30 Days Book Challenge – Tag 26

Heute lautet Ulrikes Aufgabe „Ein Reiseführer, der in dir den Wunsch zu einer Reise geweckt hat“.

Definitiv gehört zu den wirklich neugierig machenden Reiseführern die Reihe „Vis à Vis“ von Dorling Kindersley. Die Art und Weise, wie in dem Konzept Fotomaterial, Texte und Sachinformationen verknüpft werden, mag ich total gern. (Im Übrigen nicht nur bei den Reiseführern aus dem Verlag, sondern auch bei den Kochbüchern oder der Jugendsachbuchreihe „Sehen – Staunen – Wissen“, die aber leider nicht mehr aufgelegt wird.) Jahrelang haben wir unseren Urlaub auch gern in Frankreich an der Atlantikküste Aquitaniens verbracht, was auch die Verlagsvertreterin wusste. Deswegen bekam ich als „Testexemplar“ den Frankreich-Führer geschenkt.

Ansonsten waren es aber meist entweder Romane („Schloss Gripsholm“ von Kurt Tucholsky) oder Reiseberichte („Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling / „Muscheln am Weg“ von Carmen Rohrbach), die mich auf konkrete Reiseziele gebracht haben. Das hübsche Schloss am Mälaren ca. 60 km landeinwärts von Stockholm habe ich auch bereits vor sehr vielen Jahren besucht, auf den Jakobsweg habe ich es noch nicht geschafft. Sinnigerweise hatte ich gerade begonnen, zumindest die deutschen Jakobswege in die konkrete Planung zu nehmen, als mir meine Beine unter dem Körper wegklappten. (Die Story dazu findest du hier und hier, wenn du sie noch nicht kennst.) Jetzt bin ich mal gespannt, wann ich wieder die Kraft und Ausdauer haben werde, loszumarschieren. Obwohl, gerade die Pilgerwege sind ja stark frequentiert von Menschen, die auch körperlich ihr Päckchen zu tragen haben. Möglicherweise sollte ich nicht so viel darüber nachdenken, sondern einfach mal loslaufen.

Ein kleiner aktueller Tipp (obwohl das Buch schon 2019 erschienen ist):

Aus dem Piper Verlag die „Gebrauchsanleitung fürs Daheimbleiben“ von Harriet Köhler, ISBN 978-3-492-27735-8, 15 €

30 Days Book Challenge – Tag 25

Für die heutige Aufgabe habe ich mir zuerst den Kopf zermartert, bin danach an meinen Regalen vorbeigeschlichen wie die Katze um den Sahnetopf und hatte schon die Befürchtung, ich könnte leer ausgehen. Aber dann sprang mich doch noch ein Buch an, so mental gesehen.

Die Aufgabe lautet: „Ein Buch, auf das du durch den Klappentext neugierig wurdest“.

Ich sah das Buch in einer konfessionellen Buchhandlung, und da ich durch die Jugendarbeit immer mal wieder in die Lage kam, ein gemeinsames Gebet anzuleiten, was eigentlich so gar nicht „meins“ ist, warf ich einen zweiten und dritten Blick. Als Kind war das erste Gebet, mit dem ich in Berührung kam „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm‘.“ Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, dass ich mir ganz ordentlich Gedanken machte, was denn „fromm“ bedeuten könnte. Bis heute habe ich mich mit dem Begriff nicht so ganz ausgesöhnt. Im Konfirmationsunterricht in den 1980ern lernte ich eine Definition des Gebets, die ich eher als technische Gebrauchsanleitung empfand. Nach dem Schema: Finde etwas, wofür du danken kannst, erzähl ein bisschen und dann darfst du auch um etwas bitten. Aber am wichtigsten war das Danken. Ich kann mir nicht so recht vorstellen, dass es in jeder Gemeinde so war, vielleicht hatte unser Pastor es auch gar nicht so strikt gemeint, jedenfalls kam es bei mir aber so an. Wenn ich also nichts zu danken fand, dann ließ ich es einfach.

