Quälend langsam

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Das Thema lässt mich dieses Jahr nicht los. Es begegnet mir überall: In der Literatur, in den Podcasts, denen ich folge, in der Tagespresse und ja, vor allem auch jeden Tag in meiner Lebenswirklichkeit.

Klimawandel, Verlust der Biodiversität, damit verbunden auch Verlust an Lebensqualität und das schlechte Gewissen gegenüber meinen Nachfolgegenerationen.

Entsprechend vielfältig sind die Gedanken, die mir dazu immer mal wieder durch den Kopf schießen, manche davon destruktiv und vollkommen ungebeten, wie zum Beispiel die Frage, ob es denn überhaupt eine Art Grundrecht darauf gibt, dass wir Menschen dauerhaft unseren Planeten „besitzen“ (denn um das „Bewahren“ aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel scheint es im großen Stil schon lange nicht mehr zu gehen).

In schlauen Podcasts wie Daily Quarks, Was jetzt?, Das Politikteil oder mal angenommen stehen die Themen immer wieder auf dem Programm, es vergeht kaum eine Woche ohne mehrere Meldungen von Umweltkatastrophen in Presse und TV, allein die Neuerscheinungen dieses Jahres zum Themenkomplex könnte gleich ein Dutzend Bestsellerlisten füllen. Ich habe bisher erst drei davon gelesen, alle aus unterschiedlichen Expertisen geschrieben (Wirtschaftswissenschaft, Wissenschaftsjournalismus, Meteorologie), aber obwohl sie unabhängig voneinander geschrieben wurden, ziehen sie alle an verschiedenen Stellen dieselbe Schlussfolgerung: Wir dürfen nicht so weitermachen wie bisher. Technologie kann und wird nicht die Lösung sein, und sei sie noch so „grün“.

Lesen lohnt sich bei allen dreien. Kleiner Spoiler: es gibt immer mal wieder Gelegenheiten, befreiend zu lachen, damit man nicht total frustriert ist!

Demnächst wird noch von Jonathan Franzen der Titel „Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?“ dazukommen, ein Literat, der den Finger in die Wunden legt.

Immer mehr gelange ich zu dem Schluss, dass die Menschheit jahrzehntelang gepennt hat. Die Menschheit (vor allem in der reichen westlichen Welt), nicht die Staatenlenker oder Konzernbosse allein. Denn diese beiden Berufsgruppen neigen dazu, sich der Mehrheit anzupassen, wenn sie Erfolg haben, gewählt werden bzw. ihre Produkte verkaufen wollen. Wir alle haben gepennt, weil wir nicht über unseren eigenen Tellerrand sehen (können oder wollen) und weil wir irgendwie immer wieder der Meinung sind, wir können es schludern lassen und dann irgendwann den Lenker rigoros herumreißen. Und das funktioniert nicht!

Zum einen, weil der riesige Tanker, den wir zu steuern versuchen, nur sehr träge reagiert, zum anderen, weil nachhaltige Veränderung Zeit braucht. Beispielsweise hat man herausgefunden, dass eine kleine persönliche Verhaltensänderung mindestens drei Wochen enorme Selbstdisziplin erfordert. Je länger man eine bestimmte Gewohnheit innehatte, desto länger dauert die Veränderung. Wenn ich also dreißig Jahre lang Toastbrot mit Nussnougatcreme zum Frühstück gegessen habe und nun beschließe, dass ich künftig Müsli und Früchte frühstücken möchte, dann muss ich mir über einen längeren Zeitraum jeden Morgen neu die Aufgabe stellen, mich gesund zu ernähren, bis die alte Gewohnheit (und damit verbunden das bisherige Geschmackserlebnis sowie die „Tradition“) durch das neue Frühstücksritual ersetzt ist.

Ein großer Teil unserer Probleme ist es, dass wir viel zu lange damit gewartet haben, eine Verhaltensweise nach der anderen auf den Prüfstand zu stellen, denn es ist auch erwiesen, dass ein Mensch nicht allzu viele Gewohnheiten auf einmal ändern kann. Eine nach der anderen, und immer erst dann die nächste, wenn eine Baustelle beseitigt ist. Wenn jetzt innerhalb kürzester Zeit unheimlich viele Transformationen notwendig werden, dann streiken wir aus Überforderung. Warum sollte das, was im Kleinen, Privaten gilt, nicht auch im großen Maßstab Gültigkeit haben?

