Buchhändlerkrankheit

Ich habe lange nicht über Bücher geschrieben. Das heißt aber nicht, dass ich nicht lese…

Meinen aktuellen Stapel der Bücher, die ich durchlese, aus denen ich mir Infos hole, die ich angefangen habe, die meine Wartezimmerlektüre sind oder die schlicht noch darauf warten, dass sie an der Reihe sind, siehst du auf dem Foto.

Zu manchen kann ich sagen: eure Zeit kommt noch. Zum Beispiel „Teufelskrone“ von Rebecca Gablé. Das habe ich mir nach Erscheinen sofort für den Herbsturlaub gekauft, aber dann vor lauter schönem Wetter, Hunderunden, guten Gesprächen usw nicht geschafft. Und nun habe ich beschlossen, alle Waringham-Bücher erst noch mal als Hörbücher (super bei Hausarbeit, Kochen und Backen!) der Reihe nach durchzuhören, ehe ich mich daran mache.

Oder „Origin“ von Dan Brown. Das hat uns unser zukünftiger Schwiegersohn schon vor einiger Zeit geschenkt und ich freue mich auch schon darauf, aber für Dan Brown muss ich in einer besonderen Stimmung sein (Ehrlich gesagt, in den üblicherweise genutzten Online-Kanälen kursieren zurzeit so viele erdachte Verschwörungstheorien, dass die literarischen noch etwas warten müssen…)

„Das Weihnachtsdorf“ von Petra Durst-Benning werde ich, wie es sich gehört, auch an Weihnachten lesen. Und ich werde es mit Tee oder Kakao und Plätzchen regelrecht zelebrieren. Im Schaukelstuhl oder im Ohrensessel. Weil die Maierhofen-Romane einfach nur die Seele streicheln und guttun.

„Landleben“ von Hilal Szegin habe ich bereits angefangen und mit Vergnügen zur Hälfte gelesen, bis dann aber

„Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ von Christian Henrich-Franke dazwischenkam. Daraus brauchte ich eigentlich „nur“ einige gezielte Informationen zur Wirtschaftswunderzeit, allerdings konnte ich es nicht lassen, mich daran festzulesen. Das ging so lange gut, bis ich in einer Zeitschrift („Joyce“) auf eine Anzeige stieß, die mich regelrecht triggerte:

„Warum ich da noch hingehe“ von Christina Löffler, eine der Gründerinnen der Jesus Freaks. Mitunter frage ich mich ja auch, warum ich so stur an meiner Gemeinde festhalte. Ist das schon vorgezogener Altersstarrsinn oder ist die Ortsgemeinde, auch wenn man sich des Öfteren aneinander reibt (was durchaus auf Gegenseitigkeit beruht), doch für mich der beste Weg, meinen Glauben zu leben und auch weiterzuentwickeln?

Zwischendurch wurde ich konsumbockig (nur nicht bei meinen Bücherkäufen), die Ergebnisse hießen „Ich kauf nix“ von Nunu Kaller und „Ökofimmel“ von Alex Neubacher. In diese Kategorie fällt auch „Frag immer erst warum“ von Simon Sinek. Nur von der gegenüberliegenden Perspektive betrachtet. Und weil ich nicht so viele Augen habe wie die Kartoffeln in meinem Keller, geschweige denn so viel Hirn, um alles gleichzeitig aufzunehmen, warten die drei noch darauf, dass ich mich weniger über solche Marketingstrategien wie „Black Friday“ und „Cyber Monday“ aufrege!

„Digitale Fotografie“ ist eher ein Nachschlagewerk, das nutze ich gezielt, um aus meiner Kamera rauszuholen, was sie alles kann und ich hoffentlich auch in der Lage bin, umzusetzen…

Irgendwann in diesem Herbst fing ich an zu zweifeln, ob ich mit den Impulsen im Jugendgottesdienst die jungen Leute auch wirklich erreiche, ob mein Handwerkszeug reicht und was mir sonst noch dabei helfen könnte. Auf der Suche stieß ich auf den Titel „Einladend predigen“ von Hermann Brünjes. Was soll ich sagen, es hilft mir vor allem bei der Selbstreflektion. Ist das, was ich sage, die Weitergabe des Wortes Gottes oder pflege ich nur meine sozialromantischen Utopien, die ich weitergebe? Denn letzteres ist zwar verständlich, aber nicht das, was an der Stelle im Gottesdienst erfolgen soll. Spannend!

„Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“ von Maren Urner wollte eigentlich Edgar haben, wir mussten auch lange darauf warten, weil nach diversen Talkshows das Buch erstmal nachgedruckt werden musste. Leider teilt es noch das Schicksal einiger anderer Bücher: Die medialen Tagesdosen an Hiobsbotschaften und der Sagbarkeit des Unsäglichen lähmen. So sehr, dass dieses Buch auch noch in der Warteschleife hängt. Wie gesagt, Augen und Hirn und so…

Meine „Hoffnung für Alle“-Bibel begleitet mich täglich. Wenigstens momentan, wegen des Adventskalenders. Ich gestehe aber bereitwillig, dass ich es übers Jahr oft nicht schaffe, mir täglich eine Zeit dafür zu reservieren. In der letzten Konsequenz bin ich nämlich zu häufig inkonsequent 😛

Finale!

Meine derzeitige Bettlektüre: „Muttertag“ von Nele Neuhaus. Immer wieder genial finde ich ihre Kriminalfälle, die sich stets mit aktuellen gesellschaftlichen Themen beschäftigen. Mit sympathischen Ermittlern, die auch alle ihre Macken haben, aber nicht so überspitzt gezeichnet sind wie einige Fernsehkollegen, die gefühlt seit zwei Jahren alle mehr oder weniger leicht autistisch veranlagt sind. Sondern ganz so wie Durchschnittsmenschen. Amüsant liest sich dann zum Beispiel die kleine Episode, wo geraten wird, die Kollegin Ann Kathrin Klaasen aus Ostfriesland (Klaus-Peter Wolf, die Ostfriesenkrimis…) einzuschalten. Auch hat Nele Neuhaus ihre Hausaufgaben gemacht und flicht immer mal wieder Hinweise auf spektakuläre Kriminalfälle der letzten Jahre in die Handlung ein. Und: Sie ist eine Mutter-Kind-Autorin. Ich mag die Krimis, Kathrin hat die Pferdebücher verschlungen.

Das war er, mein literarischer Rundumschlag zum Ende des Jahres 2019. Ich bin schon megagespannt, was das nächste Jahr bringen wird…

 

Mein aktuelles Lieblingsbuch <3

Hab ich irgendwann schon mal erwähnt, dass ich unheimlich gern die Bücher von Michael Herbst lese? Jedenfalls, ich mag den Stil total.

Dieses Buch hatte ich mir eigentlich zur Vorbereitung auf meine Abschlussarbeit an der Malche zugelegt. Und ich kann es tatsächlich auch gebrauchen. Aber heute früh bei meiner privaten Lesestunde hatte ich dann so einen Aha-Effekt. Weil er genau das beschrieb, was ich empfinde, wenn ich an (nicht nur unsere) Gemeinde denke:

„Gemeinde ist mehr als ein spirituelles Schunkeln zu gefühlvoller Schlagermusik, bei der wir uns alle so eins fühlen. Gemeinde ist mehr als Würstchengrillen mit Freunden, mehr als Vereinsmeierei mit Gleichgesinnten, mehr als eine Serviceagentur für religiöse Dienstleistungen. Gemeinde ist der Ort, wo der Geist Gottes Menschen sammelt, denen das Wort von Jesus ins Herz gefahren ist, die eine Wahl getroffen haben und sich taufen ließen, die daraufhin den Reichtum von Gemeinschaft entdeckt haben, die darum ihren Besitz teilen, und deren Dasein so anziehend ist, dass immer mehr Menschen dazukommen. Darin steckt das Geheimnis: Hier, in der Nähe von Jesus, wird der Schaden geheilt, die Spaltung überwunden, der Graben überbrückt, der mein einsames Ego von all den anderen einsamen Egos trennte. Aber damit das geschieht, muss ich durch die Schule der Differenz. Ich muss da durch, dass der andere anders ist, dass der andere anstrengend ist und dass es mühsam ist mit ihm. Ich erwische mich manchmal bei dem Gedanken: ‚Ach, es wäre jetzt nicht so doof, wenn dieser andere einfach ginge.‘ Und der Herr nahm täglich hinweg, die für mich zu anstrengend geworden waren. Nein. Stattdessen fügt er noch mehr anstrengende Wesen hinzu, wie er ja auch irgendwann mich anstrengendes Wesen hinzugefügt hat.“

Ja genau das ist es. Warum schleppen wir gerade in unseren Kirchengemeinden so viele alte Kränkungen mit uns herum? Warum können wir nicht verzeihen, was vor zwanzig Jahren mal schiefgelaufen ist? Warum haben wir so viele Probleme damit, andere so zu nehmen wie sie sind?

