Ein unordentliches Gefühl?

Laut eines Buchtitels von Richard David Precht ist das eine Definition von Liebe. Howard Jones besang im Jahr 1983 die Frage nach der Liebe „What is love?“ und Pat Benatar gab postwendend die Antwort „Love is a battlefield“. Eurythmics waren da schon einen Schritt voraus, denn „Love is a stranger“ erschien bereits 1982. Unvergessen aus dem Liebesfilm schlechthin, Pretty Woman, ist auch das vermeintliche Ende einer großen Love Story: „It must have been love“ von Roxette. Wesentlich früher schon sang Connie Francis im Jahr 1961 „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Ich schätze, es gibt kaum etwas, das über die Liebe nicht schon geschrieben oder gesungen wurde. Ganz davon abgesehen wäre Hollywood vermutlich fast pleite, wenn es die Irrungen und Wirrungen nicht gäbe. Nur von Superhelden, Serienmördern und Geschwindigkeitsjunkies kann Kino und TV nicht leben.

Selbst die Bibel, von manchem als strenges Sittengesetz angesehen, schwärmt in einem ganzen Buch über die Freuden der Liebe (Das Hohelied) und auch Paulus erkennt „Nun bleiben aber Glaube, Liebe, Hoffnung, diese drei, aber die Liebe ist die größte“ (1. Korinther 13,13).

Die alten Griechen unterschieden zwischen erotischer und platonischer Liebe. Vielleicht verschwimmen diese Grenzen auch ab und zu einmal. Kommt sicher vor, wie in Klaus Lages „1001 Nacht“. Oder es gibt in einer Ehe/langjährigen Beziehung zwischendurch Phasen, in denen man eher kameradschaftlich verbunden als leidenschaftlich entbrannt ist. Hauptsache ist doch, es fühlt sich für die Beteiligten gut an.

Liebe lässt uns himmelhoch jauchzen und alles in rosarot getaucht sehen. Liebe lässt uns aber auch in die tiefsten Abgründe stürzen und zieht sämtliche Farbe aus unserem Leben. Sie lässt die größte Freude zu und die stärkste Verzweiflung. Lachen, weinen, ärgern, alles das gehört dazu, das gibt es nur im Gesamtpaket.

Übrigens finde ich „Trauung“ eigentlich viel passender als „Hochzeit“. Wenn man getraut wird, traut man sich selbst und dem Gegenüber zu, das Leben in jeder Situation miteinander zu teilen. Geht man davon aus, dass die Hochzeit im wörtlichen Sinn der „schönste Tag des Lebens“ ist, kann es ja danach eigentlich nur noch bergab gehen. Vor allem verkennt diese Definition die Tatsache, dass Liebe und eine gelingende Beziehung nicht nur Gefühlsduselei ist, sondern auch Arbeit. Und eine immer wieder neu zu treffende Entscheidung für den geliebten Menschen.

Man kann jemanden wie den Frosch aus dem Märchen an die Wand klatschen wollen und trotzdem an der Liebe festhalten. Nicht umsonst heißt es „in guten wie in schlechten Zeiten“.

Das alles schreibe ich jetzt aus der Perspektive eines Menschen, bei dem nicht immer alles Zucker war, mit der Dankbarkeit, dass mein Partner zu mir gehalten hat, als ich vor fast 20 Jahren meine Existenz gegen die Wand gefahren hatte, aus der Perspektive eines Paares, das noch immer die Kurve gekriegt hat bei allen Zitronen, die uns auf die eine oder andere Weise im Weg lagen. Dann gab es Zitronenkuchen, Zitronenlimonade, manchmal ein paar Tage Diät, Zitronensouflée… und immer wieder die Erkenntnis, dass wir im Team vieles schaffen, was uns allein vor riesengroße Hindernisse stellen würde. Dass wir nach 29 Jahren Ehe immer noch gemeinsame Träume in Angriff nehmen können, auch wenn wir den einen oder anderen Traum schon (z. B. aus gesundheitlichen Gründen) begraben mussten. Aufhören zu träumen? Keine Alternative!

Falls ihr euch jetzt fragt, warum ich heute so sentimental bin: Ich musste das dringend mal loswerden😊. Immer nur Klimakrise schlägt sonst noch aufs Gemüt.