Vorfreude, neue Stoffe und ein Rückschlag

Um es gleich vorweg zu sagen: Unsere Erdbeeren sind natürlich noch nicht reif. Aber sie stehen dieses Jahr, dem regenreichen Frühling sei dank, wunderbar in Blüte. Und da ich beintechnisch letztes Jahr nur rudimentär im Garten etwas tun konnte, ist aus den Reihen fast so etwas wie eine Erdbeerwiese geworden. Auch an der Terrasse im Blumenbeet wachsen sie und unter der Magnolie finden sich unzählige Walderdbeeren. Ich freue mich schon wie Bolle auf die roten, saftigen Früchtchen.

Aber ich habe von der Familie Rhabarber bekommen, der wurde mit Hilfe von TK-Erdbeeren zu Erdbeer-Rhabarber-Marmelade verarbeitet, echt lecker. Und ich habe Stoffe eingekauft. Mit Erdbeeren, mit Pünktchen, mit anderen Früchten, in frischen, frühsommerlichen Farben. Klar habe ich mir beim Waschen der Stoffe schon Gedanken gemacht, was alles daraus werden kann.

Tja, bis Donnerstag währte die ungetrübte Freude. Bis ich erfuhr, dass ich demnächst erstmal für einige Wochen meinen rechten Arm nicht gebrauchen kann. Denn die Supraspinatussehne ist komplett ab und muss wieder angenäht werden. Kein Nähen, Garten nur mit links, und erst recht kein Segeln… Wieder zumindest ein halbes Jahr, das mir bei meinen Plänen fehlt. Aber hilft ja nichts, die Aussicht, stattdessen in einigen Jahren ein nagelneues Schultergelenk zu brauchen, ist auch nicht wirklich sexy.

Also werde ich mich dann vermehrt auf Buchrezensionen stürzen, ich habe mir schon einen ordentlichen Packen zusammengestellt. Eine Mischung aus Romanen, die von allem ablenken, was mich nervt (und zumindest Urlaub im Kopf möglich machen) und herausfordernden Sachbüchern, die sich mit verschiedenen Facetten der Gesellschaft und unserer Umwelt beschäftigen.

Bis zum 9. Juni hoffe ich allerdings, noch das eine oder andere Stück Stoff unter die Nähmaschine zu bekommen und so ein wenig auf Vorrat fertigzustellen.

Earth Day

Heute ist der internationale Earth Day, der Tag der Erde. Klar ist es ein eher symbolischer Gedenktag, aber genau das sollten wir tatsächlich tun, nicht nur heute: Der Erde gedenken, die uns täglich so viel zur Verfügung stellt, das wir als selbstverständlich empfinden. So vieles nutzen wir vollkommen gedankenlos (nicht mal bösartig gedankenlos, sondern es gibt ja noch eine Menge anderes, was uns im Kopf beschäftigt hält): Wasser, Luft, den Boden in unserem Garten, die Straßen, die eben durch ihren Ausbau kein fruchtbarer Acker mehr sind… Erdölprodukte, Metalle, seltene Erden für unsere Technologien, all das sind Stoffe, die innerhalb von vielen Jahrtausenden oder sogar Jahrmillionen entstanden sind – und wir verballern sie quasi mit einem Wimpernschlag.

Ich lege hier mal einen Link zum diesjährigen Newsletter: EDI NEWSLETTER II 2021 (earthday.de). Vieles darin ist eher auf Großstädte ausgerichtet, vermutlich, weil die Entfremdung zur Natur hier am stärksten wirkt. Aber ein paar gute Gedanken finden sich für jeden von uns. Ich möchte auch ausdrücklich betonen, es geht mir nicht darum, dass wir alle perfekte ökologische Lebensläufe hinbekommen, das ist unrealistisch und vermessen. Wichtig finde ich, dass wir uns alle immer wieder Gedanken machen, was für uns persönlich sinnvoll ist. Und das dann auch umsetzen. Einen Schritt nach dem anderen.

