Countdown -Teil 7

Am Sonntagmorgen habe ich mir die Ruhe und die Laune vermiest, indem ich weitergelesen habe. Es ging im gelesenen Kapitel vor allem um globale (Klima-)Gerechtigkeit. Denn das Klima wirkt global, Emissionen machen nicht an politischen Grenzen halt und es ist auch ganz klar, dass am meisten unter den Klimafolgen bisher die Länder leiden, die am wenigsten zu den Problemen beigetragen haben. Allerdings sind es autokratisch regierte Nationen wie China und Russland, die am meisten auf der Bremse stehen, wenn es zum Beispiel um den Meeresschutz in der Antarktis geht (Stichwort: Bodenschätze). Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es ziemlich mittelmäßig ist, dass wir immer wieder mit dem Finger auf China zeigen, wenn die Produkte, die dort unter klimaschädlichen Voraussetzungen hergestellt werden, in Mitteleuropa konsumiert werden.

Wir verharren im „Wird schon nicht so schlimm werden“, wenn es um das globale Klima geht, das eindeutig aus dem Ruder gelaufen ist. Warum eigentlich? Wenig Sichtbarkeit (außer bei konkreten Ereignissen, wo dann aber trotzdem beschwichtigt wird), wenig Vertrauen der Staaten untereinander, die Einstellung „Ich bewege mich erst, wenn die anderen das auch tun“ (die dazu führt, dass sich keiner bewegt) und dann kommt ein großartiger Satz, der einem aber das ganze Dilemma vor Augen führt:
„Der deutsche Neurowissenschaftler Henning Beck, der sich auch mit dem Klimawandel beschäftigt hat, argumentiert damit, dass man die Zukunft nicht spüren kann, und deswegen sei sie den Menschen egal. (S. 162/287 eBook)
Besser kann man das Trauerspiel nicht in einem Satz ausdrücken.

Latif fährt fort:
„Die Zukunft würde im Gehirn einer Art „Downgrade“ unterliegen, so Beck, es sei denn, man kann die Zukunft im Gehirn real werden lassen. Meine eigene Erfahrung sagt mir, dass die Zukunft zum Beispiel durch Kunst in den Köpfen erzeugt werden kann, etwa durch Musik, Theater, Malerei oder auch Bildhauerei. Oder durch spannende Filme und Erzählungen, die eine positive Zukunftsvision transportieren. Das funktioniert. Man erreicht zwar nur vergleichsweise wenige Menschen und oftmals gerade diejenigen, die man gar nicht mehr davon überzeugen muss, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit das Leben der Menschen bestimmen sollte. Trotzdem sind diese Dinge wichtig, weil die, die man erreicht, wichtige Multiplikatoren sind.“ (S. 163/287)

Bei diesen Sätzen geht meine Erinnerung mal wieder spazieren. Ich sehe eine deutliche Parallele zu Büchern und Filmen aus den Genres Fantasy und Science Fiction, gerade aus den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts: viele dieser Geschichten spielen in der Zukunft, wobei die Welt durch eine große Katastrophe lange unbewohnbar war. Der Aufbau neuer Zivilisationen, meist mit mittelalterlichem Standard oder auch das auf ganz niedrigem zivilisatorischen Niveau stattfindende Überleben vereinzelter Menschen trägt Filme wie „Waterworld“, „Mad Max“ oder „The Day after“, Buchreihen wie „Shannara“, „Die Drachenreiter von Pern“ und viele andere. Der Entstehungsepoche geschuldet wird meist eine Atomkatastrophe vorausgesetzt, aber im Endeffekt spielt dieses Detail die kleinste Rolle.


