Gescheitert?

Ich hatte heute früh das komplette Essgeschirr aus dem Esszimmer in die Spülmaschine gepackt, weil am Wochenende Konfirmation ist und das Geschirr vom bloßen Nicht-Benutzen in den letzten Jahren total eingestaubt war. Wer braucht denn auch Suppentassen, die saublöd und sperrig in der Aufbewahrung sind? Beim Ausräumen am Mittag ging mir durch den Kopf, dass ich dieses Jahr mit einer Aufräum-Challenge begonnen hatte. Naja, ihr habt ja seit vielen Wochen nichts mehr darüber gelesen. Ist die Challenge also als gescheitert zu betrachten? Denn es geht nicht nur mir so, dass ich recht lange keine Gedanken mehr daran verschwendet habe, ich verrate wohl nicht zu viel, wenn ich euch sage, dass es meinen Mitstreiterinnen vermutlich ebenso geht. Oder? Trotzdem würde ich das stille Auslaufen der Aktion nicht unbedingt als Scheitern bezeichnen, denn es ist im Leben nun mal oft so, dass sich Prioritäten ändern oder dass uns die Realität eine lange Nase zeigt und einfach was anderes macht, als wir geplant haben.

Das kann so ein blöder Unfall sein, der in einem Sekundenbruchteil dafür sorgt, dass man für die nächsten Wochen relativ unbeweglich ist. Das kann ein Virus sein, der die gesamte Welt in Atem hält. Bei mir kam beides auch noch kurz nacheinander, und seien wir mal ganz ehrlich, wer von uns hätte denn Mitte März gedacht, dass wir auch kurz vor Oktober noch so davon betroffen sein könnten? Mit der Aussicht, dass dieser Zustand den nächsten Jahreswechsel auch noch ganz schön anders aussehen lässt? Als ich wieder soweit sitzen konnte, dass ich mich an die Nähmaschine begab, um für meinen Hausarzt „Behelfsmasken“ zu nähen, mit alten Hemden und Bettwäsche, da hätte ich mir im Traum nicht vorgestellt, dass ich kurze Zeit später auch Statement-Masken aus Motivstoffen nähen würde, und dass ich einige Monate später mit Herbst- und Weihnachtsmotiven immer noch weitermache.

Inzwischen hat sich mit Corona ein Alltag etabliert, der eine ganz andere Art Challenge darstellt: Müll! Freuten sich zu Beginn des Lockdowns die Leute noch über ruhige Straßen, bessere Luft, manche sogar über eine gewisse Art der Entschleunigung (während andere, berufstätige Eltern zum Beispiel, nicht wussten, was zuerst und zuletzt zu tun war…), so nervt es mich und bestimmt auch viele von euch zunehmend, dass an den Straßen und auf Parkplätzen immer wieder Einmalmasken wild entsorgt werden, dass in vielen Supermärkten das Mitbringen von eigenen Gefäßen für Fleisch und Käse nicht mehr erlaubt wurde, dass Coffee-to-go wieder im Ex-und-hopp-Becher über die Ladentheke wandert. Und beim Kirchenkaffee gibt es nicht mehr das überaus leckere Spritzgebäck aus dem Gastronomie-Großhandel, sondern einzeln verpackte Kekse, die eben nicht schmecken wie selbstgebacken.

Ach ja, und hier hatte ich versprochen, die Geschichte der Eheringe zu erzählen: Mit Julia und Jonas hatten wir im Frühjahr die alten Schmuckbestände unserer Mütter durchgesehen, denn eigentlich brauchten die beiden etwas Altgold, um sich Trauringe selbst zu schmieden. Dieser Plan wurde aber durch einen anderen ersetzt, nachdem sich herausgestellt hatte, dass ihnen die schlichten, schmalen Ringe meiner Eltern schon relativ gut passten (kleinere Anpassungen sind erledigt) und dass der Vorsteckring von Edgars Mutter, der auch sehr schlicht ist, gut dazu aussieht. Und deshalb sind diese drei Ringe seit gut zwei Wochen wieder in ihrer ursprünglichen Funktion im Einsatz💖.

