Ein folgenschwerer Tag…

Ich hatte es angekündigt. Angedroht? Nein, eher versprochen. Und heute habe ich nach mehreren Tagen Recherche, einem Telefonat mit unserem Steuerberater und einem weiteren mit der IHK dann Nägel mit Köpfen gemacht.

Und um auch hier zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, mache ich gleich noch eine abc-Etüde aus meiner Ankündigung. Hier der Link zur Schreibeinladung:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/05/17/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-21-22-20-wortspende-von-kopf-und-gestalt/

Heute habe ich die Gewerbeanmeldung bei unserer Stadtverwaltung abgegeben. Ein kleiner Nebenerwerb, damit ich mein Hobby weiter betreiben und hoffentlich auch ein wenig finanzieren kann. Denn ich nähe schon seit einigen Jahren sehr gern. Seit dem doppelten Sehnenriss diesen Frühjahr sitze ich so gut wie jeden Tag an der neuen Maschine. Wer näht, kennt das Dilemma: Wo man auch ist, das nächste Stoffgeschäft wird aufgesucht. Als Mitbringsel muss wenigstens ein schönes Muster gekauft werden. Alte Bettwäsche und Herrenhemden werden gehamstert wie bei manch anderem das Klopapier.

Und wenn man dann alle seine Schätze verarbeitet, dann ist schnell das Haus mit Patchworkarbeiten aller Art dekoriert. Das geht so nicht, nicht auf die Dauer. Ich habe allerdings festgestellt, dass es Interesse gibt, so liebevoll in Handarbeit zusammengestückelte Teile zu erwerben, gern auch als individuelles Geschenk. Also probiere ich es – fallen kann ich dabei eigentlich nicht. Einen festen Zeitplan habe ich nicht dabei, ich sehe, wie es sich ergibt. Und wenn sich irgendwann herausstellt, dass es doch nicht klappt, ist es auch nicht schlimm. Dann bin ich mal wieder um eine Erfahrung reicher und habe immerhin viel Zeit verbracht mit Dingen, die mir nicht nur Spaß machen, sondern auch gut tun. Und schon das ist ein Wert an sich.

Der Unfall (der eigentlich ja gar keiner war) und Corona dienten mir offensichtlich als Katalysator für diesen kleinen Traum. Wie ich eben bei Alice gelesen habe, bin ich da wohl nicht die Einzige… Bin gespannt, was mit dem nächsten Träumchen passiert (wie vermutlich jede Buchhändlerin würde ich gern mal als Autorin groß rauskommen 😅)

(261 Wörter)

Arbeitsplätze …

Es ist mal wieder Zeit für eine kleine Presseschau. Unsere lokale Tageszeitung legt heute einen kleinen Schwerpunkt auf die Auswirkungen der Pandemie auf verschiedene Wirtschaftsbereiche.

Ein Aspekt, den ich heute zum ersten Mal lese: Die Weltläden. Denen fehlen nicht nur hier in Deutschland die Ehrenamtlichen, die hinter dem Verkaufstresen stehen (weil diese oft schon durch ihre Lebenserfahrung zu Risikogruppen zählen). Ihre Produzenten sind meist kleine Familienbetriebe oder Kooperativen, die in den sogenannten 3. Welt-Ländern ihre Waren herstellen. Diese sind durch Corona sehr häufig gleich mehrfach gefährdet: Durch mangelhafte Gesundheitsversorgung, fehlende Sozialsysteme und Produktionsausfälle. Gar nicht erst zu reden von den üblichen Wirtschaftswegen der Weltwirtschaft, welche diese kleinen, nachhaltig arbeitenden Betriebe sowieso schon seit Jahrzehnten von der allgemeinen Wertschöpfung ausschließt.

Die Befürchtung liegt nicht ganz fern, dass das Modell der Weltläden zu den Verlierern der Krise zählen dürfte.

