6. Dezember

Was von Davids Königshaus noch übrig bleibt, gleicht einem alten Baumstumpf. Doch er wird zu neuem Leben erwachen: Ein junger Trieb sprießt aus seinen Wurzeln hervor. Der Geist des Herrn wird auf ihm ruhen, ein Geist der Weisheit und der Einsicht, ein Geist des Rates und der Kraft, ein Geist der Erkenntnis und der Ehrfurcht vor dem Herrn.

Zwei Kapitel nach der Weissagung von gestern, also Jesaja 11,1-2.

Auch hier spricht die tiefempfundene Sehnsucht Jesajas nach einer höheren Gerechtigkeit. Das Königreich von David und Salomo ist zerstört, Israel in Nord- und Südreich geteilt, die meisten Menschen nehmen es mit dem lebendigen Glauben nicht so genau. Sie erwarten keine Relevanz und kein Eingreifen Gottes in ihrem Alltag. Ziemlich modern.

Sehnen wir uns nicht alle nach umfassender Gerechtigkeit? Nach der Ruhe, Kraft und Weisheit, die für ein gelingendes Leben gebraucht wird?

5. Dezember

Denn uns ist ein Kind geboren! Ein Sohn ist uns geschenkt! Er wird die Herrschaft übernehmen. Man nennt ihn „Wunderbarer Ratgeber“, „Starker Gott“, „Ewiger Vater“, „Friedensfürst“. Er wird seine Herrschaft weit ausdehnen und dauerhaften Frieden bringen. Wie sein Vorfahre David herrscht er über das Reich, festigt und stützt es, denn er regiert bis in alle Ewigkeit mit Recht und Gerechtigkeit. Der Herr, der allmächtige Gott, sorgt dafür, er verfolgt beharrlich sein Ziel.

Diese Weissagung steht bei Jesaja 9,5-6. Jesaja war ungefähr in der Zeit zwischen 740 und 700 v. Chr. der eindringliche und unbequeme (Gerichts)Prophet in Israel. Soweit zur geschichtlichen Einordnung. Ansonsten möchte ich den Text heute einfach mal so stehen und wirken lassen. Lies es gern mehrmals.

PS: Es ist ziemlich schwierig, Krippendarstellungen zu finden, wo Maria nicht blond und in ein blaues Kleid gewandet ist. Wo die Hirten nicht wie Alpensenner aussehen und die heiligen drei Könige nicht wie Artus, Ivanhoe und der Sarottimohr…

 

4. Dezember

Die heutige Vorhersage steht bei Maleachi und ist der Beginn des dritten Kapitels:

Der Herr, der allmächtige Gott, antwortet: „Ich schicke meinen Boten voraus, der mein Kommen ankündigt und die Menschen darauf vorbereitet. Noch wartet ihr auf mich, den Herrn, ihr wünscht euch meinen Boten herbei, der meinen Bund mit euch bestätigt. Er ist schon unterwegs! Ganz plötzlich werde ich, der Herr, in meinen Tempel einziehen.

Ich gestehe, obwohl Maleachi zu den kürzesten Kapiteln der Bibel gehört, habe ich dieses Buch bisher nicht gelesen. Ich finde die Propheten zuweilen ziemlich schräg. Aber um den Vers in einen sinnvollen Zusammenhang zu bekommen, habe ich mir die  Verse vorher und im Anschluss angeschaut und festgestellt, dass eine ziemliche Aktualität darin liegt:

Unmittelbar voraus geht die Aussage: „Nun, ihr behauptet: „Wer Unrecht tut, gefällt dem Herrn; ihn nimmt er an!“Oder ihr fragt: „Wo bleibt denn Gott? Warum greift er nicht ein und sorgt für Recht?“ Hm. Kommt mir bekannt vor. Mir fallen auf Anhieb einige Staatenlenker ein, die fest davon überzeugt sind, dass sie Gottes Willen erfüllen, dabei aber die Grundrechte der Bevölkerung ihrer Länder mit Füßen treten. Und die Frage „Warum lässt Gott das zu?“ ist wohl das vermeintlich stärkste Totschlagargument gegen den Glauben.

