Amazing grace

Leann Rimes – Amazing Grace – YouTube

Dieses Lied hat sich schon sehr früh in meinem Leben in mein Herz geschlichen (oder gesungen), da wusste ich weder, was der Text bedeutete noch wer es in welcher Situation geschrieben hatte.

Irgendwie hatte es dieser Gospelsong auf das Hausputz-Tonband meiner Mutter geschafft, gemeinsam mit Schlagern und Popsongs der endenden 60er und beginnenden 70er Jahre. Und schon als kleines Mädchen konnte ich in dieses Lied tief eintauchen, der Klang und die Melodie berührten mich tief im Herzen (obwohl es damals ja noch nicht von LeAnn Rimes gesungen wurde). Ich glaube, wegen dieses Liedes lernte ich, wie man Tonbänder spult😄. Denn ich heulte jedes Mal wie ein Schlosshund und konnte mich da auch richtig reinsteigern. Mit 5 Jahren hielt ich es noch für abgrundtief traurig, es gab auch leider niemanden in der Familie, der mir den Text hätte übersetzen können, und doch: es brachte eine Saite in mir zum Klingen, die zwar immer mal wieder ruhiger wurde, aber nie mehr aufhörte zu vibrieren.

Bewusst lernte ich die „erstaunliche Gnade“ erst einige Jahre später kennen und noch viel später verstand ich sie auch nur ansatzweise. Bis heute kann ich das Lied kaum ohne Augenpipi hören, und auch wenn ich selbst es singe, laufen mir die Tränen, aber nicht, weil es so traurig ist, sondern weil es die ultimative Hoffnung auf den Punkt bringt. Ohne diese Hoffnung wäre mein Leben nicht vollständig.

Zur Entstehungsgeschichte schaut doch mal hier.

Tag der Erinnerungen…

Irgendwie ist heute ein Tag, der viele Erinnerungen bringt, danke Christiane und Puzzleblume, das Schreiben mit euch wühlt heute in mir.

Ich musste dann eben doch glatt mal googeln, wie der Song hieß, der immer die Jugenddisco im Dorfgemeinschaftshaus des Nachbarortes eröffnete. Was soll ich sagen, ich hab es gefunden🥳

https://youtu.be/FsFEIPvHkTo

Kopfkino: Vokuhila, Jeans mit weißen Biesen, Satinbluse mit mächtigen Schulterpolstern, Stiefeletten aus babyblauem Nubukleder🙈. Wir waren jung und liefen den Trends hinterher.

Tragische Corona-Liebesgeschichte – ohne Happy End

Die letzten Wochen habe ich eindeutig zu viele Politik-Podcasts gehört und zu wenig Musik. Heute zum Putzen habe ich mir eine neue Playlist erstellt und siehe da, aus vielen der Songs konnte ich eine tragische Geschichte für die aktuelle Situation zusammenbasteln. Ziemlich denglisch, etwas um die Ecke gedacht, aber immerhin:

Die letzten Monate waren langweilig. Immer saß sie nur dort, Spending my times watching the days go by. Das Bruttosozialprodukt im Eimer, naja, Life is a rollercoaster… Plötzlich bekam sie eine WhatsApp-Nachricht: „Every thing I do, I do it for you, That’s amore!“ Sie schrieb zurück: „Girls just wanna have fun, I wanna dance with somebody„. Er wieder: „I can’t dance“ Etwas unwillig antwortete sie: „Ich gehe tanzen. With or without you!“

Er flehte: „Nein, bitte: Let it be! We don’t need another hero! Aber na gut, ich gehe mit. Alles aus Liebe. I was made for loving you“ Sie dachte nur „What’s love got to do with it?“All for love zog er mit ihr durch die Straßen. Spät am Abend bat er: „Tell me if you wanna go home, Can you feel the love tonight? You’ll be in my heart

Ach was soll’s, dachte sie, Life is for living und I want it that way und ging mit ihm nach Hause. In der Nacht flüsterte er ihr zu: „I wanna see Daylight in your eyes“ und sie fragte neckisch zurück: „Und If tomorrow never comes?“ Doch bald ging die Sonne auf, Morning has broken. Sie hatten dann noch Another day in paradise, doch nach einigen Tagen fragte sie ihn „Every breathe you take funktioniert ja immer schlechter!“ Er kam ins Krankenhaus und ehe sie ihn in Narcotic versetzten, brach es aus ihm heraus: „Stayin‘ alive ist alles was ich will, aber I’ve had the time of my life.“ Als sie ihn unterbrechen wollte, flüsterte er noch: „Don’t stop me now! Ich find dich scheiße! Du trägst keine Liebe in dir! It’s my life, mit dem du gespielt hast! Weißt du, was du tust? Killing me softly! I just died in your arms!“

Am Tag, als Conny Kramer starb, fühlte sie sich wie ein Zombie Out oft he dark. Voller Selbstvorwürfe dachte sie: Warum hatte ich bloß nicht mehr Self control? If I could turn back time… Sie hatte eine Total eclipse of the heart und fragte sich Who wants to live forever?