Zum Beispiel das Thema des Jahres, Lebensmittel: Ich weiß, viele klagen darüber, dass regionale und saisonale Versorgung schwierig ist, wenn man wenig Geld zur Verfügung hat. Teilweise stimme ich dem zu, aber ich habe auch beobachtet, dass man bei Sonderangeboten häufig mehr kauft, als man braucht, und statt das dann haltbar zu machen und später zu verwerten, schmeißen wir übriggebliebenes zu oft nach zwei Wochen in die Biotonne. Also lohnt es sich auf jeden Fall, sich mit dem Thema zu befassen und zu versuchen, eine Nische zu finden, in der man Sparsamkeit und Regionalität verbinden kann. Gerade wenn man in der Stadt wohnt, gibt es da Apps wie „TooGoodToGo“. Ich habe die App, aber auf dem Land lohnt es sich weniger, da muss ich einfach zu weit fahren, um beispielsweise eine Brot- und Kuchenrestetüte für 3 € zu bekommen. Was ja nun wieder kontraproduktiv wäre… Stattdessen bin ich gestern Nachmittag lieber durch unseren Garten gestromert, habe hier etwas Sauerampfer, dort jungen Giersch, zarten Löwenzahn, Brennnesselspitzen, einige Gundermannblättchen, Zitronenmelisse und Schnittlauch gesammelt.

Und zu einem leckeren Abendessen verarbeitet. Einer unserer zahlreichen Nachbarn hat früher auch alles aus seinem Rasen geholt, was nicht lange und schmale Halme hatte, aber nicht, um es aufzuessen, sondern weil jedes Gänseblümchen und jeder Spitzwegerich eine Beleidigung für sein ästhetisches Empfinden war. Da fällt mir nichts zu ein!

Ach ja, nochmal zum Thema regionale Lebensmittel: bei uns hier schießen Hofläden wie Pilze aus dem Boden, für alles mögliche von Eiern und Frischmilch über Geflügelfleisch, Gemüse und Obst, Nudeln, Marmeladen und Liköre, vor allem aber Rind- und Schweinefleisch aus bäuerlicher Haltung (Schweine mit Ringelschwänzen, Strohbetten und Freilauf, Bullen aus muttergebundener Haltung, die auch ihren Papa kennenlernen konnten, Galloways, die das ganze Jahr über draußen sind). Geschlachtet wird erst dann, wenn alle Anteile des Tieres Abnehmer gefunden haben und zwar in einer regionalen Landschlachterei ohne langen Transport. Ja, manches ist auf den ersten Blick teurer, aber wenn der Tafelspitz seine Größe behält und nicht im Topf auf die Hälfte schrumpft, dafür aber butterweich und richtig lecker ist, dann hat nicht nur der Landwirt einen Vorteil davon, sondern auch ich. Fleisch ist für uns wieder zu etwas Besonderem geworden und nebenbei erweitern wir unseren Horizont bezüglich des Wissens um landwirtschaftliche Abläufe.

Aber das Beste daran: Es macht auch echt Spaß, sich mit guten Lebens-Mitteln (ja genau: den Mitteln, die wir zum Leben brauchen) zu beschäftigen!

Glatte Petersilie

Eine vergleichsweise harmlose Frage beschäftigt mich heute:

Ist es dir schon einmal aufgefallen? In sehr vielen Rezepten, bei denen man frische Petersilie benötigt, steht ausdrücklich drin: GLATTE Petersilie. Weil die aromatischer ist als die krause Sorte.

Spätestens in einem durchschnittlichen Supermarkt oder beim 0815-Discounter scheitert man an der Aufgabe, glatte Petersilie einzukaufen, sehr häufig grandios. Ob Bioqualität in Töpfen oder in Plastik verpackte Schnittware, meist bevölkert die gute, alte krause Petersilie die Kräuterabteilung. Manchmal stehen ein paar Töpfe mit stiefkindlich behandelter und entsprechend aussehender Glattpetersilie ganz hinten, die man dann zuhause erstmal wieder aufpäppeln muss. Oder das Kraut mit den glatten Blättern entpuppt sich als Kerbel.

