Bücher Beim Buchhändler

Das dreibogige „B“, das für diesen Slogan stand, war in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, als ich meine Ausbildung gemacht habe, das offizielle Logo des Buchhandels.

Augenblicklich mussten alle Buchhandlungen schließen, bis auf Berlin und Sachsen-Anhalt. Allerdings haben die meisten lokalen Buchhändler inzwischen auch Onlineshops und sehr gute Websites oder Instagram-Accounts, häufig mit den persönlichen Empfehlungen der dort angestellten Buchhändler*innen. Wenn ihr also akuten Mangel an Lesestoff habt, dann ist es an der Zeit, eure örtliche Buchhandlung (wieder) zu entdecken. Bestellte Bücher werden meist kostenfrei verschickt, aber selbst, wenn Porto fällig wird, ihr sorgt mit euren Bestellungen dafür, dass ihr auch nächstes Jahr hoffentlich noch eure Bücher vor Ort einkaufen könnt.

Viele Buchhandlungen liefern auch mit eigenen Lastenfahrrädern innerhalb des Ortes umweltfreundlich aus. Probiert es einfach, ihr werdet positiv überrascht sein. Meine Kolleginnen und Kollegen freuen sich nämlich, wenn sie jetzt nicht nur mehrere Wochen lang Regale putzen müssen.

(Spoiler: In der Branchenpresse habe ich gerade gelesen, dass der große amerikanische Gemischtwarenladen, der mal als Online-Buchhändler an den Start gegangen ist, zurzeit vor allem Haushaltswaren und Sanitätsprodukte ausliefert und alles andere zurückstellt.)

Übrigens: Was für Bücher gilt, gilt auch für die meisten anderen Dinge. Klar hat man jetzt vielleicht viel Zeit für Online-Shopping. Aber stell dir vor, wenn das Leben dereinst wieder seinen gewohnten Gang geht, bleiben die Innenstädte so leer wie sie jetzt hoffentlich sind. Weil die Geschäfte dichtmachen müssen. Dann macht es auch keinen Spaß mehr, dort im Eiscafé zu sitzen. Alles, was ihr jetzt nicht unbedingt braucht, schreibt euch auf, und dann unterstützt den örtlichen Einzelhandel, wenn es wieder möglich ist. Denn dort arbeiten die Menschen, mit denen ihr euch auch zum Sport trefft, die in eurer Gemeinde falsch singen, die Ihr samstags im Kino seht.

Und die örtlichen Geschäfte zahlen in eurer Stadt Gewerbesteuer, die das öffentliche Leben wie Schwimmbäder, Museen, Theater usw. finanziert.

(Titelfoto: 123gif.de)

Freischwimmer

Der Untertitel lautet: Meine Geschichte von Sehnsucht, Glauben und dem großen, weiten Mehr

Ein außergewöhnliches Buch, finde ich. Der Werdegang eines begnadeten Evangelisten, der den Glauben verlor … und sich dann auf die Suche nach dem Verlorenen machte.

So ungewöhnlich Torstens Lebensweg begann, so war es auch sein Weg, nachdem er feststellte, dass wichtige Dogmen seines Lebens nicht (mehr) funktionieren. Musste er als Kind und Jugendlicher für seine Ziele kämpfen und Umwege gehen, so hat er das auch getan, als er merkte, dass er Thesen, die er zum Beispiel als Prediger bei Jesus House den Jugendlichen entgegenschmetterte, selbst nicht mehr glauben konnte. Als er Zweifel bekam, ob die Art, wie junge Menschen in einer hochemotionalen Einzelsituation aufgefordert werden, ihr Leben Jesus Christus zu übergeben, nicht in Wirklichkeit hochmanipulativ sei.

Für mich war es stimmig, dass dieser Mann nun nicht einfach der evangelikalen Szene frustriert den Rücken kehrt und sagt „Ok, dann glaub ich halt nicht mehr, war eine schöne Zeit, und tschüss…!“

In Gesprächen mit verschiedenen „Schwergewichten“ der christlichen Szene (alles Menschen, die sehr reflektiert sind und wo niemand auf die Idee käme, sie gingen leichtfertig mit dem ganzen Thema um) macht er sich auf die Suche nach dem Verlorenen und lernt eine ganz neue Weite und Freiheit der Gedanken kennen.

