Zukunft gestalten?

Gerade erst habe ich beschlossen, nicht mehr zu meckern und zu klagen, da gerät der Entschluss schon ins Wanken🙈. Nachdem ich gestern Abend von einer Veranstaltung nach Hause kam und das TV anschaltete, um auf die Nachrichten zu warten, lief dort gerade „Frontal“ . Und zwar ging es in dem Beitrag um das Thema „Wärmepumpen“. Ich weiß nicht, wer von euch sich schon damit beschäftigt hat. Da unser Haus sehr alt ist, sich nicht auf dem höchsten Niveau der Wärmedämmung befindet (was nach neueren Informationen auch nicht unbedingt notwendig ist, aber lange Zeit als K.O.-Kriterium galt) und wir erst vor fünf Jahren eine neue Heizung eingebaut haben, haben wir uns nur so nebenbei informiert, aber nicht wirklich in das Thema eingearbeitet.

Jedenfalls bestand für uns noch nicht die Notwendigkeit, Firmen konkret auf Wärmepumpeneinbau anzusprechen. Und auch, wenn ich Schulbücher für Berufsschulen verkaufe, heißt es ja nicht, dass ich weiß, was drin steht. Deswegen war ich erstaunt, (obwohl es mich aus Erfahrungen der letzten Jahre eigentlich nicht überraschen sollte,) als in dem Beitrag thematisiert wurde, dass in der Ausbildung von Heizungsinstallateuren weder in den Büchern noch in den Curriculen der Berufsschulen Wärmepumpen große Beachtung finden. Ich schließe daraus, dass sich Handwerker entweder aus Interesse an neuen Möglichkeiten, aus Tüftelei oder weil sie in der Richtung „nervende“ Kunden haben, in die Thematik einarbeiten, aber nicht, weil der Stoff-Vermittlung zukunftsträchtiger Technik Vorrang eingeräumt wird von den Stellen, die hierfür zuständig sind. Noch viel mehr als in anderen gesellschaftlichen Bereichen befällt mich aber bei der Ansicht des Beitrages das Gefühl, dass hier „alte weiße Männer“ (Sorry. Ich weiß natürlich, dass ihr alle nicht dazu gehört😉) an den entscheidenden Stellen sitzen und nicht mitbekommen, wie es an der Basis aussieht. Rückwärts gewandt statt vorausschauend. Oder kommt mir das nur so vor?
(Ich hatte beim Ansehen ein bisschen dejà vu-Gefühle, weil ich während meiner Buchhändlerausbildung 1987 bis 1990 in der Berufsschule auch Unterricht in „Datenorganisation und -verarbeitung“ hatte. Ein halbes Jahr haben wir uns im Unterricht mit Lochkarten, Umrechnung von Hexadezimalzahlen in Binärzahlen und umgekehrt, Konrad Zuse und ähnlichen Dingen beschäftigt. Wohlgemerkt zu der Zeit, als Softwarehäuser für Buchhandlungen wie Pilze aus dem Boden schossen, das „Goldene Zeitalter“ für EDV-Unterstützung angebrochen war und viele Buchhandlungen die dicken Kataloge und Microfiches durch sauteure IBM-PCs ersetzten.)

Nächster Beitrag. „Straße gegen Schiene“: Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Am besten, ihr schaut euch das selbst an. Inklusive der netten Anekdote, dass der Verkehrsminister seine Rede nicht pünktlich halten konnte, weil er im Stau stand😅. Und ich Dummchen dachte, da gäbe es jetzt eine U-Bahnlinie, um solche Dinge zu vermeiden. Ist die etwa immer noch nicht fertig? Oder findet der Verkehrsminister nicht durch den Tarifdschungel?
Um die Kirche im Dorf zu lassen und die Schnappatmung auf ein gesundes Maß zurückzuführen, muss natürlich folgendes bedacht werden: Die Planungen für Infrastruktur laufen über einen langen Zeitraum. Es sind viele unterschiedliche Stellen zuständig, es wird viel (Steuer-)Geld investiert, es sind Firmen beteiligt, die natürlich ihre Arbeit bezahlt haben wollen und auch Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern tragen. Es ist auch sicher nicht fair, wenn eine Bundesregierung knapp ein Jahr im Amt ist, sich außer mit dem, was sie sich vorgenommen hat, auch noch mit solchen Dingen wie einem Angriffskrieg in der erweiterten Nachbarschaft beschäftigen muss und dann auch noch den schwarzen Peter zugeschoben bekommt für Vorgänge, die teilweise vor Jahrzehnten bereits von Vorgängerregierungen angestoßen wurden.

Aber: Es ist allerhöchste Zeit, dass wir als Gesellschaft uns überlegen, ob und wie in dieser immer schnelllebigeren Zeit, deren Krisen in schwindelerregender Abfolge auf uns einprasseln (und das wird nicht besser, sondern sich in den nächsten Jahren ziemlich sicher verschärfen), dieser schwerfällige Tanker namens „Deutschland“ (und selbiges gilt für andere Länder, für Europa und die anderen Kontinente, für das „globale Dorf“ natürlich ebenso) eine gewisse Resilienz erreicht. Und vor allem, wie es möglich ist, berechtigte Ansprüche von unterschiedlichen Interessengruppen, Gemeinwohl und Vorschriften/Gesetzen ohne lange Vorlaufzeiten unter einen Hut zu bekommen und gemeinsam in die Zukunft zu sehen, statt der Vergangenheit hinterherzutrauern. Und da ist natürlich der Gesetzgeber gefordert, aber doch auch jeder einzelne von uns Bürgern.
Ideal wäre eine Art neuer Gesellschaftsvertrag mit einer sehr breiten Basis. Nüchtern betrachtet, waren die Möglichkeiten dafür nie besser als jetzt: es gibt umfangreiche wissenschaftliche und statistische Auswertungen über die Errungenschaften der letzten 50 Jahre und auch ihre negativen Auswirkungen. Modellieren von verschiedenen Zukunftsszenarien ist keine Hexerei. Plattformen zu schaffen, auf denen Leute ihre Zeit nicht damit verplempern, ihre Mitmenschen zu beschimpfen, sondern sich konstruktiv einbringen für ein Massenbrainstorming, wäre ein machbares Träumchen. Die Vision einer überparteilichen Zusammenarbeit für eine bestmögliche Zukunft, bei der erstmal alles auf den Tisch kommt und ganz objektiv überlegt wird, was sinnvoll ist, scheint dagegen eher utopisch, aber eine tolle Vorstellung bleibt es.