Lange Jahre war mein Gebetsleben ziemlich spartanisch, teilweise beschränkte es sich auf Stoßgebete in brenzligen Situationen. Bis ich dann Kindergottesdienstmitarbeiterin wurde. Mir wurde klar, mit Kindern beten kann auch ganz anders ablaufen als mein Papa mir das beigebracht hatte. Zum Glück gab es schon sehr gute Materialien für Kindergottesdienstvorbereitung, daran konnte ich mich entlanghageln.

Als ich also auf das Buch „Beten – Ein Selbstversuch“ von Klaus Douglass (hier der Wikipedia-Eintrag zum Autor) stieß, kam es für mich einer Offenbarung gleich. Beten ist nicht 08-15 oder Schema F, beten ist etwas sehr persönliches, intimes zwischen Gott und mir. Und weil wir Menschen alle so unterschiedlich sind, ebenso wie die Situationen, in denen wir beten, ist auch Gebet sehr verschiedenartig und individuell. Klaus Douglass hat 50 verschiedene Arten des Gebets durchprobiert, sich dabei von der Alten Kirche, der Orthodoxie, aber auch anderen Religionen inspirieren lassen. Er hat statische und bewegte Formen erkundet, gebundene und freie, digitale und analoge Angebote, spirituelle und auch profane Stilmittel erforscht. Er fand heraus, welche Formen für ihn funktionierten und welche er eher absonderlich fand.

Und so ging es mir auch, während ich durch dieses Buch mit ihm auf Entdeckungsreise ging. Für mich selbst kam ich zu dem Schluss, dass es okay ist, wenn ich Gott auch mal nicht danken kann, weil gerade alles überhaupt nicht zum danken ist, dass ich ihm Missstände klagen und sogar ihn selbst anklagen darf. Dass ich nicht jeden Abend vor dem Einschlafen alles mögliche vom Tag zusammensammeln muss (obwohl das natürlich sehr entlastend sein kann) und genauso gut beim Kochen, Autofahren oder bei der Hunderunde mit IHM reden darf. Wenn ich beim Lobpreis zu tanzen beginne, kann das ebenbürtig sein zur stillen Andacht. Wenn mir eigene Worte fehlen, kann ich auf das Vaterunser oder einen Psalm zurückgreifen oder auf andere Gebetsvorlagen. Und genauso muss ich bei einer Gebetsrunde gerade nicht auf vorformuliertes zurückgreifen („Vater, du siehst, wo jeder von uns gerade steht“ kommt mir oft so gestelzt vor, vor allem, wenn ich es sage), sondern kann reden, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Wenn mir überhaupt nicht nach reden ist, bin ich frei zu schweigen. Selbst ein paar Tage Beziehungspause ziehen es nicht nach sich, dass Gott mich danach nicht mehr mag.

Das ist unheimlich befreiend. Es macht mich nicht klein, aber stellt meinen Glauben auf einen weiteren Raum.

Der Dank geht wieder mal an Ulrike, deren Aufgaben mich heute dazu brachten, selbst einmal wieder über diese Freiheit des Gebetes nachzudenken.

30 Days Book Challenge – Tag 23 und 24

Als ich die Beiträge für unsere Segelwoche vorbereitet habe, dachte ich noch, am Freitag bist du ja wieder zuhause, da kannst du dann den Beitrag schnell noch schreiben. Ich wurde eines besseren belehrt. Aber da die beiden Aufgaben einen direkten Zusammenhang haben, mache ich heute einfach einen Doppelpost daraus. Also:

Tag 23: „Ein Buch, dessen Verfilmung dir besser gefallen hat als die Vorlage“ ist eine echt kniffelige Aufgabe.