Manche Gedankengänge sind für Landeskirchler, die in einigen evangelikal-konservativen Kreisen auch gern mal salopp als Christen zweiter Klasse angesehen werden, nur bedingt nachzuvollziehen. Aber das eine oder andere hat vermutlich jeder schon mitbekommen: Tun-Ergehen-Zusammenhang: wenn du schlechtes denkst/tust, dann BIST du schlecht. Homosexualität ist Sünde, sonst nichts. Pass auf, kleines Auge, was du siehst. Du musst einfach stärker glauben, und wenn sich deine Situation dann nicht zum Guten verändert, dann glaubst du nicht richtig!

Das wirklich interessante am Buch sind für mich die Gespräche mit Andreas Malessa, Christina Brudereck, Klaus Douglass, Klaus Göttler und anderen anerkannten Protagonisten der frommen Szene, die sehr offene und weite Denkweisen darlegen, aber trotzdem keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit ihres persönlichen Glaubens lassen. Und die kein Problem damit haben, jemanden „als vollwertig“ anzuerkennen, der gerade sein Glaubensfundament total in Frage stellt.

Hier gibt es kein Abgebügeltwerden, niemand erklärt Torsten für verloren. Das Buch bietet differenzierte Denkansätze, wägt ab, polarisiert und provoziert sicher auch (zum Beispiel, Dogmen über Bord zu werfen).

Es gibt so viele Stellen, die ich gern zitieren würde, wo ich Aha!-Effekte bei mir festgestellt habe, das sprengt an dieser Stelle den Rahmen.

Ich kann nur empfehlen: selber lesen! Wenn du das Gefühl hast, in deinem Umfeld vor allem kritische Fragen nicht stellen zu können: lesen! Hier ist eine große Liebe zu den unterschiedlichsten Menschen zu finden, hier stehst du nicht im Regen.

Das richtige Buch zur richtigen Zeit

Auf meinem SUB lag das Buch schon irgendwann im Advent. Allerdings gab es so viel unterschiedliche Dinge zu lesen, dass es in der Warteschleife gefangen war.

Anfang Februar, drei Tage vor der denkwürdigen Thüringer MP-Wahl-Posse, beschloss ich das zu ändern. Und wie wir es gern machen, begann ich, jeden Morgen nach dem Frühstück und manchmal auch mittags nach dem Essen, meinem Mann daraus vorzulesen. Anschließend gab es ein kleines Gespräch über den Abschnitt.

An dem besagten Wahltag dachte ich mir, es habe doch wohl einen besonderen Grund, weshalb ich das Buch ausgerechnet jetzt zur Hand genommen habe. Als am vergangenen Wochenende die rechtsextreme Terrorzelle aufflog, dabei auch drei Männer aus meiner und der Nachbarstadt verhaftet wurden, dachte ich das immer noch. Als ich gestern früh um 5:30 Uhr mit den Nachrichten geweckt wurde, den Nachrichten vom Anschlag in Hanau, da hatten wir es einen Tag vorher durchgelesen. Und ich fühlte neben dumpfer Trauer eine Erleichterung, da ich wusste, dass dieses Buch viele Menschen begeistert hat, vor allem auch bei den Lesungen. Ich wusste, da draußen gibt es nicht nur Hass und Gewalt, sondern auch viele, die das nicht wollen. Es gibt Menschen, die differenzieren können. Und die sich jetzt gerade vielleicht ebenso wie ich bewegten zwischen einer ohnmächtigen Sprachlosigkeit und dem Aufbegehren, so nicht bleiben zu wollen.

Aber der Reihe nach:

Zu Beginn des Buches stellt Frau Hayali sich vor, familiärer Hintergrund, wo sie aufgewachsen ist und so. Sie ist ein paar Jahre jünger als ich, aber ich war überrascht, dass es in ihrer und meiner Kindheit einige Parallelen gibt, unter anderem war sie wie ich auch ein spätes Kind schon etwas erfahrenerer Eltern. Verbunden ist das mit vielleicht ganz typischen Erziehungsgrundsätzen in den 70er Jahren, wer weiß?

