Macht euch die Erde untertan?

Ich habe mir eine nachdenklich machende Dokumentation angesehen, eine Auswirkung dessen, was dieser Spruch auslösen kann.

Wer kennt sie nicht, die Geschichten über die Eroberung des wilden Westens, möglicherweise auch den einen oder anderen modernen Cowboyroman, in dem die Männer hart und schweigsam sind und immer die richtige Entscheidung treffen, in dem nimmermüde Frauen sich um das Gemeinwohl verdient machen und Kuchen backen bis der Arzt kommt. Klar, da ist überall viel Kitsch und Verklärung dabei, aber ganz abwegig sind die Klischees eben auch nicht.

Respekt vor dem Land und der Kraft der Natur; Abbitte leisten für den Landdiebstahl an den First Nations; um seinen Grund, Boden und Lebensstil kämpfen; der Zivilisation entfliehen; das alles gibt es heutzutage noch. Auf der anderen Seite allerdings auch diejenigen, die für viel Geld die Idylle zerstören, nach der sie sich sehnen (aber nicht genug, auch die Schlichtheit dieser Idylle anzunehmen), die mit ihrem Reichtum ein Disneyland, einen faden Abklatsch dessen erschaffen, was den Gründungsmythos der USA ausmacht.

https://www.zdf.de/dokumentation/gebirgswelten/gebirgswelten-rocky-mountains-100.html

Eine beeindruckende Dokumentation über Menschen, die mit der Natur leben und sie zu schätzen wissen, aber auch über Konzerne, die immer noch nicht begriffen haben, dass man Geld, Dividenden und Marktmacht nicht essen, trinken und atmen kann.
Über die Auswirkungen, die unsere Lebensart und unsere Technologienutzung auf die gesamte belebte und unbelebte Welt hat. Die Gedankenlosigkeit, mit der manche Menschen Lebensräume zerstören ebenso wie über die Beharrlichkeit derer, die nicht aufgeben, menschliches Leben mit der Natur in Einklang zu bringen.

Sehenswert.

Wertekanon

Im Oktober werden wir zum ersten Mal Großeltern. So weit, so schön. In den letzten Tagen habe ich allerdings bei der täglichen Zeitungslektüre einige Male schlucken müssen: So bei der Meldung, dass in Ostwestfalen junge Eltern keine Kinderärzte finden, die noch neue Patienten aufnehmen.
Dass Eltern 50 km fahren müssen, um mit den Babys unterzukommen. Wie macht man das, wenn man kein Auto hat? Termine nach der Erreichbarkeit mit den Öffis buchen? Eventuell mit dreimal umsteigen? Wenn denn überhaupt eine adäquate Anbindung da ist…
Oder dass man erst nach mehreren Monaten ärztliche Versorgung findet. Während sich zuhause die bösen Briefe der Krankenkasse stapeln, dass man die Termine zur Vorsorgeuntersuchung und zu den Grundimpfungen hat verstreichen lassen.

Aber selbst wenn man das Glück hat, rechtzeitig eine Hebamme, einen Geburtsvorbereitungskurs (inzwischen gehört sogar regional eine offene Geburtsstation im Krankenhaus zu den Unwägbarkeiten) und auch noch eine kompetente kinderärztliche Versorgung zu finden, dann scheitert man möglicherweise beim ersten Fieberanfall am Mangel an Fiebersäften für Babys und Kleinkinder. Ich mag nicht spekulieren, aus welchen Gründen es passiert, aber immer weniger Hersteller produzieren diese recht simplen, aber wichtigen und effektiven Medikamente.

Und nicht zum ersten Mal frage ich mich, was da eigentlich genau schiefläuft. Werden vielleicht von den Krankenkassen zu viele „Behandlungen“ bezahlt, die zwar nice to have sind, aber mehr als haarscharf an einer sinnvollen Grundversorgung vorbeischrammen?
Warum ändert sich nichts an dem Schlüssel, der für die Zuteilung von Praxis-Standorten herangezogen wird, wenn seit vielen Jahren mehr Kinder betreut werden müssen, sich die Häufigkeiten der Pflichtuntersuchungen mehren, mehr Impfungen durchgeführt werden müssen, immer mehr Kinder auch mit psychischen Problemen Hilfe brauchen?
Was läuft schief in der Medizinerausbildung, wenn erstens immer noch zu viel Wert auf den Abi-Durchschnitt gelegt wird und zweitens fertige Ärztinnen und Ärzte nicht in die Versorgung ländlicher Gebiete wollen oder gar ganz ins Ausland abwandern? Meiner Meinung nach auf allen beteiligten Seiten zu viel. Aber das wäre einen eigenen Beitrag wert.

Irgendetwas in unserem Wertekanon sorgt dafür, dass auf der einen Seite anscheinend immer mehr Kinder zu kleinen Prinzen und Prinzessinnen erzogen werden, deren Eltern ihren Lebenssinn darin finden, ihre Kids bis zum Abi zu pampern (ich übertreibe hier bewusst ein wenig) und auf der anderen Seite immer mehr Kinder von Armut – bis hin zur Obdachlosigkeit – oder gesundheitlicher Vernachlässigung bedroht oder betroffen sind.

Oder kommt mir das nur so vor, weil es nur die Extremfälle in die Medien schaffen, wir überhaupt so sehr von Medien und Meinungen umgeben sind und weil das ganz normale Mittelmaß ganz gern unterschlagen wird? Ich hoffe schon fast, dass der Grund darin liegt.
Ich gestehe, ich bin ratlos.

Zum richtigen Zeitpunkt

Manchmal fügt sich einiges. Ein merkwürdiges Gefühl der Ohnmacht, fast schon der Hoffnungslosigkeit hatte mich in den letzten Tagen überzogen. Ein wenig wie das Strampeln des Frosches im Sahnebottich, das erstmal nur ermüdend ist. Um im Bild zu bleiben: heute früh sind gleich zwei Dinge passiert, die dazu führten, dass aus der Sahne langsam Butter wird und ich damit wieder festen Boden unter den Füßen bekomme.

Das erste war meine Tageszeitungslektüre. Unsere regionale Zeitung beschäftigt einen Ombudsmann, der als Mediator zwischen Journalismus und Leserschaft vermittelt. Ein erfahrener Journalist, der noch dazu aus Minden stammt. Klasse Idee.

Er schrieb über das Thema „Nachrichten vermeiden“ und bezog sich auf einen Artikel in der Washington Post vom 8. Juli des Jahres:
https://www.washingtonpost.com/opinions/2022/07/08/how-to-fix-news-media/

Diesen Artikel habe ich mir vorhin einmal genau durchgelesen und eine Übersetzung davon abgespeichert, um im Falle des Falles darauf zurückgreifen zu können. Die Autorin, Amanda Ripley, bringt genau das exzellent auf den Punkt, was in meinem Unterbewusstsein schon längere Zeit herumwabert und was ich nie so richtig benennen konnte. Aber lest am besten selbst.