Eine weitere Krux: Der Glaube, dass es in allen Bereichen für alle dieselben Lösungen für Probleme gibt. Alle machen jetzt mal das und das; fahren beispielsweise E-Autos statt Verbrenner. Diese Rechnung kann nicht aufgehen. Wenn genauso viele E-Autos im Umlauf sind wie aktuell konventionelle, wo kommen dann die Batterien her? Wo der Strom? Welche Auswirkungen hat das auf die Gegenden, wo die Rohstoffe gewonnen werden? Und zwar Auswirkungen auf Umwelt (Lebensraum für Mensch und Tier) und auf Arbeitskräfte (Ausbeutung, Kinderarbeit). Eigentlich kann hierfür die Lösung nur sein: Weniger Autos statt mehr davon. Beschränkung auf die Notwendigkeit statt den Komfort im Blick zu haben, dass jederzeit ein Auto zu meiner Verfügung steht. (Das erfordert natürlich erstmal Investitionen in Öffis, ohne die ich zu vielen Zielen nur mit dem eigenen Auto hinkomme.)

Im Kleinen bedeutet es für mich: klar möchte ich gern auf Kunststoffprodukte verzichten, wo es mir möglich ist. Ich habe aber auch Arthrose in den Händen, die mich mitunter in einen absoluten Tolpatsch verwandelt. Für mich persönlich ist es also sinnvoller, Essensvorräte und -rohstoffe in der Küche in Kunststoffdosen aufzubewahren, die ich lange verwenden kann, als öfter mal eine Mischung aus Scherben und Mehl/Haferflocken/Nudeln zu entsorgen, weil mir wieder mal ein Glas aus den Händen geglitten ist. Von dem Gewichtsunterschied mal ganz zu schweigen.

So, das könnte ich jetzt natürlich beliebig lange fortsetzen, aber das ist nicht meine Absicht. Ich möchte eher dazu einladen, dass wir versuchen, einzelne Verhaltensweisen auf den Prüfstand zu stellen und uns, immer schön eine nach der anderen, bessere und auch sparsamere Angewohnheiten zu schaffen. Nehmt euch nicht zu viel auf einmal vor, das erhöht die Chancen.

Und nochmal der Verweis auf die schon vorher gebrachten Zitate:

”EIN GRUND DAFÜR, DASS DIE LEUTE SICH VOR VERÄNDERUNGEN FÜRCHTEN, IST, WEIL SIE SICH STETS AUF DAS KONZENTRIEREN, WAS SIE VERLIEREN, ANSTATT AUF DAS, WAS SIE DAZU GEWINNEN KÖNNTEN. “ Unbekannter Verfasser

Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren, was er bewahren möchte. Gustav Heinemann.

Das ist mein…

…Land, meine Stadt, mein Zuhause, mein Anspruch. Kennen wir glaube ich, alle. Leider, muss man sagen, in einer Zeit, in der Deutschland ein ziemlich wohlhabendes Land mit ordentlichen Sozialleistungen ist und auch bisher glimpflich durch die Pandemie kam. Ich fange jetzt gar nicht erst mit Moria an, dann geht es mit mir durch und wird heftig.

Eine tolle Geschichte für Kinder und ihre Vorlesenden ist zu diesem Thema aktuell im Gerstenberg Verlag erschienen. Schon das Titelbild macht neugierig mit diesem Eichhörnchen, das einen Stock verschluckt haben könnte, beim Rasenmähen rings um „seinen“ Baum. Im Buch erfahren wir, dass es den Baum als sein Eigentum ansieht, ebenso wie die Zapfen von diesem Baum, die besonders gut schmecken und natürlich auch exklusiv für das Eichhörnchen zur Verfügung stehen sollen.

