Glück gehabt

Die Schule der Tochter hat gestern ihr Sommerfest abgesagt, weil das NRW-Innenministerium gegen Mittag dringend vor dem Wetter gewarnt hatte. Im Rheinland wurden teilweise schon vor 12 Uhr mittags die Schulen geschlossen. Man wollte nach den Erfahrungen aus dem letzten Sommer offensichtlich kein Risiko eingehen. Das finde ich durchaus nachvollziehbar, wobei die kniffelige Wetterlage ja auch dieses Mal schon einige Tage vorher angekündigt war.

Ich muss gestehen, dass auch ich ein kleines bisschen angespannt öfter am Nachmittag auf die App des Wetterdienstes mit dem Regenradar geschaut habe. Denn unser Dach musste im Februar schon leiden, auch der großflächige „Dachschaden“ an unserer denkmalgeschützten Kirche ist erst seit einigen Tagen wieder komplett behoben (denn da mussten erst erlaubte Materialien gefunden werden). Und außerdem erinnere ich mich immer noch an die Windhose im Jahr 1990, die unseren Westgiebel zum Einsturz brachte.

Kurzum: Bei uns hielt sich alles in Grenzen, aber knapp 100 Kilometer südwestlich von uns, in Höxter, Lippstadt und Paderborn hatten sie nicht so viel Glück, dort zogen (inzwischen vom DWD bestätigt) Tornados durch die Städte.
Was mich beschäftigt: Klar kann ich mich auch an heftige Wetterlagen in meiner Kindheit erinnern. Aber nicht in dieser Häufigkeit und Intensität.
Ich weiß nicht, ob mir die Weiterführung dieses Gedankens gefällt.

Was Krieg mit Menschen macht

Es gibt Tage, die legen dir ein Thema auf den Tisch, egal, was du vorher geplant hattest. Heute ist so ein Tag. Es begann mit der neuesten Podcastfolge von Lanz & Precht, die über „Das Böse im Menschen“ handelt. Ich höre mir diesen Podcast gern an, nicht weil ich den Argumenten der Beiden (die übrigens öfter mal ziemlich kontrovers unterwegs sind) immer folge, sondern weil ich die Gedanken hilfreich finde, die sie in mir auslösen, wenn ich versuche, mir über eine Sache klar zu werden.

Dann las ich Fraggles neue Rezension und kam nicht umhin, beides miteinander zu verknüpfen. Ich schaudere, wenn ich mir genauer überlege, dass vermutlich in jedem von uns Menschen die tiefsten Abgründe lauern, die nur darauf warten, bei (un-)günstigen Voraussetzungen ans Licht zu kommen. Literatur darüber gibt es reichlich, Gedankenexperimente auch (Beispielsweise „Die Welle“ von Morton Rhue).

So begann ich, zu recherchieren und fand unter anderem diese Dokumentation des ZDF, die ich im Januar schon im Fernsehen sah, aber mir vorhin noch einmal genauer anhörte:

https://www.zdf.de/dokumentation/dokumentation-sonstige/ganz-normale-maenner-der-vergessene-holocaust-104.html

Und ich habe mir, ganz nach Buchhändlermanier, spontan drei Bücher bestellt, die sich mit dem Phänomen beschäftigen: „Ganz normale Männer“ von Christopher Browning, „Hitlers willige Vollstrecker“ von Daniel Goldhagen sowie „Sag immer deine Wahrheit“ von Benjamin Ferencz.

Da ich in einer Gegend wohne, in der es KZ-Außenlager gab, wo Zwangsarbeiter geknechtet wurden, habe ich mir schon öfter überlegt, wie ich mich wohl damals verhalten hätte. Hätte ich den Mut gehabt, etwas zu tun? Hätte ich vielleicht eher versucht, irgendwie unter dem Radar der Nazis zu bleiben, damit ich meine Familie nicht gefährde und weiter durchbringe? Die unbequeme Antwort: Ich weiß es nicht. Denn ich kann mir die Situation nicht im Entferntesten vorstellen. Ich hoffe nur, ich hätte mich nicht fehlleiten lassen.