Ich habe in Gedanken meine Regale durchgesehen und erstmal nichts gefunden. Dann kam mir kurz der Gedanke an Star Wars, aber die Taschenbücher in der Reihe Goldmann SF kamen unter dem Label „George Lucas“ heraus, waren also eher „Bücher zum Film“ als umgekehrt. Ich denke weiter und komme zum Marvel-Universum. Auch wenn ich in den 1980ern noch in dem Bewusstsein ausgebildet wurde, dass Comics keine vollwertige Literatur seien (obwohl gerade die Carlsen Comics mit „Tim und Struppi“ und dem „Marsupilami“ durchstarteten), haben alle Ausprägungen, auch Mangas und Graphic Novels inzwischen doch einen festen Platz erobert, so dass ich kein schlechtes Gewissen habe. Ich gestehe also freimütig: Ich bin ein großer Fan der Marvel-Verfilmungen und ich mag die eindeutig mehr als die Comic-Vorlagen aus der Urzeit der Marvel-Comics. Was nicht (nur) daran liegt, dass die Helden meist sehr, sagen wir mal ansehnlich sind (Frau hat auch ganz gern mal Abwechslung fürs Auge, oder? Ist das jetzt sexistisch?) Vor allem gefällt mir aber, dass auch diese Helden alle ihre Schwachpunkte haben, dass sie nicht perfekt sind, dass sie sich entwickeln. Und teilweise auch selbstironisch damit umgehen lernen müssen. Bilderbombast kommt natürlich auch nicht zu kurz und zudem ist das Ganze so realitätsfern, dass man einfach entspannen kann. Und das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss, Marvel ohne Outtakes kann ich mir auch nur schwer vorstellen.

So, jetzt wisst ihr es. Damit komme ich zu

Tag 24: „Ein Buch, das du gerne mal verfilmt sehen würdest“ ist schon wieder so eine Denksportaufgabe. Es sind eben schon so viele Bücher verfilmt worden, egal aus welchem Literaturgenre. Thriller, klassische Krimis, Jugendbücher, Liebesromane, Historiendramen… Sogar das Känguru hat seinen Weg ins Kino gefunden. Was bleibt mir denn da noch?

Ah, ich glaube, ich habe eins. Meines Wissens nach ist „Blackout“ von Marc Elsberg bisher nicht verfilmt worden. Wenn das richtig gut inszeniert würde, kann ich mir gut vorstellen, dass vielen Menschen einmal aufginge, dass wir heutzutage überhaupt keine Atomwaffen mehr „brauchen“ (btw, brauchen tun wir sie natürlich sowieso nicht). Unsere gesamte Infrastruktur ist inzwischen so abhängig vom Internet, von Vernetzung und Stromversorgung, dass ein simpler (Computer-)Virus, an der „richtigen“ Stelle platziert, weite Teile der Welt innerhalb kürzester Zeit in die Anarchie stürzen kann. Eine bedrückende Vorstellung? Ja, bestimmt, aber so sieht es nun mal aus. Um mir aber die entspannte Urlaubslaune nicht vollends zu versauen (das war teilweise schon geschehen, nachdem ich gestern Abend Nachrichten gesehen und die Zeitungen der vergangenen Woche durchgeschaut hatte), führe ich das Thema jetzt nicht weiter aus, sondern überlasse es euch, eigene Gedanken dazu zu machen.

Ich werde jetzt erstmal die Foto- und Videoausbeute der letzten Tage auf Festplatte sichern und sichten. Und sende meinen Dank an Ulrike, die sich viele anregende Aufgaben für die Challenge ausgedacht hat.

Auszeit

Jeden Tag erscheint ein Blogpost, aber so fleißig wie es aussieht, bin ich gerade gar nicht. Während ich dieses schreibe, sitze ich an Bord einer Segelyacht in der Marina in Lemmer. Drei Tage Segeln mit Ehemann, zwei von drei Töchtern, einem von zwei Schwiegersöhnen, einem Freund und dessen Tochter liegen hinter mir.