Bei mir waren das die Merksätze meines Vaters, der mir beibrachte „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie du den Schmerz“ oder „Was du nicht willst, das man dir tu‘, das füg auch keinem anderen zu“. So etwas prägt. Immer mal wieder ein Perspektivwechsel. Auch wenn mir das damals natürlich überhaupt noch nicht bewusst war.

Zurück zum Buch. Ich empfinde es als wohltuend unaufgeregt, aber sehr bestimmt in Stil und Aussage. Keine Herumeierei wie oft bei Politikern, an einigen Stellen auch selbstkritisch, die Verantwortung der Medien betreffend.  Kein pauschales Bashing irgendwelcher Gruppierungen, aber die klare Forderung nach Respekt – zunächst einmal für alle, ob im analogen oder im digitalen Raum, ob Normalo, Linker oder Pegidabesucher. Denn auch das stellt sie klar: Respekt ist erstens keine Einbahnstraße, und zweitens ist es legitim, bestimmten Menschen den Respekt zu verweigern, wenn sie sich dessen unwürdig erweisen. (Das ist jetzt meine Formulierung)

Großen Respekt habe ich vor der Leistung, sich ständig wieder in den sozialen Medien durch den großen Wust an Kommentaren zu ackern, sich dabei mit sehr viel geistiger Gülle auseinanderzusetzen und immer wieder neu zu überlegen, wie damit umgegangen werden muss. Wann ist etwas nur Blödsinn, wann werden Grenzen zur Strafbarkeit überschritten, wann dient eine Reaktion dazu, etwas zu gewichten, das der Gewichtung nicht wert ist.

Eigentlich würde ich das Buch gern direkt noch einmal lesen, da ich jetzt weiß, wie es endet (keine Bange, das verrate ich nicht, ich möchte ja erreichen, dass DU das Buch auch noch liest 😉 ) und es von daher noch anders aufmerksam aufrollen. Allerdings liegen schon die nächsten Bücher vor meiner Nase…

Nur so viel: am Ende stellt Frau Hayali vier Szenarien der zukünftigen Entwicklung auf. Ich wünsche mir ganz unbedingt die vierte. Alles andere wäre nicht wünschenswert für meine Heimat. Davor gruselt mir.

Das Buch kann ich nur empfehlen, vor allem, weil es differenziert. Weil es so geschrieben ist, wie ich mir unsere Gesellschaft wünsche: Ich muss nicht mit allem deckungsgleich oder einverstanden sein, aber ich bemühe mich, jedem Respekt entgegenzubringen und seine Sichtweise nachzuvollziehen. Ach, du siehst vermutlich wie ich, das gelingt nicht bei jedem gleich gut.

Übrigens ist es auch die Differenzierung, was die Lektüre von Sachbüchern oder Romanen unterscheidet: Im Roman fühle ich mich vor allem wohl, wenn ich mich da hineingleiten lassen kann wie in ein Schaumbad (oder bei manchen Krimis in einen Eiswasserbottich). Ich versinke in der Handlung und sehe und empfinde die Handlung in mir und rundum. Gelingt mir das nicht, stehe ich quasi daneben, dann fremdele ich mich durch das Buch.

Beim Sachbuch suche ich je nach Situation mal den Wissenszuwachs, mal die Bestätigung, mal die Auseinandersetzung. Ich kann mich auf die Seite des Autors stellen oder auf die „andere“ Seite, ich darf auch die Position wechseln, wenn mir ein Erkenntnisgewinn kommt (einen eigenen Standpunkt haben heißt auch, ihn von Zeit zu Zeit zu überdenken). Ich muss nicht mit allem „D’accord gehen“, wie es so schön heißt, aber ich erwarte von einem guten Sachbuch eine ordentliche Argumentation.