Das zweite, was mich echt geflasht hat, ist eine WhatsApp-Nachricht mit einem Link zu einem Musikvideo. Die kam heute Vormittag, um einen neuen Song vorzustellen, den wir am nächsten Freitag beim Worship-Abend in unserer Gemeinde neu einführen wollen. Eigentlich waren es zwei Links, einmal zur englischen und einmal zur deutschen Version. Die englische ging mir zunächst rein von der Melodie nahe, aber als ich die deutsche Version hörte, dachte ich „Whoah, genau das ist es, was ich jetzt gebraucht habe! Das meint mich. Genau in diesem Moment ist das MEIN LIED!“

Ich stelle hier einmal die Version mit Text ein, zum mitlesen und nachvollziehen:

Beim Anhören wurde mir einmal mehr bewusst, dass ich viel zu häufig versuche, Dinge allein zu lösen und in den Griff zu bekommen. Oft – bei ganz alltäglichen Schwierigkeiten – funktioniert das auch ganz gut, aber gerade bei Problemen und Situationen, in denen mein kleiner menschlicher Verstand nicht ausreicht, in denen ich mich ohnmächtig fühle, keine Lösungen finden kann, reicht das nicht. Und dann ist es gut und hilfreich, abzugeben an eine höhere Instanz. Es bringt natürlich nicht – Simsalabim – alles sofort ins Reine, aber es erleichtert mein Herz und meine Seele, ich kann befreit durchatmen und nach vorne schauen.

Dazu kam noch als Sahnehäubchen oben drauf der Regen der letzten Nacht. Innerhalb von ungefähr 12 Stunden regnete es bei uns 27 Liter pro Quadratmeter. Schön gleichmäßig und gestern Abend auch beruhigend, duftend und schlaffördernd für mich.

In diesem Sinne: Ich wünsche allen ein erholsames und segensreiches Wochenende.

Öfter mal was Neues

Kennt ihr noch „Kilroy was here“?

So in der Art hinterlässt auch hier „jemand“ seine digitalen Schmierereien.

Na prima. Da läuft bei der Arbeit seit zwei Wochen alles wieder wie gewohnt, ich beruhige mich wieder, was meine persönliche Verfassung angeht, und nun DAS!

Jetzt hat diese Plage auch mich erreicht. Da kann ich mich ja direkt mal „geadelt“ fühlen. Nicht.
Wenn ihr also unter Beiträgen von mir Likes mit Hakenkreuz findet: Will ich nicht, wollte ich nicht und werde ich nie wollen.

Und im Gegensatz zu Kilroy finde ich die auch einfach nur zum 🤮.

Hier findet ihr nähere Informationen:https://linsenfutter.wordpress.com/

Der liebe Gott hat einen großen Tiergarten…

… sagte eine frühere Mitarbeiterin von mir immer, wenn sie mit Leuten zu tun hatte, deren Verhalten sie nicht nachvollziehen konnte. Recht hatte sie.

Foto: Pixabay

Mäßigung scheint mir ein wichtiges Stichwort zu sein. Mäßigung klingt ja nicht gerade sexy, aber warum muss denn immer alles sexy, gehypt oder sonstwie besonders sein? Warum soll alles irgendwie polarisieren, wenn wir auf der anderen Seite über Polarisierung oder Spaltung lamentieren? Warum heftet dem Durchschnitt so viel Durchschnittlichkeit an? Es ist doch auch mal ganz entspannend, einfach nur gemäßigter Durchschnitt zu sein.
Ich sehe und bemerke an mir selbst, dass ich in den letzten Monaten bei einigen Themen auch zur Polarisierung neige, was ich eigentlich überhaupt nicht mag. Differenziert betrachten, ja, eindeutig. Aber spalten, nein, nach Möglichkeit nicht.

Andererseits ist es, gerade bei Umwelt Mitwelt-Themen wichtig, einen gewissen Aktivismus an den Tag zu legen, 150 % zu verlangen, damit man zumindest annäherungsweise erreicht, was sinnvoll ist. Aber die tatsächliche Machbarkeit liegt eher nicht im aktivistischen Bereich. Das ist übrigens eine Erkenntnis, die auch bekannte Klima-Aktivisten durchaus kennen, wenn man ihre Beiträge mal wirklich genau liest oder hört.
Und damit bin ich schon angekommen bei dem, was mir auf der Seele brennt: Auf dem Herumhacken. Herumhacken auf allem, was man für sich persönlich nicht als wichtig erachtet.

Heute früh ging mir durch den Kopf, warum zum Beispiel auf dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk herumgehackt wird. Warum er als staatlich gelenkter Regierungsapparat verunglimpft wird. Natürlich in erster Linie von Menschen, die sich gegängelt fühlen. Von denen, die nicht hören oder sehen wollen, wenn differenziert berichtet wird.
Heute früh ging es in einem Gespräch um Biogasanlagen, um ihre Leistungsfähigkeit, den Spagat der Landwirte zwischen den großen E’s Ernährung und Energieerzeugung. Die Debatte kennt vermutlich jeder. Ich kann auch sehr gut nachvollziehen, dass der erste Impuls ist, zu sagen: In erster Linie sollen Landwirte Nahrung erzeugen. Ich schätze mal, das sieht auch jede Person so, die in der Landwirtschaft arbeitet und lebt. Aber nicht jeder Boden, der bewirtschaftet wird, kann zum Beispiel Getreide in Backqualität hervorbringen. Manche Böden sind auch so mager, dass sie nur als Grünland taugen, also entweder Vieh darauf grasen kann oder das Gras zu Heu gemacht wird. Der (zugegeben etwas abgenudelte) Satz „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Limonade daraus“ (oder wahlweise „… frag nach Tequila und Salz“) gilt also auch hier. Wenn das Beste nicht möglich ist, dann mach das Zweitbeste und so weiter. Das nennt man auch Pragmatismus. Der ist natürlich auch bei Manchen in derselben Liga angesiedelt wie eingeschlafene Füße.
(Wo dann aber wieder die Aktivistin in mir durchkommt: Warum zum Henker wird dann immer wieder bestes, fettestes Ackerland zur Bebauung freigegeben? Was einmal versiegelt ist, fällt für die Nahrungsmittelerzeugung weg. Auf sehr lange Zeit.)

Zurück zum ÖRR: Solche differenzierten Themen werden dort bearbeitet. Und natürlich wird allen Bevölkerungsgruppen etwas geboten: Den CDU-Wählern ebenso wie den Grünen-AnhängerInnen (naja, die Ultrarechten können für sich reklamieren, nicht besonders gut dabei wegzukommen, das gebe ich ja zu😉), den Seifenopernliebhabern, Krimifetischisten, Dokujüngerinnen, Arztserien-Selbstdiagnostikern, Newsjunkies, Börsenkursinteressierten, Rosamunde-Pilcher-Leserinnen, Hobbyphilosophen, sämtlichen 80 Millionen Fußballbundestrainern und anderen Sofasportlern, den Pfefferkörnern, Bibi & Tina, Meerjungfrauen und was sich sonst noch so in TV-Deutschland tummelt. Streckenweise komplett ohne ausufernde Werbeblöcke (🤔Da fehlen dann vielleicht auch die Pinkelpausen? Ach, naja, dafür gibt es bestimmt ein Kürbispräparat…), die uns weismachen wollen, dass wir ohne das Produkt XYZ und die Dienstleistung ABC abgehängt und lebensunfähig werden. Und dazu die Mainzelmännchen.

Und es wird niemand dazu gezwungen, sämtliche Angebote des ÖRR ständig zu gucken, zu hören, zu lesen. Man darf und soll Rosinenpickerei betreiben und sich heraussuchen, was man mag. Den Rest darf man getrost ignorieren. Ich frage mich sowieso, wann so mancher die Zeit dafür findet, alles mögliche anzusehen, nur um es hinterher genüsslich in Grund und Boden zu kommentieren; deswegen beschleicht mich der (berechtigte?) Verdacht, dass nur der zweite Teil verlässlich stattfindet und man sich das Ansehen vorher locker spart. Es macht auch viel mehr Spaß, etwas niederzumachen, mit dem man sich vorsichtshalber gar nicht so richtig auseinandergesetzt hat, denn man könnte ja sonst im schlimmsten Fall seine Meinung revidieren.

