Langsam Fahrt aufnehmen

und in das Jahr starten. So langsam wie dieses Mal bin ich vermutlich noch nie hineingeschlittert. Für den Januar habe ich mir Mini-Aufgaben in den Kalender geschrieben. Für (fast) jeden Tag eine zeitlich gut zu schaffende Tätigkeit, die mit zu mehr Übersicht über meine Angelegenheiten führen soll. Heute stand „Handtasche ausmisten“ auf dem Plan. Das konnte ich schon zeitig erledigen und war angenehm erstaunt.

Nun bin ich sowieso nicht der Typ „schleppt den halben Haushalt und die Werkzeugkiste von MacGyver mit sich herum“. Ein paar Basics genügen. Deswegen war auch meine Tasche schnell neu sortiert: Portemonnaie, Brieftasche, Autoschlüssel. Papiertaschentücher, Handcreme, Asthmaspray (das ist dafür verantwortlich, dass ich überhaupt eine Tasche dabei habe), Hustenbonbons, Nagelfeile. Und seit Corona ein paar saubere Masken für unübersichtliche Situationen. Ich finde es mitunter sehr hilfreich, wenn ich andere Leute nicht aus Versehen anrotze und sie mich auch nicht.

Wenn ich längere Auswärtstermine mit vermuteten Wartezeiten habe, kommt mein Einkaufskorb zum Einsatz. Darin finden dann eine Flasche Wasser oder Tee, ein Buch und die aktuell in Arbeit befindlichen Stricksocken Platz. Vielleicht noch etwas zu essen gegen Heißhungerattacken und Schwindeligkeiten. Und damit bin ich für fast alles gerüstet.

Ich wünsche mir mehr Orte, Gelegenheiten und Zeiten, zu denen es so übersichtlich und fast schon minimalistisch zugeht. Aber das braucht Zeit, es ging ja auch nicht von Null auf Hundert, dass ich das Gefühl bekam, mein Leben sei „zu voll“. Meine vielleicht wertvollste Erkenntnis aus den Jahren 2020 bis 2022. Und auch der Satz „Leben ist, was passiert, während wir andere Pläne machen“ hat sich immer wieder bemerkbar gemacht.

Huch, wie bin ich denn jetzt hier gelandet? Mein Gedankenkarussell dreht sich bereits wieder in voller Fahrt, ich glaube, ich steige mal aus und beginne einfach mit dem Tagewerk.
Und sonst so? Die Lungenentzündung ist abgeklungen, dafür habe ich seit gestern Abend einen „Wurstfinger“. Wer Psoriasis-Arthritis kennt, kennt auch solche Phänomene. Sieht putzig aus, ist ein wenig unangenehm, vergeht aber zum Glück wieder. Und wer weiß, was tiefenpsychologisch noch so dahinter steckt, wenn ich jetzt für zwei bis drei Tage mit einem abstehenden Mittelfinger herumlaufe🤣? Ein dicker, abstehender Kleinfinger hätte vielleicht eleganter ausgesehen, so nach British Teatime, aber der Mittelfinger ist vermutlich ehrlicher.

Nachtrag: Der letzte Satz ist leider eine Folge des digitalen Zeitunglesens. Da ist so ein rektionäres „Waldorf und Statler“-Trüppchen, welches die angeblich links-grün-versiffte Berichterstattung mit blöden Kommentaren zumüllt… Sorry.

Wenn der Traumberuf zum Albtraum wird

Ich las – letzte Woche schon – einen Zeitungsartikel über eine Erzieherin, die vollkommen desillusoniert ihren Beruf aufgegeben hat, obwohl es genau das war, was sie eigentlich ihr Leben lang sein wollte. Mich hat daran nicht nur die Tatsache sauer gemacht, dass ich derartige Erzählungen bereits aus anderen sozialen Berufen kenne und das Gefühl habe, in einer Dauerschleife zu stecken. Mich hat auch betroffen gemacht, dass die Zeitung für ihr Pseudonym einen Vornamen und ein Kürzel gewählt hat, der die traurige Geschichte zu der meiner Tochter machen könnte.

Wie wichtig ErzieherInnen sind, ist uns hoffentlich allen klar. Dass sich das Berufsbild in den letzten Jahrzehnten – unter anderem politisch und vor allem gesellschaftlich gewollt – gewandelt hat, ebenso.

Als ich vor einem halben Jahrhundert in den Kindergarten ging, hatten wir noch eine „alte“ Diakonisse als Kindergärtnerin. Und das meine ich keinesfalls despektierlich. Die Frau war Respektsperson, Oma-Ersatz (ich weiß nicht, wie alt sie damals tatsächlich war, aber mir als Kind kam sie uralt vor), Trösterin und vieles andere. Sie trug stets einen Dutt, zur Haarfarbe passend ein mittelgraues Kleid, derbe Strümpfe und Schuhe und eine blütenweiße Latzschürze. Vor allem die Schürze hatte es mir angetan, die fand ich total faszinierend (ich frage mich gerade, ob sie eine „Mitschuld“ daran trägt, dass ich sehr gern Schürze trage, wenn ich in der Küche werkele). Und es gab Frau R., die drei Häuser weiter vom Kindergarten entfernt wohnte als ich sowie Frau S., die ich vor allem wegen ihres Namens (den ich als Kind wahnsinnig faszinierend fand) in Erinnerung behielt. Bestimmt auch noch andere, aber diese haben Eindruck auf mich gemacht.
Wir haben im Kindergarten gebastelt, Sing- und Tanzspiele gemacht, im Sandkasten gebuddelt, uns wurde vorgelesen und wir hatten solche coolen Spielsachen wie NOPPER (gibt es heute noch) oder diese faserigen Dämmplatten, auf die man mit kleinen Nägeln runde oder eckige Holzplättchen in verschiedenen Farben nageln konnte. Beides übrigens vollkommen frei einsetzbar, ebenso wie damals die Legosteine, wo es neben Fenster- und Türelementen sowie Dachsteinen vor allem bunte Standardsteine verschiedener Größen gab, mit denen man einfach fast alles bauen konnte. Man konnte mit denselben Elementen Autos (ach ja, Räder gab es auch), Häuser, Flugzeuge, Tierparks oder was auch immer bauen. Nichts davon blinkte, machte künstliche Geräusche oder enthielt Merchandising von Disney. So wurde früher unsere Phantasie angeregt.