In den Niederlanden ist man relativ entspannt, es gibt natürlich Abstandsregeln und Hygienevorschriften, es sind mitunter nicht alle Duschen und Toiletten geöffnet, aber in diesem kleinen Segelkosmos kann man schon mal Corona vergessen.

Abendspaziergang in Urk

Bis auf gestern Abend, da musste ich in einem Supermarkt in Urk noch was fürs Essen besorgen. Es gibt in NL keine Maskenpflicht in Läden und es brauchten offensichtlich auch viele andere noch Lebensmittel. Da setzte dann bei mir ein Fluchtreflex ein, das bin ich nicht mehr gewohnt.

Mein „Arbeitsplatz“ war heute die Navigation

Auf jeden Fall hat es viel Spaß gemacht, wir lassen den Tag in Ruhe ausklingen, genießen die Gemeinschaft und morgen nach einem ausgiebigen Frühstück müssen dann wieder alle unsere Sachen in den Autos verpackt werden und es geht zurück nach Hause, wo die Hunde und die Angehörigen sehnsüchtig auf uns warten.

30 Days Book Challenge – Tag 22

Das Buch, um das es heute geht, besitze ich nicht selbst. Und hätte ich es besessen, dann hätte ich es auch ganz schnell weitergegeben.

Es geht um „Ein Buch, das bei dir Alpträume ausgelöst hat„. Es war rot. Einfach nur rot. Es war groß für ein Taschenbuch, ich glaube fast, es war das erste jemals in diesem Format erschienene Buch. Aus dem Heyne-Verlag. Und der Titel bestand nur aus einem einzigen Wort (Trommelwirbel!!!): ES

Mein damaliger Freund hatte es verschlungen, da konnte ich ja nicht zurückstehen, zumal als angehende Buchhändlerin, die sich von Isabel Allende und Günther Grass zu dem Zeitpunkt nicht so sehr beeindrucken ließ. Ich habe es mit der Faszination des Grauens von der ersten bis zur letzten Seite gelesen und jede Nacht von Gullideckeln und Clowns geträumt! Aber ich konnte es auch nicht liegenlassen. Übrigens finde ich heute noch, diese Kombi aus dem ungewohnten Format und der knalligen Farbgebung war ein supertolles Marketinginstrument des Verlages.

Wieder so eine Erinnerung, die ich Ulrike verdanke.

30 Days Book Challenge – Tag 21

Die Antwort ist definitiv „Asterix„. Und die Frage? „Ein Comic, oder eine Graphic Novel, die dir gefällt“. Und da ich nie so wahnsinnig die Comic-Leserin war (vermutlich weil meine Eltern das für „amerikanischen Schund“ hielten und ich deswegen wenig Gelegenheit hatte), ist das tatsächlich die Comic-Serie, die mich am nachhaltigsten begleitet hat. Ein paar an Mama vorbeigeschmuggelte Micky-Maus-Hefte gab es zwar auch, aber der Wortwitz und die Schlitzohrigkeit des kleinen Galliers und die tapsige Gutmütigkeit seines hinkelsteintragenden Freundes Obelix sowie das liebevolle Aufs-Korn-nehmen von Klischees über einzelne Völker hat mich in Bann gezogen. Wann immer ein neues Asterix-Heft erschien, wurde das damals in der Bestellabteilung unserer Ausbildungsbuchhandlung genau „geprüft“.

Ich glaube, in den nächsten Tagen werden Ulrikes Herausforderungen noch einiges über mich verraten. Habt noch viel Spaß!

30 Days Book Challenge – Tag 20

Okay, tief Luft holen:

„Ein Buch mit einer besonders schönen Gestaltung“

Yes! Heute ist bei mir der „Herr der Ringe“ dran. Wenn du jetzt denkst, aha, eher ein merkwürdiger Geschmack, den sie da an den Tag legt, dann sage ich dir, du kennst meine Ausgabe nicht.

