Pause

Der Sommer legt eine Pause ein. Das ist weder besonders gut noch besonders schlecht, es ist einfach so. Unterschiedlich sind nur unsere Sichtweisen darauf.

Ein Landwirt, der noch mit der Getreideernte beschäftigt ist, kann zurzeit keinen Regen gebrauchen.

Eine Wandergruppe verzichtet wegen der Laune der TeilnehmerInnen vermutlich auch lieber darauf, stundenlang im Nassen unterwegs zu sein.

Jemand, der auf Hitze und Sonne gesundheitlich angeschlagen reagiert, freut sich dagegen über Wetter zum Durchatmen.

Die Geschäftsführerin der Stadtwerke, die den Überblick über die Trinkwasservorräte in ihrem Zuständigkeitsgebiet behalten muss, sehnt den Regen möglicherweise geradezu herbei.

Einunddasselbe Wetter bestätigt für manche Menschen die Auswirkungen des Klimawandels, während es anderen die Gewissheit gibt, dass es einfach nur Wetter ist, das es schon immer mal gegeben hat.

Und selbst in mir ruft die Wetterlage widerstreitende Gefühle hervor. Wenn ich morgens um halb sechs aufstehe und die Hunde rauslasse, ist es noch so dunkel, dass ich mit dem Auffüllen des Vogelfutterhauses lieber warte, bis ich besser sehen kann. Und eine kühle Luft streicht um meine Beine. Ich mag diese Morgenstimmung, sie ruft auch in mir drin ein Gefühl der Ruhe wach. Aber sie kündet auch von der Vergänglichkeit, vom Ende des Sommers, vom sich immer drehenden Rad der Jahreszeiten. Und gibt damit auch der Melancholie Raum.

Der Frauenmantel wartet auf den Friseur, während der Borretsch unverdrossen blüht und die Bienen ernährt. Das Springkraut springt munter vor sich hin und erobert mit den Brennsesseln gemeinsam die Kiesfläche (die eigentlich eine kleine Sitzmöglichkeit beherbergen sollte).

So wie auf dem Foto streiten das Bedürfnis nach einer gewissen Ordnung und die kindliche Freude am Chaos in mir. Und wie auch auf den folgenden Bildern, die ich recht schnell und nebenbei heute früh aufgenommen habe, finde ich überall den Kontrast und auch die Notwendigkeit von Werden und Vergehen.

Die Brombeeren wachsen einfach überall, sie sind wie ungebetene Gedanken, die sich mitten in der Planung für ein Projekt ausbreiten und auch vor bereits abgetöteten Vorhaben nicht Halt machen.

Kürbisse sind faszinierend, sie wachsen besonders gut auf Abfällen, auf Kompost oder Mist. Farbenfroh, schön anzusehen und auch noch gleichermaßen lecker und gesund. Vielleicht sollten wir öfter mal Kürbisse zum Vorbild nehmen und überlegen, was wir aus dem Mist unseres Lebens machen können?

Die Hagebutten werden mal wieder nicht alle gleichzeitig reif. Die wilde Rose, an der sie wachsen, ist aus einem Wurzelüberrest einer zartlila Edelrose entstanden, die meine Mutter vor ungefähr 40 Jahren gepflanzt hatte, die aber nie so richtig was wurde, weil Rosen nun mal nur mit viel Zwang dazu gebracht werden können, hell-lila zu blühen. Irgendwann hatte ich die Faxen dicke mit diesem Kümmerling und buddelte sie aus. Nach einigen Jahren und mit viel Überlebenswillen erblickte dann dieser wilde Abkömmling das Tageslicht und darf seither dort wachsen. Vereinzelte radikale Kurzhaarschnitte nimmt sie mir bis heute nicht übel. Und nun stehe ich wie jedes Jahr davor und überlege, ob es für Marmelade reicht, ob ich die Früchte für Tee trockne oder ob sie einfach Powerfood für die winterliche Ernährung der Spatzen und Meisen bleiben, die nebenan im Wacholder wohnen.

Noch nicht fertig ist der Holunder. Ich freue mich, wenn ich ihn bald ernten und zu Gelee und Saft verarbeiten kann. Denn zumindest die Marmeladenkocherei kann ich in Maßen wieder bewältigen. Andere Arbeiten haben immer noch Pause, große Pause sozusagen. Den kleinen Rasenmäher bekomme ich nicht in Gang , denn den Zug kann ich noch lange nicht betätigen. Beim Trecker kann ich den Fangkorb nicht ausleeren, dazu benötigt man auch die volle Kraft des rechten Arms, denn an der rechten Seite befindet sich der Hebel dafür.