Heute besteht der Beruf aus körperlicher und geistiger Anregung der Kinder, Animation zur Bewegung, musischer Früherziehung, Vermittlung von grundlegenden Werten. Aus Sauberkeitserziehung, dem Anhalten zu sozialem Umgang, Sprachförderung, Wissensvermittlung und vielem anderen, das früher eher in den Familien stattfand. Trotzdem sind einzelne Eltern anscheinend nie zufrieden, mit dem pädagogischen Angebot, den Erzieherinnen, dem Essen, den Regeln. Ja, das gibt es. Aus den unterschiedlichsten Gründen.
Natürlich bezahlt man als Eltern eine Gebühr, für die man eine Dienstleistung erwartet.
Natürlich war es (schon vor der Pandemie, aber vor allem in dieser Zeit zeigte es sich) oft ein Spagat, seinen Verpflichtungen als Eltern und als Arbeitnehmer gleichermaßen nachzukommen.
Natürlich bleibt vielen Eltern, vor allem Alleinerziehenden, nichts anderes übrig, als zu arbeiten und die Kinder fremdbetreuen zu lassen.
Und natürlich gibt es leider auch die Fälle, in denen Kinder in einer Kita einfach besser aufgehoben sind als Zuhause, auch wenn das Ausnahmen sind.
Viele Eltern stehen diese Zeiten gemeinsam mit den Kitaangestellten durch, arbeiten gut im Elternbeirat mit, versuchen, Lösungen zu finden.

Aber es gibt auch solche (das habe ich als Mutter auch selbst schon gemerkt), wo ich mich frage, weshalb die ihre Kinder überhaupt in den Kindergarten schicken, wenn dort doch sowieso nichts richtig gemacht wird. Wenn die Erzieherinnen entweder zu lasch sind oder zu streng. Wenn das Konzept nicht zum Familienleben passt, wenn das Essen so furchtbar ist, wenn man Angst hat, das Kind könnte Verhaltens- oder Sichtweisen entwickeln, die man selbst nicht will.
Was ich damit sagen will, ist: Ich glaube nicht, dass es Kindern schadet, wenn sie unterschiedliche Herangehensweisen kennenlernen. Wenn sie feststellen, im Kindergarten ist es anders als zuhause.
Im besten Fall können die Kinder sogar davon profitieren, auch wenn sich das erst später zeigt. Sie lernen Vielfalt zu schätzen. Sie kennen dann verschiedene Ansätze, sie lernen abwägen und eine eigene Sichtweise zu entwickeln.
Ist es nicht das, was wir unseren Kindern eigentlich wünschen?
Einen eigenen Blick zu entwickeln und unterschiedliche Blickwinkel gegeneinander abzuwägen, mündig zu werden?

Und auch diese Frage stelle ich, leider ist es meiner Erfahrung nach notwendig: Warum vertrauen wir nicht darauf, dass in den Kitas der Anspruch besteht, nicht nur ordentliche, sondern sehr gute Arbeit zu leisten? Selbst dann, wenn dort ein etwas anderer Ansatz verfolgt wird als in der Familie? Warum gestehen so viele den Erzieherinnen nicht zu, was sich im Grunde jeder von uns für sich selbst wünscht: Die Anerkennung, ihren Beruf mit Hingabe, fundierten Kenntnissen und Herzblut auszuüben, gerade auch in sehr herausfordernden Zeiten?

Ich möchte keinesfalls das Kindergartenkonzept von damals zurückholen. So wie in allen anderen Bereichen auch, hat sich hier unheimlich viel gutes entwickelt.
Aber wenn ich sehe, wie hochengagierte Erzieherinnen und Erzieher ihr Arbeitsleben beginnen, ihre Ausbildung in weiten Teilen sogar selbst finanzieren müssen, statt eine Ausbildungsvergütung zu bekommen und innerhalb einiger weniger Jahre entweder desillusioniert aufgeben oder mit Burnout enden, dann blutet mir das Herz.
Nicht nur, weil ich ähnliches bei einer meiner Töchter gerade selbst miterlebe. Nicht nur, weil eine Frau aus dem Bekanntenkreis, die als Erzieherin ihren Traumberuf lebte, nach einigen Hörstürzen arbeitsunfähig wurde.
Nicht nur, weil ich von meiner Nichte in den Pandemiejahren hören musste, wie sehr die Kitas kämpfen mussten, um neben Hygienemaßnahmen, Dokumentationspflichten, Krankenständen und uneinsichtigen Eltern ihrem Beruf gerecht zu werden und ganz nebenbei auch noch einen Bildungsauftrag zu erfüllen.
Nicht nur, weil ich von den beiden Kindergärten unserer Gemeinde einiges mitbekomme, was neben dem Betreuen der Kinder sonst noch zu den Aufgaben der ErzieherInnen gehört. Ich sag nur „Qualitätsmanagement“. Was in Unternehmen mit Beratungsfirmen outgesourct wird, müssen die ErzieherInnen turnusmäßig oft noch „nebenbei“ machen, unzählige Fragebögen, Assessments, Konzepte. Und so etwas dauert mehrere Monate. Oft nach Feierabend. Oder es geht halt von der Zeit für die Kinder ab.

Den dicksten Brocken, das, was einzelne Eltern nur schwer erreichen können, habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben, und damit auch den größten Frust: was wird politisch und auch gesamtgesellschaftlich getan, um die Bedingungen für ErzieherInnen zu verbessern? Und damit auch für die Familien und die Kinder?
Warum tolerieren wir und goutieren teilweise sogar, dass Vorstandsvorsitzende, Banker und andere „wichtige“ Berufe exorbitante Gehälter kassieren, alle möglichen Annehmlichkeiten in Verbindung mit ihren Berufen stehen, aber diejenigen, die im wahrsten Sinn des Wortes unsere Zukunft erziehen, ersticken in Vorschriften und Regeln, in Betreuungsschlüsseln, die ein gutes Arbeiten fast unmöglich machen sowie in Haushaltsarbeiten (Betten beziehen, Spülmaschine ein- und ausräumen…), die sie neben ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag auch noch erfüllen müssen, statt dafür Extrapersonal zu bekommen?
Wann werden Kitas mit genügend Geldmitteln und Personal ausgestattet, um damit nicht nur irgendwie über die Runden zu kommen?
Wann werden sie als ebenso wichtig oder sogar noch wichtiger angesehen?