Die wichtigste Erkenntnis aller dieser Überlegungen ist für mich zweifelsfrei: Es ist nicht simpel und eindimensional, es ist und bleibt kompliziert. Es kann keine einfachen Antworten auf diese komplizierten Fragen geben, und wenn jemand kommt und meint, er oder sie hätte die „ultimative Lösung“, dann ist auf jeden Fall Misstrauen angebracht. Ohne (anstrengendes) Ringen um den bestmöglichen Weg geht es nicht. Das gilt übrigens in sehr vielen Bereichen.

Repost: Veränderung – Change

Der Reader hat mir gerade diesen Post vorgeschlagen, den ich vor fast zwei Jahren in Bezug auf Corona schrieb. Und als ich ihn noch einmal las, dachte ich: Wahnsinn, wir stecken immer noch drin, in den Veränderungen. Es hört gefühlt gar nicht mehr auf damit. Auf die Pandemie mit ihren Unwägbarkeiten ist on Top noch der Krieg in der Ukraine mit allen Verwerfungen wirtschaftlicher und persönlicher Natur draufgesattelt. Wenn ich bedenke, dass wir mehrere Dekaden erlebt haben, in denen es anscheinend nur immer besser wurde, ist es kein Wunder, dass sich bei so vielen Menschen ein Ohnmachtsgefühl breit macht. Umso wichtiger, dass wir auf die kleinen Zeichen des Schönen achten.

„Ein Grund dafür, dass die Leute sich vor Veränderung fürchten, ist, weil sie sich auf das konzentrieren, was sie verlieren könnten, anstatt auf das, was sie dazugewinnen könnten.“ Rick Godwin Veränderung ist etwas äußerst zwiespältiges für uns: Sie birgt große Chancen, etwas neues, vielleicht sogar bahnbrechendes zu gestalten. Aber sie macht uns auch Angst. Angst, […]

Veränderung – Change — Annuschkas Northern Star

Warten auf den Regen

Heute, 5:30 Uhr. Zeit zum Aufstehen, seit einiger Zeit wieder im Dunkeln, auch die Vögel lassen sich inzwischen wieder mehr Zeit mit ihrem Weckruf. Holzhammer: 19 Grad zeigt die Wetterstation an für den Außenfühler an der Nordseite des Hauses.

Kaffeekochen, Hund rauslassen, Zeitung lesen. Dann der Blick zum Himmel: bewölkt ist es ja immerhin. Heller wird es, aber zur Abwechslung mal nicht strahlend, sondern verhalten.

Blick nach oben – grau marmoriert. Blick nach Nordwesten (ja, genau. Ich verwechsele nicht die Himmelsrichtungen) – der Sonnenaufgang projiziert sich auf die entgegengesetzte Seite. Könnte glatt von Caspar David Friedrich gemalt sein.

Die Stimmung der Natur und auch meine eigene: abwartend. Um Viertel nach Sieben ist der Frühstückstisch schon wieder abgeräumt, selbst die Küche wartet im Dämmerlicht auf den Tag und was er bringen wird. Ein leichtes Rieseln und der Hauch von staubiger Feuchtigkeit dringt an meine Sinne. Zaghaftes Tröpfeln höre ich durchs Fenster, gehe raus, suche den Regen, der ganz leise seinen Weg vom Himmel sucht. Meine Umgebung scheint ein seufzendes „Aaaahhh“ von sich zu geben, der ausgedörrte Garten, die knuspertrockenen Pflanzen summen schon fast in freudiger Erwartung.

Und während ich nun dieses schreibe, wird es mehr, lauter, die Straße hört sich nass an, wenn die Autos fahren. Durch das offene Fenster riecht es nach nasser Erde, das Geräusch des Regens ist Musik. Glückliche Augenblicke können so einfach sein.

Zurecht gerückt

Oft ist es mir schon so ergangen und jedes Mal bin ich trotzdem erstaunt, geflasht und dankbar: Wegen irgendwas bin ich komplett neben der Spur, habe mich geärgert oder etwas hat mich total mitgenommen, ich habe meinem Frust auch lauthals Luft gemacht- und dann begegnen mir Menschen („in Echt“ oder auch virtuell), die mir helfen, eine Einordnung vorzunehmen oder eine ganz andere Sichtweise auf die Lage zu finden.

Nachdem ich gestern meinen Ärger hier ausgebreitet hatte, schickte mir zunächst Werner einen aufschlussreichen Link, der mir bereits half, mich wieder ein wenig auszurichten. Ich konnte also einigermaßen ruhig abends schlafen gehen und heute früh waren die Wogen schon wieder geglättet. Eine frühe Hunderunde, die anschließende Radtour zum Bäcker (ich hatte nicht daran gedacht, Brötchenteig anzusetzen) und das meditative Schlangestehen dort taten ihr übriges.

Womit ich aber gar nicht gerechnet hatte, war die Predigt unseres derzeitigen Gastpfarrers, mit der heute die Bibelwoche in unserer Gemeinde eröffnet wurde. Das Motto der ganzen Woche lautet „Freude an der Gemeinde“ und wer sich in einem solchen Umfeld engagiert, fragt sich vielleicht, ob das ernst oder leicht ironisch gemeint ist. (Oder ein bisschen von beidem?) Weil ich wissen wollte, was heute auf uns zukam, hatte ich vor dem Frühstück bereits den Bibeltext nachgelesen. Es ist aus dem ersten Korintherbrief des Paulus die Einleitung, und diese ist ausgerechnet ein Dank des Paulus für die Gemeinde in Korinth. Wer sich ein bisschen auskennt, weiß es, allen anderen sei angemerkt: Diese Gemeinde war kein Musterkonstrukt, außer man sucht eine Blaupause für Streit, Neid und andere Nickeligkeiten. Kurz gesagt. Für die Langform bitte nachlesen…

Pfarrer Hagedorn wies uns zunächst darauf hin, dass Paulus seine Briefe (fast) immer mit einem Dank begann, die einzige Ausnahme war der Galaterbrief, da hatte selbst Paulus seine Contenance verloren. Aber darum geht es mir jetzt nicht. Sondern: da ist eine Gemeinde, die sich zankt, über den besten Apostel (Gemeindeleiter), über die richtige Art, miteinander das Abendmahl zu feiern, über das Zusammenleben von Männern und Frauen und ob letztere etwas zu sagen haben sollten… und vieles mehr. Und Paulus dankt für diese Gemeinde, ehe er dann tief Luft holt und ihnen schriftlich die Leviten liest.
Ich kam nicht umhin, mir parallel zum Gehörten eigene Gedanken zu machen, wie ich das ins Hier und Jetzt übertragen kann und ob es eventuell auch auf so etwas wie Deutschland angewendet werden kann.

