Wir können auch anders – Maja Göpel

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Unser Fenster zur Zukunft steht weit offen. Die Menschheit befindet sich in einem gewaltigen Transformationsprozess. Unser Umgang mit Umwelt, Wirtschaft, Politik und Technologie muss von Grund auf neu gestaltet werden. Die Menge dessen, was anzupacken, zu reparieren und neu auszurichten ist, scheint übergroß. Wie finden wir Kompass, Kreativität und Courage, um diese Herausforderungen konstruktiv zu bewältigen? Und: Wer ist eigentlich wir? In der Geschichte hat es mehrere große Transformationen gegeben. Dieses Buch zeigt, wie wir daraus lernen können. Es ist Zeit, dass jeder Einzelne, aber auch die Gesellschaft als Ganzes groß denkt – und dass wir eine radikale Frage stellen: Wer wollen wir sein?

Maja Göpel, Wir können auch anders

Heute lüfte ich das „Geheimnis“ um meine aktuelle Lektüre, obwohl ich das Buch erst ungefähr zur Hälfte durchgelesen habe. Ein ganzes Bündel von Gründen ist ausschlaggebend dafür:
– Ich bin überzeugt, dass dieses Thema wichtig ist, so wichtig, dass möglichst viele sich damit beschäftigen sollten. Seit am Montag in der Ostsee munter das Gas vor sich hinsprudelt und damit massenhaft Ressourcen als ein äußerst perfides Mittel der Kriegsführung (von wem auch immer) verschwendet sowie der Umwelt immenser Schaden zugefügt werden, umso dringlicher.
– Gespräche über das Buch am Frühstückstisch
– Keiner sollte sich herausreden können mit einem „was kann ich allein denn tun?“
– ich kenne zurzeit niemanden sonst, der solche Themen so allgemeinverständlich erklären kann wie Frau Prof. Dr. Göpel
– ich möchte, dass sehr viele Leute dieses Buch lesen!
– und andere
– ein ganz anderes Thema, aber inhaltlich sehr gut dazu passend, was ich heute früh gelesen habe, liefert heute der Podcast von Markus Lanz und Richard David Precht, die sich mit Reinhold Messner unterhalten. Der erzählt unter anderem, wie heutzutage Besteigungen des Mount Everest von einer regelrechten „Bergsteigerindustrie“ angeboten werden, die mit Abenteurertum so überhaupt nichts mehr gemein haben, sondern eher Massentourismus darstellen.

Was haben Monopoly mit Goldman Sachs, Amazon mit einer Zentralheizung oder Facebook mit politischer und gesellschaftlicher Meinungsbildung zu tun? Eine ganze Menge – und das meiste davon nehmen wir in unserem Leben ganz selbstverständlich hin, ohne es zu hinterfragen.
Maja Göpel zeigt auf, wie allumfassend wir von den angeblich so altruistischen, in Wahrheit aber zutiefst monetären Zielen der großen Tech-Anbieter am Nasenring herumgeführt werden. Und zwar alle, durch die Bank. Außer vielleicht denjenigen, die sich den unendlich vielfältigen Möglichkeiten des www komplett verweigern.
Fast schon ein Treppenwitz ist es, was daraus folgt: dass häufig gerade die Menschen, die sehr viel Wert darauf legen, sich von angeblichen „Staatsmedien“, „linker Meinungshoheit“ oder ähnlich verwerflichen Strukturen nicht beeinflussen zu lassen, stattdessen aber auf „alternative“ Informationskanäle wie das Gesichtsbuch, den Messenger mit dem stilisierten Papierflieger oder den sehr beliebten Videokanal eines großen, allumspannenden Datenkraken zählen, um sich angeblich „unabhängig“ zu informieren, am allermeisten von den Algorithmen eben dieser Anbieter manipuliert werden.
(Mir kommt gerade der Gedanke, was mir wohl in die Timeline gespült wird, wenn ich sowohl links- wie auch rechtsextreme Beiträge like, Beiträge von veganen Angeboten ebenso wie die von Massentierhaltern, Industrieunternehmen mit fossiler ebenso wie regenerativer Ausrichtung etc pp. Ob ich dann wohl Verwirrung hervorrufe?)

Was ist eigentlich notwendig, damit wir wieder Freude daran haben, positive Emotionen miteinander zu teilen statt Shitstorms oder Fake News zu verbreiten? Ist es absolut alternativlos, mit guten Absichten immer wieder falsche Ergebnisse zu erzielen? Können wir es schaffen, mit optimistischen Geschichten die Welt zum Positiven zu verändern?

Diese Art Fragen an unser Denken und Handeln sind es, die Frau Göpel vorantreibt. Positiv, aber nicht toxisch positiv. Anschaulich und beispielhaft, aber nicht belehrend. Grenzen erkennen, aber nicht überschreiten. Utopie statt Dystopie. Eigentlich ist es einfach. Aber immer wieder kommt uns eine Eigenart in den Weg, die eher sieht, was nicht möglich zu sein scheint als auszuprobieren, was wir alles auf die Beine stellen können.

Die anschauliche und selbstverständliche Art, auf die Maja Göpel uns einzelnen Menschen, aber auch ganzen Gesellschaften etwas zutraut, die mag ich sehr gern. Sie ist ein Mut machender Gegenentwurf zu so manchem, der oberlehrerhaft in der Politik etwas zu sagen hat.

Absoluter Augenöffner: Die Geschichte von Tanaland

Bibliographische Angaben: Maja Göpel, Wir können auch anders, Ullstein Verlag, ISBN 978-3-550-20161-5, € 19,99

Bisherige Beiträge, die mit diesem Buch in Zusammenhang stehen:

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/09/19/renaissance/

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/09/20/was-ware-wenn-2/

Und hier noch der Link zur Besprechung ihres ersten Buches: https://annuschkasnorthernstar.blog/2020/05/01/passt-wie-ar-auf-eimer/

Was wäre, wenn…

… die feuchten Träume von Hardcore-Nationalisten in Erfüllung gingen? Wenn die Grenzen geschlossen würden, jeder Staat sich selbst der Nächste wäre, jedes Land nur mit den eigenen Ressourcen arbeiten könnte?

Überspitzt ausgedrückt würden wir uns in absehbarer Zeit wieder von Kohlgerichten, Äpfeln, Schweinefleisch und Eiern ernähren, müssten aber dann konsequenterweise die Hähnchenhälse und Schweinepfoten wieder selbst verarbeiten, statt sie nach Westafrika zu exportieren. Apfelmus im Winter statt Erdbeeren aus Spanien und Spargel aus Chilé. Frankenwein statt kalifornischer Roter. Karpfen blau statt vietnamesicher Pangasius, Muckefuck statt Arabicabohnen. Glücklicherweise sind Kartoffeln, Tomaten und Mais ja schon seit ein paar Jahrhunderten eingebürgert, immerhin. Und heizen könnten wir mit den ungezählten Pupsen von Sauerkraut und Speckbohnen (sorry, der musste sein🙈).

Auf Billigklamotten aus Bangladesh müssten wir ebenso verzichten wie auf südamerikanisches Alpakagarn, dafür gäbe es möglicherweise wieder leinenartiges Gespinst aus Brennnesseln. Da wir aber ein rohstoffarmes Land sind, hieße das auch: kein Kobalt, kein Lithium, keine Smartphones aus Südkorea. Unseren Plastikmüll (auch endlich, da wir kaum eigenes Erdöl haben) könnten wir nicht mehr ins Ausland verschachern und auch nicht die vielen Autos, die nicht mehr durch den TÜV kommen.

Solche Gedanken kommen mir beim Weiterlesen meines aktuellen Sachbuches. Und schon zum zweiten Mal bin ich ganz geflasht davon, wie mich die Autorin zum Reflektieren bringt: Schrieb ich gestern früh über die Renaissance, las ich nachmittags darüber, wie sie die Renaissance selbst als Beispiel bringt. Notierte ich mir heute in aller Frühe so ungefähr das, was ich oben schrieb, staunte ich einen Absatz später darüber, dass sie eine Studie aufführt, in der unter anderem ein ähnliches Szenario durchgedacht wird.

