Challenge 2020

Am 29. Dezember des vergangenen Jahres (wie sich das anhört…) saß ich am Schreibtisch und versuchte ihn aufzuräumen. Weil ich das immer um die Jahreswende mache. Wie ziemlich oft in letzter Zeit machte sich mein Hirn selbständig und suchte nach einer Herausforderung neben diesem stupiden Zeug wie „alte Quittungen wegschmeißen“ und so weiter. Und so entstand diese Idee, die ich dann in einer WhatsApp an einige Frauen aus meinem Freundeskreis schickte:

Hallo Mädels. Weil ich heute so ganz zwischen zwei Jahren feststecke, ist mir eben eine verrückte Idee gekommen. Das nächste Jahr hat 366 Tage. 366 Gelegenheiten, sich von Sachen zu trennen. Und zwar täglich genau von einem Teil. Geht schnell, fällt nicht so auf und schafft Platz in den Schränken und im Kopf. Seid kreativ und karitativ beim Loswerden und postet gern eure Erfolge (und auch die Misserfolge). Muss ja nicht zwingend täglich sein 🙂 . Wer von euch keine Lust hat, entfernt sich einfach aus der Gruppe. Los geht’s am 1. Januar!

Ich war total verblüfft, dass sich zumindest fünf von ihnen direkt gemeldet haben, weil sie die Idee interessant fanden. Gemeinsam ist uns die Wahrnehmung, dass es aber vermutlich bei der täglichen Umsetzung Probleme geben könnte, aber hey, es heißt ja nicht umsonst „Challenge“. Außerdem hängt bei keiner von uns das Leben und das Glück davon ab, es durchzuziehen.

Gestern fragte Daniela mich, wie ich denn darauf gekommen bin.

Sitzt du bequem? Hast du Essen und Trinken in der Reichweite und eine gute Blase? Wenn ich jetzt in epischer Breite erzähle, wie es dazu kam, könnte es dauern… 😉

Mir ist in den letzten zwei Jahren immer mal wieder aufgefallen, dass sich meine Prioritäten zunehmend ändern. Als junge Frau dachte ich oft, dieses müsste ich noch haben und jenes würde das Leben angenehmer und bequemer machen. Es gab diverse „Must haves“ (ich sag nur „Tupperparty“!!!) und außerdem haben Edgar und ich zu einer Zeit geheiratet, als man noch „Hochzeitstische“ im örtlichen Kaufhaus zusammenstellte (naja, der Vorteil war immerhin, dass man dann nicht unbedingt zig Garnituren potthässlicher Bettwäsche bekam wie mein Bruder und meine Schwägerin einige Jahre zuvor).

Jedenfalls, ich sitze heutzutage hier mit einem Berg von selbst angeschafften und geschenkten Dingen, die mir irgendwann unabdingbar schienen, die ich aber inzwischen teilweise als Ballast, als Belastung empfinde. Ich bin keineswegs undankbar für diese Geschenke und auch nicht dafür, dass wir die Mittel hatten, uns vieles anzuschaffen. Ich habe nur festgestellt, dass viele dieser Dinge ihre Zeit hatten, die aber abgelaufen ist.

Zu diesen Dingen kommen noch die vielen Nippessachen, Geschirr, Kristallvasen, Karaffen etc. von unseren Müttern (und teilweise sogar von Großeltern), die den Keller und den Dachboden verstopfen. Ja, es fühlt sich tatsächlich wie Verstopfung an, es ist unbequem und schmerzhaft… Vieles ist aufbewahrt worden, weil eine Familientradition daran hängt.

Aber warum habe ich zum Beispiel immer noch die Urkunde zur 50jährigen Gewerkschaftszugehörigkeit meines Opas? Klar, weil ich immer noch stolz auf das bin, was mein Opa dargestellt und geleistet hat, obwohl er starb, als ich zwei Jahre alt war. Aber meine älteste Kindheitserinnerung hängt halt auch mit diesem Opa zusammen.

Die Dinge, welche die Wohnzimmerschränke unserer Mütter bevölkerten, konnten wir zum Teil nach deren Versterben nicht entsorgen. Zum einen hingen Erinnerungen daran, zum Teil wollten wir unseren Töchtern später die Gelegenheit einräumen, sich aus diesen Erbstücken etwas herauszusuchen. Und ein Gefühl der Pietätlosigkeit, wenn man sich zu früh von Sachen trennt, spielte auch eine Rolle.

