Unberechenbar – 1.1.2021

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Worum geht es? „Das Wohl aller in derGesellschaft und das Wohl der Gesellschaft als Ganzes. Aber auch [um] das Wohl des Einzelnen, ganz konkret, alltagstauglich und lebensnah.“ (S. 12)

Es geht NICHT um die Beantwortung aller Fragen, sondern um die Suche nach Antworten. Die unter Umständen neue Fragen aufwerfen.

Carl Friedrich von Weizsäcker sagte einmal „Die großen Fortschritte in der Wissenschaft beruhen oft, vielleicht stets, darauf, dass man eine zuvor nicht gestellte Frage doch, und zwar mit Erfolg, stellt.“ (S. 13) Andererseits sagte Goethe einst (in FAUST II): „Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr.“ (S.13)

Es dreht sich also um Themen wie Turbokapitalismus und die völlige Öknonomisierung der Welt, Reduktion des Menschen auf sein Funktionieren, Technikwahn, um etwas, was Lesch „Excelisierung des Lebens“ nennt. Allerdings geht es nicht (nur) um Kritik, sondern auch um Lösungsansätze, die eben dieses sind: Ansätze, keine Patentrezepte!

Sehr anschaulich finde ich den Vergleich der Gesellschaft mit wahlweise Karussell oder Biergarten. Beim Karussell werden diejenigen, die nicht weiter mitrasen wollen, gern als Feiglinge dargestellt, während es im Biergarten um Teilhabe geht: Du kannst dein mitgebrachtes Essen dort verzehren, wenn du dir nur ein Getränk leisten kannst, und ihr sitzt alle auf denselben langen Bänken (in Zeiten ohne Corona auch gern mal dicht an dicht), ob ihr nun Banker oder Müllwerker seid, Maßanzug oder zerrissene Jeans tragt.

So weit erstmal für heute. Wenn ihr neugierig geworden seid:

Harald Lesch/Thomas Schwartz, Unberechenbar – das Leben ist mehr als eine Gleichung, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-39385-3, € 18,- (Österreich € 18,60) [Und nicht vergessen: bitte beim lokalen Buchhändler eures Vertrauens bestellen😉]

Unberechenbar – Das Leben ist mehr als eine Gleichung

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So. Neues Jahr, neue Idee. Ich hatte Edgar das Buch mit dem obigen Titel von Harald Lesch und Thomas Schwartz zu Weihnachten geschenkt. Ratzfatz hatte er es durchgelesen und gab es mir dann. Gestern früh, als ich noch ganz allein wach in der Küche saß, begann ich zu lesen. Und zwar auf eine ganz spezielle Weise, die ich mir während der Ausbildung in der Malche angeeignet hatte. Damals für theologische Fachliteratur, inzwischen lese ich Sachbücher aller Art gerne mit Kladde und Stift dabei. Ich habe dann immer die Möglichkeit, mir einzelne Gedanken aus dem Buch (und manchmal auch meine Interpretation) aufzuschreiben und muss nicht im Buch herumkritzeln.

Heute kam mir beim Kaffee nach dem Frühstück die Idee, dieses Lesetagebuch anhand des Buches einmal mit euch zu teilen. Ich weiß noch nicht, wohin mich dieser Versuch führen wird, wie es bei euch ankommt, freue mich aber auf jeden Fall über Feedback. Kann ja auch sein, dass ich euch gnadenlos langweile damit, und das möchte ich erstens nicht, außerdem kann ich mir dann die Zeit auch sparen.

Im nächsten Beitrag lege ich los und dann startet dieses Experiment. Zum Satz der Beiträge: Meine Zusammenfassung des Textes in eigenen Worten lest ihr in Normalschrift, Zitate aus dem Buch mit Seitenangabe sind in Anführungszeichen gesetzt und mein eigener „Senf“, der mir dazu durch den Kopf geht, ist in kursiver Schrift. Alles klar?

