Can a song save your life?

Alle, deren Herz für Musik schlägt, werden diese Frage spontan mit einem von Herzen kommenden „Ja!“ beantworten. Musik hilft, die verschiedensten Stimmungen und Gefühle zu verarbeiten. Für jede Situation gibt es die passende Musik: Disco oder Dancefloor, Balladen, Heavy Metal, Blues, Reggae, Swing, Klassik…. mitunter sogar Volksmusik können uns durch unser Leben begleiten, oft verbindet man sogar nach Jahrzehnten noch Musiktitel mit konkreten Situationen.

Aber zurück zum Film. Er ist schon ein echtes Zuckerstückchen durch die gut aufgelegten Schauspieler. Keira Knightley, die hier nach dem „Fluch der Karibik“ wieder mal eine Rolle mit mehr Tiefe spielt; Mark Ruffalo, der den abgewrackten Musikproduzenten mindestens genauso gut spielt wie den Wissenschaftler Bruce Banner (der, wenn er sich ärgert, zum grünen Muskelmonster Hulk mutiert), Adam Levine, Sänger von Maroon 5, der vor allem mit seiner Stimme beeindruckt, aber auch die zahlreichen Nebenrollen. Vor allem Hailee Steinfeld, die später mit Pitch Perfect II bekannter wurde.

Die Story: Eine junge Frau steht in einer New Yorker Kellerkneipe und singt ihr selbstkomponiertes Lied – nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil ihr Kumpel sie dazu gedrängt hat. Das Publikum ist größtenteils desinteressiert, aber einer ist da – der hört offensichtlich mehr als die anderen Leute, er hört ihr Potenzial.

Diese Szene ist so wichtig, dass sie im Film insgesamt dreimal vorkommt, jeweils aus anderer Perspektive. Der Zuhörer ist Dan, ein abgewrackter, alkoholgetränkter Motown-Musikproduzent. Seine Plattenfirma hat ihn abserviert, weil er keine neuen Talente mehr bringt. Von Frau und Tochter getrennt haust er in einem kleinen Appartement. Gerade hat er versucht, sich total gefrustet vor einen U-Bahn-Zug zu werfen, bloß dummerweise fiel der Zug wegen einer Betriebsstörung aus. Daraufhin geht er in die Kneipe und hört Gretta, die genau von dem singt, was ihm gerade passiert ist.

Gretta kam mit ihrem Freund Dave, einem aufstrebenden Rockstar nach NY – und verlor ihn dort an seine Musik und eine andere Frau. Als sie gerade zurück nach England wollte, schleppte ihr Kumpel sie in die Kneipe und zwang sie, ihren neuen Song vorzustellen.

„So you find yourself at this subway
When your world in a bag by your side
And all at once it seemed like a good way
You realized its the end of your life
For what it’s worth

Here comes the train upon the track

And there goes the pain it cuts to black
Are you ready for the last act?
To take a step you can’t take back…“

Sie singt genau das, was Dan vorhatte, und sie singt noch mehr: „And don’t pray to God, cause He won’t talk back“. Bete nicht zu Gott, er wird dir nicht antworten. Kurioserweise ist Gretta aber gerade die Antwort auf ein Stoßgebet, das Dan früher am Vormittag herausgeschrien hatte: „Gib mit irgendwas, womit ich arbeiten kann!“

Aber er glaubt nicht daran, auch nicht, als ihm in der U-Bahn ein Mann sagt: „Ich dachte, es gäbe keine Hoffnung, ich dachte, es gäbe keine Antworten. Doch dann habe ich Gott gefunden. Er kommt vielleicht nicht immer auf die Minute genau, aber zur rechten Zeit. Sir? – Nur zu, reden Sie mit Gott!“ Er antwortet nur :“Und was, wenn er nicht antwortet?“

Hier kommen wir ins Spiel, mit unserem oft ebenso kleinen Glauben. Wir haben auch oft Probleme beim Beten, wir vergessen es, vielleicht auch deswegen, weil wir uns fragen, ob es überhaupt ankommt bei Gott.

Jesus sagt: Dranbleiben, auf jeden Fall dranbleiben! In Matthäus 7,7-8 sagt er ganz klar: „Bittet, so wird euch gegeben. Denn wer bittet, bekommt.“ Aber er sagt auch: „Für alles, worum ihr im Gebet bittet, wenn ihr glaubt, werdet ihr es bekommen.“

Nun haben wir vermutlich alle schon mehr oder weniger häufig die Erfahrung gemacht, dass unsere Gebete nicht in Erfüllung gehen. So plakativ wie im Film wird es in der Realität nicht unbedingt aussehen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Gretta und Dan sich eine solche Wendung für ihr Schicksal erbeten hatten.

Vielleicht dauert es länger als wir aushalten mögen. Vielleicht sind wir gerade in der „Dunkelkammer“ unseres Glaubens und Lebens. Oder wir haben einfach nicht den Durchblick, wünschen uns etwas ganz anderes, als Gott für uns bereit hält. Und in solchen Situationen dürfen wir auch unser Klagen oder sogar Anklagen vor Gott bringen. In den Psalmen, bei Hiob, sogar bei Jesus selbst, als er am Kreuz hängt, überall in der Bibel gibt es Beispiele, wie Menschen ihre Trauer, ihren Zorn, ihre Enttäuschung vor Gott bringen. Es gibt nicht nur eine Form des Gebetes, die aus „Ich danke dir… und ich bitte dich…“ besteht.

Gebet darf und soll unser Leben widerspiegeln. Ob Klage, ob Loblied, ob mit Gesang oder mit Tanz, in guten wie in schlechten Zeiten, wie es gerade richtig ist. Mit eigenen Worten, mit vorformulierten Worten (die helfen oft, wenn wir sprachlos sind), ganz ohne Worte.

Im Film bekommen Gretta und Dan übrigens die Kurve. Irgendwann später hören sie sich gemeinsam eine Playlist an, und da ertönt ein alter Sinatra-Titel mit der Zeile „all I can do is pray“.

Dranbleiben! Das ist die Hauptsache. Und den Film ansehen, denn da gibt es noch total gute Musik-Sessions an ganz ungewöhnlichen Orten in NY, vor allem die Aufnahme eines tollen Songs auf einem Hochhausdach!