O je, und ich muss auch von dem reden, was vermutlich jede stolze Mutter kennt: Die Kunstwerke sämtlicher Kinder, anfangs noch auf der Rückseite liebevoll mit Jahreszahl und Geschenkgelegenheit beschriftet, irgendwann angesichts der Massenproduktion kapituliert… Also Kinder, wenn ihr dieses hier lest, müsst ihr ganz stark sein: Ehe die eine oder andere von euch uns eventuell mit Enkelkindern beglückt, muss ich mal aussortieren. Einiges werde ich dann auch ganz bestimmt liebevoll aufbewahren, aber die 59 Bilder der blauen Kringelserie oder so müssen dann einfach mal den Weg alles Irdischen gehen. Qualität (z.B. Erinnerungswert) vor Quantität!

Natürlich will ich hier nicht nur andere durch den Kakao ziehen. Wenn ich an die Kisten mit Fotos denke aus der analogen Zeit, kommt mir das Gruseln. Aber auch da habe ich viele Leichen im Keller. Die immer wieder ähnlichen Fotos von kleinen Mädchen, die irgendwas veranstalten, was man als junge Eltern „sooo süß“ findet, das bei schonungslos ehrlicher Betrachtung für die inzwischen herangewachsenen Damen aber nur noch peinlich ist, die müssen auch dringend mal entrümpelt werden. Digital sieht es nicht besser aus, im Gegenteil. Eine Terabyte-Festplatte verleitet zu noch mehr Horterei.

Wie sieht das denn nun konkret aus? Sandra schrieb heute von der Philosophie Marie Kondos: Frage dich bei jedem Teil, ob es dich glücklich macht. Auch wenn ich persönlich so weit nicht unbedingt gehe, es hat was. Wenn du einmal hochscrollst zum Beitragsbild, siehst du links die Obstschale. Die haben wir zur Hochzeit bekommen, es sind auch sehr viele Generation von Äpfeln darin schrumpelig geworden (nein im Ernst, ich habe sie viele Jahre gut genutzt), aber jetzt passt sie leider nicht mehr in mein Leben. Zu bunt. Das mindert nicht die Wertschätzung für die Schale, denn ich suche jetzt einen lieben neuen Besitzer dafür, der auch weiterhin gut zu ihr ist.

Rechts oben der Krug, da denkst du bestimmt: Okay, der ist ein klarer Fall für die Tonne. Weit gefehlt. Wenn es im Winter mal so richtig kalt ist und man möglicherweise eine Schneeballschlacht hinter sich hat, dann muss es aus dieser und keiner anderen Kanne Kakao geben. Richtigen Kakao, keinen Instant. Das ist eine Institution und hängt mit dem wohligen Gefühl aus meiner Kindheit zusammen. Das ist Lebensqualität. Auch wenn solche Winter wahrscheinlich zunehmend seltener werden.

Darunter ist eine Tasse mit Garfield drauf. Die hat Kerstin mir geschenkt, als ich so 12-14 Jahre alt wurde, es ist so lange her, dass ich es nicht mehr genau weiß. Aber bis heute trinke ich immer noch gern aus der Tasse, weil sie mich an unsere Freundschaft erinnert. Das ist mir sehr wichtig, es ist ein Meilenstein meines Lebens.

In loser Reihenfolge werde ich mal versuchen, von meinen Fortschritten und Rückschlägen (ich weiß, es wird sie geben!) zu berichten. Oder wird uns die Challenge zu ganz ungeplanten, ungeahnten Ufern führen? Wer weiß…

Aufbruch im Nebel

Alle Fotos, die oben als Collage zu sehen sind, stammen von heute früh, ca. viertel nach Acht. Von der Terrasse aus in verschiedene Richtungen aufgenommen. Eigentlich total passend zum neuen Jahr, denn das liegt ja auch noch im Nebel und wir wissen nicht, was uns erwartet.

Ich habe den Tag gestartet mit einem Kaffee und der Bibel. Mal wieder unternehme ich den Versuch, jeden Tag mit einer Mini-Andacht und einem Bibeltext zu starten. Bin mal gespannt, wie lange ich durchhalte, denn an vielen Tagen ist ein solcher Start durch Alltäglichkeiten zum Scheitern verurteilt.

Heute habe ich mich allerdings total gefreut, als ich mich zum Start mit dem Psalm 121 beschäftigen durfte. Seit Beginn meiner Malche-Ausbildung im Spätsommer 2016 begleitet mich dieser Psalm. Immer wieder stolpere ich darüber, dass er mir vor die Füße gelegt wird oder vor die Nase gehalten. Und so ist er zu „meinem“ Psalm geworden:

Ja, ich kenne die Bedenken: Aber so ist es doch nicht. Du hast doch kein stolperfreies Leben, du kennst nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen, Krankheit und Trauer, Bosheiten und Unglück. Und wo ist dann dein Gott?