Warum klaffen die Ansprüche der Rezeptentwickler und die Wirklichkeit der Einkaufsparadiese eigentlich gerade bei der Petersilie gefühlt so weit auseinander? Meine Mutter hatte früher reichlich Petersilie im Garten, aber auch immer nur die „Mooskrause“. Meine eigenen Versuche, Petersilie entweder zu säen oder zu pflanzen, sind bisher nur mäßig erfolgreich gewesen, denn irgendein Tier in unserem Garten freut sich immer über das leckere Grün oder dessen Wurzeln. Ist ja auch gut für die Fettverdauung…

Ich schätze, ich werde dieses Jahr einen exklusiven Platz im Hochbeet für glatte Petersilie reservieren, damit ich endlich beim Kochen auch mal in den vollendeten Genuss komme.

Ist das eigentlich ein ostwestfälisches Luxusproblem oder gibt es das auch anderswo?

Vitaminstoß im Januar

Zur Schreibeinladung von Christiane geht es hier. Dort findest du auch die Vorgaben für die Textgestaltung, falls du die Etüden noch nicht kennst. Alles wichtige kannst du dort nachlesen, also lege ich sofort los:

Der Januar gehört nicht zu den vitaminreichen Monaten. Es sei denn, man isst abwechselnd Rotkohl, Grünkohl und Sauerkraut. Alle diese Kohlgerichte schmecken gut, aber irgendwie muss doch auch noch etwas anderes den Vitaminspiegel und die Laune hochhalten.

Also beschließe ich, Orangengelee zu kochen. Am nervigsten dabei sind immer die Vorbereitungen, doch heute kann mich das nicht erschüttern. Ich hole alles aus dem Keller, was ich brauche, also saubere Marmeladengläser und den großen 17-Liter-Kochtopf. Der ist so schön hoch, dass es garantiert keine Geleespritzer an den Wänden gibt und gleichzeitig sehr breit, so dass die Flüssigkeit gut einkochen kann.

In der Küche schließe ich das Smartphone an den Bluetooth-Lautsprecher an und suche mir eine fröhliche Playlist aus. Dann baue ich die Zitruspresse auf die Küchenmaschine, hole Orangen aus dem kühlen Vorbau* und lege los. Erstmal eine oder zwei Bioorangen heiß abwaschen und mit einem Zestenreißer von der äußeren Schale befreien, die brauche ich später noch.

Dann so viele Apfelsinen auspressen, dass 750 ml Saft entsteht. Manchmal presse ich auch noch eine Limette dazu, wenn ich gerade eine habe.

Der Saft wird mit einem Paket 2.1-Gelierzucker aufgekocht und 4-5 Minuten bei ständigem Rühren sprudelnd weitergekocht. Kurz vor Ende der Kochzeit gebe ich die Zesten dazu und für eine intensivere orange Farbe ein Schnapsgläschen Campari oder Granatapfelsirup, je nach Geschmack und Vorliebe. Wenn die Gelierprobe nach meiner Vorstellung ausfällt, fülle ich das Gelee zügig in die vorbereiteten (das heißt heiß ausgespülten) Gläser und verschließe sie fest. Auskühlen lassen und am liebsten auf frischen Brötchen genießen. Aber auch in Quark oder Joghurt gerührt mit etwas (selbstgemachtem) Knuspermüsli lecker. Das tröstet dann auch darüber hinweg, dass nach dem Kochen der Vitamingehalt vermutlich doch eher übersichtlich ist😉.

Nachkochen erwünscht. Guten Appetit und bleibt gesund!

(288 Wörter)

*Vorbau: so heißt bei uns in der Familie schon seit Generationen etwas, das auch als (Hauseingangs-)Erker oder Windfang bekannt ist. Denn er ist eben vor das Haus vorgebaut. Da er zwar geschlossen, aber nicht isoliert ist, kann ich ihn im Winter immer sehr gut als begehbaren Kühlraum benutzen, das ist echt praktisch.

Tag 32 – Backen mit Kids

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Wenn ich mir dieses Buch ansehe, wünsche ich mir wahlweise, 10-20 Jahre in der Zeit zurückzureisen oder Enkelkinder😀. (Keine Angst Mädels, das war kein Wink mit dem Zaunpfahl. Ich wäre ja keine begeisterte Buchhändlerin, wenn mir nicht eine dritte Möglichkeit einfallen würde.)

