Messebesuch – von naturnah bis Luxus im Überfluss

Ich hätte es wissen können! Was für die Buchmesse gilt, gilt auch für andere Messen, in diesem Fall für die boot 2023 in Düsseldorf. Dort waren wir gestern. Uff, ich bin geplättet, dabei haben wir uns bei weitem nicht alles angesehen, was teuer ist und edle Namen trägt! Ich hatte mir vorher nicht mal überlegt, wie vielfältig das sein könnte, was dort alles gezeigt wird.

Aber der Reihe nach: gut zwei Stunden Fahrt nach Düsseldorf, dann fast nochmal so lange, bis wir endlich das Auto auf dem Parkplatz abgestellt hatten und mit dem Shuttlebus am Osteingang der Messe angekommen waren. Zumindest war der Einstieg gut gewählt, denn in der Halle 14 fühlte ich mich sofort wohl: Kajaks, Kanadier (fest oder aufblasbar), Faltboote (klassische und solche, die wie Papierschiffchen aussahen), gern auch zum Ausprobieren auf dem künstlichen Flusslauf, der an einer Seite der Halle entlangmäanderte, waren das Erste, was wir zu sehen bekamen.

Erinnerungen an MeckPomm-Urlaube kamen auf, und überfüllt war die Halle auch nicht. Außerdem waren dort klassische Segel- und Motorboote in teils wunderbar restauriertem, teils ziemlich abgewracktem Zustand ausgestellt. Ziemlich schick fand ich dieses Boot, das ich mir sehr gut an der Cote d’Azur vorstellen kann, mit Cary Grant und Grace Kelly an Bord, wie in „Über den Dächern von Nizza“:

Vielleicht braucht es ein bisschen Phantasie, aber in Ansätzen lässt sich das klassische Motorboot erkennen. Es war gar nicht so einfach mit dem Fotografieren, denn ständig liefen mir Leute durchs Bild oder umringten die Boote so dicht, dass Fotos ohne erkennbare Unbeteiligte überhaupt nicht möglich waren. In den meisten Hallen war es außerdem verboten, Fotos zu machen. Naja, die ausgestellten Großyachten mit mehr als 55 Fuß Länge (16,5 Meter und länger…) passten sowieso nicht aufs Bild und Schiffsrümpfe sind auch eher uninteressant.

In der Halle 14 gab es außerdem Ausstellungen von allen, die am und auf dem Wasser für Sicherheit sorgen: Wasserwacht, DLRG, Wasserschutzpolizei… mit verschiedenen Booten bis hin zu Schiffen der Polizei, die normalerweise auf dem Rhein herumfahren.
Sehr anschaulich und auch wichtig: Naturschutzorganisationen machten auf die bedrohte Ressource Ozean aufmerksam, die Vermüllung vor allem durch Plastik, Geisternetze und was sonst noch so alles nicht dorthin gehört, Korallenbleiche durch Überhitzung der Meere, abschmelzende Polkappen…

Nachdem wir uns durch diese ansprechende Ausstellung gearbeitet hatten, ging es weiter in die Hallen 15 und 16, wo Segler auf ihre Kosten kommen sollten. Die bekanntesten Yachtbauer Bavaria, Beneteau, Hallberg-Rassy und viele andere hatten hier ihre „Flagschiffe“ aufgebaut, die neuen großen Modelle, gut und gern doppelt so lang und breit wie unser Boot und mit dem entsprechenden Tiefgang. So sahen wir also vor allem das, was sonst unter Wasser ist: Schwerter, Schrauben und Bugstrahlruder. Abtrennungen an den Ständen sorgten dafür, dass nicht einfach Hinz und Kunz die Treppenaufgänge zu den Oberdecks benutzen konnten. Ein bisschen schade fand ich das zwar, aber man musste sowieso überall entweder die Schuhe ausziehen oder so komische Überzieher drüberstreifen (wie bei der Spurensicherung). Und mit neuen Bootsmodellen geht es mir ähnlich wie mit neuen Wohnwagen: ich mag sie erstmal sowieso nicht so gern wie die älteren. (Aber ich muss sagen: auf dem Caravan Salon durfte man auch in die edlen Tourbusse der Superstars hineingehen und sich einen Moment reich und luxusverwöhnt fühlen.)

Der technikbegabte Part von uns beiden (also nicht ich) hatte Ausrüster für Navigation und ähnliches ins Auge gefasst, war aber enttäuscht von den Auskünften, die er bekam. Zwei bekannte Systeme, die für unterschiedlichste Arten von sinnvollen Informationen (Navigation, Ortung, Wetterdaten etc.) zuständig sind, können nicht miteinander kommunizieren. Keine Fremdsprachenkenntnisse sozusagen. Also hangelten wir uns weiter durch die Hallen 10 und 11, bewunderten geringelte Fenderbezüge, extravagante (und entsprechend teure) Bootshaken, Elektromotoren, Tauwerk, Heizungen, Entsorgungssysteme (aka Bordtoiletten) und anderes. Wir stöberten durch Allwetterklamotten, Rucksäcke, Schuhwerk, besonderes Geschirr im Seemannslook und andere Accessoires.

Und dann entdeckten wir die ganz weite Welt der maritimen Urlaubsdestinationen, egal ob Yachtcharter, besonders schöne Hafenanlagen an der Adria oder Tauchurlaube. Überhaupt: tauchen! Wahnsinn, wo man überall tauchen kann, zu welchen (sportlichen oder kulturellen) Zwecken, mit welchen vielfältigen Ausrüstungsgegenständen… Dem Andrang in diesem Bereich der Messe nach plant mindestens halb Deutschland in diesem Jahr einen Tauchurlaub. Mir wurde es dagegen schnell zu viel.
Da schaute ich mir lieber (natürlich ohne Schuhe, aber ansonsten willkommen) ein Hausboot an, auf dem man über die französischen Kanäle, die brandenburgische Havel oder auch in England führerscheinlos schippern kann (ein Narrowboat gab es leider nicht zum Anschauen). Auch Floating Homes, die neue Art, auf dem Wasser zu leben, wurden gezeigt (interessant, aber ein bisschen steril für meinen Geschmack, neue Sachlichkeit sozusagen).

Den Abschluss machten wir dann wieder in der Halle, in der wir begonnen hatten, damit ich wieder ein wenig mehr mit mir selbst im Einklang war. Dort sahen wir ganz am Ende unserer Messetour noch zwei witzige Wasserfahrzeuge. Das eine war ein aufblasbarer Katamaran, der ein bisschen aussah, als wären seine Eltern ein Standup-Paddleboard (SUP) und eine Hüpfburg gewesen.
Für das andere muss ich euch erstmal einen alten Wassersportwitz erzählen: Was ist der Unterschied zwischen paddeln und rudern? Die Paddler sehen voraus eine Kneipe am Ufer und können dort anhalten. Die Ruderer sehen sie immer erst dann, wenn sie daran vorbei sind.
Dieses Problem können sie mit einer neuen Erfindung ändern: gezeigt wurde eine Art SUP mit Ruderanlage obendrauf. Das besondere daran: die Ruder sind mit einem Gelenk in der Mitte geteilt, so dass die Ruderer tatsächlich „vorwärts“ rudern.

Die Luxusyachten (meist sowieso Motoryachten), die immer im Fernsehen bei der Berichterstattung von der boot gezeigt werden, haben wir uns gar nicht mehr angesehen. Es wäre zwar vielleicht mal nett gewesen, sich so viel Überfluss anzusehen, aber ehrlich gesagt finde ich das so abgehoben, dass es mir keine schlaflosen Nächte bereiten wird, auf diese Erfahrung zu verzichten.

Weser – ähm – Wasser marsch!