Ach Leute, ich höre an dieser Stelle mal lieber auf. Ich steigere mich sonst in einen misanthropischen Anfall hinein und das möchte ich nun wirklich nicht. Denn ich weiß auf der anderen Seite ganz genau, dass es mindestens genauso viele Menschen gibt, die nicht so agieren, die sich verschiedene Standpunkte anhören, abwägen, zu Schlüssen kommen, diese auch mal nach Kenntnis neuer Aspekte ändern.
Es gibt so viele Menschen, die empathisch und wertschätzend mit ihren Mitmenschen umgehen, nicht immer alles nur dunkelst schwarz sehen, die schlicht und ergreifend an ihrem Platz stehen, sitzen oder laufen, um den Laden namens „Welt“ am Laufen zu halten. Und die das ganz still und selbstverständlich tun. Oder auch mal an ihren eigenen Ansprüchen scheitern, ohne es anschließend allen anderen anzukreiden.
Das ist unter anderem einer der Gründe, warum ich lieber in diesem relativ kleinen und recht überschaubaren Umfeld schreibe als bei den großen „sozialen“ Netzwerken.

Danke an alle, die bis hierhin durchgehalten haben. Meine Gedankengänge sind mal wieder verworren wie Spaghetti, aber sie wollten alle unbedingt raus, sonst wäre mein Kopf geplatzt.

Waldentspannung

Mentale Überforderung ist heute meine Baustelle. Angekündigt hatte sie sich schon länger, heute ist sie ausgebrochen. Ich bin dann wie ein Vulkan, bei dem sich ein Magmapfropfen mit lauter Explosion löst.
Deswegen und weil es im Wald an diesen warmen Tagen angenehm ist für Mensch und Hund, hat Edgar mich und Kalle am Wasserwerk in Hausberge „ausgesetzt“ (natürlich ausdrücklich von mir erwünscht😁), und wir beide sind dann über den Berg zu Fuß nach Hause gegangen.

Als Kind und Jugendliche bin ich sehr viel im Wald unterwegs gewesen – freiwillig, wenn ich mit einer Freundin dort umherstreifte, wir hatten auch eine Bude im Wald – aber auch mal eher unfreiwillig, wenn von der Schule „Wandertag“ verordnet war. Und der Begriff wurde sehr wörtlich genommen! In meinen Erwachsenenjahren war der Radius nicht ganz so frei und weit, weil ein guter Teil der Sonntags-Waldspaziergänge mit jüngeren Kindern oder Welpen stattfand, die einen konnten erst nicht so lange und wollten dann später auch nicht unbedingt, die anderen wollten zwar alles erkunden und erschnuppern, aber durften nicht so lange laufen.
Umso erstaunter bin ich immer wieder, dass ich bis heute intuitiv die richtige Richtung einschlage, auch wenn sich einzelne Wege im Lauf der Jahrzehnte sehr verändert haben.

Was den Wald jedes Mal spannend macht, ist die Lebendigkeit, mit der er sich entwickelt; in den letzten Jahren sind es aber auch die unübersehbaren Spuren der Klimaveränderung: Sturmschäden, die langsam wieder zuwuchern (die Folgen von Kyrill sieht man immer noch, wenn auch heute anders: Statt Fichten in Reih‘ und Glied undurchdringliches Holunder- und Brombeerdickicht), Borkenkäferbefall, Trockenstress… Und auch die Art, wie die unterschiedlichen Generationen den Wald zu ihrem Ort machen. Angefangen mit den immer noch überall auffindbaren baulichen Überresten des Reiches, welches 1000 Jahre überdauern wollte, das aber bereits nach 12 Jahren die Welt ins Chaos gestürzt hatte und glücklicherweise gestoppt wurde:

Überall im Jakobsberg findet man solche oder ähnliche Bauten, die als Luftschächte dienten, als die „Untertageverlagerung“ der Nazis gebaut wurde

Viel netter anzusehen, wenn es sich im engeren Sinne auch um eine Form der Naturbeschädigung handelt, ist dieses hier, einmal von weiter weg, einmal mehr im Detail:

An diesem kleinen alten Steinbruch halten sich offensichtlich Jugendliche gern auf, nicht nur, um ungestört zu sprühen, sondern auch, um sich Unterstände zu bauen, was wir vor 40 Jahren auch schon gern gemacht haben:

Sehr vertrauenerweckend sieht der Steinbruch leider nicht mehr an allen Stellen aus, mehr oder weniger breite Spalten und Auswaschungen finden sich im Wesersandstein an vielen Stellen, durch das abwechselnde Spiel von Hitze und Feuchtigkeit:

Aber am allerbesten sieht man Natur und Naturgewalt immer noch an den Bäumen, die ich manchmal am liebsten interviewen würde, welche Ereignisse zu ihrer Erscheinungsform geführt haben:

Eine nette Begegnung mit einem älteren Paar, die mit Walkingstöcken unterwegs waren, hatten wir auch noch, denn Hunde sind immer ein guter Gesprächseinstieg, und so freuten die beiden sich über den „netten und neugierigen“ Kalle.
Wieder zuhause angekommen, habe ich beschlossen, eine Pause einzulegen, mich in ein (real nicht existierendes, aber ich schaffe mir eines) Sommerloch fallen zu lassen und die Probleme der Welt zumindest vorübergehend zu ignorieren. Für meinen inneren Frieden.
Stattdessen werde ich mich mit der Overlocknähmaschine anfreunden, die ich mir angeschafft habe, um zukünftig auch bequeme Kleidung für uns nähen zu können.

Abkühlung

Ich selbst bin abgekühlt nach meinem Beitrag von gestern. Auch draußen ist es abgekühlt, irgendwann in der Nacht hat es geregnet, zum Glück zumindest hier in der Gegend ohne Unwetter dabei. Alle Fenster im Haus stehen weit offen, um die klebrige Hitze loszuwerden.
Und ich gehe gedanklich schon der nächsten Frage nach, warum bei manchen Themen offenbar bei vielen (vermutlich nicht mal bei sehr vielen, aber sehr lauten Mitmenschen) ein Reflex besteht, mit „Haben wir keine anderen Probleme“ zu kommentieren. Dabei bezieht sich dieses Nachdenken auf ganz unterschiedliche Nachrichten, die ich gestern und heute früh gelesen habe.