Einige Verse danach kommt dann die klare Ansage Gottes, dass er Gericht halten wird, dass alle, die ungerecht gegenüber ihren Mitmenschen aufgetreten sind, alle, die andere missbraucht haben für ihre Zwecke, alle, die Gott als zahnlosen Tiger gesehen haben, dafür gerade stehen müssen.

Wir sind versucht, zeitlebens in der kindlichen Zuversicht stecken zu bleiben, dass Jesus unser Freund und Helfer ist, dass er alles gutmachen werde (nein, er wird alles gut machen, das ist ein Unterschied). Den richtenden Gott verschweigen wir gern. Ich auch. Und wisst ihr, warum? Weil wir mit menschlichen Maßstäben messen. Und das, obwohl sich in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt haben dürfte, dass Eltern, die ihren Kindern immer wieder Konsequenzen androhen, sie aber dann nicht anwenden, ihren Kindern damit nichts Gutes tun. Oder dass immer wieder Bewährungsstrafen für notorische Wiederholungstäter ein total falsches Bild der Gerechtigkeit entstehen lassen. Aber Gott, dem höchsten Wesen, gestehen wir das nicht zu.

Wir verstehen „Gericht“ irgendwie immer noch als „Stell dich in die Ecke und schäm dich“. Und wir möchten lieber an die Allversöhnung glauben. Ist romantischer. Und eine schöne Vorstellung.

Aber: Keiner von uns weiß, was kommen wird. Wie es aussehen wird, wenn umfassende Gerechtigkeit geübt wird. Und wir müssen es auch gar nicht. Es reicht, wenn wir hier und jetzt ein Leben führen, in dem wir unseren Mitmenschen mit Respekt begegnen, mit demselben Respekt, den wir uns wünschen. Nicht um uns Pluspunkte im Gericht zu verdienen, das können und müssen wir nicht. Sondern um in diesem Leben zu bestehen und nicht bitter zu werden. Egal, woran wir glauben.

3. Dezember

Es kommt der Tag, an dem ich einen Nachkommen Davids zum König mache, den man wirklich als gerecht bezeichnen kann. Er wird weise regieren und in seinem Land für Recht und Gerechtigkeit sorgen.

So hat es Gott dem Propheten Jeremia (Kap. 23,5) diktiert. Jeremia wirkte zu einer Zeit, als die meisten Israeliten sich von Gott abgewandt hatten. Als Folge davon hatte Gott das Land in die Hände Nebukadnezars fallen lassen. Der babylonische König hatte Jerusalem und das gesamte Land erobert, die wichtigsten Menschen des Volkes waren nach Babylonien verschleppt worden (ca 600-530 v. Chr., das sogenannte „babylonische Exil“)

Auch wenn es für die Menschen, die unter Besatzung litten oder im fremden Land leben mussten, sicher eine sehr schwere Situation war: Im Nachhinein war es eine fruchtbare Erfahrung, denn im Exil durften die Israeliten ihrem Glaubensleben nachgehen. Dort war die Besinnung auf den Glauben dann ganz wichtig, denn alles andere, der Kontakt zu Heimat und Familie/Freunden war abgeschnitten. Ganz nach dem Motto „Not lehrt Beten“ sorgte die Exilsituation dafür, dass die Menschen sich auf den „Marken“-Kern ihres Glaubens besannen und ihn dabei auch von allerlei schmückendem Beiwerk trennten. Es war die Keimzelle des Judentums, wie es heute noch besteht, die Hauptglaubenssätze wurden in dieser Zeit geprägt.

Aber hat das denn für uns heute eine Relevanz? Ich denke schon. Unsere Diskussionen rund um den Themenkomplex Christentum – Glauben – Kirche sind in der letzten Zeit sehr dogmatisch aufgeladen. Beispiele kennt wohl jeder. Müssen wir unser Bild vom Glauben, von der Kirche, eventuell auch (mal wieder) entrümpeln?

Sollten wir nicht wieder eher aus dem Blickwinkel von Christus die Menschen ansehen? Nicht in Schubladen sortieren, sondern so wie er es tat, den einzelnen Menschen ansehen, mit seinen Nöten, Ängsten, Bedürfnissen und mit seinem Scheitern? Und dann voller Liebe (=Respekt) auch dem Einzelnen antworten. Jedem so begegnen, wie auch wir selbst uns Begegnung wünschen?