Beim Anschauen fällt mir als erstes die pfiffige Gestaltung mit modernen Illustrationen auf, die sich von Weihnachtsbackbüchern à la „Zwergenstübchen“ (obwohl ich das auch mag) sehr wohltuend abhebt. Als nächstes treffe ich auf Grundlagenwissen, das hier so toll aufbereitet ist, dass ich es mir in manchem Grundbackbuch für Erwachsene so liebevoll erklärt wünsche.

Und das dritte ist die Aufteilung des Registers, denn das ist sortiert nach Zutaten und Teigarten. Ich kann also überlegen, was ich denn noch mit meinen unterschiedlichen Nussvorräten anfangen könnte oder zielstrebig sagen: „Heute möchte ich etwas mit Streuselteig backen“ (Womit wir bei den tollen Crumble-Rezepten wären, lecker!)

Die Rezepte sind so ausgesucht, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist, sie aber ohne Minimengen von irgendwelchen exotischen Zutaten auskommen, die man hinterher nie wieder braucht. Außerdem ist für unterschiedliche Ausdauerstufen der kleinen und großen BäckerInnen gesorgt, auch die motorischen Fähigkeiten können mit dem Benutzen des Buches gemeinsam wachsen.

Mein Fazit: Wenn ihr und eure Kids in den nächsten Tagen oder Wochen noch in Quarantäne müsst oder einfach nur so Spaß am Backen habt, dann besorgt euch das Buch. Ich werde dann mal mit Kathrin ausprobieren, ob man den Titel erweitern könnte auf „Backen mit Kids, Teens und Eltern“.

Bibliografische Angaben: Backen mit Kids – Weihnachten, Verlag EMF, ISBN 978-3-96093-858-3, € 15,- (Österreich € 15,50)

Tag 40 – Leckereien backen und verpacken

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Vierzig Tage, das hört sich nach einer langen Zeit an. Damit euch nicht langweilig wird und ihr ein paar Inspirationen zum Verschenken bekommt, stelle ich euch gleich zu Beginn dieses Buch vor.

Als ich es in der Buchhandlung abholte, meinte meine Chefin nur: „Ich möchte dann gern das Knäckebrot haben“. Hört sich nach ’nem Plan an, dachte ich. Zuhause habe ich das gleich mal nachgelesen und es hört sich gut an.

Beim Stöbern durch die bunten Seiten stellte ich zweierlei fest: etwas ausgesprochen weihnachtliches ist nicht dabei, aber das macht eigentlich auch nichts, denn der Rest des Geschenkejahres ist schließlich viel länger als die Weihnachtszeit. Da gibt es einiges, was man einfach weihnachtlich abwandeln kann. Zum anderen gefallen mir persönlich die „herzhaften Leckereien“ sogar noch besser als die süßen. Auch das halte ich für unproblematisch, denn wem ist es noch nicht so ergangen, dass nach der ganzen Plätzchen-Nascherei auf einmal so ein Jiper auf „was kräftiges“ aufploppt.

Mein Highlight ist die Backmischung für Tomaten-Ciabatta, da läuft mir das Wasser im Mund zusammen und das schmeckt garantiert total lecker mit meinem ligurischen Olivenöl, das gestern frisch aus Italien geliefert wurde…

Zu den Rezepten gibt es im Übrigens auch jeweils eine Verpackungsidee mit Anleitung.

Der größte Schatz an dem Buch ist meiner Meinung nach der Teil, in dem die Grundlagen beschrieben werden, wie zum Beispiel das Backen einer Bisquitrolle mit Enten- oder Eulenmuster. So nett es auch ist, wenn man auf youtube für alles Tutorials findet, manchmal ist so eine gute alte Schritt-für-Schritt-Anleitung doch viel schöner.

Bibliographische Angaben: Leckereien backen und verpacken, Frech Verlag, ISBN 978-3-7724-8052-2, €13,99 (Österreich €14,40)

Auf das Wesentliche besinnen

Stell dir einen Springbrunnen vor. Eigentlich hat er eine kraftvolle Fontäne. Aber die Düse, durch die das Wasser in die Höhe katapultiert wird, ist verstopft. Es brodelt, sprotzelt und zischt, aber der Druck, der sich im Inneren aufbaut, kann nicht weg. Aus der Düse tröpfelt es nur noch ein wenig. Irgendwann werden die Leitungen platzen, es gibt einen Wasserrohrbruch und eine riesige Pfütze ergießt sich.