  • Eine Schule führt Unisex-Toiletten ein – „Ist das etwa unser wichtigstes Problem?“
  • Kommunen und Regionen geben Tipps, wie man sich an Hitzetagen sinnvoll verhält – „Haben wir keine anderen Themen? Es ist halt Sommer, wie jedes Jahr!“
  • Die Aufforderung, nicht den Rasen zu wässern bei Wasserknappheit -„Kümmert euch lieber um die wirklich drängenden Sachen…“
  • Ein Beitrag über die Gefahren des Grillens auf trockenen Flächen – „Aber ich lasse mir das Grillen nicht verbieten. Schreibt lieber über xxx (hier beliebiges Reizthema einfügen)“
  • Der Feldversuch, an Schulen eine Art Gleitzeit einzuführen oder den morgendlichen Schulbeginn etwas später zu legen – „Wir haben es auch überlebt, die sollen sich nicht so anstellen. Gibt es nichts dringenderes?“

Was mir auffällt, bei dieser Art des Whataboutismus geht es immer darum, neue und zeitgemäße Denkansätze, aktuelle Themen, die das gesellschaftliche Leben betreffen, wissenschaftliche Erkenntnisse oder schlicht den Verweis auf bislang marginalisierte Bevölkerungsgruppen als unwichtig hinzustellen. „Betrifft mich nicht, kann also nicht wichtig sein.“

Offensichtlich stellt alles das, was sich in geballter Form im (notwendigen, mitunter sogar überlebenswichtigen) Wandel befindet, für so manch einen nicht nur eine Überforderung, sondern eine regelrechte Bedrohung dar.
Und während ich die Überforderung sehr gut nachvollziehen kann, denn die empfinde ich ja selbst mitunter sehr ausgeprägt, kann ich einfach nicht verstehen, warum man anderen Menschen nicht ebenfalls gewisse Privilegien gönnen kann, die man selbst schon lange in Anspruch nimmt. Denn es geht ja niemandem darum, dass bisher marginalisierte Gruppen jetzt „mehr zu sagen haben als man selbst“, sondern dass sie ganz selbstverständlich dieselben Rechte in Anspruch nehmen, die andere schon lange haben. Oder darum, dass Folgegenerationen auch noch die Möglichkeit haben, in einer lebenswerten Umgebung zu leben. Oder insgesamt einmal Dinge zu überdenken, ob es sinnvoll ist, sie weiter so laufen zu lassen, wie sie seit einem halben Jahrhundert laufen.

Dahinter scheint eher eine diffuse Verlustangst zu stehen:
– Aber dann bin ich nicht mehr so wichtig (Echt? Bin ich das denn jetzt?)
– Aber mein schönes Auto ( By the way, gibt auch schöne Fahrräder, auch da kann man Statussymbole erwerben)
– Aber ich esse doch so gern Grillsteak (Ich habe festgestellt, es ist oft gar nicht das Fleisch, sondern das Gewürz. Man kann auch Gemüse mit Gyros- oder Brathähnchengewürz sehr lecker zubereiten)
– Aber ich will! (Und da das oftmals Leute denken, die bei „modernem“ Kram sagen: „Hat uns früher auch nicht geschadet“, antworte ich frech: „Kinder, die was wollen, die kriegen einen an die Bollen!“)
Wären neue Gedanken ständig so abgebügelt worden wie sie es augenblicklich oft werden, säßen wir möglicherweise immer noch in Höhlen. Ohne SUV, ohne Zentralheizung, ohne Fast Food oder teuren Gasgrill, Multifunktionsküchenmaschinen und Smartphone.

Wir wären viel weniger Menschen und hätten weniger Wohlstandverwahrlosung. Aber darüber zu philosophieren, ob das dann besser oder nur auf andere Weise mies sein würde, bringt ja nun mal nix.

Also freue ich mich heute einfach mal über Regen (im Moment mit Donnergrummeln im Hintergrund), kühle 23 Grad und bereite mich mental auf die nächste Wärme ab Sonntag vor…

Und ich glaube, ich stelle euch als nächstes mal wieder einen schönen Schmöker vor, damit ich nicht in dumpfes Brüten verfalle.

PS: Seit einigen Wochen wird so gut wie jeden Tag ein bestimmter Beitrag aus dem letzten Jahr aufgerufen, der im Titel so klang, als ob es um materielle Güter ginge. Und ständig nach diesen Aufrufen habe ich unzählige Spamkommentare von Finanzbots. Deswegen habe ich nach reiflicher Überlegung den Titel ersetzt und beobachte mal, wie es weitergeht…

„Hier wird man ja nur erzogen…“

Mein Büro liegt auf der Nordseite des Hauses. Nützt nur leider gerade überhaupt nichts, da auch hinter dem Haus im Schatten 35 Grad sind. Den gesamten Vormittag habe ich mich mit Buchführungsaufgaben beschäftigt, heute Mittag dann Tochter 3 während der Gluthitze zum Mittwochstermin gebracht.
Die Wartezeit habe ich zum Einkaufen genutzt, denn selbst an der Weser unterhalb der Schachtschleuse ist es einfach zu warm. Deswegen bin ich ganz in Ruhe mit dem Einkaufswagen an den Regalen langgeschlendert und habe die angenehme Innentemperatur genossen. Lauschen inklusive:

Zwei männliche Wesen jenseits des Renteneintrittsalters treffen sich vor dem Kaffeeregal. Der eine zum anderen: „Na, gut aus’m Urlaub zurück?“ – „Ja, vorgestern.“ – „Wo wart ihr denn?“ – „Inner Türkei.“ – „Ach, bei Erdogan?“ (das Grinsen konnte ich hören, ich schwöre) – „Ja, und da war alles ganz entspannt, nicht so’n Zinnober wie hier. Da laufen alle ganz normal rum. Keine Masken, keine Beschränkungen…“ – „Ja, echt, hier wird man nur erzogen, und zum Herbst wird das wieder richtig schlimm hier! Wart’s nur ab!!!“ (111!11!!1)

Ich hatte so ein bisschen den Drang, in die Unterhaltung einzuwerfen, dass es ja anscheinend hier mitunter notwendig sei, die Leute zu erziehen, wenn sie sich schon im Hochsommer bei hohen Inzidenzen, aber kaum Maßnahmen gegängelt fühlen. Und stattdessen die Freiheit in der Türkei loben. Ja, vielleicht fühlt man sich dort frei, wenn man nicht queer, oppositionell oder sonstwie unbeliebt ist. Die Türkei ist auf jeden Fall ein Land mit alter und spannender Kultur, einer tollen Küche, vielen Landschafts- und Kunstschätzen und sehr vielen tollen Menschen. Das gebe ich gern zu und warum auch nicht? Aber als Hort der Freiheit für alle gesellschaftlichen Gruppen sehe ich sie eher nicht.
Während Deutschland sich nur und ausschließlich dadurch „auszeichnet“, dass alle an der kurzen Leine der Regierung geführt werden und ihre Freiheitsrechte verlieren, oder wie?

Den Ausdruck „alter weißer Mann“ mag ich eigentlich genauso wenig wie „die Jugend von heute“, denn beide Ausdrücke ziehen sehr diverse Gruppierungen über einen Strang. Es gibt plietsche Senioren ebenso wie reaktionäre Jugendliche. Aber diese beiden Typen erfüllten so richtig schön das Klischee, das man vor Augen hat.

Nein, ich bin nicht aggressiv. Trotz Hitze. Ich bin nur langsam so unfassbar müde, wie wenig manche Mitmenschen über ihren eigenen begrenzten Tellerrand gucken und nur sich selbst wehleidig in den Mittelpunkt stellen.

Wenn in Deutschland alles so beschissen ist, dann wandert doch in irgendeine glorreiche Autokratie aus, ihr Hornochsen!

Countdown -Teil 7

Am Sonntagmorgen habe ich mir die Ruhe und die Laune vermiest, indem ich weitergelesen habe. Es ging im gelesenen Kapitel vor allem um globale (Klima-)Gerechtigkeit. Denn das Klima wirkt global, Emissionen machen nicht an politischen Grenzen halt und es ist auch ganz klar, dass am meisten unter den Klimafolgen bisher die Länder leiden, die am wenigsten zu den Problemen beigetragen haben. Allerdings sind es autokratisch regierte Nationen wie China und Russland, die am meisten auf der Bremse stehen, wenn es zum Beispiel um den Meeresschutz in der Antarktis geht (Stichwort: Bodenschätze). Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es ziemlich mittelmäßig ist, dass wir immer wieder mit dem Finger auf China zeigen, wenn die Produkte, die dort unter klimaschädlichen Voraussetzungen hergestellt werden, in Mitteleuropa konsumiert werden.

