Winter

Als ich gestern Abend schlafen ging, dachte ich noch: naja, wir liegen wie immer in der Matsch-Zone. Aber ganz anders präsentierte sich unser Hof heute früh nach dem Aufstehen. Ein Winterwunderland. Teilweise auch mit Verwehungen, aber vor allem mit reichlich Schnee für ostwestfälische Verhältnisse.

Für die Hunde Grund genug, immer ein paar Minuten nachdem ich sie reingelassen und abgetrocknet hatte (so gut es geht, wenn kleine Eisbröckchen im langen Fell kleben), wieder nach draußen zu wollen. Inzwischen liegt ein halbes Dutzend nasse Hundehandtücher in der Waschküche.

Für mich kam als erstes das Brötchenbacken an die Reihe, damit wir uns bei einem ordentlichen Frühstück für den Wintertag stärken konnten, schließlich warteten rund 60 Meter Einfahrt darauf, geräumt zu werden. Bei der Arbeit stellte ich dann fest, was an meiner Beinmuskulatur noch ausbaufähig ist, damit alles wieder „rund läuft“ bei mir mit solchen Arbeiten. Dann Küsterdienst in der offenen Kirche, in die sich aber heute kaum jemand traute.

Und heute Mittag ab in den Garten, mit den beiden Hunden und zwei Töchtern (eine davon war über den Berg zu Fuß zu uns gewandert), Schnee-Engel machen und toben. Leider musste ich feststellen, dass ich vom Schnee-Engel ganz schnell zur auf dem Rücken liegenden Schildkröte mutieren kann🙁. Vielleicht sollte ich in den Jahren ohne Schnee Trockenübungen machen…

Gut durchgetobter Schnee im Garten

Angeregte Familiendiskussionen. Jetzt wartet die Nähmaschine auf mich und die Hunde sollten eigentlich k.o. sein vom durch-den-Schnee-hüpfen, aber ich habe den Verdacht, dass Lucy Bauchweh vom Schneefressen hat, sie jammert und jammert. Wenn die „Kinder“ nicht hören können…

Sie schaut ja schon etwas schuldbewusst und verkniffen aus der Wäsche…

Dieser Beitrag hat eigentlich nur den Zweck, mich auch in ein paar Jahren noch daran zu erinnern, dass es einfach rundum schöne Tage gab in dieser nicht ganz einfachen Zeit.

Ein Gedanke, der mir heute früh in der Kirche kam, als ich gefragt wurde, was mir in den letzten Monaten Kraft zum Durchhalten geben konnte:

[Ich sage dir:] Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst. (Josua 1,9; Übersetzung: Neues Leben)

Klar, immer klappt das nicht. Aber im Großen und Ganzen komme ich mit diesem Zuspruch gut durch. Es kann viel passieren, mir selbst, denen die ich liebe, aber auch ganz fremden Menschen. Aber trotz allem weiß ich mich (und viele andere Menschen) getragen, selbst dann, wenn ich keinen Sinn in allem erkennen kann. Das hilft mir, nicht dadurch, dass ich fatalistisch und passiv werde, sondern dort anpacken kann, wo es mir möglich ist und eine gewisse Resilienz entwickle.

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich allerseits.

Lesepause

Nee, eigentlich stimmt das nicht so ganz, ich habe vor und nach dem Frühstück etwas weitergelesen. Aber, weil es wie gestern immer noch um die Langsamkeit, um „Quality time“ ging, habe ich das Kapitel auch mit der gebotenen Langsamkeit und Überlegung zu Ende gelesen. Morgen geht es mit „Grenzen“ weiter.

Heute habe ich statt dessen nach ein paar Stunden Büroarbeit am Nachmittag kreativen Input fürs Nähen gesucht. Herausgekommen ist erstmal dieses:

Lauter bunte Streifen, alle 6,5 cm breit.

Einige davon gehören zu einer aktuellen Stoffkollektion, andere sind schon unterschiedlich lange bei mir, nun werde ich mal sehen, welche Ideen mir dazu beim Verarbeiten in den Kopf kommen.