Nun ist wieder Krieg in Europa. Vieles daran macht mir Angst, auch wenn wir hier in Deutschland nicht betroffen sind. Aber am erschreckendsten ist für mich, dass die Soldaten, die zu „Kriegern“ wurden, ja nicht als Mörder oder Bestien oder so zur Welt kamen, sondern ganz normale zivile Personen waren, die ihren Lebensunterhalt verdienten, ihre Familien versorgten, als liebevolle Ehemänner und Väter lebten. Und dass es offenbar nicht wenige von ihnen schaffen, dieses zivile Leben getrennt zu halten von den Gräueltaten, die sie im Krieg anrichten. Wie gesagt, ich kann und muss es nicht nachvollziehen und bin sehr dankbar, dass meine Position das auch nicht verlangt.

Mal sehen, ob mir die Lektüre weiterhilft. Ich werde berichten.

Guten Tag, ich heiße Anja und ich habe…

… Bluthochdruck (und wegen familiärer Vorbelastung damit einhergehend ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall)

… Asthma (zwar „nur“ allergisches, aber auch das raubt mir manchmal die Puste)

… Psoriasis Arthritis („Bitte WAS? Hast du nun Schuppenflechte oder Rheuma???“)

Reicht, oder? Mir auch. Vorweg, mit allem komme ich die meiste Zeit gut klar. Wenn ich zum Arzt gehe (außerhalb von akuten Anlässen) und gefragt werde, wie es mir geht, sage ich meist aus vollem Herzen „Gut geht’s!“
Komme ich zu einer neuen Ärztin und bekomme die obligatorische Frage nach den Vorerkrankungen gestellt, muss ich mir ganz bewusst in Erinnerung rufen, dass ich drei chronische „Erkrankungen“ im Gepäck habe. Denn meistens schränken sie mich ja überhaupt nicht ein.
Das ist so ungefähr, wie ich mir auch in vielen Situationen bewusst machen muss, dass ich 54 Jahre alt bin und schon lange nicht mehr 25. Ich denke im Alltag so wenig an diese Dinge, die zu mir gehören wie meine straßenköterblonden Haare, ein paar Kilo Marschgepäck auf den Hüften und Schuhgröße 39. – Außer, wenn an einer Stelle gerade etwas hakt.

Denn dann beginnt es: Ich bekomme schlecht Luft. Und irgendjemand fragt „Wie kommt das? Du bist doch eigentlich recht fit (an dieser Stelle schwingt manchmal ein sehr charmantes ‚für dein Alter‘ mit)?“
Oder ich hinke, kann die Arme nicht über 90 Grad heben, mir fallen Gläser aus den Händen. Es folgt entweder dieselbe Frage wie bei der Luft oder „Du siehst aber doch so gesund aus.“ Auch Herzklabastern sieht man einer Person nicht unbedingt an.

In solchen Situationen fühle ich mich wie in einer Verteidigungshaltung. Ich muss mich (ob eingebildet oder tatsächlich) dafür rechtfertigen, dass ich offensichtlich gerade nicht so leistungsfähig bin wie ich optisch wirke. Das finde ich dann sehr unangenehm. Und zwar sowohl für mich als auch für meinen Gesprächspartner.
Deswegen habe ich mich vor einigen Jahren entschieden, offen über meine gesundheitlichen Einschränkungen zu reden. Und damit komme ich zum eigentlichen Thema dieses Beitrages. Ich bringe mal ein paar Beispiele:

Meine Mutter hatte Osteoporose, ihre Wirbel sackten immer mehr in sich zusammen, sie erlitt einen Beckenbruch, konnte immer schlechter laufen. Sie bekam einen Rollator verschrieben, den sie aber nicht benutzte („die Leute“ hätten ja denken können, bei ihr stimme etwas nicht. Bingo!) Stattdessen lief sie jahrelang mit (nur einer) Unterarmgehstütze und wurde dabei immer schiefer, nur eben nicht nach vorne, sondern seitwärts. Und in der Stadt hielt sie vor jedem Schaufenster an und „bewunderte“ die Auslagen.  

Mein Mann hat MS. Seit einigen Jahren ist sie diagnostiziert, nicht schubweise, sondern fortschreitend. Sein Problem ist die Kommunikation des Hirns mit dem rechten Knie, da ist die Telefonleitung unterbrochen. Recht moderat also bisher, aber es reicht, um konzentriert gehen zu müssen, damit er nicht über den eigenen Fuß stolpert, weil er das Bein nicht komplett anhebt (und das dann nicht merkt). Als diese Problematik ihn nervte, machte er sich schlau über verschiedene Rollatoren, mit denen man Einkäufe transportieren und auch mal ins Gelände gehen konnte. Nicht nur das, er kaufte sich auch einen, ganz ohne Beteiligung der Krankenkasse. Damit er auch weiterhin mit uns in der Natur unterwegs sein kann. Und er freut sich, dass er mit dem Rollator sogar mal schneller ist als ich.