Wir verharren im „Wird schon nicht so schlimm werden“, wenn es um das globale Klima geht, das eindeutig aus dem Ruder gelaufen ist. Warum eigentlich? Wenig Sichtbarkeit (außer bei konkreten Ereignissen, wo dann aber trotzdem beschwichtigt wird), wenig Vertrauen der Staaten untereinander, die Einstellung „Ich bewege mich erst, wenn die anderen das auch tun“ (die dazu führt, dass sich keiner bewegt) und dann kommt ein großartiger Satz, der einem aber das ganze Dilemma vor Augen führt:
„Der deutsche Neurowissenschaftler Henning Beck, der sich auch mit dem Klimawandel beschäftigt hat, argumentiert damit, dass man die Zukunft nicht spüren kann, und deswegen sei sie den Menschen egal. (S. 162/287 eBook)
Besser kann man das Trauerspiel nicht in einem Satz ausdrücken.

Latif fährt fort:
„Die Zukunft würde im Gehirn einer Art „Downgrade“ unterliegen, so Beck, es sei denn, man kann die Zukunft im Gehirn real werden lassen. Meine eigene Erfahrung sagt mir, dass die Zukunft zum Beispiel durch Kunst in den Köpfen erzeugt werden kann, etwa durch Musik, Theater, Malerei oder auch Bildhauerei. Oder durch spannende Filme und Erzählungen, die eine positive Zukunftsvision transportieren. Das funktioniert. Man erreicht zwar nur vergleichsweise wenige Menschen und oftmals gerade diejenigen, die man gar nicht mehr davon überzeugen muss, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit das Leben der Menschen bestimmen sollte. Trotzdem sind diese Dinge wichtig, weil die, die man erreicht, wichtige Multiplikatoren sind.“ (S. 163/287)

Bei diesen Sätzen geht meine Erinnerung mal wieder spazieren. Ich sehe eine deutliche Parallele zu Büchern und Filmen aus den Genres Fantasy und Science Fiction, gerade aus den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts: viele dieser Geschichten spielen in der Zukunft, wobei die Welt durch eine große Katastrophe lange unbewohnbar war. Der Aufbau neuer Zivilisationen, meist mit mittelalterlichem Standard oder auch das auf ganz niedrigem zivilisatorischen Niveau stattfindende Überleben vereinzelter Menschen trägt Filme wie „Waterworld“, „Mad Max“ oder „The Day after“, Buchreihen wie „Shannara“, „Die Drachenreiter von Pern“ und viele andere. Der Entstehungsepoche geschuldet wird meist eine Atomkatastrophe vorausgesetzt, aber im Endeffekt spielt dieses Detail die kleinste Rolle.


„Umgekehrt scheint es verhängnisvollerweise einfacher zu sein. Der ehemalige Präsident der USA, Donald Trump, hat es geschafft, mit Lügengeschichten Massen gegen den Klimaschutz zu mobilisieren. Wie also können wir breite Schichten der Bevölkerung dafür gewinnen, für einen Klimaschutz zu sein, der seinen Namen verdient? Beim Impfen hat bei einigen die Aussicht auf eine Bratwurst geholfen. Was aber ist das Pendant zur Bratwurst bei der Bewältigung der Klimakrise? Hierauf haben wir keine Antwort, zumindest keine, die bisher in der Praxis funktioniert hätte. Eines scheint mir jedoch glasklar zu sein: Wenn wir nicht die allermeisten Menschen für die Überwindung der Klimakrise gewinnen, indem sie merken, dass sie selbst oder die Gesellschaft von den notwendigen Veränderungen profitieren, werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen. Ohne eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen werden wir nicht weit kommen.“ (S. 163/287)

Warum fehlt die breite Akzeptanz, und ich möchte hinzufügen, nicht unbedingt in der Bevölkerung, sondern zunächst mal in konventioneller Politik und Ökonomie? Es wird vor allem darauf geschaut, was es heute kostet, etwas zu tun. Dass es viel teurer wird, und zwar in jeglicher Hinsicht, wenn das „Tun“ ständig verschoben wird, das stört viele vermutlich vor allem deswegen nicht, weil sie mit den Folgen nicht mehr (lange) leben müssen. Und weil den Menschen, die sich heute schon einschränken müssen bei der gesellschaftlichen Teilhabe, immer nur vorgerechnet wird, was alles nicht mehr gehen wird, und das ist perfide und unredliche Bauernfängerei noch dazu.

Mit diesen niederschmetternden Gedanken werde ich jetzt erstmal dieses Lesetagebuch beenden. Ich habe lange darüber nachgedacht, ich werde auch das Buch weiterlesen, aber ich brauche jetzt eine große Pause davon. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen gemerkt, dass die ganze Dringlichkeit, die in der Thematik steckt, gemeinsam mit dem Unverständnis, wie man so dermaßen den Kopf in den Sand stecken kann und allem anderen, was mich sowieso auch noch beschäftigt hält, mich einfach zu sehr runterzieht. Ich brauche Tapetenwechsel.

Countdown – Teil 6

Vorab: Es geht immer noch zäh voran mit dieser Lektüre. Einen Roman hätte ich möglicherweise schon in die Ecke gepfeffert. Obwohl, vielleicht auch nicht, denn das langsame Vorankommen hat nichts damit zu tun, dass ich mit dem Text fremdele, eher im Gegenteil. Ich habe beim Lesen einfach unheimlich viele Assoziationen und es kommen mir zusammen mit dem, was in der Welt aktuell los ist, sehr viele „Seitengedanken“.
Heute früh zum Beispiel schaute mein Mann nach dem Frühstück ins „Morgenmagazin“ und als ich dazukam, wurde gerade der sächsische Ministerpräsident interviewt.

Abgesehen davon, dass es schon einiges an Ignoranz und gleichermaßen Chuzpe verlangt, 16 Jahre lang die Haupt-Regierungspartei gestellt zu haben und ein Dreivierteljahr nach der Abwahl alles, was gerade nicht so gut läuft (vor dem Hintergrund eines barbarischen Krieges in der Nachbarschaft, der uns „erst“ – sorry, das klingt schiefer als beabsichtigt – seit einem Vierteljahr in Aufregung hält) der Nachfolgeregierung in die Schuhe zu schieben, den Atomausstieg mal wieder in Frage zu stellen (ohne die Einwände wie abgebrannte Kernelemente, dadurch geringere Reaktorsicherheit, Uranvorkommen sitzen wo? Richtig, Russland! und andere Argumente in Erwägung zu ziehen), aber seit 11 Jahren AKW-Ausstiegsbeschluss die erneuerbaren Energien ausgebremst zu haben – BOAH!!!

Durch diesen Monstersatz müsst ihr nun durch, ich bin so auf der Palme, da kann ich nicht anders schreiben.
Ich glaube, ich erwähnte es schon, den seriösen Wissenschaftlern wird zum Verhängnis, dass Wissenschaft natürlicherweise mit Ungewissheiten zu tun hat. Was zum Teil daran liegt, dass manche Elemente der Natur eine gewisse Unberechenbarkeit haben, aber auch die Voraussetzungen der menschlichen Gesellschaft sich immer wieder ändern. Der Krieg in der Ukraine ist zum Beispiel nicht nur zwischenmenschlich absolut schädlich, sondern auch eine gigantische Ressourcenverschwendung/-vernichtung!