Klar, das Eichhörnchen möchte seinen „Anspruch“ verteidigen, und da kommt ihm eine geniale (?) Idee (woher es die wohl hat???): Es beschließt, eine Mauer zu bauen. Diese muss lang sein und hoch, und sie darf keine Lücken haben. Ehe es sich versieht, ist das Eichhörnchen von einem wahren Monstrum von Mauer umgeben, viel höher als der Baum, und es ist ganz allein innerhalb seines kleinen Reiches, das inzwischen eher einem Gefängnis gleicht.

Irgendwann fragt es sich, was denn außerhalb der Mauer liegen könnte, denn es sieht ja nichts mehr… Und der Neid, der es die Mauer bauen ließ, zerfrisst es weiter, denn, wir wissen es ja: auf der anderen Seite könnte das Gras viel grüner sein, die Bäume viel größer und die Zapfen ebenso! Also holt es eine lange Leiter, klettert hinauf und stellt dann verdutzt fest, dass auf der anderen Seite ein Wald ist.

Ein ganz normaler Wald, mit ganz normalen Bäumen, ganz normalen Zapfen und ganz normalen Eichhörnchen.

So. Jetzt habe ich mächtig gespoilert, denn ihr kennt jetzt den Inhalt des gesamten Buches. Aber jenseits des Inhaltes punktet es vor allem mit wunderbaren Illustrationen, die sehr gut die Gefühlswelt des Eichhörnchens darstellen. Und mit einigen Einzelheiten, die ich hier nicht beschrieben habe. Es lohnt sich auf jeden Fall, diesem Buch mehr Blicke zu gönnen.

Bibliographische Angaben:

Olivier Tallec, Das ist mein Baum; Gerstenberg Verlag, 2020, 13 € ISBN 978-3-8369-6069-4

Zu bekommen in eurer lokalen, gut sortierten Buchhandlung😃

Warum muss alles „klein“ sein?

Nur mal ganz kurz zwischendurch. Ich schaue gerade Verlagsvorschauen durch, was so im Herbst verkäuflich sein könnte. Und dabei stolpere ich bei den unterhaltsamen Frauenromanen immer wieder über das Wort „klein“. Der Trend ist keineswegs neu, seit einigen Jahren fluten KLEINE Buchhandlungen, Teeläden, Bäckereien … die Regale. Und ich frage mich, woran das liegt.

Trauen die Autorinnen ihren Heldinnen nicht mehr zu als „klein“? Das mag ich nicht glauben. Bücher, die eher „Männerromane“ oder zumindest interessant für beide Geschlechter sind, werben jedenfalls nicht mit diesem Attribut. Vielleicht ist es auch die Sehnsucht nach Übersichtlichkeit oder die realistische Einschätzung, dass es immer besser ist, klein anzufangen und zu wachsen, als mit einer großen Sache grandiosen Schiffbruch zu erleiden?

Ich merke trotzdem jedenfalls, dass mir die literarische Aneinanderreihung „kleiner“ Geschäftsideen zunehmend auf den Nerv geht, obwohl viele dieser Romane durchaus lesenswert sind, wenn man einfach mal genüsslich Luft holen möchte oder muss.

So ging es mir nach der „Wanderhure“ auch mit den durchs Mittelalter ziehenden Geschäftsfrauen, die alle nach ihrem Berufsstand tituliert wurden. In unseren Verlagen sitzen doch fähige LektorInnen, müssen die denn immer einen Gaul reiten, bis er tot umfällt?

30 Days Book Challenge – Tag 29

Uff. Kurz vor knapp nochmal so ein Hammer für mich: „Ein Gedicht, das du magst“. Ich muss mich jetzt doch mal outen – es bleibt mir nichts übrig. Seitdem ich im Deutsch-Leistungskurs gefühlt übermäßig viele Gedichte, oft von Benn, Trakl und ähnlich „düsteren“ Verfassern interpretieren musste, mache ich ziemlich oft einen großen Bogen um Gedichte. Obwohl es tatsächlich auch einige gibt, die ich mag. Zarte und poetische Naturlyrik ebenso wie eher kraftvolle und satirische Spottgedichte. Deswegen habe ich für heute eines von Erich Kästner herausgesucht, von dem ich augenblicklich das Gefühl habe, er trifft auch heute noch den Nagel auf den Kopf!