Aber darum geht es doch überhaupt nicht. Ein sorgenfreies Leben, immer auf der Sonnenseite, nie stolpern, nie fallen. Wie langweilig wäre das denn? Und wie sehr würde das Gute dadurch abgewertet, wenn es nie schwierig würde… Ich könnte das Schöne, was mir geschieht, nicht wertschätzen, wenn ich nicht auch die andere Seite kennen würde. Und wer weiß, was mir außer den kleineren Nickeligkeiten, die mir manchmal den Tag versauen, zustoßen würde, hätte ich nicht die Hoffnung und den Glauben an meiner Seite. Wenn ich nur daran denke, wie oft man im Tagesverlauf unachtsam wird, beim Autofahren, bei der Arbeit, und wie oft gerade so eben nichts passiert…

Heute hat sich der Nebel gelichtet. Es ist ein schöner, sonniger Tag. Ich bin gespannt und neugierig auf dieses neue Jahr.

 

Rückblick und Ausblick

Schon wieder geht ein Jahr zu Ende. Es kommt mir so vor, als hätte ich erst vorgestern hier gesessen und den Rückblick auf 2018 geschrieben. Und mir ist erst heute früh so richtig bewusst geworden, dass auch ein Jahrzehnt abgeschlossen ist.

Willkommen, Zwanziger Jahre. Werdet ihr wohl auch so ein Tanz auf dem Vulkan wie die Zwanziger des letzten Jahrhunderts? Auf der einen Seite Freizügigkeit, Party, Lebensfreude, neue Errungenschaften, Musik und Kunst aus dem Ausland erobern Deutschland. Aber auf der anderen halt Arbeitslosigkeit, zunehmender Nationalismus, Börsencrash…

Ich weiß es nicht, aber eins ist sicher: Es wird, was wir alle daraus machen. Entpuppen sich Filme wie „Mad Max“, „Minority Report“, „Inception“, „Mississipi Burning“ oder „Gattaca“ als immer wahrscheinlicher? Das wäre allerdings eine gruselige Vorstellung.

Sollten wir das mit dem Klimawandel vergeigen, dann braucht es sicher mehr als einen DeLorean, um „Zurück in die Zukunft“ die Welt zu retten.

Schwarzweiß

Ich wünsche mir da eher, dass Menschen wie „Forrest Gump“ unsere Wege kreuzen und mit ihrer unschuldigen Art unser Leben bereichern. Ich wünsche mir Lehrer, die wie im „Club der toten Dichter“ ihren Schülern Lust auf das Lernen und das Leben gleichermaßen machen. Ich wünsche mir das Erwachen von Empathie in den Köpfen und Herzen vieler Menschen wie bei „Rain Man“. Das Nachdenken über den Wert des Andersartigen, Fremden wie bei „Madame Mallory und der Duft von Curry“. Annahme des Nächsten wie bei „Ziemlich beste Freunde“.

Ich wünsche mir Lebensfreude und Leichtigkeit wie bei „Findet Nemo“ oder „Ice Age“. Und natürlich Mut und Heldentum wie im Marvel-Universum 😉 .

So. Kurze Filmografie. Du weißt jetzt so grob, welche Art von Filmen ich mag, und welche ich eher zwiespältig (an)sehe.

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Was mich außer dem teils bangen, teils optimistischen Blick in die Zukunft beschäftigt? Beispielsweise das Nachdenken darüber, wie weit ich zukünftig gehen werde, wenn es um das Selbermachen statt kaufen geht. Ich habe 2019 vieles ausprobiert, manches ist gelungen, anderes ist vollkommen daneben gegangen, wieder anderes braucht wohl einfach Übung. Kleine Kostprobe gefällig?

An der Nähmaschine bekomme ich einiges hin. Keine Kleidung, aber ich kann aus zerschlissener Kleidung und alten Handtüchern etc. neue Dinge schaffen: Putzlappen, Taschentüchertäschchen, Bettüberwürfe, Sitzkissen…

In der Küche klappt das Kochen auf Vorrat inzwischen ganz gut, so dass ich kaum auf Fertig- oder Halbfertigmahlzeiten angewiesen bin, wenn mal keine Zeit zum frischen Zubereiten ist. Marmelade und Gelee sowieso. Joghurt haut inzwischen auch ganz ordentlich hin, aber beim eigenen Quark bin ich an die Grenzen gestoßen. 48 Stunden bei Raumtemperatur, das impliziert, dass diese Temperatur recht konstant ist. Aber unsere Heizung schaltet sich nachts runter. 48 Stunden im Backofen bei 30 Grad verbraucht aber Strom und ist auch nicht ganz zuverlässig zu halten. Omas alte Kochkiste kommt mir in den Sinn, so eine Konstruktion wäre dafür vermutlich hilfreich. Mal sehen, ob ich im Winter die Kühlbox umfunktionieren kann…