Also, obwohl vieles anders gelaufen ist, auch was das Ausmisten angeht, ist nicht alles schlecht gewesen dieses 3/4 Jahr seit meinem Plan von Ende 2019. Manchmal muss man eben auch mental ausmisten, sich von Ideen verabschieden und sie entsorgen, manchmal auch von großen oder kleinen Plänen, die man ziehen lassen muss, ohne mitzugehen. Einiges davon wird meine nächste Challenge sein, denn heute früh meinte bei der jährlichen Hauptuntersuchung mein Rheumadoc zu mir, ich müsse so langsam lernen, meine körperlichen Grenzen anzuerkennen, diese Grenzen nicht mehr zu überschreiten, manche Vorhaben fallen zu lassen und andere wesentlich langsamer zu bewältigen. Ich sehe schon: Da wird eine Menge Gerümpel in meinem Kopf zu beseitigen sein. Und es wird in mancher Hinsicht ein schmerzhafter Prozess werden. Aber ich kann gehen, wo ich nicht laufen kann, und ich kann kriechen, wo ich nicht gehen kann. Manches werde ich mir anders organisieren können, zum Beispiel im Garten, anderes werde ich kompensieren, indem ich es mir beim Schreiben vorstelle, statt es selbst zu erleben. Wer weiß…

Und glücklicherweise sind meine Einschränkungen ja auch auf einem ziemlich niedrigen Niveau angesiedelt. Solange ich nicht irgendwann mal vor jemandem ernsthaft weglaufen muss, ist alles im grünen Bereich. Und was Heben und so angeht: da werde ich mir eben angewöhnen, kleinere Gewichte zu heben, sprich zwei Schaufeln voll Kompost, wo ich es früher mit einer gewuppt habe. Den Rest erledige ich mit der Kraft der Worte😉.

30 Day Book Challenge – Tag 7

Eine Biografie. Hm. Da mache ich es mir recht einfach. Schaut mal hier.

Den Artikel habe ich vor einem Monat geschrieben, und es ist die Geschichte eines Mannes, den ich bewundere für seine Standhaftigkeit, jegliche Gewalt zu verurteilen. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Danke, Ulrike, für deine interessanten und herausfordernden Aufgaben!

Challenge 2.0

Diesen Beitrag schreibe ich im Rahmen der abc-etüden. Hier der Link zur Schreibeinladung:

https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/04/19/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-17-18-20-wortspende-von-myriade/

Seit fast acht Wochen habe ich nichts mehr über die Challenge geschrieben. Sie ist aber keinesfalls unter den Teppich gekehrt, nein, keineswegs. Was das angeht, werde ich gläsern bleiben und berichten. Allerdings wurde sie, zumindest bei mir persönlich, von zwei anderen Herausforderungen überlagert:

Erstens: Beine schonen. Zuhause bleiben, damit die Sehnen wieder anwachsen können, Beine hochlegen, wenig Bewegung. Als wäre das nicht genug, kam dann

zweitens Corona dazu. Noch mehr zuhause bleiben, weil Risikogruppe. Nichts mit unbeschwert durch die Gegend flattern! Mit zunehmender Mobilität innerhalb der eigenen vier Wände erwachte auch die ursprüngliche Challenge wieder. In Form von Vernichtung: Vernichtung von bevorrateten Lebensmitteln, die seit Jahr und Tag in Vergessenheit geraten waren. Und zwar Vernichtung durch Aufessen.

Und jetzt durch das Transformieren von Stoffen aller Art: Alte Herrenhemden, Bettwäsche, Tischdecken und Patchworkstoffe werden zu Masken verarbeitet. Dazu die Reste von „Schlüpfergummi“ aus dem alten Nähkorb meiner Mutter. Was als Nachbarschaftshilfe für die Hausarztpraxis begann, hat sich (übrigens entgegen meiner ursprünglichen Absicht) verselbständigt. Es macht nämlich auch durchaus Spaß, Statementmasken für Hobbygärtner, Globetrotter, feine Damen oder Freizeitkapitäne zu nähen. Leider sind die Stoffe für Leseratten (mit Büchern drauf oder zumindest mit Schrift) momentan sehr schwierig zu bekommen (Oder es sind schwere Dekostoffe, durch die man nicht atmen kann). Aber das ist dann ja auch kein Verwenden von sowieso schon Vorhandenem mehr.