„Umgekehrt scheint es verhängnisvollerweise einfacher zu sein. Der ehemalige Präsident der USA, Donald Trump, hat es geschafft, mit Lügengeschichten Massen gegen den Klimaschutz zu mobilisieren. Wie also können wir breite Schichten der Bevölkerung dafür gewinnen, für einen Klimaschutz zu sein, der seinen Namen verdient? Beim Impfen hat bei einigen die Aussicht auf eine Bratwurst geholfen. Was aber ist das Pendant zur Bratwurst bei der Bewältigung der Klimakrise? Hierauf haben wir keine Antwort, zumindest keine, die bisher in der Praxis funktioniert hätte. Eines scheint mir jedoch glasklar zu sein: Wenn wir nicht die allermeisten Menschen für die Überwindung der Klimakrise gewinnen, indem sie merken, dass sie selbst oder die Gesellschaft von den notwendigen Veränderungen profitieren, werden wir das Problem nicht in den Griff bekommen. Ohne eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für Klimaschutzmaßnahmen werden wir nicht weit kommen.“ (S. 163/287)

Warum fehlt die breite Akzeptanz, und ich möchte hinzufügen, nicht unbedingt in der Bevölkerung, sondern zunächst mal in konventioneller Politik und Ökonomie? Es wird vor allem darauf geschaut, was es heute kostet, etwas zu tun. Dass es viel teurer wird, und zwar in jeglicher Hinsicht, wenn das „Tun“ ständig verschoben wird, das stört viele vermutlich vor allem deswegen nicht, weil sie mit den Folgen nicht mehr (lange) leben müssen. Und weil den Menschen, die sich heute schon einschränken müssen bei der gesellschaftlichen Teilhabe, immer nur vorgerechnet wird, was alles nicht mehr gehen wird, und das ist perfide und unredliche Bauernfängerei noch dazu.

Mit diesen niederschmetternden Gedanken werde ich jetzt erstmal dieses Lesetagebuch beenden. Ich habe lange darüber nachgedacht, ich werde auch das Buch weiterlesen, aber ich brauche jetzt eine große Pause davon. Ich habe in den letzten Tagen und Wochen gemerkt, dass die ganze Dringlichkeit, die in der Thematik steckt, gemeinsam mit dem Unverständnis, wie man so dermaßen den Kopf in den Sand stecken kann und allem anderen, was mich sowieso auch noch beschäftigt hält, mich einfach zu sehr runterzieht. Ich brauche Tapetenwechsel.

Countdown – Teil 6

Vorab: Es geht immer noch zäh voran mit dieser Lektüre. Einen Roman hätte ich möglicherweise schon in die Ecke gepfeffert. Obwohl, vielleicht auch nicht, denn das langsame Vorankommen hat nichts damit zu tun, dass ich mit dem Text fremdele, eher im Gegenteil. Ich habe beim Lesen einfach unheimlich viele Assoziationen und es kommen mir zusammen mit dem, was in der Welt aktuell los ist, sehr viele „Seitengedanken“.
Heute früh zum Beispiel schaute mein Mann nach dem Frühstück ins „Morgenmagazin“ und als ich dazukam, wurde gerade der sächsische Ministerpräsident interviewt.

Abgesehen davon, dass es schon einiges an Ignoranz und gleichermaßen Chuzpe verlangt, 16 Jahre lang die Haupt-Regierungspartei gestellt zu haben und ein Dreivierteljahr nach der Abwahl alles, was gerade nicht so gut läuft (vor dem Hintergrund eines barbarischen Krieges in der Nachbarschaft, der uns „erst“ – sorry, das klingt schiefer als beabsichtigt – seit einem Vierteljahr in Aufregung hält) der Nachfolgeregierung in die Schuhe zu schieben, den Atomausstieg mal wieder in Frage zu stellen (ohne die Einwände wie abgebrannte Kernelemente, dadurch geringere Reaktorsicherheit, Uranvorkommen sitzen wo? Richtig, Russland! und andere Argumente in Erwägung zu ziehen), aber seit 11 Jahren AKW-Ausstiegsbeschluss die erneuerbaren Energien ausgebremst zu haben – BOAH!!!