Denn diese besonders schöne Ausstattung hat weder die grüne Dreier-Ausgabe im Schuber noch die rote im Leineneinband. Sondern die limitierte großformatige Schmuckausgabe in weißem Ziegenleder (wegen des weißen Leders bekam man beim Kauf des Buches gleich ein Paar Baumwollhandschuhe dazu). Auf dem Beitragsbild ist es das große blaue Teil mit der Illustration ungefähr in der Bildmitte.

Hier noch ein bisschen mehr dazu:

Kannst du dir vorstellen, was in mir los war, als Edgar mir dieses Buch zu Weihnachten schenkte? Zu der Zeit war er noch viel quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz in vielen Buchhandlungen unterwegs, und dieses Prachtstück hatte er irgendwann im Herbst in Lörrach gesehen und gekauft. Meine Mama durfte es dann zwei Monate bis Weihnachten in ihrem Schlafzimmer verwahren und mit Argusaugen darüber wachen, dass ich es nicht aus Versehen vorher finde.

Wenn du dich jetzt eventuell noch fragst … : Ja, ich habe es gelesen. Aber es ist auch für passionierte Daumenquetscher definitiv kein Buch fürs Bett. Eher ein Coffeetablebook😄. Auch ein Leseknochen reicht dafür nicht aus.

Ein dickes Dankeschön geht an Ulrike für die Aufgaben der Challenge!

30 Days Book Challenge – Tag 19

Das ist einfach heute! „Ein Buch mit mehr als 1000 Seiten“

Prompt fällt mir von Ken Follett Die Säulen der Erde ein. Klar, eine Kathedrale zu bauen dauert, siehe das Beispiel des Kölner Doms. Wenn dann noch die vielen Klüngel und Streitigkeiten der einzelnen Stände in eine packende GEschichte eingearbeitet werden, dann zieht sich das Ganze sogar über mehr als 1300 Seiten hin.

Von Ken Follett hatte ich bis dahin eigentlich nur Spionageromane gelesen, die in den 1980er Jahren Hochkonjunktur hatten. Auch da war mir schon aufgefallen, dass Follett akribisch recherchiert. Auch den Mittelalterromanen hat diese Sorgfalt gut getan, obwohl mir die Bücher dadurch manchmal auch etwas langatmig erschienen. Trotzdem mag ich das lieber, als wenn in vergangene Zeiten der Dramatik zuliebe Dinge eingebaut werden, die es einfach zuu der erzählten Zeit noch nicht gab. (Das Kriterium trifft aber nicht für Autoren wie Jules Verne zu😉)

Der Beitrag heute bleibt kurz, als Ausgleich zur Länge des Buches.

Danke an Ulrike, bei ihr findet ihr noch weitere Beiträge der verschiedenen TeilnehmerInnen!

30 Days Book Challenge – Tag 18

„Einen Satz, den du für zitierungswürdig hältst“ hat Ulrike uns heute als Aufgabe gegeben. Das ist schwierig, denn auch jenseits von „Sein oder Nicht sein, das ist hier die Frage“, „Da steh ich nun ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor“ oder „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden“ gibt es natürlich jede Menge Literaturzitate. Entweder werden sie bereits seit Jahrzehnten benutzt, um die humanistische Bildung heraushängen zu lassen oder um die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe an Lesern zu signalisieren. Aber auch, um die Begeisterung für etwas gelesenes zu demonstrieren.

Ich habe für heute etwas ganz anderes herausgesucht, das zu meiner momentanen ungewohnten leicht pessimistischen Stimmung passt. Es passt aber auch wie Faust aufs Auge zu unserer gesamtgesellschaftlichen Situation, die wir ja zu Beginn der Corona-Maßnahmen so gern ändern wollten und es anscheinend doch nicht geschafft haben.