Die Entwicklung der Menschheit

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.

Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.

Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.

Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.

Was ihre Verdauung übrigläßt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
daß Cäsar Plattfüße hatte.

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.

Sagt das jetzt eigentlich mehr über mich oder mehr über die Menschheit aus? Ich weiß es nicht und es ist auch egal. Es zeigt auf jeden Fall, dass es sich kaum ändert: Auf Herausforderungen von heute versuchen wir mit den Antworten von gestern oder sogar vorgestern zu kontern. (Musste ich heute früh auch mal wieder feststellen, als ich mich mit einem geplanten Bauvorhaben in unserem [angeblich] rudimentären Dorf beschäftigte… Aber das ist eine andere Baustelle)

Zum vorletzten Mal danke ich Ulrike für ihre vielfältigen und nicht immer bequemen Herausforderungen an unsere Literaturgewohnheiten. Schau gern bei ihr nach, wer sich noch so alles mit spannenden Beiträgen daran beteiligt hat!

30 Days Book Challenge – Tag 28

„Ein Held/eine Heldin, der/die dein Herz berührt hat“ ist das heutige Thema. Ok. Es drängen sich unterschiedliche real existierende Personen auf, die in ihrem Leben Starkes geleistet haben, gegen Widerstände gekämpft, mal gewonnen und oft auch leider verloren haben in ihrem Bemühen, die Welt ein bisschen besser zu machen. Aber ich wähle heute bewusst niemanden von diesen, weil ich dann eine Wertung vornehmen müsste, zu der ich mich nicht durchringen kann.

Ein Buch, das bei mir schon seit einigen Jahren im Regal steht und auch schon mindestens zweimal das Bett mit mir teilen durfte, ist Morgen kommt ein neuer Himmel von Lori Nelson Spielman. Für mich genau der richtige Schmöker, der vereint, was ich für ein tiefes Eintauchen in eine literarische Parallelwelt brauche. Nicht hochliterarisch, nein, sondern ein Buch, um den Alltag auszublenden. Ich konnte nicht nur beim ersten Lesen mitlachen, mitweinen, mitfiebern bei der Entwicklung, welche die Heldin Brett im Lauf der Geschichte durchgemacht hat. Als Teenager hatte sie eine Liste mit Lebenszielen verfasst, aber bekanntlich ist Leben das, was passiert, während wir andere Pläne machen. Mit Mitte 30 ist sie „etabliert“, wie man so schön sagt, mit einem Beruf, der „passend“ ist (ob er auch erfüllend ist, who cares?), einem Freund, der Karriere macht, und was halt so dazugehört. Die Liste ihres jüngeren Ichs hat sie längst vergessen. Doch ihre Mutter hat sie aufbewahrt, und als sie überraschend stirbt, vermacht sie ihrer Tochter diese Liste zum Abarbeiten quasi als Voraussetzung dafür, ihr Erbe antreten zu können.

Was mich so an Brett fasziniert, ist der innere Zwiespalt, den vermutlich sehr viele Frauen (ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob Männer das im gleichen Ausmaß kennen) aus eigenem Erleben kennen. Nicht immer ist der Mut da, aus den Träumen Realität werden zu lassen. Manchmal geht frau Kompromisse ein, weil die Lebenswirklichkeit eines geliebten Menschen ganz anders aussieht. Und manchmal ändern sich die Träume auch schlicht und einfach gemeinsam mit diesem geliebten Menschen. Manchmal begräbt frau aber auch die alten Träume und Pragmatismus macht sich breit. Nicht immer muss das negativ sein und im Desaster enden, aber immer finden im Leben Entwicklungen statt, die man nicht steuern kann oder will. Es war für mich sehr berührend, wie Brett im Roman gegen innere und äußere Widerstände schließlich zu sich selbst findet.