Durch diesen Monstersatz müsst ihr nun durch, ich bin so auf der Palme, da kann ich nicht anders schreiben.
Ich glaube, ich erwähnte es schon, den seriösen Wissenschaftlern wird zum Verhängnis, dass Wissenschaft natürlicherweise mit Ungewissheiten zu tun hat. Was zum Teil daran liegt, dass manche Elemente der Natur eine gewisse Unberechenbarkeit haben, aber auch die Voraussetzungen der menschlichen Gesellschaft sich immer wieder ändern. Der Krieg in der Ukraine ist zum Beispiel nicht nur zwischenmenschlich absolut schädlich, sondern auch eine gigantische Ressourcenverschwendung/-vernichtung!

Aber, und jetzt folgt mal wieder ein Zitat aus dem Buch, das zum Nachdenken anregt:
„Dass es Grenzen der Vorhersagbarkeit gibt, kann aber kein Grund dafür sein, nicht alle Anstrengungen zu unternehmen, um die globale Erwärmung auf niedrigem Niveau zu begrenzen. Ganz im Gegenteil! Wir müssen das Undenkbare denken und danach handeln. Das lehren uns die letzten Jahre, wo wir immer wieder von extremen Wetterereignissen überrascht worden sind.“ (S. 121/187 eBook)

Das fällt uns schwer. Das verbannen wir gern in ein Genre, welches „Science Fiction“ genannt wird, oder „Dystopie“. Künstler aller Art, ob Filmemacher, Schriftsteller, Maler oder auch Musiker, haben offensichtlich weniger Probleme damit als Politiker und Ökonomen.
Beim Zähneputzen heute kam mir der Gedanke, dass so mancher Naturwissenschaftler sich mit seinen Erkenntnissen vermutlich ähnlich fühlt wie ein moderner Galileo Galilei: Was nicht in den Kram passt, wird geleugnet. Stattdessen wird davon gesprochen, dass der Mensch sich an die neuen Gegebenheiten anpassen solle.

Finde den Fehler: wenn davon die Rede ist, dass wir unsere Wohnungen und Büros im kommenden Winter ein bis zwei Grad weniger aufheizen, um Gas zu sparen, dann ist von Mietervereinen, Gewerkschaften etc. der Aufschrei groß. Das ginge ja nun gar nicht, dass wir für „den Frieden frieren“ sollen. Wie dekadent ist das denn? Was sollen die Menschen in den Kriegsgebieten davon halten? Hier wird die relativ geringe Anpassung (Pullover, dicke Socken, Sofadecke gibt es ja auch noch) rundweg ausgeschlagen. SchülerInnen und Lehrpersonal, Einzelhandelskaufleute und was weiß ich noch durften mussten den letzten Winter allerdings frieren, LÜFTEN GEGEN CORONA, da war das angeblich „alternativlos“.

Finde den nächsten Fehler: „Und auch der menschliche Körper kann sich nicht an ein extrem warmes Klima anpassen. Wie will man sich, frage ich Sie, an Temperaturen von weit über 40 Grad Celsius anpassen, die an die 50 Grad Celsius heranreichen oder in den nächsten Jahren vielleicht noch über die 50-Grad-Marke steigen? Der menschliche Körper ist dafür nicht geschaffen. Der Klimawandel ist zuallererst eben auch ein enormes Gesundheitsrisiko, worin ein bisher wenig beachteter Aspekt in der Debatte über die globale Erwärmung besteht. Schon länger warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor einer medizinischen Katastrophe durch den Klimawandel. In einem offenen Brief, der kurz vor Beginn der 26. Weltklimakonferenz veröffentlicht wurde, die in Glasgow im Herbst 2021 stattgefunden hat, heißt es: „Die Verbrennung fossiler Brennstoffe bringt uns um. Der Klimawandel ist die größte Gesundheitsbedrohung für die Menschheit. Niemand ist vor den gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels sicher, aber die Schwächsten und Benachteiligten sind unverhältnismäßig stark betroffen.“ (S. 125/187)