Weiter führte der Referent/Prediger aus, dass es Zeiten gab und immer noch gibt, wo man sich, gern auch in Seminaren oder in der Fachliteratur, mit Gemeindeentwicklung beschäftigte. Und bei alledem, was man dort über erfolgreiche Gemeinden hörte und las, kam dann die eigene Gemeinde fast immer ziemlich schlecht dabei weg, weil man noch mehr als sonst darauf gestoßen wurde, was denn vor der eigenen Haustür an Defiziten vorhanden war.
Etwas beschämt dachte ich mir, ob es sich nun um eine geistliche oder kommunale Gemeinde, einen Landkreis, ein Bundesland oder gar den gesamten Staat handelt, wir neigen doch dazu, immer eher darauf zu achten, was besser oder zumindest anders laufen könnte.

Er hielt uns zwei Bilder von Gemeinden vor Augen: Einerseits die „Bei-uns-klappt-gar-nichts“-Gemeinde und andererseits die „Irgendwas-klappt-immer“-Gemeinde. Er erinnerte daran, dass zwar Dankbarkeit keine Erfolgsgarantie bietet, aber die Voraussetzungen neu dimensioniert. Und dass uns das Danken im Allgemeinen schwerer fällt, als das Bitten, uns aus irgendeiner Situation zu erlösen oder einen (vermeintlichen) Erlöser zu schicken.

Es muss ja nicht gleich so pathetisch klingen wie bei JFK der Satz „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst“, aber es ist nicht von der Hand zu weisen: Wenn ich erstmal eine Kleinigkeit finde, für die ich dankbar sein kann, dann finde ich auch noch mehr. Wenn ich die Perspektive wechsle, kann aus dem halbleeren Glas auch ein halbvolles werden.

Mir wurde heute mal wieder bewusst, dass ich eigentlich mit meiner meist positiven Grundhaltung fast immer gut durch alles komme, was mir das Leben an Herausforderungen in den Weg wirft. Immer dann, wenn ich diesen Pfad verlasse, weil ich zu viel negativen Input hatte (und Leserkommentare in Zeitungen oder Nachrichtensendungen können sehr viel negativen Input enthalten, leider) wird mein innerer Kompass abgelenkt und es geht mir nicht gut.
Und mir wurde auch bewusst, dass es einen Supervisor gibt, der mir dann häufig ein Ereignis oder einen Menschen schickt, der den Kurs wieder korrigiert. Der mir das Gute selbst im Schlechten zeigt und mich danken lässt.

Open Air

Heute Abend ist in Minden direkt an der Weser ein Open Air Konzert. 40 000 Menschen wollen kommen, um „Die Ärzte“ zu hören (nächste Woche geht es mit den „Toten Hosen“ an derselben Stelle weiter).

Als ich eben eine Jugendliche nach einer Veranstaltung nach Hause gefahren habe, standen wir im Stau auf der Straße Richtung Minden: Autos mit Bochumer, Frankfurter, Holzmindener … Kennzeichen. Und ich konstatiere:

Punk ist nicht tot! Punk fährt jetzt Familienkutsche, SUV oder sogar das Auto mit dem Stern in der AMG-Ausführung. Dass die sich nicht schämen🤣…

Gepampert und gehelicoptert

Symbolbild: Pixabay

Warum erwarten wir eigentlich, dass „der Staat“ alle Unannehmlichkeiten ausräumt? Genau dieser Staat, der sich doch ansonsten gefälligst nach Möglichkeit aus unserem Leben heraushalten soll. Bei der frühmorgendlichen Zeitungslektüre (online, also samt Leserkommentaren) fiel mir mal wieder etwas auf. Und mir wurde klar, warum ich seit einigen Wochen schon mit Unbehagen herumlaufe, wenn ich manche Wortmeldungen höre:

„Das ist nicht zumutbar mit den Preisen!“ (Wahlweise Energie, Mobilität, Lebensmittel…) ist etwas, das ich seit Beginn des Ukrainekrieges immer öfter höre. Bemerkenswert dabei: die Klage bezieht sich nicht auf so etwas wie – sagen wir mal – horrende Mieten in Ballungsgebieten. Darauf, dass zum Beispiel medizinisches Personal in München knapp wird, weil sich die potenziellen Beschäftigten das Wohnen dort nicht leisten können. Denn wenn für solche Probleme nach Lösungen gesucht wurden, die möglicherweise auch in Richtung Vergesellschaftung von Wohnraum gingen, dann lautete der Aufschrei: „Das ist Sozialismus pur, das wollen wir nicht!“ Das ist jetzt verkürzt dargestellt, aber ich denke, ihr wisst, was ich meine.

Wird aber der Sprit teurer, das Gas zum Heizen, der Strom, der behagliches Ambiente ermöglicht, das Steak oder der Käse, dann geht es plötzlich jeden an und es wird nach der Regulierung durch den Staat gerufen.

Wir wissen (zumindest theoretisch), dass es nicht weitergehen kann mit ökonomischem Wachstum ins Unendliche, wir wissen ganz praktisch, dass Heilsversprechen von Technologie nur sehr begrenzt hilfreich sind (denn bisher hat sich noch jede Technologie im Nachhinein als nachteilsbehaftet erwiesen), wir wissen eigentlich sogar, dass wir den Zenit überschritten haben und uns bescheiden müssen.
Aber wenn es konkret wird, dann rückt einerseits das St. Florians-Prinzip („Heiliger Sankt Florian / Verschon’ mein Haus, zünd’ and’re an!“) in den Vordergrund und andererseits haben viele von uns Angst, im Vergleich zu anderen über den Tisch gezogen zu werden.