Heute hatte ich mal wieder etwa eine Stunde Zeit zu überbrücken, die ich für einen Spaziergang am Weserradweg nutzen wollte. Von der Schachtschleuse in Minden ging ich also guten Mutes weserabwärts los und freute mich, dass die Weser nach den wasserarmen Sommermonaten letztes Jahr mal wieder reichlich Wasser hat.
Leider sorgte das auch dafür, dass ich schneller als gedacht den Rückweg antreten musste, weil ich nicht das passende Schuhwerk trug. Genossen habe ich den Spaziergang trotzdem und ein paar „Beweisfotos“ gemacht, für die nächste Trockenphase, die auch bestimmt wieder kommen wird…

Wo Vergänglichkeit auf die Ewigkeit trifft

Die Friedhofskapelle des Nordfriedhofes Minden

Zu Friedhöfen habe ich ein zwiespältiges Verhältnis, das sich seit Jahrzehnten zwar immer etwas wandelt, aber der Zwiespalt an sich bleibt. Als Kind begleitete ich meine Mutter mindestens einmal im Monat zu den Friedhöfen, bei uns im Dorf, wo ihre Eltern begraben waren und nach Minden auf den Südfriedhof zu den Gräbern meiner Großeltern väterlicherseits. Ja, ich hatte nicht lange in meinem Leben Großeltern, da ich das spätgeborene Kind einer Mutter war, die selbst auch schon die Jüngste in ihrer Familie war.

Alte Familiengruft auf dem Nordfriedhof

Also wurden die Gräber gepflegt, es wurde gejätet, geschnitten, geharkt, gegossen, Mama hatte extra eine „kleine Friedhofsharke“ (die übrigens immer noch existiert), mit der am Ende die Furchen schön parallel in der dunklen Erde gezogen wurden. Wie auf allen anderen Gräbern in der Umgebung auch. Und zweimal im Jahr, vor Ostern und vor Totensonntag, gab es Großeinsätze. Dann wurden auch zu groß gewordene Koniferen ausgetauscht. Die Großen nahmen wir mit nach Hause und pflanzten sie im Garten ein, dafür wurden kleine Pflanzen nachgekauft, bei denen sich das Spiel nach ein paar Jahren wiederholte. Zu Ostern gab es außerdem zum Abschluss Tulpen, im November einen Kranz als Winterschmuck. Überflüssig zu erwähnen, dass gerade diese großen Aktionen für ein Kind schnell langweilig wurden.

Vor vier Wochen lief hier noch Wasser, gerade in diesem Jahr Inbegriff des Lebens

Schon damals, vor fast einem halben Jahrhundert, machte ich mich also auf den Weg, während meine Mutter an den Gräbern hingebungsvoll arbeitete, und erkundete den Friedhof. Bei uns im Dorf war das übersichtlich und recht schnell geschehen, ich balancierte auf Grabumrandungen (sorry, so mit ungefähr fünf Jahren macht man sich noch keine Gedanken, ob das „schicklich“ ist), bewunderte alte Familiengruften der Landwirtsfamilien, sammelte je nach Jahreszeit Blumen, Kiefernzapfen oder Kastanien und Eicheln. In Minden war der Friedhof ungleich viel größer, mit „uralten“ Bereichen, die total zugewachsen waren mit sehr großen Eiben, hohen und dicken Lebensbäumen, schiefen und verwitterten Sandsteingrabsteinen. Da konnte sich ein Dötz schon mal verlaufen.

Prächtige Gruft mit Sarkophag. Heute eher unüblich.

Warum ich das erzähle? Weil ich vermute, mein innerer Zwiespalt rührt aus dieser Zeit. Ich weiß um die Stärke und Wichtigkeit von Ritualen, sie können heilen helfen in Zeiten der Trauer. Ich habe auch früher immer gesagt, es ist gut, einen konkreten Ort zu haben, an dem man gedenken kann. Ein Teil von mir sieht das heute noch so. Ich möchte jedenfalls niemandem die rituelle Grabpflege madig machen, weil es oft ein tiefes Bedürfnis ist, aber ich musste leider auch häufig beobachten, dass sie nur aus dem Grund betrieben wurde, „die Leute“ könnten ein schlechtes Bild bekommen. Und diese Motivation fühlt sich für mich falsch an.
Inzwischen habe ich noch ein anderes Verständnis dazugewonnen: Das Gedenken findet bei mir persönlich eher in Alltagssituationen statt. Zum Beispiel hier auf dem Blog, wenn ich kleine Anekdoten aufschreibe. Oder bei der Gartenarbeit, wenn mir in den Sinn kommt, wie Mama mich als Kind angeleitet hat (und ich trotzdem sehr vieles heute anders mache😉, weil mir neben Traditionen auch neue Herangehensweisen wichtig sind). Wenn ich den Rotkohl grundsätzlich nach ihrem Rezept „frei Schnauze“ koche, aber ein paar Kleinigkeiten verändere, die es zu meinem ganz eigenen machen.

Friedhöfe liebe ich nach wie vor. Als Orte der Stille (auch, wenn ich heute früh leider in der Zeitung lesen musste, dass auf dem Nordfriedhof neuerdings eine Gruppe Leute säuft und randaliert, was ist mit manchen Menschen bloß los?), der Besinnung, der Erinnerung. Als ich gestern über den alten Teil des Friedhofes geschlendert bin, habe ich einige der alten Familiengruften fotografiert, weil sie Geschichten erzählen. Ganz bewusst habe ich alte Grabstellen ausgewählt, wo die letzte Bestattung schon lange zurückliegt und darauf geachtet, dass möglichst keine persönlichen Angaben lesbar sind. Die Geschichten, die hier erzählt werden, handeln von familiärer Identität über Generationen hinweg. Von Honoratioren der Stadtgeschichte, deren Wichtigkeit und Wert noch nach ihrem Tod in Stein gemeißelt wurde. Grabstätten mit Sandsteinbänken, eine sogar mit einem relativ modernen Gartenstuhl, die davon zeugen, dass Menschen die Nähe ihrer Vorfahren such(t)en, als Trost, als Bestätigung der Bindung oder als Ruhepunkt im unbeständigen Leben.
Andere Geschichten handeln von unerfüllten Hoffnungen, wie der Grabstein eines Fliegers aus dem ersten Weltkrieg. Die Eltern des jungen Mannes hatten sogar auf den Grabstein schreiben lassen, in welcher Berufsausbildung sich ihr Sohn befand, als er brutal aus dem Leben gerissen wurde.
Sehr berührend und wegen der Aktualität natürlich ohne Fotos ist das Sternenkindergrabfeld. Bunte Windspiele, Kuscheltiere, Laternchen, Spielzeugautos und viele kleine persönliche Statements zeigen anschaulich, dass die Trauer um ein Baby, das nicht leben konnte, nicht in einer bestimmten Zeit „abgearbeitet“ werden kann, wie es von der Gesellschaft mehr oder weniger unterschwellig aber oft erwartet wird. Werten will ich nichts davon.

Besonders empfinde ich auf Friedhöfen immer den Geruch, nach vielen Pflanzen, großen Bäumen und kleinen Stauden, im Herbst gern auch etwas modrig, nach Vergehen. Die Vögel singen zu fast jeder Jahreszeit, weil sich hier viele Nistplätze finden. Auf dem Nordfriedhof gibt es auch eine große Saatkrähenkolonie. Menschen werkeln an den Gräbern, erholen sich auf Sitzbänken am Wegesrand, führen ihren Hund spazieren oder schlendern einfach herum, so wie ich. Keine hundert Meter entfernt ist eine große Ausfallstraße mit viel Verkehr, auf der anderen Seite liegt die Weser und die Kanalschleusen, gegenüber der Weser beginnt das Industriegebiet. Aber hier ist von Alltag, Hektik und Lärm nichts spürbar. Ein bisschen wie ein Kokon, in dem die Zeit eine untergeordnete Rolle spielt.

Friedhöfe sind Orte der Trauer, keine Frage. Aber sie sind auch Orte der Besinnung, des Luftholens und der Hoffnung. Ob es nun die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod ist, die Gewissheit, dass Schmerzen und Leid ein Ende finden oder schlicht und einfach ein Ort, der ein innehalten in der Hektik ermöglicht. Sie können dadurch ebenso Kraftorte sein. Alles das hat seine Berechtigung.

Herbst am Kanal

Wieder hatte ich ein halbes Stündchen, zum Warten, zur freien Verfügung. Weil ich sowieso in der Nähe war und das Wetter lockte, zog es mich mal wieder zum Wasserstraßenkreuz.