Ich kann nicht anders als mich dieser Einschätzung des Autors anzuschließen:
„Deswegen ärgere ich mich maßlos, wenn in der Diskussion über die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen immer wieder Stimmen laut werden, nach denen es doch „vernünftiger“ wäre, weil weniger teuer, sich einfach anzupassen, anstatt die notwendigen Schritte zur Begrenzung der globalen Erwärmung zu gehen, sprich die Treibhausgasemissionen zu senken. Das kommt einer Verhöhnung der bisherigen Opfer des Klimawandels gleich und ist respektlos gegenüber den armen Ländern, die am stärksten unter der globalen Erwärmung leiden und kaum die Möglichkeiten zu einer Anpassung haben, weder finanziell noch technologisch. Die globale Erwärmung weiterlaufen zu lassen, ohne sich gegen sie zu stemmen, wäre gegenüber den zukünftigen Generationen ohnehin nicht zulässig, weil deren Einverständnis nicht eingeholt werden kann. Sie werden mir sicherlich zustimmen, dass die Menschen, die noch nicht geboren sind, mit Sicherheit mit einem „Weiter so wie bisher“ nicht einverstanden wären. Die Klimafrage ist deswegen zuallererst auch eine Frage der Gerechtigkeit, zwischen den Ländern, zwischen Arm und Reich und zwischen den Generationen.“ (S. 128f./187)

Mit diesen, zugegeben etwas bitteren Worten lasse ich euch nun eure eigenen Gedanken machen. Die Arbeit ruft gleich. Zurzeit nutze ich übrigens das 9 €-Ticket, bin ganz begeistert und habe auch schon nach einem Anschluss-Abo gesucht, wenn das ausläuft. Ich sach‘ mal: Es ist kompliziert… (Stichwort: Tarifdschungel der Verkehrsverbünde…)

Countdown- Teil 5

Als ich heute früh wach werde, höre ich ein leises Rauschen vor dem Schlafzimmerfenster: es regnet, richtig schön. Richtig schön bedeutet: es pladdert nicht mit viel Druck, sondern es ist ein gleichmäßiger Landregen, wie aus dem Rasensprenger. Im Radio machen die Moderatoren Witze über das Wetter. Ehrlich gesagt, denke ich spontan, ich führe inzwischen lieber Unterhaltungen über Glaubensfragen als Smalltalk übers Wetter zu halten. Ist unverfänglicher…

Landwirten gestehe ich augenblicklich einen zwiespältigen Blick zu: denn während Herbstkulturen wie Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben von dem Regen profitieren, ist es natürlich blöd für die gerade begonnene Getreideernte, dass es heute nicht trocken ist. Aber im Großen und Ganzen brauchen wir den Regen.

Aber nun zum Buch: Habe ich schon über Extremniederschläge, Dürreereignisse und den Jetstream gelesen, so kommt es jetzt zu dem, was uns Menschen offensichtlich Probleme beim Verständnis bereitet: Zusammengesetzte Ereignisse, also die unterschiedlichen Kombinationen von scheinbar gegensätzlichen Wetterereignissen. Die machen alle Vorhersagen unberechenbar.
Es ist übrigens nach dem, was ich bisher gelesen habe, ein grundlegendes Problem, dass die Art, der Zeitpunkt und das konkrete Aussehen von Kipppunkten zurzeit noch kontrovers diskutiert werden. Das hat zur Folge, dass sehr viele Menschen sich denken, solange es nicht restlos zweifelsfrei bewiesen und auch nicht tatsächlich eingetroffen ist, brauchen wir noch nichts tun.
Und das ist ein Trugschluss. Denn egal, was passieren wird: es wird dann unumkehrbar sein.

Oder hat es schon mal irgend jemand gesehen, dass ein bereits einstürzender Jenga-Turm sich plötzlich spontan wieder aufrichtet?