Auf der Wirtschaftsseite der Zeitung stehen direkt nebeneinander zwei Artikel mit den folgenden Schlagzeilen, die mich aufhorchen lassen:

„Tourismus beklagt Milliarden-Verluste. Gefahr für Hunderttausende Arbeitsplätze“

und

„>Autoländer< fordern Kaufprämie. Ministerpräsidenten wollen schwache Nachfrage ankurbeln“

Ich muss jetzt einfach mal ganz provokant nachfragen: Sind Autoindustrie-Arbeitsplätze mehr wert als Gastronomie-Arbeitsplätze? (Auf jeden Fall meistens besser bezahlt)

Auch die >Autoländer< Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen haben aber auch große Tourismus-Hochburgen. Gibt es innerhalb dieser Länder mehr oder weniger förderungswürdige Berufs- und Wirtschaftsfelder?

Was machen gar Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein, die überproportional auf den Tourismus als Einnahmequelle angewiesen sind? Wenn es tatsächlich irgendwie geartete „Kaufprämien“ für Autos gibt, sollte es dann nicht auch Urlaubsgutscheine für Touristen geben, wenn sie ihren Urlaub an Nord- und Ostsee, im Harz, dem Elbsandsteingebirge, Teutoburger Wald, Eifel, Sauerland, Schwarzwald, Oberbayern … verbringen?

Ich würde es gern verstehen. Und es kann nicht nur daran liegen, dass Deutschland halt ein „Autoland“ ist. Die Deutschen sind auch als äußerst reiselustig bekannt.

Dieses kleine Schlaglicht betrifft auch nur einen kleinen Teil des Gesamten. Es ist vermutlich überhaupt nicht möglich, die Folgen der Pandemie komplett sozial und wirtschaftlich gerecht abzufedern, aber in vielen Bereichen schreit die Ungerechtigkeit jetzt schon zum Himmel. Und auch die Klimaziele dürfen nicht hinten runterfallen. Meiner Meinung nach sollte dem Lobbyismus einzelner Großspieler ganz schnell ein Riegel vorgeschoben werden, denn die „kleinen“ Marktteilnehmer haben leider nicht so einen guten Stand. Die Regierung, die in den Augen vieler (auch in meinen) bisher in dieser Lage einen guten Job macht (vor allem aus dem Ausland gelten wir mal wieder als Vorbild und Musterknabe), verspielt sonst ruckzuck wieder das Vertrauen. Man merkt es ja jetzt schon, dass es an den Rändern ausfranst.

Und das wäre schade, nicht (nur) wegen der Regierung, sondern wegen der Solidarität vieler Menschen, die dann auch wieder flöten geht.

Aber was weiß ich denn schon, bin ja auch nur so ein einzelner kleiner Gutmensch …

Kurzimpuls in 300 Wörtern

abc.etüden 2020 19+20 | 365tageasatzaday

Vielleicht ist mein Petrus-Gen heute früh mit mir durchgegangen … Nachdem ich die Wortspende von Olpo gelesen hatte, war meine erste Reaktion: Das wird eine Andacht. Ist aber gar nicht so einfach, die Herausforderung, unter 10 Minuten zu bleiben, ist da deutlich einfacher😇.

Die Einladung zur Etüde findest du hier:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/05/03/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-19-20-20-wortspende-von-olpo-olponator/

Und mein Ergebnis schaut so aus (nicht eine meiner besten, dafür eindeutig die kürzeste):

Jesus und seine Jünger hatten gerade 5000 Menschen mit Brot und Fisch versorgt, dann schickte er sie los, mit dem Boot auf die andere Seite des Sees zu fahren. Er selbst brauchte Zeit zum Alleinsein. Es wurde Nacht und plötzlich brach auf dem See ein Sturm los. Weil aber ein plumpes Fischerboot nicht so wendig ist wie ein Katamaran, hatten die Jünger ihre liebe Mühe beim Steuern.

In den frühen Morgenstunden kam Jesus auf dem Wasser zu ihnen. Die Jünger wurden von Entsetzen gepackt, sie glaubten, ein Gespenst zu sehen. Bis er ihnen zurief: „Habt keine Angst, ich bin es!“ Daraufhin Petrus, der oft etwas großspurig daherkam: „Herr, wenn du es wirklich bist, lass mich auf dem Wasser zu dir kommen.“ „Komm her!“ antwortete Jesus.