Jedenfalls stelle ich fest, dass ich dieses Buch am Liebsten als Pflichtlektüre für Regierung und Opposition, für so manchen „alternativlosen“ Wirtschaftsboss und viele andere Entscheider vorsehen würde. Nach bestem Leistungskursverständnis: Das lesen wir jetzt alle und dann überlegen wir gemeinsam weiter. Inklusive Erörterung, Interpretation und Sachtextanalyse. Stelle ich mir fast schon spaßig vor😉. Ob ich das dem Verlag mal vorschlage?

Renaissance

Symbolbild Mona Lisa: Pixabay

Nachdem wir als Menschheit im Großen und Ganzen ein paar Jahrzehnte des „Aufwärts“ hinter uns haben und in den letzten Jahren immer öfter erfahren mussten, dass es so nicht immer weiter gehen kann, erleben wir derzeit nicht nur Aufbruchsstimmung, das Gefühl, etwas ganz Neues („Unerhörtes“ im reinen Wortsinn) müsse jetzt kommen.

Bedauerlicherweise passiert in dieser Hinsicht tatsächlich eine Spaltung, und zwar global gesehen. Während viele junge und einige ältere Menschen darauf drängen, die Transformation der Gesellschaften hin zu nachhaltigerem Leben voranzutreiben, machen andere genau das Gegenteil: Sie wünschen sich autoritäre Obrigkeiten zurück, die den von ihnen regierten Bevölkerungen klare Kante geben. Und zwar in einer rückwärtsgewandten Art und Weise, in der sie an der Überzeugung festhalten, was vor über einem halben Jahrhundert gut war, muss auch heute gut sein. Rückbesinnung auf nationale Werte, auf anscheinend festgefügte und bestens erprobte Gesellschaftsmodelle.

Gerade in alternden Gesellschaften, wo ein überdimensional großes gemeinsames Erinnerungsnarrativ von den „guten alten Zeiten“ erzählt, ist dieses Problem vorhanden, in vielen mitteleuropäischen Ländern; aber auch da, wo überwiegend junge Gesellschaften nach mehr Wohlstand suchen für breite Gesellschaftsschichten, greifen diese Erzählungen – denn nach dem zweiten Weltkrieg hat es ja auch scheinbar funktioniert.

Das große Problem bei der Sache, der rosa Elefant im Raum, den niemand benennt: Die Welt ist nicht mehr in den 1950er Jahren. Vieles, was damals bahnbrechend, revolutionär und zukunftsträchtig erschien, hat inzwischen die hässliche Fratze seiner Nebenwirkungen gezeigt. Nebenwirkungen wie Insektensterben, Versiegelung von Lebensräumen, Ölpest, Mikroplastikansammlungen in Kontinentgröße. Die Game Changer von damals haben sich bewahrheitet, doch die Veränderungen gehen oft in die entgegengesetzte Richtung, für die sie einmal gedacht waren. Gut gedacht, aber schlecht gemacht. Das Perfekte ist der Feind des Guten. Und wir maßen uns zu häufig an, perfekt sein zu wollen. Weil Durchschnitt schon unterdurchschnittlich bewertet wird. Und weil wir in „-Ismen“ gefangen sind.

Eine echte Renaissance wäre es, sich auf Forschergeist und die radikale Lust am Neuen und Unbekannten zu besinnen. Denn zur Zeit der ersten Renaissance gab es zwar auch eine Rückbesinnung auf antike Werte, aber sie löste ein neues Denken aus. Man führte die Gedanken und Ideen der antiken Philosophen weiter, und dieses Weiterdenken und Neudenken führte zu revolutionären Neuerfindungen und -entwicklungen: Buchdruck, Reformation, humanistisches Denken…
Dinge, ohne die sich das 21. Jahrhundert kaum noch denken lässt.

Das sind Gedanken, die mir bei meiner aktuellen Lektüre durch den Kopf gehen. Gedanken, die mich schaudern lassen, die Fragen mit sich bringen:
– Haben wir keine neuen Erzählungen mehr, die uns freudig gespannt in die Zukunft blicken lassen?
– Sind wir so degeneriert oder ausgeleiert in unserem Denken, dass wir nur noch rückwärts schauen können?
– Warum ist uns die Innovations- und Gestaltungskraft abhanden gekommen, Dinge wirklich NEU zu denken und nicht nur in Abwandlungen und Dauerschleifen von „Das hatten wir schon mal, das können wir nochmal versuchen“? Und wo ist sie hin?

Aber ich habe auch Hoffnung. Hoffnung, dass sich die kleine und begrenzte Kraft von Vielen aufsummiert zu einer großen Kraft und Willensanstrengung. Zu einer Einsicht, dass Leben nur mit der ganzen Bandbreite von Natur, Schöpfung, Umwelt oder wie man es nennt funktioniert und gelingt, nicht dagegen.
Hoffnung, dass Jules Verne und andere „Phantasten“ mit ihren Visionen und Utopien nicht nur Weltliteratur, sondern auch Wirklichkeit geschaffen haben. Dass neue Erzählungen die alten ablösen werden. Erzählungen, die wirkmächtig genug sind, neue Realitäten zu schaffen.

Und mit diesem Teaser lasse ich euch in die neue Woche. Demnächst schreibe ich hier darüber, welches Buch so vielfältige und widerstrebende Gedanken in mir auslöst.

Wachgeküsste Erinnerungen

Bildausschnitt: Google Earth

Ich bin mit der Teufelskrone von Rebecca Gablé immer noch nicht durch. Teilweise liegt es am Umfang des Buches, aber teilweise auch an meiner Wissbegierde (Sachliteratur, Wikipedia und Google Earth sind meine ständigen Begleiter) – und an Urlaubserinnerungen. Im Buch geht es neben der Familie Waringham (die immer der jeweiligen Königsfamilie dient), um die Plantagenets und ihre Herrschaftszeit, nicht nur in England, sondern auch in weiten Teilen des heutigen Frankreichs, ihrer eigentlichen Heimat: Aquitanien, Anjou, Touraine und wie die schönen Landschaften heißen.

Vor fast 30 Jahren hatte mich die Faszination für diese machtbewusste und skandalträchtige Familiendynastie schon einmal erfasst, damals hatte ich Die Löwin von Aquitanien von Tanja Kinkel gelesen und ich liebte den Film Der Löwe im Winter mit Peter O’Toole und vor allem der großartigen Katherine Hepburn. Was lag also näher, als im Frankreichurlaub einige Orte zu besuchen, die sinnbildlich für diese Epoche stehen? Nach zwei Wochen Atlantikküste auf der Halbinsel Medoc fuhren wir gemächlich das Loiretal samt Nebenflüssen hinauf. Ich erinnere mich noch an einige nette Campingplätze, wie den Camping Municipal in Chinon, am Ufer der Vienne, der Burg gegenüberliegend. Den gibt es auch heute noch:

Chinon: unten Campingplatz, oben Stadt und Burgruine (Google Earth)

Außer der Burgruine von Chinon besuchten wir von dort aus auch die Abtei Fontevrault, in deren Kirche die Grabmäler von Henry II. und seiner Frau Eleonore von Aquitanien sowie deren Sohn Richard I., genannt Löwenherz ebenso liegen wie das von Isabelle von Angouleme, der zweiten Frau seines Bruders John (Johann Ohneland, Thronfolger von Richard)

Eine nicht so nette Erfahrung machten wir dagegen in Amboise: der Campingplatz liegt sehr malerisch auf einer Loire-Insel, aber da unser damaliger Wohnwagen eine Tandem-Achse hatte, durften wir nicht dort bleiben. Hätte man das mit dem leichten Sandboden und der Einsinkgefahr erklärt, wäre es uns auch noch eingeleuchtet, aber die Aussage lautete: Tandem-Achsen hätten nur die Wohnwagen von „ciganes“ (ja, wörtlich: Zigeuner!) und die wären nicht willkommen. Unsere deutschen Personalausweise galten nichts. Schon damals fand ich diese diskriminierende Haltung gegenüber den Menschen, die als billige Erntehelfer gern genommen wurden, aber ansonsten gesellschaftlich nicht anerkannt waren, mehr als grenzwertig. (Zumal wir in einem früheren Urlaub in den französischen Pyrenäen mit einer Gruppe wallfahrender Roma sehr nette Erfahrungen gemacht hatten, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.)