Und wann besinnt sich unsere Gesellschaft darauf, dass in allen Bereichen der Daseinsvorsorge und der Care-Arbeit Menschen arbeiten, nicht Roboter? Dass ohne diese Menschen und ihre Arbeit unser Land, unsere Wirtschaft, unsere gesamte Gesellschaft ziemlich schnell zusammenbrechen würde? Denn was ich hier jetzt exemplarisch aufgeschrieben habe, gilt für die Alten- und Krankenpflege, für die Rettungsdienste, für kommunale Dienste und vieles mehr. (Dass sich inzwischen Menschen nicht zu blöde vorkommen, auch noch Rettungsdienste im Dienst zu behindern und sogar tätlich anzugreifen, kommt noch obendrauf. Ob nun voll bis Oberkante Unterlippe oder einfach einen auf dicke Hose machen, das geht gar nicht!)

Wir müssen reden. Und vor allem müssen wir handeln bzw. das Handeln einfordern. Dass ich heute früh als nächstes darüber gelesen habe, wie wenig der Lehrerberuf in Deutschland wertgeschätzt wird, macht die Sache nur noch dringlicher und unübersichtlicher.

Alles auf Null?

Auf einmal ist es da. Das neue Jahr. Ein unbeschriebenes Blatt, ein fast noch leerer Kalender. Zum ersten Mal seit einigen Jahren war ich nicht beim Neujahrsläuten an der Kirche dabei, die feinstaublastige Luft wollte ich meiner gestressten Lunge lieber nicht zumuten. Also wartete ich am geschlossenen Fenster, bis mein Mann zurückkam. Kalle wollte einmal nach draußen, schaute verwundert in den Himmel und schien nachzudenken, was für einen Krach die Menschen denn da machten, wo sie doch sonst immer so viel Wert darauf legten, dass Hund nicht die Nachbarschaft zusammenbellte.

Den Neujahrsvormittag haben wir vor uns hingelottert und uns im WDR Rückblicke der vergangenen Jahrzehnte angeschaut. Uiuiui! In was für Zeiten wir doch großgeworden sind. Entlarvend.
Wenn heute jemand im Brustton der Überzeugung herumtönt, dass früher alles besser war, weniger Kriminalität, mehr Respekt, Anstand und auch die Politiker mehr Format hatten, dann wiege ich den Kopf und sage:“Hmmmm…“

Wenn ich die Bilder von Hoyerswerda, Mölln und Solingen sehe, die Ausländerfeindlichkeit der 90er Jahre, „brave“ Bürger, die Rechtsextremen Beifall klatschten, Politik und Polizei, die in völliger Verkennung der Lage untätig blieben; wenn ich die sensationslüsterne Presseverfolgung der Gladbecker Geiselnahme noch einmal Revue passieren lasse, dann gehen mir dazu unterschiedliche Dinge durch den Kopf, aber bestimmt nicht, dass es besser war als heute. Im Rückblick sehe ich vielmehr, was damals begann schiefzulaufen, welche Fehleinschätzungen es gab und auch, welche Lernkurven trotzdem durchlaufen wurden.

Aus der heutigen Perspektive ist es recht einfach, die Entwicklungen zu beurteilen. Ich frage mich, wie in zwanzig Jahren wohl die Rückblicke auf die 2010er und 2020er Jahre aussehen werden. Und für das neue Jahr nehme ich daraus mit: Jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Und wie der gesamte Fortschritt uns mitunter überrollt, haben wir das Gefühl, es werde mit jedem Jahr schlimmer. – Es wird einfach anders und vielleicht werden wir auch mit zunehmender Lebenserfahrung nicht nur weiser, sondern auch dünnhäutiger.

Tschernobyl, Seveso, Bhopal, die Exxon Valdez, der Brand der Deepwater Horizon, Fukushima und und viele andere Umweltkatastrophen, die menschengemacht waren, haben ein Umdenken in Gang gesetzt.
Wir haben im Westen den Blauen Bock mit Heinz Schenk und im Osten Karl Moik und seine Stadel überstanden. Weder Vokuhila, knallbunte Ballonseidensportanzüge noch Modern Talking haben die Zivilisation zerstören können.
Überkommene Gesetze wurden irgendwann abgeschafft, wenn auch mitunter nach dem Motto „besser spät als nie“. Und auch korrupte Politiker gab es stets – und zwar in allen Lagern.
Wenn solche Zeitrückschauen irgendwo zwischen unverdientem Stolz („Und ich war dabei“) und akuten Anfällen von Fremdscham („Oh Gott🙈“) eines hervorrufen, dann ist es eine berechtigte Hoffnung, dass wir auch mit unseren aktuellen Themen fertigwerden. Was bleibt uns anderes übrig? Mit dem DeLorean zurück eher nicht. Außerdem: Wer will denn da ernsthaft wieder hin?

Ich freue mich also lieber auf die neuen, unbeschriebenen Blätter. Denn zum Teil füllen wir sie mit unseren eigenen Geschichten, mit dem, was jeder einzelne von uns daraus macht.

Inventur

Einmal Kauffrau, immer Kauffrau. Oder so. Vielleicht liegt es auch an der Jahreszeit. Inventur und Bilanz. Das abgelaufene Jahr mit denen davor vergleichen, Lagerbestände vergleichen, was sollte da sein und wie sieht es tatsächlich aus? Ich vermute mal, alles in allem wird es gemischt ausfallen.

Ich fange mal mit dem Kernsortiment an: Familie.

Eine Autismus-Diagnose, ein Enkelkind, viele Krankenhaus-Fahrten und jedem Familienmitglied eine eigene Covid-Infektion (zum Glück nicht alle gleichzeitig) waren unsere größten Herausforderungen, die wir gemeinsam alle gut meistern konnten. Alles andere ist privat und soll hier nicht ausgebreitet werden. Aber auch sonst gab es über das Jahr immer wieder wunderbare Familienmomente, oft eher kleine oder ganz pragmatische: gegenseitiges Einkaufen bei Quarantäne, gegenseitiges Hüten der Haustiere in Urlaubszeiten, Austausch von Haushaltsgegenständen, engagierte Diskussionen und viel Spaß.

Im Sommer habe ich meinen Urlaub sausen lassen und meine Chefin vertreten. Das war für Mann und Kind doof, aber wir waren uns einig, dass man mitten im Schulbuchgeschäft keine Buchhandlung schließen kann und dass ich auch zukünftig gern eine Arbeitsstelle haben möchte, wo ich mich wohlfühle. Außerdem hat es mir nicht nur Spaß gemacht, ich habe auch die Kundschaft in der Zeit besser kennengelernt, was ein positiver Nebeneffekt war.