Wer nicht warten möchte, bis ich das Buch durch habe:

Harald Lesch/Thomas Schwartz, Unberechenbar – das Leben ist mehr als eine Gleichung, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-39385-3, € 18,- (Österreich € 18,60) [Und nicht vergessen: bitte beim lokalen Buchhändler eures Vertrauens bestellen😉]

Tag 1 – Keine Bibel

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„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. …“ Diesen Beginn der „Weihnachtsgeschichte“ dürften wohl die allermeisten kennen. Im klassischen Krippenspiel treffen sich Maria und Josef mit hartherzigen Wirten, später dann mit Hirten vom Feld mit ihren Schafen, die von Engeln geschickt wurden und oft auch noch mit drei weisen Männern aus dem Morgenland bei Ochs und Esel im Stall.

Diese Darstellung ist aber das Ergebnis aus einer Zusammenfassung gleich mehrerer Berichte von der Geburt Jesu. Wie vieles in der Bibel kann das schon mal zum Grübeln bringen, wenn jemand feststellt, dass etwas, das in den Weihnachtsgottesdiensten auf eine gewisse Weise rüberkommt, in den schriftlichen Quellen anders aussieht. (Btw, vergleich mal die Verfilmung der „unendlichen Geschichte“ mit dem Buch.)

Die Bibel, das zentrale Schriftwerk der Christenheit, steckt von Anfang an voller teils widersprüchlichen Darstellungen, Missverständnisse und vielem, das uns unverständlich oder gar grausam erscheint. Viele sind dadurch auch abgeschreckt. Das hat auch Christian Nürnberger umgetrieben, und so hat er sich daran gemacht, die essentiellen Geschichten der Bibel, ähnlich wie in einer Kinderbibel, zusammenzufassen. Damit endet die Ähnlichkeit aber auch schon. Denn Nürnberger blendet die Probleme nicht aus, die beim Lesen der Bibel beim Leser entstehen werden, sondern er versucht sie einzuordnen, er dröselt es auf in Form von „Zwischenrufen“. Wie kann es sein, dass Gott im Alten Testament immer wieder anscheinende Totalversager im menschlichen Umgang miteinander einsetzt, um seine Leute anzuleiten? Wie um alles in der Welt kann es einen „Sohn Gottes“ geben und was hat die Jungfrauengeburt damit zu tun? Und wer von uns modernen Menschen soll diese ganzen Wundergeschichten eigentlich glauben, die über Jesus aufgeschrieben wurden?

Mir hat an dem Buch gefallen, dass die LeserInnen als mündige Personen mitgenommen werden. Nicht nur versucht Nürnberger, Ereignisse einzuordnen, die uns heute unverständlich bis paranormal vorkommen, er fragt auch umgekehrt, ob denn alles, was wir heute hineininterpretieren, denn der Weisheit letzter Schluss sein könne?

Ich schätze mal, mit einigem Abstand zu dieser Zeit der kurzen Buchvorstellungen werde ich euch noch ein paar konkrete Beispiele näher zeigen, für heute ist Schluss.

Bibliografische Angaben: Christian Nürnberger, Keine Bibel, Gabriel Verlag, ISBN 978-3-522-30541-9, € 15,- (Österreich € 15,50)

PS: Mit meinen Büchertipps bin ich erstmal durch. Weihnachten und die Zeit zwischen den Jahren kann ich hoffentlich nutzen, um in das eine oder andere Buch genauer reinzulesen oder es sogar (wie revolutionär) in einem Rutsch zu verschlingen. Die großen Highlights des Jahres habt ihr möglicherweise nicht gefunden (warum sollte ich auch den Fitzeck vorstellen, wenn der sowieso gekauft wird wie geschnitten Brot?), aber hoffentlich einen kleinen Überblick über die Vielfalt gewonnen. Auch wenn ich natürlich meine literarischen Steckenpferde habe.