Wer es jetzt gerade nicht so mit Kirche hat, darf sich aber auch nicht die Hände reiben. Denn in Stadträten, Parteien, Gewerkschaften….. sieht es auch nicht besser aus.

Es scheint uns leichter zu fallen, dem Mitmenschen seine vermeintlichen Übertretungen und Fehler vorzuhalten, als uns gegenseitig zu akzeptieren.

Lohnt sich unbedingt, dieses Buch genauer zu lesen!

Ein Hohelied aufs Landleben

Sowohl das Buch als auch die Wäscheklammern zeigen einen Trend. Bücher dieser Art verkaufen sich wie geschnitten Brot. Waren es in früheren Jahren Aussteigergeschichten, die in Kanada, Frankreich oder Spanien spielten, so sind es 2018 ganz viele Menschen, die sich literarisch nach Norddeutschland gezogen fühlen. Ob Friesenkrimis oder schöne Urlaubsgeschichten von Borkum im Westen bis Usedom im Osten, wir träumen uns aufs platte Land oder zu den oft tideabhängigen Inseln.

Ich glaube, wir sehnen uns nach einer Übersicht (in Ostfriesland sieht man angeblich schon morgens, wer am Nachmittag zum Tee kommt, so weit ist die Aussicht) in unserem unübersichtlichen  Alltag, nach der Verlässlichkeit der Gezeiten und nach der Unaufgeregtheit, mit der das Leben auf den Inseln gelebt wird. Ich schätze, wenn ich die ebenfalls zahlreichen Bazi-Krimis sehe, es ist in Süddeutschland ähnlich, aber mir sind die Norddeutschen näher in jeder Hinsicht.

Auch in einer (bemerkenswert für den schwierigen Markt gedruckter Presse-Erzeugnisse) wachsenden Zahl von Zeitschriften die das „Land“ mit wechselnden Namenszusätzen preisen, zeigt sich die Diskrepanz, dass immer mehr Menschen in Großstädten wohnen, aber sich nach dem Landleben sehnen. Ich weiß noch nicht, was das für die Zukunft letztlich bedeutet, denn klar ist auch: würden diese ganzen Großstadtpflanzen (ist nicht abwertend gemeint, aber auch echte Pflanzen haben ihren speziellen Lebensraum, den sie brauchen, um gut zu gedeihen) auf einmal ihre Träume wahr machen, dann wäre die Ruhe und der Ausblick in der Provinz auch futsch…

Aber wenn die vielen engagierten Autorinnen (selten Männer, wenn überhaupt, dann für die unfeinen Details zwischenmenschlicher Abgründe) dafür sorgen, dass wir zumindest per Kopfkino ein bisschen dieser Zuflucht finden, dann gerne mehr davon.

Um auf die Wäscheklammern zurückzukommen: Die habe ich mir aus ganz praktischen Gründen zugelegt, weil ich Probleme habe, die Klammern zu bedienen, die man zusammendrücken muss. Aber als ich dann in meinem Korb mit ungefähr 200 Holzklammern wühlte und die mit einem unbeschreiblichen Geräusch, das den Widerstand der nassen Wäsche wiedergab, auf die Wäschespinne steckte, das hörte sich so nach meiner Kindheit an, dass es mir einen Schauer den Rücken runterjagte…

Ja was zählt denn nun wirklich?

Das Buch verkauft sich wie geschnitten Brot, so wie zurzeit fast alle Bücher von John Strelecky. Das allein ist ja nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal, denn auch die Schmahamas-Verschwörung steht seit vielen Wochen in der Bestsellerliste…

Aber was ist dann die Faszination an diesen Büchern? Ich habe selbst gern „Das Café am Ende der Welt“ gelesen und da ich mich auf eine Facharbeit in Wirtschaftsethik vorbereite, habe ich auch die Big Five gelesen. Als Alternative zu den trockenen Fachbüchern.