Die eine war immer bemüht, ihre Zipperlein ausschließlich mit sich selbst auszumachen, der andere hat seine Einschränkung akzeptiert und geht ganz selbstverständlich damit um.

Das dritte Beispiel liegt bei Menschen, die ihre Krankheiten vor sich hertragen, mal wie ein Schutzschild, damit niemand es wagt, Ansprüche an sie zu stellen (und das kann ja auch manchmal reiner Selbstschutz aus schlechter Erfahrung sein) und auch mal, um Mitleid einzusammeln. Ja, auch diese Menschen gibt es, oft sind sie auch in anderer Hinsicht regelrechte Energiesauger, unabhängig davon, wie sehr man sie ansonsten schätzt; sie schaffen es immer wieder, alles aus ihren Mitmenschen herauszuholen, ohne etwas zurückzugeben.

Das Bedürfnis, scheinbare Makel und Hemmnisse zu verbergen, kann ich nachvollziehen. Zu einem großen Teil sind wir so erzogen worden, dass solche Dinge niemanden etwas angehen. Dass es eine ganz ureigene Verantwortung ist, mit Einschränkungen so umzugehen, dass niemand etwas merkt. (Das gilt übrigens ja nicht nur für gesundheitliche Probleme…)
Wenn ein Punkt erreicht ist, an dem wir ganz offensichtlich „behindert“ sind, egal ob körperlich, geistig oder seelisch, beginnt dann häufig zunächst die Phase der Scham. Ich selbst habe das vor zwei Jahren so empfunden, als ich auf einmal nicht mehr laufen konnte. Dabei war ich doch nicht aus eigenem Verschulden kurzfristig im Rollstuhl besser aufgehoben. Und selbst wenn, sollte ich nicht eigentlich eher dankbar sein, dass es solche Hilfsmittel gibt, die mir Teilhabe ermöglichen?

Aber in der Situation zeigte sich für mich, dass mir eine Mixtur aus Erziehung und mangelnden Erfahrungswerten im Weg stand. Mangelnde Erfahrungswerte deswegen, weil unsere Gesellschaft noch längst nicht barrierefrei ist, weder im Lebenslauf über Kindergarten und Schule, Uni und Beruf noch im alltäglichen Leben, wo „Behinderung“ immer noch zu häufig bedeutet, dass Menschen mit Einschränkungen behindert werden. Durch bauliche Hürden, durch Geräuschkulissen, reizüberflutende Umgebung, durch empathiearme oder schlicht gedankenlose Mitmenschen. Durch das Recht des Stärkeren. Durch bürokratische Vorgaben, die sich an Paragraphen statt an menschlichen Bedürfnissen orientieren; durch Gutachter, die keine Ahnung haben von den Auswirkungen, die Krankheitsbilder auf die Betroffenen haben. Durch das insistierende Anbieten von alkoholischen Getränken („ach komm, einer ist keiner…“), wenn jemand entweder aus gesundheitlichen Gründen oder wegen einer Suchterkrankung darauf verzichten möchte/muss oder auch einfach mal keinen Alkohol trinken will. Und, und, und …

Ganz persönlich finde ich es wichtig, dass wir voneinander wissen. Auf einer sachlichen Ebene, um unser Gegenüber nicht mit Anfragen und Aufgaben in Verlegenheit bringen, die sie oder er nicht erfüllen kann.
Auf einer persönlichen Ebene, weil wir uns gegenseitig unterstützen können, weil wir lernen, dass unsere Persönlichkeit vielschichtig ist, dass niemand makellos ist. Weil es ermöglicht, uns gegenseitig zu coachen, wenn es um die Bewältigung von Problemen geht.

Die Rheumaliga bringt es ganz gut auf den Punkt in ihrem Konzept des Selbstmanagements: Ich selbst bin im besten Fall Expertin in allem, was meinen Körper und meine Verfasstheit angeht. Das kann nicht meine Ärzteschaft leisten, weil die im Studium ganz bestimmte Symptome und Schemata lernen, die in der Praxis aber nicht unbedingt zutreffen müssen.
„Das Rheuma“ hat mit Sicherheit noch nie in einem Lehrbuch für innere Medizin gelesen, wie es sich verhalten muss, es pfeift darauf und macht, was es will.
Das können auch noch so wohlmeinende Mitmenschen nicht leisten, die immer noch vorgefertigte Bilder von alten Ömchen mit verformten Gelenken als das typische Erscheinungsmuster von Rheuma vor dem inneren Auge haben.
Die Expertise für mich selbst habe ich. Dabei ist es vollkommen wurscht, welchen Namen mein Handicap hat.