Als Ausgleich dafür fanden wir dann aber einen schnuckeligen kleinen Camping à la Ferme (auf dem Bauernhof), nur zwei Handvoll Stellplätze, durch Hecken abgetrennt, Sanitärgebäude war eine umgebaute Feldsteinscheune und frische Milch und Eier gab es auch. Das war in der Nähe von Chambord, welches wir natürlich auch besuchten. Ich habe nicht nachgezählt, ob es dort tatsächlich 365 Kamine gibt (für jeden Tag des Jahres einen), aber unsere beiden Töchter, die damals noch nicht in die Schule gingen, hatten einen großen Spaß an der berühmten Treppe, von Leonardo da Vinci entworfen. Diese Treppe besteht eigentlich aus zwei Treppen, die in einer Doppelhelix ineinander verschlungen sind wie ein DNA-Strang. Jede von beiden nutzte eine Treppe, sie konnten einander immer mal wieder durch Durchbrüche und Sichtfenster im zentralen Mauerwerk sehen, aber sie begegneten sich nie. Rauf und runter flitzten sie und wurden nicht müde.

Foto: Wikipedia

Wir besuchten auch noch Schloss Villandry, das französische Dornröschenschloss mit dem wundervollen Gemüsegarten, in dem Kohlköpfe, Lauch und andere Nutzpflanzen einträchtig neben üppigen Rosen wachsen. Sehr bekannt sind auch die Gärten der Liebe, die in einzelnen Bereichen die unterschiedlichen Liebesarten darstellen. Hier bei Wikipedia gibt es tolle Fotos von diesem Garten. Ich habe keine Fotos der Reisen (1996 und 1997 war das vermutlich), die ich hier präsentieren könnte, das war deutlich vor meiner Zeit der Digitalfotografie, die erst nach 2010 begann.

Ach herrje, während ich dieses schreibe, bekomme ich doch glatt ein wenig Sehnsucht, diese oder eine ähnliche Tour noch einmal zu fahren.

Parallelen

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Ich mag es kaum gestehen: Ich muss mich beeilen, diesen Wälzer von 928 Seiten noch gelesen (und teilweise gehört) zu bekommen, ehe am kommenden Dienstag das neue Waringham-Buch von Rebecca Gablé erscheint. „Teufelskrone“ ist bereits 2019 erschienen und ich hatte es mir auch direkt gekauft. Neben vielen anderen, dünneren Büchern. Und so rutschte es immer weiter nach unten auf dem SuB, weil ich Schwierigkeiten hatte, es zu halten (es wiegt ja auch dem Umfang entsprechend…), weil es aktuelle Themen gab, die es verdrängten, weil ich während meiner Erholungsphase der kaputten Beine die anderen fünf Waringham-Bücher noch mal nacheinander in der richtigen Reihenfolge las… Ich fing das Buch damals auch an, aber es war mir einfach zu schwer, um es beim Lesen zu halten. Und dann kam der Sehnenriss im Arm auch noch dazu. Kurz: Immer kam was dazwischen.

Aber nun wird Band 7 der Familiensaga erscheinen und ich beeile mich seit einigen Tagen, mein Versäumnis nachzuholen. Beim Putzen, Abwaschen oder Kochen höre ich mir das Hörbuch auf Spotify an (gelesen von Detlef Bierstedt und ich muss sagen: schon irgendwie genial, wenn „George Clooney“ die Geschichte erzählt) und abends im Bett habe ich mir ein dickes Kissen als Stütze zurechtgebastelt, das es schafft, dieses Buch so zu halten, wie ich es brauche. Ein bisschen merkwürdig war es aber schon, dass ich am Donnerstag Nachmittag gerade über den Tod von Richard Löwenherz gelesen hatte und kurz danach die Todesnachricht von Königin Elisabeth II kam. Noch merkwürdiger fühlte es sich an, am Freitag die Krönungsrede von König John zu hören und dann abends König Charles III im Fernsehen zu sehen, wie er die Gedenkrede an seine Mutter hält.

Obwohl, wenn ich an die Waringham-Bücher denke und daran, dass die Geschichte der englischen Königsdynastien dort sehr realistisch und detailgetreu erzählt werden, dann rückt sich einiges zurecht: So viel Kontinuität gab es nicht mal zu der Zeit von Elisabeth I, deren Regierungszeit in „Der Palast der Meere“ ausgebreitet wird. Und so viel Hauen und Stechen um die Nachfolge wird es dieses Mal auch nicht geben.

Die Königin ist tot, es lebe der König.

Und jetzt höre ich schnell weiter zu, wenn die Stimme von George Clooney mir über die Ränke einer lange vergangenen Zeit erzählt. Das toppt sogar den Brexit. Ein schönes Wochenende mit einem guten Buch wünsche ich euch allen.

Wieder was gelernt

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Ja, ich fahre ausgesprochen gern mit der Bahn. Immer noch, allen nicht ganz so schönen Erfahrungen zum Trotz. Klar, dass ich früher oder später auf dieses Buch stoßen würde. Über den Umweg eines Podcasts bekam ich den Impuls, mich bahntechnisch fortzubilden.

Die beiden Autoren sind schon ziemlich nah am Profibahnfahrer, und so liefern sie in diesem Buch ebenso amüsante wie kenntnisreiche Einblicke in all die verschiedenen Bereiche, aus denen vermutlich alle, die jemals in einem Zug saßen, ihre ganz persönlichen Anekdoten und Horrorerlebnisse erzählen können.
Um es gleich vorweg zu sagen: Der ganz normale Lokführer oder die ebenso normale Zugbegleiterin sind zwar oft diejenigen , die alles ausbaden müssen, was schiefläuft, aber sehr oft ist das so, als wenn in altgriechischen Mythen die Überbringer der schlechten Nachrichten geköpft wurden. Aber der bekannte Spruch „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ zeigt sich mal wieder als sehr zutreffend. Wobei der Kopf nicht immer nur der jeweilige Bahnchef ist (wobei es in den letzten Jahrzehnten so viele Luftfahrtvorbelastete gab, dass man sich fragt, ob es da Verträge gibt oder Ein- und Ausflugschneisen), sondern auch jemand anderes sein kann, der für einen bestimmten Bereich Verantwortung trägt, aber nur in der Theorie, weil er die dahinterstehende Praxis nie kennengelernt hat. Fehlplanungen, merkwürdige Investitionspolitik, großkopferte Projekte (vor 4000 Jahren hätten die Verantwortlichen vermutlich Pyramiden gebaut…)

Ein Schelm übrigens, wer dabei einen bestimmten Posten in der Bundespolitik im Hinterkopf hat, oder?

Auf jeden Fall weiß ich jetzt auch, was es bedeutet, wenn der Zug nicht starten kann, weil der Lokführer fehlt: der hat dann nicht etwa den Wecker verschlafen, sondern meistens den Zug zu seinem Einsatzort nicht bekommen. Oder musste bei der Anfahrt per Bahn auf offener Strecke warten, weil ein anderer verspäteter ICE durchgelassen werden musste.
Ich habe mich kopfschüttelnd durch das echt gruselige Kapitel über die Warenwirtschaft in Bordbistros gelesen und frage mich, warum es nicht wenigstens Tomatensaft in ausreichender Menge gibt, weil …, Luftfahrterfahrung, nicht wahr?