Ansonsten bin ich müde und die Nerven liegen leider ziemlich blank bei mir. Der Grund ist Lucys Demenz. Seit Ende September baut sie leider immer mehr ab. Sie frisst nur sehr unregelmäßig, manchmal scheint sie nicht zu wissen, wofür das Zeug in ihrem Napf da ist. Dann dekoriert sie mit den einzelnen Futterbröckchen den Fußboden in der Waschküche. Oder sie steht vor der Tür und will lautstark raus, wenn ich die Tür dann öffne, geht sie wieder zurück in den Flur oder steht dann draußen herum und sieht ratlos aus. Nachts ist es besonders heftig, sie ist komplett orientierungslos und jammert in einer ziemlich unangenehmen Frequenz, bis ich aufstehe und sie wieder zu ihrem Platz bringe. Eine halbe Stunde später geht es wieder los. In den letzten Wochen fühle ich mich wieder wie die Mama eines Säuglings. Außerdem verliert sie büschelweise Fell und ich kann mir nicht vorstellen, weshalb, außer eventuell Nährstoffmangel wegen des merkwürdigen Fressverhaltens. Aber was uns alle ziemlich mitnimmt, ist ihre Luftnot, das verstärkte Hecheln und Reißen, aber die Lunge ist frei, daran liegt es nicht. Auch das Herz arbeitet dem Alter entsprechend noch ordentlich, das wurde ja alles im Herbst untersucht. Wir wissen nicht so recht, wie es mit ihr weitergehen wird.

Der nächste Anruf beim Tierarzt steht bevor und ich weiß jetzt schon, dass sie Panik bekommen wird, wenn sie sieht, wo wir parken. Da helfen auch die Alpakas auf der Weide beim Tierarzt nicht weiter…

Tag 9 -Der Australian Shepherd

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So, Leute. Heute habe ich ein Anliegen vor Weihnachten, für das es hoffentlich noch nicht zu spät ist. In der Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr konnte man immer wieder lesen, dass sich ganz viele Leute einen Hund angeschafft haben. Weil sie auf einmal viel Zeit hatten, weil das Leben mit Hund Struktur in den Tagesablauf bringt (wer Hunde hält, weiß, wie sehr die auf ihre innere Uhr pochen können), weil man weniger allein ist…

Alles richtig, und es ist toll, sein Leben mit einem treuen vierbeinigen Begleiter zu teilen. Ich habe nur die dringende Bitte, ehe jemand mit dem Gedanken spielt, auch die Zukunft zu bedenken. Ein Hund hat je nach Größe und Rasse eine Lebenserwartung von mindestens 10-15 Jahren. Also gilt es zu überlegen, wie sehen normalerweise Urlaubsgewohnheiten aus? Wer hat auf die Dauer Zeit, sich zu kümmern? Kann eine Familie es sich voraussichtlich auch so lange leisten, denn außer der Anschaffung sind da ja auch laufende Kosten und ungeplante Ausgaben, vor allem der Tierarzt kann ganz schön ins Geld gehen.

Sind diese Fragen geklärt, ist die nächste Überlegung: möchte man einen Hund aus dem Tierheim oder aus der Tierrettung, darf es eine undefinierbare Promenadenmischung sein oder sollte es ein Hund mit Stammbaum sein? Und lasst euch hier bitte bloß nicht dreinreden, dass eine Möglichkeit die Beste und eine andere dafür indiskutabel sei. Denn der Hund soll auf Dauer Familienmitglied sein, dafür muss er dann auch zur Familie passen. Als wir vor 12einhalb Jahren den Entschluss gefasst hatten, einen Hund aufzunehmen, haben wir zunächst im Tierheim in Minden gesucht. Zu der Zeit hatten sie vor allem Hunde, die entweder ausgesetzt wurden oder aus problematischer Haltung stammten, durchweg ältere und größere Tiere. Die Mitarbeiterin, die uns beriet, sah, dass wir ein kleines Kind dabei hatten und sie war sehr ehrlich mit uns, indem sie uns ganz deutlich darüber aufklärte, dass der Hund, den wir ins Auge gefasst hatten, möglicherweise problematisch auf die Familiensituation reagieren könnte, wegen entsprechender Vorgeschichte. Sie riet uns ab, weil sie nicht irgendwann Schuld sein wollte, dass der Hund eventuell das Kind beißen könnte. Stattdessen riet sie uns, einen Welpen zu nehmen, damit Kind und Hund zusammen aufwachsen können. Das war sicher ein guter Rat, auch im Nachhinein.