Größere Aktionen werden aber noch ein bisschen warten müssen. Weil ich zwar wieder gehen kann, aber die Kraft erst noch trainieren muss. Und weil die Annahmestellen für Sperr- und sonstigen Müll nach drei Wochen Schließung erstmal viel Zulauf haben. Offensichtlich ist Entrümpeln momentan Volkssport. Da warte ich lieber noch ab.

abc.etüden 2020 17+18 | 365tageasatzaday

Mein neuer Lebensabschnittsgefährte

Der Abschnitt wird aber überschaubar sein. Und eine Challenge der ganz anderen Art, da es mit dem Ausmisten auch jetzt noch nicht so richtig vorangehen kann.

Seit Donnerstag weiß ich, dass im rechten Oberschenkel die Sehne komplett gerissen ist, dort, wo sie im Becken festgemacht ist. Links „nur“ teilweise. Seit Freitag weiß ich, dass sowas nicht operiert wird (puh🤪), sondern von allein heilen muss. Dauert pi mal Daumen 4-5 Wochen.

Also zu Ostern darf ich hoffen, wieder richtig gehen zu können. Augenblicklich darf ich die Beine nur langsam wieder stärker belasten, also mit Gehstützen. Wie soll ich denn so einen Haushalt führen? Und fünf Wochen nur mit dem Kopf arbeiten, da werde ich bekloppt.

Edgar hatte bereits recht früh den Gedanken, einen Rollstuhl zu mieten. Bei mir dauerte es ehrlich gesagt zwei Nächte, bis ich das soweit durchdacht hatte, dass ich es auch für eine praktikable Lösung hielt. Nun darf er sich freuen…

Es ist Kopf – und Erziehungssache. Meine Mutter ging bis kurz vor Lebensende mit einer Unterarmgehstütze ( und wurde dabei immer krummer) statt mit dem verordneten Rollator. Denn damit sah es ja immer so ein bisschen nach akut statt chronisch aus. Ich habe mich also überwunden.

Und es ist echt praktisch. Ich muss nicht immer jemanden herumkommandieren: „Bring mir mal den Wäschekorb in die Waschküche. Ich brauche eine Flasche Wasser.“

Ich stelle mir den Wäschekorb einfach auf die Knie und bin schon auf der richtigen Höhe für die Waschmaschine. Ich fahre Wasser durch die Gegend, ob nun in Flaschen oder Gießkannen. Ich kann kochen. Bloß der Abwasch klappt nicht so recht. Den machen dann Kathrin und Edgar.

Ich kann mit zum Einkaufen und bin auf der perfekten Höhe für jegliches Suppengemüse sowie für die günstigen Produkte unten in den Regalen.

Bei manchem, der mich erkennt, fangen die Rädchen im Kopf an zu arbeiten: was ist denn da passiert? Darf ich danach fragen oder trete ich ihr zu nahe? Heute früh beim Gottesdienst war das alles ziemlich einfach. Die Menschen, die mich zum größten Teil lange Jahre kennen, kamen und fragten einfach. Ganz freundlich und unbefangen. Und freuten sich mit mir, erstens dass ich so eine pragmatische Lösung gefunden habe und zweitens, dass ich bald wieder auf Erwachsenenhöhe mitreden kann statt zu jedem aufzuschauen.

Ich bin der Meinung, jeder Parkegoist, der den Behindertenparkplatz widerrechtlich nutzt, sollte neben der Bußgeldzahlung ein Rollitraining für eine Woche aufgebrummt bekommen. Nichts ist so hilfreich wie ein Perspektivwechsel.

Und ich weiß jetzt auch, welche Baustellen in unserem Haus ich bei den nächsten Renovierungsarbeiten noch barrierefreier umgestalten muss. Was noch wichtiger ist: ich bekomme eine Ahnung, welche Barrieren ich im Kopf in Angriff nehmen sollte.

PS: Heute ist Weltfrauentag. Da ist ganz sicher noch viel Luft nach oben, bis die Hälfte der Menschheit nicht mehr benachteiligt ist. Aber wie sieht es mit Minderheiten jeglicher Art aus? Auch das geht mir in der aktuellen Situation durch den Kopf. Dazu hast du bestimmt schon bemerkt, dass ich ungern sprachlich gendere. Das liegt bei mir meist daran, dass ich uns alle als zugehörig zu der Gattung „der Mensch“ betrachte, wie ich das Wort „Mensch“ ja sowieso gern und häufig benutze.