Aber weshalb schreibe ich hier in epischer Länge und Breite darüber? Ganz einfach, hier in unserer kleinen Community weiß ich, dass relativ viele von uns recht offen über diverse Baustellen schreiben.

Was mich nun wirklich interessiert, das ist die Frage: wie geht ihr im „Real Life“ mit bewegungseinschränkenden Erkrankungen, mit psychischen Belastungen, Suchterfahrungen, Fatigue, Autismus-Spektrum-Störungen, Krebs, Depression, kreisrundem Haarausfall und allem anderen um, das zu euch gehört wie ein bestens eingetragenes Paar Schuhe (oder auch mit dem, was noch eingelaufen werden muss, um im Bild zu bleiben)? Vor allem dann, wenn euch Unverständnis oder allzu viele „gute Ratschläge“ entgegengebracht werden? Wenn ihr vor Hürden steht, die eigentlich keine sein müssten? Wenn ihr für euch zustehende Rechte kämpfen müsst und euch vorkommt wie Don Quichote?

Denn ich finde es total wichtig, sich in solchen Belangen immer noch weiter zu vernetzen, Aufmerksamkeit (im positiven Sinn) zu erzielen, kurz und knapp „normal“ zu werden in seiner persönlichen Andersartigkeit. Weil unsere Gesellschaft nicht aus uniformierten Lebensläufen besteht. Weil jede/r von uns einzeln wichtig ist und trotzdem ein Herdenwesen bleibt.

Danke euch fürs Lesen und bestenfalls für eine rege Diskussion.

Verantwortung

Symbolbild: Pixabay

Aus aktuellem Anlass frage ich mich, was wir eigentlich meinen, wenn wir fordern, jemand müsse „Verantwortung übernehmen“. Im Zusammenhang mit der Flutkatastrophe 2021 mussten jetzt (nach langem und unwürdigen Winden) zwei Ministerinnen zurücktreten.

So flott, wie das nach Agenturmeldungen klingt, mag ich das Thema nicht abhaken. Vorab: Ja, ich denke auch, dass beide Rücktritte sein mussten. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass auch Ministerinnen ein Recht auf Familienleben, Urlaub oder Erholung haben. Ich gestehe auch beiden zu, dass sie, wie übrigens ein großer Teil der Bevölkerung, schwierige private Situationen zu bewältigen hatten. Und dass es in beiden Fällen noch dazu so gelagert war, dass diese Frauen trotz ihrer Ämter auch noch einen großen Teil des „Mental Load“ tragen mussten, den Familienleben mit sich bringt. Es geht mir auch nicht darum, dass es eine bittere Erkenntnis ist: Frauen werden an dieser Stelle immer noch anders behandelt als Männer. Denn, Hand aufs Herz: es liegt nicht am Geschlecht, ob jemand aus familiären Gründen von beruflichen Karriereschritten absieht, da gibt es genügend Beispiele. Aber es ist immer noch für Männer einfacher, sich neu in ihren Businessplan einzuklinken, wenn die private Situation es wieder zulässt. Frauen haben dann deutlich öfter „den Anschluss verloren“.

Katastrophal war bei beiden Frauen die Kommunikationsstrategie, die spätestens bei Christian Wulff nicht mehr funktioniert hat: Verdecken, leugnen, lügen, sich winden, scheibchenweise mit dem herausrücken, was sich nicht mehr unter dem Teppich halten lässt. Das ist es, was ich beiden (und ihren PR-Beratern natürlich) ankreide. Dazu das desaströse Bild, dass beide quasi das vermeintliche Ass aus dem Ärmel gezogen haben, gegen das tausende von Frauen sich zur Wehr setzen („Wenn es Spitz auf Knopf kommt, geht Familie vor Amt“), so dass Merz und Konsorten sich die Hände reiben können (mit derselben Begründung übrigens…).