Ich wünsche euch viel Ruhe zum Lesen und entdecken. Wir lesen uns…

Tag 2 – Die Verzauberung der Welt

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Ganz kurz zunächst: hat man meinem Beitrag von gestern angemerkt, dass ich ein kleines bisschen auf Krawall gebürstet war? Wenn ja, dann lag es daran, dass mir auch in den letzten Tagen, als sich in unserem Landkreis die Corona-Zahlen so erhöhten, dass die Landrätin sich genötigt sah, nächtliche Ausgangsbeschränkungen zu verhängen, die ab heute gelten sollen, immer wieder Menschen begegneten, die ihre Masken auf Halbmast trugen (hängen eure Schlüpper eigentlich auch in den Kniekehlen?) oder trotz der Mitteilung am Schaufenster der Buchhandlung, Beratung sei nur telefonisch möglich, an die Scheibe klopfen und fragen, ob wir sie nicht kurz reinlassen könnten, sie bräuchten noch ein paar Buchgeschenke zu Weihnachten. Puh! Ohne Worte.

Aber nun zum Buchtipp von heute: In diesem verrückten Jahr habe ich festgestellt, das das Grundgesetz und die Bibel eine Gemeinsamkeit haben: Es wird sich aus dem reichhaltigen Inhalt etwas herausgepickt, was gerade für das eigene Weltbild genehm ist, der Rest fällt mehr oder weniger elegant unter den Tisch. Während das GG in der Geschichte seiner Entwicklung von heute noch lebenden Personen allerdings bis in seine Geburtsstunde nachvollziehbar ist, hat es die „Frohe Botschaft“ da ungleich schwerer.

Erschwerend kommt hinzu, dass natürlich die Geschichte des Christentums eine Geschichte von Menschen ist, und da gibt es keinen Grund anzunehmen, dass die Menschheit in den vergangenen Jahrhunderten weniger anfällig für erratisches Denken war als heute. Seit dem Tod am Kreuz und der Auferstehung Jesu versuchen die Generationen an Theologen, Kirchenhistorikern und Laien eine Deutung der unerhörten Ereignisse. Die vielfältigen Berichte aus der Geburtsstunde des Christentums werden einsortiert, klassifiziert, auf ihre Relevanz untersucht. An unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten. Und mit unterschiedlichen Fragestellungen. Daher hat sich das Christentum auch äußerst dynamisch entwickelt, unterschiedliche Ausprägungen und Frömmigkeitsstile entwickelt, nicht immer zum Guten. Auch Fehlinterpretationen und Missbrauch (damit meine ich zunächst einmal in diesem Zusammenhang den Missbrauch der geistlichen Erkenntnisse, um Menschen klein zu halten) hat es gegeben, weil, wie gesagt: die Auslegung lag immer in der Hand von Menschen, die unter anderem anfällig für Eitelkeit und Geltungsdrang sind.

Aber es hat auch wunderbare Entwicklungen gegeben: Die tiefen Glaubenserfahrungen der Mystiker, die dem Glauben nicht nur mit dem Kopf, sondern mit allen Sinnen nachspürten. Die Gemeinschaften in den Klöstern, die sich um Alte, Kranke, Witwen und Waisen sowie um Ausgestoßene der Gesellschaft kümmerten, in ihren Gärten Heilkräuter für Medizin anbauten und die neben geistlicher auch „geistige“ Nahrung in Form von Bier und Branntwein anboten.

Im Namen des Christentums wurden Maler und Dichter inspiriert zu Werken, die die Kunstgeschichte bereicherten, aber leider gab es auch Hexenverfolgung und Pogrome gegen Andersgläubige, die auf Kirchenmänner zurückzuführen waren. In Deutschland gab es zudem die sogenannten „deutschen Christen“, die dem Nazi-Regime folgten.

Bei allem, was uns Menschen betrifft, gibt es nicht nur schwarz und weiß, sondern unendlich viele Grauabstufungen. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille und unterschiedliche Deutungen. Also auch in diesem so elementaren Bereich, der Spiritualität. (Nebenbei: so ist es in jeder Religion und auch in der „Weltreligion“ Atheismus, die mir manchmal den Eindruck macht, sie sei die vehementeste von allen, wenn ich gewissen Vertretern zuhöre.)