Ich schneide Rosen, Brombeeren und ähnliches, aber spätestens nach einer halben Stunde ist Schluss, dann schmerzt der Arm und der Nacken, die Muskulatur ist eben zu Wackelpudding geworden (aber daran arbeite ich jetzt ja schon wieder). Alle Arbeiten, die viel Kraft oder Schwung oder vollen Aktionsradius erfordern, müssen noch ein paar Wochen warten.

Warten muss heute auch das Buch „Mensch Erde“, denn nach dem atemberaubenden Kapitel von gestern brauche ich eine Atempause, muss den Kopf freibekommen. Daher schreibe ich dieses und gehe gleich mal ein wenig Hausputz machen. Da auch das in den letzten Wochen eher in homöopathischen Dosen erfolgte, wegen wenig Beweglichkeit und Kraft, kann ich da wenigstens sicher sein, dass das Ergebnis sichtbar ist, im Gegensatz zu manchen „Klimaschutzmaßnahmen“.

Aber jeder Spitzenpolitiker, jede Anwärterin auf einen Posten in der zukünftigen Regierung, sollte ein Buchpaket als Pflichtlektüre bekommen. Und anschließend abgefragt werden, was denn so hängengeblieben ist vom Inhalt.

Gartenträume

Immer, wenn ich viel Zeit habe (also immer dann, wenn ich körperlich nicht so kann wie ich will), verwende ich viel Energie, zumindest in meiner Vorstellung den Garten zu gestalten.

Dummerweise stehen in puncto praktischer Arbeit das aktuelle und auch das vergangene Jahr unter keinem guten Stern, aber ich hoffe, es geht ab jetzt wieder aufwärts mit der körperlichen Belastbarkeit. Immerhin versuche ich augenblicklich, unseren Garten ausdrücklich positiv wahrzunehmen: nach eineinhalb Jahren Wildnis kann ich ziemlich genau die Bodeneigenschaften benennen anhand der Pflanzen, die freiwillig jede verfügbare Fläche erobern.

Haufenweise stehen mir Holz und verschiedenste Steine zur Verfügung, um Strukturen und Rückzugsorte zu schaffen, eine breite Palette an unterschiedlichen Tieren fühlt sich bereits wohl bei uns, was ich total schön finde, auch wenn mindestens die Hälfte der Erdbeeren von Igel, Mäusen und Ameisen verputzt wird. Seit zwei Wochen höre ich auch die Buchfinken wieder, ich hatte schon befürchtet, dass sie uns verlassen haben.

Eine Empfehlung am Rande sind die Gartenbücher aus dem Pala-Verlag (meine höchst persönliche Einschätzung, ich werde nicht vom Verlag unterstützt). Vor allem, wenn man nicht den 08-15 Standardgarten anstrebt.

Fotografisch ist es für mich gerade am einfachsten, meine Ideen für einen gezähmten Wildgarten mit romantischem Flair einzufangen. Es begeistert mich, dass die edle Austin-Rose sich so gut mit den Brennnesseln versteht und das kleine Grashüpferchen dort Zuflucht vor der heißen Sonne sucht. Ich gönne mir einige gefüllte Rosen, da ich ihr Unvermögen, Insektenhunger zu stillen, durch viele Wildstauden ausgleiche und sie andererseits die Meisen ernähren, die dort oft viele Blattlaus-Leckerbissen finden.

Eben habe ich mir noch bei „Nordstory“ im NDR zusätzlich Inspiration eingeholt in einem Beitrag über „offene Pforte“-Gärten rund um Hannover.

Und sonst so? Lese ich viel, höre Podcasts und mache mir Gedanken über die Zukunft unserer Gesellschaft. Ich stelle zunehmend fest, dass mich Identitätspolitik aufregt, weil ich zwar die Anliegen der Betroffenen sehr gut nachfühlen kann, aber fürchte, statt uns zusammenzuraufen, werden wir zu einem deutschlandweiten Kleinteilemagazin mit unheimlich vielen einzelnen Schubladen… Doch das wird ein eigener Beitrag, wenn ich wieder ordentlich am PC schreiben kann.

Ich wünsche euch, dass ihr wettertechnisch jetzt einfach mal Luft holen könnt und nicht den Keller auspumpen müsst🙂.