Heute waren beide Schleusen offen, vom Kanal aus gesehen, das sehe ich nicht oft. Aber auf dem linken Foto gibt es ein Detail, das ich noch länger so nicht gesehen habe. Der Kühlturm in der Bildmitte dampft wieder.

Das Steinkohlekraftwerk in Lahde an der Weser wurde im Sommer 2021 vom Netz genommen, aber noch nicht endgültig stillgelegt. Bis Ende September 2022 sollte es als Reserve zur Verfügung stehen. Seit Ende August wird dort nun wieder Strom produziert.

Wunderschön und im Gegensatz zum Sommer auch mit grünem Rasen ist der kleine Park an der alten Schachtschleuse anzusehen, das tut Augen und Gemüt gut.

Zum Schluss stelle ich euch noch ein paar Häuser vor, die in unmittelbarer Nähe zum Wasserstraßenkreuz stehen, Häuser, die ich schon öfter bewundert habe.

Wieder einmal denke ich mir: Wenn ich in Minden wohnen wollte, wäre hier möglicherweise meine bevorzugte Wohnlage. Nah am Wasser, an der Natur, am Stadtrand, am Weserradweg… und die Architektur dieser Häuser gefällt mir sehr gut.
Wahrscheinlicher Wermutstropfen: im Sommerhalbjahr wimmelt es an dieser Straße von Autos, Reisebussen, Motorrädern und Wohnmobilen, deren Nutzer Parkplätze suchen, um eine Fahrt mit der Fahrgastschifffahrt zu unternehmen oder sich die beiden so unterschiedlichen Schleusen aus zwei Jahrhunderten anzusehen, die hier so einträchtig nebeneinander liegen. Und möglicherweise merkwürdige Gerüche von den chemischen und anderen Werken, die auf der gegenüberliegenden Weserseite angesiedelt sind, aber das nur bei Ostwind.

Wachgeküsste Erinnerungen

Bildausschnitt: Google Earth

Ich bin mit der Teufelskrone von Rebecca Gablé immer noch nicht durch. Teilweise liegt es am Umfang des Buches, aber teilweise auch an meiner Wissbegierde (Sachliteratur, Wikipedia und Google Earth sind meine ständigen Begleiter) – und an Urlaubserinnerungen. Im Buch geht es neben der Familie Waringham (die immer der jeweiligen Königsfamilie dient), um die Plantagenets und ihre Herrschaftszeit, nicht nur in England, sondern auch in weiten Teilen des heutigen Frankreichs, ihrer eigentlichen Heimat: Aquitanien, Anjou, Touraine und wie die schönen Landschaften heißen.

Vor fast 30 Jahren hatte mich die Faszination für diese machtbewusste und skandalträchtige Familiendynastie schon einmal erfasst, damals hatte ich Die Löwin von Aquitanien von Tanja Kinkel gelesen und ich liebte den Film Der Löwe im Winter mit Peter O’Toole und vor allem der großartigen Katherine Hepburn. Was lag also näher, als im Frankreichurlaub einige Orte zu besuchen, die sinnbildlich für diese Epoche stehen? Nach zwei Wochen Atlantikküste auf der Halbinsel Medoc fuhren wir gemächlich das Loiretal samt Nebenflüssen hinauf. Ich erinnere mich noch an einige nette Campingplätze, wie den Camping Municipal in Chinon, am Ufer der Vienne, der Burg gegenüberliegend. Den gibt es auch heute noch:

Chinon: unten Campingplatz, oben Stadt und Burgruine (Google Earth)

Außer der Burgruine von Chinon besuchten wir von dort aus auch die Abtei Fontevrault, in deren Kirche die Grabmäler von Henry II. und seiner Frau Eleonore von Aquitanien sowie deren Sohn Richard I., genannt Löwenherz ebenso liegen wie das von Isabelle von Angouleme, der zweiten Frau seines Bruders John (Johann Ohneland, Thronfolger von Richard)

Eine nicht so nette Erfahrung machten wir dagegen in Amboise: der Campingplatz liegt sehr malerisch auf einer Loire-Insel, aber da unser damaliger Wohnwagen eine Tandem-Achse hatte, durften wir nicht dort bleiben. Hätte man das mit dem leichten Sandboden und der Einsinkgefahr erklärt, wäre es uns auch noch eingeleuchtet, aber die Aussage lautete: Tandem-Achsen hätten nur die Wohnwagen von „ciganes“ (ja, wörtlich: Zigeuner!) und die wären nicht willkommen. Unsere deutschen Personalausweise galten nichts. Schon damals fand ich diese diskriminierende Haltung gegenüber den Menschen, die als billige Erntehelfer gern genommen wurden, aber ansonsten gesellschaftlich nicht anerkannt waren, mehr als grenzwertig. (Zumal wir in einem früheren Urlaub in den französischen Pyrenäen mit einer Gruppe wallfahrender Roma sehr nette Erfahrungen gemacht hatten, aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.)

Als Ausgleich dafür fanden wir dann aber einen schnuckeligen kleinen Camping à la Ferme (auf dem Bauernhof), nur zwei Handvoll Stellplätze, durch Hecken abgetrennt, Sanitärgebäude war eine umgebaute Feldsteinscheune und frische Milch und Eier gab es auch. Das war in der Nähe von Chambord, welches wir natürlich auch besuchten. Ich habe nicht nachgezählt, ob es dort tatsächlich 365 Kamine gibt (für jeden Tag des Jahres einen), aber unsere beiden Töchter, die damals noch nicht in die Schule gingen, hatten einen großen Spaß an der berühmten Treppe, von Leonardo da Vinci entworfen. Diese Treppe besteht eigentlich aus zwei Treppen, die in einer Doppelhelix ineinander verschlungen sind wie ein DNA-Strang. Jede von beiden nutzte eine Treppe, sie konnten einander immer mal wieder durch Durchbrüche und Sichtfenster im zentralen Mauerwerk sehen, aber sie begegneten sich nie. Rauf und runter flitzten sie und wurden nicht müde.

Foto: Wikipedia

Wir besuchten auch noch Schloss Villandry, das französische Dornröschenschloss mit dem wundervollen Gemüsegarten, in dem Kohlköpfe, Lauch und andere Nutzpflanzen einträchtig neben üppigen Rosen wachsen. Sehr bekannt sind auch die Gärten der Liebe, die in einzelnen Bereichen die unterschiedlichen Liebesarten darstellen. Hier bei Wikipedia gibt es tolle Fotos von diesem Garten. Ich habe keine Fotos der Reisen (1996 und 1997 war das vermutlich), die ich hier präsentieren könnte, das war deutlich vor meiner Zeit der Digitalfotografie, die erst nach 2010 begann.

Ach herrje, während ich dieses schreibe, bekomme ich doch glatt ein wenig Sehnsucht, diese oder eine ähnliche Tour noch einmal zu fahren.

Wasserstandsmeldung Weser

Gestern früh las ich in der Tageszeitung einen Artikel, dass der Weser langsam das Wasser ausgeht. Laut „Pegelonline“ war zu der Zeit am Pegel Porta noch ein Wasserstand von 126 cm. Auf der Oberweser war bereits der Schiffsverkehr eingestellt, bei uns hier profitieren wir (noch) von der Staustufe in Petershagen, der Rückstau sorgt unter anderem dafür, dass die Versorgung des Mittellandkanales aus der Weser noch gewährleistet ist (Ja, auch der Kanal verliert Wasser. Nicht so viel wie die Weser, aber auch dort findet Verdunstung statt.) In Hameln sah das schon ganz anders aus, dort waren es gestern früh 66 cm. Werra und Fulda, die Quellflüsse der Weser, sind schon ziemlich flach, aber auch die Diemel- und die Edertalsperre können nicht mehr viel Wasser abgeben.