Wenn wir heute Dinge oder Situationen bewerten wollen, deren Ursprung in einer weltweiten Entwicklung der Menschheit liegen, dann können wir nicht anders, wir müssen diese Geschichte mitdenken. Das Buch ist daher nicht nur ein wunderschön gestalteter Band, sondern ein Schatz an Wissen über die vergangenen Jahrhunderte. Man kann es von vorne bis hinten durchlesen oder aber sich gezielt über Themen und Epochen informieren, ganz wie man es möchte.

Bibliografische Angaben: Jörg Lauster, Die Verzauberung der Welt. C.H. Beck, ISBN 978-3-406-66664-3, € 34,- (Österreich € 35,-), gebundene Ausgabe, gibt es aber auch als Taschenbuch.

Tag 3 – Grundgesetz

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Bitte entschuldigt die Verspätung, obwohl ich bereits um kurz nach 7 im Supermarkt angekommen bin, hat es etwas länger gedauert, bis ich meinen Krempel zusammen hatte. Teils dem süßen Senf geschuldet, den brauchen wir nur sehr selten, es gibt aber zumindest in dem Laden nur große Gläser, egal wie intensiv ich gesucht habe. Egal, da bin ich.

Heute geht es um ein Buch, das immer wieder neu aufgelegt wird, im Jurastudium zur Grundausstattung gehört und in Auszügen im Verlauf dieses Jahres immer wieder zitiert wurde. Allerdings häufig verkürzt auf wenige Sätze und beschränkt auf das Herauspicken der vermeintlich gerade wichtigen „Rosinen“ aus diesem Teig des Gesetzes. Daher täte es uns allen vermutlich mal sehr gut (mich natürlich eingeschlossen), wenn wir unser wichtigstes Gesetzeswerk in Deutschland einmal genauer unter die Lupe nehmen und im Ganzen lesen. Dann könnten wir nämlich feststellen, dass dieses Gesetz sehr umfassend ist und auch alles andere als statisch. Klar, an den Paragraphen an sich ändert sich nicht besonders viel, sie werden aber ab und an mal ergänzt, an aktuelle Entwicklungen angepasst und immer wieder neu mit Leben gefüllt.

Wer dann noch nicht vor dem Amtsdeutsch kapituliert, kann auch noch mit dem bürgerlichen Gesetzbuch oder dem Strafgesetzbuch weitermachen😁.

Oder das GG vergleichen mit anderen wichtigen Texten und Selbstverpflichtungen wie der UN-Charta der Menschenrechte, der Magna Charta, dem Code Civil, den 10 Geboten oder dem Doppelgebot der Liebe. Es könnte erhellend sein. Wobei ich mich keinen Illusionen hingebe: Diejenigen, die in diesem Bereich des Miteinanderlebens dringend Nachhilfe bräuchten, werden vermutlich auf meinen Vorschlag eher nicht eingehen. C’est la vie.

Bibliografische Angaben:

Grundgesetz GG

(mit Menschenrechtskonvention, Verfahrensordnung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, Bundesverfassungsgerichtsgesetz, Parteiengesetz, Untersuchungsausschussgesetz, Gesetz über den
Petitionsausschuss, Vertrag über die Europäische Union, Vertrag über Arbeitsweise der Europäischen Union, Charta der Grundrechte der Europäischen Union)

dtv, ISBN 978-3-423-53045-3, € 8,90 (für interessierte Österreicher: € 9,20, aber ihr habt bestimmt etwas vergleichbares…)

Tag 4 – Reisen ohne Limit

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Als Buchhändlerin ist man finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet, diese Erkenntnis kam relativ schnell nach Beginn meiner Ausbildung. Großartige Reisen sind da nicht unbedingt drin, jedenfalls nicht, wenn man auf einen gewissen Grundkomfort nicht verzichten möchte. Daher begann ich schon bald damit, meine Traum-Reiseziele in Form von Bildbänden zu sammeln. Einige davon habe ich heute noch, obwohl damals, gegen Ende der 80er Jahre noch viel ziemlich „pixeliges“ (also grobkörniges) Bildmaterial vorhanden war.