So fühle ich mich momentan. Das hat verschiedene Gründe, einer davon ist medialer Overflow. Ich habe so viele Gedanken im Kopf. Noch dazu leider sehr viele ungebetene destruktive Gedanken. Über Missstände allerorten. Über das, was nicht so läuft. Über Dinge, die dringend geändert werden müssten…

Facebook, Instagram, Nachrichten, Tageszeitung, Change.org, Gespräche mit den unterschiedlichsten Leuten… Von überall her fluten übelriechende Gedankenströme wie Lava auf mich zu. Ich schätze, ein Buddhist würde mir jetzt sagen, dass ich gerade schlechtes Karma ansammle.

Es brodelt, sprotzelt und zischt in mir, es droht zu platzen und trotzdem raubt es mir die Energie, die gute, positive Energie, die ich zum erfolgreichen Sprudeln der Gedankenfontäne brauche.

Ich hatte mal ein T-Shirt, das hatte vorne den Spruch drauf: „Today I choose joy!“

So etwas brauche ich jetzt, und so etwas liegt zum Glück vor mir. Am Samstag starten wir zur Kinderfreizeit. Mit den Kindern fahren eine Jugendreferentin, 10 junge MitarbeiterInnen und zwei Köchinnen. Unser aller Ziel ist es, den Kids eine tolle Woche zu schenken. In dieser Woche bekommt all das doofe von außen einen ganz klaren Zaungastplatz. Wichtig sind ganz elementare Dinge. Gemeinschaft, Erlebnisse, Zeit mit Gott, Zeit mit den uns anvertrauten jungen Menschen. Klar, es wird eine Woche mit wenig Schlaf, viel Kochlöffelgerühre, es wird die eine oder andere Unstimmigkeit geben, hoffentlich keine größeren Verletzungen, aber kleinere Wunden (in der Küche ist frau auch gern mal für Pflaster, Kühlpack und Trost zuständig). Aber diese Woche im Jahr zeigt mir immer wieder, wofür es sich wirklich lohnt, Energie zu investieren, sie sprudeln zu lassen. Der Sommer kann kommen!

Die Welt bekommt uns früh genug zurück…

Übrigens: wenn du dich wunderst, was das Foto mit einem Springbrunnen gemeinsam hat: nüscht!!! Aber es zeigt den Beginn eines Tages auf der Freizeit, es ist eine Momentaufnahme vom Aufbau des Frühstücksbüffets. Ruhe und positive Energie gehen für mich davon aus.

Essen für Fortgeschrittene oder: Wider den inneren Schweinehund

Meistens fühle ich mich gesund. Auch auf die normalen Nachfragen „Wie geht’s?“, wenn ich alte Bekannte treffe, antworte ich eigentlich immer mit „Gut, danke.“ Nicht aus Höflichkeit, sondern weil ich mich meist einfach ganz gut oder zumindest in Ordnung fühle. Ich schleppe auch nicht täglich meine Erkrankungen als Ballast mit mir herum. Aber vor gut zwei Monaten wurde es dann doch zu viel.

Blutdruck habe ich reichlich, und das schon seit 12 Jahren. Dann kam allergisches Asthma (Hausstaubmilben) dazu, kurz danach eine rheumatische Erkrankung. Für alles gibt es Medikamente. Das heißt dann, mehr oder weniger regelmäßige Besuche bei Hausarzt, Lungenfacharzt (da haben wir noch nicht mal einen in der Stadt), Kardiologin und Rheumatologe. Gewöhnt frau sich dran. Das Herumsitzen in irgendwelchen Wartezimmern schafft ja auch gewisse Ruheinseln im Alltag…