Mein bisher größter Reinfall ist vermutlich das Sauerkraut. Zumindest mit dem meisten Kraftaufwand verbunden. Ich bin noch nicht ganz sicher, es riecht noch ganz ordentlich, aber ich fürchte, es schimmelt. Und wenn sich dieser Verdacht als richtig entpuppt, bin ich selbst schuld, denn ich habe nicht penibel darauf geachtet, dass die ganzen Kohlblätter, die zum Abdecken oben drauf kommen, ebenfalls komplett mit Lake bedeckt sind. Zur Strafe darf ich dann den Gärtopf vermutlich lange und gründlich mit Essig bearbeiten, um die Schimmelsporen zu killen. Und dann starte ich einen neuen Versuch.

Insgesamt würde ich aber sagen: 2020 werde ich mir bereits im Vorfeld öfter mal genau überlegen, ob das, was ich selbst machen möchte, wirklich sinnvoll ist, weil ich

alles, was ich mache auch tatsächlich gebrauchen kann (oder Leute kenne, die mir einen Teil davon abnehmen)

mich vorher umfassend informieren kann, um Fehlschläge zumindest zu minimieren

relativ sicher bin, dass meine Bemühungen nicht irgendwie doch umwelttechnisch schlechter in der Bilanz ausfallen, als wenn ich das Produkt kaufe.

    Wenn der Drang zum Selbermachen dazu führt, dass ich Lebensmittel entsorgen muss, weil etwas schiefgegangen ist, nicht schmeckt oder zu viel ist, dann ist das auch keine Lösung. Und wenn der Energieverbrauch zu hoch wird, lohnt es sich auch eigentlich nur, um einmal zu lernen, wie bestimmte Lebensmittel entstehen, um hoffentlich mehr Wertschätzung dafür zu bekommen.

Was alles andere angeht:

Eins ist sicher (nein, nicht die Rente, tut mir leid, Herr Blüm)  – es gibt genug Baustellen, es gibt jede Menge Unsicherheiten, es gibt Unzufriedenheit, Ungerechtigkeit, Unglauben und Unfrieden.

Aber es gibt auch Glauben, Hoffnung, Liebe und viele Menschen, die sich im Kleinen oder Großen für die Beseitigung der „UNs“ einsetzen. Solange es das gibt, ist noch nicht alles verloren. Darin lege ich meine Hoffnung.

Ein gutes, ein gesundes, ein hoffnungsvolles neues Jahr(zehnt) wünsche ich uns allen.

Ziel

 

Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?

Genauso könnte die Frage auch nach dem Christkind gestellt werden. Natürlich wissen nicht erst wir aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts, dass es sich bei beiden um mythische Gestalten handelt.

Der dicke gemütliche alte Mann mit rotem Mantel und Rauschebart, der mit seinem Rentierschlitten durch die Nacht saust und durch die Schornsteine schlüpft, für den es nichts schöneres gibt als den Kindern der Welt eine Freude zu machen. Oder das blondgelockte (!) Kind (in allen Städten, die einen Christkindlesmarkt haben, durch ein Mädchen dargestellt, so viel zur christlichen Authentizität …), das am Weihnachtsabend die Geschenke mit Ochs und Esel bringt.

Aber trotzdem haben beide die ultimative Daseinsberechtigung, denn sie bringen Licht und Hoffnung, Freude in den Augen der Kinder, Rührung bei den Eltern und Großeltern, Staunen bei allen, die dies alles erleben. Ich denke immer gern an die Zeit zurück, als dieser Zauber auch bei uns in der Familie zu sehen war. (Also mit kleinen Kindern, die noch nicht alles hinterfragen, und mit den seligen Omas dabei…). Heute ist der Zauber ein anderer, der Zauber, mich vom Weihnachtsbaum überraschen zu lassen, den unsere Tochter geschmückt hat 🙂

Ich wünsche mir, jenseits von Unterhaltungstechnik, Gutscheingewitter und kalorienreichen Futterschlachten zu Weihnachten, dass jeder von uns innehält und bemerkt, dass der eigentliche Geist der Weihnacht im Unsichtbaren und Unverfügbaren liegt. Weihnachtsmann, Christkind, aber auch Jesus Christus, unsere Kraft und Hoffnung schöpfen wir aus dem, was wir nicht erfassen können. Kein Konsumgut der Welt kann das ersetzen.