Einfach Sonntag

Heute früh, kurz nach Sechs. Diesig und verwunschen liegt meine häusliche Wildnis noch in ziemlicher Ruhe, bis auf die Vogeleltern, die schon ihren nimmersatten Nachwuchs füttern müssen. Bei uns in der Hausgemeinschaft kräht zum Glück noch niemand nach dem Frühstück, gut so, denn ich habe gestern Abend vergessen, Brötchenteig anzurühren. Der Bäcker macht aber erst um Sieben auf.

Gute Laune kam auf, als ich meinen Email-Eingang auf dem Handy sah:

Na gut, war noch niemand wach zum Abklatschen, aber eigentlich war mir das auch vollkommen wumpe. Da mache ich mir gerade Gedanken, ob der Zeitpunkt richtig war, um den Shop zu eröffnen, weil ich gezwungenermaßen ein paar Wochen Nähpause einlegen muss, und dann Peng! Verkauf. Also verplane ich die nächsten Abende, noch ein paar Erdbeerkörbchen und Topflappen zu erzeugen, damit ich den Shop weiter ausbauen kann. Etwas maritime Deko kommt auch noch dazu.

Nach dem Duschen höre ich aufgeregtes Gezwitscher von draußen, bei den jungen Spatzen stehen Löwenzahnknospen und Baden auf dem Programm, und obwohl sie das mit dem Picken schon sehr gut hinbekommen, muss Mama zwischendurch auch immer mal wieder ran.

Später weiß auch die Amsel das kühle Nass zu schätzen, aber in beiden Situationen habe ich leider nur die Handykamera zur Hand, und rangezoomt ist nicht so optimal. Außerdem wollten sich beide nicht im Bad, sondern nur nach dem Bad fotografieren lassen.

Und sonst so? Kurz vor der OP bringe ich mir noch selbst das Mähen mit der althergebrachten Handsense bei (die Sehne ist sowieso ab, was soll da noch kaputtgehen?), muss mir aber im Herbst einen Dengelhammer und -amboss besorgen, das Sensenblatt hat doch einige Scharten, und die werden nicht weggewetzt, sondern weggedengelt, soviel weiß ich schon. Wichtig ist auch, morgens zu mähen oder nach einem leichten Regen, denn trockenes Gras ist widerspenstiger. Ein Schwiegersohn würde gern mal mit der Motorsense mähen, aber obwohl das dann ratzfatz geht, reizt es mich nicht. Ich entdecke die langsame Handarbeit für mich.

Beim Lesen bekomme ich eine Gänsehaut nach der anderen und frage mich ernsthaft, was mit vielen Menschen los ist. Die Lektüre: „Die Shitstormrepublik“ von Nicole Diekmann. Ich werde beizeiten berichten, noch habe ich viel Buch vor mir…

Einen gesegneten Restsonntag und eine gute Woche wünsche ich euch.

Glatte Petersilie

Eine vergleichsweise harmlose Frage beschäftigt mich heute:

Ist es dir schon einmal aufgefallen? In sehr vielen Rezepten, bei denen man frische Petersilie benötigt, steht ausdrücklich drin: GLATTE Petersilie. Weil die aromatischer ist als die krause Sorte.

Spätestens in einem durchschnittlichen Supermarkt oder beim 0815-Discounter scheitert man an der Aufgabe, glatte Petersilie einzukaufen, sehr häufig grandios. Ob Bioqualität in Töpfen oder in Plastik verpackte Schnittware, meist bevölkert die gute, alte krause Petersilie die Kräuterabteilung. Manchmal stehen ein paar Töpfe mit stiefkindlich behandelter und entsprechend aussehender Glattpetersilie ganz hinten, die man dann zuhause erstmal wieder aufpäppeln muss. Oder das Kraut mit den glatten Blättern entpuppt sich als Kerbel.

Warum klaffen die Ansprüche der Rezeptentwickler und die Wirklichkeit der Einkaufsparadiese eigentlich gerade bei der Petersilie gefühlt so weit auseinander? Meine Mutter hatte früher reichlich Petersilie im Garten, aber auch immer nur die „Mooskrause“. Meine eigenen Versuche, Petersilie entweder zu säen oder zu pflanzen, sind bisher nur mäßig erfolgreich gewesen, denn irgendein Tier in unserem Garten freut sich immer über das leckere Grün oder dessen Wurzeln. Ist ja auch gut für die Fettverdauung…

Ich schätze, ich werde dieses Jahr einen exklusiven Platz im Hochbeet für glatte Petersilie reservieren, damit ich endlich beim Kochen auch mal in den vollendeten Genuss komme.

Ist das eigentlich ein ostwestfälisches Luxusproblem oder gibt es das auch anderswo?