 

Über die Magie von Worten

Ich liebe Worte. Als Buchhändlerin besteht ein großer Teil meines Lebens aus gedruckten Worten. Oder auch aus gesprochenen, denn wenn jemand Hörbücher so richtig gut einlesen kann, dass man die Stimmungen mitfühlt, dann ist das absolut bewundernswert. Als „Magie“ habe ich das allerdings bisher nie gesehen. Oder mir einfach keine Gedanken darüber gemacht.

Bis ich heute früh auf mehreren Umwegen auf diesen Blogeintrag von Sandra und die damit verbundene Blogparade gestoßen bin:

Worte sind magisch

Automatisch beginnt das Gedankenkarussell sich zu drehen, immer schneller, ich hoffe nur, nicht schneller als ich tippen kann.

Die Magie der Worte hat es in sich. Sie tippt den Einen oder die Andere mit ihrem Zauberstab an, ganz egal, ob es sich um Weltliteratur oder eher „triviales“ handelt. Als Buchhändlerin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, für jeden Menschen nach Möglichkeit das passende Buch zu finden (nicht unbedingt das, was heute noch verkauft werden soll, weil der Stapel runter muss…), bin ich der Meinung, ein wirklich zauberhaftes und anrührendes Buch aus der Kategorie „Frauenlektüre“ (oder auch ein packender Thriller, in dem LeserInnen atemlos hinter der Handlung her hecheln) kann unter Umständen magischer sein als ein handwerklich gut gemachter, aber irgendwie liebloser „großer Gesellschaftsroman“.

Die Magie der Worte treibt auch manchmal Schabernack. Gerne bei Betriebsanleitungen von Haushaltsgeräten aus Fernost. Wer einmal der Poesie schlecht übersetzter Anleitungen für Staubsauger, Akkuschrauber und Co. verfallen ist, der ist verloren 😉

Aber auch vor den Gefahren muss ich der Vollständigkeit halber warnen: Ein Wort, das einmal die Feder oder die Lippen verlassen hat, und sei es noch so brillant und zugespitzt, kann den Adressaten verletzen oder einer Beziehung den Todesstoß geben!

Magie ist und bleibt eine zwiespältige Sache. Wie es in ungezählten Fantasy-Romanen oder Märchen gute oder schlechte Zauberer gibt, so ist es auch in der Welt der Worte. Medien sind voll davon, die „sozialen“ Netzwerke erst recht. Worte, die spalten statt Menschen zu verbinden, die ausgrenzen statt das Miteinander zu fördern, die zum Töten anstiften statt dem Frieden zu dienen!

Mehr will ich jetzt gar nicht ausführen, ich hoffe, jeder Leser denkt sich seinen Teil.

Nur eins noch: Der genialste Buchanfang ist und bleibt für mich

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“

BÄÄÄÄÄM. Mehr geht nicht. Da ist alles gesagt.

Hach. Ich finde langsam Gefallen an dem Format „Blogparade“. Soweit also mein Beitrag zu #wortesindmagisch. Besucht auf jeden Fall Sandras Blog (Link oben im Artikel), wenn Worte für euch auch so (lebens)wichtig sind!

2. Dezember

Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

Dies ist Psalm 24,7. Wer kennt nicht das Weihnachtslied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit…“

Was macht diesen König denn so „ehrenvoll“, dass wir Menschen die Türen und Tore ganz besonders weit öffnen sollen? Denn der Psalm wird David zugeschrieben, der allgemein anerkannt einer der größten Könige Israels war. David gibt auch selbst die Antwort: Es ist der Herr Zebaoth (übersetzt: der Herr der Heerscharen). Zur Zeit des Alten Testaments war dies ein Ehrenname Gottes, der seine Alleinstellung ehrfürchtig betont.

Auch David war schon klar: Selbst der mächtigste und angesehenste weltliche Herrscher kann mit Gott, dem Schöpfer nicht mithalten. Ich wünsche mir, dass einige der heutigen „Mächtigen“ hierüber ernsthaft nachdenken würden.

Und: Es macht einen Unterschied, ob ich mich selbst überschätze oder ob ich anerkenne, dass in meinem irdischen Leben, egal wie wichtig ich bin, Grenzen gesetzt sind. Es entlastet ungemein, wenn ich weiß, ich muss mich nicht anstrengen, um Erste, Beste, Einzige zu sein. Ich darf mich vielmehr darauf verlassen, dass ich unter solchem Leistungsdruck nicht stehen muss.