Die nächsten Bücher in Arbeit sind „Freischwimmer“ von Torsten Hebel und „Die Angstprediger“ von Liane Bednarz. Die sind beide sicher aufwühlend, obwohl es sich um Sachtitel handelt. Zur Erholung lese ich aber abends vor dem einschlafen gerade „Bretonische Verhältnisse“ von Jean-Luc Bannalec. Und jetzt lach nicht, weil ich damit so spät dran bin. Auch eine Buchhändlerin kann nicht alles gleichzeitig lesen 😉

Bin im Garten

Ich weiß nicht mehr, woher ich diesen Büchertipp habe, vermutlich war es eine Gartenzeitschrift. Oder eine Rezension auf einem anderen Blog.

Im Herbst habe ich mir das Buch dann gekauft und es ist erstmal auf den SUB gewandert. Zu Beginn der Adventszeit ist es dann auf dem Nachttisch gelandet und hat mich jeden Abend in den Schlaf geleitet. Abend für Abend las ich mich durch die Experimente einer Frau, die mit Mitte 50 die Gartenleidenschaft gepackt hat.

Manchmal nicht ganz neidlos, denn sie hat das geschafft, was ich seit einigen Jahren versuche: jeden Tag im Garten verbracht. Inklusive Muskelkater, Fehlschlägen und unglaublichen Glücksgefühlen.

Oft musste ich schmunzeln, wenn ich mich selbst wiedererkannte, vor allem in den Szenen, wenn sie online oder in Katalogen nach neuen Pflanzen, Saatgut, aber auch Geräten suchte. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass ich alle ihre Vorschläge und Quellen ausprobiert habe…😜

Unter anderem hat die Lektüre dazu geführt, dass ich wieder ganz optimistisch plane für 2020. Und mir ein Gartentagebuch angelegt habe, um meine eigenen Experimente oder Wetterbeobachtungen zu notieren.

Sinnigerweise hab ich seit vorgestern mal wieder starke Schmerzen in der rechten Schulter und kriege den Arm nicht höher als zur Bäckertheke (konnte heute früh kaum mein Wechselgeld in Empfang nehmen🥺).

Aber das passt schon, denn dieser 4. Januar zeigt, dass er stürmen kann. Den Flieder, der seit ich denken kann in der Nähe des Hauses steht, seit zwei Jahren aber den Heldentod stirbt, mach ich dann ein anderes Mal weg.

Während es draußen weht und dem Geräusch nach auch etwas hagelt, sitze ich mit einem breiten Schal um die Schultern gemütlich in meinem Ohrensessel. Und habe soeben das Buch zu Ende geschmökert.

Das gesamte Buch war schon lesenswert, aber in ihrer Rückschau auf das Gartenjahr im Dezember wird Meike Winnemuth regelrecht philosophisch. Ich kann ihren Gedankengängen da gut folgen, bin glatt versucht zu sagen: wer chronisch unzufrieden ist oder andere Zivilisationsübel mit sich rumschleppt, der sollte Gartenarbeit auf Rezept verordnet bekommen.

Ich liebe den Satz „Ich habe monatelang auf einen Kohlrabi gewartet, den man in jedem Supermarkt für 99 Cent kaufen kann,…“

Denn dieser simple Satz drückt fast alles aus, worum es viel zu selten geht: sich des Wertes unserer Lebensmittel bewusst zu sein. In dieser und anderen Pflanzen einen essentiellen Bestandteil des Lebens zu sehen und nicht nur etwas, das im Discounter im Angebot eingekauft wird und im schlimmsten Fall nach drei Wochen im Gemüsefach in die Tonne wandert.

Das Buch ist absolut lesenswert (freudsche Fehlleistung: ich hätte beinahe „lebenswert“ geschrieben😊).

Nicht nur für bekennende Landeier wie mich, sondern auch für horizontale oder vertikale Stadtgärtner, für Gartenfestivalliebhaber, für einfach alle, die schon mal Erde unter den Fingernägeln hatten. Und auch für die, die das sehr unappetitlich finden😉.