Auch wenn es keine Berührungspunkte zu meinem eigenen Leben gibt, hat mich das Buch angeregt, mir mal über meinen Lebenslauf Gedanken zu machen und dabei festzustellen, auch wenn es natürlich immer Luft nach oben gibt, wenn nicht alles glatt ging, Brüche stattgefunden haben, die schwer verdaulich waren, es gibt für mich keine Veranlassung zu sagen: Wenn ich nochmal neu anfangen könnte, würde ich alles anders machen. Genauso, wie mein Leben bisher gelaufen ist, hat es mich zu der Person gemacht, die ich heute bin. Mit allen Macken und Eigenheiten.

Danke an Ulrike, die in diesen Wochen der Challenge einiges an Gedankengängen aus mir herausgekitzelt hat, die vermutlich einfach mal gedacht werden sollten…

30 Days Book Challenge – Tag 27

Langsam beginnt der Endspurt. Heute, am Tag 27, lautet die Aufgabe „Ein Werk, das vertont worden ist, z.B. als Hörbuch oder Hörspiel“

Am Hörbuch scheiden sich die Geister, das weiß ich aus der Praxis in der Buchhandlung ebenso wie aus den Beiträgen und Kommentaren derer, die mir in der Challenge mindestens einen Tag voraus sind. Ist ja auch vollkommen in Ordnung, denn zum Glück haben wir nicht alle dieselben Geschmäcker und Vorlieben. Ich persönlich mag sie, wenn sie gut eingelesen sind. Als vor inzwischen ziemlich langer Zeit die ersten Hörbücher auf den Markt kamen, war das nicht immer der Fall. Oft wurde vom Autor gelesen, nicht immer die beste Wahl, denn nicht jeder, der gut schreiben kann, hat auch eine gute Lesestimme. Zu dünn oder zu piepsig, ohne Modulation, das bringt es nicht.

Seit Jahren geht der Trend aber eindeutig in die Richtung, von erfahrenen Schauspielern oder ausgebildeten Synchronsprechern lesen zu lassen, was der gesamten Hörbuchproduktion und auch Nachfrage Aufwind gegeben hat. Wenn dann noch der Sprecher/die Sprecherin genau wie es im Film der Fall wäre, die perfekte Besetzung für das Thema des Buches ist, macht es wirklich Spaß. Auch dabei kann Kino im Kopf entstehen. Ein Paradebeispiel ist für mich nach wie vor die Vertonung der Harry-Potter-Bücher mit Rufus Beck in sämtlichen Rollen. Er schafft es, den Erzähler sowie die Charaktere durch sein Repertoire an unterschiedlichen Stimmen zum Leben zu erwecken, das ist schon Klasse.

Das Schauspieler-Ehepaar Andrea Sawatzki und Christian Berkel, die „Gut gegen Nordwind“ von Daniel Glattauer, einen Email-Roman in Dialogform, eingelesen haben, trifft die Atmosphäre des Buches ziemlich genau.

Sehr gern höre ich die Stimme von Detlef Bierstedt, der vor allem als Synchronstimme von Bill Pullman (Independence Day), Stellan Skarsgård (Mamma Mia) oder George Clooney bekannt wurde. Ben Becker und Hannes Jaenicke sind ebenfalls Vertreter der dichten Atmosphäre beim Lesen. Bei den Sprecherinnen mag ich auch die Stimme von Regina Lemnitz, Synchronstimme von Whoopi Goldberg. Sie liest in so unterschiedlichen Genres wie Kinderhörspiel und Krimilesungen.

Du siehst also, mein Interesse an Hörbüchern ist etwas komplexer, ich erwarte außer einem guten Inhalt auch noch die passende Stimme. Wenn beides zusammenpasst, Daumen hoch!

Mehr zur Challenge findest du wie immer bei Ulrike.

Off topic: dies war gerade mein 200. Blogbeitrag. Hätte ich nie für möglich gehalten, dass ich mal so weit komme. Und immer noch das Gefühl habe, ich bin gerade noch am Anfang…

30 Days Book Challenge – Tag 26

Heute lautet Ulrikes Aufgabe „Ein Reiseführer, der in dir den Wunsch zu einer Reise geweckt hat“.