Der Zeitungsartikel inspirierte mich, auf dem Weg zur Arbeit mit dem Rad einen Abstecher an die Kanueinsetzstelle am Porta Bahnhof zu machen. Es sieht noch nicht so spektakulär aus wie am Rhein, aber viel Wasser ist da definitiv nicht:

Bild 1: Blick auf die andere Weserseite nach Barkhausen. Kanuten haben dort schon Schwierigkeiten beim Ein- und Aussteigen.
Bild 2 und 3: Der Schiffsanleger für die Fahrgastschifffahrt sieht noch gut versorgt aus, aber das täuscht. Bis hier kann die „weiße Flotte“ nicht mehr fahren, es ist zu flach.
Bild 4 und 5: Mein Standpunkt ist eine Kanueinsetzstelle. Normalerweise geht das Wasser mindestens bis an die unterste Stufe heran, manchmal sogar etwas mehr. Aktuell ist von der Oberkante des Brettes bis an die Wasseroberfläche mehr als ein halber Meter Platz, Kanus einsetzen klappt nicht, denn wie man auf Bild 6 und 7 sieht, ragen die Steine teilweise aus dem Wasser.

Jetzt, wo ich dieses schreibe, ist der Pegel Porta auf 107 cm gesunken. Nennenswerte Regenfälle werden uns nicht angekündigt. Und ich bin gerade ganz froh, dass ich in meinem Garten die Brennnesseln und Disteln stehengelassen habe. Nicht, dass diese Absicht dahintergestanden hätte, aber es ist hier immer noch relativ viel Grün zu sehen, weil der Boden fast flächendeckend beschattet wird. Wind und Sonne kommen jedenfalls nicht zum Zug. Und das, obwohl ich nur die Tomaten, Chilis und Paprika an der Hauswand relativ sparsam mit dem restlichen Regenwasser aus dem Tank versorge.

…Wasser…

Immerhin. Vier Liter Wasser auf den Quadratmeter in 24 Stunden. Das war gestern.
Heute haben wir eine Mädelstour mit Quoten“mann“ Kalle durchs Hiller Moor gemacht.

„Großes Torfmoor und Altes Moor bilden mit der Bastauniederung wesentliche Kerngebiete im Biotopverbund zwischen Weserniederung und dem Bastau-Hunte-Korridor und sind diesbezüglich von herausragender Bedeutung. Für den Naturraum der DümmerGeest-Niederung stellt es den typischen Lebensraum eines Hochmoores dar, der neben den eigentlichen Hochmoorbereichen mit einem äußerst strukturreichen Vegetationskomplex auch noch Birken-Moorwald und ausgedehnte Feuchtheiden aufweist. Das Gebiet bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten – darunter viele seltene und gefährdete Arten, z. B. BekassineKrickente und Knäkente sowie Moorfrosch – einen Brut-, Nahrungs-, Durchzugs- und Siedlungsraum ersten Ranges. Sowohl ornithologisch als auch pflanzensoziologisch darf dieses Moor sicher in die Reihe der international wichtigsten Feuchtgebiete eingestuft werden. Aus diesem Grund wurde das Große Torfmoor 1980 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Kerngebiet, das eigentliche Hochmoorgebiet, umfasst eine Fläche von ca. 3,5 km², (davon 2,3 km² auf Lübbecker und 1,2 km² auf Hiller Stadt-/Gemeindegebiet). Das gesamte Naturschutzgebiet umfasst dagegen mittlerweile rund 20 km² Fläche. Zur Fauna gehört unter anderem auch der Weißstorch, der innerhalb Westfalens im Kreis Minden-Lübbecke seinen Verbreitungsschwerpunkt hat.

Nah beim Moor liegt bereits der Naturpark Wiehengebirge (im Süden), die Naturschutzgebiete Altes Moor und Freimoor (im Norden) und die entlang des Kanals gelegenen Naturschutzgebiete Gehlenbecker MaschRauhe Horst – SchäferwiesenEllerburger Wiesen und Bastauwiesen. Insgesamt liegt das Große Torfmoor daher in einem großräumigen Biotopverbund.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fes_Torfmoor

Wo letztes Jahr im Bruchwald noch Tümpel waren, in denen Enten herumplantschten, bekommen die Schwarzerlen augenblicklich trockene Füße und Brombeerhecken breiten sich aus.

Ein Moorteich, auf dem Teichrosen normalerweise schwimmen, sah ebenso traurig aus, die Blätter der Wasserpflanzen werden schon gelb und rollen sich ein.

Kalle fand trotzdem in einem unaufmerksamen Augenblick den einzigen Pfuhl mit brackigem Wasser direkt am Weg, in den er mit einem lauten „Platsch“ einen Köpper machte…

Den Modder an seinen Beinen kann man aus der Perspektive nur vage erahnen…

Ein größerer Moorsee war immerhin noch nicht ausgetrocknet, so dass Enten und Gänse sich noch wohlfühlen können, aber der Wasserstand ist deutlich niedriger als sonst. Auch die Heideblüte ist farblich leicht ausgeblichen und eher verhalten.

Immerhin freuen die Wildbienen und Hummeln sich über die ausgiebige Distelblütenpracht. Immerhin etwas…

Insgesamt waren nur wenige Menschen im Moor unterwegs, auch die Schafe der Moorschäferei haben wir nicht gesehen.
Aber etwas hat mich so geschockt, dass ich es gar nicht erst fotografiert habe:
Es gibt eine Moortretanlage, ähnlich wie ein Kneippbecken, wo man seine Runden durch den Mutt drehen kann und dann die Beine unter einer Schwengelpumpe mit teebraunem Moorwasser wieder abwaschen. Was soll ich sagen: knochentrocken!

Ein solches Moor kann keine vernünftige CO2-Senke sein. Eher im Gegenteil. Und die moortypischen Pflanzen und Tiere verlieren ihren Lebensraum, der in den letzten 30 Jahren mit viel Geduld, Geld und Arbeitseinsatz renaturiert wurde und immer noch wird.

Etüdensommerpausenintermezzo

Hier geht es zur Beschreibung auf Christianes Blog Irgendwas ist immer.

Mal sehen, was mir zu dieser Herausforderung einfällt. Als erstes kommt

Eine Urlaubserinnerung

Wir brauchten noch nie einen Flughafen, nicht einmal eine Regionalbahn, um in den Urlaub zu starten. Ein Wohnwagen genügte uns, um unsere Sommerpause ganz entspannt zu starten. Vor allem mit kleinen Kindern habe ich es immer als Vorteil empfunden, für jede Wetterlage und verschiedene Beschäftigungsmöglichkeiten die liebsten Kleidungsstücke und Utensilien einpacken zu können. Ich brauchte nicht so sehr auf Höchstgewichte achten und ob alles in den Koffer passt. Was andererseits aber nicht heißt, dass es keine Obergrenzen gab. Auch ein Wohnwagen hat ein zulässiges Gesamtgewicht, aber es passt eben ziemlich viel hinein, was man auf einer Reise mit seinem ganz privaten Flohzirkus namens Familie so braucht.
Der Komfort, fast alle Lieblingssachen der Familienmitglieder immer griffbereit zu haben, auf dass uns niemand würde nachsagen können, wie wenig wir einander kennen, entschädigte mich auch so manches Mal dafür, dass meist ich diejenige war, die in aller Herrgottsfrühe aufstand, um den ersten Spaziergang mit dem ausgeschlafenen Hund zu machen. Dafür hatte der Mann den Part mit dem Fahren übernommen, eine Sache, die ich mir mangels Überblick bis heute nicht zutraue.
Auf dem Campingplatz angekommen, suchten wir uns einen schönen Platz im Kiefernwald. Wie wichtig Schatten ist, erfuhren wir vor allem in dem Sommer, als ich zum dritten Mal schwanger war. Es gab eine Hitzewelle, wie sie uns bislang eher unbekannt war, wir hatten die höchste Waldbrandwarnstufe im Müritz-Nationalpark, es gab sogar Pläne für eine Wasserrationierung, und das mitten zwischen den vielen klaren Seen. Tagelang verbrachten wir damit, im Laufe der Tage mitsamt Stühlen, Tisch und Tischtuch von einem Schattenplätzchen zum nächsten rund um den Wohnwagen umzuziehen. Und obwohl niemand von uns eine ausgesprochene Wasserratte ist, genossen wir morgens und abends das Baden im See. Unsere großen Töchter stellten in diesem Sommer die bange Frage, was denn passiere, wenn mitten in der Nacht ein Feueralarm käme. Die Schranken waren von 22 bis 6 Uhr geschlossen, die Zufahrt zum Platz führte einen Kilometer durch den Wald und jeder Wohnwagen hatte ein bis zwei Gasflaschen. Sie fanden es aufregend bis etwas gruselig, kamen aber auch selbst auf eine Lösung: Viele Camper hatten Kanus dabei – wir auch – und am Platz gab es weitere zum Ausleihen. Also: Alle in die Kanus und ab auf den See.
Glücklicherweise musste bisher nie ausprobiert werden, ob dieser Plan funktioniert hätte.

