Es wird nicht besser

Morgens aufwachen und als erstes die Nachrichten im Radio hören (dicht gefolgt von „Wir sind die Freeses“) ist in diesen Tagen eindeutig nicht mehr die beste Idee. Wenn die Info, die als erstes das erwachende Gehirn trifft, eine Meldung über einen erneuten Amoklauf an einer Grundschule in Texas ist, kann der Tag schon nicht mehr gut starten.
Die Gedankenspirale setzt sich per Autopilot in Gang: Wie kann es nur möglich sein, dass in einem eigentlich recht zivilisierten Land, das von vielen immer noch als „das Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ angesehen wird, immer wieder Gewaltexzesse das Geschehen dominieren? Wie kann es sein, dass im 21. Jahrhundert eine Mehrheit einer Partei ziemlich fanatisch angeblich „Leben schützen“ will, indem man Abtreibungen verbietet (ich bin auch keine unbedingte Befürworterin, denke aber, dass Frauen sich mehrheitlich nicht einfach mal so just for fun dazu entscheiden), aber dieselben Menschen (denn die sind es zum großen Teil) den Untergang ihres Lebensstiles darin sehen, wenn es kein Grundrecht mehr auf das Horten von absolut tödlichen Waffen mehr geben sollte.

Also: meditatives Kaffeekochen, den ersten Kaffee zu genießen versuchen, aber begleitet von einem fatalistischen Gefühl. Irgendwann Frühstück und danach an den PC, Tageszeitung virtuell aufschlagen. Und gleich auf der zweiten Seite würde ich sie am liebsten wieder wegklicken. War ich gestern noch erschrocken darüber, dass nach den Tornados in der letzten Woche bereits wieder Betrüger und Gaffer unterwegs sind, so ist es heute kommunale Baupolitik und, weil es sich konkret um Schulbau handelt, die Dauerschleife Bildungsmisere, die mir den Morgen vermiest.

Was in puncto Schulsanierungen in unserem Landkreis (und da stehen wir ja nicht allein da) in den letzten Jahren verpennt wurde, wird nun immer dramatischer. Denn gerade die Grundschulen modern teilweise vor sich hin, es wurde versäumt, in energetische Sanierung, Bausubstanzerhaltung und vor allem in inklusionsgerechte, barrierefreie Gestaltung zu investieren. Dann kam erst die Pandemie und nun der Krieg. Es wird immer schwieriger, Baumaterial, Fachkräfte und Interimsunterbringung zu bekommen. Es wird alles immens teurer und teurer. Es beginnt ein Kampf um Ressourcen.

Allein der Grund und Boden bietet hier viel Konfliktpotenzial: Da gibt es Ackerflächen. Wertvollen und fruchtbaren Boden. Nahezu perfekt zur Produktion hochwertiger Lebensmittel. Aber es gibt auch die Begehrlichkeiten der Baustoffindustrie: Wer den Weserradweg entlangfährt, der kann in unserer Gegend auch gleich die ostwestfälische Seenplatte bewundern. Wie, noch nie gehört? Keine Bange, das ist keine Bildungslücke. Aber rechts und links der Weser liegen eben nicht nur gute Äcker und Wiesen, sondern auch mächtige Sand- und Kiesvorkommen. Noch Fragen?

Und natürlich müssen auch Baugebiete ausgewiesen werden, bei uns in Porta soll zum Beispiel eine Grundschule neu gebaut werden, weil sie den Anforderungen nicht mehr genügt. Und außerdem war da ja das Staatsziel für mehr sozialen Wohnungsbau. Die Flächenversiegelung nimmt also stetig zu. Währenddessen gammeln in manchen Orten leerstehende Häuser als Spekulationsobjekte (häufig von ortsfremden Investoren) vor sich hin.
Und nicht zuletzt: die Müllabfuhr in Minden klagt darüber, dass sie in Anliegerstraßen oft nicht tätig werden kann, weil alles dicht an dicht vollgeparkt ist, das sitzt als „Sahnehäubchen“ obendrauf. Ratet, wer sich dann darüber beschwert, wenn die Tonnen nicht geleert werden…

Auf den ersten Blick sind das alles Einzelthemen, die aber bei genauerem Hinsehen miteinander verwoben sind. Die in meinen Augen verdeutlichen, dass wir dringend eine große gesellschaftliche Debatte brauchen. Darüber, was wichtig ist, damit unser Zusammenleben funktionieren kann in diesen Zeiten, die heftig wie lange nicht mehr viele vermeintliche Gewissheiten zum Einsturz bringen. Zeiten, die große und noch größere Herausforderungen für fast jeden von uns bereithalten. Und vor allem müssen diese Debatten wieder zu einer zweckdienlichen Sachlichkeit zurückfinden in einer Zeit, in der Empörung und Krakeelen mehr Gehör finden als der nüchterne Blick und die wertschätzende Anteilnahme. Dabei ist es mir wichtig, dass niemand immer nur recht oder immer nur unrecht hat. Es ist wichtig, dass wir wieder mehr zuhören und dem „Gegner“ (übles Wort, aber mir fällt gerade kein besseres ein) auch mal seinen Punkt zugestehen, wenn er sachlich begründet sinnvoll ist.

Aber was weiß ich schon.

PS:
Ein versöhnliches Ende dieses Beitrages möchte ich noch beisteuern: Die Sonne scheint, der Regen gestern hatte eine gute Qualität (Landregen statt festpladdern), morgen ist Feiertag und meine Arbeit „in der heißen Phase“ am Gemeindebrief geht gut voran. Ich kann immer schneller mit dem „Publisher“ umgehen und es macht Spaß, die Gemeindeinfos und Entwicklungen für viele Menschen aufzubereiten. Habt einen guten Tag.

Kampf um Ressourcen

Diese Anzeige in der Tageszeitung verdeutlicht etwas, das schon längere Zeit nicht mehr stimmig ist. Gerade hier im Wesergebiet, aber auch in vielen anderen Gegenden Deutschlands, gibt es guten und fruchtbaren Ackerboden, aber auch Weideland, das (hoffentlich) noch mit bunten Wiesenkräutern für Insekten- und Tiernahrung, letztlich auch für die Lebensmittelversorgung für uns alle, sorgt.

In einigen Metern Tiefe unter diesem wertvollen Boden liegen aber noch ganz andere Schätze: mächtige Kies- und Sandvorkommen, unverzichtbar für die Baubranche. Nicht nur für Wohnungs- und Industriebauten, auch für tatsächlich dringend benötigte Brückensanierungen überall im Land. Darüber hinaus ist deutscher Bausand auch in anderen Ländern sehr gefragt, die auf den ersten Blick zwar sandreich sind, aber mit ihrem glattgeschliffenen Wüstensand nicht bauen können.

Die Landwirte sitzen an einer Schaltstelle, quasi zwischen Baum und Borke: verkaufen sie ihre Flächen, stellen sie zwar einerseits kurzfristig Liquidität her, die ihnen möglicherweise für die Fortführung ihrer Betriebe hilft, andererseits sind die Flächen unwiederbringlich für die ganz oben genannten Zwecke verloren. Denn jeder Hektar kann nur einmal verkauft werden, und irgendwann ist die Restfläche zu klein, um auskömmlich bearbeitet zu werden.

Durch die Porta Westfalica soll möglicherweise eine neue Bahntrasse gebaut werden, alles für den Deutschlandtakt. Der ab 2030 gelten soll, während innerhalb dieser Zeit das Mammutbauprojekt aller Voraussicht nach überhaupt nicht umzusetzen ist (siehe andere Mammutprojekte deutschen Bauwahns…). Welches dafür aber die Ländereien mindestens eines örtlichen Landwirtes so sehr zerschneidet, dass für ihn sehr wahrscheinlich die Betriebsgrundlage wegfällt.

Natürlich ist der Sachverhalt jetzt verkürzt dargestellt, aber trotzdem: Das alles vor dem Hintergrund, dass immer mehr Menschen auf eine regionale und nachhaltige Lebensmittelversorgung Wert legen. Finde den Fehler…

Nun ist es ja nicht so, dass solche oftmals widerstreitenden Bedürfnisse wie (bezahlbares) Wohnen, Infrastruktur, Wirtschaftswachstum, Mobilität, sichere und hochwertige Nahrung, erlebbare Natur, Umweltschutz (um weitere Komponenten fast beliebig erweiterbar) neu wären. Und es ist auch nicht so, dass die Lösung dieser Widersprüche einfach wäre. Umso schwerwiegender ist es aber, dass der breite Diskurs, wie eine nachhaltige und auskömmliche Balance der unterschiedlichen Bereiche, die ja auch Investitionen in Klimaschutz beinhalten, aussehen könnte muss, immer wieder in die Zukunft verschoben wird. Und in vier Monaten ist Bundestagswahl. Vier Monate Wahlkampf mit der Aussicht, dass die Aufgaben, die teilweise im letzten Koalitionsvertrag festgeschrieben waren, von der Nachfolgeregierung gelöst werden sollen. Das ist Prokrastination auf allerhöchster Ebene und mit Auswirkungen auf uns alle und vor allem unsere Kinder und Enkel.

Leute! Es. Wird. Nicht. Besser.

PS: Übrigens auch nicht, wenn wir alle nur noch irgendwelche Special-Interest-Kleinstpartien wählen, wie es in den „sozialen“ Netzwerken häufig suggeriert wird. Dann kann der Schuss nämlich auch nach hinten losgehen und kaum eine Partei schafft es über die 5%-Hürde, die Koalitionsfindung wird fast unmöglich und in der Folge werden nur noch Partikularinteressen bedient.

„Verantwortung übernehmen“ heißt für mich nicht unbedingt, dass da jemand rausgeschmissen wird (Ausnahmen bestätigen die Regel. Wer sehenden Auges immer wieder in seinem Ministerium massenhaft Geld verschleudert und die Folgen davon ohne jegliches Schuldbewusstsein vergesellschaftet, ist irgendwann untragbar.). Denn der kann ja dann die Verantwortung auf seine*n Nachfolger*in abwälzen. Verantwortung übernehmen sollte vor allem bedeuten: dazu gezwungen werden, seine Fehler selbst zu beseitigen und in einen breiten gesellschaftlichen Nutzen zu wandeln.

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