Im Zuge meines Bandscheibenvorfalls knallte mir die Hausärztin dann aber an den Kopf „Naja, eine chronische Niereninsuffizienz haben Sie ja auch, eigentlich sind Sie dafür ein bisschen jung…“ BITTE? Der Nierenfacharzt hatte mir doch letztes Jahr gesagt, altersgemäß (was heißt das eigentlich?) alles soweit in Ordnung. Ihre Meinung: „Nephrologen haben da manchmal einen speziellen Humor. Es ist zwar noch nicht dramatisch, aber Ihre Nieren arbeiten nicht mehr einwandfrei.“

Ich hab da keine Lust drauf. Auch wenn es noch nicht dramatisch ist. So viel weiß ich: wenn die Nieren nicht so wollen, wie sie sollen, sagen sie dem Blutdruck, er soll sich mal gefälligst mehr anstrengen. Das macht der prompt, und dann krieg ich noch mehr Blutdrucktabletten. Die dann wieder von den Nieren abgebaut werden sollen, die nicht so wollen….

Also: Ich fühle mich nicht krank, und das soll auch so lange wie möglich so bleiben! Andererseits: Ich kenne meinen inneren Schweinehund schon ziemlich lange und gut. Ich weiß, wie der tickt, und ich weiß auch, dass ich nur ein gewisses Maß an Selbstdisziplin mitbekommen habe. Im Grunde ernähre ich mich ja nicht total ungesund, aber es gibt da doch noch Luft nach oben und einige Stellschrauben, die noch nicht zu fest angezogen sind.

Deswegen habe ich meine Abschlussprüfung der Ausbildung um ein Jahr verschoben, denn: Ernährung umstellen, während ich recherchiere und schreibe, das kann nicht gut gehen. Und dann steigt der Frustpegel so an, dass ich noch mehr ungesundes Zeugs futtere. Ergo ist die Priorität dann jetzt einfach mal Gesundheit.

Zuerst bin ich die Sache intuitiv angegangen. (Noch) weniger Fleisch, weniger Fett, weniger Knabberzeug und Süßkram. Und weniger Salz. Aber jetzt kommt es: je mehr ich verzichte, desto öfter kommt das fast unwiderstehliche Verlangen nach Chips, Salinos, Gemüsebrühe, Schokolade! Salz und Fett. Und danach das schlechte Gewissen.

Jetzt gehe ich in die Offensive: ich vergleiche mal, welche Lebensmittel mir besonders gut oder schlecht tun in Bezug auf Nieren und Rheuma. Und nachdem ich das ganze mal tabellarisch aufbereitet habe (Foto), stellt sich heraus: außer im Bereich Getreideprodukte ist da gar nicht so viel Unterschied. Ich weiß zwar immer noch nicht, warum Weizenmehl Type 405 für die Nieren besser ist, aber Vollkorn für das Rheuma, aber da werde ich dann ganz einfach abwechseln, jedes kommt mal dran und wird mal weggelassen.

Es gilt, im Großen und Ganzen bestimmte Werte einzuhalten, besonders die Zusammenstellung von Eiweiß (tierisches Eiweiß ist von der Wertigkeit besser als pflanzliches, weil es uns ähnlicher ist, es sei denn, wir bestünden aus Brokkoli) und Fetten. Das fällt mir nicht schwer, aber auch Natrium, Kalium und Phosphor haben ihre Grenzen. Dafür habe ich mir eine Nährwerttabelle zugelegt.

Um dann mal festzustellen, wie eigentlich in Bezug auf diese Nahrungsbestandteile meine aktuelle Ernährungsweise ist, habe ich spaßeshalber einmal mein Frühstück abgewogen: 2 Scheiben Vollkorntoast, ein Teelöffel Butter, zwei Esslöffel Magerquark, 2 Teelöffel Marmelade, zwei Tassen Milchkaffee. Mann und Kind schwankten zwischen der Faszination des Grauens und dem Verlangen, mich auszulachen, fürchte ich.

Dazu kommen dann noch so Gedanken wie: 1 – 2 Fischmahlzeiten pro Woche, gut, aber ist das auch umweltverträglich? Wie stelle ich einen möglichst abwechslungsreichen Speiseplan zusammen mit vielen regionalen und saisonalen Schwerpunkten, aber ohne beispielsweise im Winter fast nur Kohlgerichte auf den Tisch zu bringen?