Und dann vergessen auch Viele, dass sie sich, als es einfach war, aufwärts ging, jede Einmischung des Staates energisch verbeten haben, auf ihre Selbstverantwortung gepocht haben, verächtlich auf jene geschaut haben, die schon die Grenzen ihrer persönlichen Leistungsfähigkeit (und: ja, manche auch ihrer Leistungsbereitschaft) hinter sich gelassen hatten.

Mir ist durchaus bewusst, dass sehr viele Menschen anpacken, wo es nötig tut, den Gürtel ohne zu mucken enger schnallen, leise und selbstverständlich ihre Ansprüche runterschrauben. Aber es gibt eben auch jene, die laut den Schnabel aufreißen, selbst wenn sie immer noch am oberen Ende der Skala stehen. Sich ans Bein gepinkelt fühlen, wenn eine Handvoll junger Leute ihnen erklärt, dass sie gerade dabei sind, den nachfolgenden Generationen die Lebensgrundlage entziehen und darauf nicht anders antworten können als mit einem verächtlichen „Leiste du erstmal was!“
Und ein wenig verwundert frage ich mich, wie es dazu kommen konnte, dass aus einer Gesellschaft, die sich nach dem WW2 mit viel Fleiß, Erfindergeist und Hartnäckigkeit wieder einen guten Ruf in der Welt erworben hatte, eine laute Horde hervorgehen konnte, die jammernd ihren Wohlstandsbauch vor sich herschiebt und anderen die Butter auf dem Brot nicht gönnt.

Sorry. Dystopischer Anfall. Ich habe manches verallgemeinert, aber ein wenig davon tatsächlich als bewusste Provokation. Nicht, weil ich auf alles eine Antwort habe. Sondern weil die Ratlosigkeit mich bald zum Platzen bringt. Wird schon wieder…

Time to say Goodbye

Mittwoch, der 31. August 2022

Es heißt Abschiednehmen. Vom meteorologischen Sommer, das tut mir dieses Jahr überhaupt nicht weh. Er war lang, er war heiß, er war trocken. Unfassbar, dass in Pakistan die Menschen schon wochenlang viel zu viel von dem bekommen, was wir uns hier verzweifelt wünschen. Dort sterben Menschen in den Fluten, hier werden die Lebensbedingungen in der Hitze zur Bedrohung für manche Bevölkerungsgruppen.
Ich selbst freue mich auf den „Altweibersommer“, der morgens und abends willkommene Abkühlung bringt, der sanfte Farben, sanftes Licht und auch sanftere Wärme mit sich bringt. Und hoffentlich auch sanften Regen.

Als ich gestern mit dem Fahrrad nach der Arbeit nach Hause fuhr, stellte ich fest, dass selbst in unmittelbarer Nähe zur Weser sich die ersten Landwirte bereits vom Mais verabschiedet hatten: Der stand so halbtrocken auf den Feldern, dass er schon gemäht wurde, also mindestens zwei Wochen vor dem normalen Beginn der Maisernte (der genaue Zeitpunkt hängt vom Verwendungszweck ab).

Es heißt aber auch Abschiednehmen vom Tankrabatt, das allerdings ficht mich kaum an, ich habe in den letzten drei Monaten nur zweimal getankt (und davon nur einmal voll, nämlich Vorgestern wegen notwendiger längerer Fahrt), und das, obwohl in den Tank meines Cityflitzers wahrlich nicht sehr viel reinpasst. Allerdings ist das ein Abschied auf Raten, denn die Spritpreise steigen ja schon, seit die Ferien vorbei sind.
Traurig bin ich dagegen über den Abschied des 9-€-Tickets, nicht so sehr, weil ich genau dieses Billigangebot auf Dauer installiert haben möchte (dazu habe ich bereits diesen Beitrag geschrieben). Nein, ich hatte mir fest vorgenommen, zu den Menschen zu gehören, die den einen oder anderen Ausflug mit dem Ticket unternehmen. Genutzt habe ich es, keine Frage, aber letztlich doch „nur“, um in den heißen Wochen damit zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen, ohne in der Mittagshitze auf dem Fahrrad zu kollabieren. Also vollkommen in des Finanzministers Sinn, ich weiß auch nicht, wie mir das passieren konnte.

Und schließlich heißt es Abschiednehmen von Michail Gorbatschow. Reagan und Kohl sind ihm schon lange vorangegangen, er hat ein gesegnetes Alter erreicht. Und in gewissen Kreisen dürfte man erleichtert sein, dass dieser Mensch nun „weg vom Fenster“ ist. Die Wertschätzung, die ihm in Westeuropa und gerade in Deutschland entgegengebracht wurde, wurde ihm in seiner Heimat oft verwehrt, galt er doch bei vielen als Verräter. Nun sind die drei Männer, die mit der deutschen Wiedervereinigung in die Geschichte eingegangen sind, zu einer himmlischen Skatrunde vereint. Oder wer weiß, vielleicht spielen sie auch „Risiko“ oder singen gemeinsam „Ol‘ man river“, „Kein schöner Land“ und „Kasatschok“. Wenn diese drei sehr unterschiedlichen Staatenlenker 1989 nicht alle an einem Strang gezogen hätten, sähe die Welt heute vermutlich anders aus. Aber nicht unbedingt besser.

Alptraum

Symbolbild: Pixabay

Kennt ihr das, wenn man von einem Traum gefangen gehalten wird, zwischendurch aufwacht, denkt „So ein Schwachsinn“ und dann geht der Traum genau an der Stelle weiter, wo man wachgeworden ist? Als wenn man beim Video die Pausetaste gedrückt hätte. So einen Traum hatte ich letzte Nacht.