Definitiv gehört zu den wirklich neugierig machenden Reiseführern die Reihe „Vis à Vis“ von Dorling Kindersley. Die Art und Weise, wie in dem Konzept Fotomaterial, Texte und Sachinformationen verknüpft werden, mag ich total gern. (Im Übrigen nicht nur bei den Reiseführern aus dem Verlag, sondern auch bei den Kochbüchern oder der Jugendsachbuchreihe „Sehen – Staunen – Wissen“, die aber leider nicht mehr aufgelegt wird.) Jahrelang haben wir unseren Urlaub auch gern in Frankreich an der Atlantikküste Aquitaniens verbracht, was auch die Verlagsvertreterin wusste. Deswegen bekam ich als „Testexemplar“ den Frankreich-Führer geschenkt.

Ansonsten waren es aber meist entweder Romane („Schloss Gripsholm“ von Kurt Tucholsky) oder Reiseberichte („Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling / „Muscheln am Weg“ von Carmen Rohrbach), die mich auf konkrete Reiseziele gebracht haben. Das hübsche Schloss am Mälaren ca. 60 km landeinwärts von Stockholm habe ich auch bereits vor sehr vielen Jahren besucht, auf den Jakobsweg habe ich es noch nicht geschafft. Sinnigerweise hatte ich gerade begonnen, zumindest die deutschen Jakobswege in die konkrete Planung zu nehmen, als mir meine Beine unter dem Körper wegklappten. (Die Story dazu findest du hier und hier, wenn du sie noch nicht kennst.) Jetzt bin ich mal gespannt, wann ich wieder die Kraft und Ausdauer haben werde, loszumarschieren. Obwohl, gerade die Pilgerwege sind ja stark frequentiert von Menschen, die auch körperlich ihr Päckchen zu tragen haben. Möglicherweise sollte ich nicht so viel darüber nachdenken, sondern einfach mal loslaufen.

Ein kleiner aktueller Tipp (obwohl das Buch schon 2019 erschienen ist):

Aus dem Piper Verlag die „Gebrauchsanleitung fürs Daheimbleiben“ von Harriet Köhler, ISBN 978-3-492-27735-8, 15 €

30 Days Book Challenge – Tag 25

Für die heutige Aufgabe habe ich mir zuerst den Kopf zermartert, bin danach an meinen Regalen vorbeigeschlichen wie die Katze um den Sahnetopf und hatte schon die Befürchtung, ich könnte leer ausgehen. Aber dann sprang mich doch noch ein Buch an, so mental gesehen.

Die Aufgabe lautet: „Ein Buch, auf das du durch den Klappentext neugierig wurdest“.

Ich sah das Buch in einer konfessionellen Buchhandlung, und da ich durch die Jugendarbeit immer mal wieder in die Lage kam, ein gemeinsames Gebet anzuleiten, was eigentlich so gar nicht „meins“ ist, warf ich einen zweiten und dritten Blick. Als Kind war das erste Gebet, mit dem ich in Berührung kam „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm‘.“ Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, dass ich mir ganz ordentlich Gedanken machte, was denn „fromm“ bedeuten könnte. Bis heute habe ich mich mit dem Begriff nicht so ganz ausgesöhnt. Im Konfirmationsunterricht in den 1980ern lernte ich eine Definition des Gebets, die ich eher als technische Gebrauchsanleitung empfand. Nach dem Schema: Finde etwas, wofür du danken kannst, erzähl ein bisschen und dann darfst du auch um etwas bitten. Aber am wichtigsten war das Danken. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass es in jeder Gemeinde so war, vielleicht hatte unser Pastor es auch gar nicht so strikt gemeint, jedenfalls kam es bei mir aber so an. Wenn ich also nichts zu danken fand, dann ließ ich es einfach.

Lange Jahre war mein Gebetsleben ziemlich spartanisch, teilweise beschränkte es sich auf Stoßgebete in brenzligen Situationen. Bis ich dann Kindergottesdienstmitarbeiterin wurde. Mir wurde klar, mit Kindern beten kann auch ganz anders ablaufen als mein Papa mir das beigebracht hatte. Zum Glück gab es schon sehr gute Materialien für Kindergottesdienstvorbereitung, daran konnte ich mich entlanghageln.