Bibliographische Angaben:

Meike Winnemuth, Bin im Garten

Penguin Verlag

978-3-328-60045-9

22€

Hinweis: Das Buch habe ich mir selbst gekauft. Aus Neugier. (Ich glaube, es war Ranga Yogeshwar, der jede Quarks-Folge mit den Worten „Bleiben Sie neugierig“ beendete)

Buchhändlerkrankheit

Ich habe lange nicht über Bücher geschrieben. Das heißt aber nicht, dass ich nicht lese…

Meinen aktuellen Stapel der Bücher, die ich durchlese, aus denen ich mir Infos hole, die ich angefangen habe, die meine Wartezimmerlektüre sind oder die schlicht noch darauf warten, dass sie an der Reihe sind, siehst du auf dem Foto.

Zu manchen kann ich sagen: eure Zeit kommt noch. Zum Beispiel „Teufelskrone“ von Rebecca Gablé. Das habe ich mir nach Erscheinen sofort für den Herbsturlaub gekauft, aber dann vor lauter schönem Wetter, Hunderunden, guten Gesprächen usw nicht geschafft. Und nun habe ich beschlossen, alle Waringham-Bücher erst noch mal als Hörbücher (super bei Hausarbeit, Kochen und Backen!) der Reihe nach durchzuhören, ehe ich mich daran mache.

Oder „Origin“ von Dan Brown. Das hat uns unser zukünftiger Schwiegersohn schon vor einiger Zeit geschenkt und ich freue mich auch schon darauf, aber für Dan Brown muss ich in einer besonderen Stimmung sein (Ehrlich gesagt, in den üblicherweise genutzten Online-Kanälen kursieren zurzeit so viele erdachte Verschwörungstheorien, dass die literarischen noch etwas warten müssen…)

„Das Weihnachtsdorf“ von Petra Durst-Benning werde ich, wie es sich gehört, auch an Weihnachten lesen. Und ich werde es mit Tee oder Kakao und Plätzchen regelrecht zelebrieren. Im Schaukelstuhl oder im Ohrensessel. Weil die Maierhofen-Romane einfach nur die Seele streicheln und guttun.

„Landleben“ von Hilal Szegin habe ich bereits angefangen und mit Vergnügen zur Hälfte gelesen, bis dann aber

„Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“ von Christian Henrich-Franke dazwischenkam. Daraus brauchte ich eigentlich „nur“ einige gezielte Informationen zur Wirtschaftswunderzeit, allerdings konnte ich es nicht lassen, mich daran festzulesen. Das ging so lange gut, bis ich in einer Zeitschrift („Joyce“) auf eine Anzeige stieß, die mich regelrecht triggerte:

„Warum ich da noch hingehe“ von Christina Löffler, eine der Gründerinnen der Jesus Freaks. Mitunter frage ich mich ja auch, warum ich so stur an meiner Gemeinde festhalte. Ist das schon vorgezogener Altersstarrsinn oder ist die Ortsgemeinde, auch wenn man sich des Öfteren aneinander reibt (was durchaus auf Gegenseitigkeit beruht), doch für mich der beste Weg, meinen Glauben zu leben und auch weiterzuentwickeln?

Zwischendurch wurde ich konsumbockig (nur nicht bei meinen Bücherkäufen), die Ergebnisse hießen „Ich kauf nix“ von Nunu Kaller und „Ökofimmel“ von Alex Neubacher. In diese Kategorie fällt auch „Frag immer erst warum“ von Simon Sinek. Nur von der gegenüberliegenden Perspektive betrachtet. Und weil ich nicht so viele Augen habe wie die Kartoffeln in meinem Keller, geschweige denn so viel Hirn, um alles gleichzeitig aufzunehmen, warten die drei noch darauf, dass ich mich weniger über solche Marketingstrategien wie „Black Friday“ und „Cyber Monday“ aufrege!

„Digitale Fotografie“ ist eher ein Nachschlagewerk, das nutze ich gezielt, um aus meiner Kamera rauszuholen, was sie alles kann und ich hoffentlich auch in der Lage bin, umzusetzen…

Irgendwann in diesem Herbst fing ich an zu zweifeln, ob ich mit den Impulsen im Jugendgottesdienst die jungen Leute auch wirklich erreiche, ob mein Handwerkszeug reicht und was mir sonst noch dabei helfen könnte. Auf der Suche stieß ich auf den Titel „Einladend predigen“ von Hermann Brünjes. Was soll ich sagen, es hilft mir vor allem bei der Selbstreflektion. Ist das, was ich sage, die Weitergabe des Wortes Gottes oder pflege ich nur meine sozialromantischen Utopien, die ich weitergebe? Denn letzteres ist zwar verständlich, aber nicht das, was an der Stelle im Gottesdienst erfolgen soll. Spannend!

