Lauter Fragezeichen…

Warum sehen wir uns so gern als Individuen, werten aber andere als eine undefinierbare Menge „DIE“ ab?

Warum nehmen wir für uns selbst häufig so selbstverständlich Dinge in Anspruch, die wir anderen nicht gönnen?

Warum ist es für viele von uns nicht möglich, andere Gedankengänge als gleichberechtigt im Raum stehen zu lassen?

Warum können immer mehr Menschen nicht mit Argumenten, sondern nur mit Verächtlich-machen hantieren?

Warum lernt die Spezies Mensch nicht endlich mal, absehbare Katastrophen zu vermeiden statt direkt hineinzusteuern?

Warum ist der einzige Weg, der uns die Zukunft ebnen soll, immer noch der des „höher, schneller, weiter“?

Warum versuchen wir Fragen von heute und morgen mit Lösungen von gestern und vorgestern zu beantworten?

Und warum bloß gibt es immer wieder, wenn ich gerade denke, ich hätte meinen Platz im Leben gefunden, Ereignisse, die mich wieder mal zweifeln und suchen lassen?

Es grummelt…

…, zieht sich zu und die Luft ist dicker als Kartoffelsuppe. Ein Gewitter liegt in der Luft und beim Blick auf das Regenradar fahre ich die Markise ein, der Sonnenschirm kann ebenfalls zugemacht werden, die Vögel draußen werden auch merklich ruhiger. Spannung liegt in der Luft.

Ich sehne mich regelrecht danach, dass dicke Tropfen auf den Boden klatschen, der dann beginnt zu dampfen von der Tageshitze. Ich kann die Würze in der Luft schon in meiner Vorstellung riechen, ich möchte im Regen tanzen.

Heute war es schon früh so heiß, dass ich sogar in unser alten Kirche mit den dicken Mauern ruhig sitzend Schweißausbrüche bekam. Zuhause war es noch wärmer, die Durchschnittstemperatur im Haus liegt bei knapp 28 Grad, nur im Keller hört das Thermometer bei 20 Grad auf zu steigen. Ich wollte für die schulpflichtigen Familienmitglieder Masken nähen, aber meine Hände kleben am Stoff und an der Nähmaschine fest. An die noch zu fertigenden Kinder-Kochmützen für den Kindergarten habe ich mich erst gar nicht herangetraut, das ist Neuland mit viel Fummelei, der Stress, den ich mir dabei selbst machen verursachen würde, der würde mich auch zum Schmelzen bringen, fürchte ich.

Unbeeindruckt von der Schwüle sind die fleißigen Bienen an meiner ungeplanten Sonnenblume, sie ernten schon den ganzen Tag in kleinen Trupps von 3-7 Tieren:

Mir ist gar nicht aufgefallen, dass es so diesig ist…

In die Gegend gedacht

Nach der Bücher-Challenge brauchte ich eine Pause. Es ist doch anstrengend, wenn auch nicht körperlich, jeden Tag einen Beitrag rauszuhauen oder für mehrere Beiträge vorzuschreiben, quasi auf Kommando. Wobei ich mich nicht beschweren will, denn es hat mich niemand gezwungen, mitzumachen. Es ist nur anders als einfach ins Blaue zu schreiben, wie der Schnabel gewachsen ist, weil gerade eine Idee im Kopf Form annimmt. Trotzdem hat ein vorgegebenes Thema Vorteile, weil man sich auch mit ungeliebten Gedankengängen beschäftigen muss. Denn das ist eine Qualität, die wir durch die diversen Filterblasen und Algorithmen der „sozialen“ Medien zunehmend verlernen oder zumindest vermeiden.

Jetzt ist es Samstag, 10:26 Uhr, und ich sitze hier schwitzend vor dem PC. Um 6 Uhr bin ich aufgestanden, habe Kaffee gekocht, die Gemüsepflanzen draußen ausgiebig gewässert und etwas Zeitung gelesen. Immerhin ist Samstag. Nach dem Frühstück habe ich im Nachthemd (unbestrittener Vorteil, wenn man einen großen und eingewachsenen Garten hat) die Terrasse gefegt, weil sie noch im Schatten lag. Duschen und Einkaufen folgte. Und eben habe ich zumindest noch das kleine Stück Wiese an der Terrasse gemäht, weil wir heute Abend mit allen Kindern und Schwiegerkindern grillen wollen. Als wir das verabredet hatten, haben wir im Traum nicht damit gerechnet, dass der Sommer 2020 mit Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke um die Ecke kommt. Naja, ist eben HOCHsommer.

