Mein kleines (Weihnachts-)licht

Weihnachten 2020 – mit welchen Ansprüchen war dieses Fest im Voraus überfrachtet worden. Irgendwie ja auch verständlich, denn dieses Jahr hatte uns schon so vieler Dinge beraubt, die uns seit vielen Jahren unverzichtbar erscheinen: Der Freiheit, jederzeit überall Kinos, Theater, Konzerte zu besuchen. Den Sommerurlaub mit dem Flugzeug in alle Welt mussten die meisten von uns streichen. Essen gehen wurde größtenteils eine etwas ungemütliche Veranstaltung mit Abstand und vielleicht sogar zwischen Plexiglaswänden… Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, wie häufig wir diese Freiheiten überhaupt in Anspruch nahmen, damals, vor der Pandemie. Wir konnten es aber zumindest theoretisch fast jederzeit.

Wenn wir uns im November alle „ein bisschen“ einschränken, dann können wir Weihnachten feiern wie gewohnt, so hatten es uns die MinisterpräsidentInnen Ende Oktober ausgemalt: im Kreis der gesamten Familie, mit allen, die uns lieb und wertvoll sind, die wir vielleicht lange nicht sehen konnten. Mir kam es so vor, als würde dieses ganze Weihnachten romantisch verklärt. Hoffentlich ein bisschen Schnee, rechtzeitig zum Kirchgang an Heiligabend, warme Lichter, Glockenklang, Weihnachtslieder und ein gemütliches Zuhause, wo im liebevoll geschmückten Wohnzimmer die Bescherung stattfindet. Ein Bild wie von der Werbeindustrie gezeichnet.

Bitte versteht mich nicht falsch, an alledem ist überhaupt nichts verkehrt, wenn man es in der Familie immer so macht, sich alle dabei wohlfühlen und niemand sich dafür verbiegen muss. Verkehrt wird es dann, wenn alle Erwartungen, die sich das ganze Jahr lang nicht erfüllt haben, auf dieses „heilige Fest der Familie“ gelegt werden. Wenn unbedingt noch ein bisschen „Heile Welt“ sein muss, um dieses vermaledeite Jahr zu einem einigermaßen guten Abschluss zu bringen. Wenn Traditionen herhalten müssen, um Erwartungen zu erfüllen.

Was bedeutet Weihnachten denn heute noch? Ungeachtet der Tatsache, dass auch ich stundenweise im Einzelhandel arbeite, dass es mir vor allem sehr viel Spaß macht, für die unterschiedlichsten KundInnen genau das richtige Buch zu finden, macht es mich traurig, dass an Weihnachten immer stärker Geschenke den Zweck erfüllen, den eigentlich ganz andere Werte erfüllen sollten. Zeit, zuhören, Gemeinsamkeit. Ganz abgesehen von der eigentlichen Bedeutung von Weihnachten: Hoffnung ins Dunkel zu bringen, nicht mit einem großen und mächtigen König, sondern verkörpert von einem kleinen, hilflosen Kind, in Armut geboren.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, in diesem Jahr war der Advent für mich bisher eine ganz besondere Zeit. Zeit, darüber nachzudenken, wie privilegiert doch die allermeisten von uns sind, selbst dann, wenn wir finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, selbst wenn wir keine große intakte Familie haben, die uns Halt gibt. Sogar dann noch, wenn nicht wenige von uns in eine ungewisse Zukunft blicken, nicht wissen, was zum Beispiel mit dem Arbeitsplatz wird. Denn im Gegensatz zu sehr vielen Menschen auf der Welt und auch in unserem Land haben wir, die dieses lesen können, ein Zuhause, mit fließendem Wasser, mit Heizung und mit einem Kühlschrank, in den wir hineingreifen können, wenn wir Hunger haben. Wir sind über vielfältige technische Möglichkeiten mit anderen Menschen verbunden. Wie bescheiden auch immer, wir sind relativ behütet.

Wenn ich durch die Straßen fahre, genieße ich auch die geschmückten Häuser (solange es nicht so übertrieben ist wie in einigen amerikanischen Weihnachtsfilmen😉), habe aber für mich selbst beschlossen, recht zurückhaltend zu sein, was die Beleuchtung angeht.

In Betlehem, vor 2000 Jahren, da war es ein einziger heller Stern, der den Weg wies. Für mich ist es eine kleine Kerze, die in der Finsternis das Licht bringt, die Hoffnung aufzeigt, es wird nicht für immer dunkel sein. Mein eigenes kleines Licht reicht, gemeinsam mit den vielen tausend kleinen Lichtern der Anderen ergibt es das Lichtermeer, das uns die Hoffnung bringt.

Ein kleiner Musiktipp dafür:

Bruce Springsteen with the Sessions Band – This Little Light of Mine (Live In Dublin) – YouTube

(Es gibt unterschiedliche Versionen. Ich habe mich für diese entschieden, weil ich den „Boss“ mag und die Performance als sehr kraftvoll empfinde)

Ich wünsche euch von Herzen gesegnete Weihnachten, auch und gerade dann, wenn dieses Jahr alles anders ist.

Annuschka/Anja

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