Versöhnliches Ende

Zumindest der Januar geht so für mich zu Ende. Es wäre auch zu viel verlangt, wenn der erste Monat des Jahres gleich alle Probleme hätte lösen sollen. Weil die Probleme, die wir haben, nicht alle aus dem letzten Jahr stammen, sondern lediglich in kumulierter Form das alles auf uns loslassen, was sich über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte aufgebaut hat.

Aber gerade deswegen und für die Seelenhygiene ist es doch immer wieder wichtig, die schönen Seiten des Lebens und der Natur um uns herum auf uns wirken zu lassen.

Die Hagebutten leuchten immer noch, auch nach dem strengen Frost.
Ein wunderschöner Kontrast zu den kahlen Zweigen der wilden Rose und ein Bild dafür,
dass das Leben immer weitergeht.

Noch mehr Bilder aus unserem total verwilderten Garten, der aber bei frostigem Wetter viele verwunschene Fotomotive liefert, findest du hier

Es gibt ihn auch bei uns noch: Schnee!

Tja. Kurzes Gastspiel. Jetzt, wo ich zum Schreiben komme, ist er auch schon fast komplett wieder weg. Aber immerhin. Selbst vor ungefähr zwei bis drei Wochen, als auf unseren Gebirgszügen an der Porta Westfalica etwas Schnee lag und die Menschen das Sauerland stürmten, lag bei uns im Ort bestenfalls etwas „Puderzucker auf einer heißen Waffel“. Damit ich auch in der Zukunft noch weiß, dass es ganz sicher 2021 im Januar Schnee gab, liefere ich jetzt hier den Beweis.

Eigentlich hätte ich ganz gern ein Video hochgeladen, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich dafür auf Premium upgraden möchte. Reizvoll wäre es ja schon, ich muss mal etwas länger darüber nachdenken. Wer neugierig ist, findet das Video auf meinem Insta-Account. (Findest du auf meiner Seite „Über“)

Sommermorgen

Heute früh um viertel vor sechs hat mich nichts mehr im Bett gehalten, der frühe Spätsommermorgen lockt. Erstmal habe ich die Hunde mit einer Kaustange versorgt, draußen das Vogelhaus aufgefüllt, die Kaffeemaschine angeschmissen und dann alle Fenster weit aufgerissen. Meine Morgenroutine. Dann ein bisschen die Atmosphäre im Garten genossen. Nur 19 Grad, eine angenehme Kühle, die Natur atmet ebenso auf wie ich, denke ich. Der leichte Frühdunst lässt meine Wildnis etwas verwunschen erscheinen.

Auf dem Weg zum Regenspeicher konnte ich schon ein paar Brombeeren naschen. Taufeucht, kühl und süßsauer zergehen sie auf der Zunge. Das Gemüse an der Hauswand bekommt ordentlich Wasser, ich den ersten Kaffee. Unwillkürlich kommt mir ein Liedanfang in den Kopf „Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang…“, vielen wahrscheinlich eher bekannt als „Morning has broken“

Morning has broken like the first morning
Blackbird has spoken like the first bird
Praise for the singing
Praise for the morning
Praise for them springing fresh from the Word

Sweet the rain’s new fall, sunlit from heaven
Like the first dew fall on the first grass
Praise for the sweetness of the wet garden
Sprung in completeness where His feet pass

Mine is the sunlight
Mine is the morning
Born of the One Light Eden saw play
Praise with elation, praise every morning
God’s recreation of the new day

Morning has broken like the first morning
Blackbird has spoken like the first bird
Praise for the singing
Praise for the morning
Praise for them springing fresh from the Word

Übrigens ist es kein originärer Song von Cat Stevens, sondern die Melodie eines alten gälischen Volksliedes, für das die Kinderbuchautorin Eleanor Farjeon Anfang der 1930er Jahre einen Text für eine geistliche Liedersammlung schrieb. In der deutschen Textfassung steht es im evangelischen Gesangbuch und wie ich über Wikipedia herausfand, auch in der österreichischen Ausgabe des Gotteslob der katholischen Kirche.

Ich bereite mich auf meine heutige Aufgabe im Gottesdienst vor, genieße noch ein wenig die wunderbare Morgenatmosphäre, ehe die angekündigte Hitze des Tages mich ausbremst und freue mich schon auf die kommenden Spätsommerwochen; eine Jahreszeit, die ich immer wieder mit einer Mischung von Abschiedswehmut und Vorfreude auf die neue Jahreszeit erlebe.

Ich wünsche euch einen gesegneten Sonntag.