Als Gesamtgesellschaft müssen wir uns daher immer wieder fragen, was wir eigentlich unter „Verantwortung“ verstehen und warum wir Frauen und Männer immer noch mit unterschiedlichen Maßstäben beurteilen. Letzteres dürfte auch heute noch viel mit unserer Sozialisation zu tun haben, es dauert eben mehr als eine Generation, solche gesellschaftlichen Traditionen aus den Köpfen und Herzen zu bekommen.

Was die politische oder auch wirtschaftliche Verantwortung angeht, so frage ich mich schon seit vielen Jahren, warum das meist bedeutet, dass jemand geschasst wird und jemand anderes den Schlamassel des Vorgängers ausbaden muss. Erstens kollidiert das mit meiner Überzeugung, dass man für einen angerichteten Schaden verantwortlich und damit zur Wiedergutmachung oder zumindest zur Schadensbegrenzung verpflichtet ist. Zum anderen ist das doch eine Art Persilschein, wenn ich weiß: „Egal, ob ich Mist baue, ausbügeln muss ich das nicht mehr. Ich bekomme trotzdem eine Pension und kann sicher sein, dass irgendwann keiner mehr dran denkt.“ Mir sträubt sich das Nackenfell, wenn ich an „Managerversicherungen“ und andere nette Annehmlichkeiten denke, die ich als Normalbürger nicht in Anspruch nehmen kann. Es ist auch kein gutes Vorbild für künftige Generationen.

Wo sich aber jeder einzelne von uns immer wieder Gedanken machen und auch an die eigene Nase fassen muss (ich auch):
Welche Erwartungshaltungen haben wir an unsere Repräsentanten? Sind die vielleicht mitunter drastisch zu hoch, könnte das ein Grund sein, warum es zum Beispiel immer weniger Menschen gibt, die sich lokalpolitisch engagieren? Weil wir dort keine Bürger, sondern Übermenschen sehen wollen?
Wie gehen wir mit Wahrhaftigkeit um? Sehen wir sie als Stärke oder doch eher als Schwachpunkt, weil jemand nicht gewieft genug ist, sich am Schopf aus dem Sumpf zu ziehen?
Wie steht es um unsere Fehlertoleranz? Gestehen wir anderen zu, was wir uns für uns selbst auch wünschen? Einen offenen, ehrlichen und respektvollen Umgang mit Fehlleistungen?
Und vor allem: Sind wir bereit, alles das auch jemandem zuzugestehen, der nicht unseren eigenen Standpunkt vertritt?

In den letzten Jahren zweifele ich zunehmend an Konzepten wie „Political Correctness“ oder auch „Identitätspolitik“, weil wir vor lauter Eifer auf der anderen Seite vom Pferd runterzufallen drohen. Ich verstehe die Intentionen, aber ich empfinde ein großes Unbehagen damit, weil wir dazu neigen, dem Konzept mehr zu vertrauen als den Menschen dahinter. Weil wir vor lauter Bemühen, inklusiv zu werden, schon wieder exkludieren.
Oder, wie meine Mutter früher immer sagte: „Was wir mit den Händen aufbauen, reißen wir mit dem Hintern wieder ein.“

Was wir nach meinem Empfinden deutlich mehr brauchen, für uns selbst und vor allem für andere: Demut und Respekt. Und Vergebung.

MacGyver

https://de.wikipedia.org/wiki/MacGyver

Wenn ich heute früh in die Zeitung schaue, ist der allgemeine Tenor (neben dem Scheitern der Impfpflicht und den neuesten Entwicklungen in der Ukraine) mit einem Wort der MANGEL.

Mangel an Solarmodulen, Mangel an Handwerkern, die die nicht vorhandenen Module auf die Dächer bauen, Mangel an Lieferketten, Sonnenblumenöl, Mehl … und Stahlnägeln😯? Kein Witz, die Titelzeile „Stahl-Nägel gehen aus“ steht über einem kleinen Einspalter, und zwar klagen darüber die Palettenhersteller (da man mit Paletten nicht nur Waren transportiert, sondern auch den Möbelschweden ersetzen kann, ist ja auch die Nachfrage nach Europaletten rasant gestiegen).

Meine Empfehlung: Schaut euch mal sämtliche verfügbaren MacGyver-Folgen an, je nach Altersgruppe und persönlicher Vorliebe entweder die Originale mit Richard Dean Anderson oder auch die Remakes mit Ich-weiß-nicht-wie-er-heißt. Sammelt Paketschnüre, Kaugummis, Gaffa-Tape und tragt immer ein Schweizer Taschenmesser mit euch herum. Wer weiß, vielleicht werden das die demnächst gebrauchten ultimativen Fähigkeiten, aus diesen unscheinbaren Zutaten weltrettende Lösungen zusammenzufrickeln.