Bei der Gelegenheit noch ein Rat: Überlegt euch im Familienrat alles, was ich oben geschrieben habe, bevor ihr euch Hunde anseht. Wir wissen aus doppelter Erfahrung, dass man schlichtweg verloren hat, sobald man in die warmen braunen oder frechen blauen Hundeaugen blickt!

Nächste Regel: wenn ihr euch einen Welpen, ob Rassehund oder „Unfall“ anschaut, achtet darauf, wie die Hunde leben. Und vor allem, wo sie leben, im Haus oder in einer Scheune? Bei Lucy war alles top, die Welpen wurden in einer Wurfkiste in der großen Wohnküche aufgezogen, sie kannten Familienleben von Anfang an. Kalle stammt von einer Ranch, dort wurden Quarterhorses, Australian Shepherds und Maine Coon Katzen gezüchtet. In der ländlichen Gegend bekamen die Züchter von den Forstleuten immer wieder Wildkadaver über den Zaun geworfen, wenn es Wildunfälle gegeben hatte. Auf der einen Seite ist es natürlich nachhaltig, wenn alles, was an Fleisch anfällt, auch verwertet wird. Aber ganz davon abgesehen, dass Kalle erstmal lernen musste, wie man in einem Haus statt im Stall lebt, dauerte es Wochen, bis er nicht mehr ständig pupste und nach ich-weiß-nicht-was stank. Er hatte zwar von seinem Papa gelernt, wie man Pferdehufen auf einem Paddock ausweicht, aber Staubsauger, Rasenmäher und ähnliches machen ihm bis heute große Angst (trotzdem rennt er beim Saugen immer um mich herum). Rückblickend gesehen, keine gute Zucht, aber nachdem wir dieses kleine freche Fellknäuel einmal im Arm hatten, gab es kein Zurück.

Verantwortungsvolle Züchter, gerade auch von Australian Shepherds (die seit einigen Jahren zu Modehunden geworden sind), achten dagegen sehr genau darauf, wem sie welchen Welpen geben, oder noch wichtiger: wem sie ihre Tiere (noch) nicht anvertrauen.

Jetzt komme ich deswegen auch zum Buch: wenn ihr gerade damit beginnt, euch für einen Hund zu interessieren, dann schafft euch vorher gute Lektüre dazu an. Fangt nicht als erstes an, in Hundeforen zu stöbern oder achtet zumindest auf solche mit differenzierter Darstellung! Fragt Menschen in eurer Umgebung, die Hunde der gewünschten Rasse besitzen. Wenn sie ehrlich zu euch sind, schwärmen sie euch nicht nur etwas vor, sondern weisen auch auf Probleme hin, die auftreten können. Zum Beispiel, was passieren kann, wenn der Hund alt wird. Demenz, Inkontinenz, Altersstarrsinn und Bösartigkeit sind Symptome, die nicht nur bei Menschen auftreten können, auch Hunde sind davon betroffen. Aktuell gehe ich zum Beispiel auf dem Zahnfleisch, weil unsere Lucy seit einigen Wochen jede Nacht anfängt zu seufzen und jammern. Immer zwischen vier und fünf Uhr. Ich werde davon wach und kann dann nicht mehr einschlafen. Da ich eine Hausstaubmilbenallergie habe und daher schon mit den eigenen Hautschuppenpartikeln im Schlafzimmer kämpfe, kann ich sie nicht dort schlafen lassen, ganz von den vielen langen Haaren abgesehen, die ich dort einfach nicht haben möchte. (Das ist auch so eine Sache: sollen Hunde im Schlafzimmer schlafen oder nicht? Antwort: so, wie ihr persönlich das für gut und richtig erachtet.)

Die Reihe „Unser Hund“ aus dem Kynos Verlag nimmt alle Lebensabschnitte der porträtierten Hunde in den Blick, verschafft einen Überblick auf Details, die man beachten sollte (Erbkrankheiten, erwartbare Gesundheitsprobleme, wie erkennt man Qualzuchten).

Und dann, wenn schließlich die Entscheidung gefallen ist: Viel Spaß!