An das Reisen auch an die entlegensten Orte der Welt und die angesagtesten Insta-Hotspots sind wir inzwischen mehrheitlich gewöhnt. Naja, wir als Familie nicht unbedingt, denn wir fahren nur dort hin, wo wir mit unserem Wohnwagen (oder neuerdings mit einem Boot) hinkommen und mehrheitlich unsere Hunde mitkommen können. 2020 hat da sehr vielen eine lange Nase gezeigt. Wohin oder auch wohin nicht uns das nächste Jahr bringt, wissen wir noch nicht. Aber als Tipp für euch habe ich heute die Reisebildbände vom Bruckmann Verlag herausgesucht.

Unbestrittener Vorteil ist, dass man reisen kann, wohin man möchte, ohne aus dem Sessel aufzustehen. In aller Ruhe kann man die begehrten Fotomotive in den entlegensten Eckchen der Welt betrachten, ohne dass einem immer wieder andere Leute durchs Bild laufen, das Naturschutzgebiet zum Trampelpfad und zur heimlichen Müllhalde wird. Das Budget ist auch sehr übersichtlich und die Foto- und Textqualität eindeutig besser und anspruchsvoller als vor 30 Jahren.

Schaut euch doch einfach mal um auf der Verlagshomepage: Verlagshaus24.de .

Und dann nicht vergessen, die Bände beim örtlichen Buchhandel zu bestellen😉.

Tag 5 – Egoismus

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2020 dürfte als ein Jahr in die Geschichte eingehen, in der die Spaltung der Gesellschaft einen traurigen Höhepunkt erreicht hat. Und in dem alle, die ihr eigenes Wohl über das der Gesamtgesellschaft stellen, als gnadenlose Egoisten abgestempelt werden, teilweise vollkommen zu Recht.

Offen zur Schau getragener Egoismus nervt uns alle vermutlich. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, versteckt sich auch hinter vermeintlich altruistischen Motiven oft eine ganze Menge Ego-Schmeichlerei. Erik Flügge geht diesem Phänomen nach und stellt fest, dass Egoismus zu uns Menschen einfach dazugehört. Deswegen war ich etwas erstaunt und gleichzeitig erleichtert über seinen Ansatz: es geht ihm nicht (nur) darum, diverse Egoismen abzuschaffen, sondern sie im Gegenteil dazu zu nutzen, einen gesellschaftlichen Vorteil für möglichst viele Menschen zu erzielen. Das ganze hat er aufgeteilt in unterschiedliche Lebensbereiche, mit denen jeder einzelne von uns in Kontakt kommt: zum Beispiel Arbeit, Bildung, Wohnen, Gesundheit…

Aber auch das, was von vielen augenblicklich in Frage gestellt wird (es läuft bei den großen gesellschaftlichen Playern ja auch tatsächlich nicht alles rund), nämlich Parteien und Kirche, nimmt er nicht aus. In einer Zeit, in der Parteienverdrossenheit, Politikmüdigkeit und das Gefühl von mangelnder Relevanz der Kirchen um sich greift, tritt Flügge dafür ein, dass diese Institutionen wichtig sind. Aber er gibt auch Denkansätze, wie die Arbeit der Institutionen mehr an den Menschen ausgerichtet sein könnte, denen sie dienen sollen.

Alles in allem kein Buch, das zu radikalem Umdenken auffordert, sondern das mit den menschlichen Schwächen arbeitet. Dazu kein dicker Wälzer, sondern ein handliches kleines Format, in der Handtasche mitzunehmen, wenn man irgendwo warten muss und diese Zeit sinnvoll nutzen möchte. Das finde ich gut, auch weil vermutlich niemand Lust hat, sich stundenlang darüber zutexten zu lassen, was wir alles so falsch machen und wo wir nur an uns denken. Kurze, knackige Denkanstöße, an denen wir dann Stück für Stück arbeiten können, bei mir zumindest kommt das gut an und es hat mir auch schon wertvolle Impulse gegeben.

Bibliografische Angaben: Erik Flügge, Egoismus, Dietz Verlag, ISBN 978-3-8012-0577-5, € 10,- (Österreich € 10,30)

Tag 6 – Martin Luther King

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Bitte entschuldigt, ich werde heute wieder einmal ins Archiv greifen und euch diesen Titel noch einmal sehr empfehlen. Erstens, weil das mit der Gewaltfreiheit immer noch ein großes Thema ist, zweitens, weil zwei große Rotkohlköpfe plus ein Dutzend Boskop-Äpfel darauf warten, verarbeitet zu werden.