Blick aufs Handy, der DWD sendet eine Hitzewarnung der Stufe 1. Da wäre ich ohne nicht drauf gekommen. Immerhin war um 9:30 Uhr schon 25 Grad im Schatten. Das Regionalforstamt OWL lässt ab heute Waldbrandkontrollflüge über die Senne und den Teutoburger Wald fliegen, also auch bei uns hier. – Ich brauche die Hitze jetzt echt nicht mehr. War ich im Frühjahr durch die kaputten Sehnen gehandicapt, steckt mir jetzt die Hitze in den Gelenken. Wieder komme ich im Garten nicht so weiter wie ich es vorhatte. Die Wildnis nimmt überhand, inzwischen finde ich es nicht mehr ganz so schön wie vor drei Monaten. Aber meckern hilft ja auch nicht, also freue ich mich an Blumen und Kräutern, die unvermutet irgendwo wachsen, ernte Brombeeren und versuche, hier und da den Wildwuchs in die Schranken zu verweisen. Momentan mit mäßigem Erfolg.

Wenn ich ehrlich bin, ist das Lamentieren über zu viel Vegetation ein Jammern auf ziemlich hohem Niveau, verglichen mit vielen Dingen, die auf der Welt geschehen. Ich bräuchte so viele Köpfe wie Medusa Schlangen auf dem Haupt trägt, um sie alle zu schütteln, wenn ich an die Demo in Berlin letzte Woche denke. Für mich persönlich ist es das Bedenklichste daran, dass Menschen, die teilweise berechtigte Anliegen vertreten und Finger in Wunden der Corona-Politik legen (die es ja tatsächlich gibt, denn auch die Politik tastet sich vorsichtig durch unbekanntes Terrain), keinerlei Scheu haben, mit Extremisten jeglicher Couleur, Verschwörungsideologen und solchen, die demokratische Prozesse am liebsten nutzen würden, um die Demokratie abzuschaffen, gemeinsam aufzulaufen. Das kann ich einfach nicht nachvollziehen.

Angesichts der menschlichen, wirtschaftlichen und letztlich auch sich anbahnenden politischen Katastrophe in Beirut kann ich nicht anders als dankbar sein, hier im recht sicheren Deutschland zu leben. Was da alles auf die sowieso schon instabile Region Naher Osten zukommt, können wir heute überhaupt noch nicht absehen. Aber es tut gut, wenn ich mitbekomme, dass Menschen aus den unterschiedlichen Gegenden des Libanon nach Beirut reisen, um beim Aufräumen zu helfen. Es tut gut, dass auch viele Staaten helfen, obwohl sie an der heimischen Corona-Front alle ihre eigenen Probleme haben. Es tut gut, dass angesichts des großen Leides sogar die mit dem Libanon verfeindeten Staaten Israel und Iran mit anpacken wollen, auch wenn man getrost vermuten darf, dass sie es nicht ganz uneigennützig tun.

Vieles geht mir durch den Kopf, wenn ich dieser Tage Zeitung lese oder Nachrichten schaue. Manches werde ich in der nächsten Zeit mal hier anreißen. Auch Themen, über die man zurzeit gern unterschiedliche Meinungen haben darf. Aber immer mit Respekt dem anderen gegenüber und der Bereitschaft, sachlich zu argumentieren.

30 Days Book Challenge – Tag 30

*Werbung wegen Namensnennung, unbezahlt*

Die allerletzte Aufgabe steht heute an, es geht um „Ein Bildband, der zum Schmökern einlädt“.

Zunächst mal werden damit Erinnerungen an meine Ausbildung geweckt. Denn zu der Zeit kaufte ich mir jeden Monat einen Bildband. Da es das Ende der 1980er Jahre war, wurden die Fotos noch analog geknipst, allerdings schon mit ziemlich hoher Auflösung. Im Handel waren gerade bei den Verlagen mit modernem Antiquariat (kennt noch jemand den Pawlak Verlag oder Time Life?) auch noch recht viele Bände aus den 1970ern vorrätig. Die Qualität ließ dann leider oft zu wünschen übrig, die Bilder waren sehr grobkörnig (damals hieß es noch nicht „pixelig“). Je nach Thema war mir das aber manchmal auch egal. Die Ansprüche waren noch nicht so hoch…

Tolle Bildbände hatte schon immer Bruckmann oder National Geographic, die waren neben den fernwehweckenden Fotos auch immer informativ. Bis heute hat sich nichts daran geändert, dass ich die Kombi aus tollen Fotos und Hintergrundwissen sehr mag.

Die beiden Bildbände, die ich für heute ausgesucht habe, machen da keine Ausnahme.

Erstens

Gelungen: Einerseits stimmungsvolle Fotos von Orten an den deutschen Pilgerwegen, andererseits aber auch handfeste Infos zu den Strecken. Zum Mitnehmen ist das Buch aber nix. Auf der aufgeschlagenen Doppelseite (sorry für die Bildqualität, ich war ungeduldig) ist übrigens das Bückeburger Schloss ganz in meiner Nähe abgebildet.

Zweitens

Die Reihe „Culinaria“ aus dem Taschen Verlag ist bei mir in der Küche mit vier Bänden vertreten, leider habe ich es nicht geschafft, ein paar mehr davon zu sammeln. Ich mag daran sehr gern die kulturellen Hintergrundinfos, zum Beispiel in dem USA-Band, wie die jeweiligen Gebiete besiedelt wurden und wie sich das auf die regionale Küchen auswirkte. So findet man in den USA lokale Spezialitäten aus den Kochtöpfen der Natives ebenso wie schwedische, italienische, deutsche, jüdische, afrikanische, karibische… Einflüsse.