„Schluss mit dem täglichen Weltuntergang“ von Maren Urner wollte eigentlich Edgar haben, wir mussten auch lange darauf warten, weil nach diversen Talkshows das Buch erstmal nachgedruckt werden musste. Leider teilt es noch das Schicksal einiger anderer Bücher: Die medialen Tagesdosen an Hiobsbotschaften und der Sagbarkeit des Unsäglichen lähmen. So sehr, dass dieses Buch auch noch in der Warteschleife hängt. Wie gesagt, Augen und Hirn und so…

Meine „Hoffnung für Alle“-Bibel begleitet mich täglich. Wenigstens momentan, wegen des Adventskalenders. Ich gestehe aber bereitwillig, dass ich es übers Jahr oft nicht schaffe, mir täglich eine Zeit dafür zu reservieren. In der letzten Konsequenz bin ich nämlich zu häufig inkonsequent 😛

Finale!

Meine derzeitige Bettlektüre: „Muttertag“ von Nele Neuhaus. Immer wieder genial finde ich ihre Kriminalfälle, die sich stets mit aktuellen gesellschaftlichen Themen beschäftigen. Mit sympathischen Ermittlern, die auch alle ihre Macken haben, aber nicht so überspitzt gezeichnet sind wie einige Fernsehkollegen, die gefühlt seit zwei Jahren alle mehr oder weniger leicht autistisch veranlagt sind. Sondern ganz so wie Durchschnittsmenschen. Amüsant liest sich dann zum Beispiel die kleine Episode, wo geraten wird, die Kollegin Ann Kathrin Klaasen aus Ostfriesland (Klaus-Peter Wolf, die Ostfriesenkrimis…) einzuschalten. Auch hat Nele Neuhaus ihre Hausaufgaben gemacht und flicht immer mal wieder Hinweise auf spektakuläre Kriminalfälle der letzten Jahre in die Handlung ein. Und: Sie ist eine Mutter-Kind-Autorin. Ich mag die Krimis, Kathrin hat die Pferdebücher verschlungen.

Das war er, mein literarischer Rundumschlag zum Ende des Jahres 2019. Ich bin schon megagespannt, was das nächste Jahr bringen wird…

 

Mein aktuelles Lieblingsbuch <3

Hab ich irgendwann schon mal erwähnt, dass ich unheimlich gern die Bücher von Michael Herbst lese? Jedenfalls, ich mag den Stil total.

Dieses Buch hatte ich mir eigentlich zur Vorbereitung auf meine Abschlussarbeit an der Malche zugelegt. Und ich kann es tatsächlich auch gebrauchen. Aber heute früh bei meiner privaten Lesestunde hatte ich dann so einen Aha-Effekt. Weil er genau das beschrieb, was ich empfinde, wenn ich an (nicht nur unsere) Gemeinde denke:

„Gemeinde ist mehr als ein spirituelles Schunkeln zu gefühlvoller Schlagermusik, bei der wir uns alle so eins fühlen. Gemeinde ist mehr als Würstchengrillen mit Freunden, mehr als Vereinsmeierei mit Gleichgesinnten, mehr als eine Serviceagentur für religiöse Dienstleistungen. Gemeinde ist der Ort, wo der Geist Gottes Menschen sammelt, denen das Wort von Jesus ins Herz gefahren ist, die eine Wahl getroffen haben und sich taufen ließen, die daraufhin den Reichtum von Gemeinschaft entdeckt haben, die darum ihren Besitz teilen, und deren Dasein so anziehend ist, dass immer mehr Menschen dazukommen. Darin steckt das Geheimnis: Hier, in der Nähe von Jesus, wird der Schaden geheilt, die Spaltung überwunden, der Graben überbrückt, der mein einsames Ego von all den anderen einsamen Egos trennte. Aber damit das geschieht, muss ich durch die Schule der Differenz. Ich muss da durch, dass der andere anders ist, dass der andere anstrengend ist und dass es mühsam ist mit ihm. Ich erwische mich manchmal bei dem Gedanken: ‚Ach, es wäre jetzt nicht so doof, wenn dieser andere einfach ginge.‘ Und der Herr nahm täglich hinweg, die für mich zu anstrengend geworden waren. Nein. Stattdessen fügt er noch mehr anstrengende Wesen hinzu, wie er ja auch irgendwann mich anstrengendes Wesen hinzugefügt hat.“

