Ausgangssperre – die ersten Tage

Mal ein Blick ins Nachbarland, wo die Ausgangssperre schon gilt. Merke: Franzosen sind auch nicht anders als Deutsche…

La vie en bleu

Es ist immer noch schönes Wetter und warm. Zum Glück!

Seit Dienstag Mittag befinden wir uns in Ausgangssperre. Ich bin jetzt froh darum. Ganz klare Ansagen, keine Ausnahmen, die Regeln dürften dem Hintersten und Letzten – vielleicht nicht gerade einleuchten, aber – bekannt sein.

Seit Mittwoch früh stellen wir uns vor jedem Verlassen des Boots ein Attest aus.

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Bücher Beim Buchhändler

Das dreibogige „B“, das für diesen Slogan stand, war in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, als ich meine Ausbildung gemacht habe, das offizielle Logo des Buchhandels.

Augenblicklich mussten alle Buchhandlungen schließen, bis auf Berlin und Sachsen-Anhalt. Allerdings haben die meisten lokalen Buchhändler inzwischen auch Onlineshops und sehr gute Websites oder Instagram-Accounts, häufig mit den persönlichen Empfehlungen der dort angestellten Buchhändler*innen. Wenn ihr also akuten Mangel an Lesestoff habt, dann ist es an der Zeit, eure örtliche Buchhandlung (wieder) zu entdecken. Bestellte Bücher werden meist kostenfrei verschickt, aber selbst, wenn Porto fällig wird, ihr sorgt mit euren Bestellungen dafür, dass ihr auch nächstes Jahr hoffentlich noch eure Bücher vor Ort einkaufen könnt.

Viele Buchhandlungen liefern auch mit eigenen Lastenfahrrädern innerhalb des Ortes umweltfreundlich aus. Probiert es einfach, ihr werdet positiv überrascht sein. Meine Kolleginnen und Kollegen freuen sich nämlich, wenn sie jetzt nicht nur mehrere Wochen lang Regale putzen müssen.

(Spoiler: In der Branchenpresse habe ich gerade gelesen, dass der große amerikanische Gemischtwarenladen, der mal als Online-Buchhändler an den Start gegangen ist, zurzeit vor allem Haushaltswaren und Sanitätsprodukte ausliefert und alles andere zurückstellt.)

Übrigens: Was für Bücher gilt, gilt auch für die meisten anderen Dinge. Klar hat man jetzt vielleicht viel Zeit für Online-Shopping. Aber stell dir vor, wenn das Leben dereinst wieder seinen gewohnten Gang geht, bleiben die Innenstädte so leer wie sie jetzt hoffentlich sind. Weil die Geschäfte dichtmachen müssen. Dann macht es auch keinen Spaß mehr, dort im Eiscafé zu sitzen. Alles, was ihr jetzt nicht unbedingt braucht, schreibt euch auf, und dann unterstützt den örtlichen Einzelhandel, wenn es wieder möglich ist. Denn dort arbeiten die Menschen, mit denen ihr euch auch zum Sport trefft, die in eurer Gemeinde falsch singen, die Ihr samstags im Kino seht.

Und die örtlichen Geschäfte zahlen in eurer Stadt Gewerbesteuer, die das öffentliche Leben wie Schwimmbäder, Museen, Theater usw. finanziert.

(Titelfoto: 123gif.de)

Ode an das Klopapier?

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, das letzte Altpapier verbraucht und die letzte Zellstofffabrik geschlossen ist, werdet ihr feststellen, dass man Klopapier nicht essen kann“

Ich verstehe es nicht! Unser kleiner Nahversorger vor Ort hat einen begrenzten Einzugsbereich. Aber seit sage und schreibe zwei Wochen (!) ist jedes Mal, wenn wir einkaufen sind (ok, wir fahren nicht täglich, muss ja auch nicht sein) das Klopapier alle. Ratzfatz. Küchenrollen und Papiertaschentücher (davon gibt es wenigstens noch die kratzigen als „Restposten“) ebenfalls. Aber so langsam müsste unser Dorf von einer Mauer aus Klopapierrollen umgeben sein.

Noch haben wir ein paar Rollen, was daran liegt, dass ich direkt nach meinem Unfall am 26. Februar selbiges auf den Einkaufszettel geschrieben hatte. Ich hatte schlichtweg vergessen, dass ich kurz vor dem Unfall eine Packung gekauft hatte. Aber auch schon Ende Februar war die Auswahl stark eingeschränkt, so dass wir jetzt ziemlich luxuriös für Sauberkeit sorgen können. Nach dem Wochenende dürfte ich aber langsam nervös werden.