Verbesserungswürdig ist allerdings die Zeit, die ich mit meinen Freundinnen verbringe. Und auch meine Eigeninitiative. Eine gewisse Tendenz zur Eigenbrötlerei hatte ich zwar schon immer, aber irgendwie geht es immer schneller, dass die Zeit rast und schon wieder eine Woche oder gar ein Monat vorbei ist, ohne dass ich mich irgendwo gemeldet habe.

Was ist mir noch wichtig in meinem Umfeld? Ach ja, die Gemeinde. Fast wie eine zweite Familie, mitsamt den Mitgliedern, mit denen man sich gern trifft und den (nicht im Wortsinn, sondern eher symbolisch) verschrobenen alten Tanten und Onkeln mit wunderlicher Weltsicht.
Über die verschiedenen Sichtweisen auf das Glaubensleben könnte ich glatt einen Roman schreiben. Der wäre dann eine Art Tragikomödie mit dramatischen Elementen und genreübergreifenden Musical-Einlagen, dazu eine Prise Lebenshilferatgeber und ein Hauch Survivalguide. Sex, (Drugs eher nicht, schließlich gibt’s bei uns keinen Weihrauch) & Rock’n’Roll kämen am Rand auch noch vor, ebenso wie heimelige Biedermeieratmosphäre und gestrenge Vätersitten.
Das ganz normale Leben also. Aber insgesamt auf einem guten und Mut machenden Weg, hoffe ich.

Dasselbe gilt, wenn ich es mir recht überlege, auch für unser gesamtes gesellschaftliches und politisches Leben. Da ist nur leider sowohl im übertragenen wie auch im Wortsinn mehr der Bereich „Hauen & Stechen“ dabei. Nur nicht so unterhaltsam wie bei Bud Spencer und Terence Hill. Und nicht so edel wie bei den drei Musketieren.
Wenn man sehr sensibel veranlagt ist, ist diese Unfähigkeit von „uns“ insgesamt als Menschheit, uns gegenseitig mit Wertschätzung und Respekt, auf Augenhöhe zu begegnen und in Frieden leben zu lassen, schon etwas, woran man verzweifeln kann. Oder etwas rustikaler ausgedrückt: Wo viele lange und hart daran arbeiten, ein funktionierendes System aufzubauen, mit dem möglichst alle gut leben können, da gibt es immer wieder auch diejenigen, die mit dem Hintern alles umhauen, was andere mit den Händen geschaffen haben.

Wir brauchen Meinungsunterschiede und unterschiedliche Sichtweisen, um uns weiterzuentwickeln, das ist klar, denn ohne Diskurs keine Lösungen. Trotzdem ist es schon streckenweise frustrierend, dass mit allen historischen Quellen und Erkenntnissen, die uns zur Verfügung stehen, immer noch Kriege und Unterdrückung das Mittel der Wahl sind. Als ob das jede Generation einmal live und in Farbe mitmachen müsste, um zu lernen.

Aber es gibt auch diese Seite: wo immer Not, Krieg, Katastrophen und Verzweiflung auftauchen, gibt es nicht nur Schurken und Scharlatane, sondern auch einzelne Menschen, ganze Milieus und mutige Gruppen, die über die Kräfte des Einzelnen hinauswachsen, Obdach bieten, Lösungen suchen, Hilfsgelder sammeln, anpacken und vor allem zusammenhalten. Auch über Grenzen, Religionen und politische Lager hinweg.

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Wenn ich also eine Bewertung vornehme, Ist- und Sollzustand vergleiche, Aktiva und Passiva gegenüber stelle, naja, dann könnte die Bilanz sicher besser ausfallen. Das Ergebnis ist nicht ganz eindeutig, aber zumindest keine komplette Bankrotterklärung. Mit leichten Tendenzen in den positiven Bereich.

So. Und nun, nach über einer Stunde im kalten Büro (je wärmer, desto hust😅) bin ich etwas eingefroren. Heißer Tee und eine Decke über den Beinen wird es richten. Eins ist sicher: meine Lungenentzündung ist anhänglich und möchte mit mir das neue Jahr beginnen. Naja. Dann ist das jetzt eben so. Kommt auf ein bisschen eh nicht mehr an.
Später werde ich mir den neuen Kalender für das Jahr 2023 zur Hand nehmen und ganz liebevoll die ersten Eintragungen vornehmen: Geburtstage und andere Termine von und mit lieben Menschen. Vorsichtige erste Zielsetzungen für mich selbst. Wünsche und Meilensteine markieren. Dieses Ritual ist für mich jedes Jahr verbunden mit den Zeilen Hermann Hesses:

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben“

Ich wünsche euch allen hier ein frohes, gesundes und auch schönes neue Jahr. Es hat mal wieder viel Spaß und auch nachdenkliche Momente gebracht, Teil dieser kleinen Gemeinschaft zu sein.

Nicht auf dem Wunschzettel

Weihnachten kam mal wieder alles anders als geplant. Das sollte mich nicht wirklich überraschen, tat es aber doch. Ich hatte mich die letzten Tage schon nicht wohlgefühlt, aber im Bewusstsein, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, hoffte ich, das Tief würde an mir vorüber gehen.

Heiligabend brachte ich noch über die Bühne, Familiengottesdienst, Essen, ein gemütliches abendliches Beisammensein mit Mann, Kind und Hund und auch den Spätgottesdienst um 22 Uhr. Aber am Morgen des ersten Weihnachtstages ging nichts mehr.

Heftige Hustenattacken, Schüttelfrost, der Kreislauf drehte Loopings, das ganze Programm halt. Ich hoffte, ein Tag Ruhe würde alles wieder ins Lot bringen, aber nö. Mitnichten. Es wurde noch heftiger, und nachts war wegen des Hustens kaum Schlaf zu finden.

Gestern verfrachtete mein Bester mich zum Arzt und die Diagnose lautete wie insgeheim schon befürchtet: Lungenentzündung. Na prima. Nicht der erste Jahreswechsel, der mich auf diese Weise aus dem Rennen zieht. Da mir auch die Nachwirkungen der Covid-Infektion zu schaffen machen und mit Asthma im Gepäck ist es aber auch nicht trivial. Und das Antibiotikum der ersten Wahl ist längerfristig nicht lieferbar.