Biografie und Fiktion treffen in dieser Episode aufeinander. Eine sehr willkommene Schreibübung, um sich „warmzuschreiben“ für längere Texte. Etwas Mühe hatte ich mit dem Satz, den Christiane gern lesen möchte, deswegen entschuldige ich mich für den umgebenden Bandwurmsatz, der eindeutig nicht barrierearm ist. Leider (vielleicht auch zum Glück für die Konzentration😉) hat mich beim Schreiben niemand mit Kulleraugen angesehen und Milonga konnte ich noch nie tanzen. Das wäre auch bei dem holperigen Untergrund im Wald sicher sehr schwierig gewesen. Die Ukraine konnte und wollte ich in dieser Etüde nicht unterbringen, erstens, weil sie damals keine Rolle spielte und zweitens, weil ich denke, dass es auch im Jahr 2022 krisenarme Orte geben muss, und sei es „nur“ in Geschichten.

Waldentspannung

Mentale Überforderung ist heute meine Baustelle. Angekündigt hatte sie sich schon länger, heute ist sie ausgebrochen. Ich bin dann wie ein Vulkan, bei dem sich ein Magmapfropfen mit lauter Explosion löst.
Deswegen und weil es im Wald an diesen warmen Tagen angenehm ist für Mensch und Hund, hat Edgar mich und Kalle am Wasserwerk in Hausberge „ausgesetzt“ (natürlich ausdrücklich von mir erwünscht😁), und wir beide sind dann über den Berg zu Fuß nach Hause gegangen.

Als Kind und Jugendliche bin ich sehr viel im Wald unterwegs gewesen – freiwillig, wenn ich mit einer Freundin dort umherstreifte, wir hatten auch eine Bude im Wald – aber auch mal eher unfreiwillig, wenn von der Schule „Wandertag“ verordnet war. Und der Begriff wurde sehr wörtlich genommen! In meinen Erwachsenenjahren war der Radius nicht ganz so frei und weit, weil ein guter Teil der Sonntags-Waldspaziergänge mit jüngeren Kindern oder Welpen stattfand, die einen konnten erst nicht so lange und wollten dann später auch nicht unbedingt, die anderen wollten zwar alles erkunden und erschnuppern, aber durften nicht so lange laufen.
Umso erstaunter bin ich immer wieder, dass ich bis heute intuitiv die richtige Richtung einschlage, auch wenn sich einzelne Wege im Lauf der Jahrzehnte sehr verändert haben.

Was den Wald jedes Mal spannend macht, ist die Lebendigkeit, mit der er sich entwickelt; in den letzten Jahren sind es aber auch die unübersehbaren Spuren der Klimaveränderung: Sturmschäden, die langsam wieder zuwuchern (die Folgen von Kyrill sieht man immer noch, wenn auch heute anders: Statt Fichten in Reih‘ und Glied undurchdringliches Holunder- und Brombeerdickicht), Borkenkäferbefall, Trockenstress… Und auch die Art, wie die unterschiedlichen Generationen den Wald zu ihrem Ort machen. Angefangen mit den immer noch überall auffindbaren baulichen Überresten des Reiches, welches 1000 Jahre überdauern wollte, das aber bereits nach 12 Jahren die Welt ins Chaos gestürzt hatte und glücklicherweise gestoppt wurde:

Überall im Jakobsberg findet man solche oder ähnliche Bauten, die als Luftschächte dienten, als die „Untertageverlagerung“ der Nazis gebaut wurde

Viel netter anzusehen, wenn es sich im engeren Sinne auch um eine Form der Naturbeschädigung handelt, ist dieses hier, einmal von weiter weg, einmal mehr im Detail:

An diesem kleinen alten Steinbruch halten sich offensichtlich Jugendliche gern auf, nicht nur, um ungestört zu sprühen, sondern auch, um sich Unterstände zu bauen, was wir vor 40 Jahren auch schon gern gemacht haben:

Sehr vertrauenerweckend sieht der Steinbruch leider nicht mehr an allen Stellen aus, mehr oder weniger breite Spalten und Auswaschungen finden sich im Wesersandstein an vielen Stellen, durch das abwechselnde Spiel von Hitze und Feuchtigkeit:

Aber am allerbesten sieht man Natur und Naturgewalt immer noch an den Bäumen, die ich manchmal am liebsten interviewen würde, welche Ereignisse zu ihrer Erscheinungsform geführt haben:

Eine nette Begegnung mit einem älteren Paar, die mit Walkingstöcken unterwegs waren, hatten wir auch noch, denn Hunde sind immer ein guter Gesprächseinstieg, und so freuten die beiden sich über den „netten und neugierigen“ Kalle.
Wieder zuhause angekommen, habe ich beschlossen, eine Pause einzulegen, mich in ein (real nicht existierendes, aber ich schaffe mir eines) Sommerloch fallen zu lassen und die Probleme der Welt zumindest vorübergehend zu ignorieren. Für meinen inneren Frieden.
Stattdessen werde ich mich mit der Overlocknähmaschine anfreunden, die ich mir angeschafft habe, um zukünftig auch bequeme Kleidung für uns nähen zu können.

Segelausflug Steinhuder Meer

Als „kleine Alternative“ zu meinem ausgefallenen Segelurlaub war ich mit Mann und Tochter 2 gestern Nachmittag auf dem Steinhuder Meer. Wir hatten eine Neptun 20 gemietet, die mit Pinne gesteuert wurde. Es war „Anfängerwetter“, den Wind haben wir teilweise suchen müssen, aber da ich den ganzen Nachmittag steuerte, war es ganz gut so. Denn ich musste immer wieder umdenken, bei der Pinne steuert man nämlich vereinfacht und ganz unseemännisch gesagt nach links, wenn man nach rechts fahren will und umgekehrt. Aber durch die Langsamkeit (Spitzengeschwindigkeit etwas über 2 Knoten (knapp 4 Stundenkilometer😏) war es eine gute Übung für mich.

Das Wetter war super, bis auf den mäßigen Wind, es dümpelten viele Boote und fast noch mehr SUPs auf dem See herum. Die Herausforderung war, mit dem Boot rechtzeitig wieder am Bootsverleih anzukommen. Es hatte nicht mal einen E-Außenborder (das, was ich als Cappuccino-Quirl bezeichne), sondern zwei Stechpaddel (wie beim Kanadier) an Bord. Naja, zur Not hätte ich aussteigen und das Boot zurückschieben können, denn der Wasserstand ist zurzeit mal wieder sehr niedrig. Dementsprechend hatten wir zum ersten Mal eine Stak-Stange (wie bei den Fließen im Spreewald) mitbekommen, um uns eventuell aus dem Schlick befreien zu können. Da die Neptun nur 65 cm Tiefgang hat, kann man sich den Wasserstand des Steinhuder Meeres ausmalen…

Aber das wichtigste war: wir hatten einen schönen Nachmittag, die Fotos hat übrigens Yvonne gemacht, ich war ja beschäftigt. Trotzdem ist es natürlich bedenklich, dass der See jetzt schon das vierte oder fünfte Jahr nacheinander so wenig Wasser führt. Es gibt keine Quellen von unten, das Steinhuder Meer ist quasi eine große flache Pfütze, die von der letzten Eiszeit übriggeblieben ist. Nur der „Steinhuder Meerbach“ fließt hindurch. Für die Fische ist es nicht gut, denn das Wasser wird zu warm und zu sauerstoffarm, es gibt vermehrt Schlick und Algen, was dann auch Badegäste vergrault, auf die die beiden Orte Steinhude und Mardorf wirtschaftlich teilweise angewiesen sind. Ich komme nicht weg von der Beschäftigung mit dem Klima…

Northern Star bekommt ein Sternengeschwister:

Es ufert hier doch sehr aus, daher werde ich die maritimen Themen ab sofort in einem eigenen Blog würdigen. Wer sich also mit uns virtuell den Wind um die Nase wehen lassen möchte, ist herzlich eingeladen.
Ich weiß im Augenblick noch nicht, ob ich es schaffe, die zeitliche Reihenfolge einzuhalten, lasst euch einfach überraschen, schließlich arbeiten auch viele Lieblingsbücher mit Rückblenden…

Und hier ist sie, die Ableger-Seite:

https://sterntalersegeln.wordpress.com

Zurzeit noch übersichtlich und recht leer, aber spätestens ab Ende nächster Woche wird sich etwas tun.