In die Gegend gedacht

Nach der Bücher-Challenge brauchte ich eine Pause. Es ist doch anstrengend, wenn auch nicht körperlich, jeden Tag einen Beitrag rauszuhauen oder für mehrere Beiträge vorzuschreiben, quasi auf Kommando. Wobei ich mich nicht beschweren will, denn es hat mich niemand gezwungen, mitzumachen. Es ist nur anders als einfach ins Blaue zu schreiben, wie der Schnabel gewachsen ist, weil gerade eine Idee im Kopf Form annimmt. Trotzdem hat ein vorgegebenes Thema Vorteile, weil man sich auch mit ungeliebten Gedankengängen beschäftigen muss. Denn das ist eine Qualität, die wir durch die diversen Filterblasen und Algorithmen der „sozialen“ Medien zunehmend verlernen oder zumindest vermeiden.

Jetzt ist es Samstag, 10:26 Uhr, und ich sitze hier schwitzend vor dem PC. Um 6 Uhr bin ich aufgestanden, habe Kaffee gekocht, die Gemüsepflanzen draußen ausgiebig gewässert und etwas Zeitung gelesen. Immerhin ist Samstag. Nach dem Frühstück habe ich im Nachthemd (unbestrittener Vorteil, wenn man einen großen und eingewachsenen Garten hat) die Terrasse gefegt, weil sie noch im Schatten lag. Duschen und Einkaufen folgte. Und eben habe ich zumindest noch das kleine Stück Wiese an der Terrasse gemäht, weil wir heute Abend mit allen Kindern und Schwiegerkindern grillen wollen. Als wir das verabredet hatten, haben wir im Traum nicht damit gerechnet, dass der Sommer 2020 mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke um die Ecke kommt. Naja, ist eben HOCHsommer.

Blick aufs Handy, der DWD sendet eine Hitzewarnung der Stufe 1. Da wäre ich ohne nicht drauf gekommen. Immerhin war um 9:30 Uhr schon 25 Grad im Schatten. Das Regionalforstamt OWL lässt ab heute Waldbrandkontrollflüge über die Senne und den Teutoburger Wald fliegen, also auch bei uns hier. – Ich brauche die Hitze jetzt echt nicht mehr. War ich im Frühjahr durch die kaputten Sehnen gehandicapt, steckt mir jetzt die Hitze in den Gelenken. Wieder komme ich im Garten nicht so weiter wie ich es vorhatte. Die Wildnis nimmt überhand, inzwischen finde ich es nicht mehr ganz so schön wie vor drei Monaten. Aber meckern hilft ja auch nicht, also freue ich mich an Blumen und Kräutern, die unvermutet irgendwo wachsen, ernte Brombeeren und versuche, hier und da den Wildwuchs in die Schranken zu verweisen. Momentan mit mäßigem Erfolg.

Wenn ich ehrlich bin, ist das Lamentieren über zu viel Vegetation ein Jammern auf ziemlich hohem Niveau, verglichen mit vielen Dingen, die auf der Welt geschehen. Ich bräuchte so viele Köpfe wie Medusa Schlangen auf dem Haupt trägt, um sie alle zu schütteln, wenn ich an die Demo in Berlin letzte Woche denke. Für mich persönlich ist es das Bedenklichste daran, dass Menschen, die teilweise berechtigte Anliegen vertreten und Finger in Wunden der Corona-Politik legen (die es ja tatsächlich gibt, denn auch die Politik tastet sich vorsichtig durch unbekanntes Terrain), keinerlei Scheu haben, mit Extremisten jeglicher Couleur, Verschwörungsideologen und solchen, die demokratische Prozesse am liebsten nutzen würden, um die Demokratie abzuschaffen, gemeinsam aufzulaufen. Das kann ich einfach nicht nachvollziehen.

Angesichts der menschlichen, wirtschaftlichen und letztlich auch sich anbahnenden politischen Katastrophe in Beirut kann ich nicht anders als dankbar sein, hier im recht sicheren Deutschland zu leben. Was da alles auf die sowieso schon instabile Region Naher Osten zukommt, können wir heute überhaupt noch nicht absehen. Aber es tut gut, wenn ich mitbekomme, dass Menschen aus den unterschiedlichen Gegenden des Libanon nach Beirut reisen, um beim Aufräumen zu helfen. Es tut gut, dass auch viele Staaten helfen, obwohl sie an der heimischen Corona-Front alle ihre eigenen Probleme haben. Es tut gut, dass angesichts des großen Leides sogar die mit dem Libanon verfeindeten Staaten Israel und Iran mit anpacken wollen, auch wenn man getrost vermuten darf, dass sie es nicht ganz uneigennützig tun.