Ansonsten tummeln sich geographische oder Reisebildbände bei mir ebenso wie archäologische oder kulturhistorische, Tiere neben Pflanzen.

Ein letztes Mal danke an Ulrike , pünktlich bevor ich nächste Woche wieder beginne, stundenweise in einer Buchhandlung zu arbeiten, habe ich mir mal wieder einen Monat lang ins Bewusstsein gerufen, warum Buchhändlerin nach wie vor mein Traumberuf ist.

„Sail away, dream your dreams…“

Kennst du den Song aus der Bier-Werbung? Mit dem Segelschiff „Alexander von Humboldt“ (auf der man übrigens auf Zeit anheuern kann) mit den markanten grünen Segeln?

Letzte Woche haben wir das gemacht. Das Schiff (die Friendship vom Beitragsbild) war ein bisschen kleiner (38 Fuß, also ca. 11,60 m), das Meer auch (das Ijsselmeer), aber das Erlebnis war super. Dienstag und Donnerstag hatten wir auch reichlich Wind, nicht immer aus der bevorzugten Richtung, aber das ist eben so. Der Mittwoch war ein ruhiger Tag für uns, das war auch in Ordnung, weil wir fast alle blutige Anfänger waren. Auf jeden Fall war es eine knappe Woche Entschleunigung pur.

So eine Yacht ist ja quasi eingerichtet wie ein Wohnwagen, zumindest war es damit für uns alle nicht neu, wie das Zusammenleben auf diesem kleinen Raum ist, wie das Kochen funktioniert und dass alles rüttelfest verpackt sein muss.

Montag Abend. Die erste Ausfahrt aus der Marina hatten wir da schon hinter uns gebracht, um ein Gefühl für das Schiff zu bekommen und Anlegemanöver zu üben.

Der Ortsteil von Lemmer, wo der Yachtvercharterer ansässig ist, ist ins Wasser hineingebaut, und so hat fast jedes Haus nicht nur ein Auto vor dem Haus an der Straße, sondern auch ein Boot hinterm Haus zur Wasserseite liegen. Gefällt mir sehr gut.

Der erste Abend klang schön ruhig aus.

Am Dienstag ging es dann aufs Ijsselmeer. Und zwar mitten durch die Innenstadt von Lemmer. Zwei Klappbrücken und eine Schleuse mussten wir dafür passieren, an der ersten Brücke stand ein Brückenwärter (höchst amtlich) mit einer Angel, an der ein Klompen (Holzschuh) befestigt ist. Wenn er die Angel auswarf, musste jemand auf den passierenden Schiffen den Klompen auffangen und das Brückengeld hineinlegen.

Fahrt durch Lemmer. Es lagen dort allerdings an beiden Tagen der Durchfahrt so viele Schiffe, dass wir nicht zwischendurch festmachen konnten, um an Land zu gehen.

Die Fahrt ging nach Enkhuizen, also einmal quer rüber. Der Wind war ziemlich entgegenkommend, im wahrsten Sinn des Wortes. Kreuzen war angesagt, und der Wellengang sorgte auch noch dafür, dass wir fast die Markierungen der Fischernetze nicht rechtzeitig gesehen hätten (warum sind die auch schwarz, das fällt gegen die Sonne kaum auf) und dann eine rasante Wende mit Segeleinholen fahren mussten. Den Rest sind wir dann unter Motor gefahren, so weit war es auch nicht mehr.

Wohnschiffe in Enkhuizen

Obwohl der Hafen in Enkhuizen einen recht vollen Eindruck machte, bekamen wir einen schönen Liegeplatz am äußeren Steg zugewiesen, wo wir bequem „rückwärts einparken“ konnten.

So wie hier saßen in Enkhuizen überall Schwalben auf den Relings der Boote.

Witzig, ich käme nie auf die Idee, hier in Deutschland über einen Parkplatz zu schlendern und mir Gedanken zu den abgestellten Autos zu machen. Aber am Dienstagabend, wenn wir zum Hafengebäude gingen oder zurück, begutachteten wir die unterschiedlichen Schiffe. Kleine Kreuzer, die liebevoll in Schuss gehalten waren ebenso wie Yachten, die offensichtlich seit längerer Zeit ungenutzt und in miesem Zustand dort lagen. Großprotzige Motoryachten, PS-stark und überdimensioniert, restaurierte Schlepper, holländische Schokker, klassische und hypermoderne Segelyachten. Alles war vertreten.

Die Plattbodenschiffe mit den charakteristischen Seitenschwertern sind teilweise noch als Lastkähne im Einsatz, auf anderen kann man Freizeiten buchen.

Die Stadt hat uns sehr gut gefallen, unter anderem gab es am Abend von einem Kirchturm aus ein Glockenspielkonzert. In den umliegenden Straßen hatten sich einige Menschen Campingstühle auf die Bürgersteige gestellt und lauschten der Musik. Andere hatten Staffeleien oder Skizzenbücher dabei und zeichneten die Kirche oder deren Umgebung. Überhaupt hat mir persönlich die Freundlichkeit und Gelassenheit der Leute sehr gefallen.