Himmelfahrt auf dem Berg

Für alle, die aus den „echten Bergen“ kommen, mag der Ausdruck vielleicht hochstaplerisch klingen, aber unser Jakobsberg stellt tatsächlich die Grenze zwischen Mittelgebirge und norddeutscher Tiefebene dar. Oben auf dem Jakobsberg steht der Fernsehturm, unten im Berg sind die Stollen der Nazis, die sie von Zwangsarbeitern graben ließen. Auf dem Wanderparkplatz am Fernsehturm findet seit Jahrzehnten immer an Christi Himmelfahrt morgens um 8 Uhr ein Open-Air-Gottesdienst unserer Kirchengemeinde statt. Mit Posaunenchor. Manchmal auch mit Regen, meist aber schafft Petrus es, dass es trocken ist. Heute war es auch trocken, obwohl es um 7 Uhr noch regnete.

Am Fuß des Fernsehturms gibt es einen Kiosk, der vom Bismarckbund betrieben wird, die Ehrenamtlichen, die sich darum kümmern, hatten extra auch schon frühzeitig geöffnet. Sehr nett, wir haben dann auch mit einigen Leuten nach dem Gottesdienst dort einen Kaffee getrunken. Und ich bin nach langer Zeit mal wieder auf die Aussichtsplattform des Fernsehturms gestiegen.

Ich hatte schon bessere Sichtverhältnisse dort oben, aber vor allem bin ich erschrocken. Ich war einige Jahre nicht mehr aufgestiegen, weil ich Höhenangst habe. Heute war ich ein bisschen geschockt, weil in den Jahren so viel Landschaft versiegelt wurde.

Bild 1: Blick nach Norden, prominent in der Mitte das Logistikzentrum, das erst letztes Jahr direkt bei uns am Ortsrand gebaut wurde.
Bild 2: Der graublaue Bereich im Hintergrund ist Minden. Ich werde wohl demnächst nochmal mit der Kamera und dem Teleobjektiv hochsteigen, das Handy gibt nicht viel her.
Bild 3: Blick nach Westen, auf das Wiehengebirge mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal. Links die Weser, die hier an der Porta Westfalica ihren Durchbruch durch die beiden Gebirgsketten hat.
Bild 4: Nochmal der Blick nach Westen. Links vom Wiehengebirge ist Bad Oeynhausen im Hintergrund, rechts geht es nach Lübbecke. (Bei Handballfans und Biertrinkern bekannt)
Bild 5: Richtung Südwest. Im Tal ist Hausberge zu sehen, der Hauptort von Porta Westfalica
Bild 6 und 7: Süden. Immer noch etwas Hausberge, erschreckend viel kaputter Wald und der weite Blick ins Lipperland.
Bild 8: Nochmal nördliche Blickrichtung. Im Hintergrund die vielen Baggerseen von Petershagen.

Es fehlt (und ich dachte, ich hätte auch nach Osten fotografiert) der Blick nach Nordost und Ost. Aber das wirklich spannende, nämlich der Ausblick bis zum Steinhuder Meer und zu den Kalihalden in Wunstorf, lag heute sowieso im Dunst. Viel weiter als Bückeburg ging der Blick nicht.

Farbenfroh: der Sitzbereich des Kiosks. Dort kann man auch Kuchen oder Bratwurst essen.

Auf dem Parkplatz, wo der Gottesdienst stattfand, parkte ein Wohnmobil aus Leipzig. Das Ehepaar, das dazugehörte, war angenehm überrascht vom unverhofften Kulturprogramm, mit dem sie natürlich nicht gerechnet hatten. Sie meinten, wenn wir das jedes Jahr dort machen, könnten sie ja 2023 wiederkommen.

In den meisten Jahren wandere ich übrigens frühmorgens durch den Wald dorthin, dieses Jahr bin ich nur zu Fuß wieder nach Hause gegangen. Ich traue meinen Füßen nicht so ganz. Aber mein Waldspaziergang hat mir richtig gutgetan, vor allem meinen Blick wieder auf die schönen Details der Natur gerichtet, nach dem gestrigen Tag konnte ich das gut gebrauchen und habe es genossen.

Ich brauche dringend wieder mehr Natur und weniger Nachrichten. Heute geht es den Rest des Tages ruhig zu. Ich werde lesen, ein bisschen am Gemeindebrief weiterarbeiten und vermutlich noch Holunderblütensirup ansetzen. Ich hoffe, die Blüten sind nicht allzu ausgewaschen nach den letzten Tagen mit Regen und Wind. Einen gesegneten Feiertag wünsche ich allerseits.

Ereignisreiches Wochenende

NRW hat gewählt. Das will ich hier jetzt gar nicht weiter thematisieren, nur soviel: Gut, dass die AfD weniger Stimmen bekommen hat (wenn auch leider nicht wenig genug); und dass die FDP so abgestürzt ist, wundert mich auch nicht wirklich. Obwohl einiges der Ampel angekreidet wird, bin ich der Meinung, hier ist vor allem die Bildungspolitik abgestraft worden. Mit dem Rest kann (und werde, denn was soll ich sonst tun?) ich leben. Wir hatten unsere Stimmen bereits vorab per Briefwahl abgegeben, denn am Sonntag waren Edgar, Yvonne und ich in Hamburg.

Während Edgar lernte, mit dem Radarsystem umzugehen, welches auch auf der „Sterntaler“ an Bord ist, machten Yvonne und ich ein tagestouristenübliches Besichtigungsprogramm. Nachdem wir es von Billhorn bis in die Hafencity geschafft hatten, enterten wir zunächst die Elphi und genossen den Rundumblick:

Je nachdem, wohin wir blickten, bot sich eine andere Skyline: Über der Innenstadt diverse Kirchtürme, elbaufwärts in der Hafencity ganze 18 Baukräne, in Richtung Containerterminals (mit den Musicaltheatern im Vordergrund auf der gegenüberliegenden Elbseite) die großen Containerbrücken, vor uns in Richtung Landungsbrücken bot sich ein buntes Potpourri aus ganz unterschiedlichen Schiffstypen.

Hamburg heißt auch: Fernsehkulissen. Ein Foto von der Haifischbar und dem danebenliegenden „Schellfischposten“ (die winzige Kneipe aus „Inas Nacht“) habe ich leider nicht, das war vom Wasser aus zu weit weg und außerdem hätte ich zu viele Köpfe fremder Menschen im Bild gehabt.
Dafür habe ich diese Impressionen:

Die Speicherstadt der „Pfefferkörner“, die Polizeiwache an der Kehrwiederspitze aus „Notruf Hafenkante“ und das Gebäude, das in derselben Serie als „EKH“ (Elbkrankenhaus) bekannt ist. Die Polizeiwache ist echt, das Krankenhaus nicht.