Und ich bin masochistisch genug, auch weiterhin auf die deutsche Bahn zu setzen, aber mich vielleicht ein bisschen mehr als bisher auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Weil ich alle diese schrägen Bahnfahrer, die im Buch genüsslich beschrieben werden, auch mal sehen möchte. Denn einige der Stereotypen kenne ich noch nicht aus eigener Anschauung. Ob ich weiß, was ich mir da zutraue -mute, werde ich dann irgendwann mal berichten.

Bibliographische Angaben: Mark Spörrle/Claas Tatje, Tschusing Deutsche Bahn today, Lübbe Verlag, ISBN 978-3-431-05015-8, € 14,90

Wo die Liebe Urlaub macht

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Das Cover sprach mich an, als ich durch Netgalley stöberte. Es sieht so wunderbar idyllisch aus. Außerdem gestehe ich, ich habe auch schon Filme nach Katie-Fforde-Romanen im ZDF Sonntagskino gesehen. Dabei kann man ganz entspannt Sudokus machen oder Socken stricken, die netten Landschaftsaufnahmen von neuenglischen (warum spielen die Filme eigentlich immer in den USA, wenn ihre Bücher in England beheimatet sind🤔?) Wäldern, Hügeln oder Häfen genießen und muss sich nicht allzu sehr auf den Plot konzentrieren. Und ich brauchte die absolute, größtmögliche Abwechslung, nachdem mich die Lektüre von Countdown so heftig in einen Abwärtsstrudel gezogen hatte.
Also sagte ich mir „Why not?“ und buchte die literarische Auszeit in die Cotswolds, die wildromantische Gegend im Herzen Englands, die ich bereits historisch aus den Rebecca-Gablé-Romanen kenne und liebend gern auch mal „in Echt“ kennenlernen würde.

Ich brauchte eine Zeit, in die Handlung hineinzufinden. Auf zwei Ebenen wird von Mutter und Tochter erzählt, das heißt, es gibt nicht nur eine Protagonistin, sondern zwei. Die Mutter Gilly führt ein kleines, aber feines B&B, die Tochter Helena ist Kunsthandwerkerin. Beide eint nicht nur ihr gutes Verhältnis zueinander, sondern auch eine möglicherweise notwendige Suche nach einem neuen Dach über dem Kopf. Helena hat Wohnung und Weberwerkstatt auf einem Gehöft mit neuem Besitzer, der dort umbauen will; Gilly soll auf den dringenden Wunsch ihres Sohnes (also Helenas Bruder) ihr Haus verkaufen, damit er und seine Frau in ein herrschaftliches Anwesen investieren können, wo er seiner Mutter eine kleine Einliegerwohnung samt Nanny-Pflichten anbietet. (Ach nee…) Und dann tritt ein windiger Immobilienbewerter auch noch gerade im richtigen Moment auf die Bühne. (Ein Schelm, wer böses dabei denkt!) Im ersten Drittel des Buches wusste ich nie so recht, auf welchen der männlichen Darsteller ich am meisten sauer sein sollte.

Wie das so ist bei dieser Art Bücher, alles klärt sich beizeiten, nicht ohne zu Herzen gehende Umwege und tragische Ereignisse. Ah, ich merke gerade, dieser Satz hört sich abwertender an als er gemeint ist. Das Buch lässt sich durchaus flüssig lesen, nur kam mir persönlich so manches sehr konstruiert vor (naja, war es ja auch) und es hat mich auch gut abgelenkt von allem, was mir im Real Life auf den Keks ging, es hat also den Zweck, zu dem ich es gedacht hatte, erfüllt.

Bibliographische Angaben: Katie Fforde, Wo die Liebe Urlaub macht, Bastei Lübbe Verlag, ISBN 978-3-404-18771-3, € 10,99

Nachts im Kanzleramt

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Koalitionsverhandlungen, Klimawandel, Corona-Krise: Politik ist überall. Wer aber Zusammenhänge verstehen, den täglichen Nachrichten folgen oder gar das Geschehen beeinflussen will, muss wissen, wie Politik funktioniert, was sie bewirkt, wo sie scheitert und warum. Die bekannte ZDF-Nachrichtenmoderatorin Marietta Slomka kennt sich mit dem deutschen Politikbetrieb bestens aus. Viele politische Ereignisse begleitet sie journalistisch aus großer Nähe. In diesem Buch erklärt sie die wichtigsten Grundlagen der Politik. Was sind die Voraussetzungen einer funktionierenden Demokratie? Warum wird um politische Entscheidungen so oft bis in die frühen Morgenstunden gerungen? Welchen Nutzen hat die Europäische Union? Was für Wechselwirkungen gibt es zwischen Politik und Wirtschaft? Und welche Rolle spielen bei all dem die Medien? Marietta Slomka zeigt, wie Politik gemacht wird und was man wissen muss, um sie zu verstehen. Sie erklärt, was Politikerinnen und Politiker tun, wie politische Institutionen arbeiten und verbindet dies mit spannenden Einblicken in den politischen Alltag. Schnell, kenntnisreich und mit jener Prise Ironie, die man auch aus ihren TV-Interviews kennt, bietet sie Gedankenfutter für alle Generationen. Ergänzt wird das Buch durch die witzigen Cartoons von Mario Lars.

Marietta Slomka, Nachts im Kanzleramt, Über dieses Buch

Ein Buch, das nehme ich gleich vorweg, das sich Politik- oder Gesellschaftskundelehrende ganz oben auf ihre Leseliste setzen sollten. Und natürlich dann auch lesen, nicht liegen lassen😉. Herrschaftssysteme, von der Demokratie bis hin zur Diktatur, Parteienlandschaften, Aufgabenverteilung und vieles mehr erklärt sie quasi ganz im Vorübergehen. Auf eine sympathische, manchmal augenzwinkernde und selbstverständliche Weise, ohne große Verständnisbarrieren. Und damit vermutlich einprägsamer als in der Schule!

Gleich zu Beginn erläutert sie zum Beispiel den sperrigen Begriff „Aufmerksamkeitsökonomie“ kurz und knackig. Und endet bei ihrer Erklärung mit

Wer besonders laut schreit, wird eher gehört. […] Solche Verzerrungen in der Wahrnehmung gibt es im Internet noch stärker. Wer extrem sauer ist oder zumindest extrem überzeugt und engagiert, postet viel auf Social Media oder in Kommentarspalten und nimmt gerne an Shitstorms teil. Wer nicht so leidenschaftlich angetrieben wird, hat dazu meist keine große Lust. Radikale Minderheiten bekommen so sehr viel mehr Raum …

dto, in meinem eBook S. 17/293

Joa. Isso.

Was mir übrigens auch sehr gut gefällt am Buch, sind die wahnsinnig treffenden kleinen Cartoons (von Mario Lars), als kleinen Teaser zeige ich euch hier einmal den zum Thema Demokratie, der das demokratische Dilemma sehr schön zeigt:

Aber auch Vor- und Nachteile anderer Staatsformen wie Sozialismus und Kommunismus (und den Unterschied zwischen den beiden, die so häufig in einen Hut geworfen werden), Autokratie oder Diktatur erklärt Frau Slomka so sachlich wie anschaulich. Auch eine klare Definition des augenblicklich von verschiedenen Seiten inflationär eingesetzten Begriffes des Faschismus liefert sie, die man sich dringend merken sollte, um nicht auf irgendwelche Bauernfänger hereinzufallen, die jedes ihnen missliebige Handeln mit diesem Kampfbegriff betiteln.