Challenge Woche 9

Was soll ich sagen. Diese Woche ist total anders verlaufen als geplant…

BlogleserInnen wissen schon, dass es mich von den Beinen gehauen hat. Heute morgen, als ich über den fälligen Beitrag nachdachte, ging mir in meinem beschränkten Aktionsradius zwischen Bett und Bad zweierlei durch den Kopf:

Es ist für eine Hausfrau ziemlich frustrierend, wenn sie sich lange to-do-Listen macht und vor bzw mitten in der Ausführung derselben krank wird. Dann liegste zwischen der Bügelwäsche und den Klamotten für die Altkleidersammlung im eigenverursachten Chaos und weißt: das muss ich mir jetzt noch ein paar Tage ausgiebig anschauen und kann nix dagegen tun😥. Naja, das Leben hält sich halt nicht an Putzpläne.

Zum anderen habe ich festgestellt, dass wir bei der barrierefreien Umgestaltung des Bades nach Dusche und Türbreiten mit Nachdenken aufgehört haben. Bei einem dauerhaften Angewiesensein auf einen Rollstuhl ist der Waschtisch nicht unterfahrbar, man kann nicht in den Spiegel sehen und die Sachen im Spiegelschrank erreicht man auch nicht:

Dafür habe ich Frühstück im Bett bekommen. Ganz romantisch auf einem Bett-Tablett, welches ausgiebige und irreversible Spuren enthält von Filzstiften, Flüssigkleber und ähnlichem Material, mit dem man bettlägerige Kinder beschäftigt. Mitten in meinem oben beschriebenen Tohuwabohu, dafür Auge in Auge mit einem Huhn mit Silberblick…

Sieht doch ruhig und friedlich aus. Kathrin hat den Hühnern sogar Namen gegeben…

Und sonst? Die Passions- oder Fastenzeit hat begonnen. Es sieht so aus, als ob ich auf Schokolade verzichte… weil ich einfach nicht an die Dose mit den Süßigkeiten komme, die in der Küche auf dem Schrank steht. Und ich werde ganz bestimmt keinen danach fragen. Wenn ich die ersten Tage überstanden habe, fällt der Rest nicht mehr so schwer.

Habt einen schönen Sonntag, wo auch immer ihr ihn verbringt😃

Challenge Woche 8

Eine ganz merkwürdige Woche…

Da die Leerung der Papiertonne anstand, habe ich meine vielen rausgerissenen Gartentipps aus etlichen Jahrgängen einschlägiger Zeitschriften entsorgt. Nach dem Motto „Augen zu und durch“. Sonst hätte ich wieder angefangen, alles einzeln zu begutachten und am Ende das meiste behalten. An den Kleiderschrank bin ich auch mal gegangen und die alten Eierbecher waren auch „dran“. Mein altes Schiebehandy rief ebenfalls etwas nostalgische Gefühle hervor.

Den Abschluss der Woche bildete heute aber eine ganz besondere Aktion: die geerbten Eheringe meiner Eltern sowie der Vorsteckring meiner Schwiegermutter haben eine neue Aufgabe bekommen. Aber das ist eine andere Geschichte und soll an einem anderen Tag erzählt werden 😊.

Challenge Woche 7

In dieser Woche gibt es zwei Aussetzer: am Montag sind Daniela und ich gemeinsam mit „Sabine“ durch die Materialsammlung der Jugendarbeit gefegt und haben sozusagen fremdgeräumt. Kreativmaterial wurde (aus)sortiert, Stifte zu anderen Stiften gepackt, alle Bälle und anderen Sportsachen kamen in eine große Alukiste…

Danach war bei mir die Luft raus.

Und am Donnerstag haben Julia und ich einen Ausflug nach Bremen und zum Freizeitheim gemacht. Für die Freizeit im Sommer recherchiert. Das Universum Bremen ist ein tolles Mitmach-Museum, wo man ganz schnell wieder zum Kind wird … . Unser Freizeitheim haben wir auch unter die Lupe genommen. Letztes Ziel war der Landpark in Lauenbrück, aber als wir dort ankamen, regnete es dermaßen, dass wir uns den nicht mehr angesehen haben… Jedenfalls war ich abends so voller Eindrücke, dass nix mehr ging😏.

An den restlichen Tagen gab es ein buntes Durcheinander von Schubladenkram und Einzelteilen. Trotzdem macht es nach wie vor Spaß, sich täglich mit dem angesammelten Krempel eines halben Lebens zu beschäftigen.