Ein letztes: NIE,NIE,NIE einen Hund irgendwo aus dem Auto heraus kaufen!!! Man „erlöst“ damit vielleicht ein einzelnes Tier aus schlimmen Verhältnissen, sorgt aber dafür, dass dieses Geschäftsmodell Erfolg hat und weiter betrieben wird!

Bibliografische Angaben: Inga Paff, Der Australian Shepherd, Kynos, ISBN 978-3-942335-18-8, € 19,95 (Österreich € 20,60)

PS: Auf dem Beitragbild habe ich festgehalten, was euch erwartet, wenn ihr langhaarige Hunde und Teppichboden habt: Immer wieder staubsaugen. Allerdings weigere ich mich strikt, das mehr als einmal am Tag zu tun.

PPS: Auch wenn ein Leben mit Aussies nicht immer nur Zuckerschlecken ist, denn es sind durchaus Hunde mit Ansprüchen, ich würde jederzeit wieder einen nehmen. Es sind halt tolle Tiere. Aber das sagt vermutlich jeder von seinem Hund.

Vermutlich einfach nur das Alter

Ich bin fix und fertig. Fühle mich, als hätte ich im Deutschland-Achter mitgerudert. Beine, Schultern, Arme. Alles tut weh. Vermutlich einfach nur das Alter, meinst du? Ja, sicher, aber in diesem Fall nicht unbedingt meins.

Was mich so fertig gemacht hat, war der Tierarzt-Termin mit Lucy heute Vormittag. Sie fährt immer noch gerne Auto, auch wenn man ihr beim Ein-und Aussteigen etwas helfen muss. Aber als sie merkte, wo sie wieder ausstieg, wäre sie am liebsten sofort wieder in den Kofferraum gehüpft. Es wird jedes Mal schwieriger, sie in die Praxis zu komplimentieren.

Den Röntgentisch kannte sie ja schon, wollte aber trotzdem nicht still liegen (auch wenn sie zuhause mitunter eine Stunde am Stück auf der Seite liegt). Also ist ein fester Griff gefragt, um das Röntgenbild hinzubekommen. Kurze Verschnaufpause. Neuer Raum: Herzultraschall. Auf dem Tisch steht eine gepolsterte Liege mit zwei Ausschnitten. Dort hinauf wird der Hund mit der Hilfe durch die Tierarzthelferin gewuppt. Hinter den Achseln kommt die Wolle runter, den Sound des Rasierers mag Madame auch nicht. Und dann: wieder auf die Seite legen (lassen). Meine Aufgabe: das unten liegende Bein und den Kopf fixieren. Zum Glück macht ihr zumindest der Maulkorb nichts aus, den brauchen wir, weil sie seit ein paar Monaten auch schonmal von der Seite schnappt, wenn sie sich bedroht fühlt. Aber sie ist so aufgeregt, dass ich den Tierarzt dafür bewundere, wie er bei diesem Herzrasen überhaupt etwas erkennen kann. Halbzeit, Hund auf die andere Seite drehen, damit auch die Herzklappen angeschaut werden können. Danach wieder eine Viertelstunde Pause, damit Lucy „runterkommt“, ein wenig in der Sonne sitzen und kraulen.

Nächster Punkt: EKG. Wieder auf den Tisch, aber stehen bleiben. Also ist meine neue Aufgabe, den Kopf zu halten und zusätzlich um den Körper herumzugreifen, damit sie sich nicht hinlegt. Was soll ich sagen, sie hat die ganze Zeit gejammert und gequietscht, als sollte sie bei lebendigem Leib gehäutet werden. Naja, wie soll man einem Hund auch erklären, was ein EKG ist… Für mich war es jedenfalls ein Kraftakt, denn diese Hündin entwickelt ziemliche Kräfte, wenn sie sich gegen etwas wehren will und besteht dann gefühlt nur aus zappelnden Gliedmaßen. Die Höhe, in der ich sie fixieren musste, tat meinen Beinen auch nicht wirklich gut.

