Bin im Garten

Ich weiß nicht mehr, woher ich diesen Büchertipp habe, vermutlich war es eine Gartenzeitschrift. Oder eine Rezension auf einem anderen Blog.

Im Herbst habe ich mir das Buch dann gekauft und es ist erstmal auf den SUB gewandert. Zu Beginn der Adventszeit ist es dann auf dem Nachttisch gelandet und hat mich jeden Abend in den Schlaf geleitet. Abend für Abend las ich mich durch die Experimente einer Frau, die mit Mitte 50 die Gartenleidenschaft gepackt hat.

Manchmal nicht ganz neidlos, denn sie hat das geschafft, was ich seit einigen Jahren versuche: jeden Tag im Garten verbracht. Inklusive Muskelkater, Fehlschlägen und unglaublichen Glücksgefühlen.

Oft musste ich schmunzeln, wenn ich mich selbst wiedererkannte, vor allem in den Szenen, wenn sie online oder in Katalogen nach neuen Pflanzen, Saatgut, aber auch Geräten suchte. Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass ich alle ihre Vorschläge und Quellen ausprobiert habe…😜

Unter anderem hat die Lektüre dazu geführt, dass ich wieder ganz optimistisch plane für 2020. Und mir ein Gartentagebuch angelegt habe, um meine eigenen Experimente oder Wetterbeobachtungen zu notieren.

Sinnigerweise hab ich seit vorgestern mal wieder starke Schmerzen in der rechten Schulter und kriege den Arm nicht höher als zur Bäckertheke (konnte heute früh kaum mein Wechselgeld in Empfang nehmen🥺).

Aber das passt schon, denn dieser 4. Januar zeigt, dass er stürmen kann. Den Flieder, der seit ich denken kann in der Nähe des Hauses steht, seit zwei Jahren aber den Heldentod stirbt, mach ich dann ein anderes Mal weg.

Während es draußen weht und dem Geräusch nach auch etwas hagelt, sitze ich mit einem breiten Schal um die Schultern gemütlich in meinem Ohrensessel. Und habe soeben das Buch zu Ende geschmökert.

Das gesamte Buch war schon lesenswert, aber in ihrer Rückschau auf das Gartenjahr im Dezember wird Meike Winnemuth regelrecht philosophisch. Ich kann ihren Gedankengängen da gut folgen, bin glatt versucht zu sagen: wer chronisch unzufrieden ist oder andere Zivilisationsübel mit sich rumschleppt, der sollte Gartenarbeit auf Rezept verordnet bekommen.

Ich liebe den Satz „Ich habe monatelang auf einen Kohlrabi gewartet, den man in jedem Supermarkt für 99 Cent kaufen kann,…“

Denn dieser simple Satz drückt fast alles aus, worum es viel zu selten geht: sich des Wertes unserer Lebensmittel bewusst zu sein. In dieser und anderen Pflanzen einen essentiellen Bestandteil des Lebens zu sehen und nicht nur etwas, das im Discounter im Angebot eingekauft wird und im schlimmsten Fall nach drei Wochen im Gemüsefach in die Tonne wandert.

Das Buch ist absolut lesenswert (freudsche Fehlleistung: ich hätte beinahe „lebenswert“ geschrieben😊).

Nicht nur für bekennende Landeier wie mich, sondern auch für horizontale oder vertikale Stadtgärtner, für Gartenfestivalliebhaber, für einfach alle, die schon mal Erde unter den Fingernägeln hatten. Und auch für die, die das sehr unappetitlich finden😉.

Bibliographische Angaben:

Meike Winnemuth, Bin im Garten

Penguin Verlag

978-3-328-60045-9

22€

Hinweis: Das Buch habe ich mir selbst gekauft. Aus Neugier. (Ich glaube, es war Ranga Yogeshwar, der jede Quarks-Folge mit den Worten „Bleiben Sie neugierig“ beendete)

Aufbruch im Nebel

Alle Fotos, die oben als Collage zu sehen sind, stammen von heute früh, ca. viertel nach Acht. Von der Terrasse aus in verschiedene Richtungen aufgenommen. Eigentlich total passend zum neuen Jahr, denn das liegt ja auch noch im Nebel und wir wissen nicht, was uns erwartet.