Herzhaft lachen musste ich beim Abschnitt „Parteien: Braucht man die oder können die weg?“ Warum? Verrate ich nicht, das wäre spoilern und ich möchte doch so gern, dass ihr das selber lest…😁

Insgesamt gibt es einen unterhaltsamen und gleichzeitig lehrreichen Rundumschlag zu vielen Themen, die uns alle, jung oder alt, konservativ oder progressiv, in allen Spektren der Gesellschaft, angehen.
Wer mitreden – und noch wichtiger – mitentscheiden möchte, kann sich hier die Grundlage des Handwerkszeuges holen. Differenzierend, abwägend und zum Nachdenken anregend, so empfinde ich das Buch. (Und wer Spotify nutzt, kann es sich dort auch anhören, im O-Ton der Nachrichtenfrau, wie von ihr gewohnt leicht ironisch und mit einem Augenzwinkern.)

Ein besonderes Schmankerl: Schlagworte und Fachbegriffe, über die man bei der täglichen Nachrichtensendung oder in der Presse mitunter ein bisschen stolpert, werden als „Insider“-Einschübe gesondert erklärt.

Der Inhalt für Wissbegierige kurz angerissen…

Wer noch ein Geschenk für Studien- oder BerufsanfängerInnen sucht, ist hiermit gut bedient. Aber es eignet sich ebenso als Wink mit dem Zaunpfahl für Leute, die ihre Halbbildung gern in alle Richtungen verschleudern😎 oder aber zur Befriedigung der eigenen Neugierde, wie das nochmal alles so funktioniert mit Politik und Gesellschaft. Von mir volle Punktzahl.

Bibliographische Angaben: Marietta Slomka, Nachts im Kanzleramt, Verlag Droemer Knaur, ISBN 978-3-426-27871-0, € 20,- (oder bei Argon als Hörbuch)

Einsame Entscheidung – Lost in Fuseta

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Warum nicht mal Portugal? Klingt nach einem Sommerurlaubsersatzkrimi, so ähnlich dachte ich es mir, als ich bei Netgalley auf das Buch stieß. Außerdem haben wir in der Buchhandlung eine kleine, aber feine und wachsende Fangemeinde für die Reihe. Und es machte mich neugierig, dass hier ein Kriminaler ermittelt, der Asperger-Autist ist. Auch wenn es gerade im TV inzwischen einige Serien gibt, bei denen ASS*-betroffene Menschen gespielt werden, sind es dort doch meist die Analysten im Innendienst, die auf Inselbegabungen zurückgreifen können. Oder Annette Frier als „Ella Schön“.

Ein bisschen Mühe hatte ich, hineinzukommen in die Geschichte, weil „Einsame Entscheidung“ mein erster Versuch mit der Reihe „Lost in Fuseta“ ist. Mea culpa. Aber nachdem ich die Personen erstmal kennengelernt hatte und auch die Story immer mehr Fahrt aufnahm, konnte ich nicht mehr aufhören.
Was mir sehr gut gefallen hat, ist die Verstrickung mit dem „Gewächshaus Europas“ in Spanien und den menschenverachtenden Methoden der Profiteure. Intensiv genug, um eine gewisse Aktualität und Spannung zu bringen, aber nicht so ausführlich, dass die Leser sich erzogen fühlen.
Insgesamt eine fintenreiche Geschichte mit vielen Haken, außerdem sehr facettenreiche Hauptakteure. So muss das sein.

Bibliographische Angaben: Gil Ribeiro, Einsame Entscheidung, Kiepenheuer & Witsch, ISBN 978-3-462-00102-0, € 17,-

*ASS – Autismus-Spektrum-Störung

Sommer in Himmelblau

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Dieses Buch habe ich nicht als Leseexemplar bekommen, sondern, man höre und staune, ganz konventionell gekauft. Weil ich auf Instagram über den Piper-Verlag auf die Autorin und den Titel aufmerksam wurde. Und weil mir gefiel, was ich las, weil es sich nach Entspannung anhörte und mich an unseren letzten Campingurlaub in Bayern vor vier Jahren erinnerte.

Aus dem weltoffenen Hamburg, aus dem Big Business des Marketing ins tiefste Bayern auf einen alten, wunderschön gelegenen, aber heruntergewirtschafteten Campingplatz. Diesen „Kulturschock“ erleidet Milena, Karrierefrau mit klarem Ziel, als sie von ihrer Großtante deren Campingplatz am Walchensee erbt. Neben dem schlechten Gewissen, dass sie ihren Job immer als wichtiger empfand als einen Besuch bei dieser Tante, obwohl sie wunderbare Sommer als Kind bei ihr verbracht hatte, führt aber auch ein beruflicher Tiefschlag dazu, dass sie sich ihr Erbe zumindest ansehen will und eine Auszeit nimmt.

Dort angekommen, stellt sich heraus, dass es Bedingungen für das Erbe gibt, und Investitionen gehören dazu. Milena lässt sich auf das Abenteuer ein und stellt fest, dass auch alternative Lebensentwürfe ebenso wertvoll sind wie eine stringent verfolgte Karriere.
Natürlich gibt es einen fiesen Antihelden in der Geschichte, der ein bisschen Schärfe hineinbringt und es der geneigten Leserin sehr leicht macht, ihn nicht zu mögen.
Auch wenn die Story an manchen Stellen etwas vorhersehbar ist, tut das dem Lesevergnügen keinen Abbruch, wozu vor allem die sympathischen Personen und das Lokalkolorit beitragen. Außerdem habe ich die spürbar langsamer tickenden Uhren in der bayerischen Provinz tatsächlich als wohltuende Entschleunigung empfunden und immer wieder auch Kopfkino im Hintergrund gehabt, weil wir auf einem Tagesausflug während des oben angesprochenen Urlaubs auch den Walchensee von oben (vom Herzogstand aus) genießen konnten. Das Farbspiel des Sees, das im Buch immer wieder beschrieben wird, ist auch in der Realität so grandios, da das klare Wasser in Verbindung mit dem kalkigen Untergrund je nach Sonnenstand auch gern mal an die Karibik erinnert.
Leider habe ich kein Foto davon gemacht, vermutlich, weil es an dem Tag so voll auf dem Herzogstand war, dass ich ständig fremde Köpfe im Bild gehabt hätte.

Das Buch habe ich jedenfalls sehr genossen und es hat auch ein kleines bisschen Sehnsucht nach den Bergen in mir geweckt, obwohl mein Herz natürlich weiter für die Küste schlägt. Abwechslung muss mal sein. Wenn auch „nur“ literarisch.

Bibliographische Angaben: Lorena Schäfer, Ein Sommer in Himmelblau, Piper Taschenbuch, ISBN 978-3-492-50614-4, € 15,-

Countdown -Teil 7

Am Sonntagmorgen habe ich mir die Ruhe und die Laune vermiest, indem ich weitergelesen habe. Es ging im gelesenen Kapitel vor allem um globale (Klima-)Gerechtigkeit. Denn das Klima wirkt global, Emissionen machen nicht an politischen Grenzen halt und es ist auch ganz klar, dass am meisten unter den Klimafolgen bisher die Länder leiden, die am wenigsten zu den Problemen beigetragen haben. Allerdings sind es autokratisch regierte Nationen wie China und Russland, die am meisten auf der Bremse stehen, wenn es zum Beispiel um den Meeresschutz in der Antarktis geht (Stichwort: Bodenschätze). Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es ziemlich mittelmäßig ist, dass wir immer wieder mit dem Finger auf China zeigen, wenn die Produkte, die dort unter klimaschädlichen Voraussetzungen hergestellt werden, in Mitteleuropa konsumiert werden.

Wir verharren im „Wird schon nicht so schlimm werden“, wenn es um das globale Klima geht, das eindeutig aus dem Ruder gelaufen ist. Warum eigentlich? Wenig Sichtbarkeit (außer bei konkreten Ereignissen, wo dann aber trotzdem beschwichtigt wird), wenig Vertrauen der Staaten untereinander, die Einstellung „Ich bewege mich erst, wenn die anderen das auch tun“ (die dazu führt, dass sich keiner bewegt) und dann kommt ein großartiger Satz, der einem aber das ganze Dilemma vor Augen führt:
„Der deutsche Neurowissenschaftler Henning Beck, der sich auch mit dem Klimawandel beschäftigt hat, argumentiert damit, dass man die Zukunft nicht spüren kann, und deswegen sei sie den Menschen egal. (S. 162/287 eBook)
Besser kann man das Trauerspiel nicht in einem Satz ausdrücken.