Kirche mit Glockenspiel in Enkhuizen

Am Mittwoch führte uns die Fahrt grob nach Süden, Urk war unser Ziel. An diesem Tag hatten alle die Gelegenheit, mal am Steuer zu stehen, es war ein ruhiger und entspannter Tag, bis wir Urk erreichten. Denn dieser Hafen war tatsächlich so voll, dass wir zunächst nicht sicher waren, ob wir einen Platz bekommen. Die Lösung verriet mir der Hafenwärter, als ich ihn anrief: „Bilden Sie ein Päckchen, wo, ist egal“. Im Klartext, wir sollten an einem anderen Schiff anlegen, über das wir dann immer rübersteigen mussten, um an Land zu kommen. Diese übliche Gepflogenheit ist erstmal für Landratten gewöhnungsbedürftig, dort ist man ja immer auf Abstand bedacht, um ja nicht die Privatsphäre des Nachbarn zu stören. In Häfen ist es umgekehrt eher ungehörig, jemandem das Andocken zu verwehren, denn es ist unsolidarisch, einem anderen Segler den Zugang zur Hafeninfrastruktur nicht zu ermöglichen. Man muss sich halt mit dem Nachbarn auf Zeit einig werden, wann man wieder ablegt, damit beide zu ihrem Recht kommen. Wenn ich es mir recht überlege, wird dort ein Umgang gepflegt, der sich durchaus gesellschaftlich mal wieder mehr etablieren sollte.

Seite an Seite mit unserem belgischen Nachbarn.

Urk war vor langer Zeit eine Insel in der Zuiderzee, eine Vergangenheit, die bis heute durch die Struktur des Ortes sichtbar ist. Es ist ein sehr hübsches kleines Städtchen, vom Fischfang und Tourismus gleichermaßen geprägt. Von dort fuhren wir am Donnerstag wieder nach Lemmer zurück, diesmal wieder mit mehr Wind, der uns jetzt aber anschob.

Den Abend ließen wir gemeinsam ruhig ausklingen, denn man glaubt es kaum, obwohl man sich den ganzen Tag nur auf knapp 36 Quadratmetern bewegt, merkt man am Abend den Tag ziemlich in den Beinen, gerade bei mehr Wind. Ganz unbewusst ist man nämlich ständig damit beschäftigt, die Schaukelbewegungen des Schiffes auszugleichen. A propos schaukeln, ich bin jetzt, wo ich dieses schreibe, seit über 72 Stunden nicht mehr auf dem Schiff, aber in meinem Kopf schwankt es immer noch leicht. Am Samstag mochte ich noch nicht selber Auto fahren. Ich hoffe, wenn ich morgen wieder ebenso lange an Land bin wie ich vorher an Bord war, ist alles wieder im Lot in meinem Hirn…

Am Freitag hieß es dann Klar Schiff machen, alles wieder in den Autos verstauen, nach Hause fahren. Mit ein wenig Wehmut, aber ich selbst war auch froh, dass meine Beine nicht mehr herumklettern mussten (um rauf und wieder runter vom Boot zu kommen), denn zweimal hatte es im linken Oberschenkel an der Sehnenansatzstelle gerupft, was mich doch etwas alarmierte. Wir hatten eine wunderschöne Woche mit gutem Wetter, einer prima Gemeinschaft an Bord und die Hilfe von superlieben Familienangehörigen und einer ebensolchen Freundin, die uns das Ganze ermöglicht haben, indem sie Häuser, Wohnung, Hunde und Katzen gehütet haben.

30 Days Book Challenge – Tag 12

Leider heute mit etwas Verspätung. Ich habe an unsere Kunden heute früh eine Info-Mail verschickt, Es war logisch und vorhersehbar, dass Mailaccount und Telefon nicht stillstehen werden…

Die Aufgabe für heute lautet: „Ein Buch aus einem anderen Kulturkreis als dem eigenen“

Ich habe mir „Die Zedernsängerin“ von Naomi. M. Stokes herausgesucht, ein Buch, das mich ziemlich fasziniert hat. Vordergründig ist es eine Art Kriminalroman, in dem Sinne, dass zwei Polizeibeamte eine Menge mysteriöse Fälle im Reservat der Quinault-Indianer an der Westküste der USA aufklären müssen. Im Mittelpunkt steht aber die Geschichte einer Frau, die mit ihrem kulturellen Erbe hadert, die am liebsten der „normalen Durchschnittsbevölkerung“ angehören möchte. Was vor allem daran liegt, dass ihr Volk vor sich hinvegetiert, mit Krankheiten, Arbeitslosigkeit und Alkoholmissbrauch kämpft und nicht klarkommt in einer Welt, die das Vorhandensein von spirituellen Grenzwelten leugnet.