Seit mehr als 100 Jahren wird immer wieder die Frage der achtjährigen Virginia aus New York an die renommierte New York Sun verbreitet. Sie zweifelte an der Existenz des Weihnachtsmannes und ihr Vater riet ihr, sich an die Sun zu wenden, denn was dort geschrieben stand, das zählte (echter Qualitätsjournalismus 😉 ).

Der Chefredakteur nahm die Frage sehr ernst und ließ von seinem Kolumnisten (ein eigentlich ziemlich desillusionierter Bürgerkriegsveteran) eine Antwort verfassen, die in der Zeitung veröffentlicht wurde:

Liebe Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschen Geist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, um die ganze Wahrheit und das ganze Wissen zu erfassen und zu begreifen.
Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Und Du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und Deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie düster wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so düster, als wenn es keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.
Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Da könntest Du ebenso gut nicht an Elfen glauben! Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, die in alle Kamine blicken, um den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von Ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen? Kein Mensch sieht ihn einfach so, aber das ist noch lange kein Zeichen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Die wirklichsten Dinge bleiben meistens unsichtbar, für Kinder und Erwachsene. Hast Du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen sehen? Natürlich nicht, aber das ist kein Beweis, dass sie nicht dort sind. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen –, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.
Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können ihn lüften. Dann werden die übernatürliche Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. „Ist das denn auch wahr?“ kannst Du fragen. Ach Virginia, nichts auf der Welt ist wahrer und beständiger.
Kein Weihnachtsmann! Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.
Frohe Weihnacht, Virginia.

– Quelle: https://www.svz.de/5269186 ©2019

Dem ist nichts hinzuzufügen. Gilt heute immer noch wie damals.

Frohe und gesegnete Weihnachten euch allen!

24. Dezember

Sie wird einen Sohn bekommen, den sollst du Jesus nennen. Denn er wird die Menschen seines Volkes von ihren Sünden befreien. (Matthäus 1,21)

Das sagt der Engel zu Josef im Traum. Josef hatte von der Schwangerschaft Marias erfahren. Wie es vermutlich auch heute noch fast jeder Mann tut, der weiß, dass eine Schwangerschaft nichts mit ihm zu tun haben kann, hatte er in Erwägung gezogen, seine Verlobung zu lösen. Er war allerdings Ehrenmann genug, Maria dabei nicht öffentlich demütigen zu wollen. Und so hörte er auf den Engel. Gott sei dank!

23. Dezember

Aber zu Bethlehem im Gebiet der Sippe Efrat sagte der Herr: „Du bist zwar eine der kleinsten Städte Judas, doch aus dir kommt der Mann, der mein Volk Israel führen wird. Sein Ursprung liegt weit zurück, in fernster Vergangenheit.“ (Micha 5,1)

Micha ist einer der sogenannten „kleinen Propheten“ des Alten Testaments. Diese Bücher sind sehr kurz, heute würde man sie eher als Broschüren oder sogar nur Flyer bezeichnen. Doch deswegen ist es nicht weniger wichtig, was hier geschrieben steht.

Es ist eine Zurechtweisung für Jerusalem und die Überheblichkeit der Jerusalemer, die vor dem Exil sich selbst für den Nabel der Welt hielten. Dass aus einem kleinen Ort wie Bethlehem jemand wichtiges kommen könnte, hielten sie für unmöglich. Wie du auf dem Beitragsbild erkennen kannst, ist Bethlehem heute auch schon „etwas“ größer.

Übersetzt auf Deutschland heute: Nicht (nur) aus Berlin, Hamburg oder München kommen die ordentlichen Politiker, nein, auch aus kleinen lippischen Dörfern 😉

22. Dezember

Heute mal wieder bei Jesaja:

Er spricht zu mir: Du sollst nicht nur die zwölf Stämme Israels wieder zu einem Volk vereinigen und die Überlebenden zurückbringen. Dafür allein habe ich dich nicht in meinen Dienst genommen, das wäre zu wenig. Nein – ich habe dich zum Licht für alle Völker gemacht, damit du der ganzen Welt die Rettung bringst, die von mir kommt! (Jesaja 49,6)

Spontan beim Lesen dieses Textabschnittes kam mir ein Songtext in den Sinn:

Light of the World
You stepped down into darkness
Open my eyes
Let me see …

Das ist der Beginn des Lobpreissongs „Here I am to worship“. Der erfüllt mich gerade so, dass kein anderer Gedanke mehr Platz hat. Bis Morgen…. 😉