Aber, und jetzt folgt mal wieder ein Zitat aus dem Buch, das zum Nachdenken anregt:
„Dass es Grenzen der Vorhersagbarkeit gibt, kann aber kein Grund dafür sein, nicht alle Anstrengungen zu unternehmen, um die globale Erwärmung auf niedrigem Niveau zu begrenzen. Ganz im Gegenteil! Wir müssen das Undenkbare denken und danach handeln. Das lehren uns die letzten Jahre, wo wir immer wieder von extremen Wetterereignissen überrascht worden sind.“ (S. 121/187 eBook)

Das fällt uns schwer. Das verbannen wir gern in ein Genre, welches „Science Fiction“ genannt wird, oder „Dystopie“. Künstler aller Art, ob Filmemacher, Schriftsteller, Maler oder auch Musiker, haben offensichtlich weniger Probleme damit als Politiker und Ökonomen.
Beim Zähneputzen heute kam mir der Gedanke, dass so mancher Naturwissenschaftler sich mit seinen Erkenntnissen vermutlich ähnlich fühlt wie ein moderner Galileo Galilei: Was nicht in den Kram passt, wird geleugnet. Stattdessen wird davon gesprochen, dass der Mensch sich an die neuen Gegebenheiten anpassen solle.

Finde den Fehler: wenn davon die Rede ist, dass wir unsere Wohnungen und Büros im kommenden Winter ein bis zwei Grad weniger aufheizen, um Gas zu sparen, dann ist von Mietervereinen, Gewerkschaften etc. der Aufschrei groß. Das ginge ja nun gar nicht, dass wir für „den Frieden frieren“ sollen. Wie dekadent ist das denn? Was sollen die Menschen in den Kriegsgebieten davon halten? Hier wird die relativ geringe Anpassung (Pullover, dicke Socken, Sofadecke gibt es ja auch noch) rundweg ausgeschlagen. SchülerInnen und Lehrpersonal, Einzelhandelskaufleute und was weiß ich noch durften mussten den letzten Winter allerdings frieren, LÜFTEN GEGEN CORONA, da war das angeblich „alternativlos“.

Finde den nächsten Fehler: „Und auch der menschliche Körper kann sich nicht an ein extrem warmes Klima anpassen. Wie will man sich, frage ich Sie, an Temperaturen von weit über 40 Grad Celsius anpassen, die an die 50 Grad Celsius heranreichen oder in den nächsten Jahren vielleicht noch über die 50-Grad-Marke steigen? Der menschliche Körper ist dafür nicht geschaffen. Der Klimawandel ist zuallererst eben auch ein enormes Gesundheitsrisiko, worin ein bisher wenig beachteter Aspekt in der Debatte über die globale Erwärmung besteht. Schon länger warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer medizinischen Katastrophe durch den Klimawandel. In einem offenen Brief, der kurz vor Beginn der 26. Weltklimakonferenz veröffentlicht wurde, die in Glasgow im Herbst 2021 stattgefunden hat, heißt es: „Die Verbrennung fossiler Brennstoffe bringt uns um. Der Klimawandel ist die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit. Niemand ist vor den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels sicher, aber die Schwächsten und Benachteiligten sind unverhältnismäßig stark betroffen.“ (S. 125/187)

Ich kann nicht anders als mich dieser Einschätzung des Autors anzuschließen:
„Deswegen ärgere ich mich maßlos, wenn in der Diskussion über die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen immer wieder Stimmen laut werden, nach denen es doch „vernünftiger“ wäre, weil weniger teuer, sich einfach anzupassen, anstatt die notwendigen Schritte zur Begrenzung der globalen Erwärmung zu gehen, sprich die Treibhausgasemissionen zu senken. Das kommt einer Verhöhnung der bisherigen Opfer des Klimawandels gleich und ist respektlos gegenüber den armen Ländern, die am stärksten unter der globalen Erwärmung leiden und kaum die Möglichkeiten zu einer Anpassung haben, weder finanziell noch technologisch. Die globale Erwärmung weiterlaufen zu lassen, ohne sich gegen sie zu stemmen, wäre gegenüber den zukünftigen Generationen ohnehin nicht zulässig, weil deren Einverständnis nicht eingeholt werden kann. Sie werden mir sicherlich zustimmen, dass die Menschen, die noch nicht geboren sind, mit Sicherheit mit einem „Weiter so wie bisher“ nicht einverstanden wären. Die Klimafrage ist deswegen zuallererst auch eine Frage der Gerechtigkeit, zwischen den Ländern, zwischen Arm und Reich und zwischen den Generationen.“ (S. 128f./187)

Mit diesen, zugegeben etwas bitteren Worten lasse ich euch nun eure eigenen Gedanken machen. Die Arbeit ruft gleich. Zurzeit nutze ich übrigens das 9 €-Ticket, bin ganz begeistert und habe auch schon nach einem Anschluss-Abo gesucht, wenn das ausläuft. Ich sach‘ mal: Es ist kompliziert… (Stichwort: Tarifdschungel der Verkehrsverbünde…)

Identitäten und Macken

Jeder Mensch hat (mindestens) eine Identität. Soweit, so eindeutig. Aber dann ist auch schon Schluss damit. Manche haben mehrere Identitäten, die mitunter sogar voneinander unabhängig agieren. Andere sind sich ihrer Identität aus unterschiedlichen Gründen nicht sicher. Das kann bedeuten, dass man mit seinen ganz persönlichen Defiziten nicht klarkommt, dass man aus irgendeinem Grund charakterlich eigentlich lieber anders sein möchte – und es kann auch bedeuten, dass man das Gefühl hat, im falschen Körper zu stecken.

Weil das anscheinend eine mengenmäßig geringe Anzahl von Menschen betrifft, empfinden andere es als „unnatürlich“, pathologisch, marginal oder sogar als einen Angriff auf das gesellschaftlich akzeptierte Durchschnittslebensmodell. 

Ich kann nur und ausschließlich aus meiner eigenen Wahrnehmung feststellen, dass ich wenig Probleme mit meiner Identität habe. Ich fühle mich meistens so, wie ich bin: als weiße, mittelalte Frau der Mittelschicht, zugehörig der Mehrheitsgesellschaft in meinem Land und Kulturkreis. Ich bin einigermaßen komfortabel aufgewachsen, und auch wenn wir als Familie nie zu den Wohlhabenden gehörten, hat es mir doch eigentlich nie an dem gefehlt, was notwendig war, um anständig groß zu werden. Sowohl in meiner Kindheit als auch aktuell komme ich recht ordentlich über die Runden, gesundheitlich ist nicht alles tippitoppi, aber auch nicht über die Maßen viel kaputt.

Was zum Henker würde mir das Leben vermiesen, wenn andere Menschen dieses „Glück des Durchschnitts“ nicht haben? Was würde sich für mich ändern, wenn meinetwegen statt 10 Menschen auf einmal 100 oder auch 1000 Menschen sagen würden, dass sie sich nicht wohlfühlen mit ihrem vorgegebenen Geschlecht? Warum ist es gesellschaftlich eher anerkannt, sich aus miesen Verhältnissen hochzuarbeiten (oder hochzuschwindeln…) als zu versuchen, mit seiner eigenen geschlechtlichen Identität in Einklang zu leben?
Was berechtigt mich, die sich in ihrem Körper meistens relativ wohlfühlt, anderen abzusprechen, diesen Zustand zu erreichen?