Mit zwei unterschiedlichen Mitteln – die eine Tablette muss ich längs schlucken, es kommt mir vor, als ob ich eine Raumstation einnehmen muss – Bettruhe, viel Trinken und Schlaf, wenn immer möglich, verbringe ich jetzt meine Zeit.

Wenn ich dermaßen ausgebremst bin, passiert fast immer dasselbe: ein bis zwei Tage Denkpause und Dämmerzustand, währenddessen mein Hirn defragmentiert wird. Wie bei Windows XP, wo man so schön den bunten Klötzchen zuschauen konnte, die hin- und hersortiert wurden.

Seit gestern ist meine Festplatte offensichtlich wieder nutzbar, denn seither jagen die unterschiedlichsten Gedanken wie auf einer Carrerabahn durch meinen Kopf. Mir fiel das Stichwort INVENTUR ein und daran knuspere ich seither herum. Das vorläufige Ergebnis muss noch etwas sacken und reifen, aber es wird wohl eine Art Jahresrückblick. Oder so.

Wenn man dann noch so schön von der Tochter bemuttert wird, kann ja alles nur noch besser werden, oder? Sicher ist nur, dass ich Silvester um Mitternacht nicht vor die Tür gehen werde, die Nebenwirkungen der Knallerei lösen schon in gesunden Zeiten fast einen Asthma-Anfall aus.

So. Genug geschrieben, jetzt nutze ich das Krankheitsprivileg und gucke Der Herr der Ringe. Mitten am Tag. Im Bett auf dem Notebook. Dekadent…🤭

24. Dezember – Frohe Weihnachten

So. Nun habe ich es endlich auch geschafft. Das Bäumchen (liebevoll „laufender Meter“ genannt) steht. Ich habe grummelnd festgestellt, dass in der Beleuchtungsindustrie noch effektiver Knoten in Lichterketten fabriziert werden, als es meine Mutter je geschafft hat. Und die kleinen Filzvögel (🥰), die ich letztes Jahr von Julia bekommen habe, hängen, ebenso wie die winzigen Fröbelsterne aus dem Weltladen (aus Atlasseiten gebastelt) von meiner Chefin Anja (ja, die heißt auch so) und meine getrockneten Obstscheiben. Nach mehr ist mir kaum zumute. Ja, okay, ein paar Anstandskugeln. Passt schon.

Bis gestern habe ich gearbeitet und mich ganz gut gefühlt, aber irgendwer hat meinem Körper verraten (ich war’s nicht!), dass jetzt drei freie Tage kommen. Und zack! kommt die Erkältung so richtig „schön“ durch. Hustensaft, heißer Holundersaft und eine Schmerztablette dopen mich, ich lasse mich von dicken Socken und Taschentüchern verwöhnen und es wird schon werden.

Entspannte Grundhaltung und Ruhe werden ihr übriges tun. Und eine Blogpause gönne ich mir auch. Es sei denn, mir brennt was enorm unter den Nägeln. Glaub‘ ich aber nicht.

Deswegen allerseits ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest, viel Spaß, Hoffnung und – vor allem Gesundheit.

23. Dezember – fast angekommen (1…)

An den beiden letzten Tagen hast du einen fast schon intimen Einblick in unser Weihnachtsfest bekommen. Und du weißt jetzt, dass es für mich wichtigeres gibt als ein Weihnachtshaus aus einem Einrichtungs-Hochglanzmagazin. Trotzdem gibt es keinerlei Grund, auf Putzorgien zu verzichten, wenn du, ja genau du, dich damit wohlfühlst.

Auf Weihnachten vorbereiten kann durchaus unterschiedlich aussehen. Ob man nun die Weihnachtsmärkte der Region unsicher macht in den Wochen des Advent oder ob man jeden Tag den Backofen anschmeißt. Ob man singt oder nicht und wenn ja, lieber Bing Crosby oder Mariah Carey, Paul Gerhardt, Rolf Zuckowski oder Helene Fischer, oder ob man dem ganzen Kitsch und Kommerz durch Flucht auf die Kanaren ganz entgeht, das ist vollkommen zweitrangig.

Die Hauptsache ist, dass es passt. Und dass man sich zumindest in der Familie einigermaßen einig ist, das ist schon sinnvoll. Ansonsten kann man getrost darauf verzichten, sich von selbsternannten Kulturhütern des christlichen Weihnachtsfestes belehren zu lassen, wie man gefälligst Weihnachten zu feiern hat.

Ich persönlich kann nur jedem herzlich wünschen, dass Weihnachten eine friedvolle und schöne Zeit ist. Aber mir ist natürlich bewusst, dass aus den unterschiedlichsten Gründen auch dieses „Fest der Liebe und der Familie“ für Menschen traumatisch oder unerträglich sein kann.

Für mich ist es tröstlich, dass der eigentliche Grund von Weihnachten, die Hauptperson, das Geburtstagskind sozusagen, in mein Leben hineinkommt. Egal wie (un-)aufgeräumt meine Wohnung, mein Herz, mein Leben ist. Egal, ob ich der reichste Mensch der Welt oder ein armer Schlucker bin. Egal, ob ich der Meinung bin, seine Liebe verdient zu haben oder nicht. Egal, ob ich es in meiner aktuellen Situation spüre oder mich total verlassen fühle. Das ist die wirklich wichtige Botschaft des Kindes in der Krippe.

22. Dezember – Runterzählen (2…)

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, beim Essen. Gemütlich miteinander essen und dabei erzählen, das ist etwas, worauf ich mich schon sehr freue.

Und auf die Gottesdienste, auch wenn es für die Mitarbeitenden immer etwas von Fließbandarbeit hat. In anderen, friedlicheren Jahren nannte ich es schon mal scherzhaft „Großkampftag“, ein Ausdruck, der mir im Jahr 2022 eher Bauchschmerzen verursacht. Allein bei uns in der Kirche finden drei Gottesdienste am Heiligabend statt, und jeder einzelne davon hat etwas, das mir Gänsehaut den Rücken runterrieseln lässt.
Zunächst ein Familiengottesdienst mit Weihnachtsmusical. Bis 2019 war ich immer in die Vorbereitungen involviert, 2020 fiel aus und 2021 war es doch noch etwas abgespeckt alles. Dieses Jahr kann ich es einfach genießen:
Die summende Atmosphäre, die aufgeregten Kinder (Chor) und Konfis (Schauspiel) wuseln überall herum, die Eltern und Angehörigen suchen Plätze, von denen aus sie alles im Blick haben… Und das unnachahmliche Beben in meinem Inneren, wenn dann das finale Oh du fröhliche gesungen wird.