Challenge Woche 6

Echt jetzt? Wir sind schon bei Woche 6? Ich musste erst nochmal nachschauen…

Die Woche war ausmist-technisch etwas konfus. Seit November standen große Kartons bei mir im Büro, also richtig große. Und auch gleich sechs (!) Stück davon. In denen hatte Edgar von zwei Hardwarelieferanten neue PCs und Server für Kunden bekommen.  Aber als er zu den Buchhandlungen fuhr, packte er die Rechner ohne diese unförmigen Umverpackungen ins Auto, klar. Und die Kartons standen bei mir und bildeten eine Bastion vor dem Bücherregal. Aber vielleicht kann man sie ja noch gebrauchen?

Selbst wenn, und ich hätte da auch schon eine konkrete Idee, sie müssen auseinandergenommen und von jeglichem Kunststoff befreit werden. Also ran an die Arbeit: Eine Stunde später war aus dem Turmbau zu Lerbeck ein niedriger Stapel Pappe und ein gelber Sack voll Füllmaterial und Packband geworden. Bis einschließlich Freitag widmete ich mich dann wieder diversen Schubladen, sortierte Bedienungsanleitungen und Garantiebelege aus von Haushaltsgeräten, die schon längst über den Jordan sind (dabei fegt mir ganz ungefragt „Swing low, sweet chariot…“ durch den Kopf 🙂 ).

Und jetzt kommt es, tadaaa: ich habe endlich die Abschlussbilanz meiner Buchhandlung geschreddert, von der ich mich auch Jahre nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist nie trennen mochte. Aber ganz ehrlich: Ich habe nichts davon, wenn ich das Dokument meines Scheiterns auch weiterhin aufbewahre. Es nützt niemandem, und außerdem habe ich auch inzwischen akzeptiert, dass Scheitern zum Leben dazugehört, ebenso wie das Gelingende. Zwei Seiten einer Medaille. (kleiner gedanklicher Ausflug: aber beide Seiten zu sehen und auch Scheitern zu akzeptieren, scheint im Moment nicht gerade Hochkonjunktur zu haben…)

Ein alter Schmuckkasten voller Modeschmuck meiner Mutter wurde auch gefilzt und erleichtert. Ich kann mit dem meisten Zeug eh nichts anfangen.

Zuletzt habe ich mich gestern und heute früh mit ganzen Jahrgängen des Hauskreis-Magazins beschäftigt. Ich hatte drei Stapel im Sinn: 1. Kann weg, 2. kann ich für FAQ/Osternacht gebrauchen, 3. Ist vielleicht was für die Kinderfreizeit dabei. Der erste Stapel war zum Glück der dickste. Und dann das Ringen: aber vielleicht kann ich die statt wegzuschmeißen noch fürs bible art journaling gebrauchen… NEIN! Hab ich jahrelang nicht reingeschaut, kommt weg. Und ich habe ja auch noch die Überreste der Stapel 2 und 3, die ich nicht brauche.

Es ist ein gutes Gefühl, etwas geschafft zu haben, auch wenn man es vielleicht nicht so unbedingt sieht wie bei den Kartons. Und in den Stehsammler kommen nun die Yacht-Zeitschriften von Edgar…

Challenge Woche 4

Ich hab das Gefühl, die Wochen gehen immer schneller vorbei. Schon wieder ist es Zeit für den wöchentlichen Rückblick.

Dieses Mal noch eine Porzellandose, von Mama. Früher war da immer entweder Fruchtgummi drin oder Salmiakpastillen oder diese schwarzen kleinen Hustenbonbons in der roten Dose (ich habe gerade akute Wortfindungsstörungen, mir fällt der Name einfach nicht ein). Es ist zu befürchten, dass es nicht die letzte ihrer Art sein wird, denn Mama hatte ein Schrankfach voll mit solchen Bonbonnieren und Co…

Der Kalender von 2018 kam endlich mal in den Müll, denn das längst vergangene Jahr kann auch er nicht zurückholen.

Ein Paar Buchstützen für Kinder (ach ja, auch noch von der Buchhandlung) musste ebenso dran glauben wie ein Paar Kerzenleuchter. Beides geht in die Kiste mit der Aufschrift „Spenden“, ebenso wie diese … Armbanduhr, von der ich nicht mal weiß, wie sie in meine Schreibtischschublade kam. Office-Tools von Tiki Küstenmacher inklusive Fax-Vorlagen hatten ebenfalls ein Dunkeldasein gefristet und sind eindeutig überholt.