Wir beklagen lieber wortreich relativ kleine Eingriffe in angebliche „Freiheitsrechte“, als uns damit auseinanderzusetzen, dass unweigerlich ein Punkt in erreichbare Nähe rückt, an dem uns die Entscheidungsgewalt entgleitet. Wir riskieren die Freiheit unserer Kinder und Enkel um unserer eigenen Bequemlichkeit willen.
Das hat etwas von kindlichem Augenzuhalten: Wenn ich etwas nicht sehe, dann kann es mich auch nicht sehen (respektive passieren).
Zugleich stampfen PS-Junkies in den sozialen Medien verbal mit den Füßen auf, bestehen auf ungebremstem Rasertum und kommen sich dabei offensichtlich wichtig, erwachsen und stark vor. – Wer sagt es ihnen?

Ja, es gibt tatsächlich Gründe, schnell zu fahren: Mit Blaulicht und Martinshorn, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht. Phallus-Ersatz (Viagra auf vier Rädern?) dagegen gehört nicht dazu.

Übrigens, ich halte es für sehr seriös, dass Mojib Latif bei allen Szenarien, die er beschreibt, auch immer wieder darauf hinweist: es gibt Unsicherheiten. Nicht alles lässt sich genauestens vorhersagen oder berechnen. Natürlich nicht, denn viele Komponenten, wie zum Beispiel wirtschaftliche Entwicklungen, aber auch das Verhalten eines jeden Einzelnen, liegen noch vor uns.
Aber Politik und Wirtschaft sowie auch ein großer Teil der Menschheit können nur schwer mit Unwägbarkeiten umgehen. Man wünscht sich Planbarkeit und Eindeutigkeit.
Ich habe allerdings in der letzten Zeit einige Bücher von Latif gelesen, auch solche, die er schon ganz am Anfang des Jahrtausends geschrieben hat. Seine Trefferquote der Szenarien ist beachtlich hoch.

Zum Schluss dieses Tagebucheintrages möchte ich eines zu bedenken geben, worauf Latif im Buch hinweist, und diese Bemerkung geht vor allem an die Leute, die mit der FDP glauben, Technologie wäre der Schlüssel:

„Gestatten Sie mir eine Bemerkung zu den negativen Emissionen. Die Simulationen mögen den Eindruck erwecken, als ob das 2-Grad-Ziel leicht zu erreichen sei. Doch das wäre ein großes Missverständnis. Denn in den entsprechenden Szenarien sind bereits negative Emissionen enthalten. Damit wird implizit davon ausgegangen, dass in einigen Jahrzehnten technologische Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um große Mengen an Treibhausgasen wieder aus der Atmosphäre zurückholen, und zwar mehr, als in sie emittiert wird. Nur gibt es diese Technologien bislang gar nicht. Ohne die negativen Emissionen ist die Welt tatsächlich auf einem Kurs, der eine globale Erwärmung von etwa 3 Grad Celsius bedeuten würde. Die Menschen sind also schon längst eine Wette auf die Zukunft eingegangen. Außerdem könnten die Verfahren zur Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre andere gewaltige Umweltprobleme verursachen. (auf meinem Reader S. 116/287)

Was bisher geschrieben wurde:

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/06/23/neues-lesetagebuch-countdown/

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/06/25/countdown-teil-2/

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/06/29/countdown-teil-3/

https://annuschkasnorthernstar.blog/2022/07/03/countdown-teil-4/

Countdown – Teil 3

„Deutschland hatte mit der Flutkatastrophe eine völlig neue Qualität eines Unwetters erlebt. Hierzulande hatten wir es zwar auch vorher schon mit heftigen und zum Teil langanhaltenden Regenfällen mit katastrophalen Überschwemmungen zu tun gehabt, die zu gewaltigen Schäden in Milliardenhöhe geführt und auch einige Todesopfer gefordert hatten. Aber in der Gesellschaft scheint kaum jemand das bei uns extremer werdende Wetter während der jüngeren Vergangenheit so richtig ernst genommen zu haben, weder die zunehmenden Hitze- und Trockenphasen noch die sich häufenden Starkniederschlagsereignisse. Niemand außerhalb der Wissenschaft schien offenbar damit gerechnet zu haben, dass es auch noch viel schlimmer kommen könnte.
Welchen Anteil die globale Erwärmung an der Flut in Deutschland im Sommer 2021 hatte, ist schwer zu beziffern. Dass aber der aufgeheizte Planet die Flutkatastrophe begünstigt hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Die wärmeren Temperaturen haben die Wahrscheinlichkeit für Starkniederschläge und damit das Risiko für Überschwemmungen schon deutlich erhöht.“
(Kapitel: Extremniederschläge, S. 37/170 bei meinem eBook)