Ich war auf der Buchmesse und suchte erst einen bestimmten Verlag und zweitens meine Mitfahrgelegenheit nach Hause. Die Mitfahrgelegenheit war eine Betriebsberaterin (die es vor einem Vierteljahrhundert wirklich gab, bei der wir zu Messezeiten auch öfter übernachteten, die aber leider schon lange Jahre nicht mehr auf dieser Buchhändlerwelt weilt). Der Verlag versteckte sich vor mir, ich entdeckte massenhaft andere dafür, aber genau der gesuchte war nie dort, wo er laut Programmheft sein sollte. Dafür kämpfte ich mich durch Menschenmassen und riesige Stände, die eher wie ein Sammelsurium aus diversen Drogerieketten wirkten, auch von der Artikelauswahl her. Ich fand beim Marvel-Stand lebensgroße Pappfiguren der Avengers, mit denen man Selfies machen konnte (fragt lieber nicht, wieso DIE in diesem Traum auftauchten, ich habe keine Ahnung …).

Es gab zu wenige Toiletten (das ist tatsächlich oft so, gerade bei den Damen) und ich verlor meinen Begleiter, einen entfernten und irgendwie gesichtslosen Bekannten (wieso gerade so jemand dabei war, erschließt sich mir auch im Nachhinein nicht richtig), der mir noch einen Berg Kleingeld in die Hand drückte: ich solle mir ein Eis holen und dann verschwand wie ein Dschinn (aha, vermutlich deswegen: er war einfach unwichtig). Und dann irrte ich durch Parkhäuser und über den Innenhof des Messegeländes, wo ich aber nicht die üblichen fliegenden Händler fand, sondern über halb eingebuddelte, fruchtgummiweiche U-Bahn-Züge stolperte, die farblich gestaltet waren wie das Kostüm von Iron Man. Hilfe!

Glücklicherweise konnte ich meinen Mann anrufen, der zuhause auf mich wartete und über dessen telefonischen Support ich sehr erleichtert und dankbar war – bis ganz plötzlich mein Handy-Akku alle war und mir bewusst wurde, dass ich nun nicht mal mehr ein Zugticket würde kaufen können…

Glücklicherweise war es in diesem Augenblick 5:25 Uhr und mein Wecker ging an. Irgendein ständig im Radio gespieltes Lied katapultierte mich ins Hier und Jetzt. Erleichterung. Wer weiß, sonst irrte ich womöglich als Nervenbündel immer noch in Frankfurt herum und fragte „Haste mal ’n Euro?“

Shitstorm

Ich klappte heute Morgen meinen Laptop auf, loggte mich bei Facebook ein, wählte eine beliebige Hundegruppe aus und postete folgende Frage:
„Ich habe ein Problem mit meinem elf Monate alten Rottweiler. Seit kurzem bellt er alles an, wenn wir im Dunkeln unterwegs sind. Was kann ich dagegen tun?“
Binnen kürzester Zeit entwickelt sich ein Facebook-Krimi, der seinesgleichen sucht…
* 23 Hundehalter fragen, ob ich schon einen Trainer kontaktiert habe.
* 27 HH wissen, dass das Problem immer am anderen Ende der Leine hängt.
* 4 HH fragen, ob der Rottweiler HD hat.
* 9 HH werfen mir vor, dass ich mich wohl im Vorfeld nicht richtig mit der Rasse und ihren Eigenschaften auseinander gesetzt habe, der Rotti schließlich kein Anfängerhund und wahrscheinlich einfach nicht richtig ausgelastet ist.
* 15 HH posten einen Link zu Milan/Rütter/Balser/Bloch/beliebiger Hundetrainer.
* 34 HH betiteln Milan/Rütter/Balser/Bloch/beliebiger Hundetrainer daraufhin als Tierquäler/Komiker/steinzeitlich/Rudelführer/Wattewerfer und es entsteht ein Link-Battle zu Videos und Artikeln.
* 13 HH zweifeln an der Bindung zwischen mir und meinem Hund und geben Tipps, wie ich diese verbessern kann
* 8 HH raten mir dazu „mich mal richtig durchzusetzen und dem Hund zu zeigen, wer der Chef ist“, am besten durch Alphawurf und Anknurren.
* 2 HH setzen ein Lesezeichen, weil sie dasselbe Problem haben.
* 1 HH droht den „Alphawerfern“ mit dem Vet-Amt und empfiehlt mir die intermediäre Brücke auszuprobieren.
* 3 HH fragen nach dem Futter, denn sie haben gehört, dass gebarfte Hunde schneller aggressiv werden.
* 26 HH steigen auf das Futterthema ein und erklären die Vorteile der jeweiligen Kategorie (Trocken, Nass, Roh, Vegetarisch/Vegan)
* 2 HH sagen, dass ihr Hund mit ALDI-Futter 15 Jahre alt geworden ist und nie krank war.
* 1 HH fragt mich, warum ich keinen Hund aus dem Tierschutz habe, mit denen hätte er nie solche Probleme gehabt, da die nur dankbar sind und ein Herz aus Gold haben.
* Dies nehmen 20 weitere HH zum Anlass, über Sinn und Unsinn von (Auslands)Tierschutz und Rassehundzuchten zu diskutieren. Es fallen Worte wie „Tierschutzmafia“ und „Rasse-Nazis“, bis die Hälfte der Diskutanten von den Admins entfernt wird.
* Endlich fragt 1 HH, warum ich meinen Hund nicht einfach kastrieren lasse…
* 5 HH drohen darauf hin mir mit der Kastration.
Der Kaffee ist leer, der Laptop klappt zu. Ich nehme meinen Kater auf den Schoß und kraule ihn hinter den Ohren bis er schnurrend einschläft. Vielleicht frage ich morgen zum Nachmittagskaffee in einer Muttergruppe, wer seine Kinder denn so alles impfen lässt. Manche sehen die Welt echt gerne brennen.