Ja genau das ist es. Warum schleppen wir gerade in unseren Kirchengemeinden so viele alte Kränkungen mit uns herum? Warum können wir nicht verzeihen, was vor zwanzig Jahren mal schiefgelaufen ist? Warum haben wir so viele Probleme damit, andere so zu nehmen wie sie sind?

Wer es jetzt gerade nicht so mit Kirche hat, darf sich aber auch nicht die Hände reiben. Denn in Stadträten, Parteien, Gewerkschaften….. sieht es auch nicht besser aus.

Es scheint uns leichter zu fallen, dem Mitmenschen seine vermeintlichen Übertretungen und Fehler vorzuhalten, als uns gegenseitig zu akzeptieren.

Lohnt sich unbedingt, dieses Buch genauer zu lesen!

Ein Hohelied aufs Landleben

Sowohl das Buch als auch die Wäscheklammern zeigen einen Trend. Bücher dieser Art verkaufen sich wie geschnitten Brot. Waren es in früheren Jahren Aussteigergeschichten, die in Kanada, Frankreich oder Spanien spielten, so sind es 2018 ganz viele Menschen, die sich literarisch nach Norddeutschland gezogen fühlen. Ob Friesenkrimis oder schöne Urlaubsgeschichten von Borkum im Westen bis Usedom im Osten, wir träumen uns aufs platte Land oder zu den oft tideabhängigen Inseln.

Ich glaube, wir sehnen uns nach einer Übersicht (in Ostfriesland sieht man angeblich schon morgens, wer am Nachmittag zum Tee kommt, so weit ist die Aussicht) in unserem unübersichtlichen  Alltag, nach der Verlässlichkeit der Gezeiten und nach der Unaufgeregtheit, mit der das Leben auf den Inseln gelebt wird. Ich schätze, wenn ich die ebenfalls zahlreichen Bazi-Krimis sehe, es ist in Süddeutschland ähnlich, aber mir sind die Norddeutschen näher in jeder Hinsicht.

Auch in einer (bemerkenswert für den schwierigen Markt gedruckter Presse-Erzeugnisse) wachsenden Zahl von Zeitschriften die das „Land“ mit wechselnden Namenszusätzen preisen, zeigt sich die Diskrepanz, dass immer mehr Menschen in Großstädten wohnen, aber sich nach dem Landleben sehnen. Ich weiß noch nicht, was das für die Zukunft letztlich bedeutet, denn klar ist auch: würden diese ganzen Großstadtpflanzen (ist nicht abwertend gemeint, aber auch echte Pflanzen haben ihren speziellen Lebensraum, den sie brauchen, um gut zu gedeihen) auf einmal ihre Träume wahr machen, dann wäre die Ruhe und der Ausblick in der Provinz auch futsch…

Aber wenn die vielen engagierten Autorinnen (selten Männer, wenn überhaupt, dann für die unfeinen Details zwischenmenschlicher Abgründe) dafür sorgen, dass wir zumindest per Kopfkino ein bisschen dieser Zuflucht finden, dann gerne mehr davon.

Um auf die Wäscheklammern zurückzukommen: Die habe ich mir aus ganz praktischen Gründen zugelegt, weil ich Probleme habe, die Klammern zu bedienen, die man zusammendrücken muss. Aber als ich dann in meinem Korb mit ungefähr 200 Holzklammern wühlte und die mit einem unbeschreiblichen Geräusch, das den Widerstand der nassen Wäsche wiedergab, auf die Wäschespinne steckte, das hörte sich so nach meiner Kindheit an, dass es mir einen Schauer den Rücken runterjagte…