Fazit dieses für Lucy traumatischen Morgens: Körperlich ist sie altersentsprechend gesund. Ihre schwere Atmung, das Jammern und die Unruhe, aber auch ihre Mitteilsamkeit, das unregelmäßige Fressen und alles andere, was uns in den letzten Monaten vermehrt auffällt, kann ebenso vom Kopf her kommen, sprich, auf eine Hundedemenz hindeuten. Immerhin, sie weiß noch, dass man vorher Bescheid sagt, wenn man draußen eine Verrichtung erledigen muss. Und sie freut sich wie Bolle, wenn jemand nach Hause kommt oder sich mit ihr beschäftigt (am liebsten kraulen). Der Preis ist das desorientierte In-der-Gegend-herumstehen und das gelegentliche Schnappen, wenn sie vor etwas Angst hat. Und dass Kalle öfter mal „erzogen“ wird, obwohl sie das vor fünf Jahren schon erledigt hatte. Er meistert das meistens mit Gelassenheit, manchmal zahlt er es ihr mit gleicher Münze heim.

Gut, dass wir nicht vorher wissen, was auf uns im Alter zukommt.

Übergang

Morgen fängt kalendarisch der Herbst an. Und heute ist nochmal Spätsommer. In einem anderen Zusammenhang hab ich es vor ein paar Tagen schon geschrieben: Der Herbst ist eine meiner vier Lieblingsjahreszeiten. Ja, eigentlich mag ich jede Jahreszeit, vor allem, wenn sie gerade beginnt.

Aber der Herbst mit seinem warmen Farbenspiel, den reifen Düften, der Apfel- und Kartoffelernte, warmen Sonnenstrahlen und kühlem Morgennebel einerseits; den tropfnassen grauen Tagen und den Stürmen, die uns zeigen, dass wir Menschen nicht alles kontrollieren können andererseits, dieser Herbst ist doch immer wieder etwas Besonderes. Es ist Abschiedsschmerz vom prallen Leben des Sommers und Vorfreude auf den neuen Abschnitt, der im Jahreslauf vielleicht auch eine Ruhephase einläutet.

Heute Abend war ich nach langer Zeit das erste Mal wieder mit beiden Hunden an der Leine im Feld, ich bin mit ihnen Kathrin entgegengegangen, die mit dem Fahrrad aus dem Nachbardorf kam. Als kleines Highlight konnte ich einen Heißluftballon beobachten, wie er langsam über dem Wald tiefer ging, sich aber dann noch mehrere hundert Meter weiter bis auf eine große Wiese „retten“ konnte und dort dann landete.

Auch wenn durch das starke Heranzoomen (ich war leider zu weit weg) das Bild nicht die beste Qualität hat, der Augenblick mit dem LKW im Hintergrund war einfach zu gut…
Schon merklich schlanker geworden ohne Hitzezufuhr
Selbst am Boden liegend noch imposant, vor allem, wenn man die kleinen Menschen daneben sieht.

Kathrin und ich hatten ein nicht alltägliches Erlebnis, die Hunde haben nach mehreren Monaten ihre „Hausstrecke“ neu erschnüffelt und ich spüre meine Oberschenkel brennen. So ungeduldig ich bin, es wird wohl leider immer noch eine Weile dauern, bis die Beine wieder so richtig fit sind. Aber es wird, das hoffe ich fest.

Vorgerücktes Alter

Lucy wird eine alte Dame. Man merkt es daran, dass sie behäbiger wird, nicht mehr so gut hört, wenn man etwas weiter weg ist, zum aufstehen braucht sie deutlich mehr Zeit als früher. Ausnahme: Die Hündin von nebenan bellt. Die Damen sind sich nicht grün und so gibt es immer einen kurzen Adrenalinstoß, der sie ihr Alter und ihre Zipperlein vergessen lässt.

Seit einem halben Jahr hat sie aber leider immer deutlicher Probleme mit der Atmung. Es fing mit exzessivem Schnarchen an, das hat jetzt nachgelassen, dafür japst sie immer ziemlich, als ob wir gerade von einer langen Wanderung an einem heißen Tag zurückgekommen sind. Dabei könnte ich so richtig ausgiebige Spaziergänge selbst noch nicht durchhalten. Dazu kommt eine allgemeine Unruhe, statt entspannt bei uns in der Küche zu liegen, steht sie alle paar Minuten auf und sucht sich einen neuen Platz. Sie reißt selbst im Schlaf manchmal laut nach Luft und auch wenn es nicht nett klingt, sie ist ein richtiger Jammerlappen geworden, wenn etwas nicht so richtig ist für sie. Der Appetit ist ebenfalls sehr wechselhaft.