Dann noch einmal Hektik, übriggebliebene Liederzettel müssen eingesammelt werden, einmal die Kirche lüften, denn nur eine Stunde nach Ende des ersten wird der zweite, der Festgottesdienst gefeiert. Neue Liederzettel, ein bisschen Platzanweiser spielen für Auswärtige oder Gehandicapte („Wo können wir mit dem Rollstuhl hin, ohne zu stören, aber trotzdem etwas sehen?“), während ein paar Männer noch die Bühne abbauen. Eventuell Lektorendienst, je nachdem, wer gerade dran ist. Und wieder der Kloß im Hals, wieder bei Oh du fröhliche. Same procedure as last hour.

Nach dem Aufräumen der Kirche nach Hause, zu Kartoffelsalat und Beilage. Bescherung würfeln: wer den höchsten Wurf hat, darf zuerst auspacken. Über den Hund lachen, der sich mal wieder herrlich dusselig dabei anstellt, seinen Markknochen aus dem Packpapier zu befreien. Und aufpassen, dass man so satt und zufrieden nicht einschläft, denn:

Um 22 Uhr ist Spätgottesdienst. Da trifft sich meist eine kleinere Gruppe, oft diejenigen, die in den ersten Gottesdiensten irgendwie beteiligt waren. Jetzt komme ich endgültig zur Ruhe, kann alles noch einmal so richtig genießen, jetzt ist Weihnachten. Und ich bekomme die dritte Gänsehaut des Tages, und zwar beim … ja, genau: Oh du fröhliche😊

Fortsetzung folgt

21. Dezember – Der Countdown beginnt (3…)

Noch drei Tage bis Heiligabend. Und ich stelle die provokante Frage: Putzt du noch oder freust du dich schon?

Nein, ich bin kein Messie, und ich kann auch so richtig heftig putzen, wenn mich der Rausch packt. Trotzdem habe ich in den letzten Jahren die vorweihnachtliche Wohnungsputz-Orgie abgeschafft. 2020, im ersten Coronajahr, blieb man sowieso im engsten Kreis und im heimischen Wohnzimmer, außerdem freute ich mich über wieder funktionierende Beine, alles andere war mir fast egal. 2021 war Corona zwar schon fast Routine, aber nach der Schulter-OP zickte der rechte, der Putz-Arm, immer noch herum.
Und in diesem Jahr gibt es ganz andere Themen, die wichtig sind: Arzttermine mit Enkelkind, bei denen wir Großeltern die Fahrdienste übernehmen. Bücher (und leckere Pralinen) verkaufen, was mir viel mehr Spaß macht als den Feudel zu schwingen. Und nicht zuletzt auch noch Hände, die in den letzten Wochen die Nässe und Kälte nicht mochten. Draußen trage ich unterhalb von 10 Grad plus konsequent Handschuhe, warm gefüttert. Drinnen konzentriere ich mich darauf, keine Knoten in die Finger zu bekommen, wenn ich filigrane Dinge mache, zum Beispiel Geschenke verpacken, Nähnadel einfädeln oder auch Babyhandschuhe stricken. Rheuma ist eben nur so mittelmäßig sexy.

Die Prioritäten ändern sich. Panta rhei, alles fließt. Und das darf auch so sein. Ich werde dafür sorgen, dass alles einigermaßen ordentlich aussieht, den Baum aufstellen und schmücken (der im Übrigen noch nie so klein war wie dieses Jahr) und mit Kathi einen Menüplan aufstellen, der sowohl Vegetarier als auch Fleischesser berücksichtigt und vor allem einen leckeren Nachtisch beinhaltet.

Fortsetzung folgt…

20. Dezember – Hochkultur

Es ist an der Zeit für einen Klassiker deutscher Hochkultur und Dichtkunst.

Loriot gehört ebenso zu Weihnachten wie Der kleine Lord, Drei Nüsse für Aschenbrödel, Email für dich, Während du schliefst und die beiden Kevin-Filme.

Und so präsentiere ich euch an diesem Dienstag vor Weihnachten ein ganz exzellentes, etwas makabres Weihnachtsgedicht:

https://www.youtube.com/watch?v=0b7rziDjaNM

Leider konnte das Video nicht eingebettet werden, also müsst ihr bitte den Link nutzen.

19. Dezember – Alte und neue Traditionen

Welche Dinge gibt es, die zu Weihnachten einfach dazugehören? Und sind es immer dieselben oder ändert sich das von Zeit zu Zeit? Beides hat seine Berechtigung: Die Traditionen der Kindheit und die später entwickelten eigenen Gewohnheiten.
Als ich Kind war, gehörte zu Weihnachten bei uns in der Familie unbedingt Ragout Fin. Ich kann mich bis heute nicht entscheiden, wie ich es nun schöner fand: In Herzoginpasteten, weil die so gut schmeckten und beim Reinbeißen blätterig zersprangen oder in den Schalen von Jakobsmuscheln serviert, weil es so schön aussah. Und es musste auch immer einen Rinderbraten geben, weil die kalten Reste davon bis zum 30. Dezember im Kühlschrank gehütet wurden und dann in den Heringssalat für Silvester geschnippelt wurden.

In der gesamten Adventszeit gehörte außerdem die Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge dazu, die liebevoll im Wohnzimmer zusammengebaut und jeden Abend nach Einbruch der Dunkelheit eine Kerzenlänge lang wunderbare Muster an die Zimmerdecke zauberte. Dazu lief die alte Weihnachtsschallplatte, ich kann mich noch genau an das Cover erinnern: Ein aus goldenem Glanzpapier gefalteter Engel mit langen blonden Kunstlocken auf nachtblauem Hintergrund. Und in jedem Jahr gab es mindestens ein Engelchen, dem ein Arm, Bein oder Instrument angeklebt werden musste, ehe es das Karussell der Pyramide schmücken konnte.

Und natürlich gehörte das Backen von Spritzgebäck dazu, mit dem alten Fleischwolf von Anno Tuck, den ich ab dem Schulalter schön gleichmäßig drehen durfte, um die Plätzchen zu formen. Diese Tradition habe ich auch selbst als Mama fortgeführt und der Fleischwolf kommt bis heute zum Einsatz.