Vieles geht mir durch den Kopf, wenn ich dieser Tage Zeitung lese oder Nachrichten schaue. Manches werde ich in der nächsten Zeit mal hier anreißen. Auch Themen, über die man zurzeit gern unterschiedliche Meinungen haben darf. Aber immer mit Respekt dem anderen gegenüber und der Bereitschaft, sachlich zu argumentieren.

Es ist Donnerstag…

… und es regnet. Unspektakulär, meinst du? Beides empfinde ich augenblicklich als wohltuend. (Bis auf die Tatsache, dass auf meiner Tastatur das „N“ klemmt, entspannt mich nämlich beides gerade enorm)

Fange ich mal mit dem Regen an. Der DWD hatte für gestern Abend über OWL Gewitter angekündigt. Aus Sorge um meine schönen Rosen im Garten hab ich deshalb alle mal fotografiert, so ist die Collage oben entstanden. Aber so oft ich auch das Regenradar befragte, es regnete im Südwesten, es regnete nordöstlich von uns, aber einige unbeugsame Gegenden: Ostfriesland, Münsterland und Ostwestfalen, bekamen nix ab. Ich mag nicht glauben, dass es an dem Menschenschlag dort liegt. Das eigentliche Problem für mich: meine Wassertanks sind fast leer, und ich habe begonnen, überall dort, wo Kalle buddelt, etwas zu pflanzen (wenn er das sowieso schon tut, kann es ja auch gleich zu etwas nütze sein, oder?) Ich muss also viel gießen. Es soll ja auch anwachsen. Heute früh verriet mir Google, dass ab 8:00 Uhr in Porta Westfalica Regen erwartet wird. Er kam dann wohl mit der deutschen Bahn, also zeitlich etwas großzügig ausgelegt pünktlich😁. Aber die Hauptsache: zurzeit zumindest ist es ein richtig schöner Landregen, nicht zu schwach, aber auch nicht zu stark. Meinetwegen darf das jetzt gern zwei Tage dauern.

Und es ist Donnerstag. Toll. Gibt es jede Woche, na und? Zur Erklärung: Donnerstag ist seit letzter Woche der einzige „normale“ Tag der Woche. Weil Kathrin donnerstags Präsenzunterricht in der Schule hat. Es ist ja nicht so, dass wir uns den Rest der Woche auf der Pelle hocken oder so, jeder von uns dreien sitzt meist im eigenen Zimmer und macht seinen Kram, aber irgendwie treffen wir uns zwischendurch immer mal wieder in der Küche oder auf der Terrasse und machen einen Schwatz, spielen mit den Hunden, also es ist irgendwie auch immer etwas Ferienatmosphäre dabei. Zumindest mein Tagesablauf ist davon immer wieder aus dem Trott gerissen. Das ist gar nicht unbedingt schlecht, ich habe nur öfter mal das Gefühl, ich schaffe dadurch nicht so viel. Andererseits hat es aber auch eine Qualität, denn die vier Jahre bis zu Kathrins Abi werden so schnell vorbei sein, und dann verlässt auch das letzte unserer Küken das Nest. Darüber denke ich lieber nicht so nach.

Und sonst so? Über Pfingsten habe ich bei meinen Stoffen eine spezielle Art von „Inventur“ gemacht. Also nicht so klassisch mit zählen und notieren, wovon wieviel da ist, sondern ich habe mir eine Kiste nach der anderen vorgenommen, ausgeleert, alle kleinen oder größeren Stücke gebügelt und bewertet, ob sie noch groß genug sind (so ab 4×4 cm), um damit zu nähen. Lange dünne Streifen wurden aussortiert, damit kann ich auch noch was anfangen, und durcheinander geratene Farben kamen wieder in die richtigen Kisten. Dabei kamen Erinnerungen an zurückliegende Nähprojekte, an Orte, wo ich die Stoffe erworben habe oder auch Aha-Momente: Ach, da habe ich also doch noch einen schlicht gelben Stoff für eine Rückseite? Hätte ich nicht gedacht… Die nächste Herausforderung, die im Hinterkopf lauert: Ich brauche eine vernünftige Preiskalkulation und die entsprechende Liste. Und zwar so, dass nicht alle potentiellen Käufer hinten rüberfallen, Stoffpreise und Arbeit aber trotz allem einen angemessenen Platz finden. Eine Idee habe ich schon, muss die aber jetzt in ein Excel-Kalkulationsschema gießen. Uff. Aber auch sowas gehört dazu. Die Nähmaschine muss noch ein paar Tage warten, aber zumindest habe ich das Quilttop für meinen ersten Auftrag schon soweit fertig. Es muss noch gequiltet werden und dann die Rückseite für das Kissen genäht werden.

