streiks an den Unikliniken? Warum ist es so wichtig, dass Flughafenpersonal aus dem Ausland herangeholt wird? Wenn als Begründung dafür wenigstens die Entlastung des Stammpersonals herangezogen würde, könnte ich es ja noch verstehen. Denn die haben beileibe keinen einfachen Job (wie im Übrigen sehr viele im Dienstleistungssektor…). Es ist auch nicht so, dass ich den Menschen keinen stressfreien Start in einen unbeschwerten Urlaub gönne, ganz bestimmt nicht. Trotzdem empfinde ich es zumindest als großes Spannungsfeld.
Ehrlich gesagt, manchmal traue ich meinem Urteilsvermögen nicht mehr so ganz. Ich halte es auch durchaus für möglich, dass ich inzwischen irgendwas zwischen dünnhäutig und regelrecht getriggert bin, wenn es um die Diskrepanz geht zwischen dem, was wirklich notwendig ist und dem, was in erster Linie unserem Komfort dient.

Neben diesen überregionalen Themen ist es aber heute auch ein Artikel über die Weiterbeschäftigung der AlltagshelferInnen in den Kindergärten, der mich aufhorchen lässt. Immer noch besteht hier akuter Bedarf, zum Beispiel durch erhöhte Hygieneanforderungen. Aber auch in „ganz normalen“ Zeiten frage ich mich, warum um alles in der Welt die ErzieherInnen sich mit dem Ein- und Ausräumen der Spülmaschine, dem Waschen der Bettwäsche oder anderen hauswirtschaftlichen Arbeiten beschäftigen müssen. Nicht, weil sie „überqualifiziert“ dafür wären, sondern weil sie sowieso schon viel Dokumentation und anderes nebenher erledigen müssen, was von der reinen Arbeit mit den Kindern abgeht. Die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten sind natürlich sehr wichtig für den Tagesablauf in Kindertagesstätten, aber es gibt ja schließlich ausgebildete Hauswirtschaftskräfte und manches könnte auch von Menschen erledigt werden, die noch auf der Suche nach ihrem beruflichen Werdegang sind. Die in der Pandemie geschaffenen Finanzierungsmodelle der Bundesländer werden (mal wieder) auslaufen, aber der Bedarf bleibt. Auf der Strecke bleiben Kommunen, die sich eine eigene Finanzierung nicht leisten können und natürlich ErzieherInnen, Familien und Kinder.

Warum schreibe ich das überhaupt? Nicht, weil ich bei irgendjemandem Empörung auslösen möchte oder eine gesellschaftliche Gruppe gegen eine andere ausspielen will, sondern weil es verdeutlicht, dass die verschiedenen und berechtigten Ansprüche verschiedener gesellschaftlicher Gruppierungen sehr vielfältig sind und dass es meiner Meinung nach im Endeffekt immer darauf ankommt, dass sie gesehen und ausbalanciert werden. Dass es nicht immer dieselben Gruppen sind, die zurückstecken müssen und andere bekommen mehr Unterstützung, weil sie lauter, wirtschaftlich stärker oder angesehener sind. Weil unsere Zeit eine wahnsinnige Herausforderung ist, für Politikerinnen und Journalisten, die das alles kommunizieren müssen, aber auch für jeden einzelnen von uns Wahlvolk und Medienkonsumenten, weil wir nicht über jedes hingehaltene Stöckchen hinüberspringen sollten.
Und auch als eine Selbstvergewisserung, weil ich das auch mir selbst immer wieder ins Gedächtnis rufen muss.

PS: Ich hoffe, das war einigermaßen verständlich. Die Gedanken rasen wie ein ICE durch meinen Kopf, während ich sinnbildlich mit dem 9-Euro-Ticket versuche, mitzuschreiben…🙈

Braucht Deutschland eine Wüste?

Hä, wie bitte? Was ist denn das für eine Frage?

Genau. Ich war ungefähr in der neunten oder zehnten Klasse, als ich mir dieselbe Frage stellte. Und zwar im Deutschunterricht. Die Frage hatte keinerlei visionären Hintergrund, mein Deutschlehrer hatte vermutlich ebenso wenig Kenntnis davon wie wir Schüler, dass knapp vierzig Jahre später in einigen Gegenden Deutschlands wegen Wassermangels diese Frage sogar eine gewisse praktische Berechtigung bekommen könnte.