Ende August waren wir zum Röntgen beim Tierarzt, aber der Befund ist nicht ganz klar. Das Herz ist nicht vergrößert, sie hat auch keine Tumore in der Lunge oder so, „nur“ etwas verkalkte Bronchien. Das Blutbild ist altersgemäß in Ordnung, es ist also auch nicht die Schilddrüse. Es stand die Vermutung im Raum, dass es eventuell Asthma sein könnte, aber eine Woche Kortison brachte keine Besserung. Also weitersuchen. Heute wieder ein Termin in der Praxis, in die wir sie inzwischen nur noch mit einer Mischung aus gut zureden und sanftem Zwang hineinbekommen. Um eine versteckte bakterielle Entzündung auszuschließen, gibt es jetzt eine Woche lang Antibiotika, wenn sich dann immer noch nichts tut, wird ein Herz-Ultraschall gemacht. Ist das auch unauffällig, ist ein CT die letzte diagnostische Lösung (unter Vollnarkose).

Ich frage mich inzwischen, was ist eigentlich der größere Stress und die höhere Belastung für sie? Die Unruhe und Luftnot oder die immer neuen Behandlungen? Die spürbare Angst, wenn wir ihr in den Kofferraum helfen, wo sie auch nicht mehr allein hineinspringen kann.

Ja, sie wird auch langsam ein bisschen tüddelig, manchmal steht sie in der Gegend und weiß anscheinend nicht mehr, warum sie jetzt irgendwo hin gegangen ist. Sie seufzt und jammert, aber die reinen Körperfunktionen sind noch da, sie freut sich nach wie vor in einer Weise, als ob sie einen Propeller im Po hätte, sie genießt es, einfach bei uns zu sein.

Gibt es auch Palliativbehandlung für Hunde? Wenn wir einfach für sie da sind, ihr nur ihre Angst und Unruhe nehmen statt intensive und anstrengende medizinische Behandlungen durchzuführen, kann sie doch hoffentlich noch eine schöne Zeit bei uns haben. Ich weiß es nicht. Es ist das erste Mal, dass wir vor so einer Situation stehen. Unsere erste Katze hat irgendwann Reißaus genommen, als sie zum zigsten Mal wegen einer chronischen Erkrankung in die Klinik sollte und sich zum Sterben irgendwo verkrochen. Die anderen hatten leider tödliche Begegnungen auf der Straße.

Ich bin ratlos und das gefällt mir nicht. Edgar und Kathrin geht es ähnlich.

Keine Abkühlung

Trotz etwas leichtem Landregen gestern Abend war es eine zu heiße Nacht, schon die siebte in Folge. Langsam geht es mir an die Substanz. Ich bin eher der Typ, der auch im Winter bei Minusgraden mit offenem Fenster schläft. Temperaturen von 25 Grad im Schlafzimmer sind Quälerei für mich, was sich inzwischen deutlich bemerkbar macht. Wenig Schlaf in schlechter Qualität ist etwas, das ich mit Anfang Zwanzig noch wegstecken konnte. Inzwischen macht es mich mürbe; zusammen mit den rheumabedingten Schlafproblemen kippt mein Zustand langsam.

Heute früh streikte dann auch noch mein Kreislauf, für meine Verhältnisse war ich für eine halbe Stunde kurz vor scheintot, erst eine salzige Gemüsebrühe und ein paar Brezeln sorgten für eine Annäherung an den Normalzustand meines Blutdrucks. Gut, dass ich heute zuhause bin und nicht in der Buchhandlung.

Ich dachte mir, wenn ich schon zu nichts anderem in der Lage bin, setze ich mich an die Nähmaschine. Dort bekomme ich von der Nähplatzbeleuchtung schon Schweißausbrüche, ehe ich auch nur eine Naht gesetzt habe. Bin mir selbst im Weg. Dazu noch die Grübelei, ob alles, was ich augenblicklich so mache in den unterschiedlichen Bereichen, wirklich das ist, was ich mir wünsche. Mit zunehmendem Alter bin ich immer weniger bereit, die Zeit mit Dingen zu verbringen, die mir keinen Sinn ergeben oder die ich nicht mag. Andererseits kann ich nicht jammern, denn ich durfte viele Jahre in einem Beruf arbeiten, der zwar nicht zu den bestbezahlten gehört, aber mir Spaß macht und in dem ich mich wohl fühle. Ich habe eine Familie, die ich nicht eintauschen möchte (auch wenn nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen herrscht, aber das wäre auch langweilig und würde Stillstand bedeuten) Wir haben unser Auskommen, und wenn wir auch in einer 201 Jahre alten Dauerbaustelle wohnen, es ist immerhin unsere eigene Dauerbaustelle. Wir haben alles, was wirklich wichtig ist und mehr als viele andere.