Tag 7 – Licht im Dunkeln

Buchcover: Klett-Cotta Verlag

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„Der Weltraum, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt, dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“

Damit bin ich unter anderem aufgewachsen. Manche kennen diese Sätze, das gesprochene Intro zu den ursprünglichen Folgen von „Raumschiff Enterprise“ (Star Trek). Faszinierend war sie, die Vorstellung, so weit in den Weltraum vorzudringen, damals reine Science Fiction, doch heute gibt es immer mehr WissenschaftlerInnen, die diesen fernen Welten immer näher kommen, wenn auch nicht im Raumflug, sondern mit leistungsstarken Teleskopen. Darunter dieser hier:

Heino Falcke ist nicht nur ein hervorragender Astrophysiker, er ist ebenso praktizierender Christ und als Prädikant predigt er auch (Quelle). Das allein macht ihn mir ja schon sympathisch, außerdem sind diese beiden Facetten Themen, vor denen ich oft einfach nur staunend dastehen kann. Wobei sich mir persönlich die Welt des Glaubens mehr erschließt als die der Physik. Naja, nobody is perfect.

Zunächst habe ich gedacht, uff, das ist bestimmt so wissenschaftlich geschrieben, dass ich überhaupt nicht mitkomme, aber weit gefehlt. Ob es an seinem Ehrenamt als Laienprediger liegt? Jedenfalls kann er super erzählen, Leser und Leserinnen gedanklich mitnehmen auf die Reise, zu den Frühzeiten der Astronomie (da war doch auch so etwas in der Weihnachtsgeschichte? Sterndeuter? Weise aus dem Morgenland?), aber auch in die verschlungenen Wege zwischen Physik, Metaphysik und tief empfundenen Glauben. Für Heino Falcke sind Wissenschaft und Glaube nicht zwei Dinge, die sich gegenseitig ausschließen, sondern zwei Seiten derselben Medaille, die untrennbar zusammengehören.

Ich hoffe, ich habe euch den Mund wässerig gemacht auf dieses Sachbuch der besonderen Art.

Bibliografische Angaben: Heino Falcke, Licht im Dunkeln, Klett-Cotta, ISBN  978-3-608-98355-5, € 24,- (Österreich € 24,70)

Tag 8 – Muttertag

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Menschliche Abgründe sind ihr nicht fremd. Ob es sich um institutionalisierten Kindesmissbrauch handelt, um Altnazis, die weiterhin ihrem menschenverachtenden Weltbild anhängen oder radikale Umweltschützer. Nele Neuhaus beschreibt mit viel Lokalkolorit und noch mehr Spannung die Abgründe, die sich im Speckgürtel um Frankfurt, im anscheinend beschaulichen Taunus abspielen.

Ich liebe ihre Krimis sehr, sie gehören auch zu den wenigen ihres Genres, die ich mit einigen Jahren Abstand gern nochmal lese. Vermutlich, weil die schier unfassbaren Dinge, die sich in den Büchern abspielen (und die man in ähnlicher Form durchaus in den Kriminalstatistiken wiederfindet) mehr in den Bann ziehen als ihre Auflösung. Dabei erfährt man in jedem Buch etwas mehr über die Hintergründe der KriminalbeamtInnen, die im Gegensatz zu vielen anderen zwar auch Macken haben (wer nicht?), aber mir zumindest doch wohltuend durchschnittlich daherkommen.

Auch in „Muttertag“ schälen sich nach und nach ganz krankhafte Verwicklungen heraus, ich frage mich beim Schreiben gerade, was ich verraten könnte, ohne zu spoilern. Ach, ich denke mal, am besten lest ihr selbst.

Bibliografische Angaben: Nele Neuhaus, Muttertag, Ullstein, ISBN 978-3-548-06102-3, € 9,99 (Österreich 10,30)