Guten Morgen, neues Jahr!

Noch etwas verkatert von einem Glas Sekt. Ich bin es eben so gar nicht gewohnt, Alkohol anders als in Fingerhut-Mengen zu mir zu nehmen, wenn überhaupt. Die Hunde habe ich bis kurz nach sechs ignoriert, aber dann wurde mir das Gejammer doch zu laut. Zahnputzkaustangen für beide, Kaffeekochen und durchs Haus lüften.

Jetzt sitze ich schon seit mehr als einer Stunde in der Küche vor dem noch recht leeren neuen Kalender. Eigentlich ist doch seit gestern nur eine Nacht vergangen. Und doch starre ich ehrfürchtig auf die Seiten, die in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten von mir gefüllt werden wollen.

Es erscheint mir, als hätte ich es bisher nie nötiger gehabt, ein neues Jahr mit positiven Gedanken und Vorhaben zu beginnen, gleichzeitig ist das Bangen da, dass es letztlich doch anders kommt. Trotzdem ist es „the same procedure as every year“. In zehn Jahren lache ich womöglich über die Ehrfurcht und Unsicherheit, mit der ich heute hier saß.

Unsere Kellerbewohnerin nervt. Das wird auf jeden Fall mein Januar-Projekt. Hier ist kein Platz für uns beide und ich beabsichtige zu bleiben. Leider wohnen wir auf dem Ratten-Highway zwischen dem Hühner-und Taubenstall des einen und dem Kartoffel- und Getreidespeicher des anderen Nachbarn. Paradiesische Zustände. Und wir haben noch einen gestampften Lehmboden im Keller. Für das florierende Tiefbauunternehmen der Firma Ratte und Co ein willkommener Zwischenstopp. Für mich Mietnomadentum.

Schon merkwürdig, aus der philosophischen Betrachtung des noch unbeschriebenen Jahres in die profanen Dinge der Schädlingsbekämpfung abzudriften.

Ich mache jetzt lieber mal etwas produktives und backe Brötchen aus dem Teig, den ich letztes Jahr noch angesetzt habe. Einen guten Start (aus irgendeinem Grund habe ich im Hinterkopf einen Ohrwurm von ABBAs „Happy new Year“🤭)

Tag 36 – Mein Jahr 2021

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Wir müssen auch mal über 2021 reden. Jenseits von allen Erwartungen, die wir an das nächste Jahr haben, Erwartungen von „Erstmal wird alles noch schlimmer, ehe es besser wird“ bis hin zu „es kann und muss ja nur noch besser werden“. Jenseits auch von allen Perspektiven, die sich für uns persönlich ergeben werden oder auch von einer drohenden Perspektivlosigkeit, die wir möglicherweise empfinden, eines ist sicher: Das Jahr wird kommen und es wird Termine mit sich bringen, die es zu verwalten gilt.

Ich selbst nutze unter anderem eine softwarebasierte Terminverwaltung, die sowohl Mails als auch Aufgaben, Projektmanagement und unterschiedliche Kalender unter einen Hut bringt und das Ganze dann an PC, Tablet und Handy zur Verfügung stellt. Das ist schon ziemlich komfortabel, aber es ergänzt die handgeschriebenen Notizen nur, weil ich weniger organisieren muss.

Was mir wichtig ist, trage ich nach wie vor am liebsten in ein Papierbuch ein, mit einem schön flüssig schreibenden Stift. Da ich auch kreativ bin, habe ich einiges ausprobiert: Das „Superbuch“, vor einigen Jahren das Nonplusultra, um alles auf die Reihe zu bekommen, das Bullet Journal, was sich für mich aber weniger als Kreativinstrument zum Zeitmanagement taugte als zum Zeitkiller (ich wurde unzufrieden damit, Zeit damit zu verbringen, meine Zeitplanung visuell zu gestalten), vorher nutzte ich auch konventionelle Terminplansysteme mit Ringbuch…

Sicher bin ich mir nur bei einer Sache: Wer schreibt, der bleibt. Heißt in meinem Fall, ich kann mir besser merken, was ich mit Hand aufgeschrieben habe, als etwas, das ich nur eingetippt habe, wo auch immer.

Für 2021 versuche ich es also mit dem Planer von Bianka Bleier, von der ich mir auch schon wertvolle Tipps zur Vereinfachung von Haushaltsabläufen geholt habe. Was mir daran gefällt? Zunächst die äußere Aufmachung, die wunderschön optimistisch gestaltet ist und Lust auf das neue Jahr macht. Aber auch die inneren Werte des Buchkalenders, der Platz bietet für vieles, was man auch im Bullet Journal unterbringt, praktische Listen für Verliehenes, Geschenkideen, Wünsche. Außerdem aber auch für Selbstreflektionen, Momente der Ermutigung, Gebetsanliegen. Jede Doppelseite enthält entweder ein schönes Foto für einen Augenblick der Meditation (ich liebe Bildmeditationen), ein Zitat oder einen Bibelvers. Sowie die ganz praktische und pragmatische Zeile „Wir essen heute…“. So ist für Körper und Seele gesorgt, beides gleichermaßen wichtig.

Mit diesem schönen Kalender- und Tagebuch nehme ich mir (mal wieder) vor, das Jahr auch tatsächlich jeden Tag schriftlich zu begleiten und zu durchleben, wohl wissend, dass es auch 2021 nicht immer gelingen wird. Sicher ist nur: ein so liebevoll gestaltetes Buch bietet mir mehr Anreiz als eine noch so schöne Kladde, in der ich selbst die Rahmenbedingungen erstellen muss . (Ich kann den Gedanken des Bullet Journaling gut nachvollziehen, habe eben nur im Selbstversuch festgestellt, „meins“ ist es nur sehr begrenzt).

Bibliographische Angaben: Bianka Bleier, Mein Jahr 2021, SCM Verlag, ISBN 978-3-7751-5938-8, € 12,- (Österreich € 12,40)