Am Grab stand sie, die Lady in Black, Black Velvet. Sie entzündete eine Candle in the wind und versprach: „I will always love you.“ Vom Band wurde die Unchained melody gespielt. Sie sinnierte reuig: Werde ich jetzt Livin‘ on a prayer können oder bin ich Losing my religion? Es war doch nur ein Schrei nach Liebe.

So verging der Circle of life, der Winter und der Frühling verging, der Sommer kam ins Land. Everybody dachte, haben wir alles Nur geträumt? What a wonderful world! Sie tanzten Mambo No 5 All summer long, fuhren Ab in den Süden zum Sailing, feierten das Leben Let’s get loud und hofften So soll es bleiben! Wouldn’t it be good? Und so ging es, bis am Ende der Ferien die allgemeine Aufforderung kam: Take me home, country roads!

Uff. Schräg, makaber und das weibliche Wesen kommt eindeutig ziemlich schlecht dabei weg, sorry Mädels. Aber das war die Musikauswahl, nicht ich🤣. Die Männer mögen sich gebauchpinselt fühlen.

Ich versuche in den nächsten Tagen noch ein bisschen mehr Songs für bessere Stimmung zu finden, oder ihr schreibt mir einfach eure Geschichten mit dem Soundtrack eures Lebens…

Einen schönen Sonntag Abend.

Prinz im Pullover

Lange Zeit, ehe es die berühmt-berüchtigten „Agathe-Bauer-Songs“ oder den „weißen Neger Wumbaba“ gab, war ein Running Gag meiner Mutter der Prinz im Pullover. Es war zu Beginn der 1970er Jahre, mein Bruder hatte eine tolle, selbstzusammengebaute Stereoanlage, die aus Plattenspieler, Radio, großen Lautsprecherboxen (soweit dürften die Begriffe auch heute noch bekannt sein) und einem Tonbandgerät (wer da jetzt nicht mehr mitkommt, kann das gern googeln, aber ich schätze mal, die überwältigende Mehrheit der geneigten Leserschaft weiß, was ich meine😉).

Da meine Mutter beim Putzen gern Musik hörte (sämtliche Türen im Haus standen dabei offen, denn dieses Teil war ja nicht so transportabel wie ein Ghettoblaster oder gar ein MP3-Player), hatte mein Bruder ihr ein Tonband für diesen Zweck zusammengestellt. Jedenfalls hat sie mir das so erzählt, ich selbst interessierte mich im zarten Alter von 2-4 Jahren noch nicht für diese Dinge.

Wenn ich mich richtig erinnere, waren so Knaller wie „Am Tag, als Conny Kramer starb“ auf diesem Band, möglicherweise auch Freddy Quinns „Junge, komm bald wieder“. Aber was mir dauerhaft in Erinnerung geblieben ist, das ist der besagte Prinz im Pullover. Zu Mamas Entschuldigung muss ich erwähnen, dass sie nie Englisch gelernt hat, aber wenn sie lauthals mitsang, dann sang sie eben dieses. Erst Jahre später erfuhr ich, dass der Song eigentlich „Crimson and Clover“ hieß und aus meinem Geburtsjahr stammte.

Ich habe mir eben mal den auf deutsch übersetzten Text durchgelesen und das Video angeschaut. Bei beidem kann ich nur vermuten, dass die Musiker vorher irgendwas experimentelles eingeworfen oder geraucht hatten. Aber mach dir gern selbst mal ein Bild:
https://www.youtube.com/watch?v=XS0niyiKlcw

Manchmal kann ich einfach nicht umhin, mich zu fragen, warum in aller Welt man sich jeden Schrott merkt, während man bei wichtigen Dingen immer vergesslicher wird…

Der Soundtrack meines Lebens

Bei einem Streamingdienst habe ich mir eine Playlist angelegt mit vielen Songs, die mir in meiner Jugend und in meinen 20ern viel bedeutet haben. Sie heißt „When I was young“. Denn auch wenn mir das meistens nicht wirklich im Bewusstsein ist, diese Zeit ist einfach vorbei. Bei vielen Songs davon kann ich heute noch sofort mitsingen oder habe sogar das Musikvideo vor Augen (gerade läuft nebenbei „Take on me“ von a-ha, wohl neben „Thriller“ von Michael Jackson das Video, was mir noch am besten in Erinnerung ist).

Es gibt auch solche Songs, die mit ganz anderen Ereignissen verknüpft sind. So hatte ich um die Jahrtausendwende herum ein Album von Sinead O’Connor, das ich mir später nie wieder anhören konnte, ohne an 9/11 zu denken, weil bei den Fernsehbildern der einstürzenden Türme des World Trade Centers immer „Only time“ im Hintergrund abgespielt wurde.

Aber auch dieses gehört dazu:

Die Szenen im Video stammen aus dem Film „Schrei nach Freiheit“ nach dem Buch von Donald Woods, verfilmt von Sir Richard Attenborough

Fast 43 Jahre (am 12. September) ist es her, dass Steve Biko an den Folgen der Misshandlungen starb, die ihm im Polizeigewahrsam zugefügt wurden. Ja, vieles hat sich seither verbessert, die Apartheid ist abgeschafft worden. Aber wer meint, es ist gut geworden, verschließt die Augen vor der Realität, die in den meisten Teilen der Welt und auch hier in Deutschland, bis heute Menschen nach Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung teilt und in Schubladen packt.