Erstens ist es in eine Geschichte verpackt. Das kommt schon mal besser an als der erhobene Zeigefinger.

Zweitens trifft Strelecky ganz offensichtlich einen Nerv, der bei vielen Menschen blank liegt: Die zunehmende Unübersichtlichkeit und Geschwindigkeit der Welt, der Gesellschaft, der Wirtschaft…

Die einen flüchten sich in eine Haltung des: „Früher war alles besser“, verbunden mit einer teilweise krankhaften Flucht in Separatismus, Nationalismus und sonstige -Ismen, gern gespickt mit „links-grün-versifften Verschwörungstheorien“. Keine gute Alternative, denn rückwärts geht die Zeit nun mal nicht. Zum Glück!

Der Wunsch, in unsere heutige Zeit als einzelner Mensch ein bisschen mehr Gemeinwesen und Solidarität zu bringen, liegt mir und vielen anderen da schon eher. Nach dem Motto: „Wenn jede/r ein bisschen mehr auf die Umwelt, die Mitmenschen, das Große Ganze achtet, dann ist schon einiges gewonnen“. Und da passen die Bücher von Strelecky einfach. Nicht alles ist neu erfunden, manches mag man als Binsenweisheit abstempeln, aber wie so oft: Mitunter brachen wir einen Impuls von außen, jemanden, der uns das Bekannte einfach nochmal schriftlich aufs Butterbrot schmiert!

Ich ertappe mich übrigens dabei, dass ich mich jetzt bei Prominenten (egal ob international, national oder regional) öfter mal frage, ob die Person eigentlich ihre persönlichen Big Five kennt und danach lebt. Bei Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier bin ich mir da ziemlich sicher, auch bei Sahra Wagenknecht und ich befürchte, sogar bei Herrn Gauland  gibt es diese Orientierung 😦 …

Bei Jogi Löw, der jetzt sicher kollektive Kloppe kriegen wird, und sogar bei Ulrich Parzany gehe ich auch davon aus, und natürlich bei Papst Franziskus.

Bei mir selbst bin ich mir nicht so sicher, aber ich arbeite dran. Schon lange und eher unbewusst, aber es musste mir halt mal einer schriftlich… siehe oben 😉

Neugierig geworden? Prima!

Das eine muss ich, das andere tut mir gerade gut

Ich bin krankgeschrieben und darf eigentlich nicht reden. Kehlkopfentzündung. Man sollte meinen, ich hätte damit viel Zeit für meine diversen Facharbeiten, die ich noch fertigzustellen habe. Auch eigentlich.

In der Praxis ist es komplizierter. Ich werde und werde einfach nicht fertig mit meiner Fachliteratur. Ist ja auch schwierig, denn als gelernte Buchhändlerin ist es ein Klacks für mich, immer noch mehr Bücher zu meinen Themen zu finden und die beschaffe ich dann auch noch. Einfach unersättlich!

Andererseits ist meine Konzentrationsfähigkeit noch nicht wieder voll da. Also lenke ich mich ab. Mit Katzenkrimis von Rita Mae Brown. Ich habe die ganze Reihe im Bücherregal, alle schon mal gelesen (das ist gut, denn so komme ich schneller durch…). Und die sind zurzeit Balsam für die Seele.

Erstens: mehr Kontrast zu Kirchengeschichte und systematischer Theologie kann ich mir kaum vorstellen. (Vielleicht „Fifty Shades of Grey“, aber da hab ich keinen Bock drauf). Zweitens: manchmal sind Tiere, vor allem Katzen und Hunde, doch die besseren Menschen. Sätze wie „Immer wenn die Menschen sich in die Geschichte zurückversetzten, bilden sie sich ein, damals wären sie reich und gesund gewesen. Die sollten mal rausfinden, wie das war, wenn man im achtzehnten Jahrhundert Zahnschmerzen hatte“ spiegeln recht gut das diffus mulmige Gefühl, das mich habe, wenn Leute großspurig behaupten, dass früher alles besser war.  Und drittens ist mir aufgefallen, dass die Gesellschaft in den USA bereits in den 1990er Jahren, aus denen die Bücher stammen, mit ganz ähnlichen Themen gerungen hat wie heute, obwohl sie noch keinen Trumpel an der Spitze hatten.

So. Noch ein Kapitel, dann geht es aber ganz bestimmt zurück zu Alister McGrath und der Erlösungslehre 😉