Ich werde mal versuchen, in loser Reihenfolge über meine (Miss)erfolge und Fortschritte zu berichten. Und vielleicht sogar ein paar neue Rezepte einstellen.

Frühling heißt Wildkräutersoße

Am Wochenende bin ich über unsere Wiese gegangen und habe mich gefreut, dass wir vergessen hatten, die Batterie vom Rasentraktor aufzuladen.

Da stand so viel wunderschöner Sauerampfer zwischen dem Gras und die anderen Wildkräuter wachsen auch schon, sind aber noch zart genug, um zu schmecken. Das ist seit meiner Kindheit so, einmal im Jahr, ganz zu Beginn des Frühlings, wird eine Soße quer durch den Garten zubereitet. Aber nicht wie die Frankfurter grüne Soße, sondern mit einer Mehlschwitze und Gemüsebrühe, etwas Milch und dann halt hartgekochte Eier hinein. Zu den Wildkräutern kommen dann auch noch „zahme“ wie Petersilie, Schnittlauch, Dill… Borretsch finde ich so früh im Jahr noch nicht, (auch nicht im Supermarkt bei den frischen Kräutern), aber der kommt dann später zum Einsatz.

Damit haben wir eine Mahlzeit mit viel Kalzium, Vitamin C und Provitamin A, denn ganz wichtig: Die Kräuter werden auf keinen Fall mitgekocht, sondern erst ganz zum Schluss, vor dem Servieren, in die Soße gerührt. Und wer empfindlich ist wegen der Brennesseln, braust die vor dem Hacken kurz mit einem heißen Wasserstrahl über, fertig.

Heute ist es soweit. Kathrin und ich waren eben draußen zum Sammeln, und gleich wird gehackt, geköchelt und dann genossen!

Grünkohl für Alle!

Ich weiß gerade nicht, ob ich schon mal erwähnt habe, dass ich gerne in großen Töpfen rühre. Wenn nicht, dann ist das hiermit erledigt. Mein größter privater Kochtopf (also wenn ich nicht auf einer Kinderfreizeit koche) fasst 17 Liter. Wir hatten mal einen noch größeren, da passten mindestens 1,5 Zentner Zwetschgen hinein, der nannte sich dann aber „Waschkessel“ und musste dem Heizungsneubau weichen (aus Mangel an Zwetschgen, sonst wäre die Heizung woanders hingekommen).

Und nun ist es ja auch endlich mal winterlich kalt geworden, also Zeit für das jährliche Grünkohlkochen. Ich koche den auch selbst, denn der im Glas…. no comment!

Allerdings habe ich tiefgefrorenen und schon gehackten gekauft, da ich zurzeit beim Hantieren mit scharfen Messern zur Selbstverstümmelung neige, das liegt (unter anderem) auch am kalten Wetter. Hat alles Vor- und Nachteile.

Grünkohl muss erst blanchiert und dann laaange geschmort werden, jedenfalls nach unserem langjährigen Familienrezept. Daher muss sich der ganze Aufwand schon lohnen. Was lag also näher, als die (fast) ganze Familie einzuladen, zumindest alle, für die es sich (wegen Entfernung) lohnt, sich für eine ordentliche Portion Essen auf den Weg zu machen.

Am Ende kam eine lustige Familienrunde zusammen, ich konnte sogar noch für 3 Mahlzeiten einfrieren und ich habe eine Step-by-Step-Anleitung für unsere Töchter zusammengestellt, falls die später mal das Verlangen haben, nach Omas Rezept Grünkohl zu kochen.  Man weiß ja nie. Als Teenager konnte ich mir auch nicht vorstellen, dass ich mal gerne Grünkohl kochen würde. Aber da hatte ich noch meine Mama, die ihn kochte, da war noch mehr Schmalz dran und er wurde nach dem Blanchieren noch zusätzlich gewolft, sodass er die Konsistenz von Kuhfladen hatte. Das wurde alles in späteren Jahren etwas modifiziert. Keine Mama mehr, außerdem weniger Schmalz und stattdessen ein bisschen mehr zu beißen 😉

Und heute ist es eine Art Meditation im Alltag, wenn ich mir einen ganzen Vormittag nur für zwei Bräter voll Grünkohl Zeit nehmen kann 🙂