Als wir jung verheiratet waren, besorgte ich ein paar Jahre lang opulente Blumensträuße, für Mutter, Schwiegermutter und mich selbst. Dann setzte sich die Erkenntnis durch, dass Schnittblumen im Winter nicht wirklich nachhaltig sind. Seither sehe ich aber zu, dass ich eine Amaryllis als Topfpflanze habe und ich mache jedes Jahr Unmengen an Fotos der Blüten. Und anschließend versuche ich ein Jahr lang, die Knolle so über den Sommer zu bringen, dass sie auch im nächsten Jahr wieder zu Weihnachten blüht. Bisher mit eher geringem Erfolg. Aber sie haben immer sehr hübsche Blätter😂. Ein ganzes Jahr ist halt immer so lang, da vergesse ich mitunter, was ich wann mit dem Ding anfangen soll. Ich bin schon gespannt, ob es wieder klappt, dass die Blüte genau an Heiligabend komplett offen ist.

18. Dezember – Ein fettes Dankeschön

Heute ist der vierte Advent, aber anstelle eines besinnlichen, feierlichen Beitrages mute ich euch heute ein schwieriges Thema zu. Leid tut mir das aber nur ein ganz kleines bisschen, weil ich darauf hoffe, dass heute das Zeitfenster zum Lesen vielleicht ein wenig größer ist. Und weil ich von der Relevanz überzeugt bin.

Die Schlagzeilen über vollkommen überlastete Kinderkliniken, Kinderarztpraxen und Rettungsdienste kennen wir alle zur Genüge in dieser Zeit. Zu Recht brauchen diese Institutionen und die dort arbeitenden Menschen unsere Aufmerksamkeit. Ich hoffe nur, die aktuelle Alarmstimmung lässt uns nicht abstumpfen, wie es mit so vielen wichtigen Themen derzeit passiert. Denn es gibt gute Gründe auch jenseits des abgenudelt klingenden Satzes „Kinder sind unsere Zukunft“, weshalb auch nach dem Abklingen der akuten Infektwelle diese Thematik nicht in der Schublade verschwinden darf.

Unsere Familie, genauer gesagt eine unserer Töchter, war in diesem Jahr auf alle oben genannten Bereiche angewiesen. Und bei allen ist sie auf sehr engagierte, hilfsbereite und zugewandte Menschen gestoßen, die ihr eine schwierige Situation erklärt, ihr hindurchgeholfen haben und unendlich viel Geduld mitgebracht haben.
Ich möchte nicht allzu sehr in die Details gehen, aber abseits der schlagzeilenträchtigen „großen Erkrankungen“ wie Krebs oder Herz-Kreislauf, auch abseits von körperlichen oder geistigen „Behinderungen“, war schon vorgeburtlich klar, dass unser Enkel eine OP kurz nach der Geburt brauchen würde. Entsprechend wurde die Geburt genau geplant, ebenso wie die OP danach. Wegen der Spezialisierung der Kinderklinik sollte das alles in einer anderen Stadt rund 70 km entfernt stattfinden. Dank des Rettungsdienstes, dessen Besatzung sich nach der Erläuterung der genauen Umstände auch bereiterklärte, den kurzfristig notwendig gewordenen (Liegend-)Transport zu übernehmen, obwohl die nächstliegende Geburtsklinik keine 10 km entfernt war, konnte alles ungefähr wie geplant stattfinden, wenn auch etwas eher.

Sechs Wochen wurden unser Enkel und unsere Tochter rund um die Uhr betreut, mit viel Geduld bei den immer wieder auftretenden Fragen, mit Ruhe und Empathie. Niemand ließ sie spüren, dass Zeit ein knapp bemessenes Gut war, dass viel Hektik im Klinikalltag herrschte. Die Übernahme der ärztlichen Betreuung durch eine Kinderarztpraxis hier vor Ort klappte reibungslos, obwohl auch hier die Praxen am Anschlag sind.

Und als am letzten Montag durch einen Erkältungsinfekt eine unklare Situation eintrat, die mit akuter Luftnot einherging, war innerhalb einiger Stunden klar, dass eine stationäre Therapie aufgrund Frühgeburt und medizinischer Vorgeschichte angesagt war. Natürlich war das mit ein paar langen Abendstunden in der Kinder-Notaufnahme verbunden, und natürlich war es mir als Oma nicht möglich, als moralische Unterstützung mit in ebendiese Notaufnahme zu gehen (Immerhin gibt es bei uns eine Kinderonkologie mit kleinen Patienten, die extrem immungeschwächt sind. Da reichen schon die Erreger, die von anderen Patienten ausgehen, da muss nicht auch noch Hinz und Kunz was hinterlassen.) Und übrigens: alles das als ganz normale Kassenpatienten.

Wenn man Kinder hat, kommt man irgendwann mit diesen Institutionen in Berührung. Diverse Blinddarmentzündungen, Pfeiffersches Drüsenfieber, mehrere Invaginationen, Asthma-Anfälle, Pseudo-Krupp, stark blutende Kopfwunden, mögliche Gehirnerschütterungen, das waren bei unseren Töchtern im Lauf der Zeit die Gründe. Und es ist mir persönlich auch kein Fall bekannt, bei dem stark verunsicherte Eltern abgewiesen wurden. Ich kenne eher die Sichtweise: Wenn es euch unheimlich ist, fahrt hin. Lasst lieber einmal zu viel draufschauen als einmal zu wenig.

Ich kann nicht viel mehr tun, als an dieser Stelle ein ganz fettes DANKE an alle in die Welt zu schmettern, die in diesen Bereichen arbeiten, sich einbringen, leider auch total überlastet, deshalb manchmal sehr gefrustet sind und sich dann auch noch Anklagen anhören müssen, wenn sie mal nicht so reagiert haben, wie es von ihnen erwartet wurde. Und ich kann euch ermuntern, Menschen, die ihr in eurem Umfeld habt und die solche Arbeit tun, zu schätzen. Mehr noch: wenn ihr Leute kennt, die in Verwaltung, Politik und Gesundheitswirtschaft Einfluss haben, geht ihnen auf den Keks mit der Forderung nach besseren Bedingungen: finanziell, personell, ideell, mit jedem brauchbaren Support.