 

Himmel und Erde

Unüberbrückbare Gegensätze oder zusammengehörende Teile eines Ganzen?

Unser letzter FAQ-Gottesdienst in diesem Jahr fand zwar am ersten Advent statt, sollte aber kein „klassischer“ (sowieso nicht…) Adventsgottesdienst sein. Aber er sollte schon mit einem Thema zu tun haben, dass gerade um diese Jahreszeit doch irgendwie viele Menschen beschäftigt. Vor Weihnachten schmücken wir gern mit Engeln, den himmlischen Boten Gottes (oder zumindest mit den Figuren, die wir uns als Engel denken). Und beim schönsten Morgen- und Abendrot heißt es: „Im Himmel werden schon Plätzchen gebacken“. Zu keiner anderen Zeit sehnen wir uns so sehr nach der Helligkeit und Klarheit des Himmels wie in dieser dunklen Zeit am Ende des Jahres.

Unser Anspielteam hatte sich schon frühzeitig Gedanken dazu gemacht, was wohl die Eigenheiten von Himmel und Erde sind.

Ein steiles Thema haben wir uns da vorgenommen! Gar nicht so einfach. Was tut man heutzutage, wenn man nicht sofort die zündende Idee hat? Richtig, Tante Google fragen.
Aber, dort bekommt man zunächst gefühlte 1000 Einträge mit – Kochrezepten! Himmel und Erde, ein traditionelles Gericht nicht nur in Norddeutschland, Äpfel (Himmel) und Kartoffeln (Erde) zusammen gekocht. Der Vollständigkeit halber müsste es heißen „Himmel und Erde mit Blutwurst und Zwiebeln“. Brrr! Dann doch lieber Kartoffelpuffer mit Apfelmus….
Aber Scherz beiseite, da brauche ich einen anderen Ansatz. Mal sehen. Ah! Ja, das könnte klappen:

Das Vater Unser: „…wie im Himmel, so auch auf Erden…“
Oder das Glaubensbekenntnis: „…den Schöpfer des Himmels und der Erde…“. Später dann: „…hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel…“
Das Verhältnis von Himmel und Erde hat also definitiv für uns als Christen eine große Bedeutung. Es hat etwas mit Gott zu tun.

Ich habe das schon einmal erzählt, wenn man ein Kind bis ca. 8 Jahre bittet, ein Bild zu malen, wo Gott mit drin ist, dann malen die meisten Kinder eine Landschaft mit Himmel, im Himmel ist eine Wolke, und auf der steht ein alter netter Mann mit Rauschebart und langem Nachthemd. Also eher so eine Art Gandalf eigentlich.

Und nicht nur Kinder pflegen die Vorstellung, dass der Aufbau der Welt dreiteilig ist, in der Mitte die Erde mit den Menschen, unten drunter die Hölle mit Feuer, Teufeln und geknechteten Seelen. Und oben im Himmel thront Gott über allem.
Diese Vorstellung ist uralt und kommt in den unterschiedlichsten Kulturen vor. Auch zur Zeit des Alten Testaments sahen viele Schöpfungsberichte und Weltbilder so aus.

Auch am Anfang der Bibel heißt es: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und zwar trennte er das Wasser oben vom Wasser unten, nannte das obere Wasser Himmel und sammelte das untere Wasser in den Meeren, damit man die Erde dazwischen sah. Zwei Dinge lesen wir daraus.
Erstens: Gott hat beides geschaffen und voneinander getrennt. Und zweitens: Gott war schon vorher „da“. Wo auch immer.
Schließlich, nachdem Gott alles auf der Erde erschaffen hatte, auch Mann und Frau in dem Garten, den er für sie angelegt hatte, da traf er sich dort mit ihnen gern zum Abendspaziergang. Er nahm am Leben seiner Schöpfung persönlich teil. Bis zur Verführung der Menschen durch die Schlange…

Szenenwechsel.

