Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt…

Eigentlich hat dieser Text nicht unbedingt etwas mit dem Gesangbuchlied zu tun. Aber ich habe mir den Text eben einmal genau durchgelesen. Abgesehen davon, dass ich mit Ausdrücken wie „Kampf und Sieg“ immer noch eine Gänsehaut bekomme, beschreibt er ganz gut, was in meinem Kopf umhergeistert.

Außerdem habe ich, neugierig wie ich bin, nachgesehen, was Wikipedia zur Begriffsdefinition sagt. Das sieht dann so aus:

Gemeinde (Kirchengemeinde) ist die Organisationsform der Kirchenglieder auf lokaler Ebene. Sie nimmt Aufgaben der Kirche wie das Halten von Gottesdiensten, Seelsorge, kirchliche Unterweisung und diakonische Aufgaben wahr. Der Begriff umfasst mehrere Elemente: Institution, Gesamtheit, Raum und Gemeinschaft, Konkretion, Ort.

Gemeinschaft ist definiert als überschaubare soziale Gruppe, deren Mitglieder durch ein starkes Wir-Gefühl eng miteinander verbunden sind – oftmals über Generationen. Sie gilt als ursprünglichste Form des Zusammenlebens und als Grundelement der Gesellschaft. Merkmal ist eine gewisse Abgrenzung gegen Außenstehende, eine deutliche Trennungslinie zwischen „Uns“ und den „Anderen“.

Wichtig, aber nicht unbedingt hilfreich, diese Definitionen im Hinterkopf zu haben.

Was sind wir denn eigentlich? Sind wir „nur“ eine lokale Organisationsform? Oder sind wir „Herausgerufene“ (Ecclesia), die sich  klar von allen anderen abgrenzen? Ist es wie beim lokalen Sportverein, wo man Mitgliedsgebühren zahlt und dann trainieren geht? Und im Wettkampf mit den anderen Mannschaften nur dann antreten darf, wenn man das Training regelmäßig mitmacht?

Germanys next Top Kirchengemeinde? – Sorry, heute habe ich kein Kreuz für euch?

Ja, ich weiß, das ist jetzt sehr überspitzt ausgedrückt. Ganz bewusst und provokant. Denn gerade in der Empfindung von Menschen, die (noch) nicht so sehr Insider sind, kommt es schon ziemlich nahe an das, was so manche erleben, die sich auf das Abenteuer „Gemeinde“ einlassen.

Vielleicht sollte ich mal nachschauen, was Jesus selbst zu dem Thema sagt. Er fordert uns nicht dazu auf, aus unseren eigenen Kräften heraus etwas tolles auf die Beine zu stellen. Er sagt nicht: „Leute, baut Gemeindehäuser und ladet die ein, die sowieso schon an mich glauben, das reicht.“ Er ist auch nicht der Meinung, dass wir „besser“ sind als der Rest der Menschheit.

In der Bergpredigt schärft er seinen Zuhörern ein: „Selig sind, die geistlich arm sind, denn ihrer ist das Himmelreich“ Geistlich arm, was bitte ist das denn? Nur wer einen begrenzten IQ hat? Okay, das heißt es natürlich nicht. Es geht um die Erkenntnis, dass wir Menschen nun mal zeitlich und auch verstandesgemäß begrenzt sind. Dass wir an viel zu vielen Stellen einfach nicht den Durchblick haben, dass wir es mit Gott nicht aufnehmen können und es auch überhaupt nicht müssen! ER baut sein Haus. Wir sind nur die Bauhelfer.

Jesus stellt sich auch keinen exklusiven Country-Club vor. Im Gleichnis vom großen Gastmahl stellt er fest, dass diejenigen, die ursprünglich eingeladen waren, tausend Ausreden haben, nicht zu kommen. Und dass deswegen diejenigen hereingeholt werden sollen, die „draußen“ unterwegs sind, die nicht „dazugehören“.

Und er erteilt ganz am Ende seiner irdischen Zeit den Auftrag, hinaus in die Welt zu gehen und die Völker in die Jüngerschaft zu holen. In unserem kleinen Gemeindekosmos bedeutet das: Ladet diejenigen ein, die noch nicht kommen.

Wir sollen aktiv werden und nicht abwarten, bis die Menschen von sich aus kommen und sagen „Jetzt bin ich so weit. Ich glaube bereits, was ihr glaubt, jetzt will ich auch dazugehören.“

Und dann sagt er noch: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Wir laden ein, wir lehren auch, wir taufen. Aber das, worauf es wirklich ankommt, bewirkt ER. Nicht wir.

Ich wünsche mir Gemeinden, in denen wir die Menschen einladen, egal, ob sie sich schon mit Jesus auf den Weg gemacht haben, egal, wie weit sie schon auf dem Weg sind, egal, wen sie lieben. Wir laden ein, zu uns zu gehören. Der Rest wird dann kommen (Geduld…!)  Nicht „von allein“, sondern durch unsere offene Haltung und vor allem durch das Wirken unseres Herrn Jesus Christus. Auch wenn wir es nicht immer merken, ER ist bei uns. Auch dann (welche Überraschung), wenn wir ihn nicht in jeder Unterhaltung mindestens erwähnen. Wir müssen seinen Namen nicht jederzeit im Überfluss nennen, um uns dessen gewiss zu sein.

Am letzten Wochenende habe ich eine solche Gemeinschaft erleben dürfen. Einige Familien/Paare aus unserer Gemeinde haben sich zusammengeschlossen, um ein Wochenende gemeinsam zu verbringen, mit Spielen, Unterhaltungen, Singen, Kochen und Essen, mit Spaß und auch mit Andachten, Bibelarbeit und Gottesdienst. Diejenigen, die bisher keinen Zugang zum Glauben gefunden haben, waren frei darin, sich aus allem auszuklinken, was sie zu dem Zeitpunkt nicht für sich annehmen konnten. Und trotzdem waren sie vollwertige Mitglieder der Gruppe. Jeder brachte sich ein mit individuellen Talenten, Interessen und tat, was gerade „dran“ war.

Diese Gemeinschaft auf Zeit erinnerte mich an das paulinische Bild: Gemeinde als einen Leib, jeder ist ein Körperteil, hat seine spezifischen Funktionen, und Christus ist das Haupt. Nicht jeder Körperteil hat eine direkte Verbindung zum Haupt, und doch gehören sie zusammen.

Wir müssen auch nicht immer einer Meinung sein. „Eins sein“ in Christus lässt Vielfalt zu. Wir sind aber dazu aufgefordert, uns gegenseitig in Respekt und Wertschätzung, kurz: in Liebe zu begegnen und zu „ertragen“! Unmöglich? Eher nicht. Schwierig umzusetzen? Unbedingt. Scheitern inklusive. In jedem Fall die ultimative Herausforderung, so wie der gesamte Glaubensweg eine Herausforderung ist.

Um noch einmal auf das Schiff zurückzukommen… Natürlich gibt es Offiziere, aber auch Maschinisten, Matrosen, Ausguck, Funker, Stewards, Smutjes und auch Fahrgäste. Alle gehören dazu, auch die, die noch an Land vor der Gangway stehen und überlegen, ob sie seefest sind. Der Käpt’n ist Jesus, er bringt uns ans Ziel.

 

 

Warum???

Frühling in Deutschland. Vieles liegt im Argen, vieles, das wir auf andere schieben können. Vieles, das uns in seinen Auswirkungen nicht sonderlich berührt. Das Wetter zum Beispiel. Ist nur dann einen unschönen Gedanken wert, wenn es zwei Tage regnet. Ostern mit bestem Frühsommerflair. Wunderschön, es bringt die Menschen auf die Straßen, um Familienausflüge in überfüllte Parks, Freilichtmuseen und sonstwo zu machen.

Landwirte machen sich schon Sorgen, wie sie ihre Feldfrüchte durchkriegen, aber hey, „die“ sind ja selbst mit Schuld, beuten die Ländereien aus ohne Rücksicht auf Verluste. Aber Hauptsache, unsere Grilltaschen, Steaks etc. sind schön billig.

Dicke Luft in den Städten, aber mit der S-Bahn in den Zoo, das geht ja gar nicht, dieses Gedränge. Stehen wir lieber mit dem SUV eine Stunde im Stop-and-Go.

In den Alpen kommen Skifahrer durch Lawinen ums Leben, weil der Nervenkitzel so hoch war, dass sie bewusst in abgesperrte Gebiete mit hoher Lawinengefahr eingefahren sind. Tragisch, aber irgendwie selbst schuld.

Wir selbst sind erstmal Teil des Problems. Aber wollen wir auch Teil der Lösung sein? Da geht es schließlich an unsere Komfortzone…

Ganz anderes Beispiel:

Irgendwo auf der Welt werden Christen und wohlhabende Menschen aus westlichen Demokratien von Selbstmordattentätern ermordet. Eben weil sie Christen und wohlhabende Menschen sind. Auch da ist schnell ein Schuldspruch gefällt. „DER Islam“. Ich möchte in keiner Weise den gewaltbereiten Islamismus beschönigen, aber nach dem Mord an einer irischen Journalistin hieß es ja auch nicht: „DER Protestantismus“ oder „DER Katholizismus“, ich bin mir gerade nicht sicher, welcher Konfession die Täter waren. Auch im Namen Christi oder durch Christen gab und gibt es schlimme Verbrechen. Massenmorde wurden begangen, weil Menschen der Meinung waren, andere Menschen gehörten irgendwo nicht hin. In erster Linie sind die Täter immer Menschen, egal, ob sie von einer politischen oder theologischen Ideologie verblendet, aus Habsucht, Grausamkeit oder sonst einem Motiv handeln.

In allen diesen Fällen können wir Schuldige benennen, damit kommen wir irgendwie klar.

Aber was ist, wenn wir von tragischen Unglücken getroffen werden? Wenn Dinge passieren, bei denen wir keine Schuldigen anklagen können? Ich mag mir nicht ausmalen, wie jemand ohne den Glauben an eine höhere Macht, wie auch immer sie genannt wird, damit klarkommt. Aber auch gläubige Menschen haben es nicht immer automatisch leichter. Immer noch gibt es, selbst in einigen christlichen Kreisen, den Tun-Ergehen-Zusammenhang. Ein Unglück ist in diesem Zusammenhang immer eine Strafe Gottes. Eine Horror-Vorstellung.

Aber wie sieht es aus, wenn ich an Jesus als meinen Erlöser und an Gott als einen liebenden Vater glaube? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich selbst in einem solchen Fall reagieren würde. Wäre mir diese Gewissheit Trost und Hilfe? Könnte ich wie Hiob durch alles Leid hindurch an meinem Urvertrauen zu Gott festhalten? Oder würde mein Glaubensfundament bröckeln und bröseln? Hätte ich Menschen an meiner Seite, die sich nicht abwenden (Aus Hilflosigkeit, wie mit mir umzugehen ist, oder weil meine Trauerzeit anscheinend zu lange dauert oder was auch immer?)

Ich weiß es nicht. Ich hoffe, sollte mir eine solche Situation widerfahren, dass es Menschen gibt, die mich durch Trauer und Hader und Zweifel begleiten, die für mich glauben, wenn ich es selbst gerade nicht kann. Die an mich denken, auch wenn ich es nicht spüren kann, und die unaufdringlich aber beharrlich warten, bis ich wieder auftauche.

Und ich hoffe, dass auch ich in aller Hilflosigkeit eine solche Person sein kann, wenn andere mich brauchen.

 

„Gesundheit!“

Danke. Aber wo steckt die eigentlich dieses Jahr? Langsam gehe ich auf dem Zahnfleisch. Seit Anfang des Jahres bin ich erkältet. habe Grippe, seit drei Wochen plagt mich eine Bandscheibe extrem (das böse V-Wort), und jetzt bin ich schon wieder mit Bronchitis und Nebenhöhlenentzündung am kämpfen. Fühle mich wie Wackelpudding mit verspannter Gelatine….

Ich weiß, verglichen mit anderen ist das Jammern auf sehr hohem Niveau, aber es nervt einfach. Ich hatte mir für die ersten Monate so viel vorgenommen. Auf mich wartet meine Abschlussarbeit, die Buchführung für die Firma muss mal wieder fertigwerden, weil der Steuertermin bevorsteht, der Garten schreit mich förmlich an und im Haus gibt es auch so viel zu tun. Davon abgesehen sind da noch die Termine, zu denen ich ehrenamtlich tätig bin und die mir wirklich wehtun, wenn ich sie absagen müsste.

Meinen Plan, mit einer Freundin eine Wochenendpilgertour zu machen, habe ich vorsichtshalber erst mal ad acta gelegt.

Und mein bester aller Ehemänner meint, ich solle mehr auf meinen Körper hören. Ganz hinten im Kopf sitzt ein schüchternes kleines Mädchen, das wispert: „Ja, recht hat er. Du hast nur die eine Gesundheit, dein Körper sagt deutlich STOPP zu dir.“ Aber vordergründig steht eine derbe alte Bäuerin, die mir zu verstehen gibt, dass die Arbeit nun mal getan werden muss, wenn sie anliegt, nun stell dich nicht so an, Mädel. Hat noch niemandem geschadet.

Kennst du das auch? Mein innerer Schweinehund sagt nicht zu mir „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe gleich auf morgen“, sondern „Warum hast du noch nicht gestern erledigt, was du heute vorhast???“ Ist das unsere Erziehung oder machen wir uns diesen Druck selbst? Ich bin da bestimmt vorbelastet durch meine Herkunft, aber ist es nicht auch unsere ganz eigene Verantwortung, wie wir mit uns umgehen?

Ich bin mal gespannt auf den Ausgang meines inneren Kampfes David gegen Goliath. Ich traue mir selbst nicht, weil ich hin und her gerissen bin. Und ich schreibe das hier nicht aus Selbstmitleid (denn ich habe mir meine Situation ja zum größten Teil aktiv ausgesucht), sondern um dich zum Nachdenken anzuregen, ob es dir nicht auch von Fall zu Fall so geht. Gerade wir Frauen, aber mit etwas anderer Gewichtung auch die Männer, wir stehen doch alle immer wieder vor der Entscheidung, wie wir mit uns umgehen, oder ob uns die äußeren Umstände wichtiger sind.

Nur mal so ein Gedanke….

Am Frühstückstisch, ehe der Tag so richtig losgeht, führen wir manchmal die besten Gespräche. Vorgestern war so ein Gespräch.

Warum fällt uns Glauben oft so schwer? Ich meine jetzt den Glauben an einen liebenden Gott, an Jesus Christus, der schon alles getan hat, damit wir nicht verloren sind. Wir sind so aufgeklärt, wir lassen nur zu, was der Verstand uns als schlüssig freigibt. Glauben ist irrational, er kann nicht mit wissenschaftlichen Methoden vermessen, qualifiziert und eingeordnet werden. Glauben unter Laborbedingungen ist nicht möglich.

Aber wenn wir uns verlieben, ist es genau umgekehrt. Wenn uns dann ein misanthropischer Zeitgenosse sagt, ach das ist alles nur Chemie, das sind die Hormone, Testosteron und Östrogen, da sind Adrenalin und Oxytocin und wie die Stoffe alle heißen in einem wilden Cocktail am wirken, sonst nix, dann ist uns das ganz egal. Was wir spüren, sind Schmetterlinge, ein wunderschönes, warmes Gefühl, wir möchten die ganze Welt umarmen und von morgens bis abends singen. Der Verstand rutscht einige Etagen tiefer… und wir finden das total in Ordnung.

Wie gesagt, nur mal so ein Gedanke.

Liebes 2018, was ich dir gern noch sagen möchte…

…ehe du bald Geschichte bist. War nett, dich kennengelernt zu haben. Aber ehrlich gesagt, bin ich auch ein bisschen erleichtert, dass du vorbei bist.

Du hast mir einiges an neuen ungeahnten Erfahrungen gezeigt. Neben schönen Erlebnissen hast du mir auch Dinge gezeigt, auf die ich gern verzichtet hätte.

Arbeitslosigkeit zum Beispiel. Nach 30 Jahren Berufsleben auf einmal ohne eine sinnvolle und auch bezahlte Tätigkeit dazustehen, das fordert. Ist ja nicht so, dass ich tatsächlich nichts zu tun gehabt hätte, aber für seine Arbeit bezahlt zu werden, das hebt die Selbstachtung eben enorm.

Und dann die Erkenntnis, dass selbst der erlernte und immer noch geliebte Beruf als Buchhändlerin nicht die Erfüllung bringt, sondern grenzenlose Frustration, wenn man ihn nicht so ausüben darf, wie man ihn versteht. Dazu eine Bezahlung, die zwar höher ist als das Arbeitslosengeld, aber niedriger als das Gehalt einer Putzfrau im Seniorenheim, selbst wenn sie angelernt ist.

Versteh mich nicht falsch, ich achte jede Putzfrau hoch, die diese Arbeit macht, denn sie ist in mehrerer Hinsicht wichtig,  aber Wertschätzung von erfahrenen Fachleuten und ihren Qualifikationen sieht anders aus.

Rums. Aus, dann lieber gar nicht. Weder bezahlte Arbeit, noch Meldung beim Arbeitsamt. Ich konzentriere mich jetzt aufs Ehrenamt. Beim besten aller Ehemänner im Büro und bei der Gemeinde, wo auch immer ich gebraucht werde. Und die zweite Ausbildung wieder ernst nehmen, die in meinem Kuddelmuddel auch gelitten hat.

Und feststellen, dass auch das gelernt sein will: das einfach nur da sein. Aber es klappt immer besser. Und weißt du was, 2018? Das nehme ich auf jeden Fall von dir mit: Die Erkenntnis, dass auch ich nicht ganz unanfällig war für eine Mini-Midlife-Crisis, aber dass ich alles überstehen und daran wachsen  kann. Mit einer verlässlichen Familie, guten Freundinnen, einer Gemeinde, die mich gebrauchen kann und mit dem festen Vertrauen, dass ich nicht tiefer falle als in Gottes Hand, wo auch immer die gerade ist.

Und ja, du hast vollkommen recht, ich kann jetzt noch nicht wissen, was dein Nachfolger 2019 so alles parat hat, um mich in Atem zu halten. Trotzdem bin ich neugierig und freue mich!

Tschüss, 2018, mach et jot!

Gedanken zum Erntedank

„Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“

Hambi bleibt – vorläufig – und die Braunkohle ist ein Auslaufmodell – zum Glück.

Aber Stromtrassen von Nord (Wind) nach Süd (Fabriken) sind nicht erwünscht.

(Dabei könnte man die Trassen unter die Fernstraßen legen, dann sind die im Winter eisfrei.)

Der Strom kommt aus der Steckdose, und so nutzen wir unbekümmert elektrische Zahnbürste, Wäschetrockner auch im Hochsommer, mahlen unseren Kaffee frisch für den Vollautomaten – natürlich mit einer elektronisch gesteuerten Mühle für den perfekten Mahlgrad, wir nutzen jede technische (und natürlich stromgetriebene) Hilfe, um effizient zu sein, denn schließlich fehlt uns die Zeit.

Vielleicht fehlt uns gerade die Zeit, die uns zur Ruhe kommen lässt, indem wir etwas „per Hand“ machen, um es wachsen zu sehen.

Wir wissen, dass es nicht gut ist für unsere Umwelt, zwei- bis dreimal im Jahr in ferne Länder zu fliegen. Aber die Konditionen sind so günstig, das muss man ausnutzen! Und dann am Gate stehen und sich ärgern, weil der Billigflieger ausfällt, die Fluggesellschaft konnte leider die Startgebühren nicht zahlen. Das Personal am Boden ist zu knapp, die Flugsicherheit nicht gewährleistet. Und unsere Regierung reagiert mit Flughafenausbauplänen, mit der Forderung nach mehr Bodenpersonal. Statt auf den Tisch zu hauen und ernst zu machen mit dem Bekenntnis zur Umwelt, zu den CO²-Zielen.

Wir ernähren uns vegetarisch oder vegan, Paleo oder Low-Carb. Statt mit Genuss und Verstand ausgewogen und in Maßen zu essen, wird Ernährung unsere Ersatzreligion. Oder Sport, oder Selbst-Optimierung. Statt uns anzunehmen, wie wir sind, jagen wir Idealen hinterher – und damit ist das Scheitern vorprogrammiert. Denn diese Ideale sind nur zu oft das Ergebnis von Photo Shop.

In Deutschland gibt es 800.000 Mitglieder im Tierschutzbund, wunderbar.

Aber nur 50.000 engagieren sich im Kinderschutzbund…

(Ernsthaft, habe ich eben erst nachgeschaut.)

Unsere Gesellschaft wird immer komplexer, wir kommen mit (gerade den technischen) Veränderungen nicht mehr mit. Unser Hirn bleibt analog. Und die Zahl derer wächst, die sich einfache Antworten wünschen.

(Es gibt auch sehr viel Wunderbares, aber darum geht es mir jetzt gerade nicht. Obwohl ich sonst ein großer Verfechter von guten Nachrichten bin. Alles hat seine Zeit…)

Es ist Erntedanktag in Deutschland.

Wir ernten, was wir gesät haben.

Sabbatzeit oder „Ich will hier raus!“

War lange Zeit Pause bei mir. In jeder Hinsicht. Aber ich brauchte die mal dringend.

Wie auf dem Foto fühle ich mich. Im Sommer war es sogar so neblig um mich, dass ich die Sonne nicht mehr sah. Und ich habe die Notbremse gezogen, damit ich nicht in diesem Nebel versank.

Ich kann euch sagen, so ein Achterbahnjahr wie 2018 hatte ich sehr lange nicht! Was war passiert? Anfang des Jahres arbeitslos geworden, weil mein langjähriger Arbeitgeber die Abteilung aufgelöst hat. 30 Jahre immer gearbeitet, meist Vollzeit, in der Elternzeit meiner 3 Töchter geringfügig, aber halt gearbeitet. Und mich ein Stück weit über die Arbeit identifiziert. In ein Loch gefallen, weil die Identifikation fehlte.

Im Mai eine Stelle bekommen, in meinem geliebten Ausbildungsberuf als Buchhändlerin. Stellte sich aber heraus, es war einfach nicht die Richtige für mich. Ich konnte nicht so arbeiten, wie ich Buchhandel verstehe. Wurde immer unglücklicher, und sah gleichzeitig, wie mein Mann als Freiberufler in seiner Arbeit ertrank. Die wir vorher lange Jahre gemeinsam hatten. Eigentlich arbeiten wir in irgendeiner Form zusammen, seit wir uns kennen…

Selbst für meine Ausbildung, die ich nebenher mache, hatte ich keine Kraft und keine Ruhe mehr, erschreckend!

Ende Juli ging es nicht mehr. Kündigung. Einfach so. Ohne Alternative. Ohne den Willen zu einer Alternative. Ohne genauen Plan. Aber mit Familie und Freunden an der Seite.

Einige Zeit noch mit Unfähigkeiten. Zum Beispiel unfähig, etwas dazu zu sagen, wie es mich ankotzt, was in manchen Köpfen so abgeht. Dass ich es unzumutbar finde, wie Deutschland zurzeit nicht regiert, sondern reAgiert wird. Dass es unverantwortlich ist, wie Teile der Industrie mit unserer Umwelt Schindluder treiben… Aber auch unfähig, den vielen Menschen, die versuchen, es anders zu machen, achtsam und respektvoll mit Menschen und Umwelt umzugehen, den Rücken zu stärken.

Ich tauche jetzt langsam wieder auf. Mit der zunehmenden Ordnung in Haus und Garten, die ich lange vernachlässigt hatte wegen der Arbeit, mit der Entlastung meines Mannes, dem ich jetzt zuarbeite, einfach so weil wir ein klasse Team sind, wird mein Kopf wieder frei.

Ich begreife, dass ich mir eine Sabbatzeit genommen habe, um herauszufinden, was ich mit meiner zweiten Lebenshälfte anfangen will. Und ich bin unendlich dankbar, dass ich mir die Freiheit nehmen konnte, ohne gleich am Existenzminimum zu krebsen (was nicht daran liegt, dass wir Großverdiener sind, sondern an der Erkenntnis, dass man vieles einfach nicht braucht, was mit Geld zu kaufen ist). Dankbar für Unterstützung und Zuspruch von den Leuten, die mich kennen und gernhaben.

Dankbar, dass ich sagen kann „Alles hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde…“ (Prediger 3,1ff)

Die Sonne scheint jetzt durch den Nebel, und ich weiß, dass er sich am Ende auflösen wird.

Ja was zählt denn nun wirklich?

Das Buch verkauft sich wie geschnitten Brot, so wie zurzeit fast alle Bücher von John Strelecky. Das allein ist ja nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal, denn auch die Schmahamas-Verschwörung steht seit vielen Wochen in der Bestsellerliste…

Aber was ist dann die Faszination an diesen Büchern? Ich habe selbst gern „Das Café am Ende der Welt“ gelesen und da ich mich auf eine Facharbeit in Wirtschaftsethik vorbereite, habe ich auch die Big Five gelesen. Als Alternative zu den trockenen Fachbüchern.

Erstens ist es in eine Geschichte verpackt. Das kommt schon mal besser an als der erhobene Zeigefinger.

Zweitens trifft Strelecky ganz offensichtlich einen Nerv, der bei vielen Menschen blank liegt: Die zunehmende Unübersichtlichkeit und Geschwindigkeit der Welt, der Gesellschaft, der Wirtschaft…

Die einen flüchten sich in eine Haltung des: „Früher war alles besser“, verbunden mit einer teilweise krankhaften Flucht in Separatismus, Nationalismus und sonstige -Ismen, gern gespickt mit „links-grün-versifften Verschwörungstheorien“. Keine gute Alternative, denn rückwärts geht die Zeit nun mal nicht. Zum Glück!

Der Wunsch, in unsere heutige Zeit als einzelner Mensch ein bisschen mehr Gemeinwesen und Solidarität zu bringen, liegt mir und vielen anderen da schon eher. Nach dem Motto: „Wenn jede/r ein bisschen mehr auf die Umwelt, die Mitmenschen, das Große Ganze achtet, dann ist schon einiges gewonnen“. Und da passen die Bücher von Strelecky einfach. Nicht alles ist neu erfunden, manches mag man als Binsenweisheit abstempeln, aber wie so oft: Mitunter brachen wir einen Impuls von außen, jemanden, der uns das Bekannte einfach nochmal schriftlich aufs Butterbrot schmiert!

Ich ertappe mich übrigens dabei, dass ich mich jetzt bei Prominenten (egal ob international, national oder regional) öfter mal frage, ob die Person eigentlich ihre persönlichen Big Five kennt und danach lebt. Bei Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier bin ich mir da ziemlich sicher, auch bei Sahra Wagenknecht und ich befürchte, sogar bei Herrn Gauland  gibt es diese Orientierung 😦 …

Bei Jogi Löw, der jetzt sicher kollektive Kloppe kriegen wird, und sogar bei Ulrich Parzany gehe ich auch davon aus, und natürlich bei Papst Franziskus.

Bei mir selbst bin ich mir nicht so sicher, aber ich arbeite dran. Schon lange und eher unbewusst, aber es musste mir halt mal einer schriftlich… siehe oben 😉

Neugierig geworden? Prima!