Schon mal sehr heiß und sehr ausgiebig geduscht? Nein, das ist jetzt keine Fangfrage zu klimafreundlichem Verhalten bei der Körperhygiene. Ich könnte auch fragen: Schon mal Pflaumenmus/Bolognesesoße gekocht? Drei bis vier Stunden bei hoher Temperatur im Topf gerührt, damit das Mus/die Soße richtig schön dick einkocht?
Wer eine dieser Fragen mit „JA“ beantworten kann, sollte auch die dicken Wasserdampfschwaden kennen, die in solchen Situationen entstehen. Warme Luft bindet mehr Wasserdampf. Aber auch eine so gesättigte Atmosphäre kann irgendwann nicht mehr aufnehmen und dann regnet es. So richtig. Wie Monsun. Aber im Gegensatz zu tropischen Regenwäldern, die (noch) lockeren und aufnahmefähigen Boden haben, ist in Deutschland wahnsinnig viel versiegelt oder zumindest heftig verdichtet.
Das. Kann. Nicht. Gutgehen!

Was aber vollends durcheinanderbringt, ist eine zweite Sache:
„Nicht nur Starkniederschläge, sondern auch Dürren können sich infolge der globalen Erwärmung häufen. Das kann sogar in ein und derselben Region der Fall sein, was zunächst etwas widersprüchlich klingen mag. Im vorangehenden Kapitel haben wir uns mit den Gründen für die Zunahme von Extremniederschlägen beschäftigt. Jetzt wollen wir der Frage nachgehen, warum es in einer wärmeren Welt auch mehr Dürrephasen geben könnte. Dabei spielen zwei Faktoren eine fundamentale Rolle. Erstens: Steigende Temperaturen führen im Allgemeinen zu einer erhöhten Verdunstungsrate, was die Böden schneller austrocknen lässt. Dieser Prozess würde schon für sich allein Dürresituationen wahrscheinlicher machen, ohne dass sich die Niederschläge selbst verändern müssten. Und zweitens können sich die Niederschläge selbst verändern, entweder im Langzeitmittel und/oder ihrer statistischen Verteilung.“ (Kapitel Dürre, bei mir S. 43/170)

Dass beides gleichzeitig (in verschiedenen Landesteilen) oder im Wechsel auch hier in unseren gemäßigten Breiten auftaucht, passt in vielen Köpfen nun überhaupt nicht mehr zusammen. Solche Verhältnisse gibt es in Afrika, Asien oder Südamerika, aber doch nicht hier, oder? Sandstürme an der Ostseeautobahn A20 oder in Mecklenburg-Vorpommern auf den riesigen Getreidefeldern ohne Baum und Strauch dazwischen, um dem Wind Einhalt zu gebieten.

Und dazu Omega-Wetterlagen, die sich wochenlang nicht vom Fleck bewegen. Wir sollten uns an diese Verhältnisse gewöhnen, statt an jedem Wintertag mit Frost reflexartig zu sagen: „Es gibt ja doch noch kalte Tage, wird schon nicht so schlimm.“

Für heute höre ich erstmal wieder auf. Immerhin habe ich jetzt noch einen Arbeitstag vor mir, an dem die Kundschaft es verdient hat, von einer einigermaßen gut gelaunten Buchhändlerin bedient zu werden😉.

Habt einen guten Sommertag, geht sinnvoll mit dem Wasser um und haltet euch kühl.