Wieder Themenwechsel. Das geht hier zu wie in meinem Kopf, sorry. Seit einigen Tagen habe ich schon ein paar Zeitungsseiten auf dem Schreibtisch liegen, weil mir Themen aufgefallen sind, die in der letzten Woche in der Lokalpresse hochkamen und die ich ziemlich erwähnenswert fand. Um hier wieder Ordnung zu bekommen, verbrate ich die jetzt noch kurz und knackig:

Als erstes: Beim Kompostwerk unseres Entsorgers beklagt man, dass immer mehr Restmüll und Wertstoffe in den Biotonnen landen. Ich frage mich: Warum? Es liegt doch auf der Hand, dass am Ende alle Haushalte dafür zahlen müssen, wenn wegen des erhöhten Sortierbedarfs die Gebühren steigen und zudem die Qualität des gewonnenen Komposts deutlich sinkt. Klar kann es passieren, dass man mal den falschen Tonnendeckel hebt, aber wenn ich am Abend vor der Leerung der Biotonnen mit den Hunden durchs Dorf gehe, dann sehe ich aus manchen Biotonnen sogar oben die Restmülltüten mit nicht kompostierbaren Abfällen herausragen. Da die Tonnen nicht mehr von Müllwerkern an die LKWs gefahren werden, sondern mit automatischen Seitenladern gearbeitet wird, fällt das den Fahrern sicher nicht immer auf. Denn diese Tonnen müssten eigentlich stehen bleiben mit dem Vermerk an die Besitzer, sie mögen bitte erst mal selbst ihren Müll ordentlich sortieren…

Minden hat Busfahrermangel. Und es wird damit gerechnet, dass dieser sich verschärft. Aber gerade der ÖPNV sollte doch eine Hauptsäule der sich wandelnden Mobilität werden. Hm. Wenn sich die Lufthansa verkleinert, könnten doch Piloten …, aber die sind eindeutig überqualifiziert (obwohl, ein bisschen erinnert es schon manchmal an Tiefflüge, wenn die Busfahrer in die Kurven brettern, weil sie noch die Ampelphase erwischen wollen) und hätten dann wesentlich geringere Gehälter. A propos Lufthansa, ich hoffe schwer, dass die Bundesregierung als Anteilshalter der Lufthansa sich zwar nicht in die Flugpläne, dafür aber in die Steuergestaltung einmischt. Denn ein Konzern, der letztendlich von jedem einzelnen Steuerzahler gestützt wird, der sollte auch verdammt nochmal alle seine Steuern hier zahlen und sich fair verhalten. Punkt!

Die Rubrik „Mittagstisch“ ist eine Sammlung von Restaurants und Bistros in der Stadt, die mittags Essen (zum Mitnehmen) für alle anbieten, die nicht selbst kochen mögen oder bei der Arbeit etwas nahrhaftes in der Mittagspause essen wollen. Ich schaue da gern durch, auch zur eigenen Inspiration. Aber mit einer Vegetarierin im Haus und zwei Menschen, die nicht mehr bereit sind, Schlachthauskonzerne zu unterstützen, hat es nur noch wenig Wert. Fast jeder Anbieter (außer dem Fischbäcker) hat Fleisch an jedem Tag im Angebot. Und alles andere ist „Sättigungsbeilage“. Da steht noch viel Umdenken bevor.

Insgesamt stelle ich fest, dass mich in den Lockdownzeiten das Zeitunglesen mehr entspannt hat. Klar gab es die täglichen Corona-Meldungen, aber die Redaktion hat in der Zeit unheimlich viel Ermutigendes geschrieben, positive Dinge, die Menschen in unserer Region auf die Beine gestellt haben. Jetzt, wo immer mehr gelockert wird, kommt der alltägliche Wahnsinn aus Vor-Corona-Zeiten wieder: Meckerei an der Regierung, an Deutschland, an jedem Pups, der quer sitzt. Begehrlichkeiten von großen Lobbygruppen, Wirtschaftsverbänden, neoliberalen Akteuren. Alles weiter, höher, schneller! Weg ist die Demut, die Erkenntnis, dass es nicht immer so weitergehen kann.