Das Buch erzählt, wie sich Joan Tidewater, Sheriff im Reservat, langsam an ihre Wurzeln annähert, sich mit ihrem Erbe aussöhnt und lernt, ihre Fähigkeiten jenseits des Verstandes anzunehmen. Gleichzeitig gibt es in die Story eingewebt viele Einblicke in die Art und Weise, wie seit der Besiedelung des „Wilden Westens“ durch die Weißen die Rechte der Ureinwohner mit Füßen getreten wurden.

Ich habe es sehr gern gelesen, es gibt auch noch eine Fortsetzung „Die Maskentänzerin“, was mir aber nicht ganz so gefiel. Die Autorin ist selbst (jetzt komme ich ins Schwitzen, wie sagt man das denn heute?) zur Hälfte Cherokee und arbeitet als Journalistin für das Time Magazin.

Ach ja, und leider ist auch dieses Buch nur noch antiquarisch erhältlich.

Wieder geht mein Dankeschön an Ulrike, denn ich darf ganz viele Schätze heben in diesen Wochen…

Ferien!?

Morgen hat Kathrin ihren letzten Schultag vor den Ferien. Zeugnis an einem Donnerstag in der sechsten Stunde. Alles sehr merkwürdig.

Eigentlich sollte am Samstag die Kinderfreizeit starten, stattdessen machen wir am Ende der ersten Ferienwoche eine „Kurzexpedition“ durch eins unserer Dörfer mit den Kindern aus der Gemeinde. Für einen Nachmittag.

Und die Aussicht auf sechs Wochen Ferien fühlt sich auch gar nicht so an, als ob ein langer freier Sommer beginnt. Erstens, weil die vergangenen drei Monate sich gar nicht viel anders anfühlten, wir waren ja sowieso ständig zusammen im Haus. Und zweitens, weil sich auch so gar nicht richtig Urlaubsstimmung einstellen mag. Zu ungewiss ist immer noch die Situation, wir wissen noch nicht einmal, ob wir unsere Segeltour so durchführen können, wie wir es möchten. Zumindest nicht, was das gemeinsame „Wohnen“ auf einer Yacht angeht. Weil wir zwei Familien und drei Haushalte sind. Das könnte knapp werden. Alle paar Tage schaut Edgar bange, ob sich die Regeln in den Niederlanden geändert haben. Und wenn es jetzt Schule macht, dass Ostwestfalen in manchen Gegenden lieber ausgeladen werden, da mag ich lieber nicht dran denken.

Ich hoffe, dass zumindest unser Grundstück doch noch etwas von der ungewöhnlichen Situation profitiert und wir dort einige Dinge in Angriff nehmen können. Aufholen, was verletzungsbedingt im Frühjahr nicht geklappt hat. Mal sehen. Der Sommer kommt und er wird irgendwann auch wieder gehen, egal, was wir daraus machen.

Martin Luther King

Der Anhänger des gewaltlosen Widerstandes ist mit dem, der sich in sein Schicksal ergibt, einer Meinung, dass man nicht tätlich gegen seinen Gegner vorgehen soll. Andererseits ist er aber auch mit dem, der für Gewalt ist, einig, dass man dem Bösen Widerstand leisten muss. Er vermeidet die Widerstandslosigkeit des Ersteren und den gewaltsamen Widerstand des Letzteren. Wer gewaltlosen Widerstand leistet, braucht sich weder als Einzelperson noch als Gruppe irgendeinem Unrecht zu beugen; er braucht aber auch nicht zur Gewalt zu greifen, um sich Recht zu verschaffen.

Das schreibt Martin Luther King in seinem Buch „Freiheit“. Weil das Thema Widerstand mit oder ohne Gewalt aktuell wie lange nicht ist, möchte ich heute auf das Buch von Klaus Dieter Härtel über den Pastor und Bürgerrechtler Martin Luther King hinweisen, das ich schon vor ein paar Monaten gelesen, aber bisher nicht vorgestellt habe. Vermutlich war die Zeit im Herbst 2019 einfach noch nicht gekommen.

Das Buch ist in seiner ersten Auflage bereits im Jahr 1968 erschienen, in dem King erschossen wurde. 2019 erschien die 5. Auflage, ein Kassenknüller war das Buch also nie. Aber es ist ein wichtiges Buch, denn es erzählt Missstände, die in den Jahren 1955 bis 1968 in der Agenda des alltäglichen Lebens Schwarzer in den USA den Alltag bestimmten. Und den Weg, mit dem King und andere, nicht nur schwarze, Bürgerrechtler dagegen angingen. Es erzählt von Erfolgen, Stolpersteinen, blindem Hass auf beiden Seiten, aber vor allem von dem Ringen um den richtigen Weg. Vom Anspruch, Ungerechtigkeiten nicht mit anderen Ungerechtigkeiten zu beantworten. Von der ungeheuren Anstrengung, auf Gewalt nicht mit Gegengewalt zu reagieren. Von der Überzeugung, dass ein gemeinsames friedliches Leben nicht nur wünschenswert, sondern auch möglich ist.