Nachdem wir von der Elphi wieder runter waren, sind wir Richtung Landungsbrücken marschiert und haben (danke für den Tipp, Martha) eine XXL-Hafenrundfahrt gemacht. Die war zwar nicht ganz billig, hat sich aber definitiv gelohnt. Ich habe mir hinterher mal auf Google Maps angesehen, wo wir da überall rumgeschippert sind, das war schon toll. Vor allem, wenn ich bedenke, wie das alles mal irgendwann gebaut wurde. Das meiste davon zu einer Zeit, als es die modernen Errungenschaften noch nicht gab, die uns heute so selbstverständlich das Bauen erleichtern…

Fotobeschreibungen: Fischauktionshalle (von solchen Bauten können sich heutige Logistiker gern eine Scheibe abschneiden), Kreuzfahrtschiff, Raddampfer vor dem Containerhafen, Elbstrand, Die Natur erobert sich überall ihren Platz, Größenunterschiede, Landungsbrücken mit Michel, Kurs auf die Elphi.

David zieht Goliath
Wer hier wohl vermisst wurde?

Die Speicherstadt finde ich total faszinierend. Und weil sie zum Weltkulturerbe gehört, wird sie gut geschützt. Auf dem rechten Foto sieht man das „Wasserschloss“ vom Fleet aus, später sind wir noch dort gewesen und haben draußen auf der Terrasse einen Latte Macchiato genossen. Das Gebäude ist von außen und von innen sehenswert, denn wenn man drin ist oder auf der Terrasse sitzt, sieht es so aus, als ob das Gebäude über eine bestehende Straße aus „Katzenköpfen“, mitsamt Bordsteinkanten, gebaut wurde.

Was mich an Hamburg total fasziniert, ist die Vielfalt. Kulturell und architektonisch, die abwechslungsreiche Melange aus Industrie, Handel, Kunst, Wohnen und Natur, Arbeit und Freizeitvergnügen, und das alles mitten in der Stadt.

Bewundernswert. Ich darf mir gar nicht vorstellen, so bei der Wärme die ganze Zeit still dazusitzen, dann juckt mir schon die Nase😅

Randvoll mit Eindrücken ging es abends zurück nach Hause. Und mit dem Versprechen an mich selbst, unbedingt wieder dort hinzufahren.

Wieder mal mit der Bahn unterwegs

Dass ich sehr gern mit der Bahn reise, darüber habe ich vor knapp drei Jahren („Gedanken beim Bahnfahren“) schon geschrieben. Während der Pandemiezeit war das nicht häufig, nur letzten Herbst die Fahrt nach Witten mit Julia und Yvonne, ausschließlich im Regionalexpress. Gestern durfte ich mal wieder das Leben „in vollen Zügen genießen“.

Bei diesem grandiosen Sonnenaufgang habe ich mich von Heiligenhafen verabschiedet…

Mein Startbahnhof war Oldenburg in Holstein. Als ich Kind war, nannte man zwei aneinandergekoppelte Wagen, die in beide Richtungen einen Führerstand hatten, noch „Schienenbus“, und vom Umfang her trifft das auch heute noch zu. Es handelte sich um eine Regionalbahn, die von Puttgarden nach Lübeck und retour fährt.

Ein Gleis. Das wird gleich noch ein Punkt sein. Aber der Reihe nach. Von Oldenburg ging die Strecke über Lensahn, Neustadt (dort fährt der Zug erst an der Abzweigung zum Bahnhof vorbei und rangiert dann rückwärts hinein, weil es ein Kopfbahnhof mit spitzem Winkel ist), Sierksdorf, Haffkrug und Timmendorfer Strand nach Lübeck. An einigen kleinen Bahnhaltepunkten war erkennbar, dass es auch mal mehrgleisige Zeiten gab:

Manche waren, wie auf dem Foto, nur mit Gras bewachsen, andere standen voll mit jungen Birken. Ich fand, das symbolisiert ganz gut die Prioritäten der deutschen Verkehrspolitik seit den 1990er Jahren, es gibt sogar eine Excel-Liste der stillgelegten Strecken, insgesamt 503 an der Zahl! Vor allem kleinere, regional genutzte Abschnitte überall in Deutschland wurden dichtgemacht, zu Draisinenstrecken oder „Nebengleisen“ degradiert oder einfach dem Verfall überlassen. Dabei sind solche scheinbar unwichtigen Streckenabschnitte überhaupt nicht uninteressanter als spektakuläre Hochgeschwindigkeitstrassen (im Gegenteil, man sieht wenigstens etwas von der umgebenden Landschaft) oder Viadukte und Tunnelabschnitte. Bei Haffkrug beispielsweise entdeckte ich mitten im Wald eine Art Wehrturm, richtig wie im Mittelalter, mit Zinnen und aus massivem Sandstein. Und fragte mich, was der dort wohl einmal für eine Funktion hatte… Im Zug waren übrigens sehr viele Studenten und ein paar Rentner. Eine Mutter mit Grundschulalter-Sohn. Und ich.

Aber weiter: In Lübeck hatte ich eine gute Viertelstunde Aufenthalt, der mir vor allem deswegen in Erinnerung bleiben wird, weil eine Halbliterflasche Mineralwasser beim Bäcker weit über 3 (!) Euronen kosten sollte. Die FDP wäre stolz auf diese geschäftstüchtigen Bäcker. Sorry. Der musste jetzt einfach sein.

Ab Lübeck bin ich aufgestiegen in der Hierarchie der Züge: Nach Hamburg fuhr ich in einem Regionalexpress weiter. Auf der anderen Seite im Gang saß ein Paar mit Blindenhund. (Der als offizieller Assistenzhund übrigens keinen Maulkorb brauchte. Ob er wohl wusste, wie gut er dran war?) Wir kamen ein wenig ins Gespräch über die Qualität der Bahn, weil es keine funktionierende Toilette gab. Die Fahrt über Reinfeld und Bad Oldesloe dauert ja auch nur 43 Minuten, das muss man schon aushalten…

So richtig voll wurde es dann in Hamburg, zwischenzeitlich hatte ich übrigens zunächst eine Mail erhalten, dass ich in Hamburg meinen Anschluss wohl nicht erreichen könnte, ein paar Minuten später kam die zweite Mail, dass es doch klappt. Ich stellte fest, dass von den ganzen ICEs, die dort angekündigt waren, kein einziger wirklich pünktlich war. In diesem Fall gut für mich. Kapiert habe ich es dennoch nicht, denn mein RE hatte bloß zwei Minuten Verspätung, ich sollte aber zwanzig Minuten Umsteigezeit haben. Blieben ja noch 18 übrig. Irgendwie rechnet die Bahn anders als der Rest der Welt.
Vor mir stieg eine junge Frau mit Baby im Buggy, dreijährigem Sohn, einer älteren Begleiterin und mehreren großen Koffern sowie Proviantbeuteln ein. Die entschuldigten sich schon im Vorfeld bei mir, dass es etwas länger dauert. Das Problem, ach was sage ich, die Latte an Problemen: 6er Abteil (übrigens dasselbe wie ich, was später noch zu netten Gesprächen führte). Enge Gänge. Kaum Platz für große Hartschalenkoffer (die haben sie dann über den Waggon verteilt irgendwo zwischenlagern müssen, es waren eben so große Koffer, wie man sie braucht, wenn man mit kleinen Kindern unterwegs ist und wer bekommt die denn in zwei Meter Höhe auf die sehr knapp bemessenen Ablagen gehievt…?), geschweige denn für den Buggy. Hatte man es endlich geschafft, den (eigentlich sehr gelenkigen) Buggy durch den engen Gang und die noch engere Abteiltür hineinzubekommen, passte keine Person mehr durch, ohne über die Sitze klettern zu müssen. Außer der kleinen Reisegesellschaft und mir musste aber noch eine junge Frau hineinpassen, die dort einen Platz gebucht hatte. Immerhin konnte ich online einchecken, die Schaffnerin wäre nicht zu mir durchgekommen. Hatte die vielleicht ein Glück!