Zu guter Letzt kommt heute mal wieder ein Topf Basilikum auf den Kompost. So gern wir alle Basilikum mögen, es scheint nicht auf Gegenseitigkeit zu beruhen. Egal ob in der warmen Küche oder in der kühleren Waschküche, länger als drei Wochen überlebt das Zeug einfach nicht bei mir.

Ermutigt durch zaghafte Erkundungen meiner Schreibtischschubladen habe ich mich nun entschlossen, ab jetzt eine Schippe draufzulegen: Ab heute nehme ich mir täglich EINE Schublade vor. Das scheint mir eine erträgliche Dosis zu sein, der Kompromiss zwischen „Da muss jetzt dringend mal Ordnung rein“ und „Aber alles auf einmal geht doch auch nicht und so viel Platz hab ich auch gar nicht in der Mülltonne“. Außerdem dürfte sich der Frustrationslevel, so viel unnötigen Kram gehamstert zu haben, im Zaum halten.

Challenge Woche 3

Und schon wieder ist eine Woche vorbei. Mit ihr kam die Erkenntnis, dass ich viel mehr Kochbücher besitze, als ich jemals „durchkochen“ kann. Als Buchhändlerin darf ich mich nicht beklagen, denn die Gestalter der Kochbücher leisten tolle Arbeit, was wohl alle nachvollziehen können, die sich der Magie des gefühlt dreihundertsten Kochbuchs zum selben Thema immer noch nicht entziehen können. Oder dem Sammeltrieb: Ich habe doch schon die Länderküchen aus Italien, Spanien, den USA und Europa aus der Reihe CULINARIA (die eher reich bebilderte Kulturgeschichten des Essens in den einzelnen Ländern darstellen als praktikable Kochbücher, aber halt einfach schöööön), da muss ich doch…

Kennst du, nicht wahr? Aber eben auch die kleinen Heftchen im Supermarkt an der Kasse, bei denen ich mich spätestens eine Stunde nach dem Kauf ärgere, weil das eindeutig beste Rezept auf der Titelseite erscheint und ich den Rest eigentlich überhaupt nicht bräuchte. Diese Dinger sind wie Chips.

Deswegen mussten in der vergangenen Woche auch 3 Bücher/Hefte aus dem Kochbuchregal verschwinden. Dazu eine alte Kinderzimmerlampe (kann man ja vielleicht noch irgendwo anbringen, seit mindestens 10 Jahren), eine Standuhr, die ich irgendwann mal ganz toll Retro fand (das war um die Jahrtausendwende herum), die mich aber nur noch ärgert, weil ich sie dauernd abstauben muss, eine Collegetasche vom kleinen Prinzen, aus der ich alterstechnisch echt raus bin und wo mein Notebook auch überhaupt nicht reinpasst (ein Tablet würde dagegen passen), ein ledernes Stifte-Etui, das noch nie eine andere Funktion hatte, als in der Schublade zu liegen und eine kleine Blechdose, in der ein Anspitzer vor sich hin brütet. Mir fällt gerade auf, fünf der Gegenstände stammen aus den Beständen meiner Buchhandlung, die ich vor ungefähr zwanzig Jahren hatte. Übrigbleibsel aus einer Zeit, die größtenteils abgehakt und fast vergessen ist. Time to say goodbye! Obwohl ich die Jahre nicht missen möchte, sind sie vorbei.

Ich merke, wenn ich so kleinteilig vorgehe wie bisher, wird diese Challenge eine Art Rückschau auf meine erste Lebenshälfte. Manches mit Bedauern, sehr vieles mit Dankbarkeit, die unterschiedlichsten Erfahrungen, schöne ebenso wie schmerzliche. Ich trenne mich von Dingen, die Anteil haben, wie ich die wurde, die ich heute bin.

Und ehe das hier jetzt zu rührselig wird, mach ich Schluss für heute und begebe mich an die Arbeit. Bis demnächst 🙂

PS: Ich muss der Vollständigkeit halber mindestens erwähnen, dass die anderen Mädels ebenfalls diszipliniert mit Aussortieren beschäftigt sind 😉