Petrus stieg aus dem Boot und ging Jesus entgegen. Aber dann stellte er auf einmal fest, was genau er da gerade tat und begann zu versinken. Jesus streckte die Hand nach ihm aus und fragte: „Hast du so wenig Glauben, Petrus? Vertrau mir doch!“

Dann stiegen beide ins Boot und der Sturm legte sich. Die Jünger fielen alle vor Jesus nieder und bekannten: „Wir können es nicht länger totschweigen. Du bist wirklich der Sohn Gottes!“

Ich mag Petrus. Durch seine Art ist er immer wieder gut, uns heute zu spiegeln. Aber Jesus hält trotzdem zu ihm, schlussendlich gibt er ihm sogar die Aufgabe, die Gemeinde zu leiten.

Und wir? Immer wieder nehmen wir uns mehr vor, als wir halten können, und zwar fast immer mit den besten Absichten. Und dann scheitern wir, meist an unseren Ansprüchen. Auch zu uns hält Jesus, obwohl wir alle einen mehr oder weniger großen Petrus-Anteil in uns haben. Nicht um uns zu beschämen, sondern weil er die Liebe Gottes und seine Gnade in Person ist. Amen.

(299 Wörter)

Passt wie Ar… auf Eimer

Entschuldigung für die provokante Überschrift. Oder auch nicht. Aktuell lese ich dieses Buch von Maja Göpel, sie ist eine der GründerInnen von Scientists for Future. Macht es sie am Anfang noch sympathisch, dass sie aus Ostwestfalen stammt und ziemlich unkonventionell aufgewachsen ist, so ist es danach einerseits ihre unstillbare Neugier auf die Zusammenhänge komplexer Sachverhalte, die sie seit Jugendzeiten hat und andererseits ihre Fähigkeit, diese Zusammenhänge auch einem Laien durch Praxisbeispiele aus der „realen“ Welt super zu erklären.

Sie hat das Buch vor Corona geschrieben und herausgebracht, zu einer ganz anderen Zeit, lange her … im Winter 2019/20. Ja, es kommt einem augenblicklich tatsächlich sehr entfernt vor. Aber sie könnte es, zumindest die Kapitel, die ich bisher gelesen habe, genausogut in die aktuelle Situation hineingeschrieben haben. Die Gedanken, die sich mir dazu aufdrängten, folgen:

In den ersten Wochen der Einschränkungen ploppten altruistische Werte wie Fürsorge, Nächstenliebe, Dankbarkeit auf. In den sozialen Netzwerken wurden die Alltagshelden gefeiert, Menschen versicherten sich gegenseitig, wie groß ihre Hoffnung sei, dass diese Krise die Gesellschaft verändern möge, natürlich zu menschlichen statt wirtschaftlichen Werten. Eine große Sehnsucht war erkennbar, nach einem verlangsamten Leben mit Zeit für Dinge, die man sonst im Hamsterrad nicht schafft – aber spätestens nach vier Wochen wurden die Rufe nach dem „alten Leben“ lauter. Vor allem angefeuert von der Wirtschaft. Und damit auch die Forderung, die Folgen der Krise mit den alten (uralten) Methoden des ökonomisch messbaren Wachstums zu bekämpfen. Was das bedeuten könnte? Nun, hier ist ein Beispiel:

Ein Tankerunglück, das einen Küstenabschnitt mit Öl verpestet, lässt das BIP (Anm.: Bruttoinlandsprodukt) ansteigen, weil es dazu führt, dass Firmen kommen und das Öl vom Strand kratzen und also Dienstleistungen erbracht werden. Die Schäden, die durch die Ölpest im Ökosystem angerichtet werden, schlagen sich im BIP nicht nieder, weil Natur – wie wir gesehen haben -, solange sie einfach nur da ist, in keiner ökonomischen Bilanz auftaucht. Ein Vater oder eine Mutter, die nach der Geburt ihres Kindes eine Zeit lang zu Hause bleiben und nicht ins Büro gehen, senken dagegen das BIP. Denn das Wohlgefühl des Kindes und der Eltern, die ihr gemeinsames Leben zusammen beginnen, zählt hier nicht. (S. 79)