Die junge Mutter saß neben mir, der kleine Junge hatte mir gegenüber den Fensterplatz und brauchte den gesamten Tisch für seine Reiseverpflegung😁. Die sollte ja schließlich bis Würzburg reichen. Ich musste schmunzeln und dachte: ob mit drei Jahren Zug fahren oder mit zehn im Reisebus auf Klassenfahrt, es macht nicht viel Unterschied. Zehn Minuten, nachdem wir Hamburg verlassen hatten, kam dann auch prompt die Frage: „Wie lange dauert es noch?“😂

Jedenfalls erzählte mir die Mutter, dass sie eigentlich total oft Bahn fährt mit den Kindern, weil es komfortabler sei als beim Fliegen, wo man den Kinderwagen nicht mit in die Kabine nehmen könne. Aber: wegen Corona gibt es weniger Platz in Familienabteilen (Sie meinte, pro ICE gäbe es EIN Familienabteil, und das würde nur an eine einzelne Familie vergeben; wenn das echt so ist, wie will man dann Familien vom Bahnfahren überzeugen???), das ist dann schon herausfordernd. Ich erinnerte mich an eine Bahnfahrt mit Julia und Yvonne, als die beiden noch ganz klein waren. Ich hatte Plätze in einem Familienabteil gebucht, wir reisten mit Rucksack, Buggy (Julia) und Maxi-Cosi (Yvonne); außer mir saßen nur Senioren in dem viel zu engen Abteil und beschwerten sich darüber, dass ich ein Baby wickeln musste😤.
Irgendwie hatte ich gehofft, in den letzten knapp 30 Jahren hätte sich da etwas grundlegend verbessert.

Um das Baby zur Ruhe zu bringen, machte sich die junge Frau mit dem Buggy, den sie mit viel Mühe wieder aus dem Abteil herausrangierte, auf den Weg durch den Zug, die ältere Dame blieb bei dem kleinen Jungen. Ich unterhielt mich angeregt mit ihr, der Lütte schlief irgendwann ein. Wir sprachen über das Anspruchsdenken in der Gesellschaft; über Erfahrungen, die wir in unserer jeweiligen Jugend gemacht hatten, sie im Allgäu, ich in Ostwestfalen, die sich aber teilweise ähnelten, wenn es um das Thema „Heizen einer Wohnung“ ging oder auch „Badetag“ mit Holzofen im Badezimmer. Und über Kirchentage. Es war eine angenehme Fahrt, wenn ich die stickige Klimaanlagenluft ausklammere. Als ich in Hannover ausstieg, sah ich die Mutter mit dem Buggy im Bistro, dort konnte sie neben dem Buggy auch noch ihre eigenen Beine einigermaßen komfortabel unterbringen…

Hannover Hauptbahnhof ohne Menschen, aber mit Hinterlassenschaft

In Hannover stieg ich in den schon bereit stehenden IC, checkte wieder online ein und sinnierte vor mich hin. (Manchmal fühle ich mich so ein bisschen wie eine Eisenbahnphilosophin😂.) Es gibt einiges, was ich seit meiner Kindheit mit Bahnfahrten verbinde, denn damals bin ich zum Beispiel noch mit meinen Eltern per Bahn nach Reit im Winkl in den Urlaub gefahren. Da buchte man die Reise (Personenbeförderung, Gepäcktransport, Shuttle, der damals noch nicht Shuttle hieß, und die Frühstückspension) noch im Reisebüro. Dort bekam man bunte Tickets und ebenso bunte Gepäckanhänger für die Koffer, denn: Tadaaa!!! Es gab am Zug einen Extra-Gepäckwagen! Die Koffer wurden am Bahnhof abgegeben, mit so kleinen Transportflitzern zu den Zügen gebracht und am Zielbahnhof wieder herausgeholt. Was heutzutage nur noch am Flughafen funktioniert, das war auch bei der Deutschen Bahn üblich.
Die Gepäckwagen sind aber nicht das Einzige, was ich vermisse: am allermeisten fehlt mir beim Zugfahren immer frische Luft. (Und mitunter ein funktionierendes WC). Von dieser weichgespülten Kabinenluft werde ich auf längeren Strecken immer ganz beduselt, die FFP2-Maske zurzeit verstärkt diesen Effekt noch. Und nach zwei sturmumtosten Draußen-Tagen sowieso.

Gestern ging mir unterwegs durch den Kopf: bessere Bedingungen für Familien mit Kindern, Tieren und/oder Körperbehinderten, Waggons mit zuverlässig funktionstüchtigen Toiletten und komfortable Umsteigezeiten finde ich persönlich viel wichtiger als einen knapp bemessenen Deutschlandtakt, bei dem alles auf Kante genäht ist. Aber was soll ich von einer Bahn halten, bei der anscheinend nur Männer in Entscheidungspositionen sitzen, welche die Care-Arbeit anderen überlassen, dafür aber alles auf Geschwindigkeit trimmen wollen und bestenfalls dafür sorgen, dass Gadgets wie das Online-Einchecken klappen? Gibt es da überhaupt keine Leute, die solche profanen Alltagssituationen wie oben beschrieben kennen? Ich fürchte nicht. Aber ich lasse mich gern eines Besseren belehren…

„Sssänk ju for trävelling wis Deutsche Bahn“.
Ich tu’s trotzdem immer wieder. (Und nehme damit möglicherweise den Veränderungsdruck weg, wie vermutlich viele andere Menschen auch.)

Weite pur

Ein paar Eindrücke vom Wochenende:

Wasser, Wind, Wellen. Das Gefühl von Weite und auch Freiheit, das ist es, was mich immer wieder ans Wasser zieht. Seit Edgar und ich zusammen sind, hat zwar immer mal das Ziel gewechselt: französische Atlantikküste – Mecklenburgische Seenplatte – Schleswig-Holstein – aber Wasser war immer ein Muss. Selbst wenn es mal in die Berge ging mit dem Wohnwagen, stets war ein See dabei: Keutschacher See, Natterer See, Hopfensee oder Pilsensee.

Ich mag auch die ostfriesischen Inseln sehr gern, aber zum Segeln ist die Ostsee etwas einfacher, weil man nicht ständig den Tidenkalender parat haben muss. Dafür hat sie andere Herausforderungen: viele militärische Übungsgebiete und sehr flaches Wasser zwischen den Inseln der dänischen Südsee (auf den Tiefgang achten!). Und reichlich Fährverkehr.

Bei diesem April-Aufenthalt zog das Wetter mal wieder sämtliche Register und machte seinem Namen alle Ehre, das ganze Wochenende herrschte heftiger Westwind. An diesem Wochenende fand auch das Frauen-Skippertraining statt, zu dem ich mich ursprünglich auch anmelden wollte. Wegen meiner Schulter bin ich froh, dass ich es nicht getan habe, ich bin aber ziemlich sicher, dass diese Frauen demnächst bei jedem Wetter mit den Booten klarkommen, denn sie hatten definitiv ein Schwerwettertraining mit im Paket😄.

Für mich war der Kurzurlaub zwar schon am Montagmorgen wieder beendet, während Edgar mit den Mädels noch ein paar Tage bleiben kann, aber ich zeige euch noch ein paar Eindrücke von unserer Wanderung am Sonntag und habe auch noch ein paar Bahnfahrt-Erlebnisse, die ich im nächsten Beitrag erzählen werde.

Die Steilküste zwischen Weissenhäuser Strand und Heiligenhafen ist schon spannend. An einigen Stellen haben bei starker Brandung Surfer ihren Spaß, aber in weiten Teilen ist weder Schwimmen noch Surfen angebracht, weil da einfach riesige Findlinge im Wasser herumliegen. Die Steilküste ist auch Steinküste. Und Brutgebiet für Wasservögel, daher teilweise abgesperrt, damit die Leute nicht die Gelege der Strandbrüter zertrampeln. Dafür haben wir ein bisschen Alm-Feeling bekommen, weil ein Wander- und Radweg mitten über eine Galloway-Weide führt. Sehr hübsche Rinder, sie erinnerten mich an ein Bilderbuch mit dem Titel „Hello, my Name is Betty“ (über eine Highland-Kuh, die auf einen norddeutschen Bauernhof kommt).

Gleich werde ich erstmal ein paar Stunden in der Buchhandlung eckige Ostereier an die Menschheit bringen, den Rest erzähle ich später.

Regenbogen und Freudentränen

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