Heute, im Jahr 2020, haben die USA sogar einen farbigen Präsidenten hinter sich, was in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts überhaupt nicht denkbar war. Es hat sich also tatsächlich etwas geändert. Tatsache ist aber auch, dass leider mit allen kleineren und größeren Freiheiten für Nicht-Weiße die Anzahl derer wächst, die sich offen dazu bekennen, diese Entwicklung nicht zu wollen, sogar mit allen Mitteln dagegen anzugehen.

Wir müssen dafür nicht einmal über den großen Teich schauen, in Deutschland sieht es nicht viel anders aus. Auch hier wird Alltags-Rassismus wieder gesellschaftsfähig. Ich unterstelle dabei, dass es nicht einmal immer böswillig ist, sondern oft einfach gedankenlos. Weil wir andere Menschen einfach gern in Schubladen sortieren: Ostfriesen, Bayern, Sachsen, Schwaben oder Ostwestfalen. Alle mit entsprechenden Attributen (oder Vorurteilen) der Herkunft verknüpft. Dann rothaarige Iren, Engländer mit unmöglichen kulinarischen Vorlieben, feurige Italiener und Spanier, freizügige Schweden, erzkatholische Polen… Wirklich fies wird es aber, wenn wir bestimmten Volksgruppen verächtliche Züge „andichten“. Zum Beispiel Gloria von Thurn und Taxis: Eine bekannte Äußerung von ihr stammt aus der Talkshow Friedman vom 9. Mai 2001: „Afrika hat Probleme nicht wegen fehlender Verhütung. Da sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gloria_von_Thurn_und_Taxis#:~:text=Eine%20bekannte%20%C3%84u%C3%9Ferung%20von%20ihr,Der%20Schwarze%20schnackselt%20gerne.) Auch ihr unterstelle ich erstmal, dass sie diesen Satz einfach mal rausgehauen hat, ohne groß darüber nachzudenken. Vielleicht, weil er das Potenzial zu großer Reichweite hat oder weil man in einer Talkshow einfach nicht immer die intelligentesten Äußerungen von sich gibt.

Auch, wenn die erste Assoziation, die man zu libanesischen Mitbürgern hat „Clankriminalität“ lautet, ist das eine Art von Social Profiling, die alles andere als in Ordnung ist. Mal überlegen: Wenn das Bild „des Deutschen an sich“ in der Welt wäre: Alle deutschen Männer sind Kinderschänder, denn da gibt es Lügde und Bergisch Gladbach und andere bekannt gewordene Verbrechen… Klar, oder? Ist ja schon schlimm genug, dass wir alle Sauerkraut und Hax’n essen, während wir Dirndl oder Krachlederne am Leib tragen und Bier aus Maßkrügen dazu trinken😂.

Aber zurück zum Buch: Die Idee des gewaltlosen Widerstandes ist nach wie vor die beste, die es gegen Ungerechtigkeit gibt. Denn man kann Unrecht nicht mit anderem Unrecht bekämpfen. Daher mein Fazit: Dieses Büchlein zu lesen lohnt sich unbedingt. Denn leider ist trotz vieler Fortschritte, die es auch gegeben hat, immer noch zu viel Ungerechtigkeit gegen Schwarze (und generell gegen alle, die irgendwie „Minderheit“ sind) in der Welt.

Bibliographische Angaben: Klaus Dieter Härtel, Martin Luther King, Brunnen Verlag Gießen, ISBN 978-3-7655-4346-3, €9,99

Es ist Donnerstag…

… und es regnet. Unspektakulär, meinst du? Beides empfinde ich augenblicklich als wohltuend. (Bis auf die Tatsache, dass auf meiner Tastatur das „N“ klemmt, entspannt mich nämlich beides gerade enorm)

Fange ich mal mit dem Regen an. Der DWD hatte für gestern Abend über OWL Gewitter angekündigt. Aus Sorge um meine schönen Rosen im Garten hab ich deshalb alle mal fotografiert, so ist die Collage oben entstanden. Aber so oft ich auch das Regenradar befragte, es regnete im Südwesten, es regnete nordöstlich von uns, aber einige unbeugsame Gegenden: Ostfriesland, Münsterland und Ostwestfalen, bekamen nix ab. Ich mag nicht glauben, dass es an dem Menschenschlag dort liegt. Das eigentliche Problem für mich: meine Wassertanks sind fast leer, und ich habe begonnen, überall dort, wo Kalle buddelt, etwas zu pflanzen (wenn er das sowieso schon tut, kann es ja auch gleich zu etwas nütze sein, oder?) Ich muss also viel gießen. Es soll ja auch anwachsen. Heute früh verriet mir Google, dass ab 8:00 Uhr in Porta Westfalica Regen erwartet wird. Er kam dann wohl mit der deutschen Bahn, also zeitlich etwas großzügig ausgelegt pünktlich😁. Aber die Hauptsache: zurzeit zumindest ist es ein richtig schöner Landregen, nicht zu schwach, aber auch nicht zu stark. Meinetwegen darf das jetzt gern zwei Tage dauern.