Wie heißt es so schön? „Nichts hält so lange wie ein Provisorium“.

Limitiert…

…leider nicht das Tempo, sondern die kognitiven Fähigkeiten.

„Von einer vorübergehenden Senkung halte er nichts.“ oder „Man müsste entsprechende Schilder aufstellen, wenn man das für drei Monate macht, und dann wieder abbauen“
Ich beiße gleich ins nicht vorhandene Verkehrsschild (je nach Geschwindigkeit VZ-Nr. 274-60 bis 274-63, entsprechend Tempo 100 bis 130)!

Wenn das Ganze per Gesetz geregelt wird und ALLGEMEIN gültig ist, braucht es keine Schilder. Und wenn es unbegrenzt gültig ist, erst recht nicht.

Es kostet ein bisschen Hirnschmalz und Debattenzeit, danach die Veröffentlichung, aber es reisst kein Loch in Herrn Lindners Staatssäckel wie die Spritpauschale.
Es bringt einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss, weniger Spritverbrauch, bessere Luft, zeigt den Erdöl-Lieferanten die lange Nase. Und mehr Sicherheit bekommen wir on Top. Außerdem schont es das Nervenkostüm.

Aber ganz besonders nervt mich der letzte Absatz. Gefühlt gibt es nämlich nur noch zwei Parteiklientel, die sich mit Händen und Füßen wehren. Und die spalten nicht die gesamte Gesellschaft, das wünschen die sich nur, dass sie so viel Einfluss haben.
Ich habe vor längerer Zeit mal hier geschrieben, dass ich die FDP trotz allem für eine wichtige Partei halte. Ich distanziere mich in aller Form von dieser Aussage. Was ich retromäßig im Hinterkopf hatte, war die FDP von Genscher, Baum und Leutheusser-Schnarrenberger, nicht die aktuelle viagragepushte Gurkentruppe!

Freitag, 1. April 2022

Guten Morgen. Den ersten Schneespaziergang mit Kalle habe ich um 6 Uhr gemacht, er hat sich gefreut wie Bolle. Lucy ist schon zufrieden, wenn sie eine Schnute voll Schnee schlabbern darf, spazieren mag sie eher nicht mehr.

Jetzt bin ich mal vorsichtig gespannt, was der Monat noch für uns parat hat…

Citizen Science

Symbolbild: Pixabay

ist eine gute Möglichkeit, eigene Expertise einzubringen, zum Beispiel bei Forschungsprojekten der Wissenschaft. Wenn daran Interesse besteht, kann man auf der Seite https://www.buergerschaffenwissen.de/ nach interessanten Themenbereichen suchen, bei denen man sich beteiligen kann.

Ich habe mich vor einiger Zeit bei diesem Projekt angemeldet: https://www.buergerschaffenwissen.de/projekt/meinding-ich-bin-was-ich-nicht-habe und suche auch noch nach anderen Themen.

In der nächsten Zeit (wenn das Wetter dafür sorgt, dass der Boden neues Wasser bekommt) werde ich mich auch mal durch die Website des Bundesforschungsministeriums wühlen, denn dort wünsche ich mir auch so eine Plattform, bei der nach Sachgebieten geordnet alle BürgerInnen Vorschläge und Erfahrungen einbringen können. Sozusagen eine riesige gesamtdeutsche Mindmap. Noch breitere Bürgerbeteiligung und Ideenfindung ist kaum möglich und es könnte ja auch tatsächlich dazu führen, dass bürokratische Vorgänge mal verschlankt würden. Jedenfalls ist das meine Hoffnung.
Wenn ich beispielsweise am Schreibtisch sitze und neue Software teste, fällt mir grundsätzlich nicht jeder eventuelle Blödsinn ein, den ein Anwender damit anstellen kann. Das passiert oft erst, wenn ich einen solchen Fall telefonisch und per Fernwartung bearbeite. Umgekehrt habe ich keine Ahnung vom Programmieren. Aber manchmal sitze ich bei meinem Mann dabei, wenn er kniffelige Sachen entwickelt, die ich hinterher beschreiben soll. Dann kommt mitunter von mir eine „unqualifizierte Bemerkung“, die aber so Out-of-the-Box ist, dass sie tatsächlich einen Lösungsansatz bietet. In beiden Fällen ist es so, dass ein Lösungsansatz nicht von einer Person kommt, die ihre gesamte Arbeitszeit mit einem Thema verbringt und dabei logischerweise verkopft oder einen Tunnelblick entwickelt. Die Praxis fehlt. Und die können BürgerInnen beisteuern.