Der Grund war ein ganz profaner: Wir nahmen Erörterungen als Unterrichtsthema durch. Und wir sollten eine ausführliche Erörterung mit Stoffsammlung, Gliederung, Eingangsthese, Hauptteil und Abschlussbewertung/Fazit schreiben. „Braucht Deutschland eine Wüste“ war einer der in unseren Augen komplett abstrusen Themenvorschläge. Anscheinend mochte ich Herausforderungen, denn ich nahm mich des Themas an. Sammelte Infos über Wüsten, überlegte hin und her, wo in unserem (damals noch etwas kleineren) Land eine Wüste, von der ich Vorstellungen à la Sahara im Kopf hatte, hinpassen könnte. Ich versuchte, mir Vor- und Nachteile vorzustellen, welchen Nutzen eine Wüste haben könnte, obwohl ich allein den Gedanken an eine Wüste in Deutschland ziemlich schwachsinnig fand. Und ich schaffte es, recht ausgewogen Stellung zu beziehen. Zwanzig DinA4-Seiten später hatte ich eine ausführliche Betrachtung des Themas fertig und bekam sogar eine gute Note dafür. Ich kann euch leider nicht mehr sagen, zu welchem Schluss ich gekommen bin, tippe aber auf „Eher nein“. Darauf kommt es auch gar nicht an.

Mir ging diese Episode heute früh wieder durch den Kopf und ich erzähle euch davon, weil mir erst Jahrzehnte später so richtig bewusst wurde, welches Geschenk mein Deutschlehrer Herr Schnickmann uns mit dieser Aufgabe gemacht hat:

Dingen auf den Grund gehen, Argumente für und wider bestimmte Ansichten finden, auch für die, die man bislang als abwegig empfunden hat. Einmal in die Rolle des Gegenübers schlüpfen, auch wenn man selbst eine konträre Meinung hat. Und nicht zuletzt auch in der Lage sein (wenn man nach reiflicher Überlegung und mit mehr Detailkenntnis zu neuen Schlüssen kommt), die eigene Sichtweise teilweise oder ganz revidieren, ohne es als Gesichtsverlust zu sehen.
Natürlich gelingt mir das nicht immer und es gibt auch Themenbereiche, bei denen ich absolut nicht bereit bin, meine Meinung zu ändern. Wenn es um fundamentale Menschenrechte geht, wenn die Gegenseite antisemitisch, rassistisch, homophob oder sonstwie menschenverachtend agiert. Aber bei fast allen anderen Themen kann ich über meinen eigenen Schatten springen, ohne dass mir ein Zacken aus der Krone fällt. Die zunehmende Lebenserfahrung hilft mir meist dabei (manchmal steht sie mir aber auch im Weg, auch das gehört zur Wahrheit; viele Dinge sehe ich lockerer, bei anderen werde ich unflexibler, das nehme ich – manchmal zähneknirschend – zur Kenntnis).

Meinen letzten Beitrag hier schrieb ich zum Thema „Allgemeine Dienstpflicht“ und ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar von euch dazu. Ganz egal, wie ihr das seht. Ich habe für mich festgestellt, dass ich selbst noch nicht mit dem Thema durch bin, allerdings eine leichte Tendenz dafür verspüre, weil ich denke, dass die Vorteile mehr wiegen als die Nachteile (die es auf jeden Fall gibt). Ich kann viele Argumente dagegen nachvollziehen. Und wenn es auf andere Art machbar wäre, nicht nur als Pflicht, würde ich sofort Hurra schreien.

Ich wünsche uns allen eine fruchtbare und ausdauernde Debatte mit besseren Argumenten als „das wäre Zwangsarbeit“ oder „hat mir auch nicht geschadet, das sollen DIE ruhig mal machen“😉 Ihr habt mir gezeigt, dass das funktioniert.

Danke, Herr Schnickmann. Von wo auch immer Sie jetzt vermutlich zu uns herunter schauen.

Pflicht bewusst

Symbolfoto: Pixabay

Kein Tippfehler. Ich schreibe heute nicht zuallererst über Pflichtbewusstsein, sondern darüber, sich seiner Pflicht(en) bewusst zu sein.
Klar, diese Diskussionen über Pflichtjahr, Gesellschaftsjahr, allgemeine Dienstpflicht oder wie auch immer es genannt wird, die poppten immer wieder auf. Und ebenso klar, manch einem hängt es zum Hals heraus. Deswegen wird es aber nicht unwichtiger, diese Dimension des menschlichen Zusammenlebens immer wieder zu thematisieren, finde ich.