Ich glaube, ich erwähnte es bereits, ich gehe mir selbst auf den Keks, ich mag es nicht, wenn ich so drauf bin wie heute, aber es tut gut, es mal rauszulassen. Abkühlung und zwei Nächte ordentlich schlafen wird sein übriges tun, aber darauf muss ich wohl noch warten.

Und bei all dem legen sich Lucy und Kalle draußen auf der Südseite auf die Terrasse, mittags bei 31 Grad im Schatten. Lucy als alte Dame legt sich zumindest noch in den Schatten unterm Tisch, aber Kalle bevorzugt die pralle Sonne. Er ist schon recht speziell, unser Knallkopp…

Geh da endlich weg…

… und gib mir meine Kaustange wieder!

Jeden Morgen bekommen Lucy und Kalle eine Kaustange aus Rinderhaut. Zum Zähneputzen und um die Zeit bis zum Frühstück zu überbrücken.

Heute war Kalle so ungeduldig, dass er seine verloren hat und sie unter das Klavier gerutscht ist. Also legte er sich vor das Klavier und wartete. Aber weder krabbelte die Kaustange von sich aus ans Tageslicht, noch ging das Klavier aus dem Weg. Zwischendurch schaute er mich bittend an, aber ich kam auch nicht dran.

Okay, er bekam eine andere. Und ich muss wohl mit dem Staubsauger und der schmalen Düse ran, denn dieses Klavier braucht mindestens zwei starke Männer, um es zu bewegen…

Immerhin brachte mich diese kleine Episode heute früh zu herzhaftem Lachen. Das ist dieser Tage wertvoll.

Gemeinsam

„Zusammen ist man weniger allein“ ist ein Buchtitel. Lucy und Kalle gehen sich zwar auch gern mal aus dem Weg, und ihre Kissen im Flur liegen an unterschiedlichen Plätzen, aber es gibt auch Situationen, wo sie sich sehr einig sind.

Zum Beispiel, wenn sie in der Küche vor der Heizung liegen und darauf warten, dass sie nach unserem Mittagessen ein Stückchen trockenes Brot bekommen. (Auf dem Foto links oben und rechts unten.) Oder wenn sie darauf warten, dass Kathrin von der Schule nach hause kommt (links unten), wobei Lucy zwischendurch gern mal ihre Aufmerksamkeit Richtung Nachbarschaft richtet, um zu hören, was die Hündin nebenan zu erzählen hat.

Geht es aber um Banane aus dem Kong (rechts oben) oder die Mittagsruhe an einem lauschigen Plätzchen (rechts mittig), dann genießen sie das lieber jeder für sich.

Hunde sind halt auch nur Menschen.

Oder vielleicht sollte ich eher sagen: Menschen sind halt auch nur Hunde…😜

Nur die Harten kommen in den Garten?

Nicht mal Mittag, im Schatten 30 Grad, und unser Dicker will nach draußen. Am liebsten in die Sonne legen. Wenn man dann auf seinem Fell Spiegeleier braten kann und ihn wieder reinlotst, legt er sich wieder vor die Tür und jammert. Lucy übrigens auch. Aber die ist alt, schwarz und muss zurzeit auch noch einen Kragen tragen. Alles keine guten Voraussetzungen für draußen.

Überall in den sozialen Medien, In Fernsehen und Tagespresse wird darauf hingewiesen, dass man seine Hunde nicht der prallen Sonne aussetzen soll und sie nicht im Auto lassen usw. Alles gute und richtige Tipps, die ich unseren beiden Spezialisten vielleicht mal vorlesen sollte. Aber ob sie dann besser verstehen, warum ich sie damit quäle, dass sie lieber in der Waschküche (da ist „nur“ 26 Grad) auf dem relativ kühlen Steinboden liegen sollen? Ich wage es zu bezweifeln…