Vieles hiervon sind rhetorische Fragen. Denn ich kenne viele Antworten, die oft reflexartig gegeben werden:
– Die Biologie sieht nun mal nur zwei Geschlechter vor – tut sie das wirklich? Immerhin gibt es ganze Spezies, die nicht so eindeutig festgelegt sind und manchmal sogar je nach Notwendigkeit ihr Geschlecht ändern können.
– Homosexualität ist ein menschliches Denkkonstrukt – nein, ist es nicht. Auch im Tierreich gibt es homosexuelle Beziehungen (oder, „noch schlimmer“: ein buntes Durcheinander, Sodom und Gomorrha in der Wildnis…)
– Gott will das nicht, das ist krank! Diese Phrase ist besonders perfide, denn sie spricht den Menschen, die betroffen sind, den „richtigen“ Glauben ab. Egal, in welchem religiösen Umfeld.

Diese Antworten spiegeln vor allem eines wieder: Ein Unbehagen, sich mit Problemen auseinanderzusetzen, die nur teilweise im Zusammenhang mit denen stehen, die nicht in eine gesellschaftliche Norm passen. Viel mehr liegen die Probleme häufig darin, dass man sich nicht mit Themen beschäftigen möchte, die man für sich selbst als irrelevant erkannt hat. Zunächst mal kann ich das sogar nachvollziehen, denn oft ist es einfach so, dass man mit eigenen Baustellen mental ausgelastet ist und sich nicht mehr mit dem beschäftigen kann oder will, was für andere essentiell wichtig ist. Ein Teil davon ist auch sicher Selbstschutz.
Der sich dann vielleicht auch in Bemerkungen in dieser Richtung äußert „Das sind alles Modeerscheinungen, das gab es früher auch nicht“. Gut und richtig ist das im Sinn der Mitmeschlichkeit trotzdem nicht.

Mit diesem Argument wird alle paar Jahre eine neue Sau (Entschuldigung, liebe Schweine) durchs Dorf getrieben, ob es Fibromyalgie, Depressionen, ADHS, Burnout, Autismus-Spektrum, Zwangsstörungen, Angsterkrankungen, Homsexualität, Transsexualität oder etwas anderes ist, das man nicht mit der Gerätemedizin in eine handfeste Diagnose packen kann.

Das alles gab es früher auch schon. Es wurde verschämt unter dem Tisch gehalten, darüber redete man nicht. Oder im schlimmsten Fall wurden Betroffene weggesperrt, von Oma und Opa „bewacht“ und in jedem Fall nicht „auf die Gesellschaft losgelassen“. Solche Verhältnisse sollten wir auf gar keinen Fall wieder herwünschen.

Denn auf der anderen Seite ist doch niemand von „Fehlern“, „Makeln“, „Tics“ … also mehr oder weniger liebenswerten Macken frei. Und jeder wünscht sich, akzeptiert oder zumindest respektiert zu werden, am liebsten natürlich mit allen seinen dazugehörigen Schwächen und Beeinträchtigungen. Damit impliziere ich nicht, dass es einfach ist, denn wir sind alle irgendwann mal sozialisiert worden. Viele von uns mit einem mehr oder weniger starren Gerüst, was sich „gehört“ und was nicht. Ich erkenne gern an, dass es nicht trivial ist, sich von solchen Vorstellungen zu lösen, aber ich wünsche mir viel mehr Bereitschaft, darüber nachzudenken und auch mal vorgefasste (Vor-)Urteile zu revidieren.

Sprung ins Haifischbecken in drei, zwei, eins …

Bataclan

Der 13. November 2015 zählt für mich zu den Tagen, die sich ins Gedächtnis gebrannt haben. Wäre ich an diesem Freitagabend zuhause gewesen, hätte ich erst am Morgen des nächsten Tages etwas von den Terroranschlägen erfahren, weil ich vermutlich schon im Bett gelegen hätte.
Aber an diesem Freitag war ich mit Mann und Schwager in Oberhausen auf einem Deep Purple-Konzert, es war unser Geburtstagsgeschenk für den Bruder meines Mannes. Die älteren Herren auf der Bühne hatten alles gegeben, das Publikum hatte gefeiert, alle, die aus der Arena kamen, waren euphorisiert. Wir auch. Tolle Musik, gute Show – was wollte man mehr?
Und dann setzten wir uns ins Auto für die Heimfahrt, mit dem Motor startete das Radio – es war kurz nach 23 Uhr. Da gab es die ersten, noch sehr konfusen Mitteilungen über die Geschehnisse in Paris, wo viele Menschen aus ebenso verheißungsvoll gestarteten Wochenenden gerissen wurden, wo Leute, die so wie wir ein Konzert besuchten, urplötzlich in einem Alptraum gefangen waren…
Unsere Rückfahrt war bedrückt, zumal wir auch Familien kannten, die in Paris lebten.

Heute werden die Urteile im Prozess gesprochen und ich hoffe nur, dass die Überlebenden und die Angehörigen der Todesopfer danach zumindest Ruhe finden können.
Ich werde es niemals begreifen, warum sich menschliche Wesen so gnadenlos zum Richter über andere erheben, nur weil sie eine andere Einstellung zum Leben haben.

Countdown – Teil 2

Kaum hatte ich das Büchertagebuch begonnen, habe ich schon wieder Pause gemacht. Es war viel los in den letzten Tagen. Müdigkeit am Abend. Weil ich es nicht mehr gewohnt bin, den ganzen Tag im Geschäft zu stehen, und weil ich teilweise gerade ganz neu denken muss: Was muss noch fürs Schulbuchgeschäft bedacht werden, brauchen wir noch Buchumschläge, Schreiblernhefte oder Sammelmappen? Nachmittags dazu stehende Wärme im Laden statt kühles Büro. Naja, alles eine Sache der Gewöhnung. Abends noch einkaufen, damit Mann und Tochter heute früh frohgemut auf unseren ihren Segeltörn fahren konnten, während ich nach wie vor die Hüterin des Buchladens bin, weil meine Chefin noch im Krankenhaus liegt. Ist halt so.

Aber nun ist Wochenende, bei der immer noch schwülen Wärme habe ich mir heute Nachmittag Lesezeit im Schatten gegönnt. Haushalt findet bevorzugt morgens zwischen 5:30 und 7:00 Uhr statt… Und da bin ich dann wieder beim Thema angekommen. Die Wärme (und für meine demnächst auf der Ostsee schippernde Familie: der Sauerstoffmangel in weiten Teilen ebendieser Ostsee), ist das alles noch Wetter oder schon Klima?

Ehe hier jetzt jemand Schnappatmung bekommt, ja, ich kenne den Unterschied. Aber ein bisschen Provokation muss sein.
Ich bin beim Kapitel „Wo wir heute stehen – Ansturm der Extreme

Nicht alle haben Die Grenzen des Wachstums gelesen, das verlange ich auch nicht. Aber mir unbegreiflich ist: Viele unterschiedliche Medien (auch schon in den Zeiten vor „Lügenpresse-“ oder „Staatsmedien-“ Diskussionen) thematisieren seit den 1980er Jahren immer wieder den Klimawandel. Nicht immer so plakativ wie der SPIEGEL 1986 mit dem Titelbild, das den Kölner Dom im Wasser zeigt. Aber vieles, was im Lauf der Zeit geschrieben wurde, ist eingetroffen – oder sogar übertroffen!
In diesem Kapitel schreibt Latif darüber, dass das vergangene Jahrzehnt (2010-2020) sowohl in Deutschland wie auch global gesehen die wärmste Dekade seit Beginn der Aufzeichnungen war. Die aktuelle globale Erwärmung beträgt zurzeit 1,1 Grad Celsius. Ich ahne: vielen kommt diese Zahl verschwindend gering vor. Aber man sollte nicht außer acht lassen, dass bei einem fiebernden Organismus 1,1 Grad den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen kann. Außerdem sehen wir die allermeisten Auswirkungen nicht „in Echt“. Korallenbleiche, Dürrekatastrophen, Schelfeis-Abbrüche – solange wir das in den Medien konsumieren, hat es keine Auswirkungen auf unser persönliches Leben.