Ganz am Ende der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, werden die getrennten Bereiche wieder zusammengeführt: (Off. 21)
„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer (vom Anfang) ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“

Wenn alles, was uns von Gott trennt (Sünde kommt von Sund und hat nichts mit Sahnetorte zu tun, denn ein Sund ist ein Meeresarm, der zwei Ufer voneinander trennt) beseitigt ist, dann wird er wieder bei uns Menschen wohnen, die Trennung von Himmel und Erde ist beendet. Was für eine grandiose Zusage! Übrigens ist dann nicht nur für uns Menschen „alles wieder gut“, sondern auch für Gott. Endlich ist er wieder da, wo er von Beginn an sein wollte!

Die Sehnsucht nach dem Himmel ist bei uns allen vorhanden. Wenn wir etwas als „himmlisch“ bezeichnen, dann ist das ein höchstes Lob. Die Menschen im Alten Testament bauten den Turm in Babel, um zu Gott zu gelangen. Sie stiegen auf die höchsten Berge (wie manche Leute heute noch).
Später baute man „Wolkenkratzer“.
Wir suchen den Himmel auf Erden, wir versuchen sogar, mit der Raumfahrt dem Himmel näher zu kommen. Und doch kommen wir auch mit der stärksten Rakete nur tiefer ins All, aber nie näher zum Himmel.

Und trotzdem gibt es sie, die Brücke zum Himmel. Und diese Brücke ist Jesus Christus. Er ist Gott, der zu seinen Menschen gekommen ist, als einer von ihnen. Nicht privilegiert in einem Palast oder Elfenbeinturm, sondern absoluter Durchschnitt in seinem sozialen Status. Handwerker. Wanderprediger. Und am Ende seines Lebens: Verraten, wie ein Verbrecher behandelt, getrennt von seinen Freunden, verleugnet sogar vom besten Kumpel, und dann fühlte er sich sogar von seinem Vater verlassen! Den demütigenden Tod am Kreuz gestorben wie der schlimmste Terrorist. Tiefer fallen kann kein Mensch.

Er hat sich selbst geopfert, sein Leben gegeben für alle Generationen nach ihm. Das ist uns unvorstellbar, es ist zu groß für unseren Verstand. Und deswegen ist es für viele ein Problem. Was wir nicht verstandesgemäß erfassen können, das kann nicht sein.
Auch ich habe zu Beginn meines Weges mit Gott oft gesagt: An Gott kann ich glauben, aber Jesus ist für mich „nur“ eine historische Person. Zugegeben eine, die viel Gutes getan hat, aber nicht mehr. Ein moralisches Vorbild, aber der Sohn Gottes? Never!

Es brauchte Zeit, Vertrauen und viele, viele Gespräche mit Gott, Streitgespräche auch des Öfteren, damit ich mich diesem größten Geheimnis öffnen konnte. Bis der wissenschaftlich orientierte Verstand sich entschloss, auf das Herz zu hören, bis ich bereit war, etwas einfach stehenzulassen als das, was es ist: Ein Geheimnis.

Kennt ihr das: Der Gedanke daran, was wäre, wenn es Hogwarts wirklich gäbe? Wenn sich hinter meinem kleinen Leben eine große Zaubererpersönlichkeit verbirgt? Oder: Wenn die Zeitreisen aus der Edelsteintrilogie tatsächlich möglich wären? (Für die Älteren: „Zurück in die Zukunft“ oder „Peggy Sue hat geheiratet“ spielen auch mit dieser Vorstellung.)

Oftmals sind wir eher bereit, solche Dinge in die Realität hineinzudenken, weil wir es gerade ganz passend fänden, einen Zeitzauber à la Hermine Granger zu benutzen oder wenn wir in die Vergangenheit reisen könnten, um eine vermurkste Situation zu retten.
Aber zu sagen: Ich vertraue darauf, dass Jesus der Sohn Gottes ist, dass er auch für mich in den Tod gegangen und, noch unfassbarer: AUFERSTANDEN ist, das fällt uns schwer. Und das, obwohl sehr viele von uns durchaus die Hoffnung haben, irgendwann einmal ihre Lieben wiederzusehen, die diese Welt schon verlassen mussten.