Latif fährt fort:
„Die Zukunft würde im Gehirn einer Art „Downgrade“ unterliegen, so Beck, es sei denn, man kann die Zukunft im Gehirn real werden lassen. Meine eigene Erfahrung sagt mir, dass die Zukunft zum Beispiel durch Kunst in den Köpfen erzeugt werden kann, etwa durch Musik, Theater, Malerei oder auch Bildhauerei. Oder durch spannende Filme und Erzählungen, die eine positive Zukunftsvision transportieren. Das funktioniert. Man erreicht zwar nur vergleichsweise wenige Menschen und oftmals gerade diejenigen, die man gar nicht mehr davon überzeugen muss, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit das Leben der Menschen bestimmen sollte. Trotzdem sind diese Dinge wichtig, weil die, die man erreicht, wichtige Multiplikatoren sind.“ (S. 163/287)

Bei diesen Sätzen geht meine Erinnerung mal wieder spazieren. Ich sehe eine deutliche Parallele zu Büchern und Filmen aus den Genres Fantasy und Science Fiction, gerade aus den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts: viele dieser Geschichten spielen in der Zukunft, wobei die Welt durch eine große Katastrophe lange unbewohnbar war. Der Aufbau neuer Zivilisationen, meist mit mittelalterlichem Standard oder auch das auf ganz niedrigem zivilisatorischen Niveau stattfindende Überleben vereinzelter Menschen trägt Filme wie „Waterworld“, „Mad Max“ oder „The Day after“, Buchreihen wie „Shannara“, „Die Drachenreiter von Pern“ und viele andere. Der Entstehungsepoche geschuldet wird meist eine Atomkatastrophe vorausgesetzt, aber im Endeffekt spielt dieses Detail die kleinste Rolle.


„Umgekehrt scheint es verhängnisvollerweise einfacher zu sein. Der ehemalige Präsident der USA, Donald Trump, hat es geschafft, mit Lügengeschichten Massen gegen den Klimaschutz zu mobilisieren. Wie also können wir breite Schichten der Bevölkerung dafür gewinnen, für einen Klimaschutz zu sein, der seinen Namen verdient? Beim Impfen hat bei einigen die Aussicht auf eine Bratwurst geholfen. Was aber ist das Pendant zur Bratwurst bei der Bewältigung der Klimakrise? Hierauf haben wir keine Antwort, zumindest keine, die bisher in der Praxis funktioniert hätte. Eines scheint mir jedoch glasklar zu sein: Wenn wir nicht die allermeisten Menschen für die Überwindung der Klimakrise gewinnen, indem sie merken, dass sie selbst oder die Gesellschaft von den notwendigen Veränderungen profitieren, werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen. Ohne eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen werden wir nicht weit kommen.“ (S. 163/287)

Warum fehlt die breite Akzeptanz, und ich möchte hinzufügen, nicht unbedingt in der Bevölkerung, sondern zunächst mal in konventioneller Politik und Ökonomie? Es wird vor allem darauf geschaut, was es heute kostet, etwas zu tun. Dass es viel teurer wird, und zwar in jeglicher Hinsicht, wenn das „Tun“ ständig verschoben wird, das stört viele vermutlich vor allem deswegen nicht, weil sie mit den Folgen nicht mehr (lange) leben müssen. Und weil den Menschen, die sich heute schon einschränken müssen bei der gesellschaftlichen Teilhabe, immer nur vorgerechnet wird, was alles nicht mehr gehen wird, und das ist perfide und unredliche Bauernfängerei noch dazu.

Mit diesen niederschmetternden Gedanken werde ich jetzt erstmal dieses Lesetagebuch beenden. Ich habe lange darüber nachgedacht, ich werde auch das Buch weiterlesen, aber ich brauche jetzt eine große Pause davon. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen gemerkt, dass die ganze Dringlichkeit, die in der Thematik steckt, gemeinsam mit dem Unverständnis, wie man so dermaßen den Kopf in den Sand stecken kann und allem anderen, was mich sowieso auch noch beschäftigt hält, mich einfach zu sehr runterzieht. Ich brauche Tapetenwechsel.

Sommer an der Schlei

|Werbung, unbezahlt|

Aufmerksame MitleserInnen fragen sich jetzt vielleicht: „Wie bitte? Hat sie nicht ihren Urlaub abgesagt?“ Ja, hat sie. Das hindert aber nicht daran, zumindest lesend ein bisschen Urlaubsfeeling zu suchen.

Ich bin ganz ehrlich: Ganztags arbeiten in der Buchhandlung fordert mich ganz anders als es die langen Jahre im HomeOffice getan haben. Obwohl ich es nach wie vor sehr gern mag, mit den unterschiedlichsten Kunden zu tun zu haben, Schaufenster zu dekorieren, den Geruch von Büchern um mich zu haben.
Dazu die herausfordernde weltpolitische Lage, meine Lektüre des „Countdown“ und einige andere, private Sachen halten außerdem meinen Kopf auf Trab und fordern mich heraus.

Aber nun zum Buch:
Hanna besucht mit ihrem alten Hund Balu nach einigen privaten Querelen das Haus ihres verstorbenen Vaters an der Schlei, um dort zur Ruhe zu kommen und auch, um den Hausstand aufzulösen. Womit sie nicht gerechnet hat, ist der Zusammenhalt des Dorfes, in dem sie ohne weiteres als Einheimische aufgenommen wird, weil sie dort aufgewachsen ist, wenn sie auch später nach Hamburg ging. Alte Kontakte werden erneuert, sie entdeckt Gegend und Menschen neu, kommt einigen Ungereimtheiten aus dem Leben ihres Vaters auf die Spur. Das Leben geht nicht immer geradeaus, so passiert auch einiges in diesem Sommer, das Hanna zum Stolpern und Nachdenken bringt, über ihren Vater, aber auch über sich selbst, ihre Prioritäten im Leben, die Chancen und Risiken eines Neuanfangs.

Für mich war es einmal mehr das richtige Buch zur richtigen Zeit. Ich fühlte mich gut unterhalten, konnte schmunzeln, manche Träne verdrücken, ein wenig durchatmen und entspannen. Sehr schön fand ich, dass die Protagonistin Hanna (so wie ich auch) keine jugendliche Heldin ist, sondern mit Wechseljahren, eingefahrenen Routinen und anderen Unwägbarkeiten zu tun hat, die Mütter (fast) erwachsener Kinder nun mal so mit sich herumschleppen.

Kurzum: ein kleiner Urlaub für die Seele war dieses Buch allemal für mich.

Bibliographische Angaben: Inken Bartels, Ein Sommer an der Schlei, Rowohlt Taschenbuch Verlag, ISBN 978-3-499-00767-5, €12,-

PS: Nur für Buchvorstellungen habe ich einen neuen Instagram-Account: @annuschkasbuecherkiste 😊📚

Countdown – Teil 6

Vorab: Es geht immer noch zäh voran mit dieser Lektüre. Einen Roman hätte ich möglicherweise schon in die Ecke gepfeffert. Obwohl, vielleicht auch nicht, denn das langsame Vorankommen hat nichts damit zu tun, dass ich mit dem Text fremdele, eher im Gegenteil. Ich habe beim Lesen einfach unheimlich viele Assoziationen und es kommen mir zusammen mit dem, was in der Welt aktuell los ist, sehr viele „Seitengedanken“.
Heute früh zum Beispiel schaute mein Mann nach dem Frühstück ins „Morgenmagazin“ und als ich dazukam, wurde gerade der sächsische Ministerpräsident interviewt.