Quelle unbekannt, Netzfund

Als ich heute auf der Suche nach Programmhandbüchern war und bei der Gelegenheit mal ordentlich einige Verzeichnisse auf dem PC durchforstet und auch ein wenig entrümpelt habe, fand ich unter anderem diesen Text, den ich im Jahr 2019 irgendwo aufgegabelt hatte. Und nun lehne ich mich zurück…😉

Gedankenspiel

Unser Finanzminister hat (neben vielem anderen) sinngemäß gesagt, mit dem 9€-Ticket habe es

  • viele unnötige Fahrten gegeben (Freizeit statt Berufspendeln)
  • wenn es weitergeführt werde, müssten Menschen, die ländlich wohnen und kaum ÖPNV haben, diesen für andere Regionen mitfinanzieren und das sei ungerecht
  • Die Forderung nach bezahlbarem ÖPNV sei „Linkes Framing“

Vor allem letzteres empfinde ich als reichlich unverschämt. Es dürfte genügend Leute geben, die nicht in dieses politische Spektrum passen und trotzdem gern einen guten ÖPNV unterstützen oder sogar darauf angewiesen sind.
Und selbst, wenn das alles so sein sollte: Die Fokussierung auf den Individualverkehr mit dem eigenen Auto/SUV/Porsche bringt seit Jahrzehnten

  • viele unnötige Fahrten, wenn Leute am Sonntag 500 Meter zum Brötchenholen, nach dem Frühstück ins Grüne fahren oder viele Menschen allein im Auto sitzen, statt Fahrgemeinschaften zu bilden – und auch ein künstlich gesenkter Spritpreis trägt ja nicht unbedingt dazu bei, das Auto stehen zu lassen.
  • die Aufteilung des öffentlichen Raumes zugunsten des Autoverkehrs: viel zu niedrige Parkgebühren für Dauerparker (im Allgemeinen ist es in deutschen Städten billiger, sein Auto durchschnittlich 90 % der Zeit ungenutzt in der Gegend rumstehen zu lassen als täglich mit dem Bus zur Arbeit zu fahren) ; alle Menschen, die kein Auto fahren (und das sind Viele!), müssen Platz machen, selbst auf zugeparkten Rad- und Gehwegen ausweichen, sind Verkehrslärm, Gestank und Schadstoffen (die Schwächsten unter ihnen, die Kinder im Kinderwagen/Buggy sogar auf Nasenhöhe) ausgeliefert, und
  • „Freie Fahrt für freie Bürger“ ist kein Verteidigen der jedem Einzelnen zustehenden Freiheitsrechte, sondern staatlich zugelassener Irrsinn für die armen Raser, die nach einem Auslandsurlaub erstmal wieder so richtig Gas geben müssen, weil das Tempolimit in allen anderen Ländern rundum so deprimierend ist.

Übrigens bin ich in meinem Leben erst einmal geflogen: als Teenager hatte ich einen Rundflug über die Porta Westfalica mit so einem kleinen zweimotorigen Hüpfer gewonnen. Aber ich subventioniere seit Jahren fleißig den Flugverkehr und die Billigflieger, weil es auf Kerosin nach wie vor keine Steuern gibt. Ist das etwa gerecht?

Und warum will mir die „Freiheitspartei Deutschlands“ die Freiheit nehmen , für relativ kleines Geld mit dem Zug an die Küste, in die Berge oder gar in den Harz zu fahren? Die Freiheit, einigermaßen umweltschonend meine Freizeit zu genießen? Gibt es etwa Unterschiede bei der Freiheit? Linke Freiheit, rechte Freiheit, bürgerliche Mittelfreiheit oder gar Mittelklassefreiheit, Proletenfreiheit und Upperclassfreiheit? Sinnbefreite Freiheit? Freiheit ohne Verantwortung? Lieber keine Freiheit als falsche Freiheit?

Ich gehe nicht davon aus, dass dauerhaft 9 € der angemessene Preis ist, um einen guten ÖPNV zu gewährleisten, denn davon können weder die Infrastruktur oder der Personalbedarf bezahlt werden. Aber wenn ein einfaches, gut verständliches Tarifsystem nach dem KISS (Keep It Short and Simple) -Prinzip, eine vernünftige Taktung, funktionierende Technik (sowohl Weichen, Ticketautomaten als auch Zug-WCs und alles andere, was in den Bereich fällt), genügend Personal und Material – und als I-Tüpfelchen auch noch die Unterscheidung zwischen regional (nicht unbedingt Bundesland, sondern eher Umkreis von xx Kilometer) und bundesweit – vorhanden ist, dann darf es auch ruhig mehr sein. Nicht zu vergessen natürlich Platz für Familien mit Kindern, für Reisegepäck, Fahrräder und Mobilitätshilfen (Kinderwagen, Rollstühle/Rollatoren…).

NRW von unten

Ein weiteres Kapitel ungewöhnlicher Heimatkunde. Nicht nur, weil ich das Besucherbergwerk und die „Blaue Lagune“ aus den ersten Minuten des Films aus eigener Anschauung kenne und selbst vermutlich auch über Schächten lebe.

Besonders interessant finde ich auch den Abschnitt über die römische Wasserleitung aus der Eifel bis nach Köln. Aha-Effekte am laufenden Band, aber auch bedrückende Einsichten in die unrühmliche Vergangenheit vor knapp 100 Jahren, beides kennzeichnet diese Dokumentation, dazu ein Ausblick in aktuelle und kommende Gefährdungsszenarien.

Mr. Spock würde eindeutig „Faszinierend!“ dazu sagen, und ich habe wieder einiges dazugelernt.

https://www.ardmediathek.de/video/heimatflimmern/nrw-von-unten-eine-expedition-in-geheime-welten/wdr/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLThhOTNlN2ViLTBhOWItNDU4Ny1hZmYyLTQ3M2U3YmMxMjZiYw

Des Einen Freud, des Anderen Leid

Bei mir war es Freude, als ich dieses heute Abend filmte. Kind, Hund und ich haben den Regen begrüßt und auf der Terrasse genossen. Der Duft nach nasser Erde, das gleichmäßige Rauschen und Tröpfeln, der lange vermisste Geruch nach „nasser Hund“…

Aber als ich danach die Nachrichten sah, stellte ich schnell fest, dass der Regen nicht überall mit soviel Erleichterung aufgenommen werden konnte, sondern dass auch in manchen Regionen mehr Regen fiel, als versickern und ablaufen konnte. Was bei den ausgetrockneten Böden wirklich kein Wunder ist.