Wenn jetzt an dieser Stelle jemand darauf hofft, ich zaubere „Tädäää!“ ein Patentrezept aus dem Hut, das dafür sorgt, uns sämtlicher Zweifel zu berauben und uns die große Gewissheit zu schenken…, dann bleibt die Enttäuschung nicht aus. Denn dafür gibt es kein Patentrezept. Tu dieses, lasse jenes, bete zu festgelegten Zeiten… das kann funktionieren, aber nur, wenn es passt wie ein Puzzleteil zum nächsten. Der Weg zur Brücke kann aber auch bedeuten, dass du mit Gott haderst, dass du ihm ein paar unangenehme Sachen an den Kopf wirfst, dass du dich beklagst.

Wenn dir jemand sagt: Glaube nur fest genug, dann wird es dir gutgehen, in jeder Hinsicht, dann lauf! Denn es ist nun mal kein Automatismus. Auch der festeste Glaube nimmt uns nicht alle Krankheiten und auch nicht die Privatinsolvenz oder die schlechten Noten in der Schule.

Das wichtigste ist: bleibe mit Gott im Gespräch. Auch wenn es ein Streitgespräch ist. Auch wenn mal einer von euch beiden oder sogar ihr beide Sendepause haben. Nimm den Faden wieder auf. Bleib hartnäckig. Und dann nimm deinen Mut zusammen und geh über die Brücke. Verbinde Himmel und Erde. Denn sie gehören zusammen.
Amen!

PS: Für alle, die nicht im Gottesdienst waren: Mein persönlicher Höhepunkt war das Schattenspiel der Anspiel-Gruppe. Und der Knaller war, als Maria Jesus hochgehalten hat zur Musik aus „König der Löwen“! Diese Verknüpfung sorgt sofort für Kopfkino.

1. Dezember – 1. Advent

In meinem virtuellen Adventskalender geht es in diesem Jahr um die Adventsverheißungen in der Bibel. In der Annahme, dass längst nicht jeder die Bibel komplett durchgeschmökert hat (ich auch noch nicht), möchte ich hier an dieser Stelle einfach mal kreuz und quer durch das Alte und Neue Testament einige Passagen herausheben. Das Konzept ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern unser Pastor hat vor einigen Jahren zu Beginn des Advents Listen mit den Textstellen verteilt, und seitdem begleiten sie mich jedes Jahr wieder.

Vorweg folgendes: Ich benutze hier meist die Übersetzung „Hoffnung für Alle“, denn es ist eine Ausgabe in heutiger Sprache, die auch für Bibelanfänger gut verständlich ist. Ausnahme: die Psalmen werde ich der Lutherbibel 2017 entnehmen. Denn für diese poetischen Gebete des alten Israel ist die kräftige und doch lyrische Sprache Luthers bis heute einfach nur schön!

Und, auch ganz wichtig: Meine Kommentare sind keine offizielle „Lehrmeinung“ einer Kirche. Sie sind nicht einmal immer theologisch „korrekt“. Sondern sie spiegeln wider, was im Augenblick des Schreibens meine Gedanken dazu sind. Das kann heute ganz anders aussehen als morgen oder nächstes Jahr. Denn die Beschäftigung mit der Bibel ist eine lebendige Sache. Es ist eine Entwicklung, und manches verstehe ich in meiner aktuellen Situation einfach (noch) nicht. Das Verständnis wird aber irgendwann kommen, wenn es „dran“ ist.

Also, los geht’s:

Freut euch, ihr Menschen auf dem Berg Zion, jubelt laut, ihr Einwohner von Jerusalem! Euer König kommt zu euch! Er ist gerecht und bringt euch Rettung. Und doch kommt er nicht stolz daher, sondern reitet auf einem Esel, ja, auf dem Fohlen einer Eselin!

Das schreibt der Prophet Sacharja (Kap. 9, Vers 9), der ungefähr in der Zeit ab 520 vor Christus wirkte. Bereits zu dieser Zeit, einige Generationen ehe es tatsächlich soweit war, hatte Sacharja gewusst, dass einmal einer kommen wird, der das Königtum ganz anders interpretiert als es bisher der Fall war. Und er kannte das halb-öffentliche Verkehrsmittel, welches dieser König für seinen Einzug nutzen würde.

Ich finde das total genial. Ja, ich kenne auch die Einwände: Jesus war gläubiger Jude, er kannte die Schriften des Alten Testaments, na klar nahm er den Esel.