Wärmeres Wasser hat eine geringere Dichte und dehnt sich aus? Es kann weniger Gase binden und lässt deshalb das Methan aus der Tiefsee schneller hochblubbern? Trägheit von großen Systemen, die den Bremsweg eines Supertankers kurz aussehen lässt? Hm, da war mal was vor Jahrzehnten im Physik- und Chemieunterricht. Schulterzucken, weitermachen…

Ein Zitat aus dem Kapitel:
„Verhandeln kann man mit der Natur nicht, sie folgt ihren eigenen Gesetzen, die wir nicht beeinflussen können. Das gilt auch für die anderen Umweltprobleme wie zum Beispiel für den Rückgang der Artenvielfalt, dessen Konsequenzen wir noch gar nicht absehen können. Und noch eines: Der Natur sind wir Menschen egal. Sie kennt kein Pardon. Der Planet wird seinen Weg gehen, mit oder ohne uns und unabhängig davon, wie es uns in der Zukunft ergehen mag. Diese Botschaft, so simpel sie sein mag, muss endlich in unseren Köpfen ankommen.

Ganz klar: Wir werden quasi die Dinosaurier 2.0 dieser Erde sein.
Und was auch denen zu denken geben sollte, die sich ganz gern von der restlichen Welt abschotten möchten hier im beschaulichen deutschen Heimatgefilde und die meinen, dann ginge es uns schon ganz gut:
„Falls sich der Temperaturanstieg in den kommenden Jahrzehnten ungebremst fortsetzen sollte, wird dies zu einer Destabilisierung der Welt führen, unter der die Menschheit endlos zu leiden haben würde. Direkt, zum Beispiel durch noch mehr und noch intensivere Hitzewellen oder Starkregenereignisse, und indirekt, etwa durch die Einbußen in der Weltwirtschaft, die in eine Rezession rutschen könnte, mit der Folge einer Massenarbeitslosigkeit und großer Armut. Weitere globale Krisen als Folge der Überhitzung der Erde wären programmiert. Mehr Migration, mehr Hunger oder mehr Trinkwassermangel wären wahrscheinliche Konsequenzen, um nur einige Stichworte zu nennen. Für immer mehr Menschen auf der Erde ginge es ums nackte Überleben. Diese unheilvollen Entwicklungen haben schon längst begonnen und gewinnen an Dynamik, davon bin ich fest überzeugt, auch wenn man sie noch nicht eindeutig der globalen Erwärmung zuordnen kann.“

Mit diesen ermunternden Gedanken entlasse ich euch jetzt in den Samstagabend. Bei den Nachbarn qualmt der Grill, Bratwurstschwaden durchziehen mein Büro, und ich gehe dann mal Ratatouille kochen.
Bon Appetit und einen geruhsamen Abend.

Neues Lesetagebuch: Countdown

|Werbung, unbezahlt|

Am 23. Juni 2022 – also heute – habe ich ein neues Buch begonnen. Während ich das hier schreibe, zeigt meine Wetterstation 28 Grad im Schatten auf der Nordseite unseres Hauses an. Für morgen sind schwere Gewitter angekündigt.
Die ersten schweren Waldbrände sind unter Kontrolle gebracht, insgesamt gab es noch nie so früh im Jahr so hohe Waldbrandgefahr.

Alles das veranlasst mich, wieder einmal ein Lesetagebuch auf dem Blog zu führen. Es geht um „Countdown“. Kein Thriller, auch wenn sich der Titel danach anhört, sondern das neueste Buch von Mojib Latif. – Hm. Vielleicht doch ein Thriller, aber real?

Hier ein paar Auszüge aus dem Vorwort:
Mit Die Grenzen des Wachstums hatte der Club of Rome den Menschen die Augen geöffnet. Der Bericht machte klar, dass ein „Weiter so wie bisher“ keine Option sei, dass man die Erde also nicht beliebig ausbeuten könne. Doch nach Erscheinen des Berichts hatten die Menschen ihre Augen gleich wieder geschlossen, um in diesem Bild zu bleiben. Denn die Trends haben nicht nur angehalten, sie haben sich sogar noch beschleunigt. Wir haben die planetare Geisterfahrt fortgesetzt, vor der der Club of Rome schon vor einem halben Jahrhundert gewarnt hat. Heute sind sich die allermeisten Expertinnen und Experten darin einig, dass der Club of Rome mit seiner Warnung recht gehabt hatte. 50 Jahre später nähern wir uns tatsächlich den Wachstumsgrenzen, und einige haben wir längst überschritten. Das ist überall auf der Welt spürbar, vor allem, aber nicht ausschließlich, an den dramatischen Auswirkungen der sich beschleunigenden und erwiesenermaßen von der Menschheit verursachten globalen Erwärmung, im Folgenden auch Klimawandel genannt. Die globale Erwärmung und ihre Auswirkungen stehen im Vordergrund dieses Buches. Infolge der steigenden Temperaturen häufen und intensivieren sich Wetterextreme rund um den Globus, unter denen Jahr für Jahr mehr Menschen zu leiden haben. Die Begrenzung des Klimawandels ist eine riesengroße Herausforderung für die Menschheit, und das in jeder Hinsicht: technologisch, finanziell und kulturell. […] Warum kommen wir nicht vom Wissen zum Handeln? Was läuft schief, und warum kommen wir so gut wie nicht voran, wenn es um die Begrenzung des Klimawandels geht und um andere globale Probleme, vor denen die Menschen stehen? Niemand bestreitet doch den Mangel an Nachhaltigkeit und dass unsere Lebensweise nicht zukunftsfähig ist. […]
Sollten wir als Gesellschaft nicht die Offenheit haben, uns nicht allein auf das zu konzentrieren, was wir wissen, sondern auch danach zu fragen, was wir nicht wissen? Was haben wir zur Herbeiführung des Wandels übersehen? Viele Jahre lang glaubten wir – auch in Teilen der Wissenschaft, und ich will mich hier nicht ausnehmen –, dass Wissen allein zum Handeln führe. Zum Beispiel, dass wissenschaftliche Daten, wie die in der Abbildung 1 gezeigten, eine starke Geschichte erzählen und ein Umdenken in der Klimapolitik bewirken würden.

Wie wir inzwischen hinlänglich wissen, führt das Wissen nicht zum Handeln, und wenn, dann viel zu zögerlich. Deswegen möchte ich hier gern ein paar Denkanstöße des Autors anführen und meine Gedanken dazu teilen.
Wusstet Ihr eigentlich, dass ziemlich genau vor 30 Jahren schon einmal ein junges Mädchen den Mächtigen der Welt kräftig die Leviten gelesen hat?

Übrigens war sie 2012 auch wieder dabei und zog eine teilweise katastrophale Bilanz. Zu einem Zeitpunkt, als Greta noch lange nicht ans Streiken dachte.

Fürs erste lasse ich euch heute mit diesen Infos allein, und für alle, die mitlesen möchten, hier die bibliographischen Angaben:
Mojib Latif, Countdown, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-39271-9, € 22,–
Erhältlich in der örtlichen Buchhandlung☺

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