Abgesehen davon, dass es schon einiges an Ignoranz und gleichermaßen Chuzpe verlangt, 16 Jahre lang die Haupt-Regierungspartei gestellt zu haben und ein Dreivierteljahr nach der Abwahl alles, was gerade nicht so gut läuft (vor dem Hintergrund eines barbarischen Krieges in der Nachbarschaft, der uns „erst“ – sorry, das klingt schiefer als beabsichtigt – seit einem Vierteljahr in Aufregung hält) der Nachfolgeregierung in die Schuhe zu schieben, den Atomausstieg mal wieder in Frage zu stellen (ohne die Einwände wie abgebrannte Kernelemente, dadurch geringere Reaktorsicherheit, Uranvorkommen sitzen wo? Richtig, Russland! und andere Argumente in Erwägung zu ziehen), aber seit 11 Jahren AKW-Ausstiegsbeschluss die erneuerbaren Energien ausgebremst zu haben – BOAH!!!

Durch diesen Monstersatz müsst ihr nun durch, ich bin so auf der Palme, da kann ich nicht anders schreiben.
Ich glaube, ich erwähnte es schon, den seriösen Wissenschaftlern wird zum Verhängnis, dass Wissenschaft natürlicherweise mit Ungewissheiten zu tun hat. Was zum Teil daran liegt, dass manche Elemente der Natur eine gewisse Unberechenbarkeit haben, aber auch die Voraussetzungen der menschlichen Gesellschaft sich immer wieder ändern. Der Krieg in der Ukraine ist zum Beispiel nicht nur zwischenmenschlich absolut schädlich, sondern auch eine gigantische Ressourcenverschwendung/-vernichtung!

Aber, und jetzt folgt mal wieder ein Zitat aus dem Buch, das zum Nachdenken anregt:
„Dass es Grenzen der Vorhersagbarkeit gibt, kann aber kein Grund dafür sein, nicht alle Anstrengungen zu unternehmen, um die globale Erwärmung auf niedrigem Niveau zu begrenzen. Ganz im Gegenteil! Wir müssen das Undenkbare denken und danach handeln. Das lehren uns die letzten Jahre, wo wir immer wieder von extremen Wetterereignissen überrascht worden sind.“ (S. 121/187 eBook)

Das fällt uns schwer. Das verbannen wir gern in ein Genre, welches „Science Fiction“ genannt wird, oder „Dystopie“. Künstler aller Art, ob Filmemacher, Schriftsteller, Maler oder auch Musiker, haben offensichtlich weniger Probleme damit als Politiker und Ökonomen.
Beim Zähneputzen heute kam mir der Gedanke, dass so mancher Naturwissenschaftler sich mit seinen Erkenntnissen vermutlich ähnlich fühlt wie ein moderner Galileo Galilei: Was nicht in den Kram passt, wird geleugnet. Stattdessen wird davon gesprochen, dass der Mensch sich an die neuen Gegebenheiten anpassen solle.

Finde den Fehler: wenn davon die Rede ist, dass wir unsere Wohnungen und Büros im kommenden Winter ein bis zwei Grad weniger aufheizen, um Gas zu sparen, dann ist von Mietervereinen, Gewerkschaften etc. der Aufschrei groß. Das ginge ja nun gar nicht, dass wir für „den Frieden frieren“ sollen. Wie dekadent ist das denn? Was sollen die Menschen in den Kriegsgebieten davon halten? Hier wird die relativ geringe Anpassung (Pullover, dicke Socken, Sofadecke gibt es ja auch noch) rundweg ausgeschlagen. SchülerInnen und Lehrpersonal, Einzelhandelskaufleute und was weiß ich noch durften mussten den letzten Winter allerdings frieren, LÜFTEN GEGEN CORONA, da war das angeblich „alternativlos“.

Finde den nächsten Fehler: „Und auch der menschliche Körper kann sich nicht an ein extrem warmes Klima anpassen. Wie will man sich, frage ich Sie, an Temperaturen von weit über 40 Grad Celsius anpassen, die an die 50 Grad Celsius heranreichen oder in den nächsten Jahren vielleicht noch über die 50-Grad-Marke steigen? Der menschliche Körper ist dafür nicht geschaffen. Der Klimawandel ist zuallererst eben auch ein enormes Gesundheitsrisiko, worin ein bisher wenig beachteter Aspekt in der Debatte über die globale Erwärmung besteht. Schon länger warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer medizinischen Katastrophe durch den Klimawandel. In einem offenen Brief, der kurz vor Beginn der 26. Weltklimakonferenz veröffentlicht wurde, die in Glasgow im Herbst 2021 stattgefunden hat, heißt es: „Die Verbrennung fossiler Brennstoffe bringt uns um. Der Klimawandel ist die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit. Niemand ist vor den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels sicher, aber die Schwächsten und Benachteiligten sind unverhältnismäßig stark betroffen.“ (S. 125/187)

Ich kann nicht anders als mich dieser Einschätzung des Autors anzuschließen:
„Deswegen ärgere ich mich maßlos, wenn in der Diskussion über die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen immer wieder Stimmen laut werden, nach denen es doch „vernünftiger“ wäre, weil weniger teuer, sich einfach anzupassen, anstatt die notwendigen Schritte zur Begrenzung der globalen Erwärmung zu gehen, sprich die Treibhausgasemissionen zu senken. Das kommt einer Verhöhnung der bisherigen Opfer des Klimawandels gleich und ist respektlos gegenüber den armen Ländern, die am stärksten unter der globalen Erwärmung leiden und kaum die Möglichkeiten zu einer Anpassung haben, weder finanziell noch technologisch. Die globale Erwärmung weiterlaufen zu lassen, ohne sich gegen sie zu stemmen, wäre gegenüber den zukünftigen Generationen ohnehin nicht zulässig, weil deren Einverständnis nicht eingeholt werden kann. Sie werden mir sicherlich zustimmen, dass die Menschen, die noch nicht geboren sind, mit Sicherheit mit einem „Weiter so wie bisher“ nicht einverstanden wären. Die Klimafrage ist deswegen zuallererst auch eine Frage der Gerechtigkeit, zwischen den Ländern, zwischen Arm und Reich und zwischen den Generationen.“ (S. 128f./187)

Mit diesen, zugegeben etwas bitteren Worten lasse ich euch nun eure eigenen Gedanken machen. Die Arbeit ruft gleich. Zurzeit nutze ich übrigens das 9 €-Ticket, bin ganz begeistert und habe auch schon nach einem Anschluss-Abo gesucht, wenn das ausläuft. Ich sach‘ mal: Es ist kompliziert… (Stichwort: Tarifdschungel der Verkehrsverbünde…)

Countdown- Teil 5

Als ich heute früh wach werde, höre ich ein leises Rauschen vor dem Schlafzimmerfenster: es regnet, richtig schön. Richtig schön bedeutet: es pladdert nicht mit viel Druck, sondern es ist ein gleichmäßiger Landregen, wie aus dem Rasensprenger. Im Radio machen die Moderatoren Witze über das Wetter. Ehrlich gesagt, denke ich spontan, ich führe inzwischen lieber Unterhaltungen über Glaubensfragen als Smalltalk übers Wetter zu halten. Ist unverfänglicher…

Landwirten gestehe ich augenblicklich einen zwiespältigen Blick zu: denn während Herbstkulturen wie Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben von dem Regen profitieren, ist es natürlich blöd für die gerade begonnene Getreideernte, dass es heute nicht trocken ist. Aber im Großen und Ganzen brauchen wir den Regen.