Und denke dann: Schade, wir aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts, warum können wir ein Mysterium nicht einfach mal als solches im Raum stehen lassen? Warum können wir uns nicht einfach mal auf etwas einlassen, das nicht rational wegerklärt werden kann oder muss? Denk doch mal darüber nach…

Dauerbaustelle „Kreativer Mensch“

Wenn du durch diesen Blog stöberst, kannst du schon erkennen, dass ich vielseitig interessiert und auch vielseitig kreativ unterwegs bin. Ich liebe Kochen und Backen, ich nähe gern, ich habe zig Ideen für den Garten im Kopf, ich lese und schreibe, ich predige, fotografiere, dekoriere (in letzter Zeit weniger)….

Nebenbei habe ich Familie und Familienhunde, arbeite und ab und zu mache ich auch mal den Haushalt. Und eine Abschlussarbeit versuche ich auch noch zu schreiben (allerdings, wie oft ich auch neu anfange, es wird immer eher ein Roman daraus 😦 )

Und vielleicht ahnst du es schon, diese viele Kreativität verursacht dann auch manchmal das, was ich „Sauerkraut im Kopf“ nenne. Dann geht einfach nix mehr. Ich bin dann so voll von Ideen, dass sie sich gegenseitig blockieren. Sie verkanten sich ineinander, nehmen sich die Luft zum Atmen und Wachsen weg. Lange Zeit hat mich das extrem gestört. Schließlich wollte ich noch dieses und jenes verwirklichen! Statt dessen sitze ich, voll von „Ich möchte…, ich sollte, ich muss noch…“ irgendwo in der Ecke und tue…gar nichts.

In den letzten Jahren habe ich, teilweise durch gesundheitliche Einschränkungen, gelernt, auch solche Phasen einigermaßen gut zu durchqueren. Ich grummele zwar immer noch, aber wie unsere Hunde sich irgendwann auf ihre Plätze legen, sobald sie kapiert haben, dass jetzt gerade kein Spielen dran ist, überlege ich mir immer häufiger ein Alternativprogramm.

Ich lasse mich dann bewusst von der Kreativität Anderer berieseln. Sei es durch ein Buch, einen Film, Musik oder durch Stöberei bei Pinterest (wobei ich gemerkt habe, es tut mir gut, PC und Smartphone in diesen Zeiten beiseite zu legen). Oft sorgt der Genuss dann dafür, dass sich der Knoten, das Sauerkraut im Kopf, von ganz alleine wieder auflöst. Und dann kann ich froh weitermachen.

Ich werde wohl immer eine Baustelle bleiben. Und das ist auch gut so, denn wenn ich fertig werde, habe ich keine Ziele mehr…

So. Mein erster Beitrag für eine Blogparade ist gerade ohne nennenswerte Unterbrechung und ohne Sauerkraut fertig geworden. Danke an Sovely, dass du mich dazu inspiriert hast, auch über die Schattenseiten der Kreativität nachzudenken 😉

Vorfreude – ich starte in den Advent

Am Totensonntag haben Kathrin und ich die ersten Plätzchen gebacken. Den Anfang mache ich immer mit Nussecken. Die sind noch nicht ganz so weihnachtlich. Den Abschluss, erst kurz vor Weihnachten, bildet dann das Walnussmarzipan (aus dem ganz einfachen Grund, dass kein einziges Stück davon Weihnachten erlebt, wenn es schon am 2. Advent in der Keksschale liegt…).

Außerdem habe ich gestern meine kleinen Engelfiguren aus der Holzschachtel geholt, wo sie die meiste Zeit des Jahres schlummern. Wie auf dem Beitragsbild zu sehen ist, sind sie noch nicht ganz ausgeschlafen 😉

Heute haben wir die Krippe vom Dachboden geholt. Jedes Jahr achtet Kathrin darauf, dass in einer bestimmten Reihenfolge vom ersten Advent bis Heiligabend nach und nach die Figürchen den Stall bevölkern.

Ich freue mich darauf, in den nächsten Tagen immer ein wenig adventliches dem Haus hinzuzufügen. Und ich habe mir vorhin gedacht, hier im Blog könnte ich ja eine Art Adventskalender führen. Wie? Lasst euch einfach überraschen….