Und es ist Donnerstag. Toll. Gibt es jede Woche, na und? Zur Erklärung: Donnerstag ist seit letzter Woche der einzige „normale“ Tag der Woche. Weil Kathrin donnerstags Präsenzunterricht in der Schule hat. Es ist ja nicht so, dass wir uns den Rest der Woche auf der Pelle hocken oder so, jeder von uns dreien sitzt meist im eigenen Zimmer und macht seinen Kram, aber irgendwie treffen wir uns zwischendurch immer mal wieder in der Küche oder auf der Terrasse und machen einen Schwatz, spielen mit den Hunden, also es ist irgendwie auch immer etwas Ferienatmosphäre dabei. Zumindest mein Tagesablauf ist davon immer wieder aus dem Trott gerissen. Das ist gar nicht unbedingt schlecht, ich habe nur öfter mal das Gefühl, ich schaffe dadurch nicht so viel. Andererseits hat es aber auch eine Qualität, denn die vier Jahre bis zu Kathrins Abi werden so schnell vorbei sein, und dann verlässt auch das letzte unserer Küken das Nest. Darüber denke ich lieber nicht so nach.

Und sonst so? Über Pfingsten habe ich bei meinen Stoffen eine spezielle Art von „Inventur“ gemacht. Also nicht so klassisch mit zählen und notieren, wovon wieviel da ist, sondern ich habe mir eine Kiste nach der anderen vorgenommen, ausgeleert, alle kleinen oder größeren Stücke gebügelt und bewertet, ob sie noch groß genug sind (so ab 4×4 cm), um damit zu nähen. Lange dünne Streifen wurden aussortiert, damit kann ich auch noch was anfangen, und durcheinander geratene Farben kamen wieder in die richtigen Kisten. Dabei kamen Erinnerungen an zurückliegende Nähprojekte, an Orte, wo ich die Stoffe erworben habe oder auch Aha-Momente: Ach, da habe ich also doch noch einen schlicht gelben Stoff für eine Rückseite? Hätte ich nicht gedacht… Die nächste Herausforderung, die im Hinterkopf lauert: Ich brauche eine vernünftige Preiskalkulation und die entsprechende Liste. Und zwar so, dass nicht alle potentiellen Käufer hinten rüberfallen, Stoffpreise und Arbeit aber trotz allem einen angemessenen Platz finden. Eine Idee habe ich schon, muss die aber jetzt in ein Excel-Kalkulationsschema gießen. Uff. Aber auch sowas gehört dazu. Die Nähmaschine muss noch ein paar Tage warten, aber zumindest habe ich das Quilttop für meinen ersten Auftrag schon soweit fertig. Es muss noch gequiltet werden und dann die Rückseite für das Kissen genäht werden.

Wieder Themenwechsel. Das geht hier zu wie in meinem Kopf, sorry. Seit einigen Tagen habe ich schon ein paar Zeitungsseiten auf dem Schreibtisch liegen, weil mir Themen aufgefallen sind, die in der letzten Woche in der Lokalpresse hochkamen und die ich ziemlich erwähnenswert fand. Um hier wieder Ordnung zu bekommen, verbrate ich die jetzt noch kurz und knackig:

Als erstes: Beim Kompostwerk unseres Entsorgers beklagt man, dass immer mehr Restmüll und Wertstoffe in den Biotonnen landen. Ich frage mich: Warum? Es liegt doch auf der Hand, dass am Ende alle Haushalte dafür zahlen müssen, wenn wegen des erhöhten Sortierbedarfs die Gebühren steigen und zudem die Qualität des gewonnenen Komposts deutlich sinkt. Klar kann es passieren, dass man mal den falschen Tonnendeckel hebt, aber wenn ich am Abend vor der Leerung der Biotonnen mit den Hunden durchs Dorf gehe, dann sehe ich aus manchen Biotonnen sogar oben die Restmülltüten mit nicht kompostierbaren Abfällen herausragen. Da die Tonnen nicht mehr von Müllwerkern an die LKWs gefahren werden, sondern mit automatischen Seitenladern gearbeitet wird, fällt das den Fahrern sicher nicht immer auf. Denn diese Tonnen müssten eigentlich stehen bleiben mit dem Vermerk an die Besitzer, sie mögen bitte erst mal selbst ihren Müll ordentlich sortieren…

Minden hat Busfahrermangel. Und es wird damit gerechnet, dass dieser sich verschärft. Aber gerade der ÖPNV sollte doch eine Hauptsäule der sich wandelnden Mobilität werden. Hm. Wenn sich die Lufthansa verkleinert, könnten doch Piloten …, aber die sind eindeutig überqualifiziert (obwohl, ein bisschen erinnert es schon manchmal an Tiefflüge, wenn die Busfahrer in die Kurven brettern, weil sie noch die Ampelphase erwischen wollen) und hätten dann wesentlich geringere Gehälter. A propos Lufthansa, ich hoffe schwer, dass die Bundesregierung als Anteilshalter der Lufthansa sich zwar nicht in die Flugpläne, dafür aber in die Steuergestaltung einmischt. Denn ein Konzern, der letztendlich von jedem einzelnen Steuerzahler gestützt wird, der sollte auch verdammt nochmal alle seine Steuern hier zahlen und sich fair verhalten. Punkt!