Aber nun zum Buch: Habe ich schon über Extremniederschläge, Dürreereignisse und den Jetstream gelesen, so kommt es jetzt zu dem, was uns Menschen offensichtlich Probleme beim Verständnis bereitet: Zusammengesetzte Ereignisse, also die unterschiedlichen Kombinationen von scheinbar gegensätzlichen Wetterereignissen. Die machen alle Vorhersagen unberechenbar.
Es ist übrigens nach dem, was ich bisher gelesen habe, ein grundlegendes Problem, dass die Art, der Zeitpunkt und das konkrete Aussehen von Kipppunkten zurzeit noch kontrovers diskutiert werden. Das hat zur Folge, dass sehr viele Menschen sich denken, solange es nicht restlos zweifelsfrei bewiesen und auch nicht tatsächlich eingetroffen ist, brauchen wir noch nichts tun.
Und das ist ein Trugschluss. Denn egal, was passieren wird: es wird dann unumkehrbar sein.

Oder hat es schon mal irgend jemand gesehen, dass ein bereits einstürzender Jenga-Turm sich plötzlich spontan wieder aufrichtet?

Wir beklagen lieber wortreich relativ kleine Eingriffe in angebliche „Freiheitsrechte“, als uns damit auseinanderzusetzen, dass unweigerlich ein Punkt in erreichbare Nähe rückt, an dem uns die Entscheidungsgewalt entgleitet. Wir riskieren die Freiheit unserer Kinder und Enkel um unserer eigenen Bequemlichkeit willen.
Das hat etwas von kindlichem Augenzuhalten: Wenn ich etwas nicht sehe, dann kann es mich auch nicht sehen (respektive passieren).
Zugleich stampfen PS-Junkies in den sozialen Medien verbal mit den Füßen auf, bestehen auf ungebremstem Rasertum und kommen sich dabei offensichtlich wichtig, erwachsen und stark vor. – Wer sagt es ihnen?

Ja, es gibt tatsächlich Gründe, schnell zu fahren: Mit Blaulicht und Martinshorn, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht. Phallus-Ersatz (Viagra auf vier Rädern?) dagegen gehört nicht dazu.

Übrigens, ich halte es für sehr seriös, dass Mojib Latif bei allen Szenarien, die er beschreibt, auch immer wieder darauf hinweist: es gibt Unsicherheiten. Nicht alles lässt sich genauestens vorhersagen oder berechnen. Natürlich nicht, denn viele Komponenten, wie zum Beispiel wirtschaftliche Entwicklungen, aber auch das Verhalten eines jeden Einzelnen, liegen noch vor uns.
Aber Politik und Wirtschaft sowie auch ein großer Teil der Menschheit können nur schwer mit Unwägbarkeiten umgehen. Man wünscht sich Planbarkeit und Eindeutigkeit.
Ich habe allerdings in der letzten Zeit einige Bücher von Latif gelesen, auch solche, die er schon ganz am Anfang des Jahrtausends geschrieben hat. Seine Trefferquote der Szenarien ist beachtlich hoch.

Zum Schluss dieses Tagebucheintrages möchte ich eines zu bedenken geben, worauf Latif im Buch hinweist, und diese Bemerkung geht vor allem an die Leute, die mit der FDP glauben, Technologie wäre der Schlüssel:

„Gestatten Sie mir eine Bemerkung zu den negativen Emissionen. Die Simulationen mögen den Eindruck erwecken, als ob das 2-Grad-Ziel leicht zu erreichen sei. Doch das wäre ein großes Missverständnis. Denn in den entsprechenden Szenarien sind bereits negative Emissionen enthalten. Damit wird implizit davon ausgegangen, dass in einigen Jahrzehnten technologische Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um große Mengen an Treibhausgasen wieder aus der Atmosphäre zurückholen, und zwar mehr, als in sie emittiert wird. Nur gibt es diese Technologien bislang gar nicht. Ohne die negativen Emissionen ist die Welt tatsächlich auf einem Kurs, der eine globale Erwärmung von etwa 3 Grad Celsius bedeuten würde. Die Menschen sind also schon längst eine Wette auf die Zukunft eingegangen. Außerdem könnten die Verfahren zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre andere gewaltige Umweltprobleme verursachen. (auf meinem Reader S. 116/287)

Was bisher geschrieben wurde:

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/06/23/neues-lesetagebuch-countdown/

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/06/25/countdown-teil-2/

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/06/29/countdown-teil-3/

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/07/03/countdown-teil-4/

Countdown – Teil 4

Heute zeige ich euch endlich mal das Cover des Buches:

Die vor sich hin dampfende Erde…

Ein bisschen muss ich mich entschuldigen. Ein Tagebuch sieht eigentlich anders aus. Meine Beschäftigung mit diesem Buch ist allenfalls ein Alle-paar-Tage-Buch. Das liegt daran, dass es mir momentan echt schwerfällt, bei dem Thema dran zu bleiben, so sehr nimmt es mich mit.

Zum Beispiel deswegen:
„In der Wissenschaft gilt es heute als sicher, dass es bei weiter voranschreitender globaler Erwärmung in vielen Regionen der Erde zu mehr Starkniederschlagsereignissen kommen wird. Das hat der Weltklimarat in dem letzten Bericht der Arbeitsgruppe I aus dem Jahr 2021 noch einmal dargelegt. Es verbleibt jedoch eine beträchtliche Unsicherheit bezüglich des Maßes der Intensivierung der Regenfälle und darüber, welche Regionen ganz besonders betroffen sein werden“
Während ich solche Dinge lese, wird in den Nachrichten folgendes berichtet:
– Starkregenereignisse in Kärnten fordern Opfer und schlagen eine Schneise der Zerstörung
– Am 3. Juli (!) ist in der Region Sydney bereits viermal so viel Regen gefallen wie normalerweise im gesamten Juli. Ganze Stadtviertel sind abgesoffen und ein Ende ist nicht in Sicht, eher wird mit noch intensiverem Regen gerechnet
– Im Ahrtal ist ein knappes Jahr nach der Flutkatastrophe von Wiederaufbaufortschritten nur wenig zu bemerken

Ein paar Absätze später:
„Nicht nur Starkniederschläge, sondern auch Dürren können sich infolge der globalen Erwärmung häufen. Das kann sogar in ein und derselben Region der Fall sein, was zunächst etwas widersprüchlich klingen mag.“
Auch das ist ein Phänomen, das aus Australien bekannt ist. Die verheerenden Busch- und Waldbrände von2019 sind noch präsent. Mensch und Natur unter anderem in New South Wales kommen seit einigen Jahren von einem Extrem ins andere und können nicht wirklich etwas dagegen tun.

Aber wir müssen ja gar nicht erst so weit reisen, denn in Norditalien herrscht akuter Wassermangel, der Po führt kaum noch Wasser, ähnlich wie der Rhein vor vier Jahren. Stundenweise muss die Trinkwasserabgabe reglementiert werden. Und heute kommt die Meldung, dass in den Dolomiten an der Marmolata ein Gletscherabbruch stattfand, weil es dort zu warm und deswegen die Schneedecke zu brüchig ist.

Übrigens sagt auch Mojib Latif selbst, dass es natürlich auch „früher“ schon Extremwetter gegeben hat. Aber nicht so gehäuft wie in den letzten 20 Jahren. Das ist der gewaltige Unterschied. So gab es innerhalb von nur elf Jahren an der Elbe sage und schreibe drei sogenannte Jahrhunderthochwasser, (die so heißen, weil sie statistisch gesehen einmal pro Jahrhundert auftreten). Und wir vergessen eben auch immer wieder gern, dass Klima im Gegensatz zum Wetter wie ein Riesentanker reagiert: Der Bremsweg ist irre lang, die Kehrtwende dauert noch länger.

Das alles ist frustrierend zu lesen, während das eine oder andere Extremwetterereignis parallel dazu live stattfindet. Und das ist einer der Gründe, weswegen ich das Buch zurzeit nur in kleinen Etappen bewältigen kann. Aber wichtig ist es trotzdem, weil darin viel Hintergrundwissen steckt und es auch Argumentationshilfen liefert.

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