Zurück ins Jetzt: Schaut man sich mal an, wem wie Unterstützung angeboten wird, sieht man, wo die Prioritäten liegen: Große Konzerne und Industrie. Staatshilfen (aber der Staat soll bitte trotz reingepumpten Geldes nix zu sagen haben …) und Kurzarbeitergeld (unbestritten für die betroffenen Arbeitnehmer wichtig zur Sicherung des elementaren Lebensunterhaltes). Aber die Beträge, mit denen Klein- und Kleinstbetriebe abgespeist werden, der Pizzabäcker von nebenan oder die kleine Frühstückspension, der Campingplatz oder Friseursalon mit wenigen Angestellten, die spotten jeglicher Realität! Soloselbständige, die aus dem eigenen Haus arbeiten oder Künstler und Kulturschaffende werden gar gleich zum Jobcenter auf Hartz IV geschickt!

Überhaupt: Gastronomie, Kinos, Theater, Schauspieler und Schausteller und viele mehr, alle, die das Leben außerhalb der Arbeitszeit angenehmer machen, für diese vielen Menschen (die uns anderen die letzten sechs Wochen mit viel Kreativität und Bereitschaft zu unkonventionellen und unbezahlten Wegen die Zeit im Shutdown vertrieben haben) gibt es auch bis heute kaum eine Perspektive.

Der Bereich Bildung, von der Kita bis mindestens zum Abitur (wie es gerade an Hochschulen aussieht, kann ich nicht beurteilen) stolpert von einer KMK zur nächsten. Und die teilweise hilflos anmutenden Beschlüsse (150€ Zuschuss für ein Tablet. Müssen wir wohl die nächste Aldi-Kampfaktion abwarten…) werden dann immer weiter abwärts delegiert, bis sie bei den Schulträgern ankommen. Die haben dann den schwarzen Peter. Sind jahrzehntelang kaputtgespart worden und sollen von null auf hundert zu hygienischen Vorzeigebetrieben mutieren. Sollen beurteilen, wie ein sicherer Unterricht für Schüler und Lehrer aussehen kann, die irgendwelchen Risikogruppen angehören.

In der Pflege, deren „Systemrelevanz“ plötzlich auch dem Letzten klar wurde, sollen die Menschen einen BONUS bekommen. Bis zu 1.500€, gestaffelt nach Ausbildungsniveau! Dann können sie sich auch mal so ein klitzekleines bisschen wie ein Konzernmanager oder Investmentbanker fühlen …

A propos „Systemrelevanz“. Da wird ja schon wieder sortiert, nach dem Nutzen von Menschen. Wer ist gerade wichtig, um die Gesellschaft am Laufen zu halten? Natürlich sind es ganz offensichtlich diejenigen, die weiterhin an der „Arbeitsfront“ (gruseliges Wort übrigens) stehen. Aber sind es nicht genauso auch alle anderen? Die, die gerne arbeiten würden, es aber gerade nicht dürfen. Die, die zuhause Erziehung (inklusive altersgemäße Bildungsangebote für den Nachwuchs) und Home Office unter einen Hut bringen müssen? Die Kinder, die Freunde nicht sehen können, sich nicht verabreden dürfen, den Spielplatz nur aus der Ferne sehen? Die Alten und Kranken, die ohnehin schon ein eingeschränktes Sozialleben führen und sich nun bis an die äußerste Grenze weiter bescheiden müssen? Ach nee, die sind „Risikogruppe“. Die müssen da durch. Ich denke, du verstehst, was ich meine.

Den Gesundheitsexperten, die am Virus und seiner Ausbreitung forschen, wird inzwischen vorgeworfen, dass nicht jede Annahme oder Arbeitsthese sich als haltbar herausstellt. Dass sie zurzeit nicht unter Laborbedingungen, sondern in Echtzeit ein höchst lebendiges Geschehen mit erwarteten, aber auch überraschenden Wendungen als Studienobjekt haben, wird da gern beiseite geschoben. Es gibt bei Corona keinen Elfenbeinturm!

Auf der anderen Seite schlägt aber bereits nach so kurzer Zeit wieder die Stunde der Populisten jeglicher politischen Couleur. Alternative Fakten machen die Runde und Verschwörungstheorien haben Hochkonjunktur.

Während sich „im Kleinen“ immer noch unglaublich viele Menschen einen Paradigmenwechsel mit mehr Wertschätzung und Empathie wünschen, schaffen es die weltweiten politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen leider doch wohl nicht, den beladenen Tanker in voller Fahrt zu wenden. Und die Kaimauer kommt unaufhaltsam näher …!