Die Rubrik „Mittagstisch“ ist eine Sammlung von Restaurants und Bistros in der Stadt, die mittags Essen (zum Mitnehmen) für alle anbieten, die nicht selbst kochen mögen oder bei der Arbeit etwas nahrhaftes in der Mittagspause essen wollen. Ich schaue da gern durch, auch zur eigenen Inspiration. Aber mit einer Vegetarierin im Haus und zwei Menschen, die nicht mehr bereit sind, Schlachthauskonzerne zu unterstützen, hat es nur noch wenig Wert. Fast jeder Anbieter (außer dem Fischbäcker) hat Fleisch an jedem Tag im Angebot. Und alles andere ist „Sättigungsbeilage“. Da steht noch viel Umdenken bevor.

Insgesamt stelle ich fest, dass mich in den Lockdownzeiten das Zeitunglesen mehr entspannt hat. Klar gab es die täglichen Corona-Meldungen, aber die Redaktion hat in der Zeit unheimlich viel Ermutigendes geschrieben, positive Dinge, die Menschen in unserer Region auf die Beine gestellt haben. Jetzt, wo immer mehr gelockert wird, kommt der alltägliche Wahnsinn aus Vor-Corona-Zeiten wieder: Meckerei an der Regierung, an Deutschland, an jedem Pups, der quer sitzt. Begehrlichkeiten von großen Lobbygruppen, Wirtschaftsverbänden, neoliberalen Akteuren. Alles weiter, höher, schneller! Weg ist die Demut, die Erkenntnis, dass es nicht immer so weitergehen kann.

Ich höre jetzt auf. Sonst ist meine positive Grundstimmung vom Anfang des Artikels völlig im Eimer. In diesem Sinne: Ich hoffe, du kannst auch das Geräusch von sanft fallendem Regen genießen und musst nicht fürchten, dass ein Sturzbach durch deinen Keller fließt. Einen schönen, ganz normalen Donnerstag!

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…

Dieser oft bemühte Satz ist eine Zeile aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse. Zum Neubeginn, sogar auf Geburtsanzeigen habe ich den Satz schon häufig gelesen. Was gern unterschlagen wird, ist der Zusammenhang des Gedichtes. Dort geht es nämlich nicht nur um Anfänge, sondern auch um das Loslassen, das Beenden, den Wandel. Vom Anfang bis zum „Good bye“, alles gehört zu einem Lebenszyklus.

In der Bibel heißt es etwas anders: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde“ und auch dort folgen ganz gegensätzliche Begriffe, die das Werden und Vergehen repräsentieren.

Aber für heute bleibe ich beim Anfang. Ab heute bin ich offiziell und angemeldet eine Gewerbetreibende. Nicht komplett unbekannt für mich, denn ich war bereits fünf Jahre selbständig. Aber heute ist es anders, denn ich habe keinen wirtschaftlichen Druck, sondern ich möchte ganz einfach das tun, was ich gern tue, nämlich nähen, fotografieren, gestalten, vielleicht auch kochen. Damit ich das aber immer weiter tun kann, muss ich irgendwo hin mit meinen „Erzeugnissen“. Und was liegt näher, als sie nicht nur selbst zu verschenken, sondern auch anderen zu verkaufen, die selbst ganz andere Talente haben als ich, aber zufällig das mögen, was ich im Überfluss angefertigt habe. So in etwa war mein Gedankengang.

Außerdem ist mir in den letzten Jahren der Nachhaltigkeitsgedanke immer wichtiger geworden, und so nähe ich nicht nur mit neuen wunderschönen Patchworkstoffen, die eigens für dieses Hobby hergestellt werden, sondern auch mit alten, gebrauchten Stoffen, die schon eine Geschichte hinter sich haben. Das Kissen, welches mein Logo darstellt, besteht demzufolge aus zwei ehemaligen Lieblingshemden meines Mannes, die Rückseite ist Teil eines gefärbten Bettlakens, das vor einigen Jahren für ein Karnevalskostüm eingefärbt wurde und zuvor vermutlich lange Jahre meinen Großeltern kühle Sommernächte gesichert hat.

Ich gebe mir jetzt erstmal ein Jahr Zeit. Entweder es klappt, oder ich bin mal wieder um eine Erfahrung reicher und die Gebühren für eine Gewerbeanmeldung ärmer. Ich werde nicht ständig so viel Aufmerksamkeit in diese Idee stecken können, wie sie es verdient hätte, denn ich habe ja alle anderen Sachen, die ich so mache, deswegen nicht aufgegeben. Aber es nicht zu versuchen, hätte nicht nur ich als vertane Chance angesehen, sondern auch Julia und Daniela, die mich sanft in die richtige Richtung geschubst haben und Edgar, der gesagt hat: Wenn du glaubst, es ist das Richtige, dann tu es. Danke euch allen, die mich ermutigt habt und es auch weiter tut.