Prinz im Pullover

Lange Zeit, ehe es die berühmt-berüchtigten „Agathe-Bauer-Songs“ oder den „weißen Neger Wumbaba“ gab, war ein Running Gag meiner Mutter der Prinz im Pullover. Es war zu Beginn der 1970er Jahre, mein Bruder hatte eine tolle, selbstzusammengebaute Stereoanlage, die aus Plattenspieler, Radio, großen Lautsprecherboxen (soweit dürften die Begriffe auch heute noch bekannt sein) und einem Tonbandgerät (wer da jetzt nicht mehr mitkommt, kann das gern googeln, aber ich schätze mal, die überwältigende Mehrheit der geneigten Leserschaft weiß, was ich meine😉).

Da meine Mutter beim Putzen gern Musik hörte (sämtliche Türen im Haus standen dabei offen, denn dieses Teil war ja nicht so transportabel wie ein Ghettoblaster oder gar ein MP3-Player), hatte mein Bruder ihr ein Tonband für diesen Zweck zusammengestellt. Jedenfalls hat sie mir das so erzählt, ich selbst interessierte mich im zarten Alter von 2-4 Jahren noch nicht für diese Dinge.

Wenn ich mich richtig erinnere, waren so Knaller wie „Am Tag, als Conny Kramer starb“ auf diesem Band, möglicherweise auch Freddy Quinns „Junge, komm bald wieder“. Aber was mir dauerhaft in Erinnerung geblieben ist, das ist der besagte Prinz im Pullover. Zu Mamas Entschuldigung muss ich erwähnen, dass sie nie Englisch gelernt hat, aber wenn sie lauthals mitsang, dann sang sie eben dieses. Erst Jahre später erfuhr ich, dass der Song eigentlich „Crimson and Clover“ hieß und aus meinem Geburtsjahr stammte.

Ich habe mir eben mal den auf deutsch übersetzten Text durchgelesen und das Video angeschaut. Bei beidem kann ich nur vermuten, dass die Musiker vorher irgendwas experimentelles eingeworfen oder geraucht hatten. Aber mach dir gern selbst mal ein Bild:
https://www.youtube.com/watch?v=XS0niyiKlcw

Manchmal kann ich einfach nicht umhin, mich zu fragen, warum in aller Welt man sich jeden Schrott merkt, während man bei wichtigen Dingen immer vergesslicher wird…

Der Soundtrack meines Lebens

Bei einem Streamingdienst habe ich mir eine Playlist angelegt mit vielen Songs, die mir in meiner Jugend und in meinen 20ern viel bedeutet haben. Sie heißt „When I was young“. Denn auch wenn mir das meistens nicht wirklich im Bewusstsein ist, diese Zeit ist einfach vorbei. Bei vielen Songs davon kann ich heute noch sofort mitsingen oder habe sogar das Musikvideo vor Augen (gerade läuft nebenbei „Take on me“ von a-ha, wohl neben „Thriller“ von Michael Jackson das Video, was mir noch am besten in Erinnerung ist).

Es gibt auch solche Songs, die mit ganz anderen Ereignissen verknüpft sind. So hatte ich um die Jahrtausendwende herum ein Album von Sinead O’Connor, das ich mir später nie wieder anhören konnte, ohne an 9/11 zu denken, weil bei den Fernsehbildern der einstürzenden Türme des World Trade Centers immer „Only time“ im Hintergrund abgespielt wurde.

Aber auch dieses gehört dazu:

Die Szenen im Video stammen aus dem Film „Schrei nach Freiheit“ nach dem Buch von Donald Woods, verfilmt von Sir Richard Attenborough

Fast 43 Jahre (am 12. September) ist es her, dass Steve Biko an den Folgen der Misshandlungen starb, die ihm im Polizeigewahrsam zugefügt wurden. Ja, vieles hat sich seither verbessert, die Apartheid ist abgeschafft worden. Aber wer meint, es ist gut geworden, verschließt die Augen vor der Realität, die in den meisten Teilen der Welt und auch hier in Deutschland, bis heute Menschen nach Herkunft, Hautfarbe, Religion oder sexueller Orientierung teilt und in Schubladen packt.