Als ich also auf das Buch „Beten – Ein Selbstversuch“ von Klaus Douglass (hier der Wikipedia-Eintrag zum Autor) stieß, kam es für mich einer Offenbarung gleich. Beten ist nicht 08-15 oder Schema F, beten ist etwas sehr persönliches, intimes zwischen Gott und mir. Und weil wir Menschen alle so unterschiedlich sind, ebenso wie die Situationen, in denen wir beten, ist auch Gebet sehr verschiedenartig und individuell. Klaus Douglass hat 50 verschiedene Arten des Gebets durchprobiert, sich dabei von der Alten Kirche, der Orthodoxie, aber auch anderen Religionen inspirieren lassen. Er hat statische und bewegte Formen erkundet, gebundene und freie, digitale und analoge Angebote, spirituelle und auch profane Stilmittel erforscht. Er fand heraus, welche Formen für ihn funktionierten und welche er eher absonderlich fand.

Und so ging es mir auch, während ich durch dieses Buch mit ihm auf Entdeckungsreise ging. Für mich selbst kam ich zu dem Schluss, dass es okay ist, wenn ich Gott auch mal nicht danken kann, weil gerade alles überhaupt nicht zum danken ist, dass ich ihm Missstände klagen und sogar ihn selbst anklagen darf. Dass ich nicht jeden Abend vor dem Einschlafen alles mögliche vom Tag zusammensammeln muss (obwohl das natürlich sehr entlastend sein kann) und genauso gut beim Kochen, Autofahren oder bei der Hunderunde mit IHM reden darf. Wenn ich beim Lobpreis zu tanzen beginne, kann das ebenbürtig sein zur stillen Andacht. Wenn mir eigene Worte fehlen, kann ich auf das Vaterunser oder einen Psalm zurückgreifen oder auf andere Gebetsvorlagen. Und genauso muss ich bei einer Gebetsrunde gerade nicht auf vorformuliertes zurückgreifen („Vater, du siehst, wo jeder von uns gerade steht“ kommt mir oft so gestelzt vor, vor allem, wenn ich es sage), sondern kann reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Wenn mir überhaupt nicht nach reden ist, bin ich frei zu schweigen. Selbst ein paar Tage Beziehungspause ziehen es nicht nach sich, dass Gott mich danach nicht mehr mag.

Das ist unheimlich befreiend. Es macht mich nicht klein, aber stellt meinen Glauben auf einen weiteren Raum.

Der Dank geht wieder mal an Ulrike, deren Aufgaben mich heute dazu brachten, selbst einmal wieder über diese Freiheit des Gebetes nachzudenken.

30 Days Book Challenge – Tag 23 und 24

Als ich die Beiträge für unsere Segelwoche vorbereitet habe, dachte ich noch, am Freitag bist du ja wieder zuhause, da kannst du dann den Beitrag schnell noch schreiben. Ich wurde eines besseren belehrt. Aber da die beiden Aufgaben einen direkten Zusammenhang haben, mache ich heute einfach einen Doppelpost daraus. Also:

Tag 23: „Ein Buch, dessen Verfilmung dir besser gefallen hat als die Vorlage“ ist eine echt kniffelige Aufgabe.