Der Satz lautet

„Inzwischen gibt es Anwaltsfirmen, die sich darauf spezialisiert haben, Staaten im Namen von Unternehmen für ihre Umwelt- oder Sozialpolitik zu verklagen, wenn sich die Gewinne nicht einstellen, die ihren Investitionsentscheidungen zugrunde lagen.“

Lies den Satz ruhig öfter. Zerlege ihn in kleinere Einheiten. Denk darüber nach, was er bedeutet. Du kannst es drehen und wenden, wie du willst, hier kommt eine Ungeheuerlichkeit ganz sachlich dargestellt rüber, die Auswirkungen auf uns alle hat. Es bedeutet schlicht und ergreifend, dass große Konzerne Staaten in Geiselhaft nehmen und über diesen Umweg jeden einzelnen Steuerzahler! Wenn unternehmerische Entscheidungen sich als falsch erweisen, wird der Staat in Haftung genommen, da diese Entscheidungen angeblich nicht funktionierten, weil der Staat nicht die „richtigen“ Rahmenbedingungen schafft. Meist sind es Entscheidungen für den Umweltschutz und die Arbeitnehmerrechte, die von den Konzernlenkern in ihren eigenen Kalkulationen außer acht gelassen werden. Gewinne kommen aber in großer Mehrheit nur den Shareholdern, den Aktionären und Managern zugute!

Die soziale Marktwirtschaft war ursprünglich anders herum gedacht: Der Staat gibt den ordnungspolitischen Rahmen vor, die Unternehmen agieren innerhalb dieses Rahmens. Faktisch sieht es heute so aus, dass die Politik durch Lobbyismus und andere Verbindungen (Politiker in Aufsichtsräten etc.) bevorzugt Rahmen absteckt, die von der Wirtschaft gewünscht werden.

Ja, ich weiß, ich werde an dieser Stelle etwas polemisch, ich fürchte nur, die Auswirkungen unseres inzwischen ziemlich perversen Systems (von dem ich im Übrigen unter anderem durch Konsumentscheidungen und Wahlverhalten ja auch ein Teil bin) kommen in netten, wohlgesetzten Worten nicht rüber.

Kommen wir mal zu dem Buch, aus dem das Zitat stammt. Ich habe hier auf dem Blog auch schon darüber geschrieben und das Buch verdient auch eigentlich noch eine ganz ordentliche Besprechung:

Maja Göpel, Unsere Welt neu denken.

Die bibliographischen Angaben finden sich im Ursprungspost.

30 Days Book Challenge – Tag 17

Uff. Was für eine Herausforderung. „Ein Buch von deinem Lieblingsschriftsteller bzw. -schriftstellerin“. Oje, ich habe doch gleich einige davon! Was nun? „Ene mene miste“ mit Nele Neuhaus, Rita Mae Brown, David Baldacci und einer Hand voll anderer?

Schließlich greife ich auf ein Sachbuch zurück, das so amüsant geschrieben ist wie ein Roman. Keine Bange, es ist nichts theologisches und auch nichts soziologisches, sondern ein Abriss der englischen Geschichte seit den Angelsachsen bis ins ausgehende Mittelalter. Also genau das, was Rebecca Gablé auch in ihren Waringham-Romanen so spannend und lebendig erzählt. Die Epoche der Geschichte, die wir durch Figuren wie Richard Löwenherz und seinen Bruder Johann Ohneland, Robin Hood oder Heinrich der VIII. kennen. Die Epoche, die von Kriegen bestimmt wurde mit so langatmigen Namen wie „100jähriger Krieg“ oder so romantischen wie „Rosenkriege“ (nein, kein Scheidungsdrama mit Michael Douglas, sondern die Fehden der Häuser Lancaster und York um den Königsthron). Die Zeit, als sich Europas älteste Verfassung, die Magna Charta, durch langjährige Geburtswehen quälte.

Fernab von irgendwelchen auswendiggelernten Jahreszahlen macht Geschichte in diesem Buch so richtig Spaß.

Danke für die Challenge sage ich an Ulrike, die es schafft, jeden Tag eine neue herausfordernde Aufgabe zu stellen.