Ich höre jetzt auf. Sonst ist meine positive Grundstimmung vom Anfang des Artikels völlig im Eimer. In diesem Sinne: Ich hoffe, du kannst auch das Geräusch von sanft fallendem Regen genießen und musst nicht fürchten, dass ein Sturzbach durch deinen Keller fließt. Einen schönen, ganz normalen Donnerstag!

Stunde der Gartenvögel

10:30 Uhr am Sonntagmorgen. Soeben haben die Glocken geläutet. Der erste Gemeindegottesdienst in Corona-Zeiten mit viel Verwaltungsaufwand. Edgar ist dabei, als Presbyter ist er mit diversen Aufgaben betraut. Ich habe mich dagegen nach vielem Nachdenken entschieden, dass ich noch nicht soweit bin.

Stattdessen sitze ich draußen auf der Bank und lobe meinen Herrn, indem ich seine Schöpfung oder zumindest einen kleinen Teil davon beobachte: Ich nehme an der „Stunde der Gartenvögel“ teil. Das alte Fernglas von SchwieMu, das Handy mit der Vogel-Bestimmungs-App und die Liste der Vögel, die ich in den letzten Wochen schon als Gäste begrüßt habe, liegt griffbereit.

Sie sind alle irgendwo. Ich höre sie in einem großartigen Durcheinander-Konzert (heute ist der Sonntag „Kantate“), das Tschilpen der Spatzen, die Sequenz der Kohlmeise (Blaumeisen haben wir dieses Jahr nicht, aber das ist ein anderes Thema), das charakteristische Zilp-Zalp des gleichnamigen Sängers, … aber keiner lässt sich blicken.

Ah, Moment! Diese lange Abfolge von Tönen kann nur einer sein: Die Mönchsgrasmücke. Da ist sie: Sie nascht am Samen der letztjährigen Brennesseln, deren Skelette noch am Gartenzaun stehen. Aber die meisten lassen sich nur hören. Gilt das auch?

Wir haben dieses Jahr sogar einen Gelbspötter, sozusagen der Comedian unter den Gartenbewohnern. Er imitiert in einer ziemlich langen Gesangseinlage verschiedene andere Vögel. „Unserer“ hat unter anderem einen Kuckuck und sogar einen Hahn im Repertoire.

Den Geräuschen nach zu urteilen müssten wir sogar schon wieder einen jungen Buntspecht haben, der seine Mama durch die Gegend kommandiert. Über diese Vogelteenies, die ihre Mütter absolut im Griff haben, habe ich mich voriges Jahr schon amüsiert.

Ich spiele jetzt mal auf dem Handy die Stimmen derer ab, die auf meiner Liste stehen. Mal sehen, wer antwortet. Ja, der Buchfink ist da, er muss gut getarnt im Haselstrauch sitzen. Die Mönchsgrasmücke antwortet auch, aber die habe ich ja auch schon gesehen. Ob sie wieder im Rhododendron brütet wie letztes Jahr? Jedenfalls ist sie einer der lautstärksten Gartenbewohner, sie spielt da in einer Liga mit den Zaunkönigen, von denen sich gleich mehrere bei uns wohlfühlen.

Ich habe ein Kohlmeisenpärchen angelockt. Sie sitzen vier Meter Luftlinie von mir entfernt in der Zierkirsche und beäugen mich. Nebenbei picken sie Insekten von den Ästen. Kohlmeisen sind die Beschützer meiner Rosen, denn sie mögen ganz besonders gern Blattläuse.

Jetzt flappt ziemlich laut die Taube durchs Bild, die „Transall“ unter den Vögeln. Die Spatzen kommen zum frühen Lunch ans Vogelhäuschen.

Amseln, Singdrossel, Rotkehlchen, Elster und andere entziehen sich dem Zensus. Die Stare kommen sowieso erst, wenn die Kirschen sich färben.

Die Stunde ist um, jetzt muss ich überlegen, ob ich die akustischen Beobachtungen mitzähle.

Das Beitragsfoto zeigt eine kleine Auswahl der beliebtesten Quartiere unserer Vögel. Rosen, Wacholder, Zierquitte und Brombeeren haben genügend Piks-Potenzial, um die Katzen fernzuhalten. Und Vogelhaus mitsamt Haselgebüsch sowie die Kletterhortensie sind nah genug am Haus, dass sich die Samtpfoten dort nicht blicken lassen, weil Kalle und Lucy sie bewachen. Die Hunde werden von den Vögeln nicht als Gefahr, sondern als Lieferanten von superkuscheligem Nistmaterial angesehen. Sie saufen höchstens mal die Vogeltränke leer.