Ein paar Ideen hatte ich heute morgen schon:

Was im Herbst vor den Supermärkten die „Kartoffel-Cargos“ oder die wöchentlichen Elbe-Obst-LKWs sind, könnte man jetzt alternativ als „Klopapier-Cargo“ machen: zu festgelegten Zeiten Verkauf direkt vom LKW.

Oder analog zu den Lebensmittelmarken im WW2 Berechtigungsscheine, je nach Anzahl der Haushaltsmitglieder.

Oder Tageszeitungen (natürlich nur die ausgelesenen) in Stücke reißen. Das dürfte allerdings in der Kanalisation für „Verstopfung“ sorgen.

Ich habe auch schon nachgesehen, wie viele alte Handtücher oder Unterhemden (die bei uns ihr Leben als Tapezierlappen aushauchen dürfen, weil man mit Feinripp so schön und sensitiv die Tapete an die Wand reiben kann) ich in handlichen Stücken umsäumen könnte. Windeleimer reaktivieren und dann ab in die 90-Grad-Wäsche.

Nein, ich verstehe es wirklich nicht. Durch den Egoismus einiger hat das eigentlich recht sachliche Wörtchen „Klopapier“ ganz plötzlich das Potenzial, zum Unwort des Jahres zu mutieren.

Fallen euch zur Entspannung der Lage Gedichte, Songs oder Geschichten rund um das Lieblingszellstoffprodukt der Deutschen (und nicht nur derer) ein?

Gerettet?

Ein Schiffbrüchiger trieb auf einer Rettungsinsel seit Tagen auf dem Meer. Er war ein frommer Mensch, mit der festen Überzeugung, dass Gott ihn aus seiner Situation erretten werde. Die Notration an Lebensmitteln war bereits verbraucht, nur ein wenig Trinkwasser hatte er noch.

Da kam ein Kreuzfahrtschiff vorbei, man machte Anstalten, ihn an Bord zu nehmen. Aber der Schiffbrüchige winkte ab: „Nein danke, nicht notwendig. Ich bin sicher, Gott rettet mich.“

Und so dümpelte er weiter auf dem Meer, und bald war auch das Wasser verbraucht. Ein Bananendampfer kreuzte seinen Weg und wieder wollte die Besatzung ihn an Bord holen. Schon deutlich schwächer, sagte der Mann wieder: “ Nein danke, ich bin ganz sicher, Gott wird mich retten.“ Und so fuhr auch der Dampfer weiter.

Der Mann wurde immer schwächer und starb schließlich an Entkräftung und Wassermangel. Als er dann vor Gott stand, fragt er ihn vorwurfsvoll: „Gott, ich habe immer in meinem Leben an dich geglaubt und bis zuletzt auf deine Hilfe vertraut. Warum hast du mich nicht gerettet?“

Gott schaute den Mann betrübt an und sagte: „Zweimal habe ich ein Schiff auf dieser weit abgelegenen Route vorbeigeschickt – aber du hast dich jedes Mal geweigert, an Bord zu gehen…“

Warum erzähle ich diese Geschichte gerade jetzt?

Auf der einen Seite: Es ist gut und richtig, wenn wir Gott vertrauen, wenn wir davon ausgehen, dass er es gut mit uns meint. Die ganze Bibel ist voller Geschichten, aus denen genau das zu lesen ist. Aber: Die Bibel ist ebenso voll von Erlebnissen, wo dieses „gut meinen“ auf eine ganz andere Art gezeigt wird, als es die Menschen erwarten. Wo ganz unvermutet Menschen oder Ereignisse dazu beitragen.

Wir haben oft ganz konkrete Vorstellungen davon, wie Gottes Hilfe auszusehen habe. Und leider erwarten wir immer noch zu häufig, dass diese Hilfe dann mit Paukenschlag und Wunderheilung kommt.

Viel häufiger kommt Gottes ganz praktische Hilfe auf leisen Sohlen daher, zum Beispiel durch Menschen, die in einer Krisensituation Ruhe bewahren, alles gut durchdenken und ihren Kopf hinhalten, um Entscheidungen zu treffen. Nicht immer sind es populäre Entscheidungen, sie können und müssen oft Einzelinteressen beschneiden, zugunsten der gesamten Gesellschaft.

83 Millionen „Expertenmeinungen“ bringen uns nicht weiter. Wenn wir eine empathische und auch erfolgreiche Gesellschaft sein wollen, müssen wir auch die Grenzen der persönlichen Freiheit kennen und akzeptieren lernen.

Danken wir, ob nun Gott oder ganz allgemein den Menschen, die aktuell ihr Bestes geben, an dem Platz wo sie ihre Aufgaben erfüllen. Ganz egal, wo dieser Platz ist. Denn wenn es gut läuft, wenn alle mitmachen, können wir uns alle gegenseitig danken.

Und erwarten wir Gottes Liebe nicht nur im Wunder, sondern in den Menschen, die er uns in den Weg stellt.

Landfrauen

Gestern Abend habe ich es Bithya versprochen, hierüber zu schreiben, und heute habe ich festgestellt, dass es sehr gut zu

von René passt.

Wer hier mitliest, weiß vielleicht, dass ich vor drei Wochen einen Unfall hatte, der die Säulen der Annuschka (sprich: beide Beine) in den Grundfesten erschüttert hat. Shit happens. Direkt danach haben sich einige liebe Mitmenschen um mich und den Notfall bemüht, das habe ich auch beschrieben. Auch meine Familie hat sich rührend gekümmert.

Aber was ich noch nicht beschrieben habe, eine gute Bekannte aus dem Dorf, Landwirtin und Landfrau der Alten Schule, hat uns spontan bekocht mit einem leckeren Nudelauflauf (Kathrin hat direkt nach dem Rezept gefragt) und die ungebügelten Hemden des Mannes abgeholt, um sie gebügelt zurückzubringen. Im Augenblick kommt niemand außer mir mit unserer neuen Dampfbügelstation klar (Die Hände des Gatten sind zu massiv, er kommt ständig an die Sonderdampf-Taste. Was der Hersteller sich dabei wohl gedacht hat?)

Und dann erwähnte sie, dass sie von einer landwirtschaftlichen Kollegin ein Viertel Rind bekommen hat und sofort verarbeiten muss. Sie bereite morgen einige Rinderbraten zu, wir könnten gern einen haben. Klar habe ich ja gesagt. Es war ein himmlischer Braten, ganz zart, man brauchte fast kein Messer. Und einfrieren konnte ich auch noch etwas davon.

Genau dieses Verhalten war vor einigen Jahren noch gang und gäbe auf dem Land, wo jeder jeden kannte. Unser Dorf ist inzwischen gar nicht mehr so dörflich, es sind nur noch zwei Landwirte da. Und viele Menschen kennt man gar nicht mehr, weil alle woanders arbeiten, woanders Sport treiben, woanders in die Kirche gehen. So ist das heute eben.

Umso schöner, dass ich mich so sehr über diese ganz selbstverständliche Nachbarschaftshilfe freuen durfte (und nicht nur ich, Edgar und Kathrin auch).

abc.etüden Woche 12.13.20

Danke an Christiane für die Einladung zu https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/03/15/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-12-13-20-wortspende-von-elke-h-speidel/

Als blutige Anfängerin hoffe ich erstmal, alles soweit richtig zu machen und wenn nicht, weiß ich, dass Christiane mich ganz nett korrigieren wird.

Also los:

Gespräch am Frühstückstisch

„Schau mal, die Forsythien blühen.“ sagt sie, als sie gedankenverloren den Tee umrührt. Er sieht von der Zeitung auf, nur mäßig interessiert. „Ja, und?“ “ Das heißt, ich müsste jetzt die Rosen zurückschneiden…“ Den Satz lässt sie bedeutungsschwer ausklingen. – „Ja, und?“ fragt er nach, immer noch in Gedanken bei den Börsennachrichten. „Es ist noch so früh im Jahr. Fast drei Wochen früher als sonst.“ „Ist doch schön.“ gibt er etwas genervt zurück. Sie guckt etwas pikiert. „Dir ist es offensichtlich egal, ob die frischen Rosentriebe dann später erfrieren, wenn es nochmal Frost gibt, oder? Du hast ja auch nicht die Arbeit damit!“ Damit stand sie auf und fing energisch an, den Tisch abzuräumen. „Mach dich nicht lächerlich!“ knurrte er, nahm seine Zeitung und die Kaffeetasse und verließ die Küche. Rosen! Forsythien! Was sie nur immer hatte mit diesem ganzen Grünzeug.

141 Wörter

Dieses Gespräch ist übrigens rein fiktiv. Ginge es bei uns so zu am Frühstückstisch, wären wir vermutlich schon beide voller Magengeschwüre oder in entgegengesetzte Richtungen geflohen 😉 Das einzige, was stimmt: bei uns steht eine Forsythie in Sichtweite des Küchenfensters. Damit ich weiß, wann es Zeit ist, die Rosen zu schneiden…