Hatte ich am Nachmittag noch eine „Gewitter und Starkregen“-Warnung nach der anderen aufs Handy bekommen, war es aber fürs Erste mal wieder so, dass beides wieder östlich und westlich um unser Gebiet herumgezogen war. In den Nachbardörfern kann es da schon ganz anders aussehen.

Ich freue mich jedenfalls erstmal, auch wenn es jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, schon wieder aufgehört hat. Man wird bescheiden und Kleinvieh macht auch Mist.

Launisches Temperaturempfinden

Jedes Jahr beobachte ich es wieder: Wenn im Frühjahr die Tagestemperaturen auf 15 Grad ansteigen, sieht man auf einmal viel mehr T-Shirts, weniger Pullover. Übrigens schließe ich mich dabei durchaus ein. Die Freude über das nahende Ende der kalten Jahreszeit wärmt offensichtlich schon ein bisschen mit.

Jetzt gerade, im sehr heißen und trockenen Sommer, schließen wir tagsüber die Fenster und lassen nur morgens, in aller Herrgottsfrühe, die (hoffentlich unter 20 Grad) abgekühlte Nachtluft in unsere Häuser. Treten vielleicht um sechs Uhr aus der Haustür, recken und strecken uns und atmen tief durch. Kühle, mit etwas Glück sogar leicht feuchte Luft flutet unsere Lungen, wir genießen diesen Augenblick.

Im Herbst dagegen kramen viele ihre „Übergangsjacken“, Pullis und Schals schon bei ungefähr 18 bis 20 Grad heraus, je nach persönlicher Einstellung und Empfindung. Auch ich, vor allem, wenn die Optik des Wetters (Wind, graue Wolken…) dazu passt. Abends im Lesesessel gehört eine Decke über die Beine gelegt, so ist es doch gleich gemütlicher. Und der warme Kakao ersetzt das Kaltgetränk.

In den letzten Wochen hatte ich gefühlt den Eindruck, Supermärkte, Autos etc. würden per Klimaanlage auf Kühlschranktemperaturen (damit das Fleisch, auch das eigene lebendige, nicht verdirbt?) heruntergekühlt, aber wenn im Herbst das Beheizen von öffentlichen Gebäuden auf „nur noch“ 19 Grad erfolgen soll, dann gibt es einen Aufschrei, dass so etwas nicht zumutbar sei.

Ganz davon abgesehen, dass man in Schulen, Einzelhandelsgeschäften und Arztpraxen in den letzten zwei Wintern aus Infektionsschutzgründen durchaus zumutbar frieren „durfte“, sogar ohne eine Temperaturbegrenzung nach unten, dafür mit verordneten Öffnungsintervallen der Fenster.

Ebenfalls davon abgesehen, dass vermutlich schon viele Menschen, auch ich, die Erfahrung gemacht haben, es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung. Vorzugsweise im Urlaub, denn dieser teuer erkaufte Freiraum muss ausgenutzt werden, zur Not auch mit Mütze, Schal und Handschuhen, langer Unterwäsche und Regenoutfit.

Ganz klar, im Urlaub bewegen wir uns mehr. Und bei Sauwetter warm eingepackt über den Deich zu stapfen hat ja auch was. Man trotzt den lebensfeindlichen Elementen. Und hat die Aussicht auf eine dampfende Tasse Ostfriesentee mit Kluntje und Wölkje als Belohnung. Und Friesentorte. (Für alle, die lieber in die Berge fahren: Ich bin sicher, dort gibt es entsprechendes…)
Während wir zuhause oder im Büro oft einfach nur stundenlang vor einem Bildschirm hocken, ohne viel Bewegung.

Es gibt Menschen, kleine und große, denen Kälte tatsächlich nicht guttut. Babys, die ihre Körpertemperatur noch nicht gut regulieren können. Kranke Menschen, die zum Beispiel mit rheumatischen Beschwerden zu kämpfen haben. Körperbehinderte, die nicht einfach mal so aufspringen und zehn Kniebeugen machen können. Und zig andere. Ich kann das nachvollziehen und finde es auch nicht gut, wenn wir diesen Menschen vorschreiben, wie sie im Winter zu heizen haben, um es in ihren Wohnungen angenehm auszuhalten.

Was aber auf jeden Fall von (fast) jedem machbar ist: Sich aktiv mit seinen Angewohnheiten auseinanderzusetzen. Zu überlegen, ob und wo es Stellschrauben gibt, an denen wir uns angemessener verhalten können. Denn vieles von dem, was wir als ganz normalen Komfort um uns haben, ist nicht notwendig, sondern anerzogen, wir werden mit jeder Generation softer sozialisiert. Denn wenn wir ganz ehrlich sind, wären wir als Menschheit ansonsten schon vor unzähligen Generationen ausgestorben, hätten uns als überlebensunfähig erwiesen.

Es ist eben so ein bisschen wie mit der Wirtschaft: solange die Kurve immer nach oben geht, ist gefühlt alles in Ordnung. Sobald sie aber eher nach unten schwenkt, haben wir (immer noch wie Kleinkinder) sofort ein diffuses Verlustgefühl, das uns zunächst nur Unbehagen verursacht und sich bei anhaltendem Abwärtstrend bis zur Revolte steigern kann. Da hilft dann auch der Verstand, der das Ganze einordnen möchte, nur begrenzt weiter.

Menschlich? Ja, vermutlich. Wenn wir nicht immer nach Verbesserung streben würden, gäbe es keinen Fortschritt. Aber dann sollten wir eventuell mal neu definieren, was „Verbesserung“ eigentlich wirklich ist.

Analoges Wochenende

Das gesamte Wochenende stand bei uns im Zeichen des Gemeindefestes. Samstag im und ums Gemeindehaus Aufbau, zuhause Kuchen backen und Salat vorbereiten, gestern ausgiebig feiern und anschließend mit vielen fleißigen Helfern wieder „Klar Schiff“ machen. Das tat von Anfang bis Ende gut: Keine Zeit und auch keine Lust für digitale Nachrichten, die Social-Media-Blase und anderen elektronischen Schnickschnack, sondern viele nette Gespräche, Denkanstöße, Leute gesehen, die in den letzten gut zwei Jahren abgetaucht waren oder die man selbst auf dem Dorf oft nur sieht, wenn man sich auf der Straße (meist im Auto sitzend) begegnet. Und meinem heimlichen Ruf als „Karla Kolumna“ habe ich neben Kuchenverkauf, Tische abräumen und so weiter auch alle Ehre gemacht😂.