Es hätte auch den Vorteil, dass jeder, der mitmacht, nicht mehr das Gefühl des „Was ich denke, interessiert sowieso keinen“ haben muss.

PS: Ach ja, bei „Flora incognita“ mache ich auch schon seit drei Jahren mit. Und welche spannenden Projekte kennt Ihr so?

Noch ein paar Überlegungen zur Mobilität

Immer, wenn ich über das Thema „eigenes Auto – ja oder nein?“ nachdenke, ist mein erster Impuls: Klar kann ich das abschaffen, denn wir haben ja noch den großen Familienwagen (wo auch die Hunde Platz drin finden). Aber ab und zu ist die Familienkutsche nicht vor Ort, weil damit eine Firmenfahrt oder ein Kurztrip Richtung Wasser unternommen wird. (Das ist auch so eine Sache: mit der Bahn nach Heiligenhafen ist eine kleine Weltreise…) Und wenn diese Fahrten mit meinen Arztterminen oder unvorhergesehenen Zwischenfällen kollidieren, dann kann die Sache ganz anders aussehen.

Ich bin eigentlich der Meinung, dass wir hier zwar ländlich wohnen, aber die Stadt gut angebunden ist. Solange die Stadt Minden ist, stimmt das auch. Allerdings muss ich ab und zu Facharzttermine wahrnehmen, die Ärzte sind aber in Rinteln, Bückeburg und Bad Oeynhausen. Da sieht die Sache schon ganz anders aus. Oder der Mittwochsausflug zum Therapietermin der Tochter: Ist zwar in Minden, aber auf der anderen Seite der Stadt, ohne Umsteigen nicht machbar und damit nach der Schule nicht mehr zu erreichen.

Oder das Klimaticket: Das gibt es in Minden, Bad Oeynhausen, Löhne, Herford. Diese Städte liegen alle in der Tarifgemeinschaft OWL, aber Porta Westfalica ist an dem Klimaticket-System nicht beteiligt, also nutzt mir der Verkehrsverbund überhaupt nichts, denn ich muss ja von Porta aus erstmal hinkommen in eine der Städte rundum. Und das Klimaticket gilt immer nur für die jeweilige Kommune.

Drittes, frustrierendes Beispiel ist unser Wohnwagen: wir haben den nicht unbedingt, weil wir jedes Wochenende damit unterwegs sind. Für den Urlaub einen WoWa mieten wäre sicher sinnvoll. Wenn da nicht Lucy und Kalle wären… Denn ich habe bisher nur einen Vermieter von Wohnmobilen (nicht Caravans) gefunden, der an Hundebesitzer vermietet – und der ist irgendwo in Süddeutschland!

Beim letzten Beitrag „Autokorrektur“ hat Martha sehr eindrücklich kommentiert, welche Probleme sie beim Thema Mobilität hat. Als ich ihr geantwortet habe, fiel mir eine Bahnfahrt vor Jahren mit zwei Kindern ein, die ich jahrelang wahrscheinlich absichtlich aus meinem Gedächtnis verbannt hatte. Mich würde jetzt einmal interessieren, welche Erlebnisse ihr hattet, die im Zusammenhang mit Mobilität und ihren Hindernissen stehen. Oder auch, welche Innovation euch besonders beeindruckt hat (so wie Fahrradparkhäuser in den Niederlanden oder freie Fahrt für Fahrräder in Kopenhagen…).

Hm…

Es bleibt verwirrend, und das auf mehreren Ebenen. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll: Zwei Jahre lang hat die Bundespolitik versucht, die Fäden in Sachen Corona zusammenzuhalten. Mal ganz dahingestellt, dass es nicht wirklich konsistent war und auch nur so mittelmäßig gut geklappt hat – unter anderem, weil meist der Ausdruck der Protokolle von MPKs nicht getrocknet war und schon die ersten Bundesländer aussscherten.