Elf Jahre ist es her, dass die Wehrpflicht ausgesetzt wurde. Ausgesetzt, nicht abgeschafft. Aber wenn ich darüber nachdenke, kannte ich schon weit vorher nur wenige junge Männer, die tatsächlich zur Bundeswehr gingen, nachdem sie ihren Musterungsbescheid bekommen hatten. Nicht mal Zivildienst mussten sie teilweise ableisten, ich weiß gar nicht so recht, warum das anscheinend mehr oder weniger stillschweigend „ausgeschlichen“ wurde (ebenso wie die Dauer des Dienstes, die immer kürzer wurde), denn damals beschäftigte ich mich nicht wirklich mit diesen Themen, es war nicht erheblich zu der Zeit.

Mein Anliegen ist es auch heute nicht, ein Plädoyer dafür oder dagegen zu halten. Denn es gibt Gründe für beides, durchaus auch stichhaltige Gründe. Ich wünsche mir vor allem, dass solche Diskussionen nicht immer nur vor einem zu erwartenden Sommerloch oder in konkreten schwierigen Situationen geführt werden, sondern dass es ein ständiges Bewusstsein dafür gibt, dass unser Leben in einer Demokratie nicht nur aus Ansprüchen, sondern auch aus Verpflichtungen besteht. Woraus entsteht denn zum Beispiel die Anspruchshaltung, dass jede Ungewissheit des Lebens am besten durch ein Programm des Staates aufgefangen werden muss? Und sei es gesamtgesellschaftlich gesehen noch so unsinnig?

Auf der anderen Seite gibt es sehr viele Menschen aller Altersstufen, die sich auch heute schon – ohne jede Verpflichtung von außen – in Sportvereinen, Kirchengemeinden, lokalpolitischen Gremien, an den Tafeln, im Tier- und Naturschutz oder im Kinderschutzbund, dem weißen Ring, im DRK, den freiwilligen Feuerwehren … engagieren. Oft sogar ganz ohne Übungsleiterpauschale, Einsatzgeld oder so, nur für ein „Dankeschön“ oder einen feuchten Händedruck, einen Grillabend im Sommer und ein Weihnachtspräsent. Und ohne die vieles einfach nicht möglich wäre.

Warum muss denn ein Dienst für die Allgemeinheit an eine bestimmte Lebensphase gebunden sein? Als Grund wird häufig genannt, dass dann noch keine Familie da ist, um die man sich kümmern muss. Ich kenne aber auch Eltern, die mental in ein Loch fallen, wenn die Kinder aus dem Haus sind, Neurentner, die nichts mehr mit sich anzufangen wissen, wenn sie bei der Arbeit nicht mehr gebraucht werden, und Menschen, die in der Mitte ihres Lebens merken, dass sie so wie bisher nicht mehr weitermachen wollen oder können. Arbeitslose, die nicht das x-te Bewerbungstraining mitmachen wollen, um weiterhin Unterstützung zu bekommen. Also Menschen in ganz unterschiedlichen Phasen ihres Lebens, die unter Umständen sogar dankbar wären für einen Spin, der ihrem Dasein eine neue Perspektive gibt.
Und eventuell ist es sogar möglich, für ein solches Angebot eine Bezeichnung zu finden, die nicht so verpönt und vom Begriff her verbrannt ist, sondern die impliziert, dass es wertvoll und sinnstiftend ist, was man tut.

Vor allem aber, ich glaube, ich schrieb es schon mal: Es ist wichtig, dass möglichst viele Menschen darüber im Gespräch miteinander (statt gegeneinander) bleiben.

Aber was weiß ich schon…

Wirtschaft vs. Kultur! / Wirtschaft fördert Kultur?

Die Medienlandschaft ist in diesen Tagen voll von Klagen. Auch unsere lokale Tageszeitung kann sich nicht davor verschließen, es zieht sich sogar wie ein roter Faden durch die heutige Ausgabe. Und das nicht nur, weil wir Deutschen anscheinend besonders gut darin sind, auf hohem Niveau zu jammern. Was bei mir zurzeit hängen bleibt, wenn ich Nachrichten lese oder höre: Konzerne sind oft Krisengewinnler, während die Kultur (kann je nach Gusto auch ersetzt werden durch Breitensport oder Familienförderung) kurz vor dem Offenbarungseid steht. Natürlich gibt es kulturelle Institutionen wie Bibliotheken, Theater oder Museen, die finanziell gut dastehen. Aber gerade die kleineren, lokal wichtigen Einrichtungen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, regionale, künstlerische und/oder geschichtliche Bildung für alle bereitzuhalten, die wissen viel zu häufig weder aus noch ein.

Dass es ein großer Fehler ist, wenn immer mehr Menschen immer weniger Zusammenhänge von gesellschaftlicher Entwicklung (woher kommen wir und weshalb hat sich unser Leben eigentlich in genau dieser Weise entfaltet?), von gewachsener Kultur oder auch schlicht und einfach von so elementar wichtigen Dingen wie Lebensmittelproduktion kennen, wenn Natur und Mensch als zwei unterschiedliche Dinge gesehen werden, das erleben wir in den letzten Jahren in einer immer schneller werdenden Spirale.

Mir kommt die Idee, dass es doch irgendwie möglich sein müsste, eine Art Allgemeinheitsanteil für hohe Gewinne einzuführen. Einen Prozentsatz, der den Menschen wieder zur Verfügung steht, die durch Konsum überhaupt erst Konzerngewinne ermöglichen. Nicht alles gnadenlos „dem Markt“ zu überlassen.

Ich halte es für ein hausgemachtes Problem, dass sich immer mehr Menschen vom Gemeinschaftsgedanken verabschieden und nur noch ihren eigenen Horizont sehen (wenn sie denn überhaupt bis dorthin schauen).
Badeanstalten, Bibliotheken, Breitensportangebote (gerade auch für Kinder und Jugendliche, die sich nicht mit spätestens 10 Jahren mit Haut und Haar einer einzelnen Sportart verschreiben und in den Ligabetrieb gehen), Museen, Spielplätze haben eines gemeinsam: sie sind in den vergangenen Jahrzehnten kaputtgespart worden.

Sogar an Universitäten hat es sich etabliert, das rein wirtschaftliche Denken. Gefördert wird, wer publiziert. Das ist zwar nicht per se schlecht, aber mühsame Grundsatzforschung jenseits von Leuchtturmprojekten, die nicht so geeignet ist, Investoren anzulocken, fällt hinten runter. Ebenso Forschung, die möglicherweise andere Ergebnisse erzielen könnte, als sie den Geldgebern genehm ist.
Gesundheit ist ein Gut geworden, das Profit abwerfen soll, Pflege im Alter und bei Einschränkungen ebenso.

Bei uns in der Stadt gibt es eine freie evangelische Bildungseinrichtung, die ErzieherInnen und GemeindepädagogInnen ausbildet und dabei sehr gute Arbeit leistet. Aber auskömmlich arbeiten können sie dort nicht. Und obwohl sie gesellschaftlich wirklich sehr gesuchte junge Leute auf den Weg schicken, ist es immer wieder eine Zitterpartie, ob es ein nächstes Ausbildungsjahr gibt. Das kann doch eigentlich nicht sein!
Die Museumslandschaft, die vermittelt, wie das Leben in unserer Gegend sich in den letzten Jahrhunderten entwickelt hat und warum wir heute dort stehen, wo wir sind, bibbert sich von einem Fördertopf zum nächsten und macht sich dabei gegenseitig Konkurrenz.

Etwas daran zu ändern, wie es gerade läuft, das ist auf jeden Fall eine große Aufgabe, bei der es viele verschiedene Denkansätze ebenso braucht wie ganz unterschiedliche Menschen, die bereit sind, mitzumachen. Niemand kann allein dafür eine Lösung finden.

Aber was weiß ich schon…

Es wird nicht besser

Morgens aufwachen und als erstes die Nachrichten im Radio hören (dicht gefolgt von „Wir sind die Freeses“) ist in diesen Tagen eindeutig nicht mehr die beste Idee. Wenn die Info, die als erstes das erwachende Gehirn trifft, eine Meldung über einen erneuten Amoklauf an einer Grundschule in Texas ist, kann der Tag schon nicht mehr gut starten.
Die Gedankenspirale setzt sich per Autopilot in Gang: Wie kann es nur möglich sein, dass in einem eigentlich recht zivilisierten Land, das von vielen immer noch als „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ angesehen wird, immer wieder Gewaltexzesse das Geschehen dominieren? Wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert eine Mehrheit einer Partei ziemlich fanatisch angeblich „Leben schützen“ will, indem man Abtreibungen verbietet (ich bin auch keine unbedingte Befürworterin, denke aber, dass Frauen sich mehrheitlich nicht einfach mal so just for fun dazu entscheiden), aber dieselben Menschen (denn die sind es zum großen Teil) den Untergang ihres Lebensstiles darin sehen, wenn es kein Grundrecht mehr auf das Horten von absolut tödlichen Waffen mehr geben sollte.