Es tat sehr gut, ein solches Fest mit vielen ganz unterschiedlichen Gruppen zu feiern, auch die freiwillige Feuerwehr, der Sportverein und eine Trachtentanzgruppe sowie unsere Kindergärten waren beteiligt, es gab ganz unterschiedliche Kirchenmusik für die verschiedenen Geschmäcker, Kirchenführungen, die Jugendarbeit war präsent, Alt und Jung kamen auf ihre Kosten.

Ansonsten bin ich in den letzten Tagen im Haus immer wieder mit leeren Marmeladegläsern unterwegs, die ich inzwischen an strategischen Stellen platziert habe, um Wespen, Nachtfalter und neuerdings öfter mal Heuschrecken und ihre zahlreiche Verwandtschaft nach draußen zu befördern. Immerhin hatten wir dieses Jahr noch keine Meisen im Wohnzimmer und auch keine wildgewordene Jungspatzengang in der Küche.

Übrigens: hatte ich mich am Samstagmorgen noch enthusiastisch über Regen gefreut, kam am späten Nachmittag die Ernüchterung: es hatte mal gerade zweieinhalb Liter auf den Quadratmeter gegeben, danach waren schon wieder alle Wolken verschwunden. In anderen Gegenden kam dafür umso mehr Wasser vom Himmel, wie ich hören und lesen konnte.

Und ich bereite im anscheinend nicht enden wollenden Sommer schon mal die kältere Jahreszeit vor und frage mich angesichts von aktueller Wetterlage und Prognosen, ob ich damit tendenziell eher optimistisch oder pessimistisch handele:

Gut mit Wolle eingedeckt, stricke ich mich zunächst mit Sneakersocken in Form, deren Anforderungen lauten: Kurz, aber trotzdem warm, kunterbunt und immer nur ein Socken von jedem Knäuel. Denn zwei gleiche Socken tragen, das geht gar nicht. Es werden dann noch Babysöckchen fürs Enkelkind dazukommen und wenn meine Schultern (die ich beim Stricken gern mal hochziehe, was natürlich nicht so gut ist) weiter mitmachen, kommen dann auch noch längere Modelle für den Mann und mich auf die Stricknadeln (diese sogar paarweise…).

Mein (zeitweise ehemaliges) Nähzimmer wird in den nächsten Tagen auch wieder zu seiner Bestimmung zurückfinden, mit leichter Modifikation, da auch die Overlockmaschine einen Dauerplatz finden soll. Glücklicherweise habe ich zwei entsprechende Tische, hoffentlich passt es auch vom Platz her. Und dann kann ich warme Hoodies, gequiltete Knie- und Sofadecken und anderes in Angriff nehmen, was uns den Winter über warm hält.

Wieder was gelernt

|Werbung, unbezahlt|

Ja, ich fahre ausgesprochen gern mit der Bahn. Immer noch, allen nicht ganz so schönen Erfahrungen zum Trotz. Klar, dass ich früher oder später auf dieses Buch stoßen würde. Über den Umweg eines Podcasts bekam ich den Impuls, mich bahntechnisch fortzubilden.

Die beiden Autoren sind schon ziemlich nah am Profibahnfahrer, und so liefern sie in diesem Buch ebenso amüsante wie kenntnisreiche Einblicke in all die verschiedenen Bereiche, aus denen vermutlich alle, die jemals in einem Zug saßen, ihre ganz persönlichen Anekdoten und Horrorerlebnisse erzählen können.
Um es gleich vorweg zu sagen: Der ganz normale Lokführer oder die ebenso normale Zugbegleiterin sind zwar oft diejenigen , die alles ausbaden müssen, was schiefläuft, aber sehr oft ist das so, als wenn in altgriechischen Mythen die Überbringer der schlechten Nachrichten geköpft wurden. Aber der bekannte Spruch „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ zeigt sich mal wieder als sehr zutreffend. Wobei der Kopf nicht immer nur der jeweilige Bahnchef ist (wobei es in den letzten Jahrzehnten so viele Luftfahrtvorbelastete gab, dass man sich fragt, ob es da Verträge gibt oder Ein- und Ausflugschneisen), sondern auch jemand anderes sein kann, der für einen bestimmten Bereich Verantwortung trägt, aber nur in der Theorie, weil er die dahinterstehende Praxis nie kennengelernt hat. Fehlplanungen, merkwürdige Investitionspolitik, großkopferte Projekte (vor 4000 Jahren hätten die Verantwortlichen vermutlich Pyramiden gebaut…)

Ein Schelm übrigens, wer dabei einen bestimmten Posten in der Bundespolitik im Hinterkopf hat, oder?

Auf jeden Fall weiß ich jetzt auch, was es bedeutet, wenn der Zug nicht starten kann, weil der Lokführer fehlt: der hat dann nicht etwa den Wecker verschlafen, sondern meistens den Zug zu seinem Einsatzort nicht bekommen. Oder musste bei der Anfahrt per Bahn auf offener Strecke warten, weil ein anderer verspäteter ICE durchgelassen werden musste.
Ich habe mich kopfschüttelnd durch das echt gruselige Kapitel über die Warenwirtschaft in Bordbistros gelesen und frage mich, warum es nicht wenigstens Tomatensaft in ausreichender Menge gibt, weil …, Luftfahrterfahrung, nicht wahr?

Und ich bin masochistisch genug, auch weiterhin auf die deutsche Bahn zu setzen, aber mich vielleicht ein bisschen mehr als bisher auf alle Eventualitäten vorzubereiten. Weil ich alle diese schrägen Bahnfahrer, die im Buch genüsslich beschrieben werden, auch mal sehen möchte. Denn einige der Stereotypen kenne ich noch nicht aus eigener Anschauung. Ob ich weiß, was ich mir da zutraue -mute, werde ich dann irgendwann mal berichten.

Bibliographische Angaben: Mark Spörrle/Claas Tatje, Tschusing Deutsche Bahn today, Lübbe Verlag, ISBN 978-3-431-05015-8, € 14,90

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