Neues Lesetagebuch: Countdown

|Werbung, unbezahlt|

Am 23. Juni 2022 – also heute – habe ich ein neues Buch begonnen. Während ich das hier schreibe, zeigt meine Wetterstation 28 Grad im Schatten auf der Nordseite unseres Hauses an. Für morgen sind schwere Gewitter angekündigt.
Die ersten schweren Waldbrände sind unter Kontrolle gebracht, insgesamt gab es noch nie so früh im Jahr so hohe Waldbrandgefahr.

Alles das veranlasst mich, wieder einmal ein Lesetagebuch auf dem Blog zu führen. Es geht um „Countdown“. Kein Thriller, auch wenn sich der Titel danach anhört, sondern das neueste Buch von Mojib Latif. – Hm. Vielleicht doch ein Thriller, aber real?

Hier ein paar Auszüge aus dem Vorwort:
Mit Die Grenzen des Wachstums hatte der Club of Rome den Menschen die Augen geöffnet. Der Bericht machte klar, dass ein „Weiter so wie bisher“ keine Option sei, dass man die Erde also nicht beliebig ausbeuten könne. Doch nach Erscheinen des Berichts hatten die Menschen ihre Augen gleich wieder geschlossen, um in diesem Bild zu bleiben. Denn die Trends haben nicht nur angehalten, sie haben sich sogar noch beschleunigt. Wir haben die planetare Geisterfahrt fortgesetzt, vor der der Club of Rome schon vor einem halben Jahrhundert gewarnt hat. Heute sind sich die allermeisten Expertinnen und Experten darin einig, dass der Club of Rome mit seiner Warnung recht gehabt hatte. 50 Jahre später nähern wir uns tatsächlich den Wachstumsgrenzen, und einige haben wir längst überschritten. Das ist überall auf der Welt spürbar, vor allem, aber nicht ausschließlich, an den dramatischen Auswirkungen der sich beschleunigenden und erwiesenermaßen von der Menschheit verursachten globalen Erwärmung, im Folgenden auch Klimawandel genannt. Die globale Erwärmung und ihre Auswirkungen stehen im Vordergrund dieses Buches. Infolge der steigenden Temperaturen häufen und intensivieren sich Wetterextreme rund um den Globus, unter denen Jahr für Jahr mehr Menschen zu leiden haben. Die Begrenzung des Klimawandels ist eine riesengroße Herausforderung für die Menschheit, und das in jeder Hinsicht: technologisch, finanziell und kulturell. […] Warum kommen wir nicht vom Wissen zum Handeln? Was läuft schief, und warum kommen wir so gut wie nicht voran, wenn es um die Begrenzung des Klimawandels geht und um andere globale Probleme, vor denen die Menschen stehen? Niemand bestreitet doch den Mangel an Nachhaltigkeit und dass unsere Lebensweise nicht zukunftsfähig ist. […]
Sollten wir als Gesellschaft nicht die Offenheit haben, uns nicht allein auf das zu konzentrieren, was wir wissen, sondern auch danach zu fragen, was wir nicht wissen? Was haben wir zur Herbeiführung des Wandels übersehen? Viele Jahre lang glaubten wir – auch in Teilen der Wissenschaft, und ich will mich hier nicht ausnehmen –, dass Wissen allein zum Handeln führe. Zum Beispiel, dass wissenschaftliche Daten, wie die in der Abbildung 1 gezeigten, eine starke Geschichte erzählen und ein Umdenken in der Klimapolitik bewirken würden.

Wie wir inzwischen hinlänglich wissen, führt das Wissen nicht zum Handeln, und wenn, dann viel zu zögerlich. Deswegen möchte ich hier gern ein paar Denkanstöße des Autors anführen und meine Gedanken dazu teilen.
Wusstet Ihr eigentlich, dass ziemlich genau vor 30 Jahren schon einmal ein junges Mädchen den Mächtigen der Welt kräftig die Leviten gelesen hat?