Für eine gute, humane und empathische Gesundheitsversorgung, für Eltern, die sich nicht aus Enttäuschung abwenden, für eine starke und wertschätzende Gesellschaft. Und damit sich die Beteiligten in der medizinischen Versorgung mit gutem Gewissen in erster Linie um das Wohl ihrer Patienten kümmern können, ohne Dividenden von Aktionären im Hinterkopf haben zu müssen.

Ganz zum Schluss hänge ich hier nochmal einen Link an, für eine Einordnung rund um das Thema Infektanfälligkeit bei Kindern und Immunsystem:
https://www.schwesterfraudoktor.de/2022/12/11/wir-haben-alle-kein-immunsystem-mehr/

17. Dezember – Das Adventsessen

Weihnachten kann in Stress ausarten. Vor allem, wenn neben eigenen „Kindern“ auch noch Schwiegerkinder und deren Eltern beteiligt sind. Mit Grauen habe ich noch das Dezemberdilemma vor meinen inneren Augen, wenn ebenso zuverlässig wie der Adventskalender und der obligatorische Weihnachtsputz die Frage aufkam: „Schatz, wo feiern wir eigentlich Weihnachten?“
Damals waren wir noch eine junge Familie und jedes Jahr kam das Thema auf dem Tisch.

Heiligabend zuhause mit Bescherung unter dem eigenen Weihnachtsbaum, dann weiter zu meiner Mutter, die auch einen, oft mit Lametta behängten Baum in ihrem Wohnzimmer einen Raum weiter hatte, da wir im selben Haus wohnten.  Dann ein Haus weiter, auch dort wohnte Familie, dort gab es noch eine Bescherung – und Abendessen.

Am ersten Feiertag ging es nach dem ausgedehnten Mittagessen (Vorsuppe, Rinderbraten, Nachtisch) meiner Mama mit Gebäckdose unterm Arm zur Mutter des Mannes. Für die Kinder ein kleiner Kulturschock, denn diese Wohnung war so gar nicht für zwei kleine, neugierige Mädchen eingerichtet.

Abgefüttert und müde kamen wir abends nach Hause und freuten uns, wenigstens den zweiten Feiertag in Ruhe verbringen zu können. Das waren die Momente, wo wir jeder mit einem Taschentuch bewaffnet erschöpft dasaßen und uns schworen, dass unsere Kinder diesen Stress nicht erleben sollten.

Seit unsere beiden großen Töchter nicht mehr im Haus wohnen, einigen wir uns deswegen bereits mehrere Wochen vorher, wann und wo wir unser gemeinsames Essen abhalten, damit an den Weihnachtsfeiertagen alle etwas Ruhe genießen können. Das kann dann an einem Adventssonntag oder auch an Weihnachten selbst sein, je nachdem, was wir alle geplant haben. Und es muss auch keine opulente Liebeserklärung an Drei-Gänge-Menüs darstellen, sondern darf auch einfach ein besonders leckerer Eintopf sein. Und niemanden stört ein bisschen Staub in den Ecken, denn die Hauptsache ist, wir sind zusammen und haben Spaß. Der Sternenglanz überstrahlt sowieso alles.

Dieser Text erscheint heute bei Christiane auf dem Blog Irgendwas ist immer, es gelten folgende Regeln:

In einem Text, der maximal 300 Wörter umfassen durfte, waren (mindestens) drei der folgenden fünfzehn Begriffe zu verwenden:

Adventskalender, Dezemberdilemma, Eintopf, Gebäckdose, Hefe, Lametta, Laubsäge, Liebeserklärung, Kreuzkümmel, Kulturschock, Sternenglanz, Sturz, Taschentuch, Tunichtgut, Weihnachtsputz.

Ein bisschen Dichtung und ein bisschen Wahrheit wurden von mir hier durcheinandergeschüttelt und vertextet. Wer mag, darf gern raten, was zu welcher Kategorie gehört😉. Dieses Jahr haben wir unser Adventsessen aus Gesundheitsgründen in den kommenden Januar verlegt…

Schön, dass ich mitmachen durfte😊.

16. Dezember – Hot Cuisine

|Werbung, unbezahlt|

Mein gar nicht mehr so geheimer Geheimtipp: Das Ü-Ei unter den aktuellen Kochbüchern.
Du liebst Kochen? Und hast gern Spaß? Crossmedial ist deine Welt?
Dann gibt es nur eins, was in Frage kommt – und Meuth / Duttenhofer können endgültig einpacken.

Es ist das Gesamtpaket, das einfach toll rüberkommt. Die Rezepte sind alltagstauglich und auch erschwinglich, es geht nicht um Küche à la Bocuse, die irgendwo an der Decke klebt. Zwischendurch gibt es kleine Interviews, Anekdoten, lustige Zwischen“mahlzeiten“. Und alle paar Seiten findet man einen QR-Code. Scannt man den ein, öffnet sich auf dem Smartphone das Video zum Rezept. Kleine Warnung: geöffnete Ölflaschen oder volle Weingläser sollte man vorher abstellen. Akute Verschüttungsgefahr durch Lachflashs droht.

Wem das Kochbuch allein noch nicht „vollständig“ genug zum Verschenken erscheint: Ein hübscher traditioneller Einkaufskorb, gefüllt mit den passenden Zutaten und dem Buch, eine Flasche französischen Landwein und fertig ist ein rundum stimmiges und eher ungewöhnliches (Weihnachts-)geschenk.

Bibliographische Angaben: Elena Uhlig/Fritz Karl, Hot Cuisine, ZS-Verlag, ISBN 978-3-96584-251-9, € 22,99

Und hier noch ein Video für die Neugierde😅. Ich kann nicht anders, das Lachen von Frau Uhlig ist einfach so ansteckend.

(*Beitragsbild: ZS-Verlag)

15. Dezember – Vorfreude

Heute Abend ist es soweit. Das jährliche Weihnachtskonzert der Schule. Immer wieder ein Höhepunkt des Jahres, nicht nur, weil unsere Tochter dort singt und Saxophon spielt. Es ist einfach toll zu erleben, mit wieviel Spaß alle Teilnehmer, sowohl Schüler als auch Musiklehrer, ein abwechslungsreiches Programm zusammenstellen und dann mit den unterschiedlichen Chören, dem Orchester und der Brass Band einen fröhlichen Abend gestalten.

Dieses Jahr soll jeder Besucher ein LED-Teelicht mitbringen, ich bin schon ganz gespannt, wofür das gut ist. Wird bestimmt ein Gänsehaut-Moment.

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