Nachsatz: Viele Menschen in den unterschiedlichsten Bereichen haben in den letzten Wochen sehr starke Leistungen vollbracht und hatten auch den Mut, unpopuläre, aber notwendige Entscheidungen zu treffen. Hut ab! Ich bin sehr froh, dass ich nicht in deren Haut stecke. Dieser Beitrag soll das auf keinen Fall klein reden. An manchen Stellen habe ich auch bewusst provokant geschrieben. Es geht nicht um Patentlösungen, eine solche habe ich auch nicht. Aber:

Ich wünsche mir, dass möglichst viele sich einfach Gedanken machen, was alles möglich wird, wenn wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel stehen. Wobei es auch dabei keine einfachen Lösungen gibt, aber Abwägungen. Denn weiterhin steht nicht nur unsere Wirtschaft auf dem Spiel, sondern auch unsere Welt, in der wir leben. Und wenn die Lebensgrundlagen ökologisch nicht mehr gegeben sind, nützt im Endeffekt auch keine noch so ausgeklügelte Ökonomie. Meine Befürchtung ist, wir verpassen alle miteinander die Chance, die in der Krise steckt. Die Menschheit ist aus vielen kleinen und großen Krisen stets gestärkt hervorgegangen, durch mutige Innovationen und unkonventionelle Wege. Der Mut fehlt gerade in bisher erfolgreichen Wirtschaftszweigen aber total und auch Innovation steht bei den Geldgebern eher nicht so im Kurs. In weiten Teilen wird leider aktuell versucht, mit den Mitteln aus der Zeit der industriellen Revolution Probleme zu lösen. Ich lasse mich aber sehr gern vom Gegenteil überzeugen. Wenn du Beispiele kennst, schreib mir gern in die Kommentare.

Bis dahin lese ich das Buch zu Ende und nähe noch ein paar Masken😉

Bibliographische Angaben: Maja Göpel, Unsere Welt neu denken

Ullstein Verlag, ISBN 978-3-550-20079-3, 17,99€

Das Buch habe ich selbst aus Neugier gekauft. Es besteht keine geschäftliche Beziehung zum Verlag oder der Autorin!

Ostern -Eiskalt erwischt

Das Beitragsbild ist erst gestern Abend entstanden. Bis dahin brauchte ich, damit Ostern so richtig bei mir ankam.Es war schon merkwürdig, am Sonntagmorgen um halb sechs aufzuwachen. Normalerweise schaffe ich das nach der Osternacht nicht – aber halt, es gab ja keine Osternacht. Dieser ganz besondere Moment, wenn wir aus dem Dunkel der Trauer die Osterkerze in den Kirchenraum tragen, mit den Jugendlichen und ihren teils anwesenden Familien „Morgenstern“ und „Happy day“ singen, die Osterfreude feiern. Der Herr ist auferstanden! – Er ist wahrhaftig auferstanden! Das fehlte. Und auch das Aufräumen danach, wenn wir eigentlich alle hundemüde, aber trotzdem total aufgekratzt sind.

Also gut, aufstehen, Kaffee kochen. Und dann saß ich am Küchentisch. Kathrin hatte am Abend vorher für das Frühstück gefüllte Eier als Osterküken gemacht, aber ansonsten gab es kein bisschen Osterdeko, um den Frühstückstisch zu etwas besonderen zu machen. Okay, das lag daran, dass ich meinen Beinen noch nicht genug getraut hatte, um die Osterkiste vom Dachboden zu holen.Aber ich hatte, teils wegen der Beine, teils weil ich Risikogruppe bin (ich lerne das Wort verabscheuen…), seit Wochen nicht mehr selbst eingekauft. Die ganzen netten Kleinigkeiten, die Ostern nicht nur zur Auferstehung Jesu, sondern auch zu einem schönen Familienfest machen, hatten nicht den Weg zu uns gefunden. Es würde auch kein buntes Durcheinander mit Allen am Nachmittag geben.