Übrigens war sie 2012 auch wieder dabei und zog eine teilweise katastrophale Bilanz. Zu einem Zeitpunkt, als Greta noch lange nicht ans Streiken dachte.

Fürs erste lasse ich euch heute mit diesen Infos allein, und für alle, die mitlesen möchten, hier die bibliographischen Angaben:
Mojib Latif, Countdown, Herder Verlag, ISBN 978-3-451-39271-9, € 22,–
Erhältlich in der örtlichen Buchhandlung☺

Regenbogen und Freudentränen

Von innen nach außen und von außen nach innen. Texte und Fotos

ROYUSCH-UNTERWEGS

Reiseberichte, Radtouren, Wanderungen, Bilder und mehr ....

Kommunikatives Lesen

Rezensionen zu aktuellen Büchern aus den Beststeller-Listen

Gnubbels kleine Gedankenwelt

Wenn man niemanden zum Reden hat aber die Gedanken und Erlebnisse einfach raus müssen...

Unterwegs ist das Ziel

Ausflugsziele und DIY Anleitungen

Allerlei Gedanken

von Monika Huber

Sterntaler

Die Ostsee unter Segeln entdecken

Ich lese

Bücher sind die Freiheit des Geistes

Charis {ma}

Intuition ist besser als gar kein Plan ...

Schnippelboy

Ein Tagebuch unserer Alltagsküche-Leicht zum Nachkochen

Birthes bunter Blog-Garten

Grüner Garten-Frische Küche-Bunte Alltagswelt

Stachelbeermond

Wie das Leben - schön und stachelig

Wortman

Willkommen in den WortWelteN

CoffeeNewstom

Toms Welt des Kaffees

Marthas Momente-Sammlung

Bilder, Gedanken, und Geschichten.

The Organized Coziness

Interiorblog | Wohnen • Lifestyle • Kreatives

mutter-und-sohn.blog

Kluge Gedanken. Aus dem echten Leben

wortverdreher

Texte und Gedichte zu den Themen Tanzen und Leben

Kulturbowle

KulturGenuss, Bücherlust und Lebensfreude

reisswolfblog

"Bücher bieten keine wirkliche Rettung an, aber sie können den Geist davon abhalten, sich wund zu kratzen." - David Mitchell

wortwabe

Lies mich! Read me!

Naturgeflüster

Impulse für ein natürliches Leben

Taufrisch war gestern

Birgit Jaklitsch: Journalistin, Bloggerin, Autorin

romanticker-carolinecaspar-autorenblog.com

Vorstellung meiner Bücher - Blog: Romanti(c)ker

Künstlerhof Lavesum

Einblicke, Geschichten und mehr

Natis Gartentraum

Alles rund um den Garten, Ausflüge und mehr

Meine literarische Visitenkarte

Aus der Feder geflossen und vor die Linse gesprungen

-Naturliebe-

Im Fluss Des Lebens - Altes und Neues wissen

Steinegarten

Pflanzen, Steine und mehr

Die gnädige Frau wundert sich

Szenen eines unordentlichen Lebens

Susis Querbeet

Bücher, Rezensionen, Rezepte, Katzen und mehr

Mein innerer Garten

Leben in emotionaler Instabilität

Wildgans's Weblog

Lese- und Lebensdinge

wupperpostille

...in Verbindung bleiben...

Sustainability

plastic free

Puzzleblume ❀

mit Wurzeln und Flügeln

Reginas Geschichten und Gedichte

Neu: viele Geschichten auch als HÖRGESCHICHTEN

watt & meer

Der Blog watt & meer erzählt von den kleinen und großen Wellen, von Alltag und Urlaub und dem Glück auf 4 Pfoten.

Webgeflüster mit Seele

Der etwas andere Blickwinkel

Hinter den Türen der Stadt

Geschichten mitten aus dem Leben; über Momente die uns prägen, Freude, Schmerz, Hoffnung und Schicksal dem wir täglich begegnen. Ein kleiner Blick ins Innere, ein Blick hinter die Tür.

%d Bloggern gefällt das: