Mein neuer Lebensabschnittsgefährte

Der Abschnitt wird aber überschaubar sein. Und eine Challenge der ganz anderen Art, da es mit dem Ausmisten auch jetzt noch nicht so richtig vorangehen kann.

Seit Donnerstag weiß ich, dass im rechten Oberschenkel die Sehne komplett gerissen ist, dort, wo sie im Becken festgemacht ist. Links „nur“ teilweise. Seit Freitag weiß ich, dass sowas nicht operiert wird (puh🤪), sondern von allein heilen muss. Dauert pi mal Daumen 4-5 Wochen.

Also zu Ostern darf ich hoffen, wieder richtig gehen zu können. Augenblicklich darf ich die Beine nur langsam wieder stärker belasten, also mit Gehstützen. Wie soll ich denn so einen Haushalt führen? Und fünf Wochen nur mit dem Kopf arbeiten, da werde ich bekloppt.

Edgar hatte bereits recht früh den Gedanken, einen Rollstuhl zu mieten. Bei mir dauerte es ehrlich gesagt zwei Nächte, bis ich das soweit durchdacht hatte, dass ich es auch für eine praktikable Lösung hielt. Nun darf er sich freuen…

Es ist Kopf – und Erziehungssache. Meine Mutter ging bis kurz vor Lebensende mit einer Unterarmgehstütze ( und wurde dabei immer krummer) statt mit dem verordneten Rollator. Denn damit sah es ja immer so ein bisschen nach akut statt chronisch aus. Ich habe mich also überwunden.

Und es ist echt praktisch. Ich muss nicht immer jemanden herumkommandieren: „Bring mir mal den Wäschekorb in die Waschküche. Ich brauche eine Flasche Wasser.“

Ich stelle mir den Wäschekorb einfach auf die Knie und bin schon auf der richtigen Höhe für die Waschmaschine. Ich fahre Wasser durch die Gegend, ob nun in Flaschen oder Gießkannen. Ich kann kochen. Bloß der Abwasch klappt nicht so recht. Den machen dann Kathrin und Edgar.

Ich kann mit zum Einkaufen und bin auf der perfekten Höhe für jegliches Suppengemüse sowie für die günstigen Produkte unten in den Regalen.

Bei manchem, der mich erkennt, fangen die Rädchen im Kopf an zu arbeiten: was ist denn da passiert? Darf ich danach fragen oder trete ich ihr zu nahe? Heute früh beim Gottesdienst war das alles ziemlich einfach. Die Menschen, die mich zum größten Teil lange Jahre kennen, kamen und fragten einfach. Ganz freundlich und unbefangen. Und freuten sich mit mir, erstens dass ich so eine pragmatische Lösung gefunden habe und zweitens, dass ich bald wieder auf Erwachsenenhöhe mitreden kann statt zu jedem aufzuschauen.

Ich bin der Meinung, jeder Parkegoist, der den Behindertenparkplatz widerrechtlich nutzt, sollte neben der Bußgeldzahlung ein Rollitraining für eine Woche aufgebrummt bekommen. Nichts ist so hilfreich wie ein Perspektivwechsel.

Und ich weiß jetzt auch, welche Baustellen in unserem Haus ich bei den nächsten Renovierungsarbeiten noch barrierefreier umgestalten muss. Was noch wichtiger ist: ich bekomme eine Ahnung, welche Barrieren ich im Kopf in Angriff nehmen sollte.

PS: Heute ist Weltfrauentag. Da ist ganz sicher noch viel Luft nach oben, bis die Hälfte der Menschheit nicht mehr benachteiligt ist. Aber wie sieht es mit Minderheiten jeglicher Art aus? Auch das geht mir in der aktuellen Situation durch den Kopf. Dazu hast du bestimmt schon bemerkt, dass ich ungern sprachlich gendere. Das liegt bei mir meist daran, dass ich uns alle als zugehörig zu der Gattung „der Mensch“ betrachte, wie ich das Wort „Mensch“ ja sowieso gern und häufig benutze.

Challenge Woche 9

Was soll ich sagen. Diese Woche ist total anders verlaufen als geplant…

BlogleserInnen wissen schon, dass es mich von den Beinen gehauen hat. Heute morgen, als ich über den fälligen Beitrag nachdachte, ging mir in meinem beschränkten Aktionsradius zwischen Bett und Bad zweierlei durch den Kopf:

Es ist für eine Hausfrau ziemlich frustrierend, wenn sie sich lange to-do-Listen macht und vor bzw mitten in der Ausführung derselben krank wird. Dann liegste zwischen der Bügelwäsche und den Klamotten für die Altkleidersammlung im eigenverursachten Chaos und weißt: das muss ich mir jetzt noch ein paar Tage ausgiebig anschauen und kann nix dagegen tun😥. Naja, das Leben hält sich halt nicht an Putzpläne.

Zum anderen habe ich festgestellt, dass wir bei der barrierefreien Umgestaltung des Bades nach Dusche und Türbreiten mit Nachdenken aufgehört haben. Bei einem dauerhaften Angewiesensein auf einen Rollstuhl ist der Waschtisch nicht unterfahrbar, man kann nicht in den Spiegel sehen und die Sachen im Spiegelschrank erreicht man auch nicht:

Dafür habe ich Frühstück im Bett bekommen. Ganz romantisch auf einem Bett-Tablett, welches ausgiebige und irreversible Spuren enthält von Filzstiften, Flüssigkleber und ähnlichem Material, mit dem man bettlägerige Kinder beschäftigt. Mitten in meinem oben beschriebenen Tohuwabohu, dafür Auge in Auge mit einem Huhn mit Silberblick…

Sieht doch ruhig und friedlich aus. Kathrin hat den Hühnern sogar Namen gegeben…

Und sonst? Die Passions- oder Fastenzeit hat begonnen. Es sieht so aus, als ob ich auf Schokolade verzichte… weil ich einfach nicht an die Dose mit den Süßigkeiten komme, die in der Küche auf dem Schrank steht. Und ich werde ganz bestimmt keinen danach fragen. Wenn ich die ersten Tage überstanden habe, fällt der Rest nicht mehr so schwer.

Habt einen schönen Sonntag, wo auch immer ihr ihn verbringt😃

Challenge Woche 8

Eine ganz merkwürdige Woche…

Da die Leerung der Papiertonne anstand, habe ich meine vielen rausgerissenen Gartentipps aus etlichen Jahrgängen einschlägiger Zeitschriften entsorgt. Nach dem Motto „Augen zu und durch“. Sonst hätte ich wieder angefangen, alles einzeln zu begutachten und am Ende das meiste behalten. An den Kleiderschrank bin ich auch mal gegangen und die alten Eierbecher waren auch „dran“. Mein altes Schiebehandy rief ebenfalls etwas nostalgische Gefühle hervor.

Den Abschluss der Woche bildete heute aber eine ganz besondere Aktion: die geerbten Eheringe meiner Eltern sowie der Vorsteckring meiner Schwiegermutter haben eine neue Aufgabe bekommen. Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden 😊.

Challenge Woche 7

In dieser Woche gibt es zwei Aussetzer: am Montag sind Daniela und ich gemeinsam mit „Sabine“ durch die Materialsammlung der Jugendarbeit gefegt und haben sozusagen fremdgeräumt. Kreativmaterial wurde (aus)sortiert, Stifte zu anderen Stiften gepackt, alle Bälle und anderen Sportsachen kamen in eine große Alukiste…

Danach war bei mir die Luft raus.

Und am Donnerstag haben Julia und ich einen Ausflug nach Bremen und zum Freizeitheim gemacht. Für die Freizeit im Sommer recherchiert. Das Universum Bremen ist ein tolles Mitmach-Museum, wo man ganz schnell wieder zum Kind wird … . Unser Freizeitheim haben wir auch unter die Lupe genommen. Letztes Ziel war der Landpark in Lauenbrück, aber als wir dort ankamen, regnete es dermaßen, dass wir uns den nicht mehr angesehen haben… Jedenfalls war ich abends so voller Eindrücke, dass nix mehr ging😏.

An den restlichen Tagen gab es ein buntes Durcheinander von Schubladenkram und Einzelteilen. Trotzdem macht es nach wie vor Spaß, sich täglich mit dem angesammelten Krempel eines halben Lebens zu beschäftigen.

Challenge Woche 6

Echt jetzt? Wir sind schon bei Woche 6? Ich musste erst nochmal nachschauen…

Die Woche war ausmist-technisch etwas konfus. Seit November standen große Kartons bei mir im Büro, also richtig große. Und auch gleich sechs (!) Stück davon. In denen hatte Edgar von zwei Hardwarelieferanten neue PCs und Server für Kunden bekommen.  Aber als er zu den Buchhandlungen fuhr, packte er die Rechner ohne diese unförmigen Umverpackungen ins Auto, klar. Und die Kartons standen bei mir und bildeten eine Bastion vor dem Bücherregal. Aber vielleicht kann man sie ja noch gebrauchen?

Selbst wenn, und ich hätte da auch schon eine konkrete Idee, sie müssen auseinandergenommen und von jeglichem Kunststoff befreit werden. Also ran an die Arbeit: Eine Stunde später war aus dem Turmbau zu Lerbeck ein niedriger Stapel Pappe und ein gelber Sack voll Füllmaterial und Packband geworden. Bis einschließlich Freitag widmete ich mich dann wieder diversen Schubladen, sortierte Bedienungsanleitungen und Garantiebelege aus von Haushaltsgeräten, die schon längst über den Jordan sind (dabei fegt mir ganz ungefragt „Swing low, sweet chariot…“ durch den Kopf 🙂 ).

Und jetzt kommt es, tadaaa: ich habe endlich die Abschlussbilanz meiner Buchhandlung geschreddert, von der ich mich auch Jahre nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist nie trennen mochte. Aber ganz ehrlich: Ich habe nichts davon, wenn ich das Dokument meines Scheiterns auch weiterhin aufbewahre. Es nützt niemandem, und außerdem habe ich auch inzwischen akzeptiert, dass Scheitern zum Leben dazugehört, ebenso wie das Gelingende. Zwei Seiten einer Medaille. (kleiner gedanklicher Ausflug: aber beide Seiten zu sehen und auch Scheitern zu akzeptieren, scheint im Moment nicht gerade Hochkonjunktur zu haben…)

Ein alter Schmuckkasten voller Modeschmuck meiner Mutter wurde auch gefilzt und erleichtert. Ich kann mit dem meisten Zeug eh nichts anfangen.

Zuletzt habe ich mich gestern und heute früh mit ganzen Jahrgängen des Hauskreis-Magazins beschäftigt. Ich hatte drei Stapel im Sinn: 1. Kann weg, 2. kann ich für FAQ/Osternacht gebrauchen, 3. Ist vielleicht was für die Kinderfreizeit dabei. Der erste Stapel war zum Glück der dickste. Und dann das Ringen: aber vielleicht kann ich die statt wegzuschmeißen noch fürs bible art journaling gebrauchen… NEIN! Hab ich jahrelang nicht reingeschaut, kommt weg. Und ich habe ja auch noch die Überreste der Stapel 2 und 3, die ich nicht brauche.

Es ist ein gutes Gefühl, etwas geschafft zu haben, auch wenn man es vielleicht nicht so unbedingt sieht wie bei den Kartons. Und in den Stehsammler kommen nun die Yacht-Zeitschriften von Edgar…

Challenge Woche 5

Ich wechsele jetzt mal den Schreibrhythmus aufs Wochenende. Da habe ich mehr Ruhe. Seit Dienstag widme ich mich täglich einer Schreibtisch-Schublade.

Was ich allein an Brillen aufbewahrt habe… die Zeiten kommen nie wieder, wo ich keine Gleitsichtgläser brauchte, also warum um alles in der Welt? Vermutlich weil ich jedes mal, wenn ich eine neue Brille bekomme, die davor als Ersatz an die Seite lege.

Und USB-Kabel, Mäuse, Disketten (könnten direkt ins Museum), Skatspiele (ich kann kein Skat und beabsichtige auch nicht, es zu lernen), Handys… aus den Augen, aus dem Sinn.

Im Augenblick finde ich es gerade ziemlich frustrierend, wie gedankenlos ich oft bin.

Denn ehrlicherweise ist es nichts anderes als die Vertagung einer Entscheidung: ist es wahrscheinlich, dass ich diesen Gegenstand, den ich in der Hand halte, weiterhin benutze? – Könnte ja eventuell irgendwann mal sein, und dann habe ich ihn ja und muss ihn nicht kaufen….

Nach 5-10 Jahren ist es meist in Vergessenheit geraten, dass das Teil existiert und es wird dann doch neu gekauft! Und ich bin eben nicht so super organisiert, dass ich eine Excelliste als Inventar anlege und darin vermerke, was sich wo befindet. Wenn ich so darüber nachdenke, möchte ich das eigentlich auch nicht sein. Nur etwas strukturierter täte mir gut.

Nobody ist perfect👩‍🎓

Challenge Woche 4

Ich hab das Gefühl, die Wochen gehen immer schneller vorbei. Schon wieder ist es Zeit für den wöchentlichen Rückblick.

Dieses Mal noch eine Porzellandose, von Mama. Früher war da immer entweder Fruchtgummi drin oder Salmiakpastillen oder diese schwarzen kleinen Hustenbonbons in der roten Dose (ich habe gerade akute Wortfindungsstörungen, mir fällt der Name einfach nicht ein). Es ist zu befürchten, dass es nicht die letzte ihrer Art sein wird, denn Mama hatte ein Schrankfach voll mit solchen Bonbonnieren und Co…

Der Kalender von 2018 kam endlich mal in den Müll, denn das längst vergangene Jahr kann auch er nicht zurückholen.

Ein Paar Buchstützen für Kinder (ach ja, auch noch von der Buchhandlung) musste ebenso dran glauben wie ein Paar Kerzenleuchter. Beides geht in die Kiste mit der Aufschrift „Spenden“, ebenso wie diese … Armbanduhr, von der ich nicht mal weiß, wie sie in meine Schreibtischschublade kam. Office-Tools von Tiki Küstenmacher inklusive Fax-Vorlagen hatten ebenfalls ein Dunkeldasein gefristet und sind eindeutig überholt.

Zu guter Letzt kommt heute mal wieder ein Topf Basilikum auf den Kompost. So gern wir alle Basilikum mögen, es scheint nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Egal ob in der warmen Küche oder in der kühleren Waschküche, länger als drei Wochen überlebt das Zeug einfach nicht bei mir.

Ermutigt durch zaghafte Erkundungen meiner Schreibtischschubladen habe ich mich nun entschlossen, ab jetzt eine Schippe draufzulegen: Ab heute nehme ich mir täglich EINE Schublade vor. Das scheint mir eine erträgliche Dosis zu sein, der Kompromiss zwischen „Da muss jetzt dringend mal Ordnung rein“ und „Aber alles auf einmal geht doch auch nicht und so viel Platz hab ich auch gar nicht in der Mülltonne“. Außerdem dürfte sich der Frustrationslevel, so viel unnötigen Kram gehamstert zu haben, im Zaum halten.