Und dann konnte ich auf einmal nicht mehr. Ich musste an meine Mutter und meine Schwiegermutter denken. Beiden hatten wir vieles abgenommen, als sie nicht mehr so gut zu Fuß waren. Natürlich, aus Sorge, es könnte ihnen zu anstrengend sein, sich für die gesundheitliche Situation als Nachteil erweisen, aber ein bisschen doch auch, um ihnen zu zeigen, dass sie selbst es „nicht mehr nötig“ hatten, sich ins Gewimmel zu stürzen. In unserem durchgetakteten Leben zwischen Arbeit und Kindern bedeutete es ja auch immer Verzögerungen, wenn eine von beiden unbedingt selbst mit wollte, um genau das zu bekommen, was sie haben wollte oder um auch einfach nur mal wieder zu sehen, was es denn in den Geschäften so gab.

Ich habe 52 Lebensjahre gebraucht, um dieses Verhalten so gut nachfühlen zu können… Es hat mich traurig gemacht, beschämt, und ein wenig Selbstmitleid war auch dabei. Und so war es ein nachdenkliches, nicht ganz einfaches Osterfest für mich, trotz des schönen Wetters.

Gestern Abend kam dann aber mit Verspätung auch die Osterfreude bei mir an. Etwas verhalten in diesem Jahr, aber ich kann ja nicht immer überschäumen. Und inzwischen hatte ich auch erkannt, dass ich auch solche Stimmungen haben darf.

Ausgangssperre – die ersten Tage

Mal ein Blick ins Nachbarland, wo die Ausgangssperre schon gilt. Merke: Franzosen sind auch nicht anders als Deutsche…

La vie en bleu

Es ist immer noch schönes Wetter und warm. Zum Glück!

Seit Dienstag Mittag befinden wir uns in Ausgangssperre. Ich bin jetzt froh darum. Ganz klare Ansagen, keine Ausnahmen, die Regeln dürften dem Hintersten und Letzten – vielleicht nicht gerade einleuchten, aber – bekannt sein.

Seit Mittwoch früh stellen wir uns vor jedem Verlassen des Boots ein Attest aus.

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Landfrauen

Gestern Abend habe ich es Bithya versprochen, hierüber zu schreiben, und heute habe ich festgestellt, dass es sehr gut zu

von René passt.

Wer hier mitliest, weiß vielleicht, dass ich vor drei Wochen einen Unfall hatte, der die Säulen der Annuschka (sprich: beide Beine) in den Grundfesten erschüttert hat. Shit happens. Direkt danach haben sich einige liebe Mitmenschen um mich und den Notfall bemüht, das habe ich auch beschrieben. Auch meine Familie hat sich rührend gekümmert.

Aber was ich noch nicht beschrieben habe, eine gute Bekannte aus dem Dorf, Landwirtin und Landfrau der Alten Schule, hat uns spontan bekocht mit einem leckeren Nudelauflauf (Kathrin hat direkt nach dem Rezept gefragt) und die ungebügelten Hemden des Mannes abgeholt, um sie gebügelt zurückzubringen. Im Augenblick kommt niemand außer mir mit unserer neuen Dampfbügelstation klar (Die Hände des Gatten sind zu massiv, er kommt ständig an die Sonderdampf-Taste. Was der Hersteller sich dabei wohl gedacht hat?)

Und dann erwähnte sie, dass sie von einer landwirtschaftlichen Kollegin ein Viertel Rind bekommen hat und sofort verarbeiten muss. Sie bereite morgen einige Rinderbraten zu, wir könnten gern einen haben. Klar habe ich ja gesagt. Es war ein himmlischer Braten, ganz zart, man brauchte fast kein Messer. Und einfrieren konnte ich auch noch etwas davon.

Genau dieses Verhalten war vor einigen Jahren noch gang und gäbe auf dem Land, wo jeder jeden kannte. Unser Dorf ist inzwischen gar nicht mehr so dörflich, es sind nur noch zwei Landwirte da. Und viele Menschen kennt man gar nicht mehr, weil alle woanders arbeiten, woanders Sport treiben, woanders in die Kirche gehen. So ist das heute eben.

Umso schöner, dass ich mich so sehr über diese ganz selbstverständliche Nachbarschaftshilfe freuen durfte (und nicht nur ich, Edgar und Kathrin auch).