Ich habe in Gedanken meine Regale durchgesehen und erstmal nichts gefunden. Dann kam mir kurz der Gedanke an Star Wars, aber die Taschenbücher in der Reihe Goldmann SF kamen unter dem Label „George Lucas“ heraus, waren also eher „Bücher zum Film“ als umgekehrt. Ich denke weiter und komme zum Marvel-Universum. Auch wenn ich in den 1980ern noch in dem Bewusstsein ausgebildet wurde, dass Comics keine vollwertige Literatur seien (obwohl gerade die Carlsen Comics mit „Tim und Struppi“ und dem „Marsupilami“ durchstarteten), haben alle Ausprägungen, auch Mangas und Graphic Novels inzwischen doch einen festen Platz erobert, so dass ich kein schlechtes Gewissen habe. Ich gestehe also freimütig: Ich bin ein großer Fan der Marvel-Verfilmungen und ich mag die eindeutig mehr als die Comic-Vorlagen aus der Urzeit der Marvel-Comics. Was nicht (nur) daran liegt, dass die Helden meist sehr, sagen wir mal ansehnlich sind (Frau hat auch ganz gern mal Abwechslung fürs Auge, oder? Ist das jetzt sexistisch?) Vor allem gefällt mir aber, dass auch diese Helden alle ihre Schwachpunkte haben, dass sie nicht perfekt sind, dass sie sich entwickeln. Und teilweise auch selbstironisch damit umgehen lernen müssen. Bilderbombast kommt natürlich auch nicht zu kurz und zudem ist das Ganze so realitätsfern, dass man einfach entspannen kann. Und das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss, Marvel ohne Outtakes kann ich mir auch nur schwer vorstellen.

So, jetzt wisst ihr es. Damit komme ich zu

Tag 24: „Ein Buch, das du gerne mal verfilmt sehen würdest“ ist schon wieder so eine Denksportaufgabe. Es sind eben schon so viele Bücher verfilmt worden, egal aus welchem Literaturgenre. Thriller, klassische Krimis, Jugendbücher, Liebesromane, Historiendramen… Sogar das Känguru hat seinen Weg ins Kino gefunden. Was bleibt mir denn da noch?

Ah, ich glaube, ich habe eins. Meines Wissens nach ist „Blackout“ von Marc Elsberg bisher nicht verfilmt worden. Wenn das richtig gut inszeniert würde, kann ich mir gut vorstellen, dass vielen Menschen einmal aufginge, dass wir heutzutage überhaupt keine Atomwaffen mehr „brauchen“ (btw, brauchen tun wir sie natürlich sowieso nicht). Unsere gesamte Infrastruktur ist inzwischen so abhängig vom Internet, von Vernetzung und Stromversorgung, dass ein simpler (Computer-)Virus, an der „richtigen“ Stelle platziert, weite Teile der Welt innerhalb kürzester Zeit in die Anarchie stürzen kann. Eine bedrückende Vorstellung? Ja, bestimmt, aber so sieht es nun mal aus. Um mir aber die entspannte Urlaubslaune nicht vollends zu versauen (das war teilweise schon geschehen, nachdem ich gestern Abend Nachrichten gesehen und die Zeitungen der vergangenen Woche durchgeschaut hatte), führe ich das Thema jetzt nicht weiter aus, sondern überlasse es euch, eigene Gedanken dazu zu machen.

Ich werde jetzt erstmal die Foto- und Videoausbeute der letzten Tage auf Festplatte sichern und sichten. Und sende meinen Dank an Ulrike, die sich viele anregende Aufgaben für die Challenge ausgedacht hat.

30 Days Book Challenge – Tag 22

Das Buch, um das es heute geht, besitze ich nicht selbst. Und hätte ich es besessen, dann hätte ich es auch ganz schnell weitergegeben.

Es geht um „Ein Buch, das bei dir Alpträume ausgelöst hat„. Es war rot. Einfach nur rot. Es war groß für ein Taschenbuch, ich glaube fast, es war das erste jemals in diesem Format erschienene Buch. Aus dem Heyne-Verlag. Und der Titel bestand nur aus einem einzigen Wort (Trommelwirbel!!!): ES

Mein damaliger Freund hatte es verschlungen, da konnte ich ja nicht zurückstehen, zumal als angehende Buchhändlerin, die sich von Isabel Allende und Günther Grass zu dem Zeitpunkt nicht so sehr beeindrucken ließ. Ich habe es mit der Faszination des Grauens von der ersten bis zur letzten Seite gelesen und jede Nacht von Gullideckeln und Clowns geträumt! Aber ich konnte es auch nicht liegenlassen. Übrigens finde ich heute noch, diese Kombi aus dem ungewohnten Format und der knalligen Farbgebung war ein supertolles Marketinginstrument des Verlages.

Wieder so eine Erinnerung, die ich Ulrike verdanke.