Ich habe den Tag gestartet mit einem Kaffee und der Bibel. Mal wieder unternehme ich den Versuch, jeden Tag mit einer Mini-Andacht und einem Bibeltext zu starten. Bin mal gespannt, wie lange ich durchhalte, denn an vielen Tagen ist ein solcher Start durch Alltäglichkeiten zum Scheitern verurteilt.

Heute habe ich mich allerdings total gefreut, als ich mich zum Start mit dem Psalm 121 beschäftigen durfte. Seit Beginn meiner Malche-Ausbildung im Spätsommer 2016 begleitet mich dieser Psalm. Immer wieder stolpere ich darüber, dass er mir vor die Füße gelegt wird oder vor die Nase gehalten. Und so ist er zu „meinem“ Psalm geworden:

Ja, ich kenne die Bedenken: Aber so ist es doch nicht. Du hast doch kein stolperfreies Leben, du kennst nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen, Krankheit und Trauer, Bosheiten und Unglück. Und wo ist dann dein Gott?

Aber darum geht es doch überhaupt nicht. Ein sorgenfreies Leben, immer auf der Sonnenseite, nie stolpern, nie fallen. Wie langweilig wäre das denn? Und wie sehr würde das Gute dadurch abgewertet, wenn es nie schwierig würde… Ich könnte das Schöne, was mir geschieht, nicht wertschätzen, wenn ich nicht auch die andere Seite kennen würde. Und wer weiß, was mir außer den kleineren Nickeligkeiten, die mir manchmal den Tag versauen, zustoßen würde, hätte ich nicht die Hoffnung und den Glauben an meiner Seite. Wenn ich nur daran denke, wie oft man im Tagesverlauf unachtsam wird, beim Autofahren, bei der Arbeit, und wie oft gerade so eben nichts passiert…

Heute hat sich der Nebel gelichtet. Es ist ein schöner, sonniger Tag. Ich bin gespannt und neugierig auf dieses neue Jahr.

Rückblick und Ausblick

Schon wieder geht ein Jahr zu Ende. Es kommt mir so vor, als hätte ich erst vorgestern hier gesessen und den Rückblick auf 2018 geschrieben. Und mir ist erst heute früh so richtig bewusst geworden, dass auch ein Jahrzehnt abgeschlossen ist.

Willkommen, Zwanziger Jahre. Werdet ihr wohl auch so ein Tanz auf dem Vulkan wie die Zwanziger des letzten Jahrhunderts? Auf der einen Seite Freizügigkeit, Party, Lebensfreude, neue Errungenschaften, Musik und Kunst aus dem Ausland erobern Deutschland. Aber auf der anderen halt Arbeitslosigkeit, zunehmender Nationalismus, Börsencrash…

Ich weiß es nicht, aber eins ist sicher: Es wird, was wir alle daraus machen. Entpuppen sich Filme wie „Mad Max“, „Minority Report“, „Inception“, „Mississipi Burning“ oder „Gattaca“ als immer wahrscheinlicher? Das wäre allerdings eine gruselige Vorstellung.

Sollten wir das mit dem Klimawandel vergeigen, dann braucht es sicher mehr als einen DeLorean, um „Zurück in die Zukunft“ die Welt zu retten.

Schwarzweiß

Ich wünsche mir da eher, dass Menschen wie „Forrest Gump“ unsere Wege kreuzen und mit ihrer unschuldigen Art unser Leben bereichern. Ich wünsche mir Lehrer, die wie im „Club der toten Dichter“ ihren Schülern Lust auf das Lernen und das Leben gleichermaßen machen. Ich wünsche mir das Erwachen von Empathie in den Köpfen und Herzen vieler Menschen wie bei „Rain Man“. Das Nachdenken über den Wert des Andersartigen, Fremden wie bei „Madame Mallory und der Duft von Curry“. Annahme des Nächsten wie bei „Ziemlich beste Freunde“.

Ich wünsche mir Lebensfreude und Leichtigkeit wie bei „Findet Nemo“ oder „Ice Age“. Und natürlich Mut und Heldentum wie im Marvel-Universum 😉 .

So. Kurze Filmografie. Du weißt jetzt so grob, welche Art von Filmen ich mag, und welche ich eher zwiespältig (an)sehe.

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Was mich außer dem teils bangen, teils optimistischen Blick in die Zukunft beschäftigt? Beispielsweise das Nachdenken darüber, wie weit ich zukünftig gehen werde, wenn es um das Selbermachen statt kaufen geht. Ich habe 2019 vieles ausprobiert, manches ist gelungen, anderes ist vollkommen daneben gegangen, wieder anderes braucht wohl einfach Übung. Kleine Kostprobe gefällig?

An der Nähmaschine bekomme ich einiges hin. Keine Kleidung, aber ich kann aus zerschlissener Kleidung und alten Handtüchern etc. neue Dinge schaffen: Putzlappen, Taschentüchertäschchen, Bettüberwürfe, Sitzkissen…

In der Küche klappt das Kochen auf Vorrat inzwischen ganz gut, so dass ich kaum auf Fertig- oder Halbfertigmahlzeiten angewiesen bin, wenn mal keine Zeit zum frischen Zubereiten ist. Marmelade und Gelee sowieso. Joghurt haut inzwischen auch ganz ordentlich hin, aber beim eigenen Quark bin ich an die Grenzen gestoßen. 48 Stunden bei Raumtemperatur, das impliziert, dass diese Temperatur recht konstant ist. Aber unsere Heizung schaltet sich nachts runter. 48 Stunden im Backofen bei 30 Grad verbraucht aber Strom und ist auch nicht ganz zuverlässig zu halten. Omas alte Kochkiste kommt mir in den Sinn, so eine Konstruktion wäre dafür vermutlich hilfreich. Mal sehen, ob ich im Winter die Kühlbox umfunktionieren kann…

Mein bisher größter Reinfall ist vermutlich das Sauerkraut. Zumindest mit dem meisten Kraftaufwand verbunden. Ich bin noch nicht ganz sicher, es riecht noch ganz ordentlich, aber ich fürchte, es schimmelt. Und wenn sich dieser Verdacht als richtig entpuppt, bin ich selbst schuld, denn ich habe nicht penibel darauf geachtet, dass die ganzen Kohlblätter, die zum Abdecken oben drauf kommen, ebenfalls komplett mit Lake bedeckt sind. Zur Strafe darf ich dann den Gärtopf vermutlich lange und gründlich mit Essig bearbeiten, um die Schimmelsporen zu killen. Und dann starte ich einen neuen Versuch.

Insgesamt würde ich aber sagen: 2020 werde ich mir bereits im Vorfeld öfter mal genau überlegen, ob das, was ich selbst machen möchte, wirklich sinnvoll ist, weil ich

alles, was ich mache auch tatsächlich gebrauchen kann (oder Leute kenne, die mir einen Teil davon abnehmen)

mich vorher umfassend informieren kann, um Fehlschläge zumindest zu minimieren

relativ sicher bin, dass meine Bemühungen nicht irgendwie doch umwelttechnisch schlechter in der Bilanz ausfallen, als wenn ich das Produkt kaufe.

    Wenn der Drang zum Selbermachen dazu führt, dass ich Lebensmittel entsorgen muss, weil etwas schiefgegangen ist, nicht schmeckt oder zu viel ist, dann ist das auch keine Lösung. Und wenn der Energieverbrauch zu hoch wird, lohnt es sich auch eigentlich nur, um einmal zu lernen, wie bestimmte Lebensmittel entstehen, um hoffentlich mehr Wertschätzung dafür zu bekommen.

Was alles andere angeht:

Eins ist sicher (nein, nicht die Rente, tut mir leid, Herr Blüm)  – es gibt genug Baustellen, es gibt jede Menge Unsicherheiten, es gibt Unzufriedenheit, Ungerechtigkeit, Unglauben und Unfrieden.

Aber es gibt auch Glauben, Hoffnung, Liebe und viele Menschen, die sich im Kleinen oder Großen für die Beseitigung der „UNs“ einsetzen. Solange es das gibt, ist noch nicht alles verloren. Darin lege ich meine Hoffnung.

Ein gutes, ein gesundes, ein hoffnungsvolles neues Jahr(zehnt) wünsche ich uns allen.

Ziel