Jetzt sollen die Bundesländer das Heft des Handelns übernehmen und finden es auch wieder nicht richtig, wünschen sich, dass der Bund koordiniert. Wie gesagt, ich weiß echt nicht, was augenblicklich der Königsweg sein könnte, habe ich doch gestern erst gelesen, dass die Krankenhäuser in OWL darunter ächzen, dass einerseits immer mehr Personal wegen Krankheit oder Quarantäne ausfällt und andererseits immer mehr Patienten, die positiv getestet sind, stationär aufgenommen werden müssen (und dabei ist es vollkommen wurscht, ob die wegen Beinbruch oder Herzinfarkt kommen, sie können jedenfalls nicht einfach mit auf offene Stationen gelegt werden).

Ich glaube, ich muss mal forschen, an welchem Punkt es denn zur Abwechslung mal so richtig gut läuft. Damit ich mal positiv denken und schreiben kann. Das ist ja langsam sonst nicht mehr auszuhalten.

Schnippelboy

Ein Tagebuch unserer Alltagsküche-Leicht zum Nachkochen

Birthes bunter Blog-Garten

Grüner Garten-Frische Küche-Bunte Alltagswelt

Stachelbeermond

Wie das Leben - schön und stachelig

Wortman

Willkommen in den WortWelteN

CoffeeNewstom

Toms Welt des Kaffees

Freidenkerins Weblog

Bilder, Gedanken, und Geschichten.

MRS SQUIRREL I WOHNEN - KREATIVES - LIFESTYLE

WOHNEN I GARTEN I DIY I LIFESTYLE

mutter-und-sohn.blog

Kluge Gedanken. Aus dem echten Leben

wortverdreher

Texte und Gedichte zu den Themen Tanzen und Leben

Kulturbowle

KulturGenuss, Bücherlust und Lebensfreude

reisswolfblog

"Bücher bieten keine wirkliche Rettung, aber sie können den Geist davon abhalten, sich wund zu kratzen." - David Mitchell

Spinnradl

... den Faden aufnehmen und weben und schreiben ...

wortwabe

Lies mich! Read me!

Naturgeflüster

Impulse für ein natürliches Leben mit einer seltenen Erkrankung

Taufrisch war gestern

Birgit Jaklitsch: Journalistin, Bloggerin, Autorin

romanticker-carolinecaspar-autorenblog.com

Vorstellung meiner Bücher - Blog: Romanti(c)ker

Linsenfutter

Tier-, Naturbeobachtungen und mehr. Als Hobbyfotograf berichte ich. Stets suche ich Futter für die Linse meines Fotoapparates.

Künstlerhof Lavesum

Einblicke, Geschichten und mehr

Natis Gartentraum

Alles rund um den Garten, Ausflüge und mehr

Meine literarische Visitenkarte

Aus der Feder geflossen und vor die Linse gesprungen

-Naturliebe-

Im Fluss Des Lebens - Altes und Neues wissen

Steinegarten

Pflanzen, Steine und mehr

Die gnädige Frau wundert sich

Szenen eines unordentlichen Lebens

Querbeet

Bücher, Rezensionen, Rezepte, Katzen und mehr

Mein innerer Garten

Leben in emotionaler Instabilität

Wildgans's Weblog

Lese- und Lebensdinge

wupperpostille

...in Verbindung bleiben...

Sustainability

plastic free

Puzzleblume ❀

mit Wurzeln und Flügeln

Reginas Geschichten und Gedichte

Neu: viele Geschichten auch als HÖRGESCHICHTEN

watt & meer

Der Blog watt & meer erzählt von den kleinen und großen Wellen, von Alltag und Urlaub und dem Glück auf 4 Pfoten.

Webgeflüster mit Seele

Der etwas andere Blickwinkel

Hinter den Türen der Stadt

Geschichten mitten aus dem Leben; über Momente die uns prägen, Freude, Schmerz, Hoffnung und Schicksal dem wir täglich begegnen. Ein kleiner Blick ins Innere, ein Blick hinter die Tür.

Tutto paletti

Perfekt auf die entspannte Art

Kaya - Border Corgi

Hundeblog - Alltag mit Hund, DIY, Erziehung, Tricks, Produkttests

anwolf.blog

Unterwegs auch mit Hund

7geisslein

Ein Blog über das Leben einer Familie mit allem was zu uns gehört: fünf Kinder, der beste Ehemann von allen, der alltägliche Wahnsinn und das große Glück in den kleinen Dingen gemäß unserem Trauspruch "Ubi Caritas et amor ibi deus est"

ein Anfang und kein Ende

meine gelesenen Bücher und Rezensionen

Wortverloren

Rezensionen und mehr

%d Bloggern gefällt das: