Charlotte ist der umhegte Star in ihrer Familie. Wegen einer alten Prophezeiung und eines „außergewöhnlichen Gendefekts“ wird sie von Kindesbeinen an auf eine besondere Aufgabe vorbereitet. Tanzunterricht für uralte Tänze, parlieren in Französisch, Etikette des 18.Jahrhunderts, Degenfechten…
Sie wächst auf im Bewusstsein, zu einer kleinen Elitegruppe zu gehören.

Gwendolyn, ihre Cousine, ist dagegen das schwarze Schaf der Familie, unangepasst, ein bisschen punkig, mit einem ausgeprägten „Tollpatsch-Gen“.
Von sich selbst sagt sie, „Alle sind überzeugt, dass ich ein totaler Trottel bin – und leider fühle ich mich selbst manchmal so.“

Das „besondere Gen“ in der Familie ist die Fähigkeit, in der Zeit zu reisen. Aktiv wird es am 16ten Geburtstag. Und während Charlotte, deren Mutter und die Großmutter der Mädchen darauf warten, dass der erste Zeitsprung bei Charlotte stattfindet, landet Gwen auf dem Weg zum Bonbonladen urplötzlich im London der 1920er Jahre.
Nachdem sie zwei weitere Male gesprungen ist, vertraut sie sich ihrer Mutter an, die verzweifelt gehofft hatte, Gwen wäre von der Genmutation nicht betroffen.
Gemeinsam gehen sie zur „Loge des Grafen von Saint Germain“, deren Mitglieder sich mit den Zeitreisenden beschäftigen. Und nun kommt der Augenblick, wo Gwen vor Cousine Charlotte, deren Mutter und der Großmutter gestehen muss, dass sie die tatsächliche „Auserwählte“ ist…

Vor allem ihre Tante reagiert sehr pikiert:
„Gwendolyn verfügt über zwei linke Füße und den Verstand einer – Erbse!“
Niemand traut Gwen zu, die richtige Person für die wichtige Aufgabe zu sein. Davon abgesehen will sie alles andere als zu diesem abgedrehten Zirkel zu gehören.

Das Buch, auf dem der Film basiert, ist 2014 erschienen. Es ist beileibe nicht das erste, das von Menschen handelt, die ungewollt auf einen unbekannten Weg geschubst werden! Das Thema zieht sich durch die Weltliteratur.
Auch DER Klassiker schlechthin, die Bibel, ist voll von solchen Geschichten. Also nicht so sehr Zeitreisen, aber immer wieder begegnen uns dort Menschen, die Aufgaben gestellt bekommen. Aufgaben, denen sie sich nicht gewachsen fühlen.

So wie Mose zum Beispiel, der die Israeliten überzeugen sollte, aus Ägypten abzuhauen. Mose hatte fürchterlichen Bammel, sich vor Menschenmassen zu stellen und Reden zu halten – und damit auch noch Leute zu überzeugen! Und das, wo sein Bruder Aaron diesen Job viel besser könnte, denn der war ein Rhetorik-Ass!
Und Gott lässt sich, obwohl er ziemlich sauer ist, dass Mose sich drücken will, auf einen Deal ein. Er trägt Mose auf: Du sagst Aaron, was er den Menschen in deinem Namen ausrichten soll, und ich bin dabei und gebe euch Beistand.

In den Samuel-Büchern lesen wir zunächst davon, dass Samuel Saul zum König über Israel salbt. Saul ist ein stattlicher, gutaussehender Mann, Sohn eines angesehenen Bürgers aus dem Stamm Benjamin. So ein richtiges alttestamentarisches Sahneschnittchen. Saul ist zunächst auch ein starker und erfolgreicher König und Feldherr, allerdings steigt ihm sein Ruhm irgendwann zu Kopf und er verliert Gottes Zustimmung. Man sieht, die perfekten Voraussetzungen führen nicht immer zum perfekten Ergebnis…
Als nächstes wird Samuel nach Jerusalem geschickt, um einen Gegenentwurf für Saul zu suchen. Er besucht Isai, denn einer seiner zahlreichen Söhne soll der neue König werden. Zunächst sucht Samuel wieder nach dem Heldentypus, aber weder der Älteste noch der Schickste noch der Klügste soll es sein. Jedes Mal sagt Gott: „Nö, der nicht.“
Schließlich ist da noch David, der Jüngste. Er hütet auf dem Feld die Schafe der Familie. Auch ein hübscher Bengel, aber halt noch sehr jung und unerfahren. David wird König von Israel, und zwar trotz seiner Fehler und teilweise richtig übler Aussetzer einer der Größten, die Israel je hatte. Und er steht in der Vorfahrenlinie Jesu.

So kommen wir jetzt ins Neue Testament. Unter den Jüngern Jesu fanden sich auch alle möglichen schrägen Typen: ein ehemaliger Zöllner, ein Guerilla-Kämpfer, einfache Fischer, einer, der nur glaubte, was er be“greifen“ konnte (im wahrsten Sinn des Wortes). Einer verriet Jesus schließlich für etwas Geld an die Pharisäer und Römer, und derjenige, der sich so sicher war, dass er mit Jesus durch dick und dünn gehen würde, schaffte es in einer gefährlichen Situation nicht, zu Jesus zu stehen. Er wollte so gern stark sein, er wollte auch einen starken Glauben haben, und doch stolperte er immer wieder über seine Zweifel.
Und genau diesen – Simon Petrus – wählte Jesus aus, den Glauben weiterzutragen in die Welt. Genau wie Paulus, der in seinem ersten Lebensabschnitt die Christusgläubigen bis aufs Blut verfolgte.

Die Allerwenigsten von uns sind vermutlich dazu ausersehen, in der Zeit zu reisen, Völker aus der Gefangenschaft zu führen, Bundeskanzlerin oder Vorsitzender der Evangelischen Kirche von Deutschland zu werden.
Aber egal, was wir uns persönlich zutrauen oder wo uns das Selbstvertrauen fehlt, egal welche Begabungen wir haben und wie unnütz wir sie möglicherweise finden, Gott kann und will uns gebrauchen. Das kann ganz unterschiedlich aussehen und das ist auch gut so: Manche haben, wie die Leute unserer Band, die Begabung, anderen mit Musik eine Freude zu machen und sie mit den Klängen zu trösten, in eine andächtige Stimmung zu bringen.

Schauspielbegabte Menschen bringen mit ihrer Kunst Szenen auf die Bühne und laden zum bildlichen und gefühlsmäßigen Miterleben ein, so wie heute die Mädels vom Anspielteam.

Andere können gut zuhören. Auch wenn sich das unglaublich passiv anhört, es ist unheimlich schwierig, einfach nichts anderes zu tun als zuzuhören! Das ist nämlich etwas ganz anderes, als das Gegenüber in jeder Situation mit gutgemeinten Ratschlägen zuzutexten.
Da gibt es jemanden, der kommt auch mit schwierigen Leuten ins Gespräch und es gibt die (meist Frauen), die es einfach lieben, anderen mit liebevoll zubereitetem Essen zu dienen, denn zu jeder guten Gemeinschaft gehört Essen dazu, das kennen wir schon von Jesus.Es gibt diejenigen, die mit Leidenschaft für Gerechtigkeit streiten oder eine lebenswerte Umwelt auch in Zukunft kämpfen. Und es gibt unzählige andere Talente und Gaben, von denen wir oft nichts ahnen, denn vielleicht ist noch nicht das Datum gekommen, an dem sie aktiv werden.

Um es mal mit einem Vergleich aus der Zeit der Fotografie mit Filmen in analogen Kameras zu sagen: Manchmal stecken wir auch ziemlich lange in der Dunkelkammer, und die Entwicklung dauert lange oder ist unscharf. Manchmal ist auch der Film noch nicht voll und wir müssen noch ein paar Fotos machen, ehe wir überhaupt mit dem Entwickeln anfangen können. (Fragt mal eure Eltern oder googelt, wie das funktionierte)

Auch in meinem Leben gibt es Zeiten, in denen ich anfange zu zweifeln wie Petrus, in denen ich am liebsten Beweise hätte wie Thomas, in denen ich mich frage „Gott, warum stehe ausgerechnet ich jetzt hier vor den Leuten und soll ihnen dein Reich nahe bringen“. Es gibt Zeiten, da weiß ich, ich habe gerade Mist gebaut und kann nur auf Vergebung hoffen. Es gibt Tage, an denen ich mich unnütz fühle und nicht weiß, wohin ich gehöre.

Aber ich habe dann auch immer wieder Initial-Zündungen, Momente, in denen ich spüre, das alles gehört zum Menschsein dazu und trotz allem will Gott mich halten und wünscht sich, dass ich die Aufgabe angehe, für die er mich vorgesehen hat. Egal wie groß oder wie klein die Aufgabe ist.
Und so stellt er sich das auch für euch vor. Ich kann euch nur wünschen: Lasst es zu. Egal, wo ihr gerade steht.

Dieser Text ist die Basis für meinen Impuls beim zweiten Jugendgottesdienst „FAQ“ des Jahres 2020 in unserer Gemeinde. Unser Anspielteam hatte aus dem Film „Rubinrot“ eine Szene nachgespielt, und zwar für alle Kenner des Films die Szene, als Gwen den Logenleuten erzählt, dass sie in der Zeit gesprungen ist und somit der „neue Rubin“ ist. 

Was von Weihnachten übrig bleibt

Die meisten Bäume sind raus. Ausnahmen bestätigen die Regel. Bei vielen Familien ist der 6. Januar der Tag, an dem das passiert. Bei einigen schon eher, bei anderen darf der Baum ein paar Tage länger im Wohnzimmer vor sich hin nadeln….
Die Kugeln, Lichterketten, Schwibbögen und Krippen sind gut verpackt auf dem Dachboden oder im Keller verstaut und warten auf den nächsten Advent.
Unerwünschte oder unpassende Geschenke sind umgetauscht, der Weihnachtsgottesdienst verblasst in der Erinnerung.
Das neue Jahr hat begonnen und was noch an die zurückliegende feierliche Zeit erinnert, sind ein paar Pfund Hüftgold vom guten Essen und zu vielen Plätzchen.
Business as usual!
——
Wirklich?
Bleiben wir hier stehen und denken uns, das war’s, nächstes Jahr kommt es wie „Alle Jahre wieder“?
Holen wir die Ereignisse von Weihnachten, die Geburt Jesu irgendwie in unseren Alltag? Oder ist es eher wie der Sonntagsglaube, der eine Stunde lang im Gottesdienst stattfindet und danach für den Rest der Woche keine Relevanz hat?
Und überhaupt: Bleiben wir in unserem persönlichen Glauben stehen bei Jesus, dem hilflosen Baby in der Krippe in Bethlehem? Oder folgen wir auch dem erwachsenen Mann, dem Wanderprediger, der in seinen Lehren so grundsätzlich andere Maßstäbe anlegt als wir gewohnt sind?
Gehen wir in den nächsten Wochen und Monaten mit durchs Kirchenjahr, das in dichter Reihenfolge den Werdegang Jesu nachvollzieht? Gehen wir auch in einigen Wochen mit in die Fastenzeit, bereiten wir uns auf die Kreuzigung Jesu vor und feiern an Ostern seine Auferstehung? Oder seine Himmelfahrt und schließlich die Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten, dem „Geburtstag der Kirche“?
Oft ist es doch im Trubel des Alltäglichen eher so, dass wir die Feiertage einfach als Unterbrechung und Atempause im Trott ansehen. Daran ist ja auch grundsätzlich nichts Falsches, wir brauchen solche Pausen. Schön und hilfreich ist es aber, wenn wir an diesen Tagen nicht nur unseren Körper ausruhen und auftanken, sondern auch unserem Grundbedürfnis nach Spiritualität und geistlicher Heimat Raum geben. Selbst dann, wenn ich noch gar nicht so ganz sicher bin, was es denn auf sich hat mit dieser Jesus-Sache, wenn ich Gott zwiespältig sehe oder seine Liebe nicht für mich annehmen mag. Einfach mal wissenschaftlich rangehen, also zunächst eine These aufstellen:
„Nehmen wir mal an, es gäbe Gott wirklich…“ und dem dann nachspüren. Schadet garantiert nicht 😉

Wir wünschen uns Frieden, so sehr, dass wir uns heillos darüber zerstreiten, wie Frieden möglich werden kann. Durch Abschreckung? Durch Drohgebärden? Durch Sanktionen und Embargos? Boden-Luft-Raketen? Atomtests? Oder denjenigen mit der anderen Meinung im sozialen Netzwerk mit möglichst viel Pöbelei und Gewaltandrohung mundtot zu machen?
Das, was wir mit der größten Selbstverständlichkeit für uns selbst in Anspruch nehmen, gönnen wir oft nicht dem Nächsten. Wer ist dieser Nächste denn überhaupt? Egal, jedenfalls nicht der unsympathische nörgelnde Nachbar, der schmuddelige Obdachlose in der Fußgängerzone, der schwule Mitschüler oder der arabische Flüchtling muslimischen Glaubens. Und auch nicht die herumzickende Trulla aus der Parallelklasse, die sich immer zu sehr schminkt, die Prostituierte aus Osteuropa, die Näherin in Bangladesch, die ihre Familie durchzubringen versucht oder die Frau, die eine Partei wählt, welche mir Übelkeit verursacht.
– – –
Wer von euch kennt den Namen Mahatma Gandhi? Er war ein indischer Rechtsanwalt und Menschenrechtler, der vor ungefähr 100 Jahren wirkte. Er hatte in seiner Jugend auch viel Mist gebaut (kann man bei Wikipedia nachlesen) wie ein ganz „normaler“ Jugendlicher, aber aus diesen Fehlern gute Lehren gezogen. Sein friedlicher Kampf galt zeit seines Lebens der Durchsetzung sozialer Gerechtigkeit.
Ein zentraler und wichtiger Leitsatz war für ihn:
„Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst.“
Das heißt, wenn ich will, dass sich etwas ändert, dann muss ich es anpacken. Wenn ich nicht anfange, dann tut es vielleicht niemand. Oder es dauert so lange und bis der Leidensdruck so hoch ist, dass es sehr schwierig ist, überhaupt etwas zu tun. Wir richten uns so bequem in einer unhaltbaren Situation ein, dass Veränderung kaum noch machbar ist.
Das sehen wir heute zum Beispiel bei den Forderungen der Fridays-for-Future-Bewegung. Viele Erwachsene und „Etablierte“ sagen: Wenn die anderen das auch alle machen (die anderen Autofahrer, die anderen Vielflieger, die anderen Online-Junkies…. Setz einfach ein, was dir dazu einfällt), dann mache ich (vielleicht) auch mit. Das schlimmste daran: das ist nicht neu! Schon in den atomkraftkritischen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es den Spruch: „Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß“. Wir alle warten seit mindestens 35 Jahren darauf, dass mal irgendwer den ersten wirklich großen Schritt macht!
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Zu Beginn des Markus-Evangeliums (Kap. 1,15) verkündet Jesus:
„Jetzt ist die Zeit gekommen, in der Gottes neue Welt beginnt. Kehrt um zu Gott, und glaubt an die rettende Botschaft!“
Und dann geht er am Ufer des Sees Genezareth entlang und entdeckt einige Fischer. Spontan spricht er sie an und fordert sie auf, ihm zu folgen, um Menschen für Gott zu gewinnen. Zuerst Simon und Andreas, dann Johannes und Jakobus. Sofort verließen sie ihre Arbeitsplätze und Familien und ließen sich darauf ein. Einfach so. Sie sagten nicht „Jesus, das ist ja ganz schön schräg, was du da vorhast. Weißt du was, frag doch erstmal die 50 anderen Fischer hier am See, und wenn die mitmachen, dann überlege ich mir das noch mal.“
Nein! Sie vertrauen ihm. Sie sind bereit, sich auf etwas radikal Neues einzulassen. Auf etwas total Unbekanntes. Sie überwinden das menschliche Misstrauen und die alltägliche Trägheit und sagen „JA!“
Wenn ich jetzt noch einmal die Kurve zu den heutigen Umweltthemen drehe, da ist doch das meiste gar nicht radikal neu und unbekannt! Das war fast alles schon mal da! Vieles ist erprobt und funktioniert nach wie vor, es kommt uns bloß so „old fashioned“ und „retro“ vor. Überhaupt nicht innovativ oder zukunftsweisend.
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Ähnlich sieht es mit den Folgen von Weihnachten aus. Ganz konkret in unserem persönlichen kleinen Leben. Wir brauchen Vertrauen, Mut uns einzulassen. Auch ohne dass andere vorangehen. Vieles ist gar nicht radikal neu.
Nicht „Hate Speech“, nicht „Fake News“, nicht Mobbing oder stures Beharren auf Wohlstandsansprüchen ist der Weg.
Ich wünsche uns, dass wir immer wieder den Mut haben, nicht bei der anrührenden Krippenszene von Weihnachten stehenzubleiben, die doch so romantisch warm ums Herz macht.
Ich wünsche uns allen, dass wir vielmehr den Mut haben, auch den Forderungen des Rabbis zu folgen, der sagte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, der herausforderte, als er sagte, man möge auch die andere Wange hinhalten. Der Wasser in Wein verwandelte, damit die Party weiterlief und der gern mit denen aß und trank, die am Rand oder außerhalb der Gesellschaft standen.
Der bereit war, den ultimativen Weg zu gehen, der ihn selbst das Leben kostete, um unsere Leben zu retten.

Jetzt ist die Zeit, da Gottes Reich anbricht. Heute, jeden Tag.

Aufbruch im Nebel

Alle Fotos, die oben als Collage zu sehen sind, stammen von heute früh, ca. viertel nach Acht. Von der Terrasse aus in verschiedene Richtungen aufgenommen. Eigentlich total passend zum neuen Jahr, denn das liegt ja auch noch im Nebel und wir wissen nicht, was uns erwartet.

Ich habe den Tag gestartet mit einem Kaffee und der Bibel. Mal wieder unternehme ich den Versuch, jeden Tag mit einer Mini-Andacht und einem Bibeltext zu starten. Bin mal gespannt, wie lange ich durchhalte, denn an vielen Tagen ist ein solcher Start durch Alltäglichkeiten zum Scheitern verurteilt.

Heute habe ich mich allerdings total gefreut, als ich mich zum Start mit dem Psalm 121 beschäftigen durfte. Seit Beginn meiner Malche-Ausbildung im Spätsommer 2016 begleitet mich dieser Psalm. Immer wieder stolpere ich darüber, dass er mir vor die Füße gelegt wird oder vor die Nase gehalten. Und so ist er zu „meinem“ Psalm geworden:

Ja, ich kenne die Bedenken: Aber so ist es doch nicht. Du hast doch kein stolperfreies Leben, du kennst nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen, Krankheit und Trauer, Bosheiten und Unglück. Und wo ist dann dein Gott?

Aber darum geht es doch überhaupt nicht. Ein sorgenfreies Leben, immer auf der Sonnenseite, nie stolpern, nie fallen. Wie langweilig wäre das denn? Und wie sehr würde das Gute dadurch abgewertet, wenn es nie schwierig würde… Ich könnte das Schöne, was mir geschieht, nicht wertschätzen, wenn ich nicht auch die andere Seite kennen würde. Und wer weiß, was mir außer den kleineren Nickeligkeiten, die mir manchmal den Tag versauen, zustoßen würde, hätte ich nicht die Hoffnung und den Glauben an meiner Seite. Wenn ich nur daran denke, wie oft man im Tagesverlauf unachtsam wird, beim Autofahren, bei der Arbeit, und wie oft gerade so eben nichts passiert…

Heute hat sich der Nebel gelichtet. Es ist ein schöner, sonniger Tag. Ich bin gespannt und neugierig auf dieses neue Jahr.

 

Gibt es den Weihnachtsmann wirklich?

Genauso könnte die Frage auch nach dem Christkind gestellt werden. Natürlich wissen nicht erst wir aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts, dass es sich bei beiden um mythische Gestalten handelt.

Der dicke gemütliche alte Mann mit rotem Mantel und Rauschebart, der mit seinem Rentierschlitten durch die Nacht saust und durch die Schornsteine schlüpft, für den es nichts schöneres gibt als den Kindern der Welt eine Freude zu machen. Oder das blondgelockte (!) Kind (in allen Städten, die einen Christkindlesmarkt haben, durch ein Mädchen dargestellt, so viel zur christlichen Authentizität …), das am Weihnachtsabend die Geschenke mit Ochs und Esel bringt.

Aber trotzdem haben beide die ultimative Daseinsberechtigung, denn sie bringen Licht und Hoffnung, Freude in den Augen der Kinder, Rührung bei den Eltern und Großeltern, Staunen bei allen, die dies alles erleben. Ich denke immer gern an die Zeit zurück, als dieser Zauber auch bei uns in der Familie zu sehen war. (Also mit kleinen Kindern, die noch nicht alles hinterfragen, und mit den seligen Omas dabei…). Heute ist der Zauber ein anderer, der Zauber, mich vom Weihnachtsbaum überraschen zu lassen, den unsere Tochter geschmückt hat 🙂

Ich wünsche mir, jenseits von Unterhaltungstechnik, Gutscheingewitter und kalorienreichen Futterschlachten zu Weihnachten, dass jeder von uns innehält und bemerkt, dass der eigentliche Geist der Weihnacht im Unsichtbaren und Unverfügbaren liegt. Weihnachtsmann, Christkind, aber auch Jesus Christus, unsere Kraft und Hoffnung schöpfen wir aus dem, was wir nicht erfassen können. Kein Konsumgut der Welt kann das ersetzen.

Seit mehr als 100 Jahren wird immer wieder die Frage der achtjährigen Virginia aus New York an die renommierte New York Sun verbreitet. Sie zweifelte an der Existenz des Weihnachtsmannes und ihr Vater riet ihr, sich an die Sun zu wenden, denn was dort geschrieben stand, das zählte (echter Qualitätsjournalismus 😉 ).

Der Chefredakteur nahm die Frage sehr ernst und ließ von seinem Kolumnisten (ein eigentlich ziemlich desillusionierter Bürgerkriegsveteran) eine Antwort verfassen, die in der Zeitung veröffentlicht wurde:

Liebe Virginia, Deine kleinen Freunde haben nicht Recht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Zeitalters. Sie glauben nur, was sie sehen; sie glauben, dass es nicht geben kann, was sie mit ihrem kleinen Geist nicht erfassen können. Aller Menschen Geist ist klein, ob er nun einem Erwachsenen oder einem Kind gehört. Im Weltall verliert er sich wie ein winziges Insekt. Solcher Ameisenverstand reicht nicht aus, um die ganze Wahrheit und das ganze Wissen zu erfassen und zu begreifen.
Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Es gibt ihn so gewiss wie die Liebe und Großherzigkeit und Treue. Und Du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und Deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie düster wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe! Sie wäre so düster, als wenn es keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik – gar nichts, was das Leben erst erträglich machte. Ein Flackerrest an sichtbarem Schönen bliebe übrig. Aber das Licht der Kindheit, das die Welt ausstrahlt, müsste verlöschen.
Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Da könntest Du ebenso gut nicht an Elfen glauben! Gewiss, Du könntest Deinen Papa bitten, er solle am Heiligen Abend Leute ausschicken, die in alle Kamine blicken, um den Weihnachtsmann zu fangen. Und keiner von Ihnen bekäme den Weihnachtsmann zu Gesicht – was würde das beweisen? Kein Mensch sieht ihn einfach so, aber das ist noch lange kein Zeichen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Die wirklichsten Dinge bleiben meistens unsichtbar, für Kinder und Erwachsene. Hast Du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen sehen? Natürlich nicht, aber das ist kein Beweis, dass sie nicht dort sind. Trotzdem gibt es sie. All die Wunder zu denken – geschweige denn sie zu sehen –, das vermag nicht der Klügste auf der Welt.
Was Du auch siehst, Du siehst nie alles. Du kannst ein Kaleidoskop aufbrechen und nach den schönen Farbfiguren suchen. Du wirst einige bunte Scherben finden, nichts weiter. Warum? Weil es einen Schleier gibt, der die wahre Welt verhüllt, den nicht einmal die Gewalt auf der Welt zerreißen kann. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können ihn lüften. Dann werden die übernatürliche Schönheit und Herrlichkeit dahinter auf einmal zu erkennen sein. „Ist das denn auch wahr?“ kannst Du fragen. Ach Virginia, nichts auf der Welt ist wahrer und beständiger.
Kein Weihnachtsmann! Der Weihnachtsmann lebt, und ewig wird er leben. Sogar in zehnmal zehntausend Jahren wird er da sein, um Kinder wie Dich und jedes offene Herz mit Freude zu erfüllen.
Frohe Weihnacht, Virginia.

– Quelle: https://www.svz.de/5269186 ©2019

Dem ist nichts hinzuzufügen. Gilt heute immer noch wie damals.

Frohe und gesegnete Weihnachten euch allen!

11. Dezember

Heute freue ich mich so richtig, denn es ist einer meiner liebsten Verse aus der gesamten Bibel dran:

Das Volk, das im Finstern lebt, sieht ein großes Licht; hell strahlt es auf über denen, die ohne Hoffnung sind.

Darum halte ich jetzt auch die Klappe und genieße es einfach nur. Ich hoffe, du auch!

PS: Jesaja 9,1

10. Dezember

Jedes Tal soll aufgefüllt, jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Alles Unebene soll eben werden und alles Hügelige flach. Denn der Herr wird kommen in seiner Macht und Hoheit. Alle Menschen werden ihn sehen. Er selbst hat es angekündigt.

Unmittelbar an den Vers von gestern anschließend.

So wünschen es sich die maßgeblich beteiligten Herren im Verkehrsministerium bestimmt auch 😉

Ich hör‘ jetzt mal lieber auf, wer weiß, was mir sonst noch respektloses einfällt.

9. Dezember

Hört! Jemand ruft: „Bahnt dem Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut eine Straße durch die Steppe für unseren Gott!“

Das sagt Jesaja (40,3).

Funkstille bei mir. Ich weiß gerade nicht, ob ich einfach zu müde bin, aber das einzige Bild, was mir dabei in den Sinn kommt, ist die Vermutung, dass Jesaja sich nicht auf unseren Bundesverkehrsminister oder den Bahnchef bezieht.

Fortsetzung folgt morgen…