Also: meditatives Kaffeekochen, den ersten Kaffee zu genießen versuchen, aber begleitet von einem fatalistischen Gefühl. Irgendwann Frühstück und danach an den PC, Tageszeitung virtuell aufschlagen. Und gleich auf der zweiten Seite würde ich sie am liebsten wieder wegklicken. War ich gestern noch erschrocken darüber, dass nach den Tornados in der letzten Woche bereits wieder Betrüger und Gaffer unterwegs sind, so ist es heute kommunale Baupolitik und, weil es sich konkret um Schulbau handelt, die Dauerschleife Bildungsmisere, die mir den Morgen vermiest.

Was in puncto Schulsanierungen in unserem Landkreis (und da stehen wir ja nicht allein da) in den letzten Jahren verpennt wurde, wird nun immer dramatischer. Denn gerade die Grundschulen modern teilweise vor sich hin, es wurde versäumt, in energetische Sanierung, Bausubstanzerhaltung und vor allem in inklusionsgerechte, barrierefreie Gestaltung zu investieren. Dann kam erst die Pandemie und nun der Krieg. Es wird immer schwieriger, Baumaterial, Fachkräfte und Interimsunterbringung zu bekommen. Es wird alles immens teurer und teurer. Es beginnt ein Kampf um Ressourcen.

Allein der Grund und Boden bietet hier viel Konfliktpotenzial: Da gibt es Ackerflächen. Wertvollen und fruchtbaren Boden. Nahezu perfekt zur Produktion hochwertiger Lebensmittel. Aber es gibt auch die Begehrlichkeiten der Baustoffindustrie: Wer den Weserradweg entlangfährt, der kann in unserer Gegend auch gleich die ostwestfälische Seenplatte bewundern. Wie, noch nie gehört? Keine Bange, das ist keine Bildungslücke. Aber rechts und links der Weser liegen eben nicht nur gute Äcker und Wiesen, sondern auch mächtige Sand- und Kiesvorkommen. Noch Fragen?

Und natürlich müssen auch Baugebiete ausgewiesen werden, bei uns in Porta soll zum Beispiel eine Grundschule neu gebaut werden, weil sie den Anforderungen nicht mehr genügt. Und außerdem war da ja das Staatsziel für mehr sozialen Wohnungsbau. Die Flächenversiegelung nimmt also stetig zu. Währenddessen gammeln in manchen Orten leerstehende Häuser als Spekulationsobjekte (häufig von ortsfremden Investoren) vor sich hin.
Und nicht zuletzt: die Müllabfuhr in Minden klagt darüber, dass sie in Anliegerstraßen oft nicht tätig werden kann, weil alles dicht an dicht vollgeparkt ist, das sitzt als „Sahnehäubchen“ obendrauf. Ratet, wer sich dann darüber beschwert, wenn die Tonnen nicht geleert werden…

Auf den ersten Blick sind das alles Einzelthemen, die aber bei genauerem Hinsehen miteinander verwoben sind. Die in meinen Augen verdeutlichen, dass wir dringend eine große gesellschaftliche Debatte brauchen. Darüber, was wichtig ist, damit unser Zusammenleben funktionieren kann in diesen Zeiten, die heftig wie lange nicht mehr viele vermeintliche Gewissheiten zum Einsturz bringen. Zeiten, die große und noch größere Herausforderungen für fast jeden von uns bereithalten. Und vor allem müssen diese Debatten wieder zu einer zweckdienlichen Sachlichkeit zurückfinden in einer Zeit, in der Empörung und Krakeelen mehr Gehör finden als der nüchterne Blick und die wertschätzende Anteilnahme. Dabei ist es mir wichtig, dass niemand immer nur recht oder immer nur unrecht hat. Es ist wichtig, dass wir wieder mehr zuhören und dem „Gegner“ (übles Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein) auch mal seinen Punkt zugestehen, wenn er sachlich begründet sinnvoll ist.

Aber was weiß ich schon.

PS:
Ein versöhnliches Ende dieses Beitrages möchte ich noch beisteuern: Die Sonne scheint, der Regen gestern hatte eine gute Qualität (Landregen statt festpladdern), morgen ist Feiertag und meine Arbeit „in der heißen Phase“ am Gemeindebrief geht gut voran. Ich kann immer schneller mit dem „Publisher“ umgehen und es macht Spaß, die Gemeindeinfos und Entwicklungen für